Preußen.
Kreis Wetzlar.
WSR. Wetzlar, 27. Sept. Seit längerer 'Zeil richten sich die Bemühungen der in Frage kommenden Stellen darauf, das hiesige Lyzeum zum Oberlhzeum auszugestalten. Die Vorarbeiten sind jetzt so weit abgeschlossen, daß demnächst die städtischen Körperschaften um ihre Zustimmung ersucht werden, an der eS auch bei erhöhten Aufwendungen für diese Anstalt kaum fehlen dürfte.
XX Kinzenbach, 27. Sept, Die Gesangvereine der Bürgermeisterei Atzbach siitd bis jetzt noch keinem Sängerbünde angeschlossen. Auf mehrfachen Wunsch hatte der Präsident des hiesigen Gesangvereins „Fortuna", Werkmeister Willershäuser, dieserhalb die benachbarten Gesangvereine zu einer Besprechung eingeladen. Äach eingehender Aussprache über Vorteile und Dachteile einer Sängervereini^mg,^ die sich vor allem den Abbau der vielen Festlichkeiten und der Gesangs-Wettstreite zu eigen machen sollte, wurde beschlossen in 14 Tagen hier einen Debrgiertentag abzuhalten, zu welchem jeder Verein zwei Vertreter entsenden soll.
O Oberkleen, 26. Sept, lieber den Schaden, den Schwarzwild in der hiesigen Gemarkung in erheblichem Umfange angerichtet hat, ist bereits früher im „Gießener Anz." berichtet worden. Dieser Tage fand nun, da eine gütliche Einigung zwischen dem Jagdpächter und Den geschädigten Grundstücksbesitzern bisher nicht erziclt werden konnte, die Abschätzung des Schadens durch die Orts Polizeibehörde statt. An der Abschätzung, die unter Leitung des Bürgermeisters Schneider (Groh-Rechtenbach) statfand, nahmen teil' Jagdvorsteher Reineck für die Jagdgenossenschaft, Gemeindevorsteher Schindel (Ebersgöns) als Sachverständiger, Jagdaufseher Eigenstetter als Beauftragter des Jagdpächters, sowie die geschädigten Grrrnd- ftücksbesitzer. Die Abschätzung erstreckte sich auf den an den Kartoffeln angerichteten Schaden (der Schaden am Getreide wurde in einem kurz vor der Ernte statt gehabten besonderen Termine abgeschätzt) sie ergab erneu Grnteausfallvon über 300 Zentner Kartoffeln, der von feiten des Jagdpächters nach 'dem Frankfurter Börsenpreis von Mitte Oktober zu entschädigen ist. Rechnet man zu diesem Schaden den am Getreide verursachten, so ergibt sich ein Gesamtschaden von rund 2 0 00 Mk. Die Jagdpacht selbst beträgt für den betreffenden Jagdbezirk nur 1600 Mk.
-ö- Aus dem Kleebachtal, 27. Sept. In den letzten Tagen hat die Kartoffelernte In unseren Gemarkungen in vollem Umfange eingesetzt. Im großen und ganzen kann gesagt werden, dah die diesjährige Kartoffelernte sehr gut ausfällt, insbesondere bringen auch die rauhschaligen Sorten „Vater Rhein" und „Hassia" aus geringeren Böden auherordentlich hohe Erträge. Selbstverständlich wird die reiche Ernte eine weitere Rückwärtsbewegung der Kartoffelpreise zur Folge haben, die in einigen Wochen nicht über 3 Mk. bis 3,50 Mk. betragen dürften. .— Die Waldungen unserer Gegend liefern in diesem Jahre eine ausgezeichnete Brombeerernte, da die Beeren infolge des feuchten Sommers außerordentlich groß und vollsaftig sind. Da es der Landbevölkerung augenblicklich an Zeit zum Deerensammeln fehlt, sind die Früchte leider zum größten Teile dem Verderben ausgesetzt.
WSR. Braunfels, 27. Sept. Im benachbarten Philippstetn wollte die Frau eine- Landwirts beim Honigkochen die Wand vor dem Verunreinigen dadurch schützen, dah sie Papier anheftete. Sie trat zu diesem Zweck auf den Kesselrand, glitt aber aus und fiel mit b e id en Beinen vis über die Knie in die kochende Masse. Mit gefährlichen Brcrnd- wunden mußte sie sich in ärztliche Behandlung begeben.
Kreis Biedenkopf.
± Raunheim, 27. Sept. Bei der Gemeindeobstversteigerung, die an drei Rachmittagen stattfand, stellten sich die Preise im Zentner wie folgt: Birnen 2—3 M, Wirtschafts- äpfel 3—4 M., bessere Sorten 5—8 M. Es kamen annährend 1000 Bäume zur Versteigerung. Rechnet man den Erlös von 400 Kirschbäumen im Sommer hinzu, so ergibt sich eine schone Einnahme für die Gemeinde. Dreiviertel der
Roman von Liesbet Dill.
Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag. Berlin 25 Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Ich weiß nicht ... es ist etwas Unnatürliches ... wie ein vorgebundener Schleier, der das Verbrechen schützt..."
Manfred entfaltete die Zeitung ... „Verzeihen Sie . . ."
„0, bitte ... lesen Sie nur ..." Und sie starrte wieder vor sich hin.
„Wir hatten zum Bahnhof fahren sollen, Manfred ... vielleicht Hal sie jemand dort gesehen ... man hätte gewußt, wohin sie gefahren wäre ..."
„Warum zum Bahnhof? Leute alarmieren? Jetzt . . Wer sagt uns denn, daß ... sie--allein
fortgereist ist?"
Sie schwieg. Eine innere Stimme sagte ihr etwas anderes, aber sie wagte nicht, davon zu sprechen. Auf was wartete man? Auf den Morgen, eine Depesche — —. Sie stützte den Kopf in die Hand und versuchte auch zu lesen, aber sie sah nur Buchstabenreihen ... Melitta, Melitta ... weshalb habe ich sie gehen lassen? dachte sie. Weshalb ging ich wenigstens nicht mit chr bis zur Platanenstraße und habe draußen gewartet? Sie würde diesen Gedanken nicht mehr tos wecken, den ewigen Vorwurf, sie gehen gelassen zu haben ... Einmal klingette das Telephon. Sie sprangen beide aus ... Aber es war nur der Fischhändler, der fragte, ob man für morgen frischen Rheinlachs wünschte ... Die Köchin sprach draußen mit ihm... „Wem, nein, wir brauchen nichts..."
Gegen acht Uhr erschien ein Bote mit der Abend- post, die im Kurhaus Angegangen war ...
Manfred sah den Briesstoß flüchtig durch. „Nichts"... Wie konnte man jetzt schon etwas erwarten ... Um neun Uhr kam der Diener wieder imb fragte, ob jetzt angerichtet werden dürfte?
„Nein, nein, noch warten ..."
Der Teetisch stand noch unberührt vor dem Feuer.
Die Gräfin las. Manfred wanderte, die Hände auf dem Rücken, hin und her ... immer vom Fenster zu der Tür... „Bitte, setzen Sie sich doch",
Käufer waren aus Detzlar-MedergkrmeS. — In dem benachbarten Waldgirmes kamen bei der Versteigerung die Birnen noch viel billlger. Don dort ging in diesen Tagen ein Waggon Aepfel nach Pommern ab.
Kreis Westerburg.
00 Westerburg, 27. Sept. In der jüngsten Stadtverordneter.sitzung machte Bürgermeister Bittkau die Mitteilung, daß der geplante Wochenmarkt vorläufig nicht eingeführt toerbe, da der Bezirksausschuß von der Rotwendigkeit dieser Markte nich: überzeugt sei. Auch die Landwirtschaftsschule wird noch nicht eingerichtet, man will den Unterricht zunächst versuchsweise abwechselnd für den nördlichen Kreis in Rennerod, für den südllchen in Wallmerod abhalten. Der Hauptpunkt der Tagesordnung behandelte den Ausbau der Reu- straße. Die geplante Teer-Makadam-Decke ist, durch die schlechte Witterung bedingt, illusorisch geworden. Man wurde deshalb schlüssig, der Straße eine Kleinpflasterdecke zu geben. — Am 1. Oktober wird endlich die Rektorstelle in Westerburg beseht. Zum Rektor für die Volls- schule unb die gehobenen Klassen ist Herr Quint ernannt, der seither im Anterwesterwaldkr.is beschäftigt war. — Die diesjährige Masern- epidemie, die den größten Teil der Kinder hier befallen hat, ist glücklicherweise harmlos. Man beobachtet nirgends die sonst oft bösartigen Racherscheinungen, wie Lungenentzündung usw. Allerdings tritt ein harter Husten diesmal mit der Krankheit auf. Gleichet ig m.t d.esen „Lungen- masern" tritt sehr start die Mumps auf, von der auch viele Erwachsene befallen werden.
* Dom hohen Westerwald, 27. Sept. Die ungünstige Witterung der sog. Sommerzett hat in den Gemarkungen der hochgelegenen Teile des Westerwaldes schwere landwirtschaftliche Schaden gezeitigt. Zwar kannte der Roggen noch oerhättnismäßig gut und auch befriedigend im Ertrag heimgebracht werden, ebenso die Gerste. Dagegen wurde die a f e r * ernte zu einer bitteren E nttäu jchung unserer Landwirte. In den Gemarkungen Driedorf, Roth, Mademühlen, Rehe, Rennerod usw. kann man jetzt noch auf zahlreichen Haferfeldern die Frucht auf dem Halm stehen sehen, wahrend die bereits abgemähten Teile infolge des wochenlangen Regens nicht geborgen werden konnten, auf dem Acker auswuchsen und gegenwärtig noch auf dem größten Teil aller Felder in Haufen zum Trocknen aufgestellt sind. Durch diese starke Ertragsminderung der Haferente erwächst unser.n Landwirten großer Schaden, der um so fühlbarer ist, als zum Teil auch die Heuernte nicht geborgen werden konnte. Die Kartoffelfelder sind noch weit von der Ernte entfernt, Proben haben aber bisher erfreulicherweise gezeigt, daß die befürchtete Fäulnis der Knollen bis fetzt zum Glück nur vereinzelt ist. Alles in allem gesehen, ist zu sagen, daß die Landwirtschaft auf dem hohen Westerwald auch in diesem Jahre wieder mit schweren Einbußen zu rechnen hat.
Dillkreis.
bl. Dillenburg, 27. Sept. In den letzten Wochen konnte man ttn Dillkreis eine leichte Minderung d er Arbeitslosenziffer feststellen. Rach dem neuesten Stande beträgt die Zahl der Vollerwerbslosen des Kreises insge- samt 109. Die Zahl der Zuschlageernpfänger beträgt etwa 205. Mit Rotstandsaroeiten werden ca. 70 Mann beschäftigt.
□ Schönbach, 27. Sept. Gestern wurde hier Die diesjährige Gemeindeobsternte versteigert. Der Ertrag an Aepfeln war nicht allzu groß, die Früchte waren meist llein geblieben. Dagegen brachten die Birnbäume eine sehr reiche Ernte, die auch qualitativ als gut anzusehen ist. Bei der Versteigerung, zu der nur Einheimische zugelassen waren, herrschte zahlreicher Käuferandrang. Die Preise waren sehr unterschiedlich, je nach dem Behang der Bäume. Gering tragende Bäume wurden schon für zlvei Mark abgegeben, dagegen brachten Bäume mit mittlerem Ertrag 10 bis 12 Mark, sehr reich tragende Tarnen bis zu 20 Mark. Der Zuschlag wurde den Käufern sofort erteilt.
Kreis Marburg.
][ Marburg, 27. Sept. Die vergangene Woche hier aus der Lahn gelandete Leiche ist als dis eines Einwohners aus Wetzlar festgestellt worden.
it sie. „Es macht mich nervös"... „Ja, nehmen ie das alles fort." Der Diener räumte den Tee- fch ab und ging ...
„Da ist etwas passiert", sagte er draußen zu der Köchin, dte in der Anrichte die Pasteten einfüllte... „Die sitzen da wie im Wachsfigurenkabinett!"
Der Nebel war fortgezogen. Es regnete stärker. Man hörte den Sturm in den Waldern schnauben, von den Höhen herab stteß der Wind in die Niederungen. Die Gärten und Parks fingen an zu murren, zu ächzen und zu stöhnen. Die Baume schüttelten sich im Schlaf, ihre Wipfel rauschten schläfrig, hin- und hergeworfen gegen die Fenster oes Hauses. Schatten flogen über die Fensterscheiben und wankten an der bleichen, weißen Wand hin und her . . .
Die Nachtunrube stöhnte und rief. Der Himmel war unruhig beleot. Ein sonderbar bleicher Mond trieb schwarze Wolken vor. sich her. Ein Orgelten grollte, ein Türflügel knarrte, ein Fenster schlug zu, über das Dach des Pavillons hn (Barten flirrten Glasscheiben . . . Der Wind kam naher, er stieß schrille Reiterpfiffe aus und galoppierte durch die Gassen. In der Ferne erhob ein Hund seine klagende Stimme, im Nachbarhaus erwachten andere Hunde und heulten mit... Es waren Stimmen draußen in dem Wind, die um Hilfe zu rufen schienen...
Mitternacht war vorüber. Ethel hatte sich auf em Sofa gelegt, aber sie schlief nicht, Manfred ging m seinem Zimmer auf und ab. Die Uhren schlugen ... Draußen rauschte der Wind In der Ferne heulte ein Hund ... wie eine menschliche Stimme ...
Ein eisiger Hauch drang aus der dunklen Ecke des Zimmers auf sie ein. Wo war Melitta jetzt ... um diese Stunde?
Weshalb kam sie nicht?
Manfred wanderte durch die Räume, er schloß ihr Zimmer auf--stand zwischen ihren Möbeln,
ihren Sesseln. Auf dem Diwan lagen unordentlich weiße gestickte zarte Kiffen. In einer gelben Base welkte ein Strauß vertrockneter Rosen... Er ging in ihr stilles, verlassenes Schkafzimmer und berührte ihre hellblaue, seidene Bettdecke, ihr Kissen, in das sie den schönen müden Kopf gedrückt. Kühl und einsam war es hier, als ob dic Möbel es wüßten. ... Sie war fortgegangen ohne Abschied, ohne Er- Härungen. Wie so ein Haus rasch die Atmosphäre
Maingau.
WSN. Hanau, 27. Sept. Hanaus größtes Hotel, „Zum Adle r", und dessen Reben- gebäube, ist gestern vormittag zwangsver- steigert worden. Es hatte sich eine ganze Reihe Interessenten eingefunden. Das niedrigste Gebot lautete auf 50 000 Mk., das Höchstgebot auf 220 000 Mk. Das letztere Angebot gab der Fabrikbesitzer Kommerzienrat Kirsch aus Aschaf- tenburg ab, dem auch der Zuschlag erteilt wurde.
Zürnen, Sport und Spiel D. f. B.
Liga gegen „Sport" Kassel 0: 4.
Dritte gegen Fronhausen (Lahn) 5:2.
1. Jgd. gegen 1. Jgd. Germania Frkf. 0:5.
3. Jgd. gegen 2. Jgd. Großen-Duseck 9:1.
1. Schüler gegen 1. Schüler Heuchelheim 3:0.
2. Schüler gegen 1. Schüler Gr.-Buseck 1:1.
Die Ligam annscha f t hatte die ohnehin schon wenig erfolgversprechende Reise nach Kassel mit nur 9 Mairn in der bestimmten Erwartung angetreten, die beiden im Manöver befindlichen Spieler verabredungsgemäß in Kassel zu treffen. Die beiden waren jedoch an der Mitwirkung dienstlich verhindert, so daß die Mannschaft, durch einen zufällig anwesenden Spieler auf zehn gebracht, schon zu Anfang zahlenmäßig geschwächt, den aussichtslosen Kampf beginnen mußte. Daß trotz der Aussichtslosigkeit des Kampfes alle zehn restlos ihre ganze Kraft einsetzten, um das Resultat so niedrig wie möglich zu halten, verdient lobend erwähnt zu werden. Wenige Minuten vor der Pause fiel erst das erste Tor für Kassel, ein Beweis für das aufopfernde Spiel Gießens. In der zweiten Halbzeit stand D. f. B. durch das Ausscheiden der verletzten Böckler und Flachskamp zeitweise nur mit acht Mann im Felde, so daß das Endergebnis 0: 4 in Anbetracht der Umstände immer noch als gut bezeichnet werden kann, ohne damit das anerkannte Können des Gegners herabzuwürdigen. Das Tressen, das beiderseits ruhig und fair durchgeführt wurde, hat bewiesen, daß die B. f. B.-Liga unter gewissen Voraussetzungen auch in Ehren verlieren kann.
Die Dritte gewann ihr Verbandsspiel gegen Fronhausen nach wechselvollem und hartem Kampf verdient mit 5 :2.
Rasern die erste Jugendmannschaft den Franfurter Germanen bis zur Pause einen gleichwertigen Kampf geliefert hatte, ließ sie in der zweiten Spielhälfte mit ihren Leistungen stark nach und mußte sich am Schluß mit 0:5 geschlagen befennen. Gewiß waren die Gäste im Durchschnitt älter und auch fräft.ger, waren aber auch technisch besser als die Platzelf.
Mit 9:1 schlug die dritte Jugend dis zweite Jugend GrohenbuseFs, während die zweite Schülermannschaft den Schülern Grotzen- Dufecks ein Unentschieden lieferte.
Besondere Anerkennung verdient die erste Schülerelf, die nach prächtigem Spiel über Heuchelheims spielstarke Schüler einen verdienten 3:0- Sieg erringen formte.
Allgemeiner Deutscher Turnerbund (A. D. T.) Turngau Lahn-DünSberg.
Die leichtaihle.ischen Gaumeisterschafts- kämpfe im Turngau Lahn-Dünsberg fanden am vorigen Sonntag in Ruttershausen statt. Die Leitung lag In den Händen des Gau°Sportwar s Karl Winter aus Launs- bach Das Turnen nahm trotz der ungünstigen Witterung einen planmäßigen Verlauf. Leider war der Boden des neuen Sportplatzes an der Lahn durch den vielen Hegen der letzten Zeit durchweicht, wodurch die Leistungen — besonders im Springen und Laufen — recht ungünstig beeinflußt wurden. Es wurden trotzdem in einzelnen Hebungen recht gute Ergebnisse erzielt. Rund 70 Turner nahmen am Wettkampf teil.
Cs wurden folgende Siege errungen:
I m Laufen: 100 Meter: 1. (Gaumeister): Georg Kaletsch (Ruttershausen), 11,7, 2. Karl Heitz (Rodheim a. d. Bieber), 11,9, 3. August Best (Waldgirmes), Drustbreite zurück. 200 Meter: 1. (Gaumeifter) Georg Kalelfch (Ruttershausen) 24,4, 2. Karl Heih (Rodheim a. d. Bieber), 26, 3. Otto Sauer (Ruttershausen) 28. 1500 Meter: 1. (Gaumeister) Willi S cha r d t Hausen 4.48,5, 2. Hermann Röhl (Wieseck),
der Verlassenheit annahm . . Während er in ihren stillen Räumen umherging und die Bild« rbetrach- tete, sah er in der Eck« Melillas Koffer stehen. Zwei kleine Handkoffer für eine kurze Reise ... Sie waren gesckstossen und trugen bunte Hotelausfchrif- ten aus Genua, Wien Venedig. San Remo und Spaa. Er las diese Namen im Vorüberwandern ... sie vergegenwärtigten ihm ihre gemeinsamen Reisen
.. Die kleinen bunten, luftigen Plakate bedeckten die Haut der Koffer wie ... Wunden ... Es gähnte ihm aus dem verödeten Zimmer etwas an, eisig --wie ein schlimmes Ahnen umzogs ihn hier... Um den Gedanken zu entrinnen, trat er an ihren Schreibtisch und öffnete ihre Mappe. Em paar Briefe lagen darin. Er erkannte van Enderts fliegende Künstlerhandschrift. Er schrieb begeistert von seinen Erfolgen aus Neuyork, ein kleingekritzetter Kartenbrief des Intendanten, Benders flotte Schrift, Briefe ihrer Bewunderer, die sie fingen gehört und ihr fßlumen geschickt aus Paris, Wien und Rom... von einem Fremden „compliments bien sin- efcres“---"
Bon der Hand, die «r suchte, war kein Brief dabei. Aber im Papierkorb lagen Aschenreste, Scknitzel, Papier . . . verbrannte Umschläge, die anscheinend wichtiger waren, denn man halle sie vernichtet. Eine Bitterkeit stieg in ihm auf ... Neid ... auf diesen Unbekannten ... Seine geschmeidige Gestalt tauchte wieder vor ihm auf... Er stand dort an der Tür ... er oemeigte sich, stumm und spötttsch ... Nein — er wich nicht ... Er blieb ... er lebte ... er — — stand zwischen ihnen ... es war ihm, als ob er lächelte ... über ferne Sorgen, feine Todesangst . . . Der wußte mehr ...
Die Uhr ihres Scheibllsches schlug eins. Hell und klingend fiel der Schlag in die frostige, schwere Stille. Er zuckte auf ... Die Hoffnung, die noch in ihm war, sank zusammen. Wie das alles um ihn plötzlich tot aussah, so . . . verändert, so ruhig geworden ... unnatürlich still, wie ... getötet... Diese Räume, sonst belebt von dem Rauschen ihres Kleides, ihrem raschen, leichten Schritt, von dem Ton ihrer warmen Stimme, ihrem Lachen, ihrem Singen, glichen Totenkammern jetzt. Auf ihrem Toilettentisch sah er durcheinanderliegend, als habe eine hastige Hand in der Eile des Abschieds alles heroorgesucht und dann liegen gelaffen, Facher, ein Flakon, ein
4:53,2, 3. Ludw. Beppler (Kinzenbach) 458,4. 3000 Meter: 1. (Gaumeifter) Adolf G o bler (Launsbach) 1027,9, 2. Ludwig Grölz (Staufenberg), 10.-28,5, 3. WiUi Schardt (Haufen), handbreit zurück.
Im Springen: Hochsprung: 1. (Gau- meister- Reinh. Schiefer st ein (Launsbach), 1,55, 2. Otto Dietz (Lollar), 1.55, durch das Los entschieden, 3. Ernst Jung (Lollar), 1,50. Weitsprung: 1. (Gaumri'ter) Rudolf Buß (Gr.- Buseck 5,93, 2. Reinhard Schiefer ft ein (Launsbach), 5,73, 3. Karl Heih ('Rodheim a. d. Bieber), 5,68. Stabhochfprung: 1. (Gaumeifter) Wilh. Deppler (Kinzeichach), 2,85, 2. Willi Reh (Rodheim), 2,75. Dreisprung: 1. (Dau- meister) Wilh. Hofm ann (Alten-Buseck), 11,48. 2. Rhd. Schiefer st ein (Launsbach), 11,43, 3. Wilh. Ferber (Waldgirmes), 10,74.
2 mW er f en: Speerwerfen: 1. (Gaumeifter) Heinrich Scherp (Allendors a. d. Lda.), 41,15, 2. Otto Dietz (Lollar), 39,72. 3. Wilh. Hof- mann (Alten-Buseck), 37,72. Diskuswerfen: 1. (Gaumeifter) Gg. Kaletsch (Ruttershausen), 29,90, 2. Otto Dietz (Lollar), 27,25, 3. Ludwig Hasselhach (Rodheim a. d. Bieber), 26,68. Schleuder ball: 1. (Gaumeifter): Otto Dietz (Lollar), 36,0, 2. Heinrich Scharp (Allendors an der Lumda), 35,18, 3. Albrecht Osterheld (Gr.- Buseck), 35,15.
2 m Stoßen: Kugelstoßen: 1. (Gaumeifter) Albr. Osterheld (Gr.-Buseck), 10,27, 2. Otto Dietz (Lollar), 9,97, 3. August Best (Waldgirmes), 9,94. Dteinstoßen: 1. (Gaumeifter) Karl Rpel (Lollar), 7,61, 2. Wilh. Hofmann (Alten-Buseck), 7,52, 3. Albrecht Osterheld (Gr.-Buseck), 7,45.
Mannschaftskämpfe: 4xl00-Meier- Stafsel: 1. (Gaumeifter) Turnvereinigung Ruttershausen), 48,7, 2. Turn- und Sportgemeinde Rodheim a. d. Bieber.
Mannschaftskugelstvhen (beftarmig, 4 Mann): 1. (Gaumeister) Turnverein Gr.-Dus«k, 36,45, 2. Turnverein Allendors a. d. Lda., 34,92 (beidarmig, 4 Mann): 1. (Gaumeifter) Turnverein Gr.-Buseck, 65,29.
Dreikampf (Hochsprung, 1 (»Meter-Lauf, Kugelstoßen): 1. August Best (Waldgirmes) und Albrecht Osterheld (Gr.-Buseck), 129 P., 2. Otto Dietz (Lollar), 128 P., 3. Wilh. Depp- l e r (Kinzenbach), 114 P.
Wie muh ein Zeugnis beschaffen sein?
Das Kaufmannsgericht Berlin hat unlängst — 318 VII 27 — eine Streitfrage des § 73 der Handelsgesetzbuches geklärt: Genügt das einem kaufmännischer Angestellten erteilte Zeugnis, in dem gesagt wird, daß dieser auch bemüht war die ihm übertragenen Arbeiten zur Zufriedenheit auszuführen, den gesetzlichen Anforderungen, wenn die Leistungen zufriedenstellend waren? Den Gründen ist zu entnehmen: Das der Klägerin ausgestellte Zeugnis bescheinigt, daß fte bemüht war, die ihr übertragenen Arbeiten zur Zufriedenheit auszusuhren. Diese oft in Zeugnissen wiederkehrende Redewendung soll gewöhnlich ausdrücken, dah die Leistungen des Arbett- nehmers nicht genügten, wenn er sich auch „bemüht" hatte. Daß der Redewendung nicht immer ein solcher Sinn beizulegen ist, kann nicht verhindern, daß sie trotzdem gewöhnllch in diesem Sinne auch bann verstanden wird, wenn im Cinzelfall nicht beabsichtigt war, ein ungünstiges Urteil über die Leistungen auszusprechen. Ein solches Urteil war jedoch nur berechtigt, wenn die Leistungen tatsächlich nicht genügten. Daber ist nicht allein das subjektive Urteil des Zeugnis- ausftellers entscheidend. Es kommt daraus an, ob bei einem objektiven Maßstab daS an und für sich nur geringe Prädikat „zufriedenstellend" der Klägerin mit Recht vorzuenthalten war. Hierfür war die Beklagte beweispflichtig. Wenn auch die Zeugin bekundet hat, daß die Klägerin langsam arbeite und Buchungsfehler vorgekommen wären, so hat sie jedoch nach einem bei der Beklagten damals neueingeführten, ihr wie auch den Übrigen in der Buchhaltung Beschäftigten bis dahin nicht bekannten System arbeiten müssen. Die Klägerin war aber weder nachlässig in der Arbeit, noch hatte sie die ihr obliegenden Arbeiten nicht geschafft. Hiernach lag aber kein Anlaß vor. der Klägerin hinsichtlich ihrer Leb' ffurtgen das Prädikat „zufriedenstellend" zu verweigern und ihr ein ihr Fortkommen behinderndes Zeugnis zu geben. Das bisher ausgestellte Zeugnis genügt also nicht völlig den
Gebetbuch mit silbernem Schloß, ein grüner Ta- schenkamm, eine Puderdose, ein paar Helle Handschuhe ... Er konnte das alles nicht sehen ... Er öffnete ihren Schrank. Ein paar Gesellschaftskleider hingen da ... Er nahm die weichen, gleißenden Stoffe in seine Hände und empfand eine sanfte körperliche Berührung dabei . . . Etwas von ihrem Wesen und ihrem Liebreiz entströmte diesen Kleidern, der Duft ihrer Seifen unb ihrer Blumen, die auf dem Toilettentisch standen, drang auf ihn ein. Das Furchtbare, das Unfaßbare umklammerte ihn ... die Gewißhett ... Er drückte den Kopf tn die Kleider ... Melitta!!
Wie endlos diese Nacht war! Wie das Geheul der Hunde langgezogen und melancholisch klang . . . „Hier draußen haben sie in jedem Haus so einen Köter", sagte er. Die Dogge unten tm Garten fing an, sich ebenfalls zu berunruhigen.
„Man muß sie anbinden", riet Ethel.
„Dann ist's nur noch schlimmer." Er öffnete das Fenster und rief den Hund. Darauf wack er still und kuschte sich in fein Hundehaus, aber et knurrte leise weiter ... Ganz beruhigen ließ das Tier sich nicht. Es gehorchte nur feinem Herrn.--
Eine Uhr schlug drei, im Flur wiederholte es eine andere Uhr. „Legen Sie sich hin und versuchen Sie zu schlafen, es ist das beste, Gräfin."
Eihel stand auf und ging in Melittas Zimmer, aber gleich darauf kam sie wieder. ,Zch kann dort nicht ... schlafen", sagte sie. „Es ist noch etwas von ihr in dem Zimmer..
Sie fetzte sich im Salon in einen tiefen Sessel am Kamin, streckte die Füße auf ein Taburett, wickelte sich fest in den Umhang und schloß die Augen _. 216er das winselnde Geheul des Hundes in der Ferne ließ ihr keine Ruhe .. Unten knurrte die Dogge. Die schlief auch nicht, zuweilen stieß der Hund einen tiefen Seufzer aus ..
Manfred saß nebenan enn Schreibtisch und schrieb bei der grünbeschirmten Lampe. Und fte gedachte all der Gesellschaften, die in diesen Räumen stattgefunden hatten, Mefitta unter ihnen, heiter und strahlend, so imantaftbar, so gefestigt und ruhig ... im Besitz ,.. Sie gedachte ihrer Freundschaft. Glückliche Tage ... an die letzten Monate . Wie hatte Melitta da gesungen! „Ich hab' ein glühend Messer" ... Nie vergaß man, wie sie fang ...
(Fortsetzung folgt.)


