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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 27. September |927

Ar. 226 Zweites Blatt

Die Zutnnst Australiens.

Siedlungspolittt als Schutzdamm gegen die gelbe Welle. Zwischen England und den Bereinigten Staaten.

Der Australische Staatenbund blickte im Jahre 1925 auf das erste Vierteljahrhundert seines Be­stehens zurück. Wie wird sich seine Zukunft gestalten, wenn wir auch nur eine gleich lange Zeit wie Die vergangene zu überschauen versuchen? Ungelöste Probleme verschiedener Art drängen bei Stellung dieser Schicksalsfrage sowohl für Australien selbst als auch für den Bestand des britischen Reiches heran und erschweren die Erfüllung zweier Wünsche des australischen Volkes, an die einmal Minister­präsident Bruce gelegentlich der jährlich stattfinden­den Landesausstellung in Melbourne erinnerte: die Notwendigkeit, dasWeihe Australien" zu erhalten, und die nationale Politik einer hohen Lebenshaltung mit der daraus erwachsenden Verpflichtung einer mindestens ebenso hohen Leistungsfähigkeit. I

Der Weltkrieg hat auch Australien in das Nciz der großen Polittk hineingezogen. Ehrenvoll kämpf- ten und fielen dieAnzacs", die sich sämtlich frei­willig gestellt hatten, auf den westeuropäischen Schlachtfeldern und bei Gallipoli für die Sache der Verbündeten. Heber Nacht war Australien militari­siert und hatte bald erkannt, daß es mit der Mög­lichkeit vorbei war, abseits vom Weltgeschehen einen Staaat zu errichten oder aufrechtzuerhalten, der nichts anderes zu tun hat, als innerhalb der Landesgrenzen für ein behagliches Dasein einer möglichst großen Zahl seiner Bewohner zu sorgen. Nur in einem einzigen Punkte hatte sich Australien auch schon vor Beginn des Weltkrieges um eine Trage, die zur großen Politik gehört, Sorgen ge­macht. Es handelt sich um die Verteidigung Australiens gegen die Farbigen, vor allem gegen die Japaner. Dieses Problem ist durch den Weltkrieg nur noch verwickelter geworden.

Fast so groß wie China und Kanada, hat Australien nur knapp sechs Millionen Einwohner. Es leidet an einem zu starken Städtezuwachs an der Küste. Die Hälfte der Bevölkerung wohnt in sechs großen Hafenstädten, wo den beiden Haupt­wählergruppen nur selten zum Bewußtsein kommt, daß weite Landstrecken ohne Menschen zwar keine Wahlmacht ausüben, aber eine verhängnisvolle Anziehungskraft auf überfüllte Erdräume besitzen können. Für politische Parteigeschäfte ist dieser Zu-' stand sehr günstig, namentlich für die Arbeiterpartei, da diese in wenigen Zentren vereinigt ist. Auf der anderen Seite verschärft sich der Gegensatz zwischen Stadt und Land erheblich. Es gibt aber ein Naturrecht auf Daseinsmindestmaß im Raum. Um dieses sehen sich gewisse Nationen in der Volksenge Ostasiens weit verkürzt. Sie erkennen, daß andere Großraumeigner in näherer und weiterer Nachbarschaft ausgedehnte Landstriche aus Mangel an Händen nur einer lang­samen Entwicklung zuführen können und dennoch nicht für fleißige Einwanderer freigeben wollen. Die leeren Räume üben auf übervölkerte Landstriche eine durch die Natur gegebene Saug, und An- zichungskraft aus. So steht Asien drohend an der Pforte von Australien.

Mehr noch wie durch das von inneren Wirren zerrissene, nach außen hin machtlose China droht von der japanischen Jnselslur dem Austra­lischen Staatenbund unmittelbare Gefahr. Noch hat sich Australien gegen das Heranbranden der gelben Welle schützen können. Die Zukunft wird zeigen, ob Australien noch von transozeanischen Machtkämpfen unberührt seine Scheidekrast bewahren oder zum Kriegsschauplatz wie die übrigen erschlossenen Räume der Welt werden wird. Für das übervölkerte Japan mit einem jährlichen Bevölkerungszuwachs von bald eine Million Menschen ist das Problem zugleich eine Fortsetzung seines Kampfes um die Rasfengleichheit, der wohl auf den Konfe­renzen von Versailles und Washington eröffnet, aber aus Zweckmäßigkeitsgründen abgebrochen wurde. Nun sucht Japan die Gleichberechtigung der Rassen auf fremdem Grund und Boden zu erzwingen: außerdem wachsen die Zahlen für Volks- und Sied­lungsdichte auf den japanischen Inseln schneller als die Ernährungsmoglichkeiten.

Der im japanischen Volk vorherrschend« in a - la y ische Einschlag und die allgemeine Abnei­gung gegen die kälteren nördlichen Klimate weisen die Wanderlustigen nach dem Süden. Dieser Richtungszug wird bleiben. Die ozeanische Entwick­lung wird fortbauern. Wer von China durch die Hüdsee nach Australien fährt, sieht gleichsam die

gelbe Welle langsam, aber stetig und unaufhaltsam sich nach Australien fortbemeaen. Ein Heilmittel gegen die herannahende Gefahr ist die schleunige Steigerung der Siedlung durch plan­mäßige Förderung. Um Australiensweißen" Cha­rakter zu wahren, sind schon mehrfach in dieser Richtung Versuche unternommen worden, ohne einen Erfolg in dem gewünschten Ausmaße zu erzielen. Eine der letzten Versuche war der große Entwurf, den das britische Kolomalministerium am 6. April 1925 herausgab. Auch hier verbieten sich Prophezeiungen über das mögliche Ergebnis. Jeden­falls erscheint es fraglich, ob genügend Zeit bleibt, um die heranwogende gelbe Welle zu brechen. Denn hinter ihr steht noch drohend das staatliche Ausdehnungsbestreben Japans, das mit der Man­datserteilung auf die früher deutschen Süsesinseln nördlich des Aeguators eine Schwelle für feinen Drang nach dem Süden gefunden hat. Aehnlich hat Australien seine abgesonderte Lage, die es durch Tag« und Wochen von anderen Erdteilen trennte,

und in Port Darwin einen eigenen Stützpunkt errichtet. Jahre werden vergehen, bis die eigenen Anstrengungen und die des englischen Mutterlandes für den Ernstfall gegen die jetzt vorherrschende japa­nische Macht im Stillen Ozean Brauchbares ge­schaffen haben werden. So wenden sich Australiens Blicke nach den Vereinigten Staaten, die durch ihre großen Flottenmanöver und den anschlie­ßenden Besuch der Schlachtflotte in den Australischen Gewässern im Jahre 1925 allzu deutlich vor Augen sührten, wer Helfer bei der wohl unvermeidlichen Entladung im Pazifik sein könnte.

Letzten Endes bleibt immer wieder als bestes Abwehrmittel Australiens gegen die gelbe Welle, besser noch als eine Armee und Flotte, eine ft arte, weiße Bevölkerung, selbst wenn sie künftig nicht rein britischen Ursprungs sein sollte. Denn bisher konnte die Frage noch nicht bejahend beantwortet werden, ob Großbritannien Hundert­tausende von arbeitsfreudigen Menschen zu vergeben hat, die gewillt und imstande sind, als Pioniere der

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verloren, als ihm die Verwattung der südlich des Aequators liegenden früher deutschen Inseln über­tragen wurde.

Es kommt hinzu, daß Japan, als es aus (einer Abgeschlossenheit von der übrigen Welt erwachte, sehr bald seine Bestimmung als seefahren- des Volk erkannte und energisch an den Ausbau seiner Handelsflotte ging, deren Wege mit dem sie begleitenden Strom der Auswanderer zu schützen, die japanische Regierung als ihre vornehmste Auf­gabe betrachtet. Daher auch der fieberhafte Ausbau der japanischen Kriegsflotte, soweit die Abmachun­gen von Washington irgendwelche Möglichkeiten gelassen haben. Die amerikanischen Philippinen werden bei einem Zuge nach dem Süden sehr bald und leicht eine Beute Japans werden, während das Gewirr der Südseeinseln die Annäherung an Australien und den überraschendem Ueberfall auf seine schwach gesicherten Küstenstädte erleichtern hilft.

Hier glaubte Großbritannien durch den Ausbau des Stützpunktes Singaporc den ozeani­schen Dominien Schutz und Schirm zu bieten, auch um sich im Konfliktsfall seine wichtigste Korn­kammer Australien zu erhalten, fffiirb Singapore dieser Aufgabe voll und ganz gerecht werden können? Australien scheint selbst Zweifel daran zu hegen, da es die eigene Flotte ausbaut

Kultur ähnliches zu leisten wie die genügsamen Einwanderer früherer Zeiten, wo noch keiner von einemhigh Standard of life träumte. Der weiße Mann, so erklären die Briten, ist Führer und Or­ganisator. Er ist der Einsichtsvollere. Er besitzt Geduld, die Ergebnisse abzuwarten.

O. M o ß d o r f, Major a. D.

Beschichten aus aller Wett

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Wic Peter Murray feinen Ltrohhut wsgcworden ist.

(aga) Neuyork.

Die nachfolgende Geschichte ist vielleicht nicht ganz so poetisch wie jene, die Herr von Schiller uns über weilcprd König PolykratesSchaute mit vergnügten Sinnen uftt>. - erzählt, auch ist sie nicht gereimt, dafür hat sie aber den Vor­zug, buchstäblich wahr zu sein, wogegen die meines größeren Vorgängers aus dem Schwa­benlande doch mindestens gelinden Zweifel zu­läßt, wobei eine sachliche Nachprüfung mangels amtlicher oder sonst zuverlässiger Grundlagen noch dazu außer dem Bereich der Möglichkeit liegt. _________

Vorschau aus die Spielzeit 1927/28 des Stadttheaters.

Bon Hofrat Hermann (5 t e i n g o e 11 e r.

Als vor kurzem die neue Spielzeit des Darm­städter Landestheaters eröffnet wurde, schweb eine Frankfurter Zeitung:Ein getoiegter Bühnenpraktiker wie Darmstadts neuer Inten­dant, Carl Ebert, weiß, daß mit allen Details ausgearbeitete, theoretisch sorgsam fundierte Pro­gramme meistens nicht zur Durchführung kommen. Deshalb seht er sich in seinen der Eröffnungs­vorstellung mitgegebenen Vorbemerkungen eigent­lich nur das Ziel: gutes Theater zu machen."

Diese Meinung des Darmstädter Intendanten teilt durchaus der Schreiber dieser Zeilen, da bekanntlich die Individualität neuer Fachmit­glieder, die im Laufe der Spielzeit neu auf- tauchenden Werte von besonderem Wert oder Interesse den noch so sorgsam entworfenen Plan stark beeinflussen können.

Andererseits aber möchten zahlreiche Theater­interessenten gern etwas Schwarz auf Weiß nach Hause tragen, und so sei hier eine kurze Vorschau auf die Spielzeit 1927/28 gegeben.

Die Eröffnung der Spielzeit erfolgt am Mitt­woch, 5. Oktober, mit GoethesEgmont" und der vollständigen Beethovenschen Musik zu diesem Werke. Ms weitere Klassiker sind zunächst KleistsKätchen von Heilbronn" (zu des Dich­ters 150. Geburtstage) undMaria Stuart" vor­gesehen, doch sollen hier schon oft gegebene Werke dieser Art, wie das genannte Schillersche Drama, nicht durchs Abonnement gehen.

Von anderen Werken sind zunächst vorge­sehenKapitän Braßbounds Bekehrung" (Ber- nard Shaw),Zwölftausend" (Bruno Frank), Spiel im Schloß" (Molnar),Der Patriot" (Neumann),Lebensschüler" (Ludwig Fulda), Mädel von heute" (Gustav Davis), "Fünf von der Jazzband" (Felix Ioachimson),

Der Revisor" (Gogol),Peer Gynt" (Ib­sen),Nichrer von Zalamea" (Calderon) u. a. in.

Wertvollen Neuerscheinungen, die während der Spielzeit herauskommen. wird die Bühnenleitung selbstverständlich ihre Aufmerksamkeit zuwenden und sie womöglich dem Spielplan einfügen. Die Sonntagvorstellungen, die außer Abonnement ge­geben und zum Teil den Charakter vonFrem­denvorstellungen" tragen werden, sollen einen etwas anderen Spielplan als die Abonnements­vorstellungen bringen.

Die Opern- und Operettenaufführungen wer­den wieder wie in den letzten Jahren durch Gast­spiele erfolgen; für die erste Zeit sind an solchen Werken vorgesehen: LortzingsWildschütz". Lehars Zarewitsch" und KalmansCzar- dasfürstin". Jedenfalls wird die Bühnenleitung alles aufbieten, um ein möglichst abwechslungs­reiches und damit interessantes Programm durch­zuführen.

Solch starte Abwechslung im Spielplan be­deutet aber auch starke Arbeitsleistung und An­spannung für die Mitglieder, und da ist es denn von allergrößtem Vorteil, wenn der Bühnen­leiter sich auf ein gut aufeinander eingespieltes Personal stützen kann. Dies ist glücklicherweise bei uns der Fall, wo es ja Tradition geworden ist, gute und bewährte Mitglieder, so lange es angeht, zu halten. So wird unser Publikum auch biefen Winter wieder die Herren T e l e k y, Goll. Dolck, Geffers, Schubert und Gehre begrüßen können. Auch Herr Baste, der von Mainz wieder in den Verband unserer Bühne zurückgekehrt ist, an der er schon früher zwei Jahre lang das Fach des jugendlichen Ko­mikers und Bonvivants mit schönem Erfolg ver­treten hatte, wird gerne willkommen geheißen werden. Auch der erste Bonvivant, der feit diesem Frühjahr neu verpflichtet worden ist, Herr Hans Tannert, ist dem hiesigen Publi­kum kein Fremder mehr, da er sich bei den Sommergastspielen aufs beste eingeführt hat.

3m Fache des ersten jugendlichen Helden ist eine neue Kraft verpflichtet worden, Herr Eberhard Hennig, dessen Engagement nach sorgfältiger Prüfung erfolgte.

Bei den Damen ist. soweit sie erstes Fach darstellen, kein Wechsel eingetreten, nur daß Fräulein K r a h m e r jetzt ganz in das Fach der jugendlichen Salondame übergegangen ist, und daß das Fach der Naiven in diesem Winter von Fräulein Scherer vertreten wird. Außer den beiden genannten Damen erscheinen also wieder als liebe alte Bekannte: Frl. Jün gling. Frl. Marcks, Frl. Heym und Frl. Baumann.

Sowohl die Zusammenstellung des Personals wie der vorgesehene Spielplan stellen eine an­regende und abwechslungsreiche Spielzeit in Aus­sicht, so daß die lebhafte Teilnahme, die die Gießener Bürgerschaft zu allen Zeiten ihrem Stadttheater entgegengebracht hat, sich sicherlich auch in der kommenden Winterspielzeit, der fünf- undzwanzigsten unter dem jetzigen Intendanten, betätigen wird.

Frankfurter Theater.

Franz Lehars .Zarewitsch" gibt im Neuen Operettentheater den glanzvollen Auftakt zur Wintersaison. Das Haus ist bis auf den letzten Platz ausverkauft; fein Wunder, denn Lehör, der populärste Operettenkomponist unserer Zeit, dirigiert seine perlenden Rhythmen selber, und auf der Bühne verkörpert Kammersänger Richard Tauber die Titelrolle und verleiht dem Zarewitsch die faszinierende Macht seiner pracht­vollen, dunkel gefärbten Tenorstimme, die in der Höhe von unendlicher Weichheit ist. Der Gesang wird von dem vorzüglichen Spiel des sympathi­schen Künstlers unterstützt; er ist augenblicklich der berühmteste Interpret dieses Werkes; man spürt, daß Lehar, der ihm vorher seinenPa- ganini" widmete, auch bei diesem Werk Tauber im Auge hatte. Die Operette behandelt die Ge­schichte "des Zarewitsch, der sich vor der Macht

Peter Murray wohnt in Cdgewater, einer Vorstand von Chicago, in einem fümehmen Ap­partementhause. Der Unterschied zwischen einem Appartement und einer Wohnung läßt sich nur in Dollars ausdrücken. Da PeterJllurrat) in einem Appartement wohnt, muß er zu denpro­sperierenden" Einwohnern von Edgewater bei Chicago gerechnet werden. Dies findet seine weitere Bestätigung darin, daß Peter zur Heim­fahrt häufig eine Autodroschke zu benutzen pflegt. Vorgestern hatte Peter Murray sich eine neue Mühe gekauft. Auf dem Heimweg warf er seinen bereits etwas unansehnlich gewordenen Stroh - Hut aus dcm Droschkenfenster. Im selben' Mo­ment mußte die» Droschke anhalten, da das rote Verkehrssignal aufflammte, und schon kam ein Junge mit dem Strohhut angelaufen:Hier ist er, Mister, ich hab'n erwischt." Da Peter ein guter Kerl ist, gab er dem Jungen ein Geldstück.

Seiner Frau gefiel die Mühe nicht. Er steckte, als er am nächsten Morgen ausging, sie die Mühe, nicht die Frau in die Tasche und trug den Strohhut. Ms er über die Brücke ging, flog der Hut in elegantem Bogen aus Peters Hand zu Wasser. So, nun werd' ich ihn wohl los fein. Ms Murray abends beiinfam, war seine Frau hysterisch, zwei Detektive waren da und hatten sie ausgefragt, was es wohl gegeben haben könne, um ihren Mann zum Selbstmord zu ver­anlassen. Sie hatten den Hut mitgebracht. Er trug Namen und Adresse des mutmaßlichen Selbstmörders.

Gerechter Zorn ermannte Herrn Murray, und ohne sick) zu besinnen, schmiß er das vermaledeite Strohdach aus dem Fenster. Es segelte direkt in ein gegenüberliegendes, offenes Fenster auf der anderen Seite des Hofes. Dort wohnt Tho­mas Gordon. Ms Thomas abend heimkam, fand er den Hut, sah Murrays Namen darin, begab sich sofort in dessen Wohnung und ver­langte zu wissen, was der in der feinen zu suchen gehabt habe. Worauf Herr Peter Murray Herrn Thomas Gordon mit zwei wohlgezielten Faustschlägen zu Boden streckte. Es kam die Polizei. Beide wurden nach der Wache geschasst. Die Aufklärung dauerte nicht lange, und beide zogen zusammen davon. Gordon hatte beim Weg­gehen eine brennende Zigarette in der Wohnung lallen lassen. Ms er mit Murray von der Poli­zeiwache heimkam, war keine Wohnung mehr da. Sondern die Feuerwehr. Auch der Sttohhut war mitverbrannt.

Die Elektrische.

(f. m.) Montevideo

Es dauerte lange Zeit bis ich entdeckt hatte, wo die Haltestellen der Elektrischen sind. Es gibt weder einen roten Pfahl noch sonst ein sicht­bares Zeichen dafür. Schließlich fiel mir auf, daß an den Straßenecken kleine Menschenhäuf- lein standen, die die Wagen an sich vorüber­gleiten ließen, bis einer von ihnen plötzlich bk Hand hob und den nächsten herannahenden Wa­gen zum Hatten brachte.

Nun hatte ich es heraus: Man stellt sich an eine x-beliebige Straßenecke, meldet sich wie in der Schule unb kann einsteigen.

Ich tat das also, denn ich wollte nach dem Badestrand fahren. Wie höflich diese Südame­rikaner sind! Wenn sich jemand auf einen leeren Platz sehen will, so bittet man den Nachbar um Erlaubnis, der sie dann gnädigst gibt. Und wenn man jemand auf den Fuß tritt, so bittet der auch noch um Verzeihung. Sie sind zuweilen beschämend höflich, diese Küstenstädter!

Eines aber berührte mich peinlich. Ab und an ertönte ein lautes Zischen, von diesem und jenem Fahrgast ausgestotzen. Ich fand es omi­nös. Ich konnte keinen zwingenden Grund da­für entdecken. Da endlich der Strand. Ich wollte aussteigen. Leider konnte ich noch nicht genügend spanisch, um baß dem Schaffner plau­sibel zu machen. So trat ich auf die Hintere Plattform. Der Schaffner sah mich verwundert an, hielt aber nicht. Der Strand verschwand. Es ging immer weiter, ich wollte heraus, ich war verzweifelt, ich wußte nicht, was ich machen Witte. Schließlich faßte ich Mut und sprang in voller Fahrt ab, gerade vor zwei Herren hin, die mir ironisch zuriefen:Welch reizende Tänzerin!" -- Später traf ich einen Bekannten und erzählte ihm mein Mißgeschick. Der lachte schallend:Warum haben Sie nicht gezischt, das ist das Zeichen zum Aussteigen. Und abspringen? Das ist ganz verpöitt; das tun hier nur die Zeittingsjungen. Haben Sie hier schon mal einen

der Frau siirchtet und ein Einsiedlerleben führt, bis man ihm eines Tages das Tanzmädchen Sonja als Kosaken verkleidet ins Schloß schmug­gelt. Erst nehmen die beiden sich vor, nur vor der Welt so zu tun, als bestände ein Verhältnis zwischen ihnen, dann aber fängt der Zarewitsch Feuer und will lieber auf den Thron verzichten als von Sonja lassen. Diesmal schließt die Ope­rette nicht mit der Vereinigung des Liebespaares, denn zum Schluß stirbt der alte Zar, und Sonja selbst bittet den Zarewitsch, ihre Liebe der Pflicht gegen fein Voll zu opfern. Das Libretto stammt von Bela I e n b a ch und Heinz Reichert; Franz Lehar weiß diese Liebesgeschichte musi­kalisch packend und charakteristisch mit dem Reich­tum seiner Klangwelt zu umranken. So ist gleich im ersten Akt das große LiedIn dunkler Nacht einsam und fern" mit seiner echt russischen Schwermut bestimmend für das ganze Wesen des Zarewitsch; prickelnd und temperamentvoll das glänzend inftnrmentierte Champagnerduett; voll mitreißender Tonschönheit ist auch das große Liebesduett des zweiten AktesHab nur Dich allein, die ganze Wett sollst Du mir sein...." Das LiedWillst Du, willst Du, komm und mach mich glücklich ...." muhte Tauber fünfmal wieder­holen; das Publikum tobte. Neben den großen dramatischen Gesängen streut Lehar mit leichter Hand einige ganz entzückende, amüsante Tanz­schlager in die Handlung, gesungen von Lisa Rado unö Norbert Fels, die wiederum die famosen Vertreter des heiteren Paares sind. Inge van Heer als Partnerin Taubers zeigte sich den künstlerischen Anforderungen ihrer Rolle vollkommen gewachsen. Ausgezeichnet in Spiel und Maske war der Großfürst Heinz Klüfers So gestattete sich der Abend zu einem künstleri­schen Ereignis und großen Erfolg für die Gäste, das Ensemble des Operettentheaters und die. wie immer, sorgfältige, künstlerisch geschmackvolle Inszenierung Adolf Wiesners. Das Publi­kum feierte Lehar, welcher sich als temperament­voll beschwingter Dirigent zeigte, und Tauber mit schier endlosem Jubel. L W.