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vorstehende von Hindenburg eigenhändig geschriebene Zeilen hat der Reichs- prästdenc der Geschäftsstelle der Hindenburgspende als seinen Ginnspruch für die Hindenburgspende zugehen lassen. Auch diese Worte kennzeichnen wieder den ganzen Mann Hindenburg, der nichts anderes denkt und will als das Wohl des deutschen Volkes. Die Annahme für die Hindenburgspende bei der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, Schulstraße 7, eröffnen wir hiermit.

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Dre Ehrenpflicht des deutschen Volkes.

Ein Sinnspruch Hindenburgs zur Hindenburgspende.

Das Leningrader Sowjets gedäude in die Lust geflogen.

Paris, 29. Juli. Aus ZHoslau wird indirekt gemeldet: Der Sowjetregierung ist es bisher gelun­gen. geheimzuhalten, baß die Mitglieder des Sowjets von Leningrad Opfer eines Atten­tats geworden find. Rach den umlaufenden Ge­rüchten wurde das Regierungsgebäude in Leningrad, in welchem gerade eine bedeutsame Sit­zung hervorragender volschewistenführer slatlsand.

recht zu erhalten. Man wird also gespannt dürfen auf die englischen Kommentare, die

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Aeuherungen Locker Lampsons ihre Deutung in dieser Beziehung erst geben können.

Willen beider Parteien zustande ge­kommen ist, ein« vollständige Veränderung eines vorangegangenen Vertrages herbeigeführt wird, so gilt selbstverständlich dieser vorangegan­gene nicht neben dem neuen Vertrag, sondern ist durch ihn ersetzt. Dieser neue Vertrag sieht aber niemals und nirgendwo eine Garantie durch Besatzung vor, sondern macht jede andere Art von Garantie dadurch überflüssig und unzulässig, daß er seine eigenen Garan­tien ganz genau umschreibt und unter die ständig« Kontrolle und Verantwortung eines besonderen, eigens hierfür geschaffenen internationalen Or­ganismus stellt. Deutschland würde niemals den Vertrag unterzeichnet haben, wenn er auch nur im entferntesten die Möglichkeit enthielte, für sein« jahrz«hntelange Lauszeit neben allen Ab­tretungen, Sicherheitsleistungen und Lieber-

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Ihr Verhalten erinnert sei nur an das gewaltsame Eindringen in ein städtisches Bad läßt jedenfalls diese Vermutung aufkommen. Aber auch in der R e - aierungsko in Mission, die von den Franzo­sen völlig beherrscht wird, scheint ein neuer Kurs eingeschlagen worden zu fein, ein Kure allerdings, der sich nur in neuen Peinigungen und Quälereien der Bevölkerung äußert. So ist angeordnet worden, daß die saarländischen Polizisten den Offizieren des Bahnschutzes Ehrenbezeugungen zu erweisen haben. Das wahrscheinlich nur deswegen, um den Saarländern eindringlich zu Oemüte zu führen, wer di« Macht übernommen hat. Nock schlimmer aber ist eine Verfügung der Regierungskommission, wonach den Bahnschutzleuten das Recht der Exterrito­rialität zuerkannt wird. Damit ist jeder Gewalt­tätigkeit Tür und Tor geöffnet, ist es doch unmöglich, gerichtlich gegen Mitglieder des Bahnschutzes vorzu­gehen. Ja, die Exterritorialität ist sogar auf alle fremden Soldaten im Saargebiet ausgedehnt worden. Da ununterbrochen die Grenze von französischen Militärpersonen überschrit­ten wird, und die Gefahr besteht,daß es zu Zwischen­fällen kommt, ist die saarländische Bevölkerung ein-

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sei ixm rückwärts erschossen worden, habe aber auf dem Bücken gelegen; sein« Rasenlöcher seien mit Sägespähnen vollgepfropft ge- Wesen. Vach weiterem Absuchen des großen Feldes habe man noch 20 Solldaten gefunden. Gin Mann, der eine Schuhverletzung am rechten Ohr hatte, habe Zeichen barbarischer Mißhandlung aufgewiesen. Das linke Ohr sei glatt abgeschnitten gewesen. Das Gesicht habe blaurot ausgesehen, eine Folge des Er­stickungstodes, an dem der Mann zugrunde gegangen war. Mund, Vase und Augen seien mit Sägespähnen vollgepfrovft gewesen. Am Hals seien Würgemahle zu sehen gewesen. Einem Dizeseldwebel sei das Schädeldach zer­trümmert worden. Mn anderer haben an der linken Schläfe eine Stichwunde gezeigt, die nicht Xi ® Jl*

tödlich gewirkt haben konnte. Der Goldfinger sei

diesem Mann glatt am Knöchel abgefchnitten v r

unerfüllt beanstandet werden, Dawesvertrag nicht als ein«

der Veparationsverpflichtungen würde. Denn wenn durch ein« Vereinbarung, die frei und m i t

halten. Di« Leichen lagen einzeln; die Aufsicht durch die Offiziere war also schwierig.

2. Die Bevölkerung von Orchies hatte ich aus dem Dorfe völlig zurückgezogen und der Tag xxroot scheint also keine Voll« in oer Angelegenheit gespielt zu haben.

3. Soviel ich weiß es ist mir gesagt worden haben Landstreicher, die «s ja leider überall gibt, heute früh die Leichen bestohlen."

Am Schlüsse seines Berichts schreibt Caudon wörtlich: Auf Wunsch des Herrn Kommandanten füge ich folgendes hinzu: Ich habe etwa 20 Soldaten gesehen, die so verstümmelt waren ich habe Gesichter gesehen, die mit Instrumenten zerfetzt waren, di« keine Kriegswaffen find. Bei dem dritten Dokument handelt es sich um

die Niederschrift de» französischen Pfarrers Louis Ducroquet

aus Flines les VacheS. Er stellt darin fest, daß die Leichname deutscher Soldaten, die er am 25. September in Orchies gesehen habe, Spuren zahlreicher grausamer Verletzu ngen trugen. Es sei möglich, daß gewisse Verletzungen das Ergebnis eines heftigen Äahkampfes gewesen seien. Gr habe eine sehr verstümmelte Hand ge­sehen. 3m Munde eines Toten habe er weißlichen Pflock gesehen, der vielleicht S ä g e m e h l ge­wesen sei. Weiter habe er einen Schädel gesehen, der oben eingeschlagen war. das vierte Doku­ment enthält den

Dienstbericht der beiden Aerzte Jlcumann und vr. Grünfelder vom 26. September 1914.

3n diesem Bericht wird festgestellt, daß bei

durch die Explosion einer Tfiint vollkommen zerstört. Man spricht von 100 Toten. Es ist zur Zeit unmöglich, sich nach Leningrad zu begeben.

Tagen der Reichsverbands der deutschen Industrie.

Königsberg, 29. 3uIL (Tel.) Auf ihrer Ostpreußenreise trafen gestern nachmittag die Präsidial-undVorstandsmitglieder des Veichsverbandes der Deutschen Industrie in Königsberg ein. Bei der Hafenbesichttaung sprach Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer über die in Angriff genommenen Erweiterungsbauten des Ha­fens. Auf dem Begrüßungsabeick) in der Stadt- Halle wies der Oberbürgermeister in einer Rede auf die wirtschaftliche Eigenart Ostpreußens hin. Die Landwirtschaft beeinflusse in stärkstem Maß« die Ostpreußische Wirtschaft. Die geringe Indu- ftrieentwicklung histg« vor allem mit dem Kapi­talmangel Ostpreußens zusammen. Für den Reichsverband der Deutschen Industrie dankte Kommerzienrat Frohwein für die gute Auf­nahme in Ostpreußen. Präsidium und Vorstand traten dann unter dem Vorsitz ihres stellvertre­tenden Vorsitzenden Frohwein zu einer Sitzung zusammen. Vach einer Veihe geschäftlicher Mit­teilungen begannen die sachlichen Beratungen mit einem Bericht des Oberregierungsrates Ada - metz überArbeiten und Ziele des Veichsver­bandes auf dem Gebiete der Verwaltungs- Vereinfachung". Don der Tatsache ausge­hend, daß die Gesamtausgaben von Veich, Län­dern und Gemeinden seit 1924 dauernd ge­stiegen sind, und in Kürze weit über 13 Mil­liarden gegenüber 4,3 Milliarden im Jahre 1913 ausmachen werden, gab der Redner einen ilcber* blick über die gegenwärtigen Verhältnisse in der Verwaltung von Veich, Ländern und Gemeinden. Anschließend daran entwickelte er

Weg und Ziele einer Verwaltungsreform,

wobei er zu dem Ergebnis kam, daß die für die Wirtschaft und das ganze Volk unerträglichen öffentlichen Lasten nur ermäßigt werden könnten, wenn zunächst eine Einschränkung der Gesetzgebungstätigkeit auch auf sozialpolitischem Gebiete, auf dem die Ausgaben sich von 1,4 Milliarden auf rund 4,7 Mil­liarden seit dem Kriege 1913 erhöht hätten, erfolge. Es muffe eine Zusammenfassung der ft a a t (i d) e n Ausgaben in der Mittel- und Lokalinstanz neben besserer Abgrenzung der Verwaltungsbezirk« und eine Übertragung von Staatsausgaben auf untergeordnete Instanzen und die Selbstoerwaltungskörper durchgeführt werden. Neue reichseigene Behörden dürften nur dort ge­schaffen werden, wo die entsprechenden Lanbesbehör- den abgebaut würden. Der Nachdruck sei aber auf den Abbau staatlicher Ausgaben zu legen. Vorschläge hierzu würden den Inhalt einer besonderen Denkschrift bilden, in der auch der Stand der Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Reich, Ländern und Gemeinden behandelt werden solle. Im Anschluß hieran sprach das geschäftsführende Präsidialmitglied des Reichsverbandes, Geheimrat Kastl, über das Verhältnis des Reichs zu den Ländern. Der Redner ging davon aus, daß eine in jeder Beziehung notwendige Verfassungsreform von d«m Gesamtwillen der Nation getragen fein müsse und daß ein Zwang auch in finanzpolitischer Art nur SU einem unbrauchbaren Ergebnis führen könne.

Der versassungsreform vorausgehen mühten die Finanzreform (Reichsrahmenregelung), die Verwaltungsresorm und die Regelung des Fi­nanzausgleiches, um auf diesem Wege zu einem organischen Ausbau zu gelangen.

Schon heute mühte sich die Wirtschaft aber über das Ziel Kar werden. Erhaltung der kultur- polittschen Mgenart der mittleren und größeren Lchider und Ablehnung des Weges über ein Grvß-Preuhen. der nur zur Wiederaus- frischung der Mainlinie führen könne, seien nach Meinung deS Vortragenden die Erforder­nisse bei der Neugestaltung des Reiches. 3n der Diskussion ergriff zunächst der Syndikus der 3ndustrie- und Handelskammer Duisburg, Dr. M v st, M. d. R., das Wort, der daraus hin- wie«, dah die Finanzreform von der Wirtschaft in erster ßmie nach ihrem leisten wirtschaftlichen Erfolg beurteilt werden müsse. Der Redner warnte vor einer weiteren Herabsetzung der Frei- Grenze bei der Einkommensteuer, ebenso wie vor einer Aenderung der Freigrenze bei den Ge­werbesteuern. Dl« Durchführung einer Verwal- tungsvesorm ohne vorherige Aenderung gewisser Verfassungsbestimmungen hält er für unmöglich. Das an sich notwendige Zuschlagsrecht der Ge­meinden zur Einkommensteuer müsse unbedingt mit der Heranziehung der steuerfreien Einkom­menteile verbunden sein. Die Frage der Um­gestaltung des Reiches ist dem Redner eine der bedeutsamsten, sie müsse aber unbedingt entpolitisiert werden. 3n der außer­ordentlich angeregten Diskussion ergriffen ferner die Industriellen Bücher, Thyssen, Silverberg und andere das Wort. Verschiedentlich wurde mit Vachdruck und Ernst auf die Aeuherungen des Reparationsagenten in seinem letzten Bericht hingewiesen.

Präsidium und Vorstand des Reichsverban­des der Deutschen Industrie hatten beute die Vertreter der ost preußischen Behörden und der Wirtschaft nach Beendigung ihrer Beratungen zu einem Frühstück in denBerliner Hof" ge­laden. Kommerzienrat Dusch begrüßte die Ver­treter der staatlichen und kommunalen Behör­den sowie die der ostpreußischen Industrie und Landwirtschast. Er wies u. a. darauf hin, daß

Industrie und Landwirtschaft auf Gedeih und verderb mit einander verbunden seien. Zvxck der Königsberger Tagung sei es gewesen, die gegenseitigen Beziehungen enger 3u knüpfen. Das Wort des Königsberger Philo­sophen Kant müßte in der Gegenwart so befolgt Werdern daß jeder vor allen Dingen seine Pflicht am Vaterland« erfülle. Im all- gemeinen könne man Wohl sagen, daß die Ver­hältnisse gegenwärtig stärker seien als die Men­schen, die uns regieren und die uns in den ver­gangenen Iahren regiert haben. Man dürse aber die Hoffnung nicht verlieren, daß auch wieder einmal ein Mann kommen werde, der die Ver­hältnisse zu meistern versteh«; denn noch immer mühten wirtschaftlich« Schwierigkeiten durchdie Fähigkeiten von Einzel- persönlichkeiten überwunden werden. Man dürfe deshalb das Vertrauen auf die Zu­kunft nicht verlieren. Es werde auch wieder einmal die Zeit kommen, dah die Provinz Ost­preußen ohne Korridor und Trennung zu einem freien Deutschland gehören werde.

Namens der Gäste dankte Ober Präsident Siehr dem Reichsverband dafür, daß er feine Sitzung noch

Sondersitzung des britischen Kabinetts.

Schlechte Nachrichten aus Genf.

London, 30. Juli. (MTV. Funkspruch.) Gan; unerwartet ist gestern abend das englische Kabinett zu einer Sitzung zusammengctreten. Die von London abwesenden Minister wurden durch Kuriere zu dieser Sonderbesprechung geladen. Den Anlaß zu der Zu­sammenkunft des Kabinetts bildeten ernste De­peschen aus Genf an Chamberlain. Ihr In­halt wurde nicht bekanntgegeben, aber es verlautet, dah die britischen Delegierten bei ihrer Ankunft in Genf fanden, dah die Atmosphäre sich nicht gebessert hat. Die Aufnahme der britischen Vor­schläge bei der amerikanischen Delegation war alles andere als begeistert. Man hegt Befürch­tungen über den drohenden Zusammenbruch der Seeabrüstungskonserenz. Es herrscht die Emp- sindung, dah, wenn die drei Mächte außerstande gewesen sind, fiel) über ein beschränktes See- abrüstungsprogramm zu einigen, die Hoffnungen auf eine Vereinbarung zwischen 20 Mächten über die weiterreichenden Probleme der Landabrüslung sehr schwach sind. Man hält es für möglich, dah die Völkerbundsversammlung im September beschllehen werde, die weltabrüstungskonferen; auf unbestimmte Zeit zu vertagen, und dah sie vielleicht sogar zögern werde, die Wiederaufnahme der vor­bereitenden Abrüstungskonferenz im November an­zuraten.

(Eoolibge lehnt Großbritanniens Genfer Vorschläge ab.

London, 30. Iuli. (WTD. Funkspruch.) Eine Exchange-Meldung aus Rapid-City von gestern abend besagt, amtlich wird bekanntge­geben, daß der Präsident Coolidge der Ansicht ist, daß di« Vereinigten Staaten die Genfer Vorschläge Großbritanniens nicht annehmen könn­ten, da ihre Folge fein würde, daß die Ra­tionen sich noch größere Kriegsflotten zulegen würden alS bisher.

sämtlichen Toten, die bei OrchieS gefunden wur­den, die immer wiederkehrende Erscheinung auf­siel, daß die Leichen der Schuhe und Strümps« beraubt und sämtlicher Erkennungszeichen bar _ waren. Der erste Tote, den man gefunden habe,*^^V 4

, . nicht in der Lage, sich gegen die Uebergriffe zur Wehr zu setzen. Mit Zusammenstößen muß aber gerechnet werden, was schon aus dem ganzen Auf- treten des Bahnschutzes selbst hervorgeht. Was aber sagt man in Gens zu dieser Einführung derinter­nationalen" Departements? Wir können nicht glau­ben, daß der Völkerbundsrat, der der Saarbevölke-

getoefen. Fünf Leute hätten nur Verletzungen gezeigt, die nur durch stumpfe Gewalt herbei­geführt sein konnten. Zahlreiche Schußverletzun- gen hätten deutlich erkennen lassen, daß die Schüsse a u ß unmittelbarer Vähe ab­gegeben worden waren. Am barbarischsten seien die Leute der Gegend mit einem Mann um­gegangen, dem die Augen ausgestochen waren. DaS recht« Auge sei vollkommen entseelt gewesen, dcrs linke ausgelaufen. Aus den fest- gestellten Tatsachen habe sich ergeben, daß ein großer Teil der Leute unverwundet in die Hände der Feinde gefallen sei. Die Feinde hät­ten Fluchtversuche dadurch zu verhindern ge­sucht, duß sie den Verwundeten die Hosenträger abschnitten und abtrennten und sie der Schuhe beraubten. Kein Marrn habe einen Ring mehr an der Hand gehabt, obwohl die Stelle, wo ein Ring gesessen hatte, deutlich erkennbar waren.

Das fünfte Dokument enthält

die eidliche Aussage des Hauptmanns Düll vom bayerischen pionierregiment Ingolstadt

vor dem Gerichtsoffizier, Leutnant d. N. Neuen- dorff in Wiesbaden, datiert vorn 30. September 1914. In dem Bericht wird feftgefteUt, daß beim Ab- suchen des Geländes um Orchies 21 Tote vom Regi­ment 35 gefunden worden seien. Sämtliche Leichen seien den in Orchies noch anwesenden Einwohnern gezeigt worden, damit diese sich selbst von dem Zu- stand der Leichen überzeugen könnten. Allen Leichen hätten außer Stieseln und Strümpfen fämlliche Aus- rüftungsftüde, alle Wertgegenstände, der Taschen- Inhalt die Erkennungsmarken, Soldbücher usw. ge- sehlt. Alle hätten Spuren gewaltsamen Todes gezeigt. Auftallend sei es gewesen, daß die meisten noch in der Gliederstarre, die Arme ab­wehrend, vor den Kopf hielten. Bei fast allen seien die Oesfnungen des Gesichts mit Sägespänen ver­stopft gewesen. Hauptmann Dull gibt dann genaue Einzelheiten der gräßlichen Verstümmelungen, di« er an den Toten feststellen konnte. Die Zerstampfung der Fundstellen der Leichen habe den sicheren Schluß zugelassen, daß sich der Betreffende jedesmal gegen eine Anzahl Menschen oerteibigen mußte, von denen er wohl langsam zu Tode gemartert worden sei. Hauptmann Düll ertlärte bann weiter, daß hinsichtlich ber sämtlichen vorbeschriebenen Ber- itümmelungsfäüe seitens ber in Orchies Zurückgeblie­benen, etwa fünfzig Personen, bie volle unb alleinige Schuld auf den anarchi st Ischen Teil der Ortsbevölkerung und einige nicht näher be­zeichnete Frauen geschoben wurde. Hiergegen habe jedoch das Verhalten der Bevölkerung von Dr- chies gesprochen. Anstatt, wie in sämtlichen umliegen­den Ortschaften, deren Bevölkerung sich nichts hatte zuschulden kommen lassen, in ihren Wohnungen zu bleiben und ihrer Beschäftigung nachzugehen, sei die gesamte Ortschaft von nahezu 5000 Personen, außer den genanten zurückgebliebenen einschließlich lies Pfarrers unb bes Bürgermeisters ausge-

11 n b e r t. Der Befunb ber Häuser habe Merkmale plötzlichen unb unvorbereiteten Ausbruchs gezeigt. Die Bevölkerung müsse panikartig bei Annähe- rung der deutschen Truppen geflohen sein. Für die rechtzeitige Benachrichtigung hatten wohl die dort üblichen optischen Mittel Verwendung gefunden.

Neu« Provokationen des Saargebiets.

Unter der Herrschaft des Bahnschutzes.

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 30. Juli. Di« französischen Bataillone haben zwar das Saargebiet verlassen, an ihrer Stelle ist der 800 Köpfe starke sogenannteinter- nationale B u h n s ch u tz" eingezogen-, geändert halt sich aber nichts. Vielmehr ist es sogar noch ' chlechter geworben. Waren bie französischen Sol­daten schon keine angenehmen Zeitgenossen, so sinb es die Bahnschutztruppen erst recht n i ch t. Es sieht beinahe so aus, als ob die Regierungen in Lon­don, Paris und Brüssel Anweisungen gegeben, len, die Leute dein Bahnschutzkorps zuzuteilen, die ionst ständige Gäste ber Arrestlokale zu sein pflegen.

rung durch Zurückziehung ber französischen Truppen Erleichterungen verschaffen wollte, diese Entwicklung gutheißen wirb.

England und die Rheinlandräumung.

Eigener Drahtbericht bes ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 30. Iuli. Anläßlich der außen- polittschen Debatte im englischen Unterhaus, in der Chamberlain einiges Grundsätzliches zur bri- rischen Außenpolitik m bezug auf Rußland und die Seeabrüstungskonferenz erklärte, gab der par­lamentarische llnterstaatssekretärLocker Lamp­son in Erwiderung einer Anfrage einen Bericht über die Stellungnahme der Bosichasterkonferenz zu den Meldungen der militärischen Sachverstän­digen über die Schleifung der Ostbefe- st i g u n g e n ab. Er erflärtc dabei, daß die Bot­schafterkonferenz den Bericht der Sachverständigen gebilligt habe, daß aber das Abkommen mit der deutschen Regierung, (gemeint ist die Genfer Vereinbarung vom vorigen Dezember) noch ei­nige andere Punkte umfasse bezüglich deren die Forderungen nochnichtvölligbe- friedigt feien. Zugleich verwies er mit Bezug auf den Aäumungsanspruch Deutschlands nach Artikel 431 des Versailler Vertrages auf Be­stimmungen. wonach die Besetzung des Rheinlan­des, bzw. dessen Räumung von der Erfüllung der Vertragsverpflichtungen im allgemeinen und nichtnurmit Bezug auf die Abrüstung abhängig sei.

Die englische Erklärung gliedert sich also m zwei verschieden« Teile. Im ersten Teil han­delt es sich um Dinge, die durch eine bestimmte Vereinbarung geregelt worden sind, Fragen, wie dre Bestückung deutscher Küstenbefestigungen, wie die Äafemterung der Schupo, bzw. die Verwer­tung alter Kasernen. Di« diesbezüglichen Verein­barungen sehen zum Teil längere, selbst meh­rere Iahr« laufen de Termine vor die weder verlangt, noch zugestanden sind, ettoa unter dem Gesichtswinkel, daß dadurch die Erfüllung irgendwelcher Verpflichtungen Deutschlands und das Fälligwerden der Gegenverpflichtungen bei den ehemaligen Alliierten um solche Zeitspanne hinausgeschoben wird. Bei dem zweiten Teil han­delt es sich um eine Auslegung der Ver­sailler Vertragsbestimmungen selbst. Da sich diese aus ..Reparationszahlungen" mit allem was damit zusommenhängt und aus Ab­rüstungsverpflichtungen zusammenseyen, so würde nach Erfüllung der Abrüstungsverpflichtungen lediglich unter der Voraussetzung ichch