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Zwischen Mund sieben

Roman von Liesbet Dill.

Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag. Berlin. 24. Fortsetzung Nachdruck verboten.

Eine Kuckucksuhr rasselte, man hörte die Stimme des Kuckucks. Dann war alles wieder still.

Ob mall mich gesehen hat? dachte sie. Ein kaltes Zittern rann fortwährend über ihren Nacken. Es fror sie. trotz des Feuers ... Sic öffnete die Ofen­tür und betrachtete die altmodischen Stahlstiche an den Wänden ...Heimkehrender Kreuzritter", nach einem Gemälde von Schwind. Die enge Gasse einer alten Stadt, spitzgieblige, mittelalterliche Häuser, ein Ritter, der an die Tür seines Hanfes pocht und seinen Schimmel am Zügel hält. Wie oft hatte sie diese Bilder gesehen, während sie hier wartete. Sie hatten sich ihr eingeprägt und waren mit diesem ent­nervenden Warten verknüpft ... mit dieser bangen, chwülen Stille ... Aber erst heute fiel ihr der orgenvolle Zug des Ritters auf, der vor eine ver- chlossene Tür kommt ... des Empfangs ungewiß ... Rechts über dem Sofa hing das GegenstückAb­schied im Morgengrauen . Ein junger Mann, der mit gepacktem Ranzen das Haus verläßt und noch einen sehnsüchtigen Blick nach dem Fenster zurück­wirft ...

Les Adieux ä l'aube du jour ...

Ach ja, les Adieux

Diese trostlosen, alten Stahlstick)e schauten so fremd auf sie herab. Man konnte sie malen, in Musik setzen, diese Schmerzen, aber nicht beschrci- ben ... Alle Farben waren zu matt, alle Worte zu gering, man konnte sie nur fühlen ... Wie bitter ist Liebe ...

Bor dem verglimmenden Feuer, den Kops in die Hände gestützt, fröstelnd wie im Fieber, mit ver­haltenem Atem auf die Geräusche von draußen lauschend, wartete sie. Aber es rührte sich nichts. Die Straße lag still im wogenden Nebel.

Und mit einemmal wußte sie:

Aus'.

Weshalb, warum ...?

Weiß man das? ...

Etwas glimmt auf, ganz leise und wird zu einer großen Flamme, die uns umlodert . . . Dagegen

anzukämpfen, unmöglich. Die Feuer brennen, ver­zehren, vernichten ... Wir lassen es geschehen ... Das nennt man Glück ... Auf was warten? ... Niemand näherte sich dem Hause, keine Schritte im Garten, keine bebende Hand berührte die Klinke dort ... Die zitternde Hoffnung in ihr er­losch ... Es war, als wehe sie ein eiskalter Wind an ... Es wurde leer in ihr und um sie ... Eine große, unendliche Sülle sank herab ... Welke Blätter fielen von den Bäumen, die letzten im Herbst . . . Blatt auf Blatt taumelte müde in den kalten, sterbenden Garten ...

Sie erhob sich und suchte nach einem Schreib­zeug. Auf dem Sofatisch stand es ... die Tinte war eingetrocknet, niemand schien es zu benutzen ... Sie nahm etwas Wasser aus der Base und goß es hin­ein ... In einer Schublade lag Papier. Sie hatte es einst dort hingclegt, damit, wenn er warten mußte ... aber cs war nie geschehen. Sie setzte sich und schaute auf die neblige Straße. Eine Laterne brannte dort. Es sah unheimlich aus, dieses ein­same, fahle Licht im Nebel.

Was nun? Wo endete dies alles? Ein Zurück ... gab es nicht mehr für sie ... Als sie heute die Haustür hinter sich schloß, hatte sie gewußt, sie würde nie mehr dorthin zurückkehren . in ihr Haus ... zu ihm ... und er ... würde sie nicht mehr er­warten ... Niemand erwartet mich, dachte sie, nur die Einsamkeit, die große Sülle ... Die Erinnerung an diese letzte Stunde war das einzige, was sie mit­nehmen würde auf ihren Weg . . . Wohin er führte ... wohin sie ging ... nun wußte sie es ... Und ohne sid) zu besinnen, schrieb sie die Worte nieder, wie sie ihr kamen. Von Zeit zu Zeit blickte sie auf und schaute in den Garten aber sie hörte nichts . . . nur das Klopfen ihres gemarterten Herzens. Der Hund hatte sich beruhigt ... das Haus lag totenstill im Nebel der verlassenen Straße ...

Einsamkeit! Sie hatte sie nie gefühlt, hatte sic nur einmal geahnt, als sie allein in dem Haus mit dem Toten geblieben war. Weit lag das zurück, aber sie entsann sich noch genau, wie das war ... Es gab Zustände, die unerträglich waren und die be­endet werden mußten. Sie weinte nicht mehr. Mit fliegender Feder schrieb sie Zeile um Zeile, ohne sie wieder zu lesen, gleichgültig nun, was nachher geschah.

sr-M umimi» j-ixxaaerBgMCBL-j^zaETjj.'1 vj.'-jurew:.: muji..

Dann schaute sie sick) noch einmal um in diesem kalten, stillen Zimmer ... Das Feuer ... die beiden Sesscl dort . . der Spiegel, ::i dem sic so aft ihr heißes Gesicht gepudert »nd ihr verwirrtes Haar geordnet hatte ... Sie schloß den Brief und ging...

Äst sie gekommen?"

,Zmmer noch nicht..."

Es ist neun Uhr vorbei..."

Ethel stand in ihrem rasch übergeworfenen Mantel im Zimmer. Man sah ihren verstörten Augen die Todesangst an.Und Sie sind so ruhig, Doktor?"

Wer sagt Ihnen, daß ich ruhig bin? Aber was kann ich tun?"

Mein Wagen hält unten, wir müssen sie suchen ..."

Suchen? Sie ist jedenfalls abgereist, wie sie vorhatte--"

Nein, ick) glaube etwas anderes . . . Heute ist Freitag ... zwischen fünf und sieben."

Er wurde bleich.

Sie glauben ...?"

Ich vermute es nur. Sie ist hingegangen, um ihn dort zu treffen ..."

Mit einem Ruck raffte sich Manfred zusammen, seine Züge strafften sich.Gut, gehen wir!"

*

Durch dunkle Straßen im Nebel lastete sich das Auto vorwärts, an blendend erleuchteten Schau­fenstern vorbei, es bog scharf um die Ecken großer Häuser, überquerte breite, helle Plätze. Eine große Kirche ragte aus der Dunkelheit, ein Park mit einer Villa, deren Fenster matt erleuchtel waren, rosige Ampeln schimmerten in den Bars Musik tönte hinter zugezogenen Vorhängen . . Menschen kamen in Gruppen vorüber. Neben den Kolonnaden wartete die lange Reihe der Droschken mit den mageren Gäulen unter den Pappeln. Im Theater waren die Türen weit geöffnet, das Kurhaus erleuchtet ... Man sah den grauen Kopf des alten Portiers hinter dem Glas ... Das Auto bog in eine dunkle Allee und fuhr auf weichem, sandigem Boden...

Die Platanenstraße tat sich aus. leer, blätter­bestreut, alle Häuser dunkel. Das Auw bremste. Ethel stieg aus. Die Haustür war verschlossen. Sie läutete.

Eine alte Frau in einer Haube kam herangeschlürft und schaute durch die Glastür ..Es ist nie man b daheim..."

Oeffnen Sie doch ... Ich bitte!"

Die 'Alte öffnete das Glasfenster hinter dem Gitter.

Zu wem wollen Sie?"

Ich muß die Inhaberin der Pension sprechen."

Die is nit daheim", wiederholte die eigensinnige Stimme der Frau.

Können Sie mich denn nicht wenigstens ein- lasfen?"

Was wollen Sie denn?"

Ich wollte fragen, ob jemand in dem Zimmer links vom Eingang ist. Sehen Sie einmal, bitte, nach . . ."

Die alte Frau rüttelte an der Tür . . .Die Tür is abgeschlossen ..." sagte sie.

Haben Sie keinen zweiten Schlüssel da.....?"

Die Alte tappte in dem schlechtbeleuchteten Flur nach hinten und kam wieder mit einem Schlüssel­bund, den sie umständlich probierte. Endlich öffnete sie die Zimmertür und machte Licht ... Minuten voll Angst--Es ist niemand da", kam die Alte

zurück ...Das Zimmer is leer ..."

Und es war niemand da. den ganzen Nach­mittag?"

Ich habe niemand gehört ... Der Herr, der dort drin wohnt, hat selbst einen Schlüssel. Den hab' ich noch nie gesehen ..Und die Alte schloß wieder das Glasfenster und verschwand.

In der leeren Wohnung saßen sie sich schweigend einander gegenüber an dem Feuer . . . Zwischen ihnen stand ein gedeckter Teetisch... Drei Tassen..

Der Diener brachte den Tee und fragte, wann angerichtet werden könne... '

3d) werde läuten, nehmen Sie die Tasse weg." Manfred schob die dritte Taste fort. Ethel sah zu- sammengekauert in dem großen, tiefen Sessel. Sie fröstelte in der teeren, stillen, verlassenen Wohnung. Draußen hörte man den Regen rauschen, eintönig und traurig fielen die Tropfen.

Es ist gut, daß es regnet, dann zieht der Nebel endlich fort", sagte sie. Sie konnte Nebel nicht leiden ... er erweckte ihr Furcht.

Weshalb .Furcht'?"

(Fortsetzung folgt.)

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Bekernrrtmachung.

Alittwoch, den 28. September 1927, nach­mittags von 3 bis 4 Uhr, findet in der Turnhalle der Schillerschute, Schillerstraße Nr. 8, ein öffentlicher Impftermin statt. Es können zu diesem Termin alle in 1926 und früheren Jahren geborenen, bisher noch nicht oder ohne Erfolg geimpften Kinder gebracht werden. 83956

Die Kinder sind sauber gewaschen und in reinlicher Kleidung zur Impfung zu brin­gen. Kinder aus Familien mit anstecken­den Krankheiten dürfen nicht gebracht werden.

Die Jmpfnad)schau findet Mittwoch, den 5. Oktober 1927, nachmittags 3 bis 4 Uhr, statt.

Gießen, den 12. September 1927. Der Oberbürgermeister.

I. V.: K l i n g f p o r.

Bekanntmachung.

Auf Grund der Aeichsverdingungs- ordnung sollen nachstehende Arbeiten für einen weiteren Wohnblock »An der Klär­anlage- vergeben werden:

1. Erd- und Maurerarbeiten

2. Zimmerarbeiten

3. Dachdeckerarbeiten

4. Weißbinder- und Änstreicherarbeiten Schreinerarbeiten

6. Schlosserarbeiten.

Die Unterlagen liegen bei uns offen und sind Angebotsformulare daselbst zu haben.

Die Angebote sind verschlosien, ver­siegelt und' mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungslermin

EamStag, den 1. Oktober 1927, vormittags 10 Llhr bei dem Stadtbauamt einzureichen. Er­öffnung der Angebote erfolgt im Beisein etwa erschienener Bieter. 87186

Zuschlagsfrist: 3 Wochen.

Gießen, den 26. September 1927. Stadtbauamt: Braubach.

IW

M Wlmtge..

Bei Straßen- und Haussammlungen wohltätiger und gemeinnütziger Dereine hat sich die Verwendung fchulpflichttger Kinder als Sammler mehr und mehr ein­gebürgert. Es bestehen jedoch dagegen erheblich erzieherische Bedenken. Es güt dies umsomehr, als die sog. Blumentage keineswegs mehr die seltenen festlichen Ausnahmetage darstellen, die sie ihrem Ursprung und Grundgedanken nach sein sollten, vielmehr zur ständigen Gepflogen- beit geworden sind. Es darf aber der Erfolg eines noch so wertvollen Unter- Nehmens nicht mit einer Versündigung am Wohle der Jugend erkauft werden. Die stadt. Deputation für Jugendwohl- fahrt als Jugendamt im Sinne des Aeichsjugendwohlfahrts-Gesehes hat des­halb einstimmig beschloflen, hiergegen Stellung zu nehmen und das Polizeiamt zu bitten, Sammlungsgenehmigung von der Aichtverwendung schulpflichtiger Kin­der abhängig zu machen. Es ergeht je­doch an alle wohltätigen und gemein- nützigen Vereine die Bitte, von vorn­herein aus eigener Entschließung von der Verwendung von schulpflichtigen Äinöem abzusehen 8717B

Der Oberbürgermeister.

Wohlfahrtsamt, Abt. Jugendamt Dr. Frey, Bürgermeister.

Obftvevfteigerung.

Donnerstag, den 29. September, soll das der Gemeinde Reiskirchen gehörige Ojft, bestehend in Aepfeln und Birnen, öffent­lich versteigert werden. 8708D

Der 'Anfang ist um 8!/. Uhr am Aus­gang des Ortes nach Lindenstruth.

Reiskirchen, den 26. September 1927. Bürgermeisterei Reiskirchen.

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Angebote inner Angabe von Alter und Gewicht sind bis zum 30. September an Konrad ScbweinsberaerII.,Landwirt. Niederwald, Krs. Kirchhain, zu richten. Arbeitsausschreibung.

Die Ausführung von Kanaltsations- und Wasferleitungsarbeiten in der Londorfer Straße in Grünberg einschließlich der Lie­ferungen soll im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Plänc usw. liegen bei uns offen. Angebotsvordrucke sind zum Preise von 2,50 Mark bei uns erhältlich. Eröffnung der Angebote Samstag, den 8. Oktober 1927, vormittags 10 Uhr, in unterem Bureau, Frankfurter Straße 29.

Gießen, den 21. September 1927.

Hessisches Kulturbauamt.

H. Steinbach, Regierungsbaurat.

Büllenverkauf.

Oer Landwirtfchastskammer' Aus­schuß für die Provinz Oder Hessen de- absichtigt den 2'/,jähr. Vogelsberger Bullen der Iungviehweide Warthof b. Grünberg zum Schlachten zu ver- kaufen. Oie Abgabe des Äullen erfolgt nur gegen Barzahlung. Schriftl. An­gebote nach Ztr. Lebendgewicht sind bis zum Dienstag, dem 4. Oft 1922, Dorrn. 11 Lihr, an uns einzureichen.

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