Oberhessen.
Lauolreis Gretze»
X Klein Linden, 28.Jan. Zum Bedaue.ni vieler Einwohner hat eine Mehrheit des Gemeinderats den für unser Gesallenen- d e n k m a l vorgesehenen Platz auf dem alten Friedhof nicht zur Verfügung gestellt. Man hofft aber trotzdem, durch weitere Verhandlungen dahin zu kommen, daß das Denkmal doch noch an der ursprünglich beabsichtigten Stelle, wenn auch in etwas einfacherer Ausführung, errichtet werden kann, da dieser Platz aus PietatSgründen unbedingt als der geeignetste Ort für das Ehrenmal angesehen werden muh.
• Wieseck, 28. Ian. Zu dem Dericht über l die jüngste Gemeinderatssitzung wird unS von Gemeinderat Kümmel geschrieben: „Sie Bauhütte Gießen-Wetzlar erhielt von der Gemeinde in der Inflationszeit 1 Million Mark als Geschäftsanteil. Diese Million wurde zu 2C0 Mark aufgewertet. In der vorletzten Sitzung wurde der Antrag gestellt, diese 200 auf 600 Mark zu erhöhen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Ich selbst stellte den Antrag für die nächste Sitzung „Austritt der Gemeinde als Ge- felkschafterin." In der letzten Sitzung erklärte ich Wörtlich, die Bauhütte habe der Gemeinde noch keinen Nutzen gebracht. Die eingezahlte 1 Million Mark sei zu 200 Mark aufgewertet und habe in 1924, 1925 und 1926, also in 3 Jahren sage und schreibe 14,32 Mk. Zinsen gebracht. Die Gemeinde leihe das Geld zu 8,35 Prozent und gebe eS bann an die Bauhütte zu 2 bis 2l/i Prozent ab; wo liege hier ein Nutzen für die Gemeinde. Die Bauhütte Dietzen soll sich ihr Betriebskapital da holen, wo es der Privatunternehmer auch holt, nämlich auf der Bank." (Einen Teil dieser Erklärungen des Einsenders hat unser Berichterstatter in seinem Dericht in Nr. 20 bereits ganz richtig mitgeteilt und dabei auch hervorgehoben, welche Argumente von der anderen Seile gegen den Standpunll Kümmels geltend gemacht wurden. D. Red.) .
J £ reiß a. d. L d a., 28. Jan. Bei der heutigen ersten diesjährigen Versteigerung von Brennholz aus dem Staatswald wurden folgende Durchschnittspreise erzielt Für 2 Meter Buchcnscheit 29 bis 32 Mk., Buchenknüppel 24 bis 23. Duchenstöcke 10 bis 12, Cichenscheit 20 bis 26, Cichenlnüppel 14 bis 18, Eichenstöcke 8 bis 10, Kiefernstöcke kamen pro Meter durchschnittlich aus 3,50 Mk., Fichtenstöcke auf etwa 2 Mk. Buchenreisig wurde das Meter mit 2.50, Eichenreisig mit 2 Mk. bezahlt. Die Beteiligung war besonders auch von auswärts ziemlich stark.
z. A l l e n d o r f a. d. L b a., 28. Ian. Bei der gestern ftattg habtrn Gerneinde-Brenn- und Nuhholzversteigerung, zu der zahlreiche Käufer erschienen waren, wurden folgende, zum Teil gegenüber dem Vorjahre erheblich höhere Preise erzielt: Je nach Lage und Qualität für 2 Am. Kiefernfcheiter und Fichten- fcheiter 5,20 bL 23 Mark; Kiefernknüppel und Ftchtenknüppel 10 biS 19 Mk.: Fichtenstocke 1,60 vis 6 Mk.: ca. 5 Am. Fichtenlesholzreisig 5,20 Mark: X Fichtenderbstangen 6 Mk.: Kiefernnuh- rdllen 16 bis 22,50 Mk.
: Beuern, 28. Ian. Bei der gestern im hiesigen Gemeindewald abgehaltenen Nutzholz- Versteigerung tourten außerordentlich hohe Preise erzielt. Zahlreiche Händler und Handwerker aus der Umgebung hatten sich dazu e\xv-
gefunden. Es kosteten im Durchschnitt: Buchenstämme 53 bis 60 Mi. je Festmeter, F.chtenstämme 48 Mk. je Festmeter, Eichen,lämme je nach Qualität 40 bis 100 Warr je Festmcter.
df. L a n g s d o r f, 28. Ian. Dieser Tage fand hier ein L i ch t b i l d e r - B o r t r a g der Liga zum Schutze der deutschen Kultur statt. Dr. Dollhopf, Gießen, der im Jahre 1924 in Brasilien und Argentinien weilte, schilderte in anschaulicher Weise Land und Leute dieser durch Bodenschätze und Fruchtbarkeit so sehr gesegneten Ländern. Er brachte ferner zum Ausdruck, daß diese Staaten uns Deutschen nicht gleichgültig fein dürften, daß wir uns aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen mit ihnen befassen müssen und daß wir alsdann zu dem Schluß kommen, datz sie für uns, namentlich bei der bestehenden Spannung zwischen Nord- und Südamerika, als recht wichtige Absatzgebiete und gleichzeitige Rohstofflieferanten in Frage kommen. Nach Ansicht des Vortragenden bedeutet die Reise Dr. Luthers den Auftakt zu einem engeren Zusammengehen mit diesen Staaten. Dor einer Auswanderung nach Süd-Amerika, namentlich Argentinien, ohne Kenntnis der Landessprache und genügende Barmittel warnte ter Redner eindringlich.
-Hungen, 28. Jan. Am 1. Februar findet hier der diesjährige Hirtenappell und die Hauptversammlung des Oberhessischen Schäfer» d e r ei n 5 statt. Es wird auch ein Schäferlauf veranstaltet.
Kreis Friedberg.
e. Butzbach, 28. Ign, Der Verein für Feuerbestattung veranstaltete am Donnerstag im L chtspielhaus am Bahnhof einen Vortragsabend. Bestattungsdirektor Earl Roth auS Frankfurt a. M. sprach über die Vorzüge der Feuerbestattung. Eine ganze Reihe von Lichtbildern ergänzten den Vortrag. Auch wurde auf die Feuerbestattungskasse „Flamme" hingewiesen. Eine Zahlstelle dieser Kasse wurde hier errichtet.
O Gambach, 28. Ian. Seit geraumer Zeit herrscht in unserem Dorfe die Grippe. Bis jetzt sind sämtliche Krankheitsfälle zum Glück nur leichterer Art. Auch die Masern treten sehr stark auf. Zunächst waren nur die noch nicht schulpflichtigen Kinder davon betroffen, jetzt ergreift die Krankheit aber auch die schulpflichtigen Kinder. So ist fast die Hälfte der Schüler des untersten Jahrgangs an Masern erkrankt. Bei weiteren Krankheitsfällen ist mit einer vorübergehenden Schließung dec betr. Klassen zu rechnen. — Die hessische Lichtbilüstelle in Darmstadt brachte in unserer Kirche den fünfaktigen L u t h e r f i l m zur Vorführung. Der Posaunenchor unö Gemeindegesang verschonten den Abend. Der Besuch war so stark, daß die geräumige Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Der Abend hat allgemein sehr befriedigt.
+ Ostheim bei Butzbach, 28. Ian. Der Dau unserer Wasserleitung, die an Lauter bei Grünberg und Bad-Nauheim angeschlosfen wird, ist bis jetzt rüstig vorangekommen. Die Arbeiten werden von einem Wetzlarer Bauunternehmer ausgeführt. Mit 70 Erwerbslosen von hier und der näheren älmgegend hat die Firma bereits den Anschluß an die Abzweigung der staatlichen Wasserleitung Lauter, sowie den Hauptstrang durch das Dors fertiggestellt. Gegenwärtig sind die beiden Nebenstraßen aufgerissen. Bis zum Beginn des Frühjahrs hofft man die
gesamten Dorfstraßen dem D riehr wieder , übergeben zu können. Bis dahin sind uncfef)jure Erdmassen wegzuschaffen. Der Wass'roe.ül er ist aus einer nahgeleg:.ien Anhöhe, o3J Mr er v:m Dors entfernt, angelegt worden. Er ist im Rohbau bereits ferliggelllllt. Die beiten Kammern das Wasserbehälters fass.-n über 100 Kubik.::ecr. Bon Bad-Nauheim her muß das Wgsscr mit:els Motors gepumpt werden, da es hi:r am nö igen Gefälle fehlt. Einige Spezialfiemen von hier und auswärts sind eifrig mit der Anlegung der Hausanschlüfse beschäftigt. Die Kosten Der beiden Aeuantagcn bezif'ecn sich nach dem Voranschlag auf etwa 100 000 Mk.
Kreis Arid irr gen.
t. Nidda, 28. Jan. In ter Gemeinde- ralssihung gestern abend stand als einziger DerhandlungSgegenstanü der sehr wichtige Punkt: „Errichtung eines neuen Aealschul- gebäudes" arll der Tagesordnung. Als Beweis, daß die gesamte Bürgerschaft dieser Verhandlung sehr großes Interesse entgegenbrachte, diente der verhältnismäßig starke Besuch von Zuhörern. Nach etwa zweistündiger Ausiprache wurde von hem Stadlvorstand einstimmig beschlossen, den Saalbau der ehemaligen Krastschen Brauerei abzureißen und an dessen Stelle ein modernes Realschulgebäude zu errichten, dessen Kosten etwa 150 000 Marl betragen werden. Damir wird auf längere Zeit die Raumfrage aller hiesigen Schulen voraussichtlich gelöst. — Um der immer noch großen Wohnungsnot der Beamten hier zu steuern, beabsichtigt die Dahnverwaltung, neben den bereits bestehenden beiden großen Beamtenwohnhäusern der Bahn in der Nähe des Bahnhofs ein weiteres Vierfamilienhaus zu errichten, wozu die Stadt den Bauplatz stellen soll, was baldigst geschehen wird.
Kreis Schotten.
* Schotten, 23. Ian. Dieser Lage hielt Missionar L a u k von der Basler Mission, der über 10 Jahre (1910—1921) in der südchinesischen Provinz Kanton arbeitete, in vielen Pfarreien unserer Gegeno lällfa, Eichelsdorf, Schotten) Lichtbildervorträge über China, die ein anschauliches Bild des Volks- und ©lau» benSlebens im Wunderlande China vermittelten und ein tieferes Verständnis der inneren und äußeren Verwicklungen des Reiches der Mitte anbahnten.
□ Laubach, 27. 3an. Gestern abend hielt die hiesige Landwirtschaftliche Bezugs- und Absahgenossenschaft unter dem Dorsitz ihres zweiten Direktors und Lagerhalters I. Naumann im „Solmser Hof" eine Versammlung ab. Landwirtschaftslehrer Frech aus Darmstadt sprach über den Wert und die Verwendung der künstlichen Düngemittel. Hierauf sprach Obstbauinspektor Metternich- Büdingen über die rationelle Verwertung des Obstes. Bekanntlich ist in Büdingen eine Bereinigung zwecks Obstverwertung gegründet worden, von welcher ein Anliegen zu gleichem Zwecke gekauft wurde. Der Redner regte zum Beitritt an behufs Lieferung von Obst nach Büdingen. — 3n dieser Woche hält im Gasthof „zur Traube" Prediger Peters vom Dibelheim Flensungerhof an fünf Abenden Dorträge zwecks Evangelisation. Er spricht über .Die Kräfte des älrchristen- tumö", .Weltgericht", „Weltvollondung" und dgl. Auch hier hat sich bereits eine derartige Der--
cinigung gebildet, die regelmäßige Abente zu gleichem Zwecke aphälr. — Zu dem Dericht (Nr. 9, 2. Bl. des „Gieß. Anz.") aus dem Stan» dcsamtsregifter über die Sterbe- fälle im Krankenhaus sei noch nachge» tragen, daß hierbei auch die im hiesigen P s r n n d n e r a u s (Altersheim) Verstorbenen cinbegrifl cn sind.
ld. Aus dem vorderen Dogeisberg. 28. Ian. Die Hausschlachtungen sind nun soweit beendet. Im allgemeinen war das Gewicht der Tiere geringer als in den Vorjahren: man schreibt dics dem hohen Wasser- uni) geringen Nährstoffgehalt der im letzten Herbste geernteten Kartoffeln zu. Da nun wieder Ferkel gekauft werden, sind die Ferkelpreife binnen kurzem von 25 Mark auf 35 Mark gestiegen. Diese Steigerung führt man aus großen Bedarf bei bestehendem geringem Angebot zurück. Auch dürften di: hohen Ferkelprci'e, die aus ter- Wetterau gemeldet wurden, an ter Preisbildung in hiesiger Gegend mitgewirkt haben.
bl reis Alsfeld.
L Ober-Ohmen. 28. Jan. In enferet Kirche hielt die Missionarin Frl. Steiner e nen fesselnden Lichtbilder-Vor trag über die Deutsche Misfionsarbeit in Indien, wo die Rednerin über 18 Lahre erfolgreich tätig war. Dabei schilderte die Vortragende in eindrucksvoller Weise den Segen ter deutschen Missions-irbeit und gab ein fesselndes Bild von Land und Leuten dieses Erdteils. Die deutschen evangelischen Mi'sionsanstauen jiaten in Indien bis zu den Kriegsjahren rund T53 000 Inder zum Christentum b.kehrt. Die Vortragende beabsichtigt, in ihr altes indisches Arbeitsgebiet zu- rückzukehcen, sobald die Engländer die Einreiseerlaubnis erteilen.
Einspruch qegen die Butzbacher Auwlimen.
L Butzbach, 28. Ian. Die Butzbach — Li cher Eisenbahn A. G. zu Berlin hat bet dein Kreisarnt in Gießen, dem Regierungspräsidenten in Koblenz, bem Landrat in Ufingen und dem Kreisamt in Friedberg gegen die von ter hiesigen Autoverkehrsgesellschaft inL Leben gerufenen Kraftverkehrslinien Butzbach — Brandpbermdorf, Butzbach—Cleeberg. Butzbach— Holzheim Einspruch erhoben. Die Gesellschaft erblickt in den eingerichteten Krast- verfehrslinien eine Gefährdung der Wirtschaftlichkeit ihres eigenen Unternehmens, und befürchtet, daß der Personenverkehr auf den Bahnstrecken Butzbach—Oberllecii und D tzbach—Gam- bach durch den Autohusverkehr wesentlich zurückgehe, wodurch die an und füp sich schon bestehende Notlage der Butzbach—Licher Eisenbahn noch weiter verschlimmert U)?rte.
(Hoffentlich erinnert sich die Aufsichtsbehörde bei der Stellungnahme zu bicjem Einspruch an die Art und Weise, wie die Butzbach-Licher Bahn in den 9«. flationsjahren mit den Verkehrsinteressen der Bevölkerung verfuhr. Damals nahm die Bahnleitung nicht die geringste Rücksicht auf die Interessen des Publikums. Sie darf sich bei dem auch heute immer noch mangelhaften Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der Bahnanlieger nicht wundern, daß diese nun auf anderen Wegen die Befriedigung ihrer Belange zu erreichen suchen. D. Red.)
Sieg . . Der Triumph strahlt sich in einer weit- gedehnten Doppelfuge zum Preise des Herrn aus.
Im Epilog umfängt uns die selige verllärte Ruhe der Toten. Friedhofsstimmung, Heilsgewißheit, Lebenstrost, Verklärung I
Was Brahms hier im großen Rahmen erleben läßt, das sprach er noch einmal kurz vor seinem Tode aus in seinen ,,Vier ernsten Gesängen", einem erschütternden Nequtem, gipfelnd in dem Hohen Lied der Liebe.
— in —
Derdis Oper
„Die Macht des Schicksals".
AuS dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben:
Don denen, die vor kurzem die Ankündigung lasen, daß am 3. Februar tee Oper des Mainzer Stadttheaters in einem Gastspiel ein Werk Giuseppe Derdis, „Die Macht des Schicksals", bringen würde, war wo)l den mrijten unbekannt, daß es sich um eine der bühnenwirksamsten Opern des italienischen Altmeisters handelt. .Die Macht des Schicksals" (la forza del destino) stammt aus der zweiten, erfolgreichsten SchassenL- periode DerdiS, der unter an «rein.Lrouva our", „Rigoletto", „Tcaviata", „Amelia" und „Aida" angehören. Sicher hätte „Dis Macht des Schicksals" in dieser erfolgreichen Reihe einen Hhrrn- plah errungen. Denn Verdi zeigt sich auch in dieser Oper auf ter Höhe setner musikalischen, theatralisch wiriungssicheren Erfindung, wenn nicht ein toeniq glückliches Textbuch den Siegeslauf deS Wertes gehemmt hätte. Erst jetzt, 65 Jahre nach der Erstaufführung, taucht das Wert aus langer Vergessenheit aus, nachdem Franz Werfel, hier bestens bekannt durch seine Historie „Iuarez und Maximilian", den Text einer neuen Bearbeitung unterzogen hat. DaS Wert steht zur Zeit auf den meisten deutschen Opernbühnen im Spielplan, und das Gastspiel ter Mainzer Oper dar, hier auf stärkste Wirkung rechnen, zumal sich ter Intendant und die technischen Vorstände unseres Sladtt>aters eine Vorstellung in Mainz angesehen haben, so daß auch die szenischen Vorbereitungen ein: Aufführung verbürgen, die ter Mainzer gleichwertig ist.
Eine Inhaltsangabe dürste unter den gegebenen Llmständen besonders interefsiermr Der Anfang ter Handlung, die uns nach Spanien versetzt, teilt den großen Vorzug mit allen von Verdi vertonten Opern.exten, ten Zuschauer gleich
Brahms: „(Ein deutsches Requiem"
Zur Aufführung deö Konzertvereins.
Als Brahms nach Robert Schumanns Tode dessen handfchriftltchen Nachlaß ordnete, fand er im Pro- jektenbuäre des Meisters die Notjz: „Ein deutsches Requiem". Das vermochte Brahms anzuregen, den Plan des Berftorbenen in die Tat umzusetzen. Im Jahre 1801 finden wir ihn schon bei den ersten Vor, arbeiten, in Hamm bei Hamburg wählt er sich geeignete Bibelstellen aus. Aber der Plan blieb liegen, und erst der Tod der Mutter (1865) gab den Anstoß Jur Wiederaufnahme der Arbeit am „Deutschen kequicm". DaS folgende Jahr brachte die Vollendung des Werkes. Am Charfreitag 1868 fand es in Bremen seine Erstaufführung. Kürz danach weilte Brahms an den Stätten seiner Jugend. Ein Besuch des 35 jährigen an seinem Geburtstagsmorgen auf dem Friedhof gab ihm die Stimmung für das jetzt als 5. Tast des Werkes bekannte Sovransolo mit Chor, ein Gedenken für seine Mutter. Tas Werk als Ganzes aber war als Totenamt für Robert Schumann gedacht.
Aus seiner ganzen Weltanschauung heraus hat ■ Brahms der Auswahl des Textes eine allgemeine religiöse Richtung gegeben, und so steht das Werk über allem Konfessionellen, und damit ist ihm der größte Aus- Wirkungskreis eröffnet. Ein herber Zug, und doch voller Milde, liegt über dem Ganzen. Im Gegensatz zur lateinischen Totenmesse, deren Höhepunkt im „Dies irae“ liegt, Ipchs er mit seinem Werk den Nachlebenden, Hinterbliebenen Tröstung geben. Obwohl er mit der textlichen Zusammenstellung etwas durchaus Neues, noch nicht Dagewesencs- bietet, umso bewundernswerter ist der Aufbau der gesamten Folge im Werk. Der erste und der letzte Teil mögen als die liturgische Rechnung deS Ganzen erscheinen und gipfeln in den Seligpreisungen; Teil 2 und 6 geben Bllder der Vergänglichkeit und der Auferstehung; I in Teil 3 und 5 findet der Todes- und Erlösungsgedanke persönlichen Einzelausdruck, und der mittlere Teil führt ein in die „Vorhöfe des Herrn" in ihrer Lieblichkeit.
Die ergreifende Kraft deS Textes weckte in Brahms eine Gewalt des musikalischen Ausdruckes, der uns auf dunklem Gefühlsgrunde zu den letzten Dingen hinführt und uns innerlich erschauern läßt, und wie selten in einem Werk zeigt sich hier die ethische Macht der Musik. Bei aller Erhabenheit und Größe wirkt e- sich in Einfachheit und Natürlichkeit aus. Ein Markstein für alle Zeiten in der deutschen Kunst! Mit
düsteren Stangen, geteilten Celli und Bratschen, sührt sich der Introitus ein. Die Violinen schweigen im ganzen Satze. „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden", führt der Chor in schlichter Einfachheit und Ausdruckskraft durch, beantwortet von orgclartißen Klängen der Holzbläser. „Die mit Tränen säen . . .", läßt den Chor sich zu klagendem Ausdruck erheben, ,,. . . werden mit Freuden ernten,“ spiegelt innere gehaltene Freude friedlich wieder. Mit tröstlichen Akkorden entschwindet der Satz.
Der Zug des Todes gibt dem 2. Satze sein Gepräge, lieber dem in unerbittlichem Gleichmaße dahinschreitendem Basic erhebt sich eine wehmütige, herbe Klageweise. Im Unisono bekennt der Chor: . Denn alles Fleisch, es ist wie Gras . . Ein tröstender Mittelsatz mit ergebener Klarheit „ ... So seid nun geduldig . . führt hin zur Wiederkehr des ersten Themas, trischutternd, in hehrer Kraft, erschallen die Worte: „ . . . Aber deS £)crrn Wort bleibet in Ewigkeit . . .". Der Baß verkündet: „Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen". In ungemein scharfer Plastik des Ausdrucks werden die Worte gekennzeichnet: „Schmerz und Seufzen wird weg müssen". Ein fugierter Gesang von der ewigen Freude verklingt, zart umspielt von den Streichern. Eins der stärksten musikalischen Bilder der neueren Zeit!
Dem im 2. Satze allgemein ausgesprochenen Gedanken erwächst ein individueller Träger in Gestalt des Solobaritons, eines Predigers, dem die Gemeinde (Chor) in dumpfer Erschütterung antwortet. Die Frage nach dem Trost wird zum Aufschrei. Aus dem Gedanken an die Hoffnung auf Gott ersteht die Gewißheit der Rettung. Sie findet in einer Fuge über einem gewaltigen Lrgelpunkt (die Bässe müssen ihre tiefste Saite herunterstimmen) ihre erhabene Kün- dung.
Ter Herbheit der vorangehenden Sätze stellt Brahms einen lyrischen Ruhepunkt entgegen; ein lichter Engelsgesang: «... Wie lieblich sind deine Wohnungen! . . Und aus dieser anderen Welt tönt eine Stimme herüber voll mütterlichen Trosts und Liebe; eine Aufnahme des alten Widerrufs oe gaigenet Jahrhunderte. Das malerische des 2. Satzes steigert sich im 6.Satz zum Dramatischen, der Chor gewinnt dem Orchester gegenüber eine selb- ständigere Rolle. Unrast klingt aus den Worten des Chores: „Denn wir haben hier keine bleibende Statt . . Der Prediger enthüllt ihm daS Ge- heimnis bc5 jüngsten Gerichtes, des Augenblicks der letzten Posaune, em Aufschrei, die Erlösung naht. „ . . . Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ift dein
in den ersten Tarten in spannender Welse in dle Mitte ter Begebenherben einzuführen. Wir te- fint)en uns auf dem Schlosse deS Marchese von Calatrava, bet in ernsten Worten feine Tochter Leonore von dem Liebesbündnis mit einem ihr unebenbürtigen Manne, dem Mestizen Alvaro, zurückzuhalten versucht. Doch gerate in jener Nacht hat dieser alles zur Entführung ter Geliebten vorbereitet; als im letzten Augenblick ter zürnende Bater vor die Fliehenden tritt, nimmt Alvaro alle Schuld auf sich und bietet sich edelmütig der drohenden Rache dar; abec die Pistole, die er, sich selbst entwaffnend, fortschkeutert, entlädt sich und die Kugel trifft tödlich den Marchese, ter sterbend feine Tochter verflucht. DaS Schicksal wird zum Racher des Toten; aus der Flucht nach der Schreckenstat werten Leonor« und Alvaro getrennt. Aber noch ein anderes Werkzeug ter Rache lebt, Carlos, der Brüter Leonorens, ter Vergeltung sucht an dem Mörder seines Vaters und an seiner Schwester, die Schande über den Namen seines Hauses gebracht hat. Als „schwarzer Student" De «leitet, durchirrt er Spanien: in ter Posada eines Dorfes führt ihn das Schicksal aus die Spur Leonorens, die selbst, als Mann verileibet, unter dem Schutz« eines Maultiertreibers Trabuco nach ihrem Geliebten sucht. Zwar schützt sie die Vrrileiduug vor dem Erkanntwerden, aber sir Höri von des Bruders Aacheschwüren und sucht in einem Kloster Rettung und Trost vor ter De-zweiflung. In der Einsamkeit als Einsiedler g?fleitet, will sie Berge, senheit und Schutz vor ter Macht eines finsteren Schicksals suchen. Inzwischen ist Krieg ausgebrochen. Carlos und Aivaro. beite unter fremdem Namen, nehmen Dienst im Heer. Alvaro rettet Carlos bei einem feindlichen Heber- fall das Leben; beite werden Zweunte, und Al, Dato, im Kampf selbst schwer verwundet, übergibt Carlos die Vxiese Leonorens zum Angedenken. Jetzt ernennt CarloS den Feind: den Wiedsrgenefenen fordert er zum Zweikampf. Ater Alvaro, dec nicht neue Schuld auf sich laden will, weicht der Forderung aus und sucht ein Astzl im Kloster unter dem Namen eines Mönches Raffael. Erst nach lieben Jahren gr.ingt eS Carlos nimmermüder Rache, dort Alvaro aufzuspüren und ihm jetzt ein Duell aufzuzwingen. In der Einsiedrlei, in der Leonore fern der Welt dahintrouert, wird der Kamps ausgetragen, Carlos fällt, und Alvaro, zum zsvciten Male Mörder ohne Schuld, findet dort die Geliebte, die, der Macht des Schicksals erliegend, vor seinen Augen stirbt.
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