Ausgabe 
24.8.1927
 
Einzelbild herunterladen

Uv. 197 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 24. August (927

- - ........"'""" 1 ,llniflm g ||p ihm i,,,,m,............rMnTMm

Aus der Welt des Films.

Möchten Sie Mmdiva sein?

Line ungeschminkte Betrachtung.

Von Erich E f f l e r.

Da stellt der Verfasser eine schön dumme Frage, nicht wahr? Natürlich möchten Sie, da Sieden Film" lieben und eine Dauerbesucherin der Licht­spieltheater sind» auch Filmdiva sein natürlich niöchten Sie in eleganten Toiletten durch die herr­lichsten Gegenden der Welt reisen, ständig einen Schwarm von Anbetern um sich haben, Autogramme verteilend der unter Blumen und Schleifen fast er­stickende, umjubelte Mittelpunkt bei einer Berliner Premiere in einem der luxuriösen Filmpaläste sein undso'n bißchen mimenir fast mühelos Ihr Geld verdienen, anstatt die schönste Zeit Ihres Lebens in dumpfen Bureaustuben mit der Schreibmaschine zu klappern, anderer Leute unerzogene Kinder zu hüten und Stuben zu wischen! Wo doch alle Freun­dinnen im Kränzchen neidlos anerkennen müssen, daß Sie ein gutes mimisches Talent haben!

Selbstverständlich haben Sie auch schon an Ihre Lieblingsdarsteller geschrieben, ob sie Ihnen nicht eine Stellung beim Film verschaffen wollten aber aus Angst vor Konkurrenz haben die erst gar nicht geantwortet. Dann haben Sie sich direkt an ein paar große Produktionsfirmen gewandt und Ihr Bild mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück­erhalten.Die . . . (gestrichen von der Geschmacks­zensur) reden nur immer, daß sie Nachwuchs, neue Gesichter und frisches Blut im Film wünschen nun sieht man ja, daß sie im Ernst gar nicht daran denken!" haben Sie geschmollt und Ihre Wünsche leben bis auf weiteres nur heimlich im Busen wei­ter stimmt's?

Aber nun wollen wir uns doch einmal über­legen, weshalb Sie überall auf Widerstände ge­stoßen sind!

Können Sie schwimmen? Ja! Können Sie rudern, reiten, Ski laufen, Autos lenken, Mo­torboot steuern, Tennis spielen, können Sie furcht­los aus dem vierten Stock eines Großstadthauses springen, Berge ersteigen und mit dem Revolver umgehen können Sie vom Walzer bis zum Charleston alle Tänze perfekt und anmutig tanzen verstehen Sie ein Weinglas-richtig zu halten, eine Zigarette zu rauchen? Darf man Ihnen Austern, Hummern und Artischocken zu essen geben? Das alles müssen Sie können, sehen Sie denn eine Filmgesellschaft will doch mit Ihnen nach den Anforderungen der Handlung arbeiten und kein Erziehungsinstitut für Sie werden! Sie sollen doch ein Vorbild für die Kinobesucher sein!

Können Sie überhaupt richtig gehen? Sic lachen aber Sie sollten einmal eine Probeauf­nahme von sich machen lassen Sie würden staunen, wie Sie laufen! Jede ausgebildete Bühnen­darstellerin würde der Filmfabrikant Ihnen Vor­gehen! Können Sie sich wirklich geschmackvoll und individuell kleiden, verstehen Sie, sich zu schminken, d. h. richtig, individuell, nicht etwaan- zustreichen" sind Sie nicht nur en face, sondern auch im Profil hübsch, so daß sich der Filmopera­teur nicht vor dem Erfolg seiner Arbeit zu fürch­ten braucht? Das photographische Objektiv ist ein gestrenger Kritiker, der nicht nur jede ungeschickte Bewegung, sondern auch jedes Schönheitsfehlerchen hart und klar im Bilde festhält! Können Sie lachen, ohne Ihr Gesicht zu verzerren, würden Sie Ge­danken, Gefühle mimisch ausdrücken können? All das ist viel schwerer als Sie denken!

Sind Sie vollkommen ebenmäßig gewachsen, ver­fügen Sie restlos über die heute moderne schlanke Linie sind Ihre Beine gerade, Ihre Waden nicht verkümmert, Ihre Füße zierlich? Haben Sie Lust dazu, Ihren Körper durch Sport, Massage, sogar manchmal durch nicht ganz schmerzlose Beyandlung so wohlgestaltet zu erhalten?

Sehen Sie Sie müssen schon jetzt manches Manko eingestehen und wir sind noch nicht am Ziele. Sie haben schöne blaue Augen imb ein prächtiges Blondhaar goldblond und darauf sind Sie stolz. Aber im Filmbild würde Sie Ihre Schönheit enttäuschen der Aufnahmeapparat macht sechzehn winzig kleine Bildchen in der Sekunde von Ihnen, das Zelluloidband hat nicht Zeit, sich eindringlich mit Ihnen zu beschäftigen, denn sonst »bewegen" Sie sich ja nachher bei der Vorführung des Filmes nicht lebensecht und bei dieser Fixigkeit würden Sie später feststellen müssen, daß Ihre Hellen Augen tot, nüchtern, ver­wässert Ihr Blondhaar wie ein Heller, nichts­sagender Fleck aussehen! Ihr Väschen guckt so

Hotel Stadt Lemberg".

Palast-Lichtspiele Gießen.

Der Film führt uns um volle elf Jahre zurück, in eine Zeit, die schon weit hinter uns liegt, in eine Zeit, die man heute wie einen schweren Traum und bösen Alpdruck empfindet, in eine Zeit und eine Landschaft, an die man nicht mehr denken will: Galizien 1916; russisch-österreichische Front. Ein Kriegsfilm also. Das Publikum wünscht keine Kriegsfilme mehr zu sehen, es will nichts mehr von all dem wissen und hören; das ist vorbei. Und den­noch: das Publikum sitzt gebannt vor der Lein­wand, regt sich nicht bis zum Schluß, ist gefangen von der schnell hingleitenden Bilderfolge dieses Werkes. Und man fühlt: hier wurde eine'Meister­arbeit geschaffen, die schnell vergessen läßt» daß man an die Dinge, um die es hier handelt, nicht mehr erinnert sein wollte.

*

Ein Leutnant von den Honvedhusaren gerät auf dem Rückzug, im Äiiegsgebfet versprengt, in einen GasthofHotel Stadt Lemberg". Kaum hat man ihn dort gefunden und notdürftig verborgen, rücken die Russen ein, und das Hotel wird Hauptquartier des Korpskommandanten. Das Küchenmädchen Anna steckt den Leutnant, da es zur Flucht zu spät ist, in einen Kellnerfrack.

Nun beginnt der Krieg im Dunkel, der zähe, leidenschaftliche, mit allen Mitteln geführte Kampf der drei oder vier österreichischen Zivilisten gegen die russische Truppenmacht. Man kann hier nicht den ganzen Verlauf der Ereignisse erzählen. Nur einige der markantesten Szenen seien unterstrichen. Wie das einfache Mädel z. B. den russischen Gene­ral bearbeitet, hinhält, überlistet, unschädlich macht mit den armseligen Mitteln ihres einfachen Daseins, ihres hübschen Gesichts und ihrer großen Leidenschaft für den versprengten Oestetreicher, den sie hoffnungs­los liebt und dem sie helfen will.

FttnMgd auf Silbermöven.

Der Kulturfilm erobert sich immer mehr die vielgestaltigen Wunder der Naturmelt, die er in einer sonst nicht zu erreichenden Eindringlichkeit vor- 'ührt. Ueber der Suche nach exotischen Wundern in fernen Ländern hat man aber'lange die nicht min­der erstaunlichen und unbekannten Vorgänge wenig beachtet, die unter unserem eigenen Himmelsstrich das Leben rings um uns erfüllen. Jetzt wird das langsam nachgeholt, und wir erhalten immer zahl­reichere Aufnahmen von unserer heimischen Tierwelt. Eine besonders schwierige Aufgabe hat sich Dr. Ulrich K. T. Schulz gestellt, als er nach der kleinen Nordseeinsel Langeroog aufbrach, um dort die Silber möven-Kolonie bei ihrem Brutgeschäft, bei der Pflege der Jungen und ihrem ganzen Treiben im Film festzuhalten. Obwohl er sich mit den neuesten und lichtstärksten Teleobjekten ausgerüstet hatte, war es doch ganz unmöglich, an die scheuen Tiere heranzukommen. Den Vögeln ist nun einmal ein drehender Kurbelmann, besonders, wenn noch die Zeitlupe mit ihrem lauten Surren hinzukommt, eine höchst verdächtige und natur­widrige Erscheinung, die sie von sich möglichst fern­halten. DieStars" waren, einmal aufgescheucht, nicht zu bewegen, sich vor dem Objektiv zu zeigen, und außerdem mußte auch diese Beunruhigung ver­mieden werden, weil sonst viele Hunderte von jun- aen Möven, die im Ei der Geburt harrten, urnge- kommen wären. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Apparate einzubauen und zu verkleiden. Schulz verbrachte mit seinem Operateur zwei ganze Tage, um Strandgut aller Art zusammen­zusuchen und ein notdürftiges Gerüst zu errichten, das mit Matten und den verschiedensten Strand­pflanzen maskiert wurde. Die zweite Aufgabe be­stand darin, die Möven an die neue Umgebung und vor allem an das ungewohnte Geräusch zu ge­wöhnen.

Dor Sonnenaufgang verließen wir das Dörf­chen Langeroog," erzählt der Verfasser in derLeipz.

Illustrierten Ztg.",um nach zweistündiger Wande­rung, mit Proviant für den ganzen Tag versehen, unsere Aufnahmehütte zu beziehen. Tagelang wur­den dann bei Gluthitze dieungeladenen" Apparate gedreht. Nach fünf nicht endenwollenden Tagen waren die Möven endlich so weitkurbelzahm", daß mit den Ausnahmen begonnen werden konnte. Wohlgelungene Porträts von Männchen und Weib­chen waren unsere ersten Erfolge. Die Eltern be­brüteten abwechselnd die zwei bis drei grobkörnigen, grünbläulichen, getupften Eier. Was es für diese Tiere heißt, bei glühendem Sonnenbrand und auf siedcndheißen Dünen etwa drei Wochen lang dem Brutgejchäft obliegen zu müssen, konnten wir eini­germaßen nachfühlen. Gleich uns, litten die Tiere vor allem unter großem Durst. Leben kam erst in die Gesellschaft, wenn das Meer im Pulsschlag von Ebbe und Flut zurückwich und endlose Schlamm- flächen freilegte. Dann machte sich fast die ganze Kolonie auf, um im Watt die zahlreichen wohl­schmeckenden Muscheln, Krebse und Fischchen auf­zulesen. Inzwischen gelang es uns, auch den inter­essanten Schlüpfakt der in einem dichten, gefleckten Daunenkleid steckenden Jugen zu kurbeln. Karnen die Eltern vorn Proviantierungsflug zurück und fanden dann unerwartet ein Junges vor, so war die Freude groß. Mit ganz besonderer Vorsicht betrat Mutter oder Vater das Nest, um ja nicht das auf den Beinchen noch recht wacklige Kind zu verletzen. Wenige Stunden später hatte sich das Bild bereits ganz geändert. Der kleine Sprößling kam schon seelenvergnügt unter Mutter oder Vater hervor und empfing von den Eltern die erste Atzung. In weni­gen Tagen war dann regelmäßig die kleine Kinder­schar vollzählig und erhielt schon frisch gefangene Nahrung vorgesetzt. Von der zweiten Woche an machten die Jungen ihre ersten Spaziergänge und waren Ende der dritten oder vierten Woche so weit selbständig, daß sie sich ans und ins Meer wagten, fb.

luftig und keck nach der lieben Sonne bei einer Profilaufnahme würde jeder aber lachend auf dieHimmelfahrtnase" deuten und Sie wären unmöglich Und dann die Zähne! Kind heute rächt sich, daß Sie sie nicht sorgsam pflegten! Im Filmband wird viel gelacht da müssen gesunde Zähne blitzen! Köimen das Ihre?

Sehen Sie, all das erkannten die Stellen bei den Produktionsfirmen, denen Sie Ihr Bild ein- schickten und deshalb lehnten die für so etwas geschulten Männer ab. Sie wußten, daß Sie im bürgerlichen Leben eine kleine Schönheit, im Dallsaal ein auffallendes Persönchen sind daß aber Ihre Qualitäten nicht für den Film, den Millionen sehen und bekritteln, ausreichen. Und deshalb hüteten sie sich, Sie aus Ihrer Welt zu reihen, in der Sie Glück und Besriedi- gung in der Arbeit finden können, wenn Sie es nur zu fassen verstehen. Die Filmleute wissen, welche Verantwortung sie auf sich genommen hätten, und sie wollten nicht mit Ihnen die Schar der meist beschäftigungslosen, gering bezahlten Statisten" vergrößern, von denen sich viele, viele, auch berufen fühlten und den Traum von Reichtum, Glanz und Ruhm schnell zerfließen sahen.

Auch mit dem Reichtum ist es nicht so schlimm! Bühne und Film beides ist eine Welt des Scheines, der trügt. Der Glanz ist äußerlich und oft schwer erkämpft, schwer behauptet. Rehmen wir einmal an, Sie wären berufen, eine Diva, ein Star, zu sein Ihr Talent hätte sich bei der wankelmütigen Masse Publikum, deren Wün­schen der auf Geldverdienen angewiesene Pro­duzent sich anpassen muß, durchgesetzt Reklame und ein tüchtiger Regisseur hätten Sie auf den Gipfel des Erfolges geführt: Wie lange wer­den Sie sich behaupten können? Die E^ahrung lehrt: fast ausnahmslos einige wenige Jahre! Wer spricht heute noch von den vielen Filmstars, die uns vor acht, zehn Jahren begeisterten? Bis auf ganz, ganz wenige sind sie verschwunden, vergessen! Ganz bestimmt wenigstens die schau­spielerisch wenig begabten, lediglich gut gewachse­nen Protektions-Stars! In dieser kurzen Spanne Zeit müssen Sie von dem wenn Sie viel beschäf­tigt werden allerdings recht guten Verdienst viel zurücklegen, viel ersparen wenn Sie einen sorglosen Lebensabend ersehnen und keine reiche

Heirat Sie sicherstellt. Sie sollen aber alsStar" luxuriös wohnen (denn Sie können sich doch nicht gut vorstellen, daßIhr Star" wie eine simple Bürgersfrau wohnt und lebt!), einen großen Hausstand halten, Aufwand treiben, stets nach der neuesten Mode gekleidet gehen, also sehr, sehr viel Geld für kostbare Roben, Pelze, echten Schmuck usw., die Ihnen bis auf die historischen Kostüme keinesfalls von Ihrer Firma geliefert werden, ausgeben und was das kostet, können Sie vielleicht annähernd ahnen.

Todmüde kommen Sie morgens von so einem Zwangs"-Fest nach Hause, drei Stunden schlafen Sie, da weckt Sie erbarmungslos die Zofe. Bad, Mensendieken, Sport, Mani- und Pediküre, ein hastig eingenommenes Frühstück ein Ritt durch den noch verschlafenen Tiergarten, Rückkehr, Tele­phonanrufe, Sichtung der Post (jeder Verehrer fordert doch seine Antwort), geschäftliche Sorgen über zerschlagene Engagements, Sturmanruf vorn Atelier, in dem alles wartet, schnell noch einen Dissen, denn wer weiß, wann man wieder zum Essen kommt, Umkleiden für die Atelierarbeit, Dienstbotenärger, Warten auf das Auto, das einen abhvlen soll und sich infolge einer Panne verspätet, telephonische Deruhigungsversuche des Regisseurs, des Direktors, die bereits toben, weil die Komparserie schon für zwei Stunden Nichtstun Geld kostet, höfliches Hinauswerfen von Verttetern aller möglichen Gewerbe, Tele­phonate mit den Modeateliers, Autofahrt, während der schnell die Zeitungen gelesen und das Filmmanuskript noch einmal durchgesehen werden dann endlich: Atelier, angestrengte Arbeit bei blödsinniger Hitze oder bei grausiger Kälte, Szenen, bei denen man sich sicher den Schnupfen holt, Ueberstunden müde bis zum S)infallen überhungert, abends vor Geschäfts- schluß noch zur Anprobe, nach Hause, wo gleich­zeitig gegessen, nach dem Rechten gesehen, tele­phonische Anfragen beantwortet und für das Wohltätigkeitsfest, zu dem man sein Erscheinen zusagen muhte, umgekleidet werden soll. Das ist das Leben eines Filmstars, einer Diva ...

Möchten Sie noch eine sein? Ich glaube, Sie verdienen Ihr Geld müheloser, sind weit mehr Herr Ihrer Zeit, Sie ruinieren nicht so schnell Ihre Rervenkrast und blicken ruhiger in die Zukunft.

Oder wie dieser Leutnant auch in seiner grotesken Verpuppung roeiterfämpft, einen russischen Spion beseitigt, verdächtigt, angeklagt, verhört und im allerletzten Augenblick, wo es um Tod und Leben geht, von dein mutigen Mädel mit einer überraschen­den Wendung der Dinge gerettet wird; das muß man einmal auf sich wirken lassen.

Rur flüchtige Andeutungen tömicn gegeben werden, die eben das, was den Film so be­stechend macht, nicht herzaubern können. Den Roman von Ludwig Biro, der dem Manuskript von Fvrthmann zugrunde liegt, kennen wir nicht; sicher ist aber dies, daß in den Händen von Pommer und Stiller der Stoff mit einer wunderbaren Bildhaftigkeit, Stimmungs­dichte, Wirklichkeitsnähe und bis ans Ende aus­gehaltenen Spannung zu einem Filmwerk ver­wandelt wurde, das geniale Züge aufweist.

Eine Inszenierung von meisterhafter Sicher­heit und Geradlinigkeit, die nicht einen Augenblick lang, trotz einer Fülle feiner und liebevoll be­handelter Einzelheiten, den Faden verliert; die Regie wird durch eine glänzende, Photo technisch höchst kultivierte Aufnahmeleitung wirksam unter­stützt. Und durch eine bis in die kleinsten Char­gen hinein ausgewogene darstellerische Besetzung.

Vom Ensemble ist Pola Regri, die das kleine Hotelmädel gibt, eine Weltberühmtheit, die andern fast unbekannt; das Ganze ein Fi­gurenreigen von verblüffender Echtheit. DieRegri spielt ohne alle Mätzchen und Starmanieren mit einer herrlichen Hingabe an ihre Rolle und einer schauspielerischen Eindringlichkeit, daß man den Kurbelkasten vergessen möchte. James Hall ist der Honvedleutnant: sehr synwathisch, schlicht, männlich; ohne die leiseste Uneoenheit. Ausge­zeichnetes bietet auch Siegman als Russen- general.

Hotel Stadt Lemberg" war seinerzett einer der stärksten Berliner Filmerfolge; die Provinz

wird die reichshauptstädtische Kritik bestätigen müssen. .r-

Zilmschauspieler im Privatleben.

Von Hans Ti s ch e rt.

Agnes Gräfin Esterhazy, eine rasch bekannt gewordene Darstellerin des deutschen Films, ist wegen ihrer offenen Natürlichkeit in der Berliner Gesellschaft bekannt und gefürchtet.

Bei einer Abendgesellschaft an einem der letzten kalten Junitage drängen sich die Damen um die wieder in Betrieb gesetzte Heizung.

Komisch, wie es hier nach Farbe riecht", be­merkt eine besonders stark zurechtgemachte Dame.

Gnädige Frau, Sie müssen Ihr Gesicht von der Heizung wegdrehen", erwidert darauf zum allge­meinen Vergnügen die junge Gräfin.

*

Der englische Schauspieler Jack Trevor ist ein großer Freund der deutschen Klassiker, macht aber als Ausländer von seiner Belesenheit nicht immer den richtigen Gebrauch.

Eines Tages erwidett er bei einem kleinen Fest auf die maßlose Verhimmlung, mit der ein Red­ner den Filmruhm preist.

Ich kann dem Herrn Vorredner darauf nur das bekannte Wort aus Götz von Berlichmgen zu- rufen . . ."

Allgemeines Entsetzen. Aber unbefangen fährt Trevor fort:

2ch meine, das da lautet:Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten!"

*

Bei den Außenaufnahmen zu einem Karin- Michaelis-FilmDie heilige Lüge" in dem dänischen Hafenstädtchen Kjerteminde wurde der Regisseur Holger-Madsen durch kräftiges Pochen aus dem tiefsten Schlaf geweckt.

Verzeihen der Herr", hörte der entsetzt Auf­springende eine demütige Stimme vor der Tür.

Technik und Film.

Sprechender Film: der erste Eindruck, so verblüffend er ist. reizt zuck Lachen. Man sieht einen Schauspieler, lebhaft gestikulierend, mit scharf pronozicrenocn QUi.ii be.regungen ein Gedicht remitieren, ,Qlit peinlicher Genauigkeit fallen Wort und Munkbewegung zusammen. Der Ausgangspunkt der Stimme aber ist nicht der photographierte Mund cuf der Leinewand, er liegt irgendwo im Raume So als wenn ein genau reguliertes Grammophon im .Kino stände, das zum vorgeführten Filni das Wort ergänzt. Dieser komische und auch ein wenig befremoende Eindruck wird noch verstärkt durch die Unrein­heit der Lautwiedergabe. Alle auftretenden Per­sonen scheinen an kleinen Sprachfehlern zu lei­den. Kennte man sie nicht von der Bühne her, so gäbe man ihnen den wohlgemeinten Rat, sich lieber nach einem anderen Beruf umzu­sehen. Und nun erst die Musik. An Stelle des Flügels, der auf der Leinewand lebhaft be­arbeitet wird, scheinen irgendwo Grillen zu zir­pen. Aus einem Orchefterkonzert gar entsteht ein wahres Chaos.

Rach einer kleinen Weile gewöhnt sich aber das Ohr an die Rebengeräusche, wie sich ja schließlich auch der Rundfunkhörer daraii ge­wöhnt hat. Und man beginnt allmählich zu begreifen, daß hier im Prinzip die technische Lösung eines ungeheuer schwierigen Problems gefunden ist: die genaue zeitliche Uebereinstim- mung von Ton und Bild. Der technische Vor­gang ist bei den einzelnen Herstellungsverfahren« verschieden. Ueberall beruht er aber im Prinzip darauf, daß die Schallschwingungen in elektrische Schwingungen umgewandelt werden. Diese wer­den dann, durch bestimmte Vorrichtungen, sicht­bar gemacht, beim Filmen neben dem Lichtbild mitphotographiert. Die Wiedergabe erfolgt auf dem Wege über Derstärkerröhren durch einen oder mehrere Lautsprecher. Wenn auch der sprechende, oder besser: der Tonfilm noch in den Kinderschuhen steckt, das Problem ist gelöst.

Aber selbst wenn diese technischen Schwierig­keiten überwunden sein werden, dürste d.r Ton­film kaum einen Ersah für unsere Sprechtheater ober die Oper bilden, solange nicht die Probleme des farbigen und des plastischen Films geklärt sind. Wie man nun bei verschiedenen Vorsüh- rungen in der letzten Zeit feststellen konnte, scheinen auch diese Fragen dicht vor ihrer voll­kommenen technischen Lösung zu stehen.

Ein kürzlich in Berlin vorgeführter plasti­scher Film war nach dem bekannten Prinzip hergestellt, bei dem ein rotes und ein gleiches grünes Bild mit einer seitlichen Verschiebung übereinander gebracht werden. Betrachtet man nun den Film durch eine Brille mit einein roten und einem grünen Glas, so ergibt sich ein plasti­sches Schwarz-Weitz-Dild. Dieser Film, so primi- ttv er auch in der photographischen Technik war er erinnerte sehr an die ersten Vorführungen lebender Dllder", zeigte bereits phantastische Wiickungsinöglichkeiten auf. So z. B, wenn ein Mann einen langen Stock gegen das Publikum hin bewegte. Man hatte durchaus den Eindruck, den Stock dicht vor den Augen zu haben und mit der Hand greifen zu können.

Außerordentliche Schwierigkeiten bot bisher das Problem der Herstellung wirklich natur­getreuer F a r b e n f i l m s. Schon vor bem Kriege sah man gelegentlich einenfarbigen Film. Seme Herstellung erfolgte aber so, daß man jedes einzelne Bild eines gewöhnlichen Films mit der Hand kolorierte, während die heute üblichen Verfahren auf dem Prinzip der Farben­photographie beruhen. Einige große amerika­nische Filme, wie z. B. der Douglas Fairbanks- FilmSeeräuber", sind bereits mehrfarbig auf­genommen. Die Wirkung ist stellenweise erstaun­lich, manche besonders gelungenen Bilder er­innern in ihrer Farbenpracht an Gemälde alter Meister. Die Aufnahmeverfahren, von denen wohl das Technicolor-System am durchgebildetsten ist, sind jedoch noch außerordentlich kompliziert, teuer, und vor allem noch lange nicht voll­kommen in der Farbenwiedergabe.

Ein weiterer Schritt: die Vereinigung des sprechenden, plastischen und farbigen Films er­öffnet phantastische Perspektiven. Sprechthcater und Oper stünden am Beginn einer neuen Aera.

V. F.

Ich habe vergessen, ob der Herr um 4 ober 6 Uhr geweckt werden wollten . . ."

Um 5 Uhr, Sie . . ." rief der an seemännische - Pünktlichkeit Gewöhnte ärgerlich.Wie spät ist es denn jetzt?!

7 Uhr, mein Herr!"

*

Die bekannte Darstellerin Lee P a r r y erzählt mit Vorliebe folgendes Erlebnis aus ihrer Mün­chener Zeit:

Regisseur und Hauptdarsteller trafen sich häufig im Pschorr-Bräu.

Eines Tages hatte sich Lee Parry beim Ab­schminken verspätet und sah sich vergeblich nach ihrer gewohnten Begleitung um.

Aber nur der Hilfsregisseur stand einsam an ihrem Wagen:

Die Herren sind schon vorausgefahren. Gnä­dige Frau möchten zu Porsch nachkommen. Wie gewöhnlich zu Porsch . . ."

Hcrrqottsaxcn, wie sagen Sie denn immer Porsch? Es heißt doch Pschorr . . .!"

Gewiß, gnädige Frau," dienert der sonst so Redegewaltige,aber ich habe ein neues Gebiß und das fällt sonst raus!"

*

Lissi 2lrna ist eine eifrige Blumenfreundin. Bei dem letzten Pressebesuch erzählte sie von ihrem liebevoll gepflegten Balkon.

In diesem Frühjahr hatte ich Petunien und Wicken gepflanzt und immer eifrig begossen. Was meinen Sie, was zuerst gekommen ist?"

Wahrscheinlich die Wicken", riet einer der Zu­hörer.

Falsch geraten", lachte Lissi Arna.

Na, dann also die Petunien . . ."

Auch nicht. Der Schupo kam herauf. Ich sollte gefälligst das unvernünftige Gießen lassen. Es tropfte dauernd auf die Straße."