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Nr. 24 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag 29. Januar 1927

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Svrcdiflnnbcit der Nedakliou.

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achten einfordern, wie man annimmt beim

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Politik sich -uspitzt auf die direkte 2 u « ein -

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mehr Dichtherftellung deS Kriegsmaterials ge­gossen werden und bann dem LerchS:ag zur An­nahme vorge.egt werden soll.

An der anderen Frage war Frankreich selbst interessiert und für seinen Schützling Po­len. ES dreht sich da um e.nen bekannten Satz auS dem Versailler Vertrag, nach dem ,daS System der befestigten Werke an der Süd- und Oftgrenfrc im gegenwärtigen Zustand verbleiben soll", wie eS im Versailler Vertrag Artikel 180 wörtlich heiht. 3m Gegensatz zum Westen, wo unsere Festungen biS 50 Äm. oft Ich deS Rheine« grlchle.ft werden muhten, ist die Lage im Osten die, bah durch den Versailler Vertrag unS zwar Festungen, wie namentlich in erster Linie Thorn, verloren gingen, weil das Gebiet unS entr.ffen wurde, dah aber die Festun­gen auf dem unS verbleibenden Gebiete, wie eS eben Im DerlragStcrt heiht. In ihrem gegen­wärtigen Zustande zu erhalten feien, vnb zwar wie eS ausdrücklich dazu hciht. in ihrem System.

2luch der Laie begreift ohne weiteres, wo­rum eS sich dabei handelt und warum von Frankreich Schwierigkeiten erhoben werden. Eine

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Ende der Militärtonttolle.

Außenpolitische Umschau.

Von Pros. Dr. Otto Hoetzsch, 2k. b. 2.

Wit dem 31.3an. sott, wie in Gens ver­abredet worden ist, die Interalliierte Wilitärkommission verschwinden. Das war wenigstens ein Erfolg der ersten Völker- bundSberührung Deutschlands mit den anderenI Eine Unsumme von Demütigungen, Beschwerden und Klagen liegt damit h.nter unS, von den Kosten dieser Kommission ganz abgesehen, die ja biS »um Zustandekommen des DaweS-PlaneS von Deutschland zu tränen waren. Und dazu die Erinnerungen an bie vielen schmachvollen Denunziationen, mit denen Eiende au« tem eige­nen Volke den Spürern und Schnüfflern der Kommission aus die Sprünge Helsen wollten!

Allmählich war doch die Fortsetzung dieser Kommission auf deutschem Boden ein Skandal geworden. Die Tatsache einet Abrüstung und Gntwassnung, die ihresgleichen in der Welt­geschichte nicht hat mit der Tla fe von zerstörtem Kriegsmaterial, geschleisten Festungen, sprach zu laut, und überall, wo man überhaupt ein leidlich ruhiges Urteil hat, konnte man sich der Einsicht nicht ent»ieen, bah eS genug sein müsse. Bei dieser Einsicht, d e in England im letzten Jahr immer nachdrücklicher betont wurde, sprach dort noch ein andere« mit, die Einsicht nämlich, dah die Urtei'-Slosigleit Lloyd George« In Versailles die Abrüstung Deutschlands zu Gunsten Frank­reich« weit Über da« für Eng and nützliche Wah hinau« unterstützt hatte. Degen die Interessen

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andersetzung zwischen Deutschland und Frankreich und ihre Weiterführung. Diese aber steht wieder vor der Tatsache, dah -war Brtand konseauent und fest seine Auhen- politik im Sinne der Verständigung mit Deutsch­land weiter verfolgt und dah Poincarö wegen der WährungSfanietung gezwungen ist, diese Linie einRuhal'en, dah aber in den deutsch-fran­zösischen Besetzungen eine erhebliche Berstet- fung etngetreten ist. und dah die französische Rechte alle« tut. diese Versteifung zu einer Krise zu machen und mit dieser Krise Dnand stürzen.

(Siebener Stadttheater.

Julius Bcrstl:DoverCalais."

.... verstarb der amerikanisch« Millionär S.. ter die letzten zwei Iahrzehnte seines Leben« in freiwilliger Verbannung auf feiner Iacht zu- gebracht batte... Uebertrumpst wurde er durch ben englischen Multimillionär V., der den Lok- hingen und Widerwärtigkeiten der Welt auf seinem LuruSdampser 36 Iahre zu widerstehen vermochte ..AuS solchen Zeitungsnotizen baut 'ich die Lustspielfabel auf; da« Thema ist nicht neu. sondern all man denkt an GoldoniS Mrandolina ober an Alp van Wintte aber rS ist zeitgemäh heraerichtet. sehr modern: mit ^analschwimmerci und Radio. mit rhythmischer Dymnastik und letzten Modetänzen.

Kennt Ihr nicht die Geschichte deS Rip van Winkle, die man in Obersekunda laS. im wähl- freien Englisch? Berstl erinnert selber daran: ,Rip van Wintte ging in die KaatSklll-Berge. 6r begegnete einem sonderbaren Männchen, ba­hn in eine ncich sonderbarere Schlucht führte, llnd da Rip van Wintte Müdigkeit übermannte, 'o legte er sich zum Schlafen nieder. Al« er Dieder erwachte, waren zwanzig Iahre Der- trichen." Man sieht: eine nachdenkliche Geschichte ist daS. Dergleichen kommt wirllich vor; selbst ^eute noch. Es steht sogar manchmal in der Zeitung: .... verstarb der amerikanische..." und ?o weiter.

Der neue Rip heiht Patrick Sandercrost. Seine Iacht .Ulysses" hat. wie weiland der fromme Dulder, vieler Menschen Städte gesehen. Aber bloß von weitem. Häsen werden nur ange- laufen, wenn man Kohlen und Proviant braucht. 2lnd dann sitzt Sandercrost tief unten in der Ka­jüte und hat Gänsehäute. Und gleich geht« wieder hinaus, auf See, immer weiter, durch alle Ozeane,

Hon, in ihrem Bestände in letzter Zeit schon stark vermindert, vom deutschen Boden verschwin­det. Unb sicher hat manch einer von den Ossi- zieren Frankreichs, Eng and« und Italiens, die diese Kommission gebildet haben, und in deutschen Kasernen und S.äd.en herumschnüsseln muhten, sich diese« Handwerkes geschämt, das einer Uni­form nicht würdig ist.

Mit dieser Einrichtung muhte eigentlich gleich­zeitig auch eine andere verschwinden, von der wir immer noch hören, nämlich die 2 o t s ch a f terkonserenz. Hat diese, die heute noch mit einem besonderen Generalsekretär und sicherlich einem eigenen Büro in Pari« amtiert, mit einem Wort bic Vertretung der Entente gegen die Kriegsgegner Überhaupt, noch einen Sinn und inneres Recht? Danz zweisello« nichtl Denn sie steht mit Locarno und dem Völkerbund in einem so schreienden Gegensatz, wie die Besatzung te« RheinlanteS. Sie ist auch gar nicht mehr Ver­tretung der Entente im ganzen durch bie Bot­schafter der Entente-Trohmächte. sondern sie ist ein Organ, durch daS bie französische Generalität in erster Linie Marscha'.l Foch, Der in Versailles lein Wilitärkomltee lecket, der europäischen 2e- sriedung Steine In ben Weg rollt. Darum ist unS auch unverständlich, warum England, bafl ja fortwährend mit ben französischen Schwierigkeiten zu kämpfen Hal, und I allen, ba« sich in dem bekannten Gegensatz zu Frankreich befindet, diese in jeder Beziehung erledigte und unberechtigte Einrichtung bestehen lassen, die die Situation der Qlieterlage und des Besiegten unS fortwäh­rend sühlen läßt.

Wit ihr war nun zu verhandeln, auf Grund der Gen er Verabredungen über daS, wa« neben der Aufhebung der Interalliierten Kommission einherachen sollte, nämlich die endgültige Be­reinigung aller EntwassnungSsra- gen. Diele halte sich auf zwei Punkte zu- gespitzt: bie Frage be« Kriegsmaterials unb ter Ostfestungen. An ber ersten war ö n g l a n b interessiert; genauer gesagt, mit bem Streben, ble|e KriegSmaterialproduck on in Deutschlanb so wett wie möglich zu kontrollieren und einzuschrän- ken, verband sich wirtschaftliche Konkurrenz. Man denke nur an d.e vielen unb schwer zu trennenden Zusammenhänge in ben Industrien. Aehmen wir etwa die optische Industrie, bie für den Krieg Augengläser unb Fernrohre herstellt unb für den Frieden gleiche ProbulionS:rsahrungen unb «Einrichtungen ebenfalls verwenbct. Die,« Bei- Ipiele liehen sich beliebig vermehren und ba« hat bic Verhandlungen darum sehr erschwert. Aach ben Pre.seinelbungen sollen sie unmittelbar vor bem Ablchluh fle'en, so bah bie Einigung in die Form eine« Gesetzes über Herstellung ober viel-

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- , . aber immerhin ein

Schritt zu einer S eichberechliaung Deutschlands, die unS zwar versprochen, aber nicht verwirk­licht ist, wenn jetzt diese Interalliierte Kommis-

Oberhessens und des angrenzenden Lahngebietes ist der seit 177 Jahren erscheinende

Gießener Anzeiger mit seinen anerkannt hervorragend ausgestatteten, in eigenem Redaktions. und Buchdrulkereibetrieb bearbeiteten Beilagen Gießener Familienblätter

Dienstags und Samstags Heimat im Bild Donnerstags Die Scholle Ratgeber für Viehzucht. Feld- und Gartenbau Freitags

au« der seine eigenartige Wirkung auf bem Theater hervotaeht: Mischung aus keckem Einfall schweifender Phantasie und der Freude an bet Absonderlichkeit eine« immerhin nicht gewöhn­lichen Zusammentreffens, aus unbekümmert über- sprudelnder Laune und ernsthaften Dachtenklich- keiten, die daS Besondere an diesem Stück aus­machen und es doch bem üblichen Durchschnitt allzuvieler Lustspiele einigermaßen entrücken. Der Schluß des 3. Akte« entsprach nicht bet Duchsassung.

Das Ensemble war lebhaft unb frisch bei bet Suche unb steuerte sein Sch ffchen über manch« Untiefen hinweg, die einen viellricht nur beim Lesen zum Einhalten zw.ngen. An GefferS z. 2. lag eS nicht, wenn man gegen die merk­würdige Verwandlung Sandercrofrs doch einige 2edenken hat. (Die müssen schon beim Dichtet geltend gemacht werden.) Aber Gesser« hatte, wohl absichtlich, von Anfang an den allen Knabett nicht so ganz als hoffnungslosen Fall dargestellt unb tat Im Sinne de« Ganzen gut daran. Be­sonder« die große Szene im Mittelalt kam seht echt heraus. Alix K r a h m e r gab die unter­nehmende Kanattchwimmet-n O'Halloran unb *ünhiae Kolleg n mit erfreulicher Frische, Mund- ferngkeit und Koketterie, führte einen beachtlichen Toilettenwechsel vor und zeigte sich, was wesent­licher erscheint, auch den ganz ernstlich und be­sinnlich gemeinten, eben mehr als lustspielhaftea Momenten de« Stücke- wohl gewachsen. Genau fjatte den rettungslos bertie&ten Sch.ff-leutnanr unö ging mit fliegenden Fahnen meuternd inS aridere Lager über. Eine feine Charge: Gehres Schifs-arzt; der olle ehrliche Seemann ©oll, weiberfeindlich, preslef einblich, abergläubisch, priemspuckend, mit Schifferfräse und Bordeaux- nase, war eine Sache für sich. Ansonsten: dis Herren W e h r l, Eisig und K u r z h o f f.

S« gab viele Vorhänge, besoader- nach bent -weiten Akt. Dr. Th. J

Schteb-gericht-hos im Haag unb bie Frage bann endgültig entscheiden. Dabei sei nicht vergessen, dah der DöllerbundSrat selbst bei solchen Ent­scheidungen an d.e juristischen Gutachten nicht gebunden ist und dah er selbstverständl ch nach den politischen DrsichtSpun len entscheidet, b.e für die betrefsrnbe Mehrheit mabgebenb sind.

Da- ist die Situation in bet SntwaffnungS- frage. deren endgültige Der« nigung die aller­nächste Aufgabe war unb ist. H.nterher steigt nun bie Ausgabe berAäumungbe-Ahein- anbei auf. bie bie grobe Aufgabe für 1927 Jein muh. Dah Locarno unö Völkcrbunb mit bet Tatsache nicht vereinbar sind, daß fremde Trup­pen auf deutschem Boden stehen, darüber sind sich alle deutschen Parteien einig. DaS scheint un« eigentlich wichtiger zu fein, al- der Streit um die Formeln, mit denen bie Parteien der neuen Qtegierung ihre Stellung zur Auhenpolitik auf einen gerne.nfamen Denner bringen wollen.

Diese neue Regierung wird in jedem Falle vor der Tatsache stehen, bah bei bet Abwendung der Vereinigten Staaten von Europa unb bei ber Lähmung unb Behinderung England-.

handelte, bie mit einer hohen Geldstrafe im einen, mit sechs Monaten Gesängn - im andern Fall geahndet wurden, gibt der .Kölnischen 31 g Veranlassung zu folgenden grundsätzlichen Aus­führungen:

.E- ist wohl Dr. Witlh gewesen, der uni al« Kanzlet ein Gesetz xum Schutz bet per­sönlichen Ehre verye ben Hal. Kein Gesetz wäre in den letzten Iahten notwendiger gewesen al« diese«. Aber man hat nie gehört, daß e« dem Reichstag zugegangen sei; wahtlcheinllch hat e« nicht einmal den Vorzug gehabt, eine« .Refe- tentenemwurfS" gewürdigt zu werden. Statt dessen haben wir c.n Gesetz zum Schutz der Repu­blik erhalten, da« vor allem deshalb so anfechtbar ist. we.l es in unsere Rechtspflege bic gewih nicht demokratische Unterscheidung zwi'chen Ehre und Leben ministerieller Personen und Ehre unb Leben gewöhnlicher S:aal-bütger hineingetragen hat. Sin Gesetz zum Schutz der persönlichen Ehre ist auch heule noch nötig und könnte in kurzer Zeit baZ politische Leben ent­giften. Der neue Strasgesetzentwurs sieht aller­dings eine erhebliche, wenn auch lange noch nicht autreichenbe Verschärfung ber Strafen für 2eleibigungen vor. Wollen wir aber abwar!en. biS biefe« Riesenwerk Gesetzeskraft erhalten hat, bann kann eS geschehen, bast seine wohltätig« Wirkung zu spät kommt. Wir haben gerade m politischen Beletbigungsprozesien schon manches Urteil erleben müssen, ba« bem Laien einfach un­trer st änblich war unb im Volk nur zur Ver­wirrung der Rechtsbegriffe belgetragcn hat. Er­freulicherweise fassen bie Gerichte ncuerbingi schärfer zu. aber bie gesetzlichen Grundlagen reichen im allgemeinen nicht aus. und auch btt Praxis ber Gerichte wird sich bem össentlichett Bebürfni« erst bann voll anzupassen vermögen, wenn ber Gesetzgeber seinen W.llen in biefe« Richtung bekundet hat. Der Reichstag hat bereits öfter ber großen Erneuerung de« Straf­gesetzbuches vorgegriffen; eS ist nicht einzusehen, warum er es nicht auch in bleiern Fall tut. Hier handelt es sich doch wahrlich um eine Sache, bie ohne Unterschieb ber Parteien unser ganzes öffentliches Leben angeht. Wenn e« noch lang« fo weitergeht wie bisher, wird ber Zeitpunkt nicht allzu fern sein, wo wirklich tüchtige und ehrenhafte Menschen sich überhaupt n cht mehr in bie politische .Drecklinie" wagen. Und solange eS in Deutschland noch möglich ist. dah man zum mindesten mit einem Schein von Berechtigung zwar den Diebstahl von zehn Pfennig für eine ehrlose Handlung, aber ben Diebstahl der persön­lichen Ehre für eine Art staatsbürgerlichen Rech­tes halten kann, so lange mutet ber Kampf gegen die harmlose S udentenmensur doch etwa« lächer­lich an und wird bas wahre Duettunwesen sicher niemals ausgeroitet werben. D.e persönliche Ehre ist für bie meisten Menschen ein hettiger. für Diele sogar ber einzige Besitz. Wer sie ohne trif­tigen Grund antastet, war noch immer unö ist auch heute für anständige Menschen erledigt. Aber die gesellschaftliche Lkechtung. bie noch bazu niemals vottstänbig sein kann, genügt allein nicht. Der Verleumder muh öffentlich gebranb- markt unb strafrechtlich tote ber gemeine Dieb behanbelt werden. Man mag zwischen fahrlässiger unb böswilliger Verleumbung unter- scheiben, auch ber sahrläss.gc Verleumder ist emp­findlich zu bestrafen, der böswillige Ver­leumder vollends gehört inS Zuchthaus unb ist ber bürgerlichen Ehrenrechte für verlustig zu erklären. Wegen de- hohen öffentlichen Amt«, das die Presse für sich mit Recht in Anspruch nimmt, ist weiter zu forbem. bah bem Zei­tungsmann. ber sich böswilliger ober wieder­holt fahrlässiger Verleumdungen schuld g macht, durch Gerichtsurteil die D sähigung z-.r Verwal­tung eine« solchen Amts abgesprochen werbe. Auch die Pressefreiheit muh wie jede Freiheit ihre ©reiuen haben. Ke neSfallS hat die anstän­dige Presse, die in Deutschland gottlob noch immer d e grobe Mehrzahl bildet, einen Grund, den Verleumder zu schützen und in ihren Rechen zu dulden. Wir wollen endl ch heraus au« dem Sumpst Ist daS nur mit drakonischen Maßnahmen möglich, nun gut, dann gre fe man zu ihnen. 6 ne außerordentliche Zeit rechtfertigt auberordentliche Mittel.

AtoanAig Iahre lang. Weltflucht. Dur ein angel­sächsischer Spleen, wie es viele gibt? Zur Hälfte. Die andere Hälfte ist trübe Erfahrung: Herrn Sandercrost entlief dereinstens schnöde feine Frau mit einem windigen Chauffeur. Seitdem kreuzt er, ein ausgemachter Weiberfeind, mit dem .Ulysses" auf allen Meeren. Und die Besatzung besteht aus lauter Männern.

Eines Tages passiert ein schweres Unglück: sie fischen in Hafennähe eine jung? Frau auS bem Wasser, bie knapp am Ertrinken war. (Man kann sie ja schließlich nicht einfach verlaufen lassen, bei aller Iunggescllenherrlicbkett.) Eine fesche, junge unb offenbar sehr neuzeitliche Dame, bie burch- aus den Rekord der Gertrub Eberle unterbieten wollte (Dover6a la iS i. und der im Training bie Puste ausging. Dun ist sie auf dem Schiff, auf dem weiberfeindlichen .Ulysses", mitten unter lauter Männern. Eine furchtbare Situation!

Aber eine lehr wirksame Situation, mit dra­matischem Explosivstoff geladen, gewislermahen eine Umkehrung des .Weiberdorses" ber Clara Viebig. (DaS Motiv ist nicht einmal neu: Ru­bels Leonhard versucht AehnllcheS in einem Drama .Segel am Horizont"; freilich ohne jede Lustspieltendenz; grimmig ernst.) Hier, bei Der st l, sieht man bald, wie es kommen muh. Sander- croft schnaubt, als er das nasse Paket an Bord erblickt. Er wütet, al« Miß Gladys O'Halloran sich alS Iournalistin entpuppt, denn er habt die Journalisten unb die ganze Presse. Er ist starr, al« die tüchtige junge Dame lächelnd zugibt, dab das Ganze ein kleiner Schwindel war: da« mit bem Kanalschwimmen und bem Training unb mit bem Schwächeansall im Wasser. Dur Mittel zum grotesken Zweck eines Interviews mit Patrick öanbercroft, dem Weltwunder des zwanzigsten Iahrhunderts.

Der Rest ist bald erzählt. Da GladyS darauf besteht, ihr Erlebnis auf Zeitungspapier zu brin­gen, weigert sich der toilbe Seefahrer, sie im

nächsten Hafen auszubooten, und nimmt sie mit Mer nun ist die unterbrochene Verbindung mit der Welt wiederhergestellt. .Ulylles" kehrt zu ben Menschen zurück, denn bie Mission der Meernixe. GladvS mit Vornamen, erfüllt sich überraschend schnell. Sie weckt ben schlafenden Rip Sander- croft au« feiner zwanzigjährigen Abgeschieden­heit. gibt ihm ben verlorenen Anschlub ans Leben toicber. Er Iaht sich ben Bart ab kratzen unb macht ihr einen Antrag; der zweite Offizier, ter sich gleich zuerst verliebt hatte, auch. Sie schlägt beite aus. seht ihnen den Kopf zurecht, springt, in Hafennähe, über Bord und schwimmt an Land ein Meerwunder, ein fischschwänziger Satan. Sandercrost (samt der ganzen Besatzung) glotzt ihr nach unb läszt wenden: nach Dover. .Ueber- sahrt" (auf der entgegengesetzten Route, wie j?nes unheimliche Fahrzeug teS englischen Dramatikers) Ueberfahrt ins verschlafene Leben. Sander- croft wirb an Land gehen, unter bie Menschen einer neuen Zeit.

So sieht diese« Stück auS. Der erste Akt ist sehr gut; die beiden letzten schwächer, ein wenig breit unb ohne bie dramatischen Pointen der Srposition. Aber immer geschell und witzig, ob­gleich der Dichter sich hinter seinen Gestalten versteckt unb nicht recht Farbe bekennt, worauf eS ihm innerlich ankommt. Aber er hat schon früher bewiesen, dah er kein AlltagSmensch ist. Er la« bie Zeitung, ohne waS Böses zu benfen. unb siehe: fünf Zeilen .AuS aller Welt" bauten ein abendfüllende Lustspiel, genau in ter Mitte zwischen Komödie und Schwank. Dutzende von deutschen Bühnen Hoden gleichzeitig dies Stück') aus ber Taufe, da« fein und gar nicht lustspiel- mähig verttinat.

Ä o l ck (Regie) gab bem Abenteuer b:e rich­tige und nicht ganz leicht zu treffende Mischung,

) Als Buch erschienen bei Georg Dester- rnann, Braunschweig. , ZI

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Festung ist ja nicht nur ein befestigter Wall mit den Gebäuden dahinter, sondern ist ein Teil eine« bestimmten Systems in verschiedenen Linien. Und die Erhaltung .im gegenwärtigen Zustande" be­deutet natürlich nach unserer Auffassung, dah erhalten werden kann unb muh im Wort- sinne, währenb ber gegenwärtige Zustand, d. h. ber von 1919. sich ja bcch schon durch Witte- rungSeinslüsse unb bergt, verändert.

E« dreht sich dabei um die Anlagen von Königsberg. Löhen. Küstrin und Glogau. Deutsch­land wird vorgeworfen, e« habe ba über ben Vertrag hinauSgehende Befestigungsanlagen ge­macht. unb Polen bat babei ben ingeniösen Be­griff der ,O f s e n s i v f e st u n g" ctf unten. Der Pole behauptet in Pari«, durch deutsche Festun­gen bedroht zu fein, obwohl in aller Welt unb überall eine Festung lediglich ein Mittel ter Verteidigung ist und nicht ein Mittel te« 2Ingdffe«.

geitungsschau.

Die Tatsache, bah in diesen Tagen zwei preuhische Minister, ter Ministerpräsident Braun unb der Wohlfahrtsminister Hirt- Tiefer den Schuh bet Gerichte gegen üble Dachrebe anrufen muhten, wobei es sich in beiden Fällen um Beeidigungen durch die Presse

Die Derabrebung _________ ...

direkter Verhandlung zwischen Deutschland und Frankreich s.ch verständige und wenn das nicht gelänge, dann ber Völkerbundsrat ange­rufen würde. Dieser würde ein juristisches Gut-

Hat Lloyd George gehandelt, al« et diese sinn­los übertriebene Forderung ber Franzosen im Friedensvertrag burchbrücken ' "

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