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das Gesetz geändert werden. Die Richter haben alles getan, aus der Krise herauszukvmmen. Des­halb gebührt ihnen ein Dertrauensvotum. «Beifall rechts und in der Mitte.) Wir treten für die Sunultanzulassung der Rechtsanwälle nur in solchen Fällen ein, wo die Rechtsprechung da­durch nicht in Gefahr gerät. Die Ehenot sehen auch wir, aber mit dem Wegfall der wirtschaft­lichen Schwierigkeiten werden auch die Eheschei- dunasgründe Wegfällen. Die Erleichterung der Ehescheidung widerspricht unserer christlichen Ethik, die mit der natürlichen Ethik in Einklang ist. Diese Erleichterung der Ehescheidung wirkt zu ungunsten der Frau. Die Schematisierung der Großstadtmoral lehnen wir ab. 3n sozialer Be­ziehung wollen wir gern an Verbesserungen Mit­arbeiten. Aus der Rentnerfürsorge muh z. B. ein Rechtsanspruch werden.

Länder, von denen Gebietsteile beseht sind, hoben einen Anspruch darauf, daß ihre Sleuer- krast vom Reich wiederhergesteut wird. Die Gnade des Finanzausgleichs genügt nicht. Dos befehle Gebiet duldet nicht, daß feine Bewohner kulturell und in ihrer Steuerkraft hecuuterkommen. An die Regierung richten wir den dringenden Appell, alles ;u tun, damit die deutsche 3ustizhoheit im besetzten Gebiet wiederhergeskellt wird.

Abg. Dr. Kahl (D. Dp.) Die Angriffe gegen Staatssekretär 3 o ei persönlich bedauern wir tief. 3m Ausschuh hat man ihn sogar als eine Gefahr für die Republik bezeichnet. Konstru­ieren Sie (nach links) doch nur nicht so viel Gefahren für die Republik. Llebrigens hat Staats­sekretär 3oel oft genug Beweise seiner abso­luten politischen Zuverlässigkeit ge­geben. Das Thema von der Vertrauenskrise fängt an. l a n g w e l l i g zu werden. Das 3ustizmini- sterium darf in die Rechtsprechung gar nicht ein- greifen, und vor Verallgemeinerungen sollte man sich hüten. Meine Sorgen richten sich übrigens Szu große Milde, z. B. bei Kindermih- ungen. 3ch bin kein Llnitarier. aber ein U ebergang der 3ustizhoheit von den Ländern auf das Reich ist unbedingt not­wendig. 3n Verwaltung und Gesetzgebung sind wir zu Entgegenkommen an die Länder bereit, aber die 3ustiz muh unbedingt vereinheit­licht werden. £ür die grohe Strafrechtsreform ist es Zeit, endllch die aeschäftSordrtungsmähigen Vorbereitungen zu treffen. Die Ehescheidungs­reform ist noch nicht reif für die Behandlung im Plenum. Richt leugnen kann man aber die tiefe Kluft zwischen Recht und Geschehen. (Un­ruhe im Zentrum.) 3ch rufe die wahrheitsliebende, ihrer Verantwortung bewußte Presse auf zum Kampf nicht gegen, sondern für die deutsche 3 u st i z. (Beifall bei der D. Vp.)

Abg. Dr. Rosenberg (Konrm.): Man hat iuiS gefragt, ob wir nicht auf den Boden der Erfassung treten wollen, dann könne das Reichs­gericht uns freundlicher behandeln. Ein solches Versprechen können wir nicht geben, denn der ganze Vorschlag ist verfassungswidrig. W i r bleiben die Alten. Der Redner bleibt bei der Behauptung, dah Kommunisten nur wegen ihrer Lleberzeugung verurteilt würden.

Staatssekretär 3oel erklärt, Sprengstoff sei zentnerweise entwendet und Hand- granatenfabriken übergeben worden. (Zuruf bei den Kommunisten: Wo war das?) 3n Baden, z. D. beim Lörracher Aufstand. Von den Ham­burger Vorgängen habe der Abg. Korsch selbst zugegeben. daS wäre eine Revolution ge­wesen. (Lärm bei den Kommunisten.) Das Reichsgericht trete den Komnrunisten durchaus vorurteilslos gegenüber. 3n wellest em älmfang habe es ihnen den politischen Charakter ihrer Tat zugebilligt. Kein Staat könne dulden, dah an seinem eigenen Ruin gearbeitet werde.

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f Die Groh-Hamburgfrage.

Ministerpräsident Brann im Preußischen

Landtag.

Berlin, 23. Febr. 3m Preußischen Land­tag wurde die Beratung der Gesetzentwürfe über die Groh-Ha mburg-Frage mit einer län­geren Red« des Ministerpräsidenten Braun ein- gelellet, in der er gegen die Rede des Ham­burger Bürgermeisters Petersen polemisierte und crllärte, es handle sich nicht darum. Hamburg in Preuhen einzuverleiben, sondern hamburgische Cxpansionsbestrebungen gegen Preuhen zurück­zuweifen. 3ch habe bereits mehrfach erklärt, führte der Minister aus, dah Preuhen gar nicht daran denkt, auf irgendwelche Kleinstaaten einen Druck auszuüben, um sie zur Aufgabe ihrer Selbstän­digkeit zu veranlassen und ihren Anschluß an Preußen zu erzwingen 3ndessen steht die preu­ßische Regierung auf dem Standpunkt, dah 6tefc Länder, wenn sie sich ihre staatliche Selbständig« kell erhalten wollen, in Zukunft nicht mehr dar­auf rechnen können, dah ihnen Preuhen diejenigen Einrichtungen zur Verfügung stellt, die sie sich aus eignen Mitteln nicht erhalten können. Preuhen ist daher auch nicht bereit, es sei denn, dah ihm gleichwertige Gegenleistungen ge­währt werden, preußisches Gebiet an solche Klein­staaten abzutreten, um sie in ihrem selbständigen staatlichen Eigenleben zu stärken. Kommt die Bevölkerung dieser Staaten unter solchen Um­ständen schließlich zu der lleberzeugung, daß es für sie zweckmäßiger ist, fichPreußenanzu- schließen, so wird Preußen sich dem nicht versagen. Auch mir scheint der deutsche Ein­heitsstaat. besonders im Hinblick auf unsere Verarmung, ein erstrebenswertes Ziel. 3ch stehe auf dem Standpunkt, daß Preußen, das etwa drei Fünftel des Reiches darstellt, in seiner Ge­schlossenheit und Größe unbeeinträchtigt aufrecht erhalten werden muh, da es zweifellos den Kern für einen deutschen Ein­heitsstaat bilden wird, wenn dieser einmal Wirk­lichkeit werden sollte.

Ministerpräsident Braun (fortfahrend): Wenn der Hamburger Bürgermeister nun ober gar er- Härt, das Ziel Preußens gehe dahin, Hamburg zum Aufgehen in Preußen zu zwingen, so entspricht auch das keineswegs den Tatsachen. Der Hamburger Senat hat in einer Denkschrift nm 7. April 1919 ^gesamt an preußischen Städten und Landge­meindegebieten eine Fläche von 137 238 Hektar mit rund einer halben Million preußischer Pewoh- iier verlangt. (Hört! Hört!) Das hätte die Vergröße- nmg Hamburgs um 190 Prozent an Fläche und »3 Prozent an Einwohnern bedeutet.

Innenminister Grzefinski betonte, daß nach dem Scheitern oller Derständigungsverhandlungen mit Hamburg die Stoatsregierung es als ihre selbst- oerständliche Pflicht ansehc, nunmehr mit eigenen Mitteln und an« eigener Kraft den preußischen

Randgemeinden im Unterelbegebiet soweit wie mög­lich zu Helsen. Die Slaatsregierung könne die Ver- antmortung für eine solche Lösung aber nur über­nehmen, wenn Gewißheit darüber bestehe, dah andere Gemeinden sich auf diesen Vorgang nicht be­rufen können.

3n der Aussprache erklärt Abg. M i l b e r g tDn.), die Rede des Hamburgischen Bürger­meisters Petersen habe außerordentlich störend gewirkt. Dankbar sei seine Partei dem Minister­präsidenten für die Betonung der preußischen Belange. Abg. Kriege (D. Bp/! erklärt, daß seine Fraktion, die an sich in der Opposition stehe, sich in diesem Falle hinter die Regierung stellen wolle. Rach weiterer Aussprache wurde die Borlaae einem besonders gebildeten Groh- Hamburg-Ausschuh überwiesen. Bei fren zwischen­durch erfolgten Abstimmungen über die kommu­nistischen Mißtrauensvoten gegen die Minister Hirtsiefer und Dr. Becker wurde ersteres mit 224 gegen 47 Stimmen, letz­teres mit 210 gegen 194 Stimmen abgelehnt. Rachdem noch der Entwurf über die neue Grund* und Gebäudesteuer dem Hauptausschuh über­wiesen worden war. setzte das Haus die Beratung des Haushalts der landwirtschaftlichen Verwal­tung fort und vertagte sich dann auf Donnerstag.

Aus dem Finanzausschutz des Hessischen Landtags.

Darmstadt. 23. Febr. Der Finanzaus­schuh beendete die erste Lesung des Grund- steuergesehes. Beanstandungen und Be­mängelungen zu einzelnen Artikeln wurden von der Regierung beantwortet und erledigt. Bon den einzelnen Fraktionen wurden Abänderungs­anträge bis zur zweiten Lesung in Aussicht ge­stellt. Zu Artikel 19, Absatz 2 legte die Regierung folgende Abänderung zum Grundsteuergefetz vor: Die Regierung wird ermächtigt, statt des in Artikel 7 vorgeschriebenen Hauptfeststellungszeit­punktes einen früheren zu bestimmen und dieser Regelung die Borschriften dieses Gesetzes anzupassen." Cs folgte hiernach die erste Lesung de« Gewerbesteuergesehes. Kapitel 1 bis 12 wurden besprochen: Abänderungsanträge wurden auch hier bis zur zweiten Lesung in Aus­sicht gestellt. Zu Artikel 5 der Bestimmungen trifft, wer von der Gewerbesteuer befreit ist. wurde bezüglich der Befreiung der Spar­kassen von mehreren Seiten deren erhebliche Betätigung in bankmäßiger Weise beanstandet: sie sollten wieder aus ihre Tätigkeit in der Vorkriegszeit zurückgeführt werden.

Die Regierung widersprach dem Borbringen und erllärte hierzu, daß viele der hessischen. Sparkassen und die Girozentrale mit ihrer Tätig­keit sich von rein bankmähigen Geschäften ver­hältnismäßig am meisten zurückgehalten haben. Auch fand über die Frage der Befreiung der Konsumgenossenschaften von der Ge­werbesteuer eine eingehende Debatte stall. Zu Arllkel 11 legte die Regierung folgende Ab­änderung zum Gewerbesteuergesetz bei Artikel 34, Absatz 2, mit folgendem Worllaut vor: .Die Re­gierung wird ermächtigt, statt des in Artikel 11 vorgesehenen Hauptfeststellungszeitpunktes einen früheren zu bestimmen und diese Regelung den Vorschriften des Gesetzes anzupassen. Macht die Regierung von dieser Ermächtigung Gebrauch, so ist der Feststellung des Ertrags nach Art. 15 das Durchschnittsergebnis eines früheren Zeitraumes zugrunde au legen. Für das Rechnungsjahr 1927 ist in diesem Fall der Ertrag des Kalenderjahres 1925. für daS Rechnungsjahr 1928 der Durchschnitt der Ka­lenderjahre 1925 und 1926 maßgebend. Art. 15, Abs. 1, Sah 2 und 3, gilt entsprechend." Lieber Artikel 12 fand eine eingehende Aussprache statt, in deren Verlauf anderweitige Vorschläge über die Besteuerung des ermittelten Gewerbekapitals gemacht wurden. Bei der grundsätzlichen Dedeu- turig der gemachten Borschläge behält sich die Regierung ihre Stellungnahme bis zur zweiten Lesung vor.

Neue Lohnabkommen.

Berlin. 24. Febr. (Wolffbureau.) Für das Bankgewerbe wurde ein Schiedsspruch ge­fällt, der den Manteltarifvertrag bis zum 31. März 1928 verlängert. Für die gleiche Zeit ist eine Gehaltserhöhung von 7V, Prozent und für den 15. Dezember die Ausschüttung eines halben Monatseinkommens vorgesehen. Außerdem sollen Verbesserungen der Ueberstundenbezahlung und einige Aenderungen der Llrlaubsbestimmun- gen eintreten. Die Erilärungsfrist läuft bis zum 3. März. Der Schiedsspruch wurde von dem un­parteiischen Vorsitzenden allein gefällt, da sowohl die Vertreter der Arbeitgeber, als auch die der Angestellten ihn ablehnten.

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Die Abstimmung der Leipziger Me­tallarbeiter hat etwa 80 Prozent aller Stimmen für die Annahme des am 21. 2. in Dresden vereinbarten Vertrages für die Leip­ziger Metallindustrie ergeben. Die Aufnahme der Arbeit wird jedenfalls am Freitag er­folgen.

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3n einer Funktionärversammlung der Ber­liner Brauereiarbeiter wurde das An­gebot der Arbeitgeber, ab 1. 2. eine Lohn­erhöhung von 2.50 Mk. pro Woche zu be­willigen und ab 1. 7. bis 30. 9. eine weitere Zu­lage von einer Mark mit 146 gegen 104 «Stimmen angenommen.

Eine Kundgebung der deutschen Mittelschicht. Berlin, 23. Febr. (WTD.) Bei einer vom Reichsausschuh der Deutschen Mittelschicht veran­stalteten Kundgebung der verschiedenen Mittel­standgruppen. zu der sich zahlreiche Bertreter der Reichs- und Staatsbehörden eingefunden hatten, betonte der Präsident der Handwerkskammer. Luderst, die ungeheure wirtschaftliche und kul­turelle Bedeutung, d«e dem Mittelstand innerhalb der hart aufeinanderstoßenden wirtschaftlichen Ex­treme zukomme. 5ür das Handwerk sprach der Vorsitzende des Reichsverbandes des deutschen Handwerks. D e r l i n n - Hannover, der die un­bedingte Rotwendigkeit betonte, daß Reich. Län­der und Kommunen bei allen ihren Maßnah­men den Art. 164 der Reichsverfassung im Auge beb alten, der dem gewerblichen Mittelstand

Schutz verspreche. Der Vorsitzende des Reichs­schuhverbandes für Handel und Gewerbe, Lie- b a l d. forderte eine gerechte Steuerpolitik, die den felbstäirdigen Mittelstand vor Lleberlastung schütze. Pros. Dr Stein-Berlin forderte als Anwalt des Deutschen GenofsenschaftsverbanbeS

den wirtschaftlichen Zusammenschluß zur Wieder­gewinnung der Selbständigkett in der Genossen­schaft. Für den Haus- und Grundbesitz sprach der Borfihende des Zentralverbandes. Stadtrat D u n a r - München, der betonte, dah 80 Prozent des deutschen Hausbesitzes dem Mittelstand an- gehöre und daß die Wohnungswirt- schaftssrage vvr allem ein mittelständisches Problem sei. Dem Hausbesitz werde durch die Zwangsgcsetze im deutschen Wohnungswesen sein gutes Recht vvrenthalten.

Der Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken.

Berlin. 23. Febr. (WTB.) Durch das Gesetz über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken vom 1. 3uni 1926 war die gesetz­liche Miete bis zum 31. März 1927 a uf 100 vom Hundert der Friedcnsmiete be- grenzt. Rach § 3 dieses Gesetzes letzt die Reichs­regierung mit Zustimmung des Reichsrots die Mindesthöhe der gesetzlichen Miete im Reiche einheitlich fest. 3n Anwendung dieser Bestimmung hat das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf einer Ver­ordnung Augestimmt, wonach die gesetzliche Miete vom 1. April 1927 um 10 vom Hundert und vom 1. Oktober 1927 um weitere 10 vom Hundert erhöht wird. Die Verordnung geht sofort dem Reichsrat zu.

Aus aller Welt-

vor der Rückkehr des Kreuzer,Hamburg".

Der Kreuzer .Hamburg" hat leine Rück­kehr nach Wilhelmshaven für den zwan­zigsten März angekündigt. Das Schiff wird noch seiner Weltreise sofort aus der Marine-Werft in einer längeren Liegezeit gründlich überholt werden. Der Kommandant. Kapitän z. S. Dr.b. c. Groos. hak vom Präsidenten der griechischen Republik bei seinem Besuch in Athen daS G r o ß- kreuz des Erlöser-O rbens erhalten.

Das große Los.

3n der Preußifch-^uoaeutfchen Klassenlotterie wurde das große Los gezogen. Es fiel auf die Rümmer 239 783. Der Gewinn von 500 000 Mk. fiel in Abteilung 1 nach Essen, in Abteilung II nach Breslau. Zu den Gewinnern gehören Witwen, mittlere Beamte und Angestellte.

Das Urteil in dem Pariser Ordensschtebrr- prozeß.

Die Strafkammer in Paris hat das Urteil gegen die drei Angellagten gesprochen, denen zur Last gelegt wird, die Ehrenlegion bzw. den Titel.Auhenhandelsattache" gegen Geld 3 n- teressenten verschafft zu haben. Der Bürochef im Handelsministerium, Ruotte, ist zu drei 3ahren Gefängnis und 95 000 Fr. Geld­strafe verurteilt worden. Der Annvncenakquisi- ieur Dumoulin erhielt eineinhalb 3ahre Gefäng­nis und 120 000 Fr. Geldstrafe, und der Ge­neralsekretär einer Pariser Zeitung Chamuset ein 3ahr Gefängnis und 35 000 Fr. Geldstrafe.

Line dreiköpfige Familie unter dem (Elfe ertrunken.

3n dem Dorfe Z i 11 o w bei Schwerin war der zehnjährige Sohn des Lehrers Charmon zum Schlittschuhlaufen nach dem Langenbrüher 6ee gegangen. Plötzlich vernahmen die Eltern aus der Richtung des Sees Hilferufe. Der Vater eilte sofort zur Rettung seines Kindes herbei. Auch er brach ein und geriet unter daS Eis. Dos gleiche Schicksal traf auch die Mutter, als sie einen Rettungsversuch unternahm. Dor einigen 3ahren war die Tochter deS Lehrers in der Warnow ertrunken.

Eine Familie butd; Deckcnelnsturz begraben.

In Nothberg bei Aachen stürzte die Decke eines Hauses, an dem Bauarbeiten vorgenommen wur­den, nachts ein und begrub eine in dem darunter befindlichen Zimmer schlafende Familie. Zwei Kin­der wurden getötet, der Vater verletzt, während die Mutter unverletzt blieb.

Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 24. Februar 1927.

GewerbeausstellungGiehen 1927

Der Ortsgewerbeverein Gießen hielt am Dienstagabend eine Mitgliederversamm­lung ab, die in der Hauptsache der Genehmigung des Vertrages zwischen dem Volkshalle­verein und dem Ortsgewerbeverein: und der Festsetzung der AuSstellungS- bebingungen galt. Sowohl der Vertrag als auch die Ausstellungsbedingungen wurden mit einer lleinen Arnderung einstimmig genehmigt.

Rach dem Vertrag find die Arbeiten für die Durchführung der Ausstellung, die den Ramen Gewerbeausstellung Gießen 192 7" führen soll, zwischen den beiden Vereinen streng geschieden. 3eder Verein regelt das ihm zuge­wiesene Arbeitsgebiet selbständig. Der Orts- gewerbeverein übernimmt den rein tech - n i s che n Teil der Ausstellung, wie Zulassung zur Ausstellung, Plahanweisuno, Festigung und Einziehung der P.atzgebührcn, Bewachung u. a. m., während es Sache des DolksballevereinS ist, den allgemeinen Teil burck^uführen. Hierher gehören: die während der Ausstellung abzuhaltenden Vergnügungen, die Ausstellungs­lotterie. der Wirtlchastsbetrieb, die Herstellung des AuSstettungs-Katalvgs. die Beschaffung der Ausstellungsräume, die Beleuchtung u. v. a. Beide Vereine haben getrennte Kassen- und Rechnungs­führung und sind ausschließlich aus die ihnen einzeln zufallenden Sinnahmeonteile in ihren Ausgaben angewiesen. Die Ausstellung wird am Mittwoch. I. 3 u n i. also vor Pfingsten, eröffnet und dauert bis einschließlich Sonntag, 1 9.3 u n i.

Rach den Ausstellungsbedingun­gen wurden zur Ausstellung zugelassen:

a) selbstgefertigte Erzeugnisse des Handwerks und des Kunsthandwerts, außerdem Fertigfabri­kate. deren Verwendung durch handwerkliche Leistung vermittelt wird (z. B. 3nstallationsarbei- len aller Art). Ausstellungsberechtigt sind für Den ersten Teil der Ausstellungsgegenstände nur Gewerbetreibende, die ihren Gewerbebetrieb im Vollsstaat Hessen haben.

b) Maschinen, Werkzeuge. Betriebsmittel und Geräte des Kleingewerbes, die im Handwerk Verwendung finden, ebenso deren Verwendungs­art in praktischer Vorführung. Ausstellungs­berechtigt für diesen Teil sind ohne Einschrän­kung deutsche Hersteller. Firmen un6 Geschäfte, sowie sonstige Gewerbezweige durch Dorsührung der Herstellung ihrer Erzeugnisse.

c> Gewerbliche Fachschulen des Dolksftaates Hessen durch Vorführung ihrer Derkstätten- belriebe.

d) Erzeugnisse der Gartenbaubetriebe.

Die Anmeldung der Ausstellungsgegen­stände hat bis zmn l.März 1927 an Direktor Dr. Dunnlngs. Gießen, Gewerbehaus zu er­folgen. ES folgen weiter Bestimmungen über die Einlieferung der Ausstellungsgegenstände, über die Deriichnung derselben, über Bewachung. Rei­nigung unb Räumung der AusstellungSräume. über dos Schiedsgerichtsverfahren u. a. m.

Direktor Dr. B ü n n i n g s konnte mitteilen, daß die Ausstellungsflächen fast ganz vergeben sind; er berichtete außerdem übet den ilmfang der bis jetzt vorliegenden Anmel­dungen und ihre Verteilung auf die einzelnen Gewerbezweige. Aus seinen Ausführungen war au entnehmen, daß die Ausstellung etn ganz besonderes 3ntecesse wohl dadurch erhalten wird, dah einmal sehr viele Ausstellungsgegenstände, wie Töpferei. Schuhmacherei. Schneiderei. We­berei ufto. im Betrieb vorgeführt werden, zum andern kulturgeschichtlich interessante Zusammen­stellungen. z. B. die Entwicklung der Beleuchtung ufto., Platz finden sollen.

Fahrplanwünsche aus dem Busecker Tal.

Man schreibt uns: Dieser Tage sind aus den Dörfern des Busecker Tales zahlreiche Kinder für die höheren Schulen in Gießen zum neuen Schuljahre angemeldet worden. Die Eltern dieser Kinder beschäftigt nun die Frage: Wird der neue Sommerfahrplan der Reichs­bahn der Rotwendigkeit einer g ü n st l g e n Schülerbeförderung Rechnung tragen. - oder werden die üblen Zustande des Fahrplans aus dem Vorjahre wiederkommen? Für unser Tal lagen die Verhältnisse bisher so: 3m Som­mer beginnen die Gießener höheren Schulen ihren Unterricht 7,45 Uhr und endigen ihn 12,10 Uhr. Um zu Veginn der Schule rechtzeitig zur Stell« zu sein, muhten die Schüler auS dem Busecker Tal den Zug benutzen, der 6,20 Uhr früh in Gießen einlief. 85 Minuten mußten sich die Kinder vor dem Unterricht morgens nach 6 Uhr! in den Anlagen, im Bahnhof oder im .Auswärligen-Zimmeri' aushalten. Körper­liche, seelische und sittliche Gefahren sind damit verbunden gewesen. Jeder Einsichtig» mag sie sich durchdenken. Man sollte meinen, daß die Zusammenarbeit aller Beteiligten eine günstigere Beförderungsmöglichkeit schaffen könnte.

Genau so ungünstig lagen im letzten Sommer auch die Morgenzüge für Lehrjungen, Be­amte. Hausangestellte u.a. Der Frühzug ging zu früh, der zweite Zug zu spät. Es wäre prate tisch, wenn der zweite Frühzug nach Gie­ßen ab Grünberg ohne DetstärkungSwagen fahren würde. Es ist dringend notwendig, daß ein leich­ter Dampfzug eingelegt wird, der 7.20 Uhr vormittags in Gießen eintrifft. Er kann den Zug 7.50 Uhr an Gießen entlasten und Schüler. Lehrjungen. Hausbedienstete, Marktfrauen, einen Teil Arbeiter, Angestellte und Beamte recht­zeitig zu ihrer Beschäftigung in Gießen bringen.

Man würde eS begrüßen, wenn der Ber- kehrSbund Oberhessen sich dieser Sache annehmen würde.

(ES unterliegt Wohl keinem Zweifel, daß der Derkehrsbund gerne im Sinne dieser Zuschrift an zuständiger Stelle der Reichsbahn wirken wird. D. Red.)

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenrnarlt: Butter 150 biS 170, Matte 30 bis 35, Wirsing 20 biS 30, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 biS 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10. Spinat 30 bi- 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grün­kohl 20 bis 25. Rosenkohl 45 biS 50, Feldsalat 150 bis 200. Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 35 bis 50, Kartoffeln 6. Aepfel 30 bis 50, Birnen 15 bis 25. Hüffe 70. junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 biS 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 biS 140 Pf.: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 60 bis 140. Salat 35 bis 50. Endivien 80 bis 100, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40 Pf. das Stück.

Wettervoraussage.

Bei wechselnder Bewölkung Temperaturen wenig verändert und vorwiegend trocken, höchstens vereinzell noch leichte Riederschläge.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 7,2 Grad Celsius, Minimum minus 0,9 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: mlnuS 2,4 Grab Celsius.

Bornotizen.

Tageskalender für DonnerS- t a g. Gesellsibast für Erd- und -Völkerkunde: 8 , Uhr. Reue Aula, Vortrag. - Deutschnational« HandluicgSgehilfen-Verband. 8'-. Uhr, Kauf«. VereinshauS, Lichtbildervvrtrag. Lichtspiel­haus. Bahnhofstraße: .Den Hur". Astori» Lichtspiele: »Hool der Teufelsreiteri'.

Aus dem S t a d t t h e a t e r b u r e a« wird uns geschrieben: Auf die Aufsuhruna der Posse Gießen wird Großstadt" oder die .,A b e fi- teuer des Herrn Eusebius Nörgel­meier" am kommenden Sonntag sei nochmals ausdrücklich hingewiesen. Nach dem Eindruck, den sämtliche Mitwirkendc von den Proben haben, stehl ein lustiger und anregender Abend zu erwarten. Dazu werden nicht unwesentlich die hübschen Tanz- arrangements der Frau Lina O l d i n i und die Mu­sik, gesetzt von Herrn Kapellmeister Weller, bei­tragen.

Dom Konzertverein wird unS ge­schrieben: Am nächsten Sonntag. 27. Februar, findet das vorletzte Konzert in diesem Winter statt: Ein Chopin-Abend Prof Karl FriedbergS. Es bedarf für unsere Musil- kreisr keiner Dorstellung, da sie den Künstler von früher her kennen und fein schlechthin voll­endetes Spiel rwch in bester Erirmerung haben werden. Auch in der Pianistenzunft mit Fried­berg nicht nur als Berufener, sondern sogar als Auserwählter. Der Künstler ist erst in den letzten Wochen von einer großen Tournee durch die Bereinigten Staaten zuruckgekehrt und wird von hier aus nach Süd-Deutschland, Holland, Rord- und Ost-Deutschland gehen und rn größeren Städten, wie Hamburg. Berlin. BreSlau, kon­zertieren. Rach feiner eigenen Wabl toirb daS Programm ein ganz einheitliches, durchweg auf Chopin eingestelltes sein. Das verleiht ihm einen besonderen Reiz, well Friedbergs durch­geistigter und poesieerfüllter Bortrag die Wer« so zu Gehör bringen wird, wie man sie in gleicher Schönheit kaum vorher vernommen hat. Friedberg ist ein Apostel der Kunst und zweifri- los einer der ersten und vielleicht der intefr essantesten Pianisten der Gegenwart.

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