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Nr. 45 Sroeites Blatt
Gießener Anzeiger IGeneral-Anzeiger für Gberhessens
Mittwoch, 23. Februar 1027
Der deutsch-polnische Nonslitt.
Ban Dr. Dito Lo« ning, ehemaliger Vizepräsident des Danziger Parlaments.
Deutschland und Polen besinden sich seit dem 26. Juni 1925 im Wirtschaftskrieg. Die j)an- dclsvertragsoerhandlungen zwischen beiden Ländern sind schon älter. Sie sind oom wirtschaftlichen Stand- punkt aus betrachtet, besonders dadurch erschwer, worden, daß Polen seinen Zolltarif in den lebten Jahren mehrmals geändert hat, daß Polen für eine groh« Anzahl von Waren Einfuhrverbote erlief, di« sich hauptsächlich gegen die Einfuhr von Waren aus Deutschland richteten. Deutschland antwortete selbstverständlich mit gleichen Maßnahmen. Auch von deutscher Seit« wurden Einsuhroerbote erlasien und ZoUcrhohungen für wichtige polnische Exportartikel oorgenommen. Schließlich legten beide Staaten ihre genau formulierten Wunsche vor, beide verlangten für eine gewiss« Anzahl von Waren starke Herabsetzung der in den gegnerischen Aufstellungen festgesetzten Zollsätze. So hat z. B. Polen für wichtige ^rportartikel wie Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Dohnen, Erbsen und einzelne Gemüsearten, für Rartoffeln, Vieh, Fleischwaren, für Eier, Zucker, Branntwein, al» auch für einzelne Hölzer eine Zoll- ermäßigung oon 80 Proz. gewünscht, für andere Artikel sind durchschnittlich Zollermäßigungen von 20 bi» 6ü Prozent verlangt. Aus deutscher Seite war da« nicht Diel ander».
lieber all dies liehe sich verhandeln, und wurde auch seit ungefähr Februar 1926 zwischen beiden Staaten de» längeren und breiteren geschrieben, geredet, verhandelt, zum Teil eine Einigung erzielt, »um großen Teil noch nicht. Es ist selbstoerstand- sich, daß in diesen wirtschaftlichen Fragen jeder oom anderen im Interesse seiner Wirtschaft so viel herauszuholen sucht als es nur geht. Da» ist bei allen Handelsvertragsoerhandlungen so. Bei den Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen sind jedoch auch in diesen mehr ober minder rein wirt- schastlichen Fragen vielleicht größere Schwierigkeiten ;u überwinden, als bei Verhandlungen mit anderen Staaten; auch das ist erklärlich. Daß die beiderseiti- gen Wirtschaftskreise von der langen Dauer der Verhandlungen nicht gerade entzückt sind, läßt sich bei den von beiden Staaten ergriffenen Rampfmaß- nahmen oerftehen. Immerhin lag und liegt eine vollständige Einigung auf dem wirtschaftlichen Gebiete der Handelsoertragsoerhandlungen nicht außer dem Bereich der Möglichkeit, Im Gegenteil, die Annäherung der beiderseitigen Forderungen hat •m Laufe der sich überaus lang hinziehenden Der- Handlungen schon gewisse, nicht zu unterschätzende Fortschritte gemacht.
Die Bereitwilligkeit zur Beendiguna des Zoll- friegc» wird auch von beiden Seiten o|t genug erklärt, von polnischer Heile mit der den Polen eigen- tümilchen Emphase, wobei last stets betont wird, daß der deutsch-polnische Zollkrieg die Wirtschaft»- tage Polen» so gut wie gar nicht berührt habe. In- wieweit letztere» richtig ist, soll hier nicht untersucht werden. Möglich, daß der oolnische Handel». Minister Ruriatkowski bei seinen jüngsten Erklarun- f|en im polnischen Sejm dabei davon ausgegangen st, daß die Wirtschaftslage In Polen sowieso schon verzweifelt ist, und daß sie auch durch eine Beend!- guna de» Zollkriege» kaum gehoben werden könnte.
Handelsoertrogsoerhandliingen haben aber nicht nur eine rein wirtschaftliche Seite. Sie bezwecken auch, die Möglichkeit zu schassen, daß zwischen den vertragschließenden Ländern die Vorbedingungen für einen Austausch oon Gütern geschossen werden. Selbst menn zwischen zwei Ländern die Zoll- schranken ganz gesallen lein sollten, kann unter den heutigen Verhältnissen ein wirklicher wirtschaftlicher Verkehr nur bann ftattfinben, wenn auch den bei- beseitigen Staatsangehörigen bie Möglichkeit ge- feben wirb, durch direkte Runbenauf« u d) u n g , durch Aufenthalt In dem anderen Staat, durch ungehemmte Einreise und dergleichen bie Dorausfetzung für einen lohnenben Umsatz zu schaffen. Daher enthalten alle modernen Handels- oerträge eingehende Bestimmungen über das Recht der Niederlassung, de« Gewerbebetriebe», der Einreise in da» andere Land. Ohne solche Vereinbarungen Haden heute Hanbelsvenragsoetein- ba rungen nur sehr problematischen Sinn.
Gerade In dieser Frage, die also mit einem deutsch-polnischen Handelsvertrag untrennbar verbunden ist und fein muh. werden aber von den Polen die allergrößten Schwierigkeiten gemacht und zwar a u S politischen Erwägungen heraus. Polen bat bisher auf dem Standpunkt gestanden, daß daß vertragsmäßige Riederlaffungsrecht der Deutschen in Polen auf« äußerste beschränkt werden müsse. Selbst wo Deutschland sich grundsätzlich bereit erklärte, ein vertragsmäßiges Rieder- lassungSrecht nur für wirtschaftlich tätige Personen in Anspruch au nehmen, hat Polen da« Riederlassung-recht für die gesamte Landwirt
schaft. für alle Angestellten und für fast alle freie De rufe abgelehnt. Ebenso waren von Polen irgendwelche Garantien für eine einwandfreie Handhabung der Einreisebestimmungen bei vorübergehendem Aufenthalt nicht zu erlangen. Auch in dieser Beziehung hatte Deutschland von seinen ursprünglichen Forderungen viele« fallen gelassen; trotzdem zeigte aber Polen nicht doS mindeste ®ntgegen!ommen. Denn heute polnische Stellen und polnische Zeitungen eS so darzu- ftellen belieben, al« ob Polen in Fragen deS
Niederlassung-rechtes weitgehendes Entgegenkommen gezeigt hätte, so ist daS mit den einfachen Tatsachen nicht in Liebereinstimmung zu bringen. Es ist also dem Deutschen Reiche nicht zu verdenken. daß e« von Polen zunächst einmal ganz bestimmte Zusagen auf dem Gebiete de« RlederlalfungSrechtes verlangt. Denn gerade während der Derhandlungen über dieses Rieder- lasfungSrecht haben die polnischen Behörden, insbesondere in Prlnisch-Oberschlelien systematisch Deutsche in wirtschaftlichen Unternehmungen durch
Nichtverlängerung der Aufenthaltsgenehmigung zu verdrängen gesucht und sie a u « g c id i c I e n. S'afo diese polnischen Maßnahmen mit den letzten Wahlen in dielen Gebieten in Zusammenhang stehen, ist unverkennbar. Diese Ausweisungen Deutscher stehen außerdem im Widerspruch zu den bisher geführten Verhandlungen und auch zu der b'sheriaen deutsch-polnischen Abrede, unter welchen DorauSseyungen Ausweisungen verhängt werden sollten
Au» ben obengcnanten Grünbcn ist e» aber für Deut|d)lanb so gut wie unmöglich, die wirtschaftlichen prägen eher zum Abschluß zu bringen, als bie Fragen bes Niederlassung»- unb be» ^»Weisungsrechts. E» ist baher mehr als naiv, wenn ber polnische Außenminister Za 1 eski sich über bie letzte beutsche Note, bie zu bem vorläufigen Abbruch geführt hat. erstaunt zeigt. Niemals hat Deutschland in ber Niederlasiungssrage von Polen mehr verlangt, al» auch in anderen deutschen Han- delsoerträgen gcgenfeltifl bereitwilligst zugestanden worden ist. Wenn oon polnischer Seite es jetzt jo dargestellt wird, al» ob Deutschland in den 'iWr- hanblungen Schwierigkeit mache, so vergißt man auf polnischer Seite, und will es oerge'sen, daß Polen f e l b ft es gewesen ist, da» sonst bei den Verhandlungen als auch in ber Praxis dauernde Schwierigkeiten in Hinsicht auf das Niederlassung», recht und die Ausweisungvfroge gemacht hat. Ohne eine Einignug auf diesen Gebieten haben aber Verhandlungen wirtschaftlicher Natur keinen Sinn. Da Polen sich in Fragen de» Niederlassungsrechts bisher intransigent gezeigt hat, so wird jeder, der die dis- herigen Verhandlungen aufmerksam verfolgt hat. es nur gerechtfertigt finden, daß Deutschland zunächst die Niederlasfungsfroge bereinigt zu sehen wünscht, um nicht nutzlos Zeit und Mühe zu verschwenden. Da aber Polen gerade diese Nieder- lafiungsfragen nicht erledigen ober wenigsten» keine Zugeständnisse machen will, so muhte e» zum A b - bruch ber Derhanblungen kommen. Sie könnten heute wieder ausgenommen werben, wenn Polen dem Reich zugesteht, da» andere Staaten unter einander für fast selbstverständlich halten.
Die nächsten Aufgaben ber deutschen Landwirfichaft.
Die äußere Lage der deutschen Landwirtlchast ist durch die Bildung der staatsbürgerlichen Reichsregierung natürlich nicht geändert. Aber die Stellung der Landwirtschaft im Staat ist doch eine andere geworden. Die neue Reichsregierung ist die erste nach der Revolution, die in ihr Programm ganz offen bie von der Landwirtschaft seit der Revolution stets vertretenen grundsätzlichen Forderungen ber Wirtschaftspolitik ausgenommen hat. DaS bedeutet natürlich noch lange nicht, daß nun etwa die Regierung eine einseitig lanbwirtschaftsreund- liche Politik treiben wird. Aber e« bedeutet, daß die Landwirtschaft dieser Regierung gegenüber, solange sie sich zu ihrem Programm hält, nicht in ber Rolle des Fordernden und Mahnenden auf treten wird, sondern baß sie mit ihr gemeinsam al- einer der stärksten Träger der Regie- rungSkoakition an die Verwirklichung eines allgemeinen volkswirtschaftlichen Programms auf der Grundlage der Bobenkräfte und des Binnenmarktes Herangehen wird.
Damit ist nicht- gegen die bisherige Haltung der Landwirtschaft gesagt. Sie hat nach bestem Rönnen ibre Pflicht zu erfüllen versucht. Sie ist aber bisher teil« von ben Regierungen, teils auch von den anderen Berufsständen in dem Ziel ihrer wirtschaftspolitischen Forderungen mißverstanden worden. Jetzt dars sie auf volles Verständnis rechnen. Richt nur bei der Regierung, sondern auch bei den anderen Berufsständen, wie die vielfachen Erörterungen in den Kreisen der Industrie und des Handels über die Zusammenarbeit an der Förderung der Canbtoirt- fchaft und des inneren Marktes beweisen. Die Reichsregierung hat in ihrer programmatischen Erklärung der inneren Verbundenheit der verschiedenen Wirtschaftsschichten und der Abhängigkeit der Sozialpolitik von den Erfolgen derWirtschastSpolitik Ausdruck gegeben. DaS ist die Uebertragung der Theorie deS englischen Rationalölonomen David Hume auf den inneren Markt. Humes Theorie, daß Die Zunahme des Wohlstandes bei irgendeiner Ration dem Wohlstände aller ihrer Rach- barn nicht schade, ihn vielmehr fördere, hat gerade in der RachkriegSzeit mit ihren verworrenen Weltwirtschaftsverhältnissen allgemeine Anerkennung gesunden, wie schon allein die Bemühungen um die Weltwirtschaftskonferenz beweisen. Dasselbe gilt aber auch für den Bin - nenmarft. 3e mehr sich die Lage eines Wirtschaftszweiges hebt, um so mehr muß sich auch
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Giehener Famrttenblätter
offen für alle Bezieher des Gießener Anzeigers und für Neubesteller zum 1. März, sowie für deren Familienangehörige.
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Das Preisausschreiben erstreckt sich über die Ausgaben der Gießener Familien- blätter Nr. 17 bis einschließlich 22 in der Zeit vom 1. bis 19. März 1927.
3n jeder dieser Nummern der (Siebener Familienblätter werden je zwc Ausschnitte aus den Werken und Briefen deutscher Dichter und Denker der Vergangenheit veröffentlicht werden.
Das Fiel der Teilnehmer am Preisausschreiben soll sein,
die Namen der zwölf Verfasser möglichst lückenlos zu ermitteln und in der Reihenfolge der Deröffentlichungen aufgeführt schriftlich bei der Redaktion der Gieffener Familienblätter, Gieffen, Schulstraffe 7, einzureichen.
Die Anrahmezeit für die Losungen beginnt am 20. März 1927. Der Schlufftag ist auf den 26. März festgesetzt. Spätere Eingänge bleiben unberücksichtigt.
Sämtliche Lösungen muffen an der Spitze Namen, Stand, Wohnort, Straffe und Hausnummer des Einsenders tragen. Die Beifügung der Märzquittung über den Bezug des Gieffener Anzeigers ist Bedingung.
Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung über die Preisverteilung als endgültig an.
Preise
Die Preisträger werden nach Vollständigkeit und Richtigkeit der einlaufenden Lösungen ermittelt. Es kommen zur Verteilung die nachstehend aufgeführten Werke zeitgenössischer Schriftsteller:
Theodor Fontane, Effie Briest Theodor Fontane, Stechlin Bruno Frank, Trenck Gustav Frenffen, Otto Babendiek Ricarda Huch, Der groffe Krieg in Deutschland Ludwig Huna, Der Kamps um Gott Bernhard Kellermann, Das Meer Hans Leip, Godekes Knecht Hermann Löns, Der Wehrwolf Thomas Mann, Buddenbrooks Thomas Mann, Der Fauberberg Walter von Molo, Der Schiller-Roman Waller von Molo, Roman meines Volkes Alfred Neumann, Der Teufel Wilhelm Raabe, Der Hungerpastor Albrecht Schaeffer, Helianth Jakob Schaffner, Das groffe Erlebnis Hermann Sudermann, Der tolle Professor Jakob Waffermann, Das Gänsemännchen Ernst Jahn, Die Hochzeit des Gaudenz Orell.
Die Bücher werden nach auswärts verpackungs- und portofrei zugestellt.
Verlag und Redaktion des (Siebener Anzeigers.
Friebrich Cubroig Weibig.
3km Dr. 6. W albrach.
2rn 15. Februar 1791 wurde dem Oberförster 35kibia In Oberkleen als erstes Kind ein Sohn geboren, der bi« 3lamen Ludwig Friedrich Alexander erhielt. Die Erziehung des Knaben war gut, aber wertvoller das. was er im Elternhaus sah und lernte. 3n Gießen, wo er Da« Gymnasium besucht hatte, studierte er von 1808 ab Theologie. Besondere Anziehungskraft übte Professor Weicker auf den Jüngling aus, der bereits 1812 zum Konrektor an der Butzbacher Lateinschule ernannt wurde. Er gab sich feinem Berus al« Bildner der her- anwachsenden 3ugenD mit Liebe und Freude hin. Rach Ernst Moritz ArndtS QlorbilD gründete er im Rovember 1814 in Butzbach eine Deutsch« Gesellschaft- und führte in der Schale das Turnen ein. ..Auch er glaubte mit vielen, daß Die Verheißungen, welche in den Jahren 1813 und 1814, nachdem Da« Zoch der Franzosen durch unglaubliche Anstrengung der Völler abgeschüttelt worden war, gegeben wurden, nicht erfüllt worden seien, und er strebte stets dahin, daß dasjenige zur Erfüllung gebracht werden möge, was in den Verhandlungen des Wiener Kongresses, ja, was selbst in der BundeS- alte den deutschen Böllern versprochen worden war. Er dachte, daß nun bei der entwickelten Kraft des Volles Die Fürsten den widersprechenden Einflüsterungen ihrer Ratgeber nicht ferner Gehör geben, sondern den Völkern das bewilligen würden, was denselben verheißen, aber nicht erfüllt worden war, und zu dessen Forderung er Die Doller berechtigt hielt. Er wirkte daher ht Wort und Schrift in Metern Sinne."
Rach Der deutschen Einheit zu streben, galt bei Den herrschenden Männern als staatsgesähr- lich, hochverräterisch. Darum nimmt eS nicht wunder, daß Weidig bereits 1819 in eine Untersuchung verwickelt wurde Man toarf ihm vor, er habe feine Schüler in revolutionärem Sinn beeinflußt und wirke überhaupt „Im Geist der Llnzusriedenen und Reuerungssüchligen". Das Ergebnis dieses Verfahrens wird durch WeidigS Beförderung zum Rektor (1826) genügend gekennzeichnet.
1822 hatte er sich in Gießen den philosophischen Doktorhut erworben. 1826 verheiratete er sich mit Amalie Hofmann, Die ihm eine treue, sorgende und verstehende Gattin wurde. Daß er die politischen Ginge in Hessen aufmerksam verfolgte, versteht sich ebenso wie seine Begeisterung für den Zreiheitskamps der Griechen und Polen. Die Einführung der Verfassung im Jahre 1820 hatte er freudig begrüßt; aber seine Erwartungen sollten zum geringsten Teil in Erfüllung gehen. 3e stärker Der Druck von oben wurde, desto kräftiger die Opposition. WeidigS Stellung zur Regierung wurde immer schroffer, je mehr er sah, daß man nicht dem Dolle geben wollte, was des Dolles war. Rach dem granljurter Wachen sturm des Jahres 1833 wurde er abermals in eine äloterfuchung verwickelt. Die ebenfalls erfolglos verlief. Unb schon ein 3ahr später glaubte man wiederum Gründe zum Dorgehen gegen ihn zu haben. Zwar hatte diese Untersuchung denselben Erfolg wie Die früheren, aber Die Regierung hatte doch nun kein Vertrauen mehr zu ihm und versetzte ihn als Pfarrer nach Oberfleen bei Alsfeld. Ss war aber ein Irrtum, wenn man meinte, einen Mann wie Wcidig durch solche Maßnahmen unschädlich und mürbe zu machen. Die Verbindung rmt
seinen Gesinnungsgenossen riß nicht ab. Die Zeit für einen getoalt)amen Umsturz hielt er noch nicht für gekommen, und warnte mehr als einmal davor, aber er meinte. Die Agitation durch Flugschriften müsse lebhafter betrieben werden, um daS Doll auf^urütteln.
lieber diese Dinge wurde auf einer Versammlung von Gleichgesinnten aus der Badenburg am 3. 5uli 1834 verhandelt. Schon vorher war der .Leuchter unD Beleuchter für Hessen" und andere Flugschriften verbreitet worden; nun erschien Georg BüchnerS .Der hessische Landbote" mit dem Wotu>. ,.Friede den Hütten, Krieg den Palästen", an dessen Bearbeitung Weidig beteiligt war. Die Denunziation Eingeweihter hatte seine Verhas- tung am 22. April 1835 zur Folge; er kam ins Friedberger Gefängnis und bald ins Darmstädter ArresthauS, das fein TodeShauS werden sollte.
Die Untersuchung gegen Weidig in Dem geheimen Verfahren lag In den Händen des Hof- gericht-rats Georgi, eine« offenbar nicht einwandfreien Richters. Was man Weidig vorgeworfen hat, war Streben nach Einheit des Reichs und innerer Freiheit des Volles; daß er durch den Weg geheimer Umtr.ebe, Den er zu diesen Zielen ging, eine gewisse Schuld auf sich geladen hat, ist nicht zu beftteilen. Es war selbstverständliches Recht des Staates, gegen einen Beamten, der sich an einem gegen Den derzeitigen Bestand des Staate- gerichteten Geheimbund beteiligte, vorzugehen. Daß das Verhalten Der reaktionären Staatsleistungen letzten Endes selber das Zu- standekommen von Verschwörungen verursachte, spielt in dieser Hinsicht keine Rolle. Es ze gt nur. daß sich die Grenzlinie polirischer Verbrechen verwischen muhte, es erklärt nur menschlich Wei- dias Haltung. Der begabte, leidenschaftliche, edelgesinnte Mann wollte wohl den bestehenden Staat
untergraben, aber lein Ziel war so groß, daß noch mehr als 30 Jahre schwerer Kämpfe vergehen sollten, ehe es am 18. Januar 1871 erreicht wurde.
In Den Verhören wußte er mit solcher Gewandtheit und Vorsicht zu antworten, daß man ihm eigentlich nichts nachweifen tonnte Mehr als einmal wurde er wegen Leugnens disziplinarisch bestraft, d. h. man legte ihm Ketten an ober fesselte ihn an die Zellenwand, ja Der Richter hat wiederholt Den Antrag auf körperliche Züchtigung gestellt, und eS ist behauptet worden, diese sei entgegen dem Verbot insgeheim auSgeführt worden. So viel ist sichere De beinahe zweijährige Haft bei solcher Behandlung zermürbte ihn seeli'ch. Denn nur so läßt es sich erklären, daß Weidig, ein liebenbet Gatte, ideal- gelinnter Patriot und gottver'.rauender Mensch, in der Rächt zum 23. Februar 1837 Hand an sich selber lcgt£
So wurde Friedrich Ludwig Weidig, „ein Mann, desjen Geist und Tugend und Tatkraft ihn zu einem der Besten seiner Zeit stempelten, der von feuriger Vaterlandsliebe beleelt, von feinen Mitbürgern geliebt wurde und zugleich von energischem, opferfreudigem Charakter war, daS eigene Ich hinzuwerfen zum Besten der Menschheit", zum Märtyrer Der guten S^che. Sein Streben war nicht umsonst; er hat sich einen Platz erworben unter den Vorkämpfern Deut- fcher Einheit und Freiheit, wenn auch fein Rome nur noch von wenigen gekannt wird. Lind auch fein Tod war nicht vergebens: fein in Der Ge» sängniszelle vergossenes Blut hat mehr als sonst irgend etwas Dazu beigetragen, daß das geheime Strafverfahren in ein öffentliches umgewandelt wurde.


