Ausgabe 
23.2.1927
 
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die Lage anderer Wirtschaftszweige bessern. Gerade von der Landwirtschaft sind die anderen Stände schon darum in ihrem Wohlstand ab­hängig, weil die Landwirtschaft direkt und in­direkt etwa 2/a der gesamten niHtlandwirtschaft- lichen deutschen Produktion aufnunmt. Damit ist iwch die andere Erfahrung verbunden: Zeiten eines steigenden Wohlstandes und steigenden Ex­portes waren für Deutschland stets zugleich Zeilen der Hebung der Kaufkraft auf dem inneren Markt. Jede Besserung der allgemeinen Wirt­schaftslage kann sich bei der deutschen Wirtschafts­struktur nur auf dem inneren Markt aufbauen also kann eine Exportsteigerung zur Desserung der Wirtschaftslage nur dann gesund sein, wenn der Anteil des inneren Marktes am Gesamtumsatz der Volkswirtschaft gleichzeitig in entsprechend höherem Grade steigt. Der der Bedeutung der Landwirtschaft für den inneren Markt liegt die Schlußfolgerung auf der Hand.

Damit ist die neue Situation für die Landwirtschaft gekennzeichnet. Man muß bei einem Rückblick auf die landwirtschaftlichen Ta­gungen der letzten Wochen, die ihren Abschluß in der großenBerliner landwirtschaft­lichen Woche fanden, zugestehen, daß die Landwirtschaft dieser Situation Rechnung trägt. Soweit cs sich um wirtschaftspolitische Fra­gen handelte, sind diesmal nicht die F o r d e r u n- gen in den Vordergrund getreten, sondern der Appell zum Pflichtbewußtsein und zur Pflichterfüllung. Soweit die Wirtschafts­führung in den Betrieben in Betracht kommt, sind es dieselben Aufgaben, für welche die Land­wirtschaft bisher gearbeitet hat. Es ist die Nationalisierung und Steigerung der Produktion mit dem Ziel der A a h r un g s f r eih e i t, der Deckung des wesentlichen deutschen Lebensmittel- bedarfs aus der heimischen Produktion. Daß die Landwirtschaft dabei niemals nur an das jetzige Reichsgebiet gedacht hat, sondern von vorn­herein auch die vom Deich losgerissenen und die auslanddeutschen Gebiete Europas mit einbegriffen hat, ist bekannt und hat sich gerade in der Stellungnahme der verant­wortlichen Führer der Landwirtschaft zu den Han.dclsvcrtragsverhandlungen mit den hier besonders in Betracht kommenden Staa­ten gezeigt. Wie die Landwirtschaft in un­ermüdlicher Selbsthilfe von der Seite der De- triebsverbesserung vorwärtSkommen will, haben auch diesmal wieder die rein fachlichen Ver­handlungen auf den rund 150 Sitzungen der Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Ge­sellschaft bewiesen. In erster Linie der 40jährigen Arbeit der D. L. G. ist es ja auch zu verdanken, daß die deutsche Agrarproduktion in dieser Zeit eine nur durch die Kriegsjahre unterbrochene aussteigende Linie genommen hat, wie sie kein anderes europäisches Land aufweist.

Aber die Landwirtschaft denkt nicht nur an diesen rein wirtschaftlichen Fortschritt der Pro­duktton. Wir sind heute soweit, daß man davon sprechen kann, daß die Wanderarbeiter­frage nicht mehr wie bisher eine ständige drohende Gefahr ist. Mtt Hilfe des Staates ist heute die Zahl der ausländischen Wander­arbeiter soweit herabgedrückt, daß eine weitere Verringerung sich vielleicht für die deutschen Grenzgebiete unangenehm bemerkbar machen könnte, während die frühere hohe Zahl mtt Recht auch al- nationale Gefährdung empfunden wurde. Vicht anders ist es mit der Siedlungspolitik, bei der eigentlich nur das Bestand gehabt hat, was von der Land­wirtschaft selbst in die Hand genommen ist. Wenn jetzt in der inneren Kolonisation weitere, durchaus notwendige Fortschritte gemacht werden sollen, so wird man das nur mit der Land­wirtschaft erreichen können, zumal jede Sied- lungstätigkeit nur Bestand haben kann, wenn die allgemeine Lage der Landwirtschaft die Renta­bilität der Betriebe sichert. So arbeitet die Landwirtschaft gemeinsam mit der Veichsregie- rung in erster Linie an der Lieberwindung der durch halbe Maßnahmen immer wieder ver­schleppten Agrarkrise, um den Weg frei zu machen für die Lieber Windung der allgemeinen Wirtschaftskrise.

Die studentische Selbstverwaltung

Der Konflikt zwischen dem Preußischen Kul­tusministerium und der Deutschen Studentenschaft, der durch Besprechungen zwischen den Bertretemi der preußischen Einzelstudentenschaften, den Vek­toren und dem Ministerium zunächst beigelegt Wörben ist, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Fragengebiet der studentischen Selb st ver- waltung und die großdeutsche Organisation, die in der deutschen Studentenschaft nach dem Kriege erstanden ist. Worum es bei diesen Kon­flikten, Kundgebungen, Verhandlungen und Pro- letten, die oft das 'Wesentliche nicht klar zum Ausdruck kommen lassen, geht, wird im Lleber- schwang der Meinungen vielfach übersehen. Mit der Ansicht, daß sich der Student nur mit seinem Studium beschäftigen und um andere Dinge nicht kümmern solle, ist die Sache allein nicht abgetan. Die positiven Leistungen, die die studentische Selbstverwaltung, wie sie nach schweren inneren Derfassungskämpfen jetzt besteht, aufzu­weisen hat, reden eine deutliche Sprache von dem tatsächlichen Wert studentischer Selbstverwal- tungs- und Selbsthllfearbeit. Vicht allein, daß die Deutsche Studentenschaft in ihrer Deutsch- Oesterreich, Sudentendeutschlaiid und Danzig mit» umfassenden Organisation ein starkes 211- tivum des großdeutschen Gedankens und des Anschlusses Deutsch-Oesterreichs ist, auch die w i r t s ch a f t l i ch e Selbsthilfearbeit mit eige­nen, von der Studentenschaft aufgebrachten Mit­teln kann volle Anerkennung für sich in Anspruch nehmen. Die Fürsorge- und WohlfahrtLeinrich» tungen an allen deutschen Hochschulen werben heute von der Studentenschaft sewst verwaltet und die Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft als Zentralorganisation sorgt da­bei mit LInterstühung aus Reichsmitteln für eine planmäßige, geordnete Durchführung der dringen­den Aufgaben. Die Beziehungen zwischen der Deutschen Studentenschaft und den auslän­dischen Studentenschaften, insbesondere dem Internationalen Stubentenverband (C. I. E.) ha­ben durch das Auslanbsamt ter D. St. eine ge­schickte Behandlung erfahren, die erst kürzlich zu dem Abschluß einer Arbeitsgemeinschaft mit der C. I. E. auf der Grundlage der Gleich­berechtigung geführt hat. Gerade im Interesse einer geordneten und ruhigen Fortführung dieser Arbeit der Studentenschaft, die noch zahlreiche andere Gebiete umfaßt, ist es zu bedauern, wenn Fragen der inneren Organisation zu Konflik- t en führen, die in der Oeffentlichkeit und bei den maßgebenden Faktoren eine Beurteilung er­

fahren. die nicht immer frei von parteipolitischer Engsichtigkeit ist. Die Verhandlungen im Kultus­ministerium haben den einen Streitpunkt, die Be­stimmung der Zugehörigkeit auslanddeutscher Stu­denten zu den Einzelstudentenschaften, bereits zur Befriedigung beider Teile erledigt. Wett schwie­riger ist die zweite Frage, die dadurch entstanden ist. daß der Preußische Landtag eine 2Ienöe- ru n g des preußischen Studenten- rechtS verlangt, die den preußischen Studenten­schaften eine Koalition mit den auslanddeutschen, nicht nach dem Staatsbürgerprinzitz zusammengesetzten Studentenschaften ver­bietet. Die preußischen Studentenschaften haben sich zu Verhandlungen mit den österreichischen Studentenschaften zwecks Änderung der dortigen Organisation bereit erklärt, und es wird von den Verhandlungen der nächsten Monate abhängen, ob es gelingt, eine befriedigende Lösung und damit die Einheit der Deutschen Studentenschaft zu erhalten.

Oberhesfen.

Landkreis Gießen.

L Wieseck. 22. Febr. In unserer Gemeinde sind gegenwärtig zwei Veueinrichtungen in Vor­bereitung. die von privater Seite unternommen werden. In dem einen Falle hat eine Gießener Fachsirma den Saal des Gastwirts Philipp Walter gepachtet, um in diesem eilte 'Bade­anstalt einzurichlen. Eine Reihe von Wannen­bädern und sonstige Einrichtungen (Höhensonne usw.) sollen nicht nur dem reinen Badebedürfnis dienen, sondern auch den ärztlichen Verordnungen für Kassenmitglieder uird sonstige Kranke gerecht werden. Diese Einrichtung dürfte nach ihrer Fer­tigstellung lebhaft begrüßt werden, hilft sie doch einem langempfundenen Mangel ab. Die früher angelegten Bestrebungen, die in der Schule am Lichtenauer Weg eingerichteten Brausebäder auch für die Allgemeinheit zugänglich zu machen, führ­ten damals nicht zu dem gewünschten Ergebnis, so daß die jetzige Lösung angenehm empsunden wird. Im zweiten Falle richtet eine Frank­furter Firma im Braunschen Saale ein K i no ein, die erforderlichen baulichen Veränderungen sind bereits vorgenommen bzw. noch im Gange. Mit der Eröffnung ist in Kürze zu rechnen. Ob hierzu in Anbetracht der Vähe der Stadt ein besonderes dringendes' Bedürfnis vorliegt, mutz die Zu­kunft lehren, obwohl die steuerliche Einnahme­quelle der Gemeindekasse sehr zu statten kommen wird.

* Wieseck, 23. Febr. Sein 90. Lebens­jahr vollendet morden unser Mitbürger W i l- helm LotzI. in seltener Rüstigkeit. Doch immer nimmt er an wichtigeren politischen und häus­lichen Tagesfragen regen Anteil. Er Pflegt mit schöner Stimme den Gesang im Freundeskreise und mit seinen Enkeln, selbst Festlichkeiten erwecken fein Interesse, seine Kirche nicht vergessend, der er stets ein treuer Anhänger war.

1. Burkhardsfelden, 22. Febr. Vor einem Jahr wurde hier eine Wasserge­il o s s en schäft gegründet zu dem Zwecke, ein­zelne Fluren der Gemarkung, die besonders naß gelegen sind, zu entwässern. Mit den damals entwässerten Gemarkungsteilen hat man gute Er­fahrungen gemacht. In diesem Jahre wurde das Feld nach Albach hin entwässert, weitere Teile nach der Gemarkung Oppenrod hin wer­den noch in Arbeit genommen. Die Ausführung der Arbeiten wurde dem Unternehmer Keil von Hattenrod übertragen. Die Arbeits­losen der Gemeinde finden dadurch für einige Zeit Beschäftigung. Viele Einwohner hätten es begrüßt, wenn mtt der Entwässerung zugleich die Feldbe reinigung durchgeführt worden wäre.

t Treis a. d. Lda., 22. Febr. Derauf dem Busch" angelegte Sportplatz der Gemeinde ist nun von der Firma Gotthard Am end dahier fertig planiert worden, so daß er im Frühjahr mit Gras ausgesäl werden kann, um bann feiner Be­stimmung zugeführt zu werden.

: Aus der Rabenau, 22. Febr. Bei der Holzversteigerung in beit Freiherrlich von Rabenauschen Waldungen. Distrikt Eichwald, wurden bei nicht allzugrotzer Beteiligung von Steigerern folgende Preise bezahlt: Buchenscheiter 11 bis 13,50 OHL, Buchenknüppel 8 bis 10 Mk., Buchenstock 6 bis 7,50 Mk. und Buchenreisig 2 bis 3 Mk. per Raummeter. Cichenscheit und --knüppel kosteten 5 bis 6 Mk., Eichenreisig 1 bis 2 ML. Eichennutzknüppel (2 Meier lang, für Garten­pfosten geeignet) kosteten 8 bis 11 Mk. pro Raum­meter. Eichen- und Tannenstöcke wurden mit 4 bis 6 ML pro Raummeter bezahlt.

is. Steinbach, 22. Febr. Das Verkehrs- uuto Gieße n-Steinbach-Albach wird dermaßen stark in Anspruch genommen, daß cs zur Beförderung der Arbeiter für die fernere Dauer kaum noch ausreicht. Von Montag ab wurde mor­gens und abends noch eine Fahrt eingelegt, aber auch dies wird nicht mehr genügen, wenn erst was wohl bald der Fall ist sämtliche Bau­arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen. Nur die Ein­stellung eines größeren oder eines zweiten Wagens kann hier Abhilfe schaffen. Denn es gibt mit der Zett Mißstimmung, wenn Arbeiter entweder zu früh oder zu spät morgens in Gießen an­kommen oder abends wegen Platzmangels vor dem überfüllten Auto stehen und warten müssen, bis der Wagen wieder zurückkommt. Es ist dies bann für jeden eine Verzögerung von einer Stunde, bie er zu Hause gut ausnutzen kann, wenn bie Felb- und Gattenarbeit beginnt. Die Arbeiter von Steinbach werben auch morgens benachteiligt, da ber Wagen bereits besetzt ist, wenn er von Akbach eintrifft, und die meisten Steinbacher nur noch einen Stehplast bekommen. Wenn der Betriebsfirma daran gelegen ist, den Verkehr in der Hand zu behalten, dann muß sie Abhilfe schaffen, da sonst mancher wieder zum Fahrrad greift.

t Grünberg. 22. Febr. Hier fand unter Leitung des Oberforstmeisters Schneider eine große Vutzholzversteigerung statt, bei der sich die Handwerker des vorderen Vogels­berges ihren Bedarf zum größten Teil fteigerten. Bei sehr reger Kauflust wurden außerordentlich hohe Preise erzielt. Es wurden im Durchschnitt bezahlt: je Festmeter Kiefern-Schnittholz 1. Kl. 90 VIL. 2. Kl. 73 Mk.. 3. K 64 Mk. Kiefern- stammholz 2. Kl. 64.50 ML. 3. Kl. 47,70 ML, 4. Kl. 34 ML. 5. Kl. 33 Mk. Eichenstammholz 3. Kl. 104.60 Mi.. 4. Kl. 74.40 ML, 5. Kl. 64,50 Mark, 6. KL 59,80 Mk. Lärchenstammholz 2. KL 55,40 ML. 3. Kl. 39.40 ML, 4. KL 32,90 ML. 5. Kl. 30,60 ML Fichtenstammholz 2. KL 37,50 Mark. 3. KL 34.78 ML. 4. Kl. 29.70 ML. 5a-Kl. 28,70 ML. 5b°Kl. 2920 ML Derbstangen: Fichte 1. Kl. 21.80 ML. Lärche 1. Kl. 25 ML Vuhschetter: Lärche 1. KL 25 ML je Raummeter, Eiche 2. Kl. 20.50 ML je Raummeter, Fichte

2. Kl. 15,20 Mk. Vuhknüppel: Eiche 2. Kl. 27.80 Mk. Vuyknuppelreisig: Fichte je Raum­meter 4.30 021L

* L i ch. 22. Febr. Am Samtagabend ver­sammelten sich die Kameraden der 4 8. Re­ser v e d i v i s i o n bei Gastwirr Ernst Häfner dahier. Der Abend bezweckt hauptsächlich. die Kameraden all.ährlich zu ammenzurufen und die Liebe zur Heimat zu pflegen, wie es in den Tagen war. als sie an die Front gingen. Lehrer Meckel hielt eine kurze Ansprache, gedachte der Gefallenen und wies dann darauf hin, daß die 48. Reservebivision hauptsächlich aus Kriegsfrei­willigen zusammengestellt worden sei. die mit Liebe und Begeisterung hinauszogen und dieses hohe vaterländische Empfinden bis zum Ende be­wahrten. Die Kameraden blieben einige Stunden in bester Stimmung zusammen.

I) Lich, 22. Febr. Der Geflügelzucht- b e re in Lich und Llmgegend hielt dieser Tage im HotelHolländischer Hof" unter dem Vorsitz von Bürgermeister Völker seine dies­jährige Hauptversammlung ab, die sehr gut besucht war Aus dem Geschäftsbericht und aus den Ausstellungsberichten geht hervor, daß im abgelausenen Jahre durchweg gut gearbeitet worden ist und datz der Bzrein, dessen Mit» gliederzahl sich auf 66 erhöht hat, sich auf einer recht erfreulichen Höhe be.inde.. Auch dieKasfen- verhättnisse des Vereins sind als gut zu be­zeichnen. Der Vorstand wurde in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewähtt. Für den Herbst dieses Jahres ist eine Ausstellung geplant. Vach Erledigung des geschäftlichen Teils wurden noch Zuchtfragen, Fütterungsmethoden und der­gleichen besprochen. Der Versammlung wohn­ten auch drei Mitglieder des Vereins Hungen bei, was auf gute nachbarliche Beziehungen chlietzen läßt.

C Muschenheim, 22. Febr. Don einem tragischen Geschick würbe bie Familie O. Reif heimgesucht. Als bas breijährige Söhnchen gestern abenb vom Schlittenfahren hemkehrte, fiel es im Hofe, rückwärts gehend, in einen Zuber kochen dH eißen Viehfutters. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe starb bas Kinb noch in ber Nacht an den erlittenen ft arten Ver­brühungen des Rückens.

tt jungen, 22. Febr. Eine Konferenz der evangelischen Geistlichen des De­kanates Hungen, die gestern hier im »Solmser Hof" ftattfanb, beschäftigte sich nach der Eröffnung durch Pfarrer Baumann -Melbach in ein­gehender Aussprache mit der Frage desLebens nach dem Tode". Pfarrer B e ck e l - Södel hielt über dieses Thema einen sehr gründlichen Vor­trag. Autzerdem wurde unter Vorsitz des Dekans Engel-Obbornhofen eine Reihe amtlicher Fra­gen besprochen.

bt. Hungen, 22. Febr. Alte Kamerabentreue veranlaßte am Sonntag bie ehemaligen Angehörigen des Hessischen Garde-Dragoner-Regiments Nr. 23 und Leib-Dragoner-Negiments Nr. 24 zu einer Ver­sammlung dahier imPrinz Karl". Eine stattliche Anzahl Kameraden, insbesondere auch ältere, hatte dem Rufe Folge geleistet. Eingehend wurde ber be­vorstehende Kavallerietag in Gießen und die Denkmalsweibe für bie gefallenen Kame­raden in Darmstadt besprochen. Schließlich gründete man eine Ortsgruppe für Hungen und Umgegend. Ferner wurde beschlossen, als solche geschlossen an den bevorstehenden Feierlichkeiten ber Regimenter teilzunehmen. Der Tag der nächsten Zusammenkunft wurde auf den 3. April festgesetzt.

Kreis Friedberg.

4 Bad-Vauheim, 22. Febr. Aus An­regung deS hiesigen AerztevereinS wurde eine Kurbrunnenbäderanlage geschaf­fen, die es auch im Winter ermöglicht, Brunnen- bäder zu verabreichen. Die im Badehaus 5 be­findliche Anlage, die dieser Tage dem Betrieb übergeben wurde, gestattet, durch entsprechende Mischung auch jede Zwischenform von Kur- brunnenbad und Sprudelbad zu bereiten. Zum Rektor der hiesigen Fortbildungsschule wurde der seitherige Rektor der Volksschule zu Heldenbergen, S p i e l m a n n, ernannt. Rektor Spielmann steht in der Beamtenorganisatton wie auch im Hessischen Landeslehrerverein an führender Stelle. In den beiden letzten Wo­chen hat sich die 2 a g e auf dem Arbeits­markt hier langsam gebessert. Am Samstag standen insgesamt 204 Personen in Fürsorge. An der Zusammensetzung dieser Zahl sind das Hotelgewerbe mit 43 und die ungelernten Ar­beiter mit 41 Llnterstühungsempfängem prozen­tual am stärksten beteiligt.

± Kirch-Göns, 22. Febr. Der De le­gi e rt e n t a g zu dem im Juni hier stattfinden­den Gesangswettstreit des Gesang­vereinsGermania" war sehr stark be­sucht. 30 Vereine hatten ihre Vertreter geschickL Am Wettsingen beteiligen sich 21 Vereine. Die Besetzung der einzelnen Klassen kann man als sehr gut bezeichnen. Es ist eine scharfe Konkur­renz vorhanden. Okreine aus der Gießener, Frank­furter und Hanauer Gegend werden sich in ihrem Können messen.

Kreis Büdingen.

Aus der Oöetterau, 22. Febr. In den letzten Jahren ist der Bestand an Feldhasen und Hühnern in einzelnen ©emarfungen stark zurückgegangen. Wenn auch das ungünstige Wetter im Vorfrühjahre dazu beigettagen hat, so ist doch der enorme Rückgang des Haar- und Federwildes zum größten Telle auf das starke Üeberhandnchmen des Raubwildes zurückzufüh­ren, besonders in denjenigen Gemarkungen, die an Hoch- und Olicbertoälber anstohen, in denen die Räuber unzugängliche Schlupfwinkel haben. Auch der sonst der Landwirtschaft nützliche Mäusebussard hat stark unter den Junghalen aufgeräumt: jetzt ist man auf diesen Jagdschäd- ling aufmerksam geworden. Cs ist Häher das Bestreben der Jagdgesellschaften, dies n Raub­vogel vor Beginn der Brüteze t durch die Iagd- hüter etwas zu vermindern. Gerade in der süd­lichen Wetterau zeigt dieser Vogel ein gehäuf» teres Auftreten, da ihm auch durch die über­schwemmten Wiesenniederungen hin ä glich Rah- rung an Mäusen, Maulwürfen usw. zur Ver­fügung stehL

a. Ober-Mockstadt, 22. Febr. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der ®emeinberat, ein Doppelwohnhaus zu bauen. Dazu gibt die Markkasse ein Darlehen zu billigem Zinsfuß, während der fehlende Lett durch ftaat- lichcs Baudarlehen gebetn wird. Dcr Mark- Wald hatte durch starke Olbholzungen im Distrttt Au bei Rieder-Mockstadt bedeutende Ein­nahmen. Man trug sich mit dem Gedanken, auf jeden Ortsbürger der vier Marlgcmeinden eine bestimmte Summe zu verteilen, dies schetterte aber an dem Widerstand der kleineren Ge­

meinden Hergheim und Staden, die zu gleichen Teilen geteilt haben wollten. Run hat man sich so geeinigt: Jeder Ortsbürger bekommt zu feinem bereits zugewiesenen Losholz noch 2 Meter Cichenknüppel bzw. 2 Meter Stöcke bzw. 5 Meter Reisig.

Kreis Schotten.

2 au bad», 22. Febr. In diesen Tagen stand unser Städtchen im Zeichen des Theater-. ImSolmser Hof" führte die hiesige Theater- Vereinigung die Posse »Pension Echöl- l e r auf. Die Aufführung zeigte sehr beachtens» toerte Leistungen: wohlgelungen waren auch die Bühnenbilder. Der Gesangverein .Ein­tracht" führte im .Schützenhof" .Die Lore vom Schwarzwald" auf. Das Stück wurde mit Ver­ständnis gegeben. Wie bereits mitgeteilt, war die Ausstellung des hiesigen Geflügel- und Vogelzuchtvereins im .SolrnserHof" sehr gut beschickt (mit über 300 Tieren, die durch­gängig mit Sorgfalt auSgewählt waren). CS konnten deshalb auch 51 Ehrenpreise und eine Reihe von Geldpreisen erteUt werden. Wir fügen heute noch bei, daß auch das finanzielle Ergebnis der Ausstellung ein sehr günstiges gewesen ift Von den drei ältesten Leu­ten unserer Stadt, drei Frauen, die im 90. Lebensjahr standen, ist die eine, Frau Dr. Eckel, am Sonntagnwrgen 4 Llhv-vcuHorben. Sie war die Witwe des 1837 verstorbenen Rechts­anwalts und Olotars Dr. Christian Eckel und eine Tochter des gräflichen Reci'orsS ch a a b. ber über 90 Jahre alt geworden war. Auch der Bruder ihres Vaters, der Konrektor S ch a a b, dem feine dankbaren Schüler aus dem Ramsberg ein Denkmal errichteten, war 90 Jahre all ge­worden. Der bekannte Frankfurter Klaviervtr- tuose Christian Eckel ist ihr Sohn. Die Ofcrftor» bene war am 5. Oktober 1837 geboren. Die älteste Frau ist jetzt FrL Marie Kolb (im hiesigen Stift), geb. 25. Juni 1837, bann folgt Witwe Lorenz Löwer, geb. 15. August 1837. Der älteste Mann unserer Stadt ist Schreiner- meister Arnold Ahbach, geb. 20. Oktober 1839. Geradezu ungewöhnlich ist der Llmstand, daß Frau Dr. Eckel bis in ihre letzten Tage ihre völlige Geistesfrische bewahrt hatte. Sie hatte ein getreues Gedächtnis für alle Ereignisse ihres langen Lebens, fogat für bie der neueren; Zeit, nahm an allem Anteil und sprach klar und verständig über alle Verhältnisse, wie jemand in den besten Jahren.

Kreis Alsfeld.

* Alsfeld, 22. Febr. Hier findet am 28. und 29. Mai eine große Tagung des Bezirks Oberhessen des Landjugendbundes statt. Die Veranstaltung wird von den Ortsgrup­pen des Landjugendbunbes der Provinz Ober» Hessen und der benachbarten kurhessischen Bezirke beschickt werden. Man wird voraussichtlich mit einem Besuch von mehreren lausend Personen zu rechnen haben.

ck. OBettfaafen, 22. Febr. Hier wurde der letzte ehemalige Kriegsteilneh­mer von 1 870/7 1, der Schuhmacher und AuS- zügler Konrad Erb, unter großem Trauergefolge z u Grabe getragen. Erb war am 6. Oktober 1848 in Rieder-Ohmen geboren und machte im Dragonerregiment zu Darmstadt den Feldzug 1870/71 mit. Die Grippe hat hier in den letzten Tagen starkzugenommen. Fast in allen Häusern liegen Kranke, ja manche Familien sind fast vollständig ans Bett gefesselt. Die Zahl ber Schüler war biefer Tage bis säst zu einem Drittel gesunken.

Wirtschaft.

Subvention der Filmindustrie?

Fast unmittelbar nachdem sich ber ReichS- finanzminister Dr. Köhler im Reichstag sehr unmißverständlich gegen bie Fortsetzung der in letzter Zeit ziemlich üppig in bie Halme ge­schossenen Politik ausgesprochen hat, bestimmte Industriezweige aus Reichsmit ein mittelbar oder unmittelbar zu unterstützen, ist bie Spitzen» organifation ber deutschen Film­industrie mit Llnterstühungsforde- rungen an bie Oefsentlichleit getreten. Dabei wird auch bestätigt, daß schon seit geraumer Zeit Verhandlungen zwischen einigen Tellen der Filmindustrie und der Reichsregierung über bie Angelegenheit schweben. Was die Filmindustrie in ihrer Gesamtheit verlangt, ist einmal eine erhebliche Steuererleichterung und zweitens ein Ausfuhrkredit.

Was die Steuererleichterung anbe­trifft, fo scheint allerdings die alte Klage der gesamten Filmindustrie über bie zu hohe An­spannung ber Lustbarkeitssteuer berechtigt zu sein, unb hier wäre ber Punkt, wo man den Hebel ansehen könnte, wenn man der bedrängten Film­industrie helfen will. Freilich steht auch hier wieder daS absolute Bedürfnis ber Gemeinden im Wege, aus den wenigen ihnen noch verbliebe­nen Steuerquellen so viel wie irgend möglich herauszuholen, um ihren Haushalt in Ordnung zu halten. Es ist sehr einfach und bequem, über die Finanzpolitik ber Gemeinden unb die unerträgliche Steuerlast, namentlich über die An­spannung der Gewerbesteuer, ein großes La­mento anzustimmen. Bknn es aber sich als not­wendig erweist, die Gemeindeste erschraube anzu­ziehen, dann will niemand mttmachen. Gerade diese Erwägungen, die anläßlich der Klagen ber Filmindustrie angestellt werden, machen es be­sonders Har, wie notwendig ein endgültiger Finanzausgleich für Reich, Länder und Gemein­den ist. Erst bann sind die Gemeinden imstande, eine weitsichtige Finanz- unb Steuerpolitik in bie Wege zu teilen, wenn sie genau wissen, woran sie sind unb was für Steuerquellen ihnen zur Verfügung stehen. Daß sie in immer steigendem Maße auf die Uebertocifungen aus dem Reich auf dem Llmwege über die Landesregierung an­gewiesen sind, ist die eigentliche Llrsache für bie übergroße Ausschöpfung der Gewerbesteuer, der Lustbarkeitssteuer unb ähnlicher 6 teuer» quellen.

Für die Forderung ber Gewährung von E? - portkrebiten ist offenbar bie Maßnahme des Reichswirtschaftsministeriums vorbildlich ge­wesen, unserer Industrie für die Ausfuhr nach Rußland einen Exportkredit von mehreren Mil­lionen zu erschließen. Das ist nun freilich etwas ganz anderes, als die Filmindustrie verlangt. In bezug auf den Handel mit Rußland liegen bet ber Art, wie das Handelsmonopol von der Sowjetregierung auSgenutzt wird, die Dinge so eigenartig, daß man sie mit dem Handel nach anderen Ländern nicht vergleichen kamt. Hier 1 gilt wirklich nicht der alte Satz, daß dem andern