rennenden Menschen gesehen? Sie vergessenr ho£ spanische Blut dieser Südamerikarrer. das sich trotz der viele,» Mischungen nie Oerleugnen wird. Es gibt keine Rervofttät, kein Hasten, kein rücksichtsloses Dorwärlskommenwollen. Lieder alles Die vornehme Ruhe, die Grandezza?"
Die Dame aus Mekka mH dem Bubikopf.
(f.) London.
Kürzlich hatte London einen Besuch, der selbst in dieser an exotische Gäste gewöhnten Riesen» ftadt ausfiel. Es war der König Feisal von Mesopotamien, der bei» Engländern d. h. den Engländerinnen ausnehmend gefiel. Er hat eine hohe, schlanke, sportliche Figur, trägt einen Spitzbarl ä la King Edward und war stets europäisch lund Mar ebenso korrekt wie vorteilhaft) gekleidet. Dazu der pikante braun^ Hautton des in Mrlka geborenen Vollblut-Arabers mit den graziösen Bewegungen — die Herren der Schöpfung in Europa mühten andere Kerle sein, als sie sind, wenn dieser Araber den englischen Ladies nicht als der schönste Mann erscheinen sollte, den sie seit wahren gesehen! Sie machten aus dieser Lleberzeugung durchaus keinen Hehl, wobei nur verwunderlich war. das) die Gentlemens diesem weiblichen Werturteil nicht widersprachen.
Das hatte aber seine besondere Dewa»rdtnis in der Frau (der einzigen!) des Königs Feisal, die mit nach London gekomnien war. Sie war eine Sensation! Sie ftaimnt ebenfalls direkt aus Meiko, sie trägt einen Bubikopf (man bedeirke!) und liebt europäische, ja sogar Pariser Modekleider, die ihrer wirklich guten Figur mit dem reizenden fremden Rimbus ganz entzückend standen! Zu allem hatte sie noch den kleinen Spleen, der nun mal zur interessanten Frau gehört, und der sich bei ihr in den fabelhaftesten — Sonnenschirmen auswirkte, lind da sie schließlich, wo sie ging und stand, von zwei riesigen Sudan- Regern begleitet wurde, und selbst euren reizenden Hof hielt, so ist verständlich, daß sich jeder nur irgendwie gesellschaftsfähige Gentleman um die Vorstellung bei Ihrer Majestät rih — und den Ladies den kleinen Schwarm für Feisal verzieh!
Der ganze gute Eindruck des »schönsten Königspaares der Gegenwart" ober verhinderte nicht, daß König Feisal von Mesopotamien mit schweren politischen Enttäuschungen der Metropole des britischen Reiches den Rücken kchri-e.
Die Ltadt der verlassenen Krauen.
(P.) K a p st a d t.
Hat das Gold schon manches Unglück über die Menschheit gebracht^ so nicht minder der Diamant. Ganz Südafrika droht anläßlich der neuen Diamantfelder-Entdeckung aus den Fugen zu geraten. Tausende von bisher braven und ruh g:n F.m li-nvätern haben den heimischen Herd verlassen, um sich an den wie ein Sechstagerennen organisierten und von der Polizei überwachten „Runs" zu beteiligen, bei denen stets einige Teilnehmer von ihren Konkurrenten zertrampelt werden, was aber angesichts der in Aussicht stehenden Karate kaum ins Gewicht fällt. Und so ist es gekommen, daß die Stadt Johannesburg kaum »roch einen Mann in ihren Mauern beherbergt. Die Büros, die Werk- 'stätten, die Fabriksäle, die Studierstuben, ja, die höheren Knabenschulen stehen leer - hier haben sich nicht nur, was begreiflich wäre, die Herwen Sekundaner und Primaner ihren homerischen und pythagoräischen Studien entzogen, sondern auch die Professoren und Oberlehrer. Die Hotels haben keine Kellner, die Lairdwirte kerne Knechte mehr, und sogar das Polizeikorps hat sich gelichtet. Johannesburg ist eine Stadt der verlassenen Frauen, eine Stätte des Jammers geworden, denn die diamantenhungrigen Herren der Schöpfung, die nun auf den neuen Diamantenfeldern von Lichtenburg im Schweiße ihres Angesichts buddeln, und den winzigen Erlös ihrer Arbeit in teuren Spirituosen rnnsetzen, haben ihre armen Frauen völlig mittellos daheim zurückgelassen. Die Folge davon ist ein wahrer Kilimandscharo von Ehe scheidungsanträgen der verlassenen Weiber. Die Zustände sind so unhaltbar geworden, daß die Polizei sich mit einem ausführlichen Bericht an die Regierung gewandt hat. Armer General und Präsident Hertzog! Das ist eine politische Aufgabe, die in der Tat einen ganzen Mann erfordert!
in Alsfeld.
(*♦ Alsfeld, 26. September.
Am Samstag und Sonntag fand hier im Hotel „Deutsches Haus" der Gautag des Gaues Heffen-Rassau-Darmstadt des Re i ch sverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener statt.
Am Samstagvormittag trat zunächst der erweiterte Gauvorstand zu einer Sitzuirg zusammen, an der später die Kreisvertreter teil» nahmen. Um 3.30 Uhr nachmittags wurde im kleinen Saale des „Deutschen Hauses" der Gauverbandstag durch den Gauvorsitzenden Breil, Hersfeld, eröffnet, zu dem etwa 70 Delegierte der einzelnen Orts- und Kreisgruppen erschienen waren. Bon feiten des Kreisamts Alsfeld war Regierungsrat Strack, für die Stadt Alsfeld Bürgermeister Dr. B o l s i n g zur Tagung erschienen, welche die Grüße der von ihnen vertretenen Behörden überbrachten. Es fand zunächst die Wahl der einzelnen Kommissionen statt, alsdann folgte die Mitteilung des Geschäftsberichts vom abgelaufeneu Jahre, sowie der Kassenbericht und der Bericht der Rechnungsprüfer. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor. daß der Reichsverband eine wesentliche Steigerung seiner Mitgliederzahl erfahren hat. Der Gau hat zur Zeit 71 Ortsgruppen mit über 3000 Mitgliedern. Der Bor st and widinete sich im ab- gelausenen Jahre, wie aus dem Bericht hervorging, mit Energie und Rachdruck der Durchführung der Bersorgungsangelegenheiten, wobei über besonders interessante Eirrzelfälle berichtet wurde. Man schritt dann zur Beratung und Genehmigung des Voranschlages. Abends gegen 7 Uhr wurden die Beratungen abgebrochen, da um 8 Uhr abends im großen Saale des „Deutschen Hauses" ein von der Ortsgruppe Alsfeld zu Ehrei» der Gauvertreter gegebener Begrüßungsabend stattfand, der einen sehr guten Besuch auswies, und bei welchem das Alsfelder Jugendorchester, die Alsfelder Gesangvereine und der Verein aus dem benachbarten Altenburg, dessen Gesangsleistungen stürmischen Beifall fanden, mitwirkten, ebenso die Jugrnd- gruppe Alsfeld der Alsfelder Ortsgruppe der Kriegsbeschädigten mit einem Reigen und »neh- reren lebenden Bildern und •?■ ’>n niedlichen Schelmenstück.
Am Sonntagvormittag um 8.30 Uhr wurden die Beratungen fortgesetzt. Es wurde zunächst die Wahl des Gauvorstandes und der Kassenprüfer vorgenominen. Diese ergab die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. Um 10.30 Uhr wurde die Tagung unterbrochen, unb die Teilnehmer der Tagung begaben sich in geschlossenem Zuge zu der Ghrenhalle für die Gefallenen auf dem Friedhof, woselbst Lehrer Funk, Alsfeld, Mitglied des Gauvorstandes, einen Kranz mit einer ergreifenden Airsprache niederlegte. Um 11 Uhr wurde die Tagung fortgesetzt. Rach dem Mittagessen fand um 2 Uhr im „Deutschen Hause" eine öffentliche Versammlung statt, die gut besucht war. Hier hielt zunächst Frau Erb. Fulda, Mitglied des Verbandsvorstandes, einen etwa halbstündigen Vortrag über die wohlerworbenen Rechte der Kriegerhinterbliebenen und deren rechtliche Begründung, wobei sie die Forderung aufstellte, daß den Kriegerhinterbliebenen auf Grund der Reichsverfossung und des bürgerlichen Rechtes ein Rechtsanspruch auf Versorgung Fustehe, ebensogut wie den Beamtenwitwen. Sie verlangt« ferner BerufSausbildimg für die Jugend der Hinterbliebenen und erörterte sodann eine Anzahl Mängel und Lücken der bestehenden Versorgung. Mit großem Interesse verfolgte die Versammlung alsdann den Vortrag des nächsten Redners. Rechtsanwalt Dr. K o e p p e l e vom Hauptverbandsvorstand Berlin, der über die sozialpolitischen Forderungen des HauptverbandeS sprach, und der insbesondere Stellung nahm zu der in Aussicht stehenden Rovelle zum Reichs- versorgungsgeseh und dazu die Forderung stellte, daß der Zusammenhang zwischen der Beamtenbesoldung und der Versorgung der Kriegsopfer unbedingt aufrecht erhalten werden müsse. Die Ausgleichszulage und die Zusahrente wüßten verschwinden. es müsse eine auskömm>iche Rente geben, ferner müsse ein« Besserstellung der Leichtbeschädigten erstrebt werden. Der Redner teilte sodann mit, daß der sozialpolitische Ausschuß des Verbandes den Entwurf eines Reichsversor-
gungsgesehes ausgearbeitet habe, der di« Forderungen der Kriegsopfer enthalte. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung zur tatlrästigen Unterstützung des Reichsverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen in Berlin. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine Aussprache an. Gegen 4.30 Uhr nachmittags schloß der Versammlungsleiter, Lehrer Funk, Alsfeld, den Gautag, der, wie er in seinem Schlußwort feftstellte, in allen Teilen schön und harmonisch verlaufen war.
Oberhessen.
Landkreis Gietzen
OO K l e i n - L i n d e n, 26. Sept. Mit der V erst e i g e r u n g des O b st e s an der Straße von hier nach Dutenhofen eröffnete die Provinz Ob er he ssen ihre diesjährigen Obstversteigerun- gen. Die Beteiligung aus Gießen war nicht so groß wie in früheren Jahren, was wohl damit zusammen- hängen mag, daß viele Verbraucher ihren Obstbedarf' direkt vom Erzeuger ober Händler kaufen. Es gelangten zum Ausgebot an Aepfelforten: Kasseler, Baumanns, Landsberger und Orleans-Reinette, ferner Schöner von Boskoop, Goldpeping, Parkers Pe- ping, Henkels Parmäne und Goldparmäne. Die Preise waren erträglich. Es standen am Baum ein Zentner beste Qualitäten 3 bis 4 Mk., geringere Qualitäten 2 bis 3 Mk. Birnen wurden nicht ausgeboten.
r. Klein-Linden, 26. Sept. Der erst in diesem Jahre gegründete Radklub Germania hat sich unter der Leitung seines rührigen Vorsitzenden Karl Klinkler sehr gut entwickelt und zählt heute schon 30 Mitglieder. Rachdem im Sommer das erste Rennen gefahren worden war, fand am gestrigen Sonntag das Herbstrennen des Vereins statt. Vormittags, kurz vor 8 Uhr, traten 9 Mitglieder zu einer Schnelligkeitsprüfung an. Cs wurde die Strecke von Klein-Linden nach Pohlgöns und zurück im ganzen 31 Kilometer, durchfahren. Die Zeiten, die erzielt wurden, sind als gut zu bezeichnen. Sämtliche Teilnehmer führten das Rennen ohne Unfall glatt durch. Am Sonntagabend fand im Vereinslokal, in der Gastwirtschaft Speier, bei einer harmonisch verlaufenen Familienfeier die Preisverteilung statt. Sie hatte folgendes Ergebnis: 1. Sieger Karl Schaum I.. dec für die 31 Kilometer 43 Minuten 30 Sekunden benötigte, 2. Aug. Deibel mit 43,35 Min. 3. Ernst Jung mit 47 Min., 4. Hermann Müller mit 47,5 Min., 5. Richard Lenz mit 47,30 Min., 6. Ernst Klein mit 50 Min., 7. Hans Funke mit 51,15 Min., 8. Karl Schaum II. mit 51.30 Min., 9. Wilhelm Schepp mit 53,30 Min.
* Lang-Göns, 26. Sept. Folgende Kandidaten sind zur Beigeordnetenwahl aufgestellt: Karl Schmidt 3., Landwirt: Anton Müller 32., Landwirt: Karl Faber, Vorarbeiter, Heinrich Müller, Fabrikarbeiter. Die Wahl findet Sonntag, 2. Oktober, statt.
(.) Lang-Göns, 26. Sept D'n Kartoffelernte ist nun, nachdem die schönen Tage in der Vorwoche schon tüchtig ausgenutzt worden sind, in vollem Gange. Dock) sieht man immer seltener Leut«, die die Kartoffeln aus- hacken. Maschinen haben auch hier die Handarbeit verdrängt. Ueberall „fliegen" die Kartoffeln aus dem Erdboden. Mühselig genug ist allerdings das Auslesen. Aber es gibt schnell volle Säcke. Die kleineren Landwirte pflügen die Knolle»» aus. Am Abend sicht man dann ein Gespann nach dem andern hvchbeladen die Dorfstraße hercinfahren. Der Ertrag ist in diesem Jahre recht gut, doch gibt es auch hier und da, besonders in gutem Boden, eine ganze Anzahl fauler Knollen. Die Sorte Industrie, die hier hauptsächlich angepflanzt wird, ist ja immer etwas empfindlicher als dis gröberen Sorten, hyr z. B. Hassia usw. — Das Jahr 1927 ist für La * g Göns ein Wahljahr. Rachdem wir zwei Bürger- meisterwahlen nebst zwei Stichwahlen hinter uns haben, kommt nun nächsten Sonntag — an Hindenburgs Geburtstag — die Wahl des Beigeordneten. Wie man hört, gibt es auch hierbei «in« ganze Anzahl Kandidaten, so daß wir aller Voraussicht nach wieder eine Stichwahl bekommen. — Am SamStag hielt die hiesige Spar- und Leih lasse ihre diesjährige Hauptversammlung ab, in der auch über die Ar'.f- wertung Mitteilungen gemacht wurden.
X Wieseck, 26. Sept. Unsere Sechzig- jährigen hielten im gestrigen Gottesdienst ihren gemeinsamen Kirchgang. Auf dem
llmWlgundstebe.
Roman von Robert Misch.
Copyright by Carl 2)unter, Berlin SW 62.
2 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Wer hat mich schön gefunden?"
„Schön — schön! Bilde dir nur nichts ein! Man fand dich ganz niedlich — übrigens waren die Herren beschwipst."
„Lüge nicht! Sie waren nur guter Laune. Glaubst du, ich hätte es nicht bemerkt?"
Und mit der zähen Beharrlichkeit, die sic schon als kleines Mädchen der Mutter, dem Jugendfreund und selbst dem Vater gegenüber hatte durchsetzen lassen, beharrte sie eigensinnig auf ihrer Frag«:
„Was haben die Herren von mir gesagt? Nicht wahr, sie bewunderten mein Haar? Und Onkel Heinrich fand mich ganz besonders schön — nicht?"
„Hm"....
„Er hat dich vor mir gewarnt. Oh, ich seh« und höre alles."
„9la ja! Ich sollte mir nicht den Kopf von dir verdrehen lassen."
„So — das hat er gesagt?" — Ihre Augen funkelten boshaft.
Sie lachte leise — und plötzlich saß sie auf seinem Schoß und preßte den jungen Mund glühend auf seine Lippen.
Der große Jlmge saß ganz still da und ließ sich küssen, mehr erschrocken als hingerissen. Aber ihre weichen Lippen preßten sich so wlld auf die seinen. Bis zum Halse hinaus schlug ihm das Herz in der Brust. Aber schon hatte sie sich von ihm gelöst und war entflohen.
Eberhard blickte ihr entzückt nach. Er hatte eine (Beliebte — Isa war seine Geliebte. Und sie war so schön. Alle würden ihn beneiden, wenn sie es wüßten — alle die großen gewichtigen Herren — und selbst Onkel Heinrich .
Aber niemand durfte es wißen! Das war Ka- valierspflicht! Das fuhr ihm alles blitzschnell durch den Kopf. Und in seinem jungen Glück reckte der hochgeschossene junge Mensch sich in seiner ganzen
in—»viirar nnjwimi M*
Länge, hob die Arme zum Himmel und murmelte I ganz leise, aber von Jubel durchpulst:
„(Fine Geliebte — idi habe eine Geliebte ..."
Als ob sich nach dein Feste alles gegen Eberhard verschworen hätte, konnte er Isa nur selten und nur ganz slückstig sehen und sprechen. Zunächst mußte er wie toll Düffeln, da die Versetzung nach Prima vor der Tür stand.
Der Kommerzienrat hatte feinem Sohn angel'roht, wenn er da nicht glatt durchkäme, würde er ihn kurzerhand als Lehrling in irgendein fremdes Geschäft stecken, statt ihm das Gymnasium durchlaufen und bann studieren zu lassen.
Und das Studium hatte er sich von seinem Vater ausbedungen. Dafür wollte er später ohne Widerstand nach einigen Auslandsreisen in das väterliche Geschäft eintreten. Das war das Kompromiß zwischen den Wünschen und Neigungen von Vater und Sohn. Eberhard wußte freilich nicht, daß sein Vater innerlich ganz damit einverstanden war und seine Drohung niemals wahr gemacht hätte.
Nicht allein die Schule trat zwischen Eberhard und Isa, diese selbst ging ihm jetzt aus dem Wege, suchte jedenfalls nicht die Gelegenheit, mit Eberhard allein zu sein. Nun lauerte er Ihr auf dem Schulwege zuweilen auf. Sie besuchte die höhere Töchterschule nicht gar zu weit von seinem Gymnasium. Und er beeilte sich, sie nach Schluß abzusangen. Meist ging sie mit ihren Freundinnen, ohne sich nach ihm umzusehen. Dann schlich er ihr traurig nach. Zuweilen war sie jedoch allein ober machte sich auf geschickte Manier frei. An einer Ecke trafen sie sich. Eilig strebten sie dann einer kleinen Konditorei zu, wo sie im Hinterzimmer Eisbaisers, Mohrenköpfe ober Windbeutel mit einer doppelten Portion Schlagsahne verzehrten.
Voll Verwunderung sah Eberhard ihr zu. Wie zierlich sie ah! Daß sie sich einen Kuchen nach dem anderen einoerleibte und dazu noch einige in die Mappe steckte, tat seiner Bewunderung keinen Abbruch, zumal sie ihm dabei immer lieb zulächelte.
„Warum gehst du mir eigentlich aus dem Wege, Isa?"
Das rote Züngelchen leckte genäfdjig an der Schlagsahn«, sie ließ den Lössel sinken.
„Unsinn! Wieso denkst du? Ich hab doch viel zu tun — in der Schule und zu Hause in der Wirtschaft ...
„Weshalb kommst du nicht mal des Abends in den Garten wie früher — in den Pavillon?"
„Das schickt sich jetzt nicht mehr. — Und wenn man uns findet! Sie paffen jetzt doch höllisch auf. Wir sind doch keine Kinder mehr."
„Nächste Woche beginnen die Ferien. Im Oktober ist's am schönsten draußen. Wir fahren mit der Stadtbahn nach Wannsee und mieten ein Segelboot oder rudern. Ich sck-ütze einen Ausflug mit Freunden vor, und du mußt's ähnlich machen. Es wird dich niemand fragen."
„Gott — Vater kann man leicht was oormachen; und Mutter hat schließlich nichts dagegen."
„Aber bis dahin ... wir könnten doch öfter mal im Grünewald zusammen sein — am Nachmittag, wenn du deine Klavierstunde hast. Morgen um fünf zum Beispiel."
Di« Kleine blickte ihn stumm und sinnend an. Schließlich nickte sie huldvoll Gewährung. —
Ungeduldig erwartete er die „Geliebte" am andern Tag. Ein Heller, btaßblauer Oktoberhimmel, über den lustig weiße Wölkchen wie kleine Schiffe segelten, spannte sich über den in gelben und roten Tupfen schimmernden Gipfeln.
Zwanzig Minuten über fünf und sie kam nicht, kam noch immer nicht! Sehnsüchtig blickte er ihr entgegen.
Da endlich war die schlanke Mädck-engestalt zu sehen. Schon von weitem winkte sie mit dem Schirm. Sein Herz pochte schneller. Wie fesch sie aussah in dem Hellen Tuchkleidchen, das ihr die Mutter zurechtgeschneidert' — Alles stand ihr. Jedes einfachste Hütchen wußte sie mit einigen Bändern und Federn zurechtzustutzen und zu biegen, bis es Schick hatte. Auch den Insttnkt für die Farben befaß fie von klein auf und lehnte energisch alles ihr nicht Genehme ab. Stets war sie wie reicher Leute Kind gekleidet; denn auch Mutter 'Dlengers hatte von ihrer Theaterzeit den Sinn für das Kleidsame und Echte.
„Denk dir, wen ich getroffen habe: Onkel Heinrich. — Er hat mich ein Stück begleitet und mich gefragt, wohin ich denn wollte?"
„Du hast ihm doch nicht etwa —"
„Dummer Junge — natürlich nicht! Ich habe chm gesagt, daß ich meine Musikstunde habe. Und dann
fdTÖn mit Blumen geschmückten Altar hatte au! ihren Wunsch ein vergrößerte^ Bild ihres Km: sirmators, des auf dem Gießener Friedhc ruhenden Pfarrers Drescher vor dem Kruzil Platz gefunden. Keiner versäumte nach de Gottesdienst, es sich aus der Rahe zu besehe Pfarrer Sattler sprach über das Thema „Was unsere Sechziger heute bekennen joUei. und wir ihnen wünschen wollen." Angeregt wurde eine Feier der Goldenen Konfirmation im Jahr: 1931, gemeinsamer Abendmahlsgang etwa beim zweiten Herbstabendmahl und Beteiligung bei der Stiftung zu einer Kirchenfahne, zu ber bereits die diesjährigen Konfirmanden einen schönen A sang gemacht hatten.
Bg. Großen-Buseck, 26. Sept. Mitte dies, Woche findet hier die auszerordebtlich wichtige W a ! der Bonitierungskommission für die I vorstehende Feldbereinigung statt.
:—: Aus de m Bufecker Tal, 26. Si Die Orunimeternte ist im allgemeinen , ziemlich beendet. Auch diese Arbeit wurde t*. Landwirt durch die Ungunst der Witterung re sauer. So hat das meiste Grummet ein bis zn Wochen auf den Wiesen liegen bleiben müssen, n. durch es natürlich an Qualität und Farbe verlo. hat. Man ist nun eifrig am Kartoffeln:! machen. Dies ist wieder eine sehr schwierige ". beit, da das Erdreich durch den vielen Regen g nicht trocken werden kann und die Kartoffeln o dem nassen Schlamm herausgeholt werden mäst Infolge der großen Nässe ist auch schon Fäulnis e, getreten, davon sind besonders die edleren Sor: wie Industrie usw. befallen. Eine Kartoffelsorte, i sich in unserer Gegend und ganz besonders für i höher gelegenen Orte unseres Tales eignet, ist k „Vater Rhein". Sie liefert in nassen sowie m trock nen Jahren einen sehr guten Ertrag und ist a^ gegen Krankheiten sehr widerstandsfähig. So i auch in diesem Jahre der Schaden bei dieser So durch Fäulnis sehr gering. Nach den bis jetzt do liegenden Ergebnissen kann mit einer sehr gute) Kartoffelernte gerechnet werden, oonni gesetzt, daß bald trockenes Wetter eintritt. Die D i ck wurzfelder bieten einen erfreulichen Anbliö Exemplare von seltener Größe kann man alle, halben feftfteüen. Auch Aussichten auf eine v o r zügliche Obsternte sind in reichlick-em Mas vorhanden-, Aepfek und Birnen tragen reichen B Hang, nur die Zwetschen mack-en in diesem Iah> eine Ausnahme, da sie nur ganz vereinzelt hänge Die Nachfrage nach Obst ist infolgedessen sehr gerim So wurden bei den kürzlich abgehaltenen Früh obstversteigerungen merkwürdig niedrige' Preise r zielt. Bäume, von denen sechs bis acht Körb« in1 gute Honigbirnen geerntet wurden, waren mit 60 b- 80 Pfennig pro Baum bezahlt. Auch bei den beim stehenden Spätobstversteigerungen dürften^ recht ni drige Preise zn erwarten stehen. — Eine Fei stellung, die wohl auf das kalte, regnerische Wett zurückzuführen ist, kann in diesem Jahre gemm werden, nämlich das vollständige Fehle der Wespen. Konnten sich in den Bor fahren i Landleute beim Essen im Felde vor diesem lästig Insekt nicht retten, so sind sie dieses Jahr ba" völlig unbehelligt.
<S> Lich, 26. Sept. Auf den landschaftlich id gelegenen Schützenständen am „Rodenschütt" hi air gestrigen Sonntag die hiesig« Schützeng sellfchaft ihr diesjähriges Herbst-Prei schießen ab. Die besten Schützen der benachbar Gießener, ßaubadjer und Marburger Bniderverc hatten sich zum Preisschießen eingesunden. Leid waren infolge der reichlichen Niederschläge in d vorigen Woche die Zugangswege zu dem „Rode schütt" nicht gerade in bester Verfassung, do dürste auch hier durch bk Schützengesellschaft ; Zukunft noch Abhilfe geschaffen werden. Es w»r> geschossen auf die Festfcheibe mit 40 erreichbar Ringen bei 100 Meter Entfernung, ferner Auflec stand 100 Meter auf die Zwölferringscheibe. fern 175 - Meter - Standmeisterscheibe, Wildscheibe ur Kleinkaliberscheibe. Schützenkönig des Tages mir" Ingenieur Konrad Gönfch, 1. Ritter Heim! Textor, 2. Ritter Julius I h r i n g. Die Sic' der Festscheibe waren: 1. Sauft er, Gieße 2. Rühl, Laubach: 3. ©ümblein, Giesst' 4. Weeg, Gießen: 5. Erbprinz Hermann Otto. Lick 6. Maidhof, Lich: 7. Högy, Laubach: 8. H. Mengeo, Lich: 9. Hans Ihring, Lich, 10. W. Hohn Lich. Beim Auflegestand 100 Meter auf die Zwölfer- ringscheibe gingen ak Sieger hervor: Tabelle: 1. W Hahn. Lich: 2. K. Peter, Lich: 3. H. Appel. Gießen. Sieger auf der Wildscheibe (60 Meter) wurden: 1. I. Ihring, Lich: 2. W. Hahn, Lich: 3. Erbprinz Hermann Otto, Lich: 4. Nuest, Mar
m ■■■■in I — — •
hat er mich ausgefragt. Wie der einen ansieht! — Und er wollte wissen, was ich werden möchte."
..Was hast du ihm erwidert?"
„Sängerin! Dazu habe ich doch so.große Lust; und mein Klavierlehrer meint auch, ich hätte Stimme. Auch in der Schule finden sie's."
„Was meinte Onkel Heinrich dazu?'
„Das fei ein ganz gescheiter Plan, wenn ich wirklich Stimme hätte ... Und wenn du dich weiter so auswächst, Isa, dann wirst du mal ein großer Opernftem! — Und als ich ihm erzählte, deine Mutter wolle mich zu ihrer Kammerjungfer machen, da hat er wie verrückt gelacht: Na, na, meine Schwester! Dazu bist du doch viel zu schade, Kind. Wenn du erst ’ne gefeierte Sängerin bist, schaffst du dir selbst eine an."
,Laß dir bloß nichts von i^m emreden!"
Isa lachte plötzlich.
„Weißt du, was er noch —? Wenn ich erst so weit fei — und er wolle mir dazu verhelfen —, bann würde er mich jeden Tag besuchen."
Eberhard faltete die Stirn In feiner Stimme zittert« verhalt«n«r Groll.
„Er macht sich über dich luftig. Und er wird dir auch nicht helfen. Ich gebe dir das Geld, wenn bu’s nötig hast. Bis dahin bin ich Student. Na, komm nur — wir wollen rudern, el)e es dunkel wird."
Sie nahmen ein Boot. Da waren Stellen, wo man unter überhängenden Zweigen wie in der Wildnis fuhr. Man konnte sich nach dem Drinoco trau men oder in die stille Bucht einer Sübfeeinfel.
Schweigsam blickte sie ihn an, die leise vor sich hinlächelte mit einem geheimnisvollen Lächeln, wahrend sie an ihre Zukunft dachte und an all die Triumphe, die sie einst feiern würde.
Eberhards Herz schwoll vor Liebe und Verlangen. Ihr Haar flimmerte im Licht der sich langsam neigenden Sonne wie eine Gloriole aus Gold und Kupfcr. Sie erinnerte ihn an ein altes Bild, das im Mu feum hing: Madonna im Grünen — und ebenso fromm und geheimnisvoll blickte sie vor sich hin
Es war ganz finster, als sie endlich heimgingen
Noch zweimal trafen sie sich fo; aber Nebel und Regen machte auch hier bald ein Ende tc~ Sommerfreuden.
(Fortsev-ug folgt.)


