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Verein der Kreunde des humanistischen Gymnasiums. Prof. Dr. Morgenstern:Braucht unsere heutige Fugend noch Griechisch und

Lateinisch?"

Die Beschäftigung mit dem klassischen Alter- lum bedeutet die Versenkung in eine Welt, die längst nicht mehr die unserige sein kann. Rur wenn diese Versenkung in den Geist entschwun­dener Zeiten und zu einem besseren Verständnis der Gegenwart führen kann, werden die Beschäf­tigung mit jenen und ein auf ihr sich begründende humanistische Schul- und Bildungsform ihre Be­deutung für unsere Zeit erweisen können.

Der angesehene Berliner Schulmann Prof. Dr. Otto Morgen st ern beantwortete die Frage: ^Braucht unsere heutige Jugend noch Griechisch und Lateinisch?" in seinem Vortrag vom 20. Januar mit überzeugenden Darlegun­gen: Die Beschäftigung mit dem klassischen Alter­tum ist und bleibt auch in unteren Tagen eine unerläßliche Forderung für denjenigen, der die Grundlagen der deutschen Kultur verstehen lernen, sein Urteil in ästhetischen Fragen läutern und an den Vorbildern aller staatsbürgerlichen Tugenden fein Empfinden erziehen und stählen will. Richt immer werden allerdings solche Ziele das Studium der alten Sprachen voraussehen. Dem Nachweis der geistigen Güter, die uns dieser zu bringen vermag, war der Hauptteil des Abends gewidmet. Die Schulung unseres Den­kens. das die Erlernung einer fremden Sprache wertvoll macht, wird namentlich durch die Be­schäftigung mit einer so klar aufgebauten, in ihrer Formenlehre und ihrer Syntax von der unserigen so weit unterschiedenen Sprache ge­währleistet wie die lateinische oder die griechische es ist. Der Sinn für Geschichte und Quellen­studium wird nicht besser entwickelt werden können, als durch die Lektüre der griechischen und römi­schen Historiker. Dem Studium der EnUvicklung des Christentums und der Geschichte des deutschen Mittelalters kann man ohnö Kenntnis der alten Sprachen nicht nähertreten. Die Sprachen des klassischen Altertums sind überdies nicht tot, son­dern leben fort in den romanischen Tochter­sprachen, in dem groben Vorrat der deutschen Sprache an Lehn- und Fremdwörtern, in sehr vielen unserer üblichen Vornamen, in der wissen­schaftlichen, zumal der naturwisfenschaftlichen Ter­minologie und in der Sprache des katholischen Gottesdienstes. K.

ren. Da6 Ergebnis der Umfrage wurde den Hörern auf Karten hlr die einzelnen Wildarten im Lichtbild vorgeführt. Solche Karten existie­ren heute für Rot-. Dam». Schwarz-, Auer-. Birk- und Haselwild, Fafan und Trappe. Sie wurden der Oefsentlichkeit durch ein Merkblatt der Gesellschaft zugänglich gemacht. Dagegen lieft die Verschiedenheit der Rehwildbestände in nahe beieinander liegenden ©ebic en eine Zusammen­ziehung der Angaben in einer Karte als untun­lich erscheinen. Interessant ist, daft das Rotwild zwar gegen früher allenthalben stark zurüdgegan- gen ist, daß aber feit der Rachkriegszeit eine Zu­nahme sestzustellen ist. Die Gesellschaft arbeitet z. Zt. mit Erfolg an Mitteln zur Verhütung von Rotwildschaden, um so unser edelstes, aber kulturfeindliches Wild zu erhalten. Vermehrt haben sich auch die Sauen, vor allem im deut­schen Westen durch Zuzug aus dem sauenreichen Frankreich in der Kriegszeit. D e .fkiteseilig stark auftretende Schweinepest scheint sich totgelaufen zu haben. Bei Auerwild dagegen ist ein Rüd- gang trotz ausschließlichen Hahnenabschusses un­verkennbar, während das Birkwild sich als äu- fterst unstet erweist, bald aus einzelnen Revieren verschwindet, um in anderen neu oder wieder aufzutauchen. Eine Zunahme zeigt dagegen der Fasan, seitdem ihm wieder mehr Pflege zu­teil wird. Gleichbleibend ist trotz aller Schonung der Bestand an Haselwild, das nur im Westen und äufterften . Osten auftritt. Von Raubwild, das die Rutzwildbestände beeinflußen kann, kommt vor allem der Fuchs in. Frage. Der Redner ist kein Freund seiner rücksichtslosen Bekämpfung, wenn er auch glaubt, daft seine Bedeutung als Mäusejäger und Verbesserer der Art bei Rutz- wild durch Wegfongen schwacher und kranker Stüde überschätzt wird. Er kann sogar bei man­chen Krankheiten durch Verschleppung verseuchten Fallwildes zum Seuchenverbreiter werden, Unterstützt wurden die Ausführungen noch durch Vorführung von Schallplatten, die das Röhren des Brunfthirsches und das Geheul des WolfeS Wiedergaben.

Der zweite Teil des Vortrages galt der W i 1 d h e g e. Ihre Kenntnis und Durchführung kennzeichnet den Weidmann. Sie seht voraus, daft er alle Hauptgebiete der Iagdkunde in ihren Grundzügen kennt und daft er sich bet der Iagdausübung von den Geboten der Sittlichkeit leiten läftt, um dem Wild alle Qualen zu er­sparen. Alte ungeschriebene Gesetze der Weid- gerechtigkeit mahnen ihn: Sprich das Wild vor Abgabe des Schusses sorgfältig an! Schieße nicht auf übermäßige Entfernungen! Halte gründlich Rachsuche, auch wenn der materielle Wert des Wildes gering ist! Zur Rachsuche gehört der gute Hund Wer Ihn nicht führen kann, verdient ihn nicht. Wer ohne Hund jagt, verdient nicht den Ehrennamen des Weidmannes. Vielfach kann beobachtet werden, daß Revier­inhaber vom besten Willen zur Pflege ihrer Wildstände beseelt sind, sich aber in der Wahl der Mittel völlig vergreisen. Die Gesellschaft für Iagdkunde vertritt den Standpunkt, daß bei richtiger Behandlung die Wirtschaftlichkeit eines Reviere- bet aller Rüdsicht auf die Boden­kultur wesentlich gesteigert werden kann, und sie betrachtet es in der heutigen Zeit geradezu als eine Rotwendigkeit. Der Dilettantismus auf diesem Gebiet ist z.T. so ungeheuerlich, daft er mehr schadet als alles Wildererium. Durch Festlegung der wichtigsten Grundlagen in Gestalt von Merkblättern ist sie bestrebt, jedem Jäger die nötigen Hilfsmittel an die Hand zu geben. Sie enthalten die Behandlung der Abschuftfragen (Reh-, Hasen-, Rebhuhn-Abschüßmerkblatt), der Wildfütterpng, der Geweihbildung, der Wild­verwertung u. a. m. An ihrer Abfassung ist zum Teil auch Geh. Rat Prof. Dr. Olt- Gießen beteiligt; einzelne Punkte daraus würden ge­streift. So empfiehlt der Redner wärmstens das Aussehen von Fasanen als wirtschaftlich lohnend. Allerdings sind nur Tiere aus wilden oder halbwilden Fasanerien geeignet. Er warnt da­gegen vor dem Aussehen von Hasen. Es besteht die Gefahr der Seucheneinschleppung. Sind die Hasen aber gesund, so sind bei uns selbst vie­lerorts so viel Seuchen aufgetreten, daß die im Gegensatz zu den seuchenfest gewordenen ein­heimischen Hasen eingeführten Fremdlinge der Ansteckung ausgesetzt sind. Man soll lieber die einheimischen Bestände pfleglich behandeln, um ebenfalls Erfolg zu erzielen. Alle Wildarten der Riederjagd leiden vor allem am Mangel an Deckung. Heute verschwindet jede Hecke; jeoeS Stückchen Unland soll genutzt werden. Wenti

jahrhundertelang in der Landwirtschaft tätig ge­wesen waren. Roch eine andere schwere Sorge drückt den katholischen Teil der Donaudeutschen, die Befürchtung einer Entfremdung der ihnen Lebenselement bedeutenden Religion durch die vom Papst bestätigte Einführung der altslawi­schen Kiiichensprache. Zutritt der Deutschen zu den katholischen Priesterseminaren itfl ihre spe­zielle Forderung. Mit Den deutsch-evannelifchen Vevölkerungskreisen stimmen sie überein in dem Verlangen nach nationaler Selbstbestimmung und kultureller Selbstverwaltung nach einein wohl­wollenden Gewährenlassen seitens der Regierung und einer angemeßenen Bei st euer wie in Est­land. Seit etwa 6 Wochen ist jedoch ein erfreu­licher Umschwung zum Bestem eingetreten. Bei den vor 3 Wochen ftatfgeftabten Wahlen der Sölbstverwaltungslörper forderte die serbische Partei die Deutschen zu einem Wahlkompromift auf, der von den Deutschen als taktisches Hilfs­mittel gewertet und angenommen wurde. Doch scheint auch eine sachliche Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen. Jedenfalls wurde der Kulturbund "it in der

sind. Größere Ansiedlungen von Deutschen finden sich im Banat und in Slawonien. In Bosnien haben sich sogar regelrechte Deutschinseln ge- bilöet, wo die Deutschen in geschlossenen Siede- fungtfh zusammen wohnen; in der Woywodschaft zwischen Theiß und Donau machen sie gar ein Drittel der ganzen Bevölkerung aus. Die Gesamtzahl der in Jugoslawien lebenden Deut­schen ist allerdings leider nicht einwandfrei sest- zustellen, da einerseits die jugoslawischen Bolts- zählungen überhaupt als ungenau abge.'tfjnt wer­den müssen und andererseits infolge Einseitigkeit der ZählungSmethode, sowie durch Fahrlässig­keit oder ünorientiertfteit der Bevölkerung selbst Viele der in den früher zu Ungarn gehörigen Gebietsteilen wohnenden Deutschen als Ungarn registriert sind. Doch wird man nicht zu hoch greifen, wenn man ihre Zahl auf etwa 700 000 anseht. Die ersten Einwanderungen von Deut­schen gehen ins 12. und 13. Jahrhundert zurück, doch scheinen die jetzigen Siedelungen aus den Zeiten Prinz Eugens, der Maria Theresia und Josephs H. zu stammen. Zwischen den Jahren 1717 bis 1820 sind ungefähr 12 000 Familien eingewandert und haben unter unsäglichen Mühen das Sumpfland kultiviert. Fieber, Entbehrungen und andere Krankheiten forderten zahlreiche Opfer, so daß der Volksmund ganzeSchwaben­friedhöfe" nennt. Die allgemeine Bezeichnung für die Deutschen warSchwaben", obwohl die meisten aus Hessen, Elsaß und Thüringen stammen. Jedes Dorf hat noch heute feine eigene Sprechweise, die an die ursprüngliche Heimat erinnert. Die dortigen Deutschen wehren sich gegen die Be­nennung .fremdsprachliche Fremde" und fordern Anerkennung als bodenständige Bevölkerung. Ihre Beschäftigung beschränkt ''ich vorwiegend auf Landwirtschaft und Mühlenindustrie, und nur

Hessische Vereinigung für Volkskunde.

Metropolitan Lic. Dr.Soctfe: Ler Humor des Volkes.

Auf Einladung der Hessischen Vereinigung für Volkskunde sprach in der Universität Metropolitan Lic. Dr. Werner Boette aus Marburg über den Hstmor des Volkes. Der Vortragende hat das Thema bereits früher in literarischem Zusammen- bang behandelt, in der solkloristischen Studienreihe Aus einer vergessenen Ecke". Unter Verzicht auf historische ober etymologische Entwicklung des Be­griffs Humor gab der Redner im ersten Teil seiner Ausführungen eine Charakteristik vorn Ideallypus des echten Humoristen, und zwar des Humoristen im Ichlichten Volke; nur um den Humor des gemeinen Mannes, vorzüglich der Landbevölkerung, handelt es sich in diesem Zusammenhang. Es würden die Beziehungen des Humors zur Moral und Religion dargeleat, und hieraus die Betrachtungsweise urtb Weltansicht des Humoristen abgeleitet. Auch^ die mannigfachen Spielarten des humoristischen Tem­peraments wurden gestreift. Anschließend hieran beschäftigte sich der Redner mit der Beantwortung der Frage, welche Zustände und Begebenheiteit der Humorist wahrnehme und verarbeite. Unter Hin-

beiten sich daher keine Bauern im Baltikum an. denn der Landmann wanderte noch nicht über See aus. Preußen wurde in einem Helden­karnpf sondergleichen von 1233 bis 1300 von dem deutschen Orden unterworfen. Auch Westprrußen, das damals zu Ostpommem gehörte, wurde er­obert. 1310 kam Danzig in die Hand der Ritter. Das Land wurde in kurzer Zeit germanisiert. In Mecklenburg. Sommern und Schlesien haben die slawischen Fürsten sich sehr schnell eingedeutscht und ihr Land dem Deuischtum erschlossen. 'Die Slawen werden nicht vernichtet, aber in die un­fruchtbaren Landstriche zurückgedrängt. Auch hier entstehen zahlreiche Rittersitze, Dörfer und Städte, so in Mecklenburg 50. in Pommern 72, in Schle­sien 63. Auch in Böhmen haben sich an den Rän­dern zahlreiche Deutsche im Waldgebiete ange- siedelt. doch finden sich auch im Innern deutsche Sprachinseln. In Polen hat das starke Rational- gesühl verhindert, daß die Deutschen zzir herr­schenden Macht wurden. Doch sind zahlreiche deutsche Dörfer, deren Einwohner leider später polnisch geworden sind, und fünfundzwanzig deutsche Städte entstanden.

Ebenso ist es in Ungarn nur zur Entstehung von Stadt- und Bauerngemeink^n gekommen, so in Siebenbürgen und der Zips. Die deutschen Siedelungen im Banat sind erst 1783 entstanden. Von Erfolg ist die Kolonisation nur da gewesen, wo Geistliche, Ritter'. Bürger und Dauern zu­sammensied eiten. Dr. W.

Gesellschaft für Grd-und Völkerkunde Gießen.

Pros. Dr. Braun: Reisen und Studien in Lappland.

In der Reuen Aula der Universität sprach Pro^ Dr. Braun, Greifswald, der Direktor des Geographischen und des Instituts für Finnland- kunde der dortigen Hnioerfität, über seine Rei­sen und Studien in Lappland. Lapv- land ist ein weiter Raum in Rordskandinavien und Finnland, der vpn Lappen bewohnt ist und der Renntierzucht dient; er tff ein Rückzugs­gebiet des Volkes und darum wie alle_ der­artigen Räume auf der Erde schwer zugängrg. Das sehr kontinentale Klima, die Mückenplage der heißen Sommer, die Sümpse, im Winter Kälte und Schnee hindern den Zutritt und das Ein­dringen der Kultur. So reist man denn auch noch im Sommer meistens mit Boot aus den Flüssen, mit Pferde- oder mit Trägerkarawanen, im Winter mit Renntierschlitten, doch ist diese Zeit natürlich für wissenschaftliche ilrtteriudjun- gen nicht verwendbar.

Große landschaftliche Schönheiten im land­läufigen Sinn sind in Lappland im allgemeinen nicht vorhanden, det Reiz des Landes besteht in seiner Einsamkeit, in der Klarheit seiner Lüft und seinen bunten Farben, die besonders im Herbst ausleuchten. Immer wiederholen sich einige einfache Landschaststhpen, der. lichte Flechten­heidewald mit silbergrauem Renntiermoos am Boden und vereinzelt stehenden Kiefern, die unendlichen Moore, besonders weit verbreitet die Birkenwaldsteppe mit bis mannshohen Dir­ken, die im Herbst goldig aufkeuchten, während die mit Zwergbirke überzogenen Moore rot er­glühen; darüber die ganz kqhlen Tunturi mit ihren runden Formen. Wirklich großartig ist der Gebirgsrahmen der skandinavischen Außen­seite, der 1000 bis 1500 Meter Höhe erreicht.

Der Universität Greifswald ist bei der Reu­organisation der Auslandstudien in Preußen, wie sie der jetzige Minister Decker inauguriert hat. als einer ehemals schwedischen Hochschule die Pflege der Verbindungen mit dem Äörhen 3U- gefallen. In diesem Rahmen wieder hat sich der Redner, der die »Nordischen Saaten" vor zwei Jahren in einem grundlegenden Werk wirtschaftsgeographisch darstellte, der Erforschung Lapplands gewidmet. Die Fragen, die zu lösen sind, liegen aus dem Gebiete der Morphologie, betroffen dabei die Entstehung des skandinavi- schen Gebirges und das Ende der Eiszeit. Von allgemeinerem Interesse ist die Erscheinung des Roniadismus der Lappen, den der Redner aus dem Zwang erklärte, den Wanderungen des Renntiers zu folgen, das durchaus ein noch halb wildes Tier fei. Da nun Lappland auf drei Staaten aufgeteilt ist. und die Wanderungen hin und her über die Grenzen führen, zeigen sich schwere zwischenstaatliche Probleme, die durch ein sorgfältiges Vertragswerk der Beteiligten ihrer Lösung zugeführt werden müssen. Mit einer eingehenden Schilderung des Lebens der Lappen schloß der Vortrag, der von eindruckSvvUen Lichtbildern begleitet war und von den zahlreich erschienenen Hörern sehr beifällig aufgenommen wurde.

scheint auch ausgeschlossen. Jedenfalls wurde der su wieder erlaubt, der Religionsunlerrich Muttersprache wieder eingeführt und oberen Klassen sogar fünf deutsche Stunden ein­gelegt. Siner Zeitungsmeldung zufolge soll sogar Stephan Kraft als Handelsmmister vorge chlagetz worden fein. Wie dem auch sei, hoffen wir, daß das erwachende Kulturgewissen und Die wachsende Einsicht der Staatsmänner diesen erfreulichen Wandel weiterhin bestehen lassen wird. Ist einigen Beispielen zeigte hierauf der Redner die Hoch­achtung des Serben vor deutschem Fleift und deutscher Tüchtigkeit. Das deutsche Vaterland hat Ursache, stolz zu fein auf seine Sohne im fern eit Osten Europas. Anhaltender Beifall bann*

Verein für das Deutschtum im Ausland.

Dr.Gratzl: Jugoslawien und seinDeutschtum

Einen hochinteressanten Vortragsabend über das ThemaJugoslawien und s s i n Deutschtum' veranstaltete der Verein für das Deutschtum im Ausland, Ortsgruppe Gießen, im großen Hörsaal der ilnioerfität. Es war gelungen, als Redner ein Mitglied, der' deut­schen Fraktion im Parlament zu Belgrad, Dr. Georg Grafts, zu gewinnen, der nicht nur durch Geburt, sondern auch aus Ueberzeugung, feit Langer Zeit ein treuer Verfechter des Deutsch­tums in Jugoslawien ist und sowohl durch Be­gründung des schwäbisch-deutschen Kulturbundes 1920, als auch durch eine Reihe politischer Schrif­ten diese seine Gesinnung bekundet hat. Ist an­schaulicher Weise gab der Redner zunächst ein Bild der geistigen und seelischen ilntoctt der in Jugoslawien wohnenden Deutschen, indem er aus­führte. daß das Königreich Jugoslawien durch­aus nicht als eine Zufallschöpfung des Weltkriegs anzusvrechen sei. sondern das Sehnsuchtsziel langer Jahrhunderte bedeute, das sich auf politische Zusammenfassung und innere Wiedergeburt aller von Serben bewohnten Gebiete gerichtet habe. Denn wenn auch dieser neue Staat Serben, Kroaten, Slowenen, Bulgaren und noch andere Völker umfaßt, so gehören sie doch alte den Südslawen an. deren geistige Oberschicht die Ser­ben sind, die heute auf dec Hohe ihres epischen Heldenzeitalters stehen, was Volkslied und Er­zählungen deutlich genug beweisen und aus diesem Gedanken heraus als die eigentlichen Schöpfer des jugoslawischen Staates anzusehen

weis auf die Unzulänglichkeit der literarischen und philosophischen Formulierungen beantwortete der Vortragende seine Frage dabin, der Humorist sehe das Unvollkommene in den Ereignissen und ihren Gegensatz zu der oorgestellten Idee. Kurz: in der Spannung zwischen Idee und Erscheinung ist das Wesen des Komischen begründet. Auch eine kantische Definition der Urteilskraft wurde herangezogen, und eine kurze Abgrenzung des Humors gegen die Erscheinungsformen von Ironie, Satire, Persiflage und Mystifikation gegeben. Beobachtungen über die Stosfwayl des Humoristen und das aufnehmende Puvlikum wurden mitgeteilt und unfeiner Reihe gutgewählter Beispiele erläutert. Die Frage, welche Horm humoristischer Geschichten das Volt bevor­zuge, führte zu einem Vergleich der deutschen Bauernschnurre mit dem altgriechischen Witz, die manche Ähnlichkeiten miteinander haben. (Trotzdem braucht man für diese Erscheinung w^der Entleh­nung noch. Motiowanderung anzunehmen, sondern einfache Wiederholung aus gleicher schlichter We­sensart.) Im allgemeinen liebt das Volk den kurzen Witz des Scharfsinns oder der Dummheit. Doch scheinen die knappen Geschichten, die den Bauern gefallen, nur kurz zu sein; tatsächlich setzen sie aller­lei beim Zuhörer voraus, gewisse Erfahrungen ober einen erläuternden Kommentar. Auch dieser Ab- schnitt wurde, wie der ganze Vortrag, reichlich mit Proben des Volkshumors zur Erläuterung des Ge­sagten durchsetzt. In einem weiteren Abschnitt be­sprach der Redner die Entwicklung und Veränderung gleichbleibender Stoffe in der Darstellung und stellte zur Verdeutlichung eine hessische und eine nieder­deutsche Fassung der gleichen Anekdote gegenüber. Am festesten bewahren sich in der Erzählung etwa eingesetzte Reime Der Redner schloß mit dem Hin­weis, der Humor des Volkes fei ohne Absicht, zu quälen ober zu verletzen, er sei harmlos. Satire und Ironie kennt das Volk zwar auch, weiß aber den Humor wohl davon zu scheiden; die religiöse Wur­zel bäuerlichen Humors bestimmt seine Grenzen und seinen Respekt vor dem Ernst des Lebens.

Rach einer kurzen Diskussion wurde die sehr bei­fällig aufgenommene Veranstaltung geschlossen.

Gberhesiischer GesMchisverein. Priv.-Doz. Dr. Varftcs:Die Kolonisation des deutschen Lstlandes".

In der letzten Versammlung des Vereins hielt Priv.°Doz. Oberftudiendirektor Dr. Bar­ges einen Vortrag über die Kolonisation des deutschen Ostlandes, in dem et lichtvoll und klar und die Zuhörer bis zuletzt fesselnd, etwa folgen­des ausführte.

Durch die wunderbare Tat der Kolonisation des deutschen Ostlandes ist es dem deutschen Volk wenigstens teilweise gelungen, Gebiete wieder für sich zu gewinnen, die schon in der Bronzezeit von Germanen besiedelt waren. Erst nach Abzug Ser deutschen Stamme haben sich die Slawen im Lande links von Elbe und Saale, in Schlesien, Böhmen und in der Main- und Regnihgegend niedergelassrir. Karl der Große hat die Elb- und Saaleslawen feiner Oberherrschaft unterstellt, die Mainwenden deyr Reiche einverleibt, aber erst im 10. Jahrhundert findet eine Reubesiedelung deS Landes statt. Dom Main zogen dann deutsche Siedler ins Egerland, das erst 1322 an Böhmen verpfändet wurde. Kirchlich gehörte es bis 1787 zu Regensburg, Heinrich I. unterwarf Daleminzier und Milzener, Otto !. die Sorben, und Gero und Hermann Billing dehnten die deutsche Herr­schaft bis zur Warthe und Oder aus. 983 gingen aber alle diese Vorteile verloren. Die Wenden warfen das deutsche Joch ab. In dem treu ge­bliebenen Sorbenland beginnt die Besiedlung im 12. Jahrhundert. Die Deutschen siedelten friedlich neben den Serben. Erhalten haben sich die Wen­den im Spreewald.

Seit Lothar beginnt ein neuer Vorstoß gegen die Äldslawen. Albrecht der Bär, Adolf von Schaumburg-Holstein und Heinrich der Lowe un­terwarfen Brandenburg, Wagrien und Mecklen­burg, und siedelten deutsche Ritter, Bürger und Bauern an. Die Slawen wurden meist vernichtet oder in weniger fruchtbare Gebiete gedrängt. Ost-Mecklenburg bleibt wendischen Fürsten, die Heinrichs Lehnsleute werden. Blutiger sind die Kämpfe mit den Ureinwohnern in Livland und Preußen. Das erstere Land wird am Ende des 12. Jahrhunderts entdeckt. Um 1200 begründet hier der Bischof Albert von Appeidern den deut­schen Staat Livland, der 1207 zum Reichslehn erklärt wird. Stützpunkt wird die neu angelegte Stadt Riga. Der Schwertorden, den Albert schuf, vereinigte sich 1237 mit dem deutschen Orden. 1307 wurde Estland erobert, wo schon die deutsche Stadt Reval entstanden war. Leider könnte das lithauische Samogifien, das Preußen und Liv­land trennte, nicht unterworfen werden. Es sie-

Verbreitung und hege unserer wichtigsten Nutzwftbarten

Ueber dieses Thema sprach Geh. Rat Dr. phil. Ströse , ehrenamtlicher Geschäftsführer der Gesellschaft für Iagdkunde in Berlin-Zehlendorf, im ..Hubertus, Verein weidgerechter Jäger", Sitz Gießen, vor zahlreichen Zuhörern. Der Vortragende berichtete im ersten Teil seiner Aus­führungen über das Ergebnis einer Umfrage, die die Gesellschaft in den Jahren 1925/26 an alle jagdlichen Vereine, Forstbehörden usw. richtete, der Banat kennt eine gesunde soziale Gliederung mit seinem wohlhabenden Bürgerium. Zwei Jahre dauerte es, bis die formlofe Masse der deutschen Bevölkerung nach den Keulenschlägen des Welt­krieges erwachte und ihr Schicksal selbst in die Hand nahm. Die Frage, ob die Gründung einer eigenen politischen Partei oder Angliederung an eine schon bestehende slawische zu bevorzugen sei, wurde zugunsten der ersteren entschieden und Dr. Kraft zum Führer gewählt. Die beiden großen Organisationen: der im Juni 1920 gegründete schwäbisch-deutsche Kulturbund, sowie der mit ihm Hand in Hand arbeitende Deutsch-schwäbische Kulturverband haben sich die Zusammenfassung aller in den Dvnauländern wohnenden Deut­schen zum Ziel gesetzt und auf ihre Fahne ge- schrieben:Vaterglaube, Heimat, Muttersprache." Anfangs fand die Staats- und Heimattreue der Deutschen in Jugoslawien volle Sympathie bei der Regierung. Doch trat bald eine Wendung ein, die Unterdrückungen aller Art, politische, ethische und wirtschaftliche, im Gefolge hatte. An Stelle der Selbstverwaltungskörper wurden staatliche Beamte mit absolutistischen Machtbefug­nissen ausgestattet, eingesetzt, die Gemeinde­schulen verstaatlicht, die deutschen Schulen ganz aus gehoben, und ihr Vermögen eingezogen. Die Schrckbehörden bestimmen höchst selbstherrlich über das geistige Schicksal der Kinder, oft sogar ent­gegen dem Willen der Eltern. Ein schwerer Schlag war die Aufhebung deS schwäbisch-deut­schen Kulturbundes, angeblich als Repressalie wegen der unwürdigen Behandlung der Slo­wenen in Kärnten. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet traf die Deutschen ein harter Schlag von dem an die Kleinbauern verteilten großen Latifundienbefey erhielten die Deutschen nichrs. obwohl doch gerade sie als Arbeiter und Pächter