verzweifelte Begehren, eine Sammlung nieder- gc schrie denen Seelenschreie derer, die einen lieben Angehörigen vermissen, einen Bruder, einen Bräutigam, einen Gatten und Bater. Wieder einmal öffnet sich, scheint es. das furchtbare Grab der Kriegsverschollenen.
Cltan legt dem Namenlosen die Photographien vor. Sinnend wühlt er darin herum, plötzlich fährt er auf: Mein Bater! Das Bild zeigt einen belanntcn Wissenschaftler namens Eanella. Bun kommt der Sohn herbeigeeilt, Professor Renzo Canella: wenn es etwa der Bruder wäre, fein über alles geliebter Giulio, der aus den Kämpfen gegen die Bulgaren bei Monastir nicht mehr zurückkehrte, seit 1916 verschollen ist. UnD das Wunder tritt ein: die Brüder liegen sich in den Armen uni) weinen vor Schmerzen und Freude.
Zweiter Akt. Lieber Bruder, ich weih nicht, ob du es bist oder nicht. Ich erkenne niemanden mehr. Weih nicht, wer ich bin. Bur in mir. da geht es so eigen um. o furchtbar ist dieses Namenlose in mir!
Die Psychopathen such sich bald darüber einig, dah man auf diese Weise nicht vorwärts IcmmL Der Kranke mutz viel sorgfältiger behandelt werden. Steinchen um Steinchen gilt es herbeizutraaen. um das Bild seiner Vergangen- heit so zusammenzusetzen, daß er es bei der vlotzlichen Gegenüberstellung erkennen muh. And so geschieht es. Wir wissen ja jetzt, mit wem wir es zu tun haben, mit dem Bruder Canellas, der schon in jungen Jahren Seminardirektoc in Verona geworden ist. Offenbar wurde er verschüttet und verlor sich selbst. Aber es genügt nicht, datz wir das wissen, er muh selber dahinter kommen. Er ist garnicht verrückt, nur zurück.
And so geschieht es. Einer nach dem andern aus der großen Verwandtschaft stellt sich ein. Grasen, geistliche Würdenträger. Offiziere. Alle erkennen ihn, es gibt keine Zweifel. Er spricht, langsam dämmert das Gedächtnis wieder auf, bereits französisch, schreibt lateinische Sentenzen nieder, läßt sich in philosophische Gespräche verwickeln. ohne freilich die Kenntnisse eines Philosophen hervorzukehren. Das kann man ja auch noch nicht verlangen. Sein Gang aber ist typisch Professorenhaft, feine Haltung unverändert wie vor zehn Jahren, der Bart stört gar nicht
Endlich ist alles so weit. Die Feuerprobe kann erfolgen: die Konfrontierung mit der Gattin. Ohne Zweifel die ergreifendste. die wirksamste Szene in dieser Tragikomödie. Bleich, noch jung und hübsch, erscheint die Frau. Schon von weitem erkennt sie ihren Mann, den totgeglaubten. Sie möchte ihm entgegenstürzen, was jedoch gegen die Psychoanalyse wäre. So inszeniert man im Hose des Irrenhauses ein zufälliges Begegnen. Die Anwesenden verbergen nur mühsam ihre Erschütterung. Jetzt nähern sich die beiden, jetzt sehen sie einander an — Professor Canella greift sich ans Herz, fährt in furchtbarem inneren Ringen über die Stirne, tut einen Schritt vorwärts — da ist die Frau, getreu der Abmachung, an ihm vorbei, wenn ihr auch die Knie wanken. And der Mann bricht zusammen und birgt das Gesicht in den Händen, und die Frau stammelt, den Rosenkranz in den fiebernden Fingern, zu Gott, er möge ihr den Gatten zurückgeben.
Dritter Akt. Aus der Terrasse im neuen Heim. Tiefstes Familienglück. Bergesfen die Irrenanstalt. Gattin. Kinder. Geschwister um sich. Cs ist Frühling draußen, unendliche Liebe umgibt den Heimgesundenen. Reichtum und Schönheit. Flitterwochen, wie die ersten nicht waren. Monsignore kommt, der sie seinerzeit getraut, seine Kinder getauft, bringt Zeitungen aus aller Welt. Wer hätte sich die Geschichte von dem Professor, der sich selbst vergah. entgehen lassen wollen? In ganz Norditalien spricht man von nichts anderem mehr. Wie viele Witwen tröstet dieser Fall...
Siehst du die schwarzen Punkte dort unten, o Giulio? Automobile! Wie rasch sie größer werden! Kommen sie etwa zu uns? O die vielen Besu — — —
Dr. Finucci, Polizeikommissär: „Sjerr Professor, ich bebaute sehr, einige Formalitäten noch — wenn Sie Platz nehmen wollen — bitte ja. gleich—!"
Rührende Abschiedsszene. Aber die Gattin läßt nicht von dem Geliebten. Noch einmal zurück ins Irrenhaus, gut, aber sie bleibt an seiner Seite.
Bierter Akt Ein anonymes Schreiben war bei der Polizei eingelaufen, das sei gar nicht der richtige Professor. Nach anderer Lesart: die Frau eines seit Jahren von der Polizei gesuchten Schwindlers habe in Canella ihren Mann er
teil gemacht habe, er soll bei der unvermuteten Rückkehr des A ganz verstört gewesen sein. Trotzdem fuhr A mit T.. wie verabredet, nach dem Dorfe. Erst am dritten Feiertage will QL das Geld nachgezählt und dabei festgestellt haben, dah nicht nur etwa 12 Mark, sondern etwa 112 Mark fehlten. Nachdem T. auf Borhalt die Wegnahme des Geldes ganz entschieden be- ftritten hatte, suchte 21. bei einem Wirte fest- zustellen, ob T. während der letzten Tage größere Beträge -bei ihm verausgabt habe, und teilte ihm zu diesem Zwecke den Sachverhalt mit. Der Wirt konnte ihm jedoch keine Auskunft geben, da T. nut geringfügige Beträge bei ihm verausgabt hatte. Nunmehr wollte 21. Anzeige bei der Polizei erstatten. Er traf dort aber zufällig den Vorsitzenden des OkrcinS, dem sowohl A. Die auch T. angehören, und erzählte diesem auf Befragen seinen Verdacht. Der Dor- sitzende riet ihm von der Erstattung der Anzeige zunächst ab und versuchte gemeinschaftlich mit dem 2. Borsitzenden die Sache gütlich zu erledigen. Dies gelang jedoch nicht, da T. nach wie vor entschieden bestritt, das Geld genommen zu haben. Auch die später erhobene Anzeige führte zu keinem Erfolg, da das Verfahren gegen T. mangels Beweises eingestellt wurde. T. verklagte nunmehr den 21. wegen Beleidigung. In der Hauptverhandlung konnte die Sache ebenfalls nicht geklärt werden, irgendwelche bestimmten Anhaltspunkte dafür, daß T. wirklich das Geld genommen habe, wurden nicht erbracht. Trotzdem tonnte 21. wegen Beleidigung nicht verurtellt werden, weil er nach der Aederzeugung des Gerichts bei seinen Mitteilungen an bcn Wirt und die beiden Borsihenden in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat und nicht nach- gewiesen wurde, datz er die Absicht gehabt habe, den T. dabei zu beleidigen.
Gießen, den 19. März 1927.
Im vergangenen Sommer erhielten der Dor- sitzende H. und zwei Dorstandsmttgliedsr K. und E. eines hiesigen Dereins namenlose Postkarten beleidigenden Inhalts, die zur gleichen Stunde aut her Post aufgegeben waren. Ihr Berdacht siel auf ein anderes Borstandsmitglied L., zumal die bei den Dereinsakten befindlichen Der- gleichsschristen des letzteren mit der Schrift der Postkarten außerordentlich große Aehnüchkeit hatten. Sie baten deshalb den bekannten Gerichtschemiker Dr. Popp in Frankfurt a. M. um die Erstattung eines Gutachtens. Dieser konnte zu einem zweifellosen Ergebnis nicht kommen. erklärte aber, eine große Anzahl von Anhaltspunkten und teilweise recht charakteristische Einzelheiten sprächen für die Täterschaft des L. Dieser stellte auf Dorhalt des H. ganz entschieden in Abrede, die Postkarten geschrieben zu haben, und beantragte später eine Borstands- sihung, um festzustellen, was E. gegen ihn habe, und weshalb er ihn schneide. In der darauf ein« berufenen Sitzung erklärte H., Professor Popp halte den L. für den Schreiber der Karten, und er, H., sei derselben Meinung. Der Verdacht ruhe auf ihm: L. müsse entweder den H. ober den E. verklagen, sonst bleibe her Berdacht auf ihm sitzen. E. dagegen erklärte, er habe nichts zu sagen oder zurückzunehmen, er werde sich seine Meinung bilden, das weiter« werde sich finden. L. verllagte daraufhin den E. wegen Beleidigung, dieser wurde aber frei- gesprochen, weil er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und eine Absicht, ben L. zu beleidigen, nicht erwiesen sei. Im übrigen war das Gericht der Meinung, dah ein ■ ausreichender Beweis für die Täterschaft des L. zwar nicht erbracht sei, daß aber eine hohe
, Wahrscheinlichkeit dafür spreche.
i Schöffengericht Wetzlar.
f O Wegen Arkundenfälschung und Unterschla- güng ist ein Schreiner aus Wißmar unter i Anklage. Der Angeklagte holte bis etwa Ende
Juni 1926 die Zusahrente für Schwerkriegsbeschädigte von Wißmar vom Kreiswohlfahrtsamt Wetzlar ab. die er dann den Empfangsberechtigten aushändigen sollte. Hierbei soll er mehrfach auf Quittungen die Namen der Rentenempfänger gefälscht und das Geld für sich behalfen bzw. auf Erinnerung der Berechtigten aus- gezcchlt haben. Er wird zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Anter Bewilligung einer Bewährungsfrist gewährt das Gericht Straf
aussetzung, jedoch werden dem Angeklagten 1 00 AW. Buße auferlegt.
Ein Ehepaar aus Oberbiel hatte im November 1926 nachts in ein Jagdhaus im Gemeindewald Dollnkirchen eingebrvchen und Gegenstände im Gesamtwerte von über 1300 RM. gestohlen. Der schon vorbestrafte Ehemann ist daher wegen schweren Rückfalldiebstahls und die Ehefrau wegen schweren Diebstahls an- getlagt. Da die Ehefrau krank und nicht erschienen war, wurde nur gegen den Ehemann verhandelt, der geständig ift und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird.
Amtsgericht Wetzlar.
Q Gegen einen Arbeiter aus Nauborn wurde wegen Fahrraddiebstahls verhandelt. Der Angeklagte hatte in einem Hausflur ein Fahrrad stehen sehen. Er öffnete vorsichtig die Tür. schlich sich hinein und nahm mit dem Rad ReißauS. Doch er blieb nicht lange Besitzer des Fahrrades, denn man hatte ihn bemerkt und verfolgte chn. worauf er das Rad die Strahenböfchung hinunter fließ und ohne das gestohlene Gut verschwand. Das Rad kam bann wieder in den Besitz des rechtmäßigen Eigentümers. Dor Gericht versuchte jetzt der Angekagte die ganze Sach- als harmlosen Schabernack hinzustellen, fand jedoch, da er wegen Fahrraddiebstahls bereits vorbestraft ist. keinen Glauben und erhielt drei Monate Gefängnis zudiktiert.
Ein Arbeiter aus W a l d g i r m e s. der des Nachts nach getaner Arbeit auf dem Heimweg in teuchtfröhlicher Stimmung durch Naunheim kam, geriet dort mit dem Polizeidiener, der in Ausübung seines Dienstes war, aneinander. In der Absicht. Anzeige gegen den Polizeibeamten wegen dessen angeblichen unzarten Derhaltens zu erstatten, ging er danach zum Bürgermeister und geriet auch mit diesem in Konflikt. Die Folge war. daß er sich nun wegen Widerstands, groben Ansugs und Hausfriedensbruchs zu verantworten hatte. Der Angellagte. der wegen sinnloser Trun- (enbeit an dem fraglichen Abend nichts mehr wissen will, wurde zu Geldstrafen von 30 bzw. 5 bzw. 2 0 Mk.. hilfsweise für je 5 M k. ein Tag Gefängnis verurteilt.
Kreisausschuhsitzung des Kreises Büdingen.
I! Büdingen, 22. März.
Dor Eintritt in die Tagesordnung wurde das neugewählte Mitglied Altbüraermeister und Landwirt Schmidt von Echzell verpflichtet.
In öffentlicher Sitzung wurde zunächst der Klage des Friedrich D o n y o f zu Lihberg gegen den Hessischen Staat wegen Zahlung einer Entschädigung für seine an Maul- und Klauenseuche gefallene" Kuh stattgegeben. Die Entschädigung war vom Staat abgeleynt worden, weil das Tier vor erstatteter Anzeige vom Ausbruch der Maul- und Klauenseuche verendet war. Donhof wies jedoch nach, daß die zugezogenen Deterinärärzte am Kadaver keine Merkmale der Maul- und Klauenseuche feststellen konnten. Dies sei erst .durch die Sektion geschehen. Der Kreisausschuh hielt hier den im Gesetz vorgesehenen Ausnahmefall für vorliegend und verurteilte den Staat zur Zahlung der gesetzlichen Entschädigung.
Der weitere Fall behandelte die Beanstandung eines Gemeinderatsbeschlusses von Lindheim durch den Kreisdirektor. Die Gemeindevertretung Lindheim hatte die unwiderrufliche Anstellung ihres Gemeinderechners abgelehnt, obwohl sich dieser in einem mit der Gemeinde abgeschlossenen Bertrag das Recht auf unwiderrufliche Anstellung nach Ablauf von 6 Jahren bei guter Dienst- führung gesichert hatte. Die Beanstandung des Kreisdircktors wurde für begründet erklärt. Der Gemeinderechr.er ist demnach unwiderruflich anzustellen.
Ein gleicher Fall lag in Bobenhausen vor. Hier weigerte sich die Gemeindevertretung die Anstellung auszusprechen, da ihrer Meinung nach ein Dertrag nicht abgeschlossen sei. Nachdem in der Sitzung her Originalvertrag vorgelegt worden war, erklärten die Dertreter der Gemeinde Dodenhausen diesen Weigerungsgrund für erledigt. Die Angelegenheit wurde vertagt.
In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Kündigung der Strahenwärter. Hilfsstraßenwärter und Daumwärter auf den 1. April, dem Tage der
Beendigung ihres DienstverhäktnilleS mit dem KreiS zugestimmt.
Für Anfertigen eines Kreis-Werbefilms bis au 100 Meter Länge wurden 300 Rm. zur Verfügung gestellt.
Der Voranschlag des Kinderheims, der in Einnahme und Ausgabe mit 46 260 Rin. schließt, wurde genehmigt. Ebenso der Mietvertrag, der mit dem Staat über die Benutzung des sogenannten Langen Baues im Schloß zu Dingen- heim für das Kinderheim abgefcbloffen worden ist.
Bon der Obstkellerei-. Kelterei- und Derwer- tungsgenossenschaft sollen fünf Geschäftsanteile vom Kreis übernommen werden.
Aussichtslurmauf der Hochwarle
Der Vorstand des Zweigvereins Gießen vom D. H. C. hat an die Stadtverwaltung eine Eingabe gerichtet, in her er um die Errichtung eines Aussichtsturmes auf der Hochwarte ersucht. In dieser Eingabe heißt es:
Bor einigen Jahren wurde der sich im Distrikt Hochwarte des Gießener Stadtwaldes befindliche Aussichtsturm niedergelegt. Soweit uns bekannt geworden, waren seinerzeit für den Abbruch der mangelhafte Zustand des Turmes und die für die Wiederherstellung verhältnismäßig hohen Kosten maßgebend. Ohne Zweifel bedeutete der Turm damals eine Gefahr für den Besteig er: dennoch ist es weiten Kreisen der Bevöllerung unserer Stadt unverständlich geblieben, daß die Kosten für die Herrichtung gescheut wurden, da der Turm einen prachtvollen Ausblick auf die Stadt und ihre Umgebung bot. Es würde von vielen Qlaturfreunöen mit Freuden begrüßt, wenn an dieser Stelle wieder ein Aussichtsturm errichtet würde, und zwar der Haltbarkeit wegen aus Stein. Da die Stadt in der Nähe einen Steinbruch besitzt und bei dem Bau Arbeitslose beschäftigen könnte, dürste die Erbauung mit verhältnismäßig geringen Kosten zu bewerkstelligen sein. An der Errichtung des Turmes hätten nicht nur die Bewohner Gießens großes Interesse, sondern auch viele unsere Stadt besuchenden Fremden, die die Gelegenheit gerne benutzen würden, unsere herrliche Umgegend von hoher Warte zu bewundern. ES dürfte der Stadtverwaltung nicht schwer fallen, den „Verschönerungsverein Gießen" für die Sache zu gewinnen: wir werden uns bemühen, das Interesse dieses 2kr- eins für die Angelegenheit zu wecken. Der unterzeichnete Vorstand richtet daher an die Stadtverwaltung die ergebenste Bitte, die ©rbauung eines Aussichtsturmes auf der Hochwarte in die Wege zu leiten.
Allbesitzanleihen des Reiches.
Don der Bezirksfparkasfe Gießen wird uns geschrieben:
Deutsche Reichsangehörige, die im Inland wohnen und bedürftig find, oder im Kalenderjahr 1926 ein Einkommen von nicht mehr als 1500 Mk. hatten, erhallen auf Antrag für ihre Alt- besitzanleihen des Reiches im Gesamtnennbetrage von weniger als 1 000 Mk eine Barablösung, sofern sie nicht Rechte der Anleihealtbesitzer für weitere Markanleihen zuerkgnnt erhalten haben, deren Nennbetrag zusammen mit dem ihrer bar abzulösenden Mark- anleihen 1000 Mk. erreicht oder überschreitet. Die Ablösungssumme beträgt 15 Mk. für je 100 Mk. Nennbetrag der bar abzulösenden Markanleihen, wenn der Anleihegläubiger bedürftig ist Der Ablösungsbetrag beträgt 8 Mk für je 100 Mk. Nennbetrag. wenn der Anleihegläubiger im Jahre 1926 ein Einkommen von nicht mehr als 1500 Mk. hatte und nicht bedürftig ist. Anleiheablösungsschuld und Auslofungsrechte über je 12,50 Mk., die der Anleihegläubiger bereits als Anlcihe- altbesitzer erhalten hat, stehen Altbesitzanleihen des Reiches im Nennbeträge von 500 Mk. gleich Der Antrag auf Barablösung ist spätestens bis 3 1. März 1 9 2 7 an Die Anleihealtbesitzstelle des Finanzamtes zu richten, das für die Einkommensbefteuerung des Anleihegläubigers zuständig ist. Die bei den Sparkassen oder Banken hinterlegten Anleihen müssen zu diesem Zwecke a b g e h o l t werden.
kannt, aber nichts sagen wollen, weil sie ihn im Irrenhaus ganz gut aufgehoben glaubte. Hat schon einmal auf sie geschossen. Lebten getrennt. Doch das Gewissen zu reinigen, erzählt sie ihre Entdeckung einem Priester. Der einem andern. Der dem Redakteur einer katholischen Zeitung.
Kurz, der Stein ist im Rollen. Protes'or Canella gilt als verhaftet. Nun hat die Polizei Beweise für eine Existenz beizubringen, die er be ft reitet. Sie sind, fagt sie ihm auf den Kopf zu, der steckbrieflich gesuchte frühere Buchdrucker Mario Bruneri! Der Kranke lächelt vornehm.
Für die Familie Canella bricht der Himmel ein. Sie wehren sich verzweifell gegen die Erkenntnis oder die Unterstellung der Polizei. Es bilden sich zwei Lager, Canellisten und Brune- riften, die sich bitter befehden. Der Mann. Der mit einem Wort die Lage klären könnte, schweigt. Schüttelt den Kopf mit frommer Ergebung, als ob er sagen wollte: Ich bin zu früh ins Leben zurückgetreten. Geduld. Geduld. Und tröstet nur „feine17 weinende Gattin.
Fünfter Akt. Jrrenanstaltsdirektvr und Polizeikommissär wälzen Beweise heran. Man hat erkannt, dah die Wissenschaft mit allen ihren Analysen jetzt nichts mehr taugt, daß ein einziger Leberfleck am richtigen Ort wichttger sein kann als ein Hochschulkathedcr. Es treten auf Feldzugteilnehmer als Kameraden sowohl des Professors Canella wie des Buchdruckers Bruneri, Aerzte. Verwandte. Bruneri hatte einmal eine eitrige Rippenfellentzündung, die achte Rippe mußte heraus, die Narbe dürfte also noch vorhanden fein. Sie ist vorhanden! Aber kann nicht auch Canella in diesen zehn Jahren eine eitrige Rippensell- enlzündung gehabt haben?
Lindere Merkmale heran. Die Sache ähnelt verteufelt Der Geschichte in Berlin, wo um eine Kranke, die ihr Gedächtnis verloren hatte, ein heftiger Streit entbrannte: Zarentochter Anastasia oder Schwindlerin?
Hier aber geht es insofern komplizierter zu, als sich zwei Familien um, denselben Gatten und QSater streiten. Kops für Kops treten die Bruneri auf: Er ist's! Kops für Kopf verneinen mit derselben Bestimmtheit die Canella. Vater, grüß Gott! sagt ein 3unge, erkennst du mich nicht?
Daraus der Mann, der sich selbst verlor: Armes Kind, ich bin nicht dein Vater. 2lber glaube an Die Vorsehung, glaube und bete, und
Preußen.
Kreis Wetzlar.
Q Dorlar, 23. März. Hier ist unter vier Schweinebeständen der Ausbruch der Schweine p e jt durch den Kreistierarzt amtlich feftgestellt worden. Die an der Seuche erkrankten Tiere sind durch einen auswärtigen Händler hier eingeführt worden.
•CP Dorlar, 23. März. Es ist bereits des häufigen darauf hingewieien. daß derBahnhof»- weg und die anstoßenden Siedlungs- st r a ß e n sich in kaum noch passierbarem Zustande befinden. Namentlich bei Negenweller treten die unhaltbaren Zustande stark hervor. Der Gemeinderat verschließt sich der Notwendigkeit des Ausdaus der Straßen nicht, doch macht die finanzielle Auswirkung des neuen Wasserwerks so große Schwierigkeiten, dah der Ausbau der Sttaßen bisher nicht möglich war. Es soll aber, wie der Gemeinderal in seiner letzten Sitzung beschlossen hat, wenn irgend möglich, gelegentlich der diesjährigen Etatsausttel lang eine Lösung gesucht werden.
Garbenheim, 23. März. In der letzten Gemeinderatssigung wurden die für den Dau des elektrischen Ortsnetzes eing^orberten fünf Offerten vorgelegt. Das niedrigste AngekstN war von der Firma Siemens-Schucken in Wetzlar abgegeben und lautete auf rund 29 500 Mk.
<> Dornholzhausen, 23. Tlärj. Das vier Jahre alte Töchterchen eines hiesigen Arbeiters schlug seinem zwei Jahre alten jüngeren Brüderchen mit dem Beileinen Finger ab und verletzte dabei einen zweiten Finger schwer Das Kind mußte in die Klinik in Gießen überführt werden.
Z Groß-Rechtenbach, 23. März. Der hiesige Raiffeisen.Spar- und Darlehn»- kassenoerein hielt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung ab. Wie au» dem Jahresbericht zu ersehen ist, hat sich der Verein günstig entwickelt. Augenblicklich zählt der Verein 65 Mitglieder, die sich auf die beiden Orte Groß» und Klein- Rechtenbach verteilen.
& Aus dem Kleebachtal, 23. März. In- folge der trockenen Witterung sind die Felder m unseren Gemarkungen soweit abgetrocknet' dah bereits in höheren- Lagen mit der Frühjahrs- bestellung begonnen wurde.
Kreis Marburg.
sch. Marburg, 23. März. In Der jüngsten StaDtverorDneten-Sihung sollte der Haushaltsplan für das Ordinarium 1927 eingebracht werden, man mußte aber davon Abstand nehmen, da der Oberbürgermeister Dr. Voigt plötzlich an einem Gallensteinleiden erkrankt ist und sich einer Operation unterziehen mutz. Statt dessen wurde ein Nothaushaltsplan genehmigt, nach dem die bisherigen Zuschläge zu den Realsteuern vorläufig weiter erhoben und die ab 1. April 1927 fälligen gesetzlichen und die im Voranschlag 1926 vorgesehenen 2lus- ?laben nach Mal gäbe dieses Voranschlages vor- äufig weiter geleistet werden können.
Kreis Biedenkopf.
~ Biedenkopf, 23. März. Dank Der Größe des Stadtwaldes von insgesamt 2108 Hektar kann hier nach wie vor LoShvlz unter die Bürger verteilt werden. Der Preis ist diesmal gleich Dem Vorjahr festgesetzt auf 2.50 Mk. pro Rm. Reiserknüppel, 3,50 Mk pro Rm. Knüppelholz und 4.50 Mk. pro Rm. Scheitholz. Auf ein LoS entfallen 3 Rm. Reiserknüppel und 4 Rm. Knüppelholz, oder 2 Rm. Knüppelholz und 2 Rm Scheitholz.
Dillkreis.
bl. Dillenburg. 22. März Die Arbeitsmarktlage im Dillgebiet erfuhr in Der letzten Zeit eine ekfreulichc Besserung. Während man kürzlich noch rund 1100 Erwerbslose zählen konnte, beträgt deren Zahl nach dem augenblicklichen Stand nur noch 671 Perionen. Einerseits beruht diese Herabminderung auf Der lebhaften Tätigkeit Der Industrie, einfdyl. Der Bergwerke, zum andern werden zur Zeit eine große Zahl Arbeitslose bei Notstandsarbeiten beschäftigt.
bl. ©unter« Dorf (Dillkreis), 22 März. Die GemeinDe erbaut ein neue« Schulhaus. Man hofft Den Bau im September zu Ende zu führen.
auch Du wirst Deinen Vater wieDersindenk
Mario. Mario. Deine Mutter erwartet dich! Der Mann bleibt stumm.
BruDer, Bruder, hier ist Deine Schwester MathilDe, Die Dich gepflegt hat! Der Mann schweigt.
Mario, lieber Mann! Er erkennt seine Gattin nicht. Nicht Den Bruder, leinen Verwandten, niemanden von Den Bruneristen.
Er verleugnet die eigene Familie, Die im Grunde nichts von ihm wissen will, er fordert Die fremde, die ihm ein warmes Nest geboten.
Beide Gattiimen bemitleiden einander: Signora. Sie täuschen sich!
Endlich gelingt es der Polizei, Fingerabdrücke aus den Strafakten des Mario Bruneri auszu- treiben, sie werden verglichen mit Denen des vermeintlichen Professors — es ist kein Zweifel mehr möglich. Ein amtliches Stefani-Mitgeteilt macht dein Sturm, der ganz Italien Heimsucht, ein Ende.
Ein Ende? Aus der Szene bleibt zurück Die wahrhaft tragische Figur Der Giulia Eanella. Der Frau, Die zweimal den Gatten verlor. Vie glaubt nicht an diesen furchtbaren AuSgang, mit Gewalt muh man sie von Dem wicdergefunDenen Manne losreihen.
Mario Bruneri aber ist wieder in seine stille Resignation zurückgefallen. Ein Meisterschwindler. ein Meisterspieler. Er hat schon immer seine Persönlichkeit ablegen und vertauschen können wie einen Mantel. War ihm Die Polizei auf Den Fersen, so verwandelte er sich nicht mir, nein, er schlüpfte nicht nur in Die Gestatt eines andern, sondern gab einem Ahnungslosen, Der Dann für ihn Die Strafe erleiden mußte, Namen und Gefüllt.
Die Wahrheit, philosophiert Pirandello, emittiert nicht, sie ist das. was wir uns Darunter vvr- st eilen. Jener Verrückte, der wahrscheinlich nicht verrückt ist. bleibt für Die Eanella der Professor Eanella, für Die Frau Giulia ihr Gatte Giulio. und für Die Familie Bruneri, der Buchdrucker Bruneri, Bruder. Vater und Gatte ‘SrunerL Das Leben ist wie jener englische Theaterager*, Der Die Komödie ton Pirandello unter der Bedingung taufte, dah man zum Schluß erfahre, wer nun eigentlich Der Verrückt sei.
Eanella? Bruneri? Der Polizei kvmmisfär? Der Jrrendirektor? Die Behörde? Die Presse?
$0t
Se Srantp <r ali 9» liftt l'<
'Nen ttt jtllö'
brie' !)in6-w 3«uge in glc! Januai ton aush M'flc ryW. bring len- 31 sondern Zeugin über ba die Du wesen. furt.U mit, Mtteil garisat häufig reibunc allem solchen trag" im Ein richt au öfter „2 erhalten MNd, 1 dah tz- laht ya! ui einer in Fra Zeuge jufamm Heinz c auch He Aern
Hie drvchen, heim z Deiters
De: Äuge uait. L dclhosc -iwtbew Juds 2 alo Angell Durch kam r 84000 an des Oberin öuherst der 6*i Patron etwa 1 eigentli Die her merlicht Emsern
Verl ?eg< 6 für 30 lind (
Ai
V
Sieg, Sprech
-Jnnt
u dann । Slanz. Uutr. Adens
&
fallet


