Mittwoch, 23. November [927
117. Jahrgang
Er. 274 (Erlitt Blatt
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Was bringt Genf?
Stochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten, von unterem Dr. v. H.-Berichterftatter.
Genf, 20. November 1927.
Zehn Millionen Inippen der Versailler Lieger- UiLchte stehen aus beiten Der besiegten Mittelmächte ganzen 2&UU0O Monn gegenüber (Fine Situation, Mr die 'Kotwendigkett <mer allacweinen Abrüstung Wahrhasttg ole unvermeidbar erscheinen labt! Irotz- lern geht et bei brr am .10.November beginnenden Logung der vorbereitendenAbrüstungO- tommissian bet vül kerdunde» wohl tuum um bie tatsächliche Abrüstung. sondern um bk formale Frage der Schaffung einer besonderen ,Sich«rheit»kommiffion. So will et Wenigsten» die Negie. bie so auch bestimmt bat, bafi bie Tagung bereit» am 5. Dezember zu Qrnbe geht, tun den «ischtiehenden Sitzungen bet Völker- bunbtrate» Platz w machen.
Et ist jebod) eine ossene Frage, ob die Kegle- mansche «ich erfüllen, benn zwei wichtige Faktoren, Amerika und Soroiet-9iufilanb können »och nicht in Rechnung gchellt werden.
Seit der letzten Session der Abrüstungskom- Mission im April diese» Lahre», dl« bekanntlich mit einem F,a»ko endete, hat sich manch«» oerandert. Trotzdem sich di« verhandlungcn bisher lediglich um
Methode und nicht um da» M a ß der 7iüswng»beschronkung gedreht haben, beftehen zwischen der englischen und der französischen Ausiasiung «nüberbrück da re Gegensätze. Der im April au», gearbeitete rohe Ronoentiontentmurl i>chrt bie bei- len Thesen in diametraler Gegensätzlichkeit nebeneinander aus und zeigt da leere Stellen, wo pater einmal die Abrün.mg.vlstrn für die einzei- mm (.«ander eingesetzt werden sollen.
Bon weittragender Bedeutung war ferner die Genfer Flottenkonseren z vom Mai diese» 3obre», bie wenigei al» man allgemein annahm, ün oem englischen Widerstand al» an der amerifanl* schen Prestiuepolltit der Bereinigten Staaten «chci- irrte. Dir Folge war ein orr stärkte» Flotte nrll sie n. über ba» die Beschränkung de» die»- jährigen enalischen »reuzerbauprogramm» von drei «ns ein» nicht Hinwegtauschen kann. Schon durch diese Dinge wuchs der begründete Pessimiemu» in km Urteil der össentlichen Meinung über den Erfolg einer allgemeinen Wellabrüstunaokonser.nz.
Eine weitere Verschlechterung der Situation krachte die Septembertagung de» Völkerbünde» Da deren Äritif an den stockenden 'Ibriiftung»o«rhandlungen In der Lust lag. batte der psychologisch geschickte, bekannte französisch polnische llorschlag der Schaffung eine» Sicherbeit»- lomitee« einen vollen Erfolg Dieser Sicherheit»- <u»id)ub. her die gleiche Zusammensetzung wie die rorbereiwnbe «brustuna»komn,isston aus weisen soll. |ol die ..für eine Abrüstung notwendige" vorhin- kne cidberbeiteflarantte zu prüfen, trotzdem Im September 1925 eindeutig feskoesetzt worden war. dof, die Abnistung auf der Bast» der bestehen- len Sicherheitsgarantien durch,uiuhren sei. Man Dünscht eine Atmosphäre zu schaff n. die weite. Oe n Sicherheltegarantien für den Besitzstand der Sieger, vor ollem für ein Oftlocarno günstig .st Die bevorstehende Tagung soll die Slnfetzung Hefe» Au.schusie» beschließen, die zweite Lesung de» -onventionsenlwurse» auf da» Fruhsahr verschieben 2nd den Beginn der Arbeiten de» Sicherheit»an». chufse» auf den Januar feftfehen. Bei der perso aellen Gleickbeit der beiden Kommissionen wurde kie» praktisch bie Sabotage der materiellen Ab- rüstungsverbandlimpen durch Sfcherbeit»bebatten be- -wüten. Diese Dinge müsten von deutscher Seite mit um fo größerer Aufmerksamkeit verfolgt wer Xn. al» bie Annahme de» 6i'berbelt»au»ld)' fles Zu ritz die deutsche Delegation da» Keich auch ü'einer Teilnahme an den Verhandlungen diese» Ausschüsse» »erpfllchtet. ,
Der erste Seg nstoß geien hefc» ÄomMon war der Protest de» Grafen 'Berni- darfs gegen eine Trdeblcbuni der zwerim Le- ■una bei 5tfnwentton»enlwurf c» über Ut btainnenbe Tagung hinaus — 3J"*1rr:,d KÜ 1<b vorläufig zurück und kündigte offwdi an. bap •eine Stellunanahme erst auf der T«igum, IdMt dekannrnegeden würbe. Man glaubt in Genf edoch Grund ,u der Annahme zu haben bah Me Veveinigten Staaten ebenso wie Deutsch an> die Verquickung zwi'chen Abrüstungs- und S cher- beittorobiem ab (ebnen und ?<? befchleumate Durchführung ber praktischen Arbeiten •ordern werden. Auch über die Taktik der Sow- letrussen lädt sich noch nichts sagen. 34 ist scdoch durchaus nicht unmöglich. tast die aus der gegen- tpdrtigen Tagung ?ertrrenm Alchtm tgl.edsstaa- •en des Bdlkerbundes also Ausland und bie U.S. A.. den ganzen Sicherste itsausfchuß als eine besondere Schöpfung des Völkerbundes anfeben anb Ihm deshalb fernNdbcn
Die bevorstehende Aeubefetzuna bei Leiters der Abrü stungif ektion tm edretarxit des Völkerbundes gennnnt ange'ichts d efer Fülle von Unflarbeücn und Komplstrerth eiten eine besondere Bedeutung. »ine neutrale und trotzdem sachlich befähigte Persönlichkeit ist schwer zu nnden. da Meter Posten von den verschiedenen Segnern als SkponeM ihrer eigenen Polilck in Anspruch genoetmen wird. '
Jedenfalls muf> sich auf der am y. Dovember beginnenden Tagung bet vvrberriten«n Ab- rüstungskommtssion ettoe fen ob
Amgen um eine praktische Lökung des Abruftungs- orvblems auf ein totes GleiS a schöbe-'- werden >der nicht. Wir sbehen am Wendepunkt, bie Gegner der Abrüstung glauben schon ge- ’iegt zu haben, aber bei eurer aufrichtigen 3u» 'ammenarbeit zwilchen den ehrlichen Förderern ber Abrüstung kann noch manches gerettet uxrben.
Die kuliurpoliiischen Fordemngen der BolkSpariei.
Oas Ergebnis der Braunschweiger Tagung
Der Kabineiiswechsel in Belgien
er fand shmpothischc Worte für Ne Land- wirtschaft, Insbesondere N« Äleinbaucm. und deutete zum Schlutz. nachdem er bi« fragen der Besoldungsref orm entsprach nb dem bekannten Standpunkt rcr Partei bclhinbelt hatte, auf bie im Zug« bef ndliche Acuaestaltuna des Verhältnisses zwischen «eich und Länbern hin. 3m ganzen staatsmänni'ch abgewogene, teliw.lfe zurückhaltend« AeuHerungen. die aber, ux-nn man einreinen ver.chtem glauben bars, nicht nur in ber vchulsrage. sondern auch grundsätzlich eine grotk Unabhängigkeit ber Partei bekunden. Me sich mit der gegenwärtigen Aoallr on in einer .Dernunlt.-H.' 1*- finbvt uiO auf alle G DcntualllütenbDr» bereitet ift
Tie «rise innerhalb ber bclgischm «egierung. bie schon seit Monaten latent war. Ist jetzt akut geworden: bie Sozialisten haben bas Kabinett der nationalen Einigung gesprengt. Seit bem 3uli 1926 war es im Amt. damals gebildet au» der Aot heraus, den Absturz des Franken zu halten. Die drei groben Parteien des belgischen Parlament». Katholiken. Liberale und Sozialisten sanden sich zu- sammen und bildeten diese «cglerung. um unter (Zurückstellung aller übrigen Zwistigkeiten die Währung zu halten. Da» ist ihnen auch gelungen. Aber je mehr diese bringenbe Sorge in den Hintergrund trat desw starker schoben sich die Parteigegensötze wieder in den Dor- dergrund. und es ist eigentlich merkwürdig, dast die Ehe überhaupt solang« gehalten bat- Die Sozialisten haben im wesentlichen die «osten zahlen mi-flen. tnc Parteileitung war deshalb auch schon vor einigen Monaten bafür. die The zu kündigen. Sie veranstaltete aber schon Im vergangenen Winter das interessante Gir*eriment einer Urabstimmung unter ihren Genofkn. bie überraschenderweise eine Zweidrittelmehrheit für bie Fortsetzung der Koalition ergab, mit ber Begründung, dah ^umal bie Gewerk chasten bie Rückkehr zur Opposition noch nicht für richtig hielten, solange sie die Möglichkeit hatten, innerhalb der «cglerung für die wirtschastliche Lage der Arbeiter etwa» heraus- zuhvlen.
Inzwischen hat Herr Danbervelde den Der<uch gemacht, auswärtige Politik zu treiben. Da» ist ihm mißlungen. Die vertrauliche Fühlungnahme wegen Eupen-Malm-dy, die damals rasche Erfolge versprach, ist ihm kaputt aeinacht worden, und tm Sommer muhte er den «ückzug an irrten al» er sich mit Deutschland wegen einer Kommission zur Untersuchung der Kriegsgreuel verständigm wollte. Deide Male nicht so sehr au» eigenem belgischen Willen, sondern unter dem Druck Pvincar » s. der die belgischen Aationalistrn in der Hand hat unb jedes Entgegenkommen gegen Deutschland hintertrieb.
SchliehUch ist )#t)t auch der 6tur* des Kabinetts auf sranzösii che Gütflüffe zurück- zusührrn. Der Ausgangspunkt war btt Heeres- vo klage, die nach sraTtzöfi'chem Muster eine schwere Dtsestigung der belgischen Grenze oorsitht Di? Sozialisten waren an sich bereit, da» mitzuinachen, verlangten aber tmfür die Hera bfeyung der Dienstzeit auf sechs Monate, dir ihnen ber nationalistisch: Kriegsminister zunächst halb zugestand, der belgische (Rcnerafftab aber machte nicht mit, vermutlich auch da wieder, weil Frankreich Einspruch erhoben hat. um fefrne .Sicherheit" nicht zu gefährden. Prompt Im leiben Augen
blick. wo Llohd George vorrechnet, dah bte Siegerstaaten zehn Millionen Menfchrn aus die Beine steilen können -egen 300 00) der Unterlegenen I
Die Krise hat dadurch ein überra'chend schnelles Sn le g.-sunden. dast es Herrn 3 a I p a r. bem bisherigen Premierminister geiungen ist. die Lhristlick^emokratischen zur Teilnahme an Da «egierung zu bewegen. De merke, rswert bei der xsusammen e.tung des neuen Äat>liiett» ist namentlich die Uebernahme de» Auhenmtnisteriums. das bislang der Sozialist Dandervelde verwaltete, durch den Liberalen Hymans, der Belgien schon bei ehret «eihe von Intemattonalen Kon- fevenzen der Aachkriegszeit unb auch Im Ddlker- b unb» rat vertreten hat.
Iaspar bildet eine bürgerliche «egierung.
Brüssel, 22. Nov. (DD.) Die neue belache Regierung soll folgender muhen zufammenge setzt werden:
3a|p«r, TMnlsterpräfibenl unb Äolo- nialmlnlfler; be Broqueollle, Minister für nationale Verteidigung: b outart. Jinanjmlnifler: Bad», Iflinlitrr für
-s,.>.Ulche Arbeiten unb canbwlrtschasl. Alle vier sind Katholiken.
Vier LI bera le: st ym an». Minister de» Auiroarllgen; Janson, Daflljmlnlller; Daul bl er, Minister für Kunst und Tvlstenlchast: tippen», Verkehr»- unb Elsen dahnmlnlsl er.
3rod christliche Demokraten: f) e g m a n , Minister für Industrie unb Arbeit; Carno g, Minister be» Innern.
Di« Fraktionen ber Rechten unb brr Linken werden morgen Sondersitzungen abhatten. Der Nationalrat der Liberalen ist für den 27. November einberufen. Die Gruppe ber sozialistischen Fraktionen nahm eine Er.tschsichund einftim« '> ' ntg an. in der es heihi: Die loziaiisti'che Par- u,-.it«nl»gruppe nimmt unter Berücknchtzgung der Totfachs. bah bie katholischen unb liberalen Mitglieder der Negierung, nachdem sie thr llnoercnögen, in der Frage der D i t n ft j« 11 eine Lösung zu sin- den, zu erkennen gegeben hader., unb nicht einmal die ganz« Frage den poriarnentarischen Äommil» lionen Mir ’fruiun^ unterbreiten wollten, di« zu Fefern Zwecke eingeictzt sind, von ber Erklärung der jov^ltstifchen Minister Äenntm» unb billigt einftim« mig ihre Haltung. Sie fortert die Hrbriterfloff« aut mit doppelter (Energie den Kamps für die '.Reform der sechsmonatigen BachkveNröge unb für bft sozialen Sicherungen aufzunehmen.
Sparsamkeit gebotene Matznahme E» soll bezweckt werden, rin verständnisvolle» Zusammen- arbeiten zwilchen Nr>ch, Landern unb Gemein- den auch auf bzesem Gebiet herbe Zufuhren
3m übrigen befähle sich Dr ö I r « I « man n seiner besonderen Ausgabe entsprechend namentlich mit auhenpol itii chen Fragen. Er sand tret- send« Worte gegenüber einer falschen Sentimentalität. die da und dort mit Bezug aus das 2or- gehen gegen bie Herausgeber der .Menschheit" bemerkbar wird: er lehnte andererseits mit ziemlicher Schürfe bie Verunglimpfung der Lo- carnopolttik ab. bie eine noch lange nicht abgeschlossene Entwicklung eingdertet hat Ohne Pessimismus schloh er sich den Warnungen an, für die das Memorandum des Aepa- rationsagenten den Auftakt gegeben hat.
3n allen politischen Kreisen war der Tagung des Zentralvorstandes ber Deut- s che n Dolkspartei mit gröhtem Interesse entgegengesehen worden. Man wuht« allgemein, t-ah tm Vordergrund der Erörterungen das Aeichslchulgesetz stehen würde, und da die Stellung der Deutschen Doikspartei in der Koalition für da» Schicksal des Schulge'eyes aus- schlaggebend ist, kann man erstehen, dah überall mit grober Spannung der Ausgang erwartet wurde. Die Tagutrn selbst und die bort angenommene Entschliehung rechtfertigten vollkommen dies« Erwartung.
Um ba» Resultat vorweg zu nehmen, in der Entschiiechung sind fünf ganz bestimmt«, konkrete und positive Forderungen ausgestdlt wvr» den, die nun die Vertreter der Deutschen Volks. Partei im Drldungsau»schuh durchzuseven haben werden. E» ist nicht uninteressant, hervorzu- heben, dah diese Forderungen begründet wurden von bem Führer der Fraktion im Preußischen Landtag Dr. von Campe, ber sich von je^cr besonders eifrig mit Kultursragen be- schäsngt hat. Seine Begründung legte den grölen Wen barauf, bah e» sich nicht um materiell« ober andere Güter, auch nicht um blohe Idjtil- technilche Fragen, sondern um Kulturgüter er ft en Range» handelt. E» ist eine Kultur- frage, um die hier gekämpft wird, und in Kultursragen kann man keinen Ku schändet treiben. wie vielleicht bei anderen Gelegenheiten. S» muh auch weiter betont werden, bah mit ganz besonderem Beifall bie Aeuherung eines anderen JUtmcr» begrübt wurde, bie tautet«: .Lieber kein Schulgesetz, als ein schlechtes." ,
Mit diesen Sätzen ungefähr ist nunmehr die Desamtrichtung ber Deutschen Volkspartei in der Schullrage gekennzeichnet. Man kann die tünftige Cullunq der Deutlichen Votkspariri ungefähr so formulieren, dah sie unter allen Ilm- standen die Staatshoheit über alles andere stellt unb nur eine Schule will, die ausschliehkich dem Staat, nicht aber irgendwelchen konfessionellen Einflüssen unterstellt Ist. Sie wlll vor allen Dingen die christliche Simultan- schule in ihrer heutigen Gestalt bort. wo sie ist, nicht für eine längere ober kürzer« Frist, sondern für bi« Dauer erhalten tmffen. Lchlles'lich muffen alle Schulen, auch die auf Antrag ber Eltern errichteten, lebenskräs- t i g unb so zahlreich von Kindern besucht fein, bat) ein geordneter Schulbetrieb gc- sichert Ist. Zwergschulen sind bann unmöglich Mit der Llcherftellung ber Staatshoheit über die Schule ist auch eng verbunden die Sicherung ber Lehrfreiheit gegen jede konfessionell« Verengerung de» getarnten Unterrichts auch In ber Bekenntnisschule. $>iefe Forderungen ttnrb bic Deutsche Vollspartei nun in den kommenden Wochen vielleicht Monaten, bei den Der Handlung cm mit den anderen Regierungsparteien im AuSchust und in interfraktionellen Befprechungen lotPohl wie nachher im Plenum zu vertreten haben Don den a nderen Aegierungsparlcien wird es sorn,t abhangen, ob sie durch ein verständnisvolle» Eingehen auf die Wünsche brr Deutschen Vollspariei das Zustandekommen eines Arich»- 'chulgesctzes ermöglichen ober ob sie ba» Gegenteil wünschen.
In der Au »spräche über die inner politisch« Lage ist von besonderem Interesse der von dem Zentral- vorstand angenommene Antrag de» Abgeordneten vonKaumer.dahin Zukunft Anleihen der össentlichen - and nur nach sorgsaitiger Prü sung durch eine Keichsinftan, bewilligt werden dürfen. Da» ift nicht aufzufasten etwa al» eine Be oormunbung der Gemeinden oder al» eine Aussicht über die Gemeinden, sondern al» eine durch die ob- waltenden Umstände, durch die Notwendigkeit der
Der Oelkrieg.
Amcrikah russtschr CrlgcfcbäTte.
Eigene Drahtmeldung bet .Gießener Anzeiger»'
Berlin, 23. Lov. Denn auch bt« Amerikaner wilde Bvlschewtstenfretser find unb schon in jedem der mit soziallstischen (kdeen liebäugelt. r.ncn Sendling Moskaus fefrzn, ben es zu venüchten gilt, io hat sie ba» alles bisher nicht gehindert, mit ben Sowj etruffen bic besten Geschäfte abzuschliehen, wie au4> umgekehn bie russische Aegierung es mit ihren aniikapl allst»schen Anschauungen für Der- embar hält, dem größten Kapitalisten bcs Erdballs bie natürlichen Aeichtümer ber Sowi«- llmon zur Ausbeutung zu über!affen. E» ist bei vn» nur wenig bekannt, wie wett bie XnerJaner in Auhland schon vorgedrungen sind. Wähnend sich der deutsche Kaufmann und industrielle admüht. auf Grunb einiger Grbor.trebitc sich in 2lätcruhlanb ein Ao angeviet zu schassen, arbeiten dort bic Arne rikaner in der grvsi»ugigsten Weife völlig unbehinbert. Da» können sie. weil fte über bas nötige Kapital verfüg«, vor dem auch di« lautesten Schreier in ber fern- monistischen Bewegung sich noch stets in den Staub geworfen b-2bcn, wie ba» russische Beispiel es nicht krasser illustrieren kann.
Die russifch-amerikanifche 3u|annnenarbett hat sich aber nun zu einer ernsten Gefahr für England ausgewachsen. Schon einmal horchte die
Weit auf. al» Mann’ wurde, daß die amerikanische Si^k^bard Lil sich an ba» russische Petroleum mit Erfolg Mangemacht hatte Drterting. der englische Ddlönig. versuchte bie amerikanischen Gesellschaften gegeneinander auszufpi^len, um die Kreife der S-'anbarb OH zu ftör?n. Das ist ihm nicht gelungen, berm jetzt wirb ber Abschluß eines neuen Petrol eumverirags be- fannt. wonach Rußland ber S anbarb Oil jährlich insgesamt 5b0 000 Tonnen liefert. Del erring weiß, was bas für bie Gnglänber bedeutet. Buffis ches Del, ba» unter amerikanischer Flagge auf englischem Absatzgebiet schon Fuß gefaßt hat, soll ba» englische Produkt gänzlich verdrängen und die amerikanische Dorherrschast sicherstellen. Der Lelkrteg ist jetzt nicht mehr aufzuhalten. England ttnrb sich gegen die rufftsch-amer kanifche Allianz zu wehren haben, tt>a» ihm aber sehr viel Gdb kosten toirb. ba bie Standard Oil n cht zögern dürfte, ba» russische Oek zu Schleuderpreisen ben Beziehern englischen Petroleums aiqubKten,
Amerikas Vertretung auf der Abrüstungskonferen;.
Washington, 22. Aov. (WTB Funk- kpruch« Di« amerikanische Regierung wird sich bei ben Beratungen ber vorbereitenden Ab- rü ftungskpmmi I • to r. in Genf durch ihren Berner Grianbten DiUon vertreten lallen. Wilson
wurde jedoch angewiesen, an den Sitzungen des Lpezialkomitees für bie politische Abrüstung nicht leilzunehmen. ba diele Fragen Europa allein angeben. Dem Gesandten Willon toer» ben keine militärischen Sachverständigen beigegeben werben.
Die aus London gemeldeten Andeutungen, wonach Großbritannien den Wunsch hege, daß eine neue Flottenabrüstungskonse- renj einberufen werde, werd.-n hier mit geringer Begei sterung auf genommen. Besonders in Marinekreisen bri ürchtet man. baß eine Erneuerung ber Gens er Konferenz und das nachträgliche Sinlenken des britischen Admiralstabes die Aussichten, ben Kongreß |ur 3er- größerung des Bestandes an amerifanfcbcn Kreuzern zu bewegen, sehr verringern toürbe.
Oie deutsche Delegation.
» « r 11 n , 22. Nov. D«r Beginn der Beratungen ber vorbereitenden Abrüftungefommiljion in Genf ist der „B. Z." zusoige für Mitte nächster Woche angesetzt worden. Deutschland wird auf dieser Kon- ferenz wiederum durch den Botschafter Graf Bernstorfs vertreten jein. Die deutsche Delegation, die Graf Bernstorfs führt, besteht au» Geheim, rtf Weißwäcker vom Auswärtigen Ami, Oberst von Bötticher vom Keichswehrministerium und Sdm,ral Freiherr von Freiberg von der Reichsmo n neleitung.


