Ausgabe 
31.1.1927
 
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Nr. 25 Erstes Blatt

177. Jahrgang

Montag. 51 Januar 192 Z

Erich« INI tägltA, aufoet Sonntage und Jtlertag*.

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Dr Fnedr TCilb Lange Verantwortlich für Politik Dr Fr Mlh Lange: für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den An­zeigenteil L5>ertr. H.Brch. sämtlich in Dießen.

Die neuen Minister ernannt

Justiz- und Innenministerium noch nicht besetzt

- Dor neuen Vorschlägen

habe, man müsse das neu« deutsche Kabinett nach seinen Taten beurteilen. 3mVictoire" schreibt Herve, dah die neue Regierung Marx eine ausgezeichnete Schranke gepen die äußerste Rechte darstelle, denn sie vertritt die drei Parteien der Rechten, die die meiste Disziplin und Autorität in Deutschland besähen. Es sei aber unrichtig, zu glauben, dah dieser neue Beweis der politischen Wiederaus­richtung Deutschlands für Frankreich keinerlei Schwierigkeiten mit sich bringen werde. Der 3 n t r a n s i g e a n t" sieht in der Regierung der deutschen Rechtsparteien ebenfalls eine Ge­fahr für di« französische Politik und fordert, dah Frankreich sich innerpolitisch rasch sam­mele und eS nicht unterlasse. Beziehungen zu seinen Derbündeten zu pslegen.

Der Reichspräsident an die scheidenden Minister.

Berlin. 30. 3an. (Wolff.) Der Herr Reichspräsident hat an den aus seinem Amte scheidenden Re i chs p o st m i n i ste r Dr. Stingl nachfolgendes persönliches Schreiben gerichtet:

auch die innere Politik Deutschlands genommen hat, die Auhenpolitik Frankreichs muh ohne daS geringste Schwanken s o r t g e s e tz t werden. Wenn die Politik der Entspannung Schiffbruch leiden sollte, darf Frankreich nicht die Alr- fache sein. Die Schwierigkeiten müssen von jenseits der Grenze kommen.

DerFigaro" ist der Ansicht, dah man sich die Ausdeutung der jetzigen Lage in Deutschland zu leicht mache, wenn man erkläre, das neue Ministerium bedrohe die Politik von Locarno. 3n Wirtlichkeit verkörpere es einen ständigen Willen und eine augenblickliche Lage. Der ständige Wille sei, dah die Regierenden Deutsch­lands die Wiederherstellung ihrer bewaffneten Macht weder schwächen, noch verlangsamen wol­len. Der Fall Gehler gestatte hierüber leinen Zweifel. Die augenblickliche Loge aber sei, dah Deutschland nach der Reaktion der öffentlichen Meinung in Frankreich nicht glaube, das Recht aus Entgegenkommen zu finden, das es erhofft habe. Man benutze diesen Almstand, um den konservativen autoritären Charakter in der 3nnenpolitik zu verstärken.3 o u r n 6 e i n d u st r i e l l e" verzeichnet die Rachricht, dah Briand gestern nachmittag nach dem Ka- binettsrat, über seine Meinung befragt, erklärt

Vie llotgemeinschast der deutjchen Wissenschaft

Eine Kundgebung in Karlsruhe.

Berlin, 29. 3an. (WB.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident hat den bisherigen Reichs­kanzler Dr. Marx in feinem Amte als Reichs­kanzler beflätlat, auf dessen Vorschlag den Reichs­minister des Auswärtigen, Dr. Sfrefemann, den Reichsarbeitsminisler Dr. Braun», den Rkichswehrminister Dr. Gehler sowie den Reichs- wirtschaitsminisler Dr. Lurtius in ihren bisheri­gen Aemtern bestätigt und den badischen Staatsprä­sidenten und Jinonzminister Dr. h. c. Köhler zum Reichssinanzminisler, den Reichsminister a. v. Schiele, M. d. R., zum Reichsminister für Er­nährung und Landwirtschaft, den Verbandssekretär Dr. h. c. Koch, M. d. R., zum Reichsoerkehrsmini- ffer und den Staatssekretär Dr. Schätzt zum Reichspostminlsler ernannt Mit der Wahrung der Geschäfte des Reichsminister» für die besetzten Ge­biete hat der Herr Reichsprästdent den Reichskanzler Dr. Marx beauftragt Die (Ernennung der Reichs- minister der Justiz und des Innern hat der Herr Reichspräsident mit Rücksicht auf die noch nicht abgeschlossenen letzten Verhandlungen bis Mon- (ag abend ausgesetzt

Oberbürgermeister Aülb legt sein Landtagsmandat nieder.

Mainz, 30. Jan. Das demokratische Mitglied des hessischen Landtags Dberbürpernieifler Dr. ft ü l b hat in einem an seine Fraktion gerichtcten Schreiben mitgcteilt, dah er wegen schwerer Arbeitsüberlastung in seinem Amt als Oberbürgermeister der Stadt Mainz sein Landtags-

Karlsruhe, 30.Jan. (WB.) Auf Deronlaf- fung des badischen Staatsocäsidenten Dr. Köhler fand im kleinen Fefthallensaal eine Kundgebung der Nolgemeinschaft der deutschen Wiss«nfchaft statt. Da- Ju hatten sich zahlreiche bervorragende Gelehrte Sä­ens und anderer deutscher Länder sowie Vertreter aller Kreise der Wissenschaft, die Spitzen be: Be­hörden und eine Reihe Parlamentarier eingefunden.

Der Präsident der Rotgemeinschaft, Staatsminister a. D. Dr. Schmidl-Ott wies darauf hin, dah die Rotgemcinschaft ge­gründet worden sei, um die deutsche Wissenschaft nach dem Kriege vor der Gefahr des Zusammen­bruchs zu reiten. Die Rotgemeinschaft habe in allen Stadien die Alnterstützung des Rei­ches gefunden, was er an dieser S elle dankbar anerkenne. Der Redner erinnerte dann an die großen Aufgaben, die nunmehr der Rclgemein- schaft im Interesse der nationalen Wissenschaft, der Volksgesundheit und der Vol.swohlsahrt harrten, und betonte, dah sich ihre Führer zum Ziel gesetzt haben, die deutsche 3ugend durch die Ausgabe von Stipendien zu wissen­schaftlicher Forschung heranzu- fliehen. Der Rektor der Technischen Hochscyule Karlsruhe, Professor Dr. P r'o b st, versicherte, dah die deutsche Südwestecke chrl.ch bestrebt sei, sich in das große wissenschaftliche Gebiet würdig einzufügen. Er gab unter lebhaftem Beifall be­kannt. dah auf einft mmigen Antrag aller Ab­teilungen zum Ausdruck der Dankbarkeit für die in schwerster Zeit erfolgte Gründung der Rct- gemeinschaft und die seitherige vorbildlich« Lei­tung dem Präsidenten. Staatsminister a. D. Dr. Schmidt-Ott. d.e Würde eines Ehren­doktors der Technischen Hochschule Karlsruhe verliehen wurde.

Geheimrat Professor Dr. Sauerbruch (München) sprach dann über die Fortschritte der Chirurgie, insbesondere die operative Behandlung der Lungentuberkulose und betonte die große soziale Bedeutung dieser Behandlungsmethode. Er i?-e» monftriertc an Patienten die staunenswerten Er­folge. Der Redner gab auch einen Einblick in die Technik der willkürlich bewegbaren Hand bciiy Amputieren. Der Professor für innere Me­dizin in München, Friedrich Müller, berichtete über seine neuerlichen Reiseeindrücke in den Vereinigten Staaten und schilderte die hoch entwickelte medizinische Wissenschaft in Amerika. Er betonte, dah es Deutschland auf die Dauer nicht leicht werde, damit gleichen Schritt zu hal:en. Ec knüpfte daran die Schluh» folgerung: Wir hoben einen Rachwuchs von jungen Leuten, die sich mit ganzer Seele der Forschung hingeben, ohne nach finanziellen Er­folgen zu fragen. C s fehler, nur d i e Mit- t e L ihre Arbeiten ins Werk zu fc^en. Die Rot- geminschast hat sich der Aufgabe unterzogen, der deutschen Wissenschaft die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Der Reichstag und die Reichsbehcrden haben sich der Aleberzeugung nicht verschlossen, daß eine großzügige fi­nanzielle Alnterstützung notwendig ist, um das Ansehen des deutschen Wesens und des deutschen Geistes wieder zur Geltung zu bringen.

Schließlich sprach

Geheimrat Professor Dr. Haber, Berlin, über das ThomaStaat und Wissenschaft' und er­klärte, Deutschland habe heute rechts als die Menschen, denen cs die Ausbildung geben könne. Damit könne und muss« es die Ausgabe lösen, für die zehn Millionen Menscher, für die innerhalb der deutschen Grenzen bei d:r bishericen Organisation kein Brot gefunden werden könne, solches zu finden. Das Reich dürfe den bescheidenen halt nicht auf- gebcn, den es sich in der Rotgemeinjchait geschaffen

Das Ergebnis der thüringischen Landlagswahlen.

Weimar, 30. 3an. (TAI.) Die Wahlen zum thüringischen Landtag verliefen, wie sich bis letzt übersehen laßt, ruhig. Recht gering war die Propaganda der Parteien. Man sah nur wenig Flugblätter und Plakate. Das Strahenbild der Landeshauptstadt zeigte kaum eine Veränderung. Das gute Wetter begünstigte das Wahlgeschäft. Verschiedentlich sah man kranke und gebrechliche Personen zum Wahllokal fahren. Die Wahl­beteiligung bei den Thüringischen Landtags­wahlen war durchweg etwa 70 Prozent. 3n den größeren Städten erreichte sie 80 Prozent. Zu ernsten Zwischenfällen kam es nicht. Die auf die Einheitsliste gefetzten Erwartungen erfüllen sich nicht, da eine Abwanderung in die Wirt'chafts- und Aufwertungspartei offen'ichtkich ist. Das vor­läufige Gesamtergebnis ist aus felgender Aufstellung ersichtlich, bei der die Ziffern der Landtagswahl vom 10.3anuar 1624 zum Ver­gleich herangeflogen sind:

Einheit sllske (Dnkl.v., V. B Canbbunb) 270 625 (422 246) Stimmen 19 (31) Sitze.

Sozialdemokraten 262 827 (210 244) Stimmen', 18 (17) Sitze.

Kommunisten 113 470 (162 144) Stimmen, 8 (12) Sitze.

Rationalistische Arbeiterpartei 29 918 (81 412) Stimmen, 2 (3) Sitze.

Deutschvölkische 9137 () Stimmen, 1 (4) Sih.

Demokraten 26 531 () Stimmen. 2 (4) Sitze.

Dirtschostsparkei 75 500 () Stimmen, 5 (0) Sitze.

Auswerfungspartei 23 156 () Stimmen, 1 (0) Sih.

Insgesamt 56 (72) Mandate.

3m alten Landtag hatten die bürgerlichen Par­teien einschließlich der oereiniaten Völkischen und Nationalsozialisten 42 von 72 Mandaten, also 58,3 Prozent inne gegenüber 41,7 Prozent der Sozial­demokraten und Kommunisten. 3m neuen Landtag verfügen die Einheitsliste, die Wirtschostspartei, bi.- Sparer, die Demokraten, Völkische und National­sozialisten über 30 von 56 Mandaten.

der Deutschnationalen.

.Sehr geehrter Herr Reichsminister!

3hrem Antrag auf Enthebung von dem Amte des ReichspostministerS habe ich mit leb­haftem Bedauern in Würdigung der vorgefrage- nen Gründe entsprochen. Es ist mir ein beson­deres Bedürfnis. Ihnen auS diesem Anlast meinen aufrichtigsteir Dank und meine Anerken­nung auszusprechen für die wertvollen Dienste, die Sie während Ihrer langjährigen Deamten- laufbahn. zuletzt alS Leiter der ReichSpostver- waltung in treuer Arbeit dem Dateriande ge­leistet haben. 3n zwei Kabinetten haben wie das Amt des ReichspostministerS inne gehabt. Sie haben wahrend dieser Zeit den Wieder­aufbau und die Reorganisation der Reichspostverwaltung durchgeführl, den Betrieb der Post in verschiedenen Zweigen m o - d e r n t f i c r t und den Zusammenhang zwischen der Post und der Wirtschaft gefördert. Mit der Geschichte des deutschen Postwesens wird Ihr Rame stets verbunden bleiben. Indem ich meine besten Wünsche für Ihr persönliches Wohl­ergehen ausspreche, bin ich mit dem Ausdruck einer ausgezeichneten Hochachtung Ihr ergebener

gez. v. Hindenburg."

An den bisherigen Reichsminister der Fi­nanzen Dr. R e i n h o l d hat der Reichspräsident folgendes Schreiben gerichtet:

.Sehr geehrter Herr Reichsminister 1

Indem ich Sie auf Ihren Antrag mit dem beifolgenden Erlast von Ihrem Amte als Reichs- Minister der Finanzen entbinde, spreche ich Ihnen meinen herzlichsten Dank und meine aufrichtige Anerkennung auS für Ihre erfolgreiche Tätigkeit an der Spitze des AeichS- finanzministeriumS. In einer Zeit fchwe- ret wirtschaftlicher Krisis haben Sie die Lei­tung dieses Ministeriums übernommen und eS verstanden, durch zeitgemäße Steuer­politik dem deutschen Wirtschaftsleben ohne Schädigung der Rcichsfinanzen Erleichterung zu bringen. Ich hoffe, dah Ihre wertvollen Fähig­keiten und Erfahrungen dem Vaterlande auch künftig nutzbar sein werden und dast Ihr gegenwärtiges Ausscheiden aus dem Reichsdienst keinen Abschied für immer bedeutet. Meine besten Wünsche für ihren ferneren Lebens­weg begleiten Sie. Mit dem Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung Ihr ergebener

gez. v. Hindenbur g."

Auch an die übrigen ausichetdcnden Reichs­minister. die Herren Dr. Külz, Dr. Kröhne, Dr. H a s l i n ö c und Dr. Bell hat der Herr Reichspräs.dent Abschiedsschreiben gerichtet

habe, sondern müsse weiter helfen. Die Wissen­schaft sei ein Grundpfeiler der Nation, sie stutze und stark« unsere Selbstgeltung.

Es würbe eine Entschließung angenommen, in der die Aufmerksamkeit der Reichsregierung und der Länder auf die bedauerliche Erscheinung bin» gelenkt wird, daß die Verbreitung desoeut» jchen wissenschaftlichen Buches im Ausland zuungunsten der deutschen wissenschaft­liche Wertgeltung seit Jahren zurückgeganaen ist. Die Notgemeinschaft bittet deshalb di« Reichsregie­rung, gemeinsam mit den Ländern Mastnahmen zu ergreifen, um dem deutschen wissenschaftlichen Buche eine ftärfere Auslandwirkunq zu sichern. Die Frage der Sicherung des Wissenschaft-, lichen Nachwuchses wurde im Einverständnis mit den Vertretern der Bundesstaaten zur Bespre­chung in Aussicht genommen. Ebenso wurde starkes Interesse der lebhafteren Pflege der wissen- schriftlichen Kenntnis des Auslandes zugewandt. Dann wurde ein Bericht über die Erpe- bition desMeteor" entgegengenommen Ferner lagen die ersten Grgebniffe der verschiedenen For» schungsausgaben, für deren Inangriffnahme das Reich 3 Millionen Mark gewährt hatte, vor.

Kultusminister Lecker unö die preuh-fche S'udentenschaft.

Magdeburg, 29.3an. ITA1.) Am Sams­tag vormit aj begann in Mage5urg der außer* ordentliche preußische Etüden.e:.tag, an dem au­ßer den Vertretern von 16 preuhischen Einzel- studentenschaften der Vorstand und der Haupt- ausschust der deutschen Studentenschaft, sowie der Rektor der Alniversität Breslau, Prof. Dr. ftornemann, der Rektor der Technischen Hoch­schule Hannover, Pro e for Dr. O c ft e r l e n und der Rektor der Alniversität Göttingen, Prof. Dr. Meinardus, teure )men. Der W ihra^.ts- erlast des preuhischen Kultusministers Dr. Becker bildete den einzigen Punkt der Tagesordnung. Dr. Decker hat in diesem Schreiben den preu­ßischen Etüden.«nschaf.en schwere Verstöste gegen Geist und Wortlaut der das 6 tuten ter. recht be­gründenden Staatsministe.ia.Verordnung vom Septemler 1920 vorgewor en. A s Ergebnis der eingehenden Beratungen einigte man sich auf eine Entschließung, in der es u. a. heißt:

Wenn Herr Minister Dr. Becker verlangt, daß die preußischen Einz-elstudentenschasten a u f die Gestaltung des Studentenrechts an den a u s 1 a n d s d e u t s ch e n Hoch­schulen hinwirken, so muß die Tagung er­klären. dast den preuhischen Studenten keiner­lei Machtbefugnisse zustchen. eine Ein- sluhnahm« hierin zu nehmen. Infolgedessen er­scheint den Vertretern der preußischen Stu. enten- schafien der vom Kultusminister beabsichtigte Weg nicht möglich. Insbesondere betont die Tagung, dah ein Abgehen von den groß- deutschen Aufbau der deutschen Stu­dentenschaft dcr Grundidee der studentischen Ellvstverwaltung widerspricht und daher für sie ausgeschlossen ist. In der Frage der Zu­gehörigkeit ausländischer Studierender zu Cinzel- studentenschasten ist die Xagung grundsätzlich be­reit gewesen, an einer Neuordnung der diesbezüglichen Bestimmungen im Sinne einer Mitwirkung des Rektors mitzuarbeiten. Sie must jedoch als Voraussetzung verlangen, dah die selbständige Stellung des Rektors und der Stu­dentenschaft unbedingt gewährleistet ist. Endlich betont die preu'.isch: Student en schäft, dast sie es für unerläßlich hält, daß in Verhandlung zwischen dem preußischen Kulturministerium und den preuhischen Studentenschaften auch der Vor­stand der deutschen Studentenschaft zugezogen werde.

Wie daS Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger dazu aus parlamen­tarischen Kreisen erfährt, empfing Reichs­präsident v. Hindenburg SamStag nach­mittag die deutschnationalen Abgeordneten Gras Westarp und Wallraf zu einer Besprechung über die Pers onellen Schwierigkeiten, die sich In der Zusammensetzung des Kabinetts heute vormittag noch ergeben haben. Im Reichs­tag spricht man davon, dah die Bedenken sich gegen den Abg. Gräf- Thüringen richten, der von der deutschnationalen Fraktion als Iustiz- mtaiflcr benannt ist. Seine Person soll dem Zentrum und der Deutschen DolkSpartei als sehr schwer tragbar für das neue Kabinett erscheinen, weil er der Vorsitzende des völkischen Ausschusses der Deutschnationalen Volks- Partei ist. Daneben erinnern die Gegner seiner Kandidatur daran, dast Abg. Gräf nach feiner Wahl zum Vizepräsidenten des Reichs­tages sich von der üblichen Vorstellung des Prä­sidiums beim Reichspräsidenten Ebert ferngehalten hat. Es wird angenommen, dast diese Dinge bei der Alnterreöunq des Reichspräsidenten mit den Abg. Graf Westarp und Wallraf zur Sprache gekommen sind. Graf Westarp hatte sofort nach seiner Rückkehr vom Reichspräsidenten eine Alntcrrcbung mit dem Abg. Gräf. In par­lamentarischen Kreisen erwartet man, ba'"'. die Deutschnotivnalen zunächst unter sich die Schwie­rigkeiten beraten werden, die sich bei der per­sonellen Zusammensetzung des Kabinetts ergeben haben, und dast eine interfraktionelle Bespre­chung im Laufe des Rachmittags stattsindet.

Es wird davon gesprochen, dast Abg. Gräf von seiner Kandda'ur zurückgetreten ist und nunmehr der Abg. v. Lindeiner das Innenministerium und Abg./Her gt das Justiz­ministerium übernehmen wird. Jedoch geben wir diese Rachricht noch als völlig unverbindlich. 3n den Berliner CBIä'tcrn wird Reichskanzler a. D. Wirth eine Eriiärung veröffentlichen, dast er daS Kabinett ablehne und bei der Abstim­mung gegen das Vertrauensvotum stimmen werde. Wie der ..Montag" berichtet, werden Montag nur die Deulschnationalen eine FraktionSsihung abhalten. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei wird vor- ausfichll ch erst am Donnerstag wieder zusammen­treten. Die Absicht der Volkspartei, mit einer Kundgebung an die Öffentlichkeit zu treten, ist verschoben worden, da man einen vollstän­digen Abschluß der Reg erungsbildtmg abwarten wolle. In der Kundgebung soll auch der Brief des Reichspräsidenten an Dr. Scholz veröffent­licht werden.

Die Meinung in Poris.

P a ri s , 30. Ian. (WV.) Auch die heutige Morgenpresse beschäftigt sich in starkem Maste mit der Bildung des neuen Kabinetts in Deutsch­land. Eie verhält sich e i n tig ablehnend. Einige Blätter deuten die Tatsache, dah in der letzten Minute eine Almbesetzung der Posten des Iustizministers und des 2 n n e n m i n i st e r s vorgenommen wurde, als ein Anzeichen dafür, dah sich eine gewisse Er­kenntnis bereits geltend mache und sprechen auch schon von einer Opposition des linksstehenden F.ügels der Zentrumspar.ei unter Führung des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Wirch. Petit Pa- risien, Marin. Journal, auch Oeuvre sprechen von einem syä en Almschwung und schreiben, die deutsch-sranz ifche Annäherung dürfe nicht Schwankungen auf Gnade und Alngnadc ausgesetzt icin. Don jedem deutschen Kabinett erwarten Dir weniger Worte, als vielmehr T a te n. Die ' Angelegenheit ter deut.chen Ostbefestigungen werde ein Airteil hierüber bald erlauben. Der Q u o t id i en schreibt: Sichere Tatsache list, daß heute nach acht Jahren nach der Re­volution das Deutsche Reich (ich ein Ministerium gibt, in dem die monarchistisch« Wiederausrich­tung mehr Anhänger hat, als die Republik. In außenpolitischer Hinsicht müssen wir uns ^sofort eine Meinung bilden und unsere Haltung be* ' gründen. Leon Blum schreibt in dem so* kiallfiischen Popula ire: Welche Wendung