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Ur. 2| Erster Blatt

1H. Jahrgang

Samstag, 29. Januar 1927

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

tnirf nrd Verlag: vrühl'sche UniversilÄr-vuch- und Lttindruckerei L Laidze in Sietzett. Zchnftteitvng und Sefchäflrstelle: Zchulfttaße 7.

Lrfcheinl toghc^, aufeex Sonntags unb Feiertag» Beilagen.

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Preis für I mm hShe für Anzeiaen oo.i 27 mm Brette örtlich 8, auswärtn 10 Reichspsennig, für Ne» klamean'eigen von 70 mn» Brette 35 Neichspsenni-, Platzvorschnil 20 , mehr.

Chefredakteur

Dr. IVriebr Wilh Üange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr Wilh Pange; für Feuilleton Dr H Tdynot; für den übrigen Teil Ernst Blumlchein, für den An- zeigenterl i.Bertr H.Deck. sämtlich in (Bie jen.

Die neue Reichsregierung.

Abschluh der Verhandlungen. - Reichskanzler Dr. Marx berichtet dem Reichspräsidenten.

Von Marx zu Marx.

in Zukunft innerhalb des neuen Robinetts bei der Bearbeitung aller kulturpolitischen Fragen einen nicht immer leichten Stand haben wird. Man soll diese Gefahr, die dem liberalen Gedanken droht, ge­wiß nicht unterschätzen, aber es ist doch vielleicht

endlich einmal eine Regierung an der Ar­beit zu sehen, und diesem Dunfche wird ja wohl nun wenn nichts dazwischen kommt der 3. Februar endlich Erfüllung dringen.

Die Herren lassen auf sich warten. Sie lassen sich über Gebühr viel Zeit, im Reichstag ihre Visiten- karte abzugeben und dem Hohen Hause zu sagen, was sie wollen. Man verhandelt, man kuhhandelt, so ziemlich alle nur möglichen Variationen läßt man in den Schlagzeilen der Zeitungen Revue passieren, man schlägt sich, man verträgt sich, Wochen hindurch, Monate hindurch. Im Dczenrber begann es, den Januar hindurch dauerte dies ergötzliche Spiel, unb nun soll es auch noch Februar werden, bis das geduldige Volk erfährt, wer in Zukunft das Zepter über ihm schwingen wird. Manch intcr- ossierter Staatsbürger wird in feinem beschränkten itnterianenverftanb der Meinung huldigen, daß man das Ergebnis, vor dem man nun heute endlich sicht, auch schon einige Wochen früher hätte haben können. Nämlich bann, wenn die Partei, auf die es diesmal rm besonderen ankam, sich gleich offen zu dem bekannt hätte, zu dem ihre Mcchrheit im Inner­sten ihres Herzens doch wohl schon von vornherein entschlossen war. Man Hütte onnchmen sollen, daß das Zentrum, denn um dessen Wandlung han­delt es sich hier, seine Schwenkung von links nach rechts in den Wochen vor Weihnachten nach der Debatte über das Schandgesetz und der berüchtigten Reichswehrrede 6d)ci6cmonns genugsam hätte vor­bereiten können. Gewiß Hot so eine Schwenkung immer etwas Fatales. Aber sie war schon lange notwendig, das wußten die Zentrumsführer, und sie handelten danach, vorsichtig und mit der über­legenen Taktik, die ihre Partei ja von jeher aus­gezeichnet hat. Es mag gewiß nicht leicht gewesen fein, gerade in biefem Winter sozialer Not die Führer der christlichen Arbeiterschaft für diese Um­stellung nach rechts zu gewinnen. Aber es zeugt von erstaunlichem Geschick, daß man gerade die Herren Wirth, Joos uno Brauns, die diesen Kreisen nahe- stehen, mit der Reduktion des bekannten Sozialpro­gramms betraute. Damit hotte man diesen opponie­renden Flügel gebunden. So war in der eigenen Partei Klarheit. Dann ging es um die Führung im ganzen. Der Dollsparteller Curtius war zum Patrouillenreiter gut genug, aber die große Attacke auf die deutfchnasionate Festung durste nur unter dem Zentrumspanier geritten werden. Der Volks- Partei wand man die Führung aus den Händen und verständigte sich direkt mit den seitherigen Geg­nern. Als Grundlage hierfür nahm man das be­kannte Zentrumsprogramm, das ja nach dem, was man bisher als Auffassung der Deutschnationalen kennengclernt hatte, einige recht harte Nüsse für die Partei enthielt. Weimarer Vers.isjung, Symbole der Republik. Reichswehr, Locarno, das waren alles Dinge, über die man gewiß lieber schweigend bin- weggeglitten wäre, wenn nicht unerbittliche Zen­trumsmänner wie Wirth und Genosien auf ihren Schein gepocht und ein lautes Bekenntnis verlangt hätten. Es währte zwar immer noch eine volle Woche, bis man aus dem Zentrumsprogranun die sog.Richtlinien" herauskristallisiert hgtte, die nun der endgültigen Regierungserklärung zugrunde ge­legt werden sollen.

Soweit war man einig, aber bann ergab ein Nachrechnen der Mehrheitsoerhältnisfe im Reichs­tag, daß dies Kabinett der Neusten doch immerhin auf schwanken Füßen stehen werde. Man trat an die Demokraten Heron unb wünschte deren Beitritt. Diesen jedoch gefiel nicht, was Zentrum und Deutschnoiionale über die künftige Schulpolitik ab­gemacht hatten, und an den wirtschaftspolitischen Progrannnpunkten hatten sie mancherlei auszusetzen und daher plausible Gründe, Herrn Marx den Rücken zu wenden. Ihre Herren Reinhold und Külz werden im neuen Kabinett nicht wieder- kehren, aber Geßler, der verlorene Sohn, hat die vielen llnjreunMidfteiten, mit denen die Demo­kraten seine Ministerlaufdahn begleitet haben, mit seinem Austritt aus der Partei beant­wortet. Er behält das Reichcwehnninisterium als sogenannter Fachrnimster, und bas wird man als erfreuliches Pius dieser Regierungskrisis buchen dürfen, um so mehr, als es für Herrn Geßler ein gewiß nicht leichter Schritt gewesen ist, bedeutet er doch den offenen Bruch mit feinen Parteifreunden von einst.

Dir Demokraten werden also von der Regie- rungsbart in das Parkett der Opposition hinunter- steigen. Man wird das aus zweierlei Gründen be­teuern. Einmal um der Stetigkeit willen, die wir der Leitung des Reichsfinanzministe­riums dringend gewünscht hatten, an dessen Spitze nun statt des er- h re non und in vieler Hinsicht gewiß auch erfolgreichen Dr. Reinhold der badische Staatspräsident Köhler tritt, ein Zen - tTumsmann, der sich erst kürzlich durch eine von erstaunlicher Gc-schichtskenntnis zeugende Fride- ricusrcde allen Weimarer Koalition-freunden in empfehlende Erinnerung gebracht hat. Zum anderen wird die Weigerung der Demokraten zur unaus­bleiblichen Folge haben, daß die Dolkspartei

zu schwarz gesehen, wenn gewiße Kreise heute schon an di« Epoche des schwarz-blauen Blocks erinnern zu müssen glauben. Die Dolkspartei wird in der neuen Koalition eine schwierige Stellung haben. Ein Vorspiel dafür war schon der nun ja ebenerfolg­reich" beendete Kampf um die Ministersessel. Mit größter Rücksichtslosigkeit Haden dabei die neuen Freunde den oolkspariciiitt)en Mittler beiseite ge- schoben und seinen gewiß berechtigten Anspruch auf die Beibehaltung des verdienten Dr. Kröhne als Reichsverkehrsminisftr zurückgewiesen. Die stärkste, aber auch fast einzige Stütze der Dolkspartei im neuen Kabinett ist Stresemann unb seine Un- entbehrllchkeit als Außenminister. Er wird manches durchsetzen fönnen und vieles verhindern muffen, was an dem kulturpolitischen Dollen der neuen Regierungskoalition liberalen Grundsätzen ent­gegen ist.

Ist also in dieser Hinsicht auch eine gereifte Besorgnis nicht von der Hand zu «eisen, so wird man doch erwarten dürfen, daß auf wirtschaftLpoli- tifchem Gebiet und namentlich, soweit es die Förde­rung der landwirtschaftlichen Produktion angeht, die Zukunst bessere Ergebnisse zeitigen wird, als sie feiiljer zu verzeichnen waren. Die Deutsch- nationalen haben einen ihrer fähigsten Köpfe, den früheren Innenminister Schiele, mit der Verwaltung des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft betraut. Schiele ist erst vor kurzem mit einem grundlegenden Programm an die Dessentlichkeit getreten, das die Förderung der landwirtschaftlichen Produltion in engsten und für beide Teile Erfolg verheißenden Zusammenhang mit Wohnungsbau unb Ltedkungspnlitik bringt. Für das Innere ist Herr H e r g t designiert, der wohl einer der stärksten Exponenten der jetzt in dem Regierungseintritt der Deutschnationalen sich aus- wirkenden politischen Richtung seiner Partei ist. Es wird für ihn eine Genugtuung sein, heute die Früchte einer zäh verfolgten Politik zu ernten. Aber die Vergangenheit möge ihm auch eine Warnung sein, auf den Flügel seiner Partei zu achten, der sich heute nur unwillig in die Deichsel des Regierungckarrens bequemt und nur auf den Augenblick lauert, wo er der Regierungsverant­wortung wieder entrinnen kann.

Daß der Vertreter der Bayerischen Volks- Partei im Kabinett, der Reichspostminister S t i n g l, die Gelegenheit benutzt hat, umaus 0c- sundheitsrücksichten zurückzutreten, um sich von dem Kampf um die Fridericus.narke in den heimatlichen Bergen zu erholen, bedeutet für das von ihm bis­lang verwaltete Ressort einen Verlust, der nur da- durch einigermaßen ausgewogen wird, daß sein Nachfolger, der Staatssekretär S ch ä tz e l, der bis­herige Leiter der Abteilung Bayern, ebenfalls ein Fachmann von Qualität ist.

Don den übrigen neuen Männern ist nicht viel zu sagen. Sie werden erst in sachlicher Arbeit zeigen müssen, was sie können. In allen Ressorts harren bedeutsame und schwierige Aufgaben ihrer Lösung, Aufgaben, die zum guten Teil durch das lange Interim bedenklich in Rückstand gekommen sind. Der Abschluß der Verhandlungen über die Beendi­gung der Militärkontrolle wird für Ende dieses Monats erwartei. Eine neue Initiative in der Verständigungspolitik mit Frank­reich hat man in Paris bislang mit dem Hinweis auf die deutsche Regierungskrisis hinausgezögert. Aus dem Arbeitsgebiet des Innenministeriums er­wartet man endlich das Reichsschulges etz, neben einer Reihe anderer Gesetzesvorlagen. Das Finanzministerium wird die schwierige Ausgabe des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Kommunen zu lösen haben. Die wirlfchosts- und sozialpolitifchcn Aufgaben, die den zuständigen Ministerien obliegen, werden energisch zum Ziel zu führen sein, so namentlich die Förderung des Exports und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Auch dem Justizministe­rium liegen eine Reihe schwerwiegender Gesrtzes- entwürfe vor, vor allen Dingen die Vorlage zur Reform des Strafgesetzbuchs. Für Herrn Geßler schließlich enthalten dieRicht­linien" eine Reihe wichtiger Aufgaben, die seine ganze Tatkraft erfordern werden, um einerseits dem Notarendigen Genüge zu leisten, auf der anderen Seite jedoch em Hinübergleiten auf die abschüssige Dahn einer Politisierung unserer Reichswehr zu vermeiden. Mitte nächster Woche wird sich das Stu» binett nun endlich dem wegen der Wahlen in Thüringen bis dahin vertagten Reichstag vor« stellen. Die Regierungserklärung dürfte kaum etwas Neues enthalten. Dir sind in den letzten Wochen auch bereits so gepfropft worden mit derartigen Er­klärungen und Prognammen, daß man von Worten nichts mehr erwartet. Man wünscht nur das eine:

Die Mmijterttste.

B e r l i n , 28. Jan. (121.) Amtlich wird gemeldet: Die Verhandlungen über die Regierungsbildung wurden heute abend beendet. Reichskanzler Dr. IHars erstattete Im Anschluß an di- Sitzung dem Herrn Reichspräsidenten absä-tießcuden Be­richt. Da die enbgtittige Beft'stußjastung sämMcher beteiligter Fraktionen noch nicht erfolg? ist. wird die Der5ff«tihlAing der Liste der DNtgtleder des neuen Reich,ksoinetts erst im Lause der morgigen Tages erfolgen. Sie das Bureau des DO5. aus zuverlässiger Quelle hört, wird sich das Ministerium folgendermas^n zusammensetzen:

Reichskanzler unb Minister für die besetzten Ge­biete: Dr. Marx (Ztr.)

Auswärtigem Dr. Stresemann (D. TL)

J«eueres und Vizekanzler: hcrgt (Du.)

Jinanten: Dr. Röljler (Ztr.)

wirtschaft.- Dr. Lu r tiu s (D. V.)

Urbritanlniftet: Dr. Brauns (Ztr.)

3ufHj: Graes- Thüringen (Du.)

Reichswehr: Dr. Geßler

Reichspost: Dr. Schätzet (Bayer. V.)

Verkehr: Dr. 6 och (Dn.)

Ernährung unb condwirtschast: Schiele (Dn.).

Die Regierungskrise, her en Lösung man Frei- tagvormittag für nahe bevorstehend hie!!, hatte durch die über Wittag abgehaltenen FraktionS- sihungen überraschend eine Verschärfung er­fahren. Vicht nur Zentrum und Deutsch- nationale hielten an ihren Forderungen fest, nämlich drei Ministerpostcn für das Zentrum, vier für die Deutschnalionalcn, sondern auch die Deutsche Vvlrspartei beftäiigte ihren Beschluß. feiuoS der drei Portefeuilles aufzu­geben, die bisher mit Vertretern dieser Partei beseht waren. Da sich also die Ansprüche her Parteien unversöhnlich gegenüberstanden, so hatten die um 3 llfjr toieb "taufgenommenen ge­meinsamen Verhandlungen i> r vier bürgerlichen Parteien mit Dr. Marx mehr den Charaktc-r persönlicher EinwirkunLZversuche der einzelnen Parteiführer. Die Besprechungen endeten kucz vor vier ilfrr mit dem einzigen EogobniS, daß sich Zentrum und Deut,chnasionale darüber einig waren, die noch strittigen Ministerposten so unter sich zu verteilen, daß das Zentrum das ^nanzministerimn mit dem bisherigen badischen Staatspräsidenten und Finanzminister .Köhler, die Deutsä-nativitalen das Verlehrsministerium mit dem Eisenbahngewerischaf.ler. dent 2lbg. Koch-Düsseldorf, besehen. Für bi: Deutsche V v l k s p a r t e i wären dann nur die beiden Posten des Auswärtigen Amtes und des IDirtschaftSministerrums üirrig geblieben. Aachdem die Deaustragten der Vollspartei sich mit dieser Regelung Verzicht auf das Der- kehrSministerium schweren Herzens einver­standen hatten, kam die interjraltionelle Ve- lpred)ur.g der Vegierun'Lparleien xc^en xi£ ilfjr abends zum Abschluß der Regierungsbildung. An der verlautbarten Liste wurde nur noch insofern eine Aenderung vorgenormnen. als Rcichspe stminister Ctingl gebeten Halle, aus Gesundheitsrücksichten von feiner Person abzu- sehen. An seine Stelle tritt der Staatssekretär Schähel - München. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei wird Samstag vormittag 10 Uhr Aufammentroten, um noch formell zu der Zu- lammenfei;ung dcs Kabinetts Stellung zu neh­men. Infolgedessen wird die offizielle Bekannt- gäbe der Mitglieder des neuen Kabinetts erst am Samstag mittag erfolgen. Die Deul'chna.io- nalen traten am Abend noch zu einer kurzen Sitzung zu'an-men. um noch das Ergebnis der interfraktionellen Dc'prechung entgegen zu neh­men. Der Reichskanzler Dr. Marx wird 'ich am Samstag vormittag erneut zum Reichs­präsidenten begeben, um ihm offiziell über bas Ergebnis seiner Verhandlungen zur Regie­rungsbildung Bericht zu erstatten.

Die neuen Männer.

3n das neue Kabinett Warr, das jetzt zum erstenmal eine Regierung darstallt. di? auch ohne Mitwirkung der bürgerlichen Linien gufammen- gekonnnen ist, hat die D e u t s che V o 1 k s p a r- tei bekannte Ramen entfembt; Dr. Strese­mann behält das Auswärtige. Dr. Curtius die TÄtrlschaft. Von den Zentrums leuien ist Dr. Marx der parlamentarisch routinierte Par­teiführer. nunmehr zum mr-fen Tlare Kanzler.

Der neue Jtaanjminifftt Köchler

ist 1878 in Karlsruhe geboren, war bei Ausbruch dos Krieges Zollrevisor und teärr.-e. les Krieges in der deutschen Finanzverwaltung in Belgien tätig.. Seit 1911 war Kähler Stadtrerordnetei. in Karlsruhe, seit 1913 Larrdtagsab^evrdneter. Rach der Revolution war er zunächst Leiter der Pressc- abtcilung der neuen Regierung. 1919 Mitglied des Staatsrats imb feit 1925 als Rach'olaer 3ofcf Dirlos badischer Finanzminirer. Don Ro- vember 1923 bis Rovember 1924 txrr er Staats­präsident wvj,u er auch Ende 1923 wieder gQvählt wurPt. Der dritte ZenttumSmann

Dr. Brauns ,

ist nächst Gcßlcr der läng st amtierende R e i ch s m i n i ft c r; er ist gebürtiger Kölner, studierte ursprünglich Theologie, dann Autional- ökonomie und Staalsrccht, promovierte zu.n Dr. rcr. pol. 1905 in Freiburg, wurde 1921 Dr. jur. h. c. der UniDerfität itöln. Rach zehnjähriger Tätigkeit als Kaplan und Vikar wurde er IWO Direktor an der Zentralstelle des Vvlksvereins für daS katholische Deutschland. Seit 1920 ver­waltet er das Reichsarbeitsministerium. Eine Reihe sozial-politischer Schristen sind die Er­gebnisse ferner wissenschaftlichen Ardett

Der neue Vizekanzler unb Innenminister yergl ist feit Gründung der Deutschnationalen Vo'.lL- Partei ihr Vorsitzender. ist 156) in Raumburg geboren, trat in den preußischen Iustizdienst, von dem er spater in den Verwaltungsdienst übersiedelte. 1904 kam er als Hilfsarbeiter ins preußische Finanzmtnisterium. wo er 1905 Vor­tragender Rat wurde. 1915 wurde er Regie­rungspräsident in Liegniy und im gleichen Jahre in derselben Eigenschaft nach Oppeln verletzt. August 1917 erfolgte seine Berufung als preu­ßischer Finanzminister, waS er bis zur Revr- lution blieb. 1919 wurde er in die Preußi cke Landesversammlung gewählt, 1920 in den Reichs­tag.

Der neue Lanbwlrtschaslsuiinister Schiele ist 57 Jahre alt und in Reu-Schollenc int Kre:se Rathenow als Rittevgutspächter und Fabrilant angefeften. 3n dieser prakttschen Tätigkeit er­warb er sich umfassend« Kenntnisse der wirt­schaftlichen Zusammenhänge, die er in zahlreichen Aufsätzen nie Setgelegt hat 1914 wurde er in den Reichstag gewählt, er war später Mitglied der Rationalversammlung und seit 1920 auch des neuen Reichstags. 1924 wurde er alS Rach- folger Hcrcfts Vorsitzender der Deutschnattonalen ReichÄtagsfraltton. Januar 1925 übernahm er im ersten Kabinett Cutter das Innenministerium.

Der neue Rcichsjussizminlsker Graes ist Amtsgerichtsrat in Gtsrnach, seiner Va.erstadt. Er Ha4 in Jena, Leipzig und Marburg stud.ert, wurde 189-1 Referendar, 1898 Gerichtsassesior. 1900 Amtsrichter in Auma, später in gk-idjer Eigenschaft in Apolda und Geisa. Se.t 1907 ge­hört er dem Reichstag an. Das Reichsverichrs- ministerium übernimmt als Rächtolger des Volts- Par teilers Dr. Kröhne, der deutschnationale Ab­geordnete

Dr. Wilhelm koch.

Koch ist von Hause aus Schretner, wurde 190-8 evangelischer Arbeitersekretär in Hagen. 1913 Leiter drs Reichsverbandes der deutschen Staai>r- arbeiler und Bediensteten. Seitdem in der Ge­werkschaft Deutscher (2ilenbayncr. Er ist ferner zweiter Vorsitzender deS Gesamtverbandes evnn- gelischer Arbeiterver'eine Dmtschlands. Als Ab­geordneter gehörte er der Rationalversammlung und seit 1920 dem Reichstag an.

Der neue Reichspostminister Dr. Schätzte (B. B.) war bereits einmal dec Rag^o.g Sring.s als bayerischer Staatssekretär für dir Äeichspvjt. Er steyt im 41. Lebensjahr und ist aus dem baye­rischen Derkeyrsmintsterium hervorgegangen. Er stammt aus Oberfranken, besuchte in Bamberg das Gymnasium und studierte in München Iura. Er wurde später in die bayerische Genecaldirck- tion der Post und Eisenbahn berufen und nach Errichtung deS bayerisck)en Verkebrsministeriums war er dort und später in der Abteilung Mün­chen des ReichSpostministeriums in führenden Stellungen tätig.

(Seglers Austritt aus der Lemoiratifcheu Partei.

Berlin, 28.Ian. (WTB.) An den Dorsißenbrn der Deutschen Dcmokratischen Partei, Reichsminister a. D. Koch, richtete Reichswchrminister Dr. Geh­ler bas nachstehende Schreiben:

Sehr verehrter Herr Koch!

Die politische Entwicklung, bie zur Bildung eines neuen Kabinetts geführt hat, stellt mich vor die Wahl, entweder mich dem Ruse des Herrn Reichs­kanzlers zu oerjaaen oder in Konflikt mit den Grundsätzen der Parteibisziplin zu geraten, die ich stets hochgehalten habe. Aus dieser Zwangslage, glaube ich, gibt es nur den einen Ausweg, Sie zu bitten, meinen Austritt aus der Deutschen Demokratischen Partei zu bewilligen. Ich habe Ihnen mündlich die Gründe auseinandergesetzt, die mich im gegenwärtigen Zeitpunkt zwinget., diese Entscheidung zu treffen, und ich glaube. Sie über- »eugt Zu haben, daß sie rein sachlich sind unb in der Lage meines Ressorts begründet liegen, nicht aber in grundsätzlichen Meinungsoerschieoenheiten mit der Parteileitung oder gar mit Ihnen. Ich habe Ihnen bargelegt, wie schmerzlich mir diese Iren» nung von poliöschen Freunden ist, mit denen mich eine mehr als 25jährige Arbeit im Kampfe für eine freiheitliche Ausgestaltung unseres Saterlanbes ver­bindet. Ich bars mit diesen Ausführungen noch meinen persönlichen Dank verbinden für die freund­schaftliche Gesinnung, die Sie mir in schwerer Zeit stets bewiesen haben, und Sie um deren Erhaltung bitten. Mit der Versicherung vorzüglichster Hoch­achtung verbleibe ich Ihr sehr ergebener

gez. Dr. ®efeiet*J