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Nr. 222 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 22. September 1927

HGfche Landwirtschaftliche Landesausstellung.

Ter Ausklang.

Von unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 21. Sept.

Die Hessische Landwirtschaftliche Landesaus- stellung, die am Dienstagabend geschlossen wurde, war das größte Ausstellungsunter- nehmen, das unser Land seit Jahren auszu­weisen hatte, da es nicht allein die Landwirt- fd>aft im engeren Sinne, sondern auch eine Reihe von landwirtschaftlichen Hilssstvsfen und Neben- gewerben umschloß. 3n den gewaltigen Besucher­zahlen, die biS jetzt noch nicht endgültig fest­gestellt werden konnten, spricht sich nachträglich die Rechtfertigung aus für dieGröhe und den Umfang der Ausstellung, die manche für zu groß hielten und darin einen Wett­bewerb mit den Riesenausstellungen der Deut­schen Landwirtschaftsgesellschaft sahen. Angesichts deS starken äußeren Erfolges spielt die Frage nach dem finanziellen Ergebnis eine unter­geordnete Rolle! jedenfalls wird, wenn das Unternehmen mit einem Fehlbetrag abschließen sollte, dieser nicht sehr beträchtlich sein. Der hessische Staat hat bekanntlich zur Deckung eines Defizits einen Betrag bis $u 40 000 Mark be­willigt, doch wird voraussichtlich die Summe nicht in nennenswerter Weise in Anspruch ge­nommen. Das finanziell« Ergebnis wäre günstiger gewesen, hätte nicht gerade am Sonntag schlech­tes Wetter geherrscht: trotzdem hatte auch der Sonntag einen Massenbesuch zu verzeichnen.

Die Ausstellung sollte nach der Ankündigung ein Bild von dem Stand der Entwicklung und den Leistungen der gesamten hessischen Landwirt­schaft und ihrer Nebenzweige, sowie der in engster Beziehung mit der Landwirtschaft stehenden In­dustrie- und Gewerbezweige geben. Ferner sollte sie Gelegenheit bieten, die Leistungen der Be- schicker auf mannigfaltigerem Gebiet und in grö­ßerem Wettbewerb, als dies bei den kleineren Schauen innerhalb der Provinz möglich ist, zu vergleichen, weiter durch ihre Ergebnisse und ihren Einfluß zur Nacheiferung und netter Förde- rungstätigkeit anregen, sowie neue geschäftliche Beziehungen anbahnen. Man muß gestehen, daß dieser Zweck in einem alle Erwartungen über­steigendem Matze erreicht worden ist. Die Aus­stellung hat sich als ein Bildungsmittel er st en Ranges erwiesen, dessen Wert für Hessen nicht hoch genug angeschlagen werden kann, weil namentlich der Besuch aus den Landvrten, in den meisten Fällen sogar auS sehr kleinen Qanborten, außerordentlich lebhaft war. Den Landwirten war Gelegenheit gegeben, sich mit zahlreichen Neuerungen und Errungenschaften vertraut zu machen, Die für ihren Beruf von Bedeutung sind. Den Stadtbewohnern wurde der Wert der Landwirtschäft vor Augen geführt, was um so wichtiger ist, als der Städter vielfach leicht geneigt ist, Den wirtschaftkichen Wert der Landwirtschaft im Rahmen des Volks ganzen zu unterschätzen. Daß die Aussteller im all­gemeinen mit dem Geschäftsgang zufrie­den waren, ist um so bemerkenswerter, als auf den meisten Ausstellungen der letzten Jahre in dieser Beziehung stets sehr geklagt wurde.

Wenn man eine Rückschau hält über das Geleistete, über die vortreffliche Anordnung, die Übersichtlichkeit und die Reichhaltigkeit der Aus­stellung, so darf man der Landwirtschafts­kammer den Beifall nicht versagen, insbe­sondere nicht den Männern, auf deren Schultern die Hauptlast des Unternehmens ruhte. ES waren dies: Oekonomierat Hensel- Dortelweil, der Dorsihend« der Landwirtschaftskammer, Dr. Hamann- Darmstadt, Generaldirektor der Land- wlrtschastskammer, und Daurat T h a l e r - Darm­stadt, Vorstand des Dauamtes der Landwirt­schaftskammer.

Auf dem Ausstellungsplah wird jetzt fleißig abgeräumt: bald wird er wieder still daliegen, aber den Tausenden von Besuchern der Ausstellung wird diese im Gedächtnis fortleben als ein aus­gezeichnetes Gesamtbild von dem hohen Stande

Henrik Ibsen bei Tisch.

Für einen Kammerdiener gibt eS keinen Helden: ein Sah, der in zahlreichen Memoiren- bücherii seine Bestätigung findet. Ob er auch für die Köchinnen großer Männer gilt? Darüber hat sich der Marschall Ludwigs XIV., Nicolas de Catinat, von dem das geflügelte Wort stammt, aus Galanterie nicht ausgesprochen. Aber ver­mutlich hätte er die delikate Frage verneint, wäre er nicht, nachdem er im Elsaß gegen den Markgrafen von Baden fein Glück gehabt und den Vormarsch in den Schwarzwald nicht gewagt, anno 1712 als pensionierter Offizier gestorben und hätte er in einer der Nummern der Stock­holmer ZeitungDagens Ntzheter" lesen können, in der Henrik Ibsens alte Köchin, Lina 3a- kobsen, ein paar Erinnerungen an ihren welt­berühmten Dienstherrn veröffentlicht.

Hochbetagt lebt Fräulein Jakobsen noch heute in Oslo, im vierten Stock eines kleinen, bau­fälligen Hauses der Mitarbeiter der schwe­dischen Zeitung, der sie dort besuchte, fand auf ihrem Tische Ibseirs sämtliche Werke, und er konnte bemerken, daß Jie nicht etwa als Prunk­stück dort lagen, fonbem daß sie zerlesen und mit vielen Bleistiftstrichen versehen waren. Und nun erzählt Fräulein Jakobsen von 3bsen...

3a, das war ein kluger Mann", versichert sie,ich habe in seinem Hause viel gelernt. Gr war bestimmt nicht sohart und unzugänglich", wie die Leute sagen.Mein Gott, wie oft habe ich, und nicht nur ich allein, ihn weinen sehen. 3ch erinnere mich noch so gut an die Zeit, als wir in der Nähe des Ruselökweges wohnten, an den 17. Mai! Der große Demonstrationszug der Kristianier zog unter unseren Fenstern vorbei, und alle Kinder schrienHurra!" zu 3bsen empor und schwenkten ihre kleinen Flaggen: da stürzten ihm die Tränen aus den Augen..." Unb nun beginnt, bezwungen von der Erinnerung, die alte Lina selbst zu weinen.3ch finde es traurig", fügt sie hinzu,daß am 17. Mai jedes Jahres nicht auch Ibsens Grab mit Kränzen geschmückt wird. Nur Björnsons."

Aber Fräulein Lina weiß nicht nur von dem Dichter und Politiker Ibsen zu erzählen sie wird fast südländisch lebhaft, als sie von dem täglichen Leben in Ibsens Haufe zu sprechen be­ginnt. von seiner Tageseinteilung, von der mit

und der Leistungsfähigkeit der hessischen Land­wirtschaft.

Schluß der Frankfurter Herbstmesse.

WEN. Frankfurt a.M., 21.Sept. Der vierte und letzte Messetag zeigte in verschiedenen Gruppen, wie Lederwaren, Haus­haltungsgegenständen, Spiel- und Galanterie­waren, noch einen f a st intakten Markt. Der Besuch war in diesen Gruppen lebhaft, und es wurden zum Teil noch beträchtliche Geschäfts­abschlüsse getätigt. Auf der Textilmesse konnten Regenmäntel und Damenmäntel noch gute Ab­schlüsse erzielen, teilweise auch Strickwaren und Strümpfe. Für die übrigen Gruppen war das Geschäft im wesentlichen beendet.

Uebec den G e s a m t v e r l a u f der heute zu Ende gegangenen 17. Frankfurter Herbstmesse läßt sich im wesentlichen sagen, daß ihre Ergeb­nisse nach fast allen Richtungen als gut zu be­werten sind. Der Besuch war vom ersten bis zum dritten Tage gut, am ersten Tage sogar unge­wöhnlich starl, und flaute nur am Schlußtage ab. Vom Atoeiten Tage machte sich in verschiede­nen Abteilungen auch das Ausland' als Käufer bemerkbar, wobei es verschiedentlich zu umfang­reichen Exportaufträgen gekommen ist. Am stärk­sten war der Zuspruch nächst dem Saargebiet aus Holland und der Schweiz. Ferner waren Einkäufer aus Italien, England, Frankreich, der Tschechoslowakei (über 100), Dänemark erschie­nen. Bemerkenswert ist weiter, daß in ver­schiedenen Abteilungen, wie Lederwaren, beträcht­liche Abschlüsse für latein- und nordamerikanische Rechnung zustande kamen.

Die drei SonderausstellungenDer Herr vom Morgen bis Mittetnacht",(Bureau* bedarf und Reklame" undBlumen und Früchte" dauern noch vierzehn Tage (bis zum 2. Oktober) an. Heber das wirtschaftliche Ergebnis, besonders der letzteren, kann deshalb heute noch kein end­gültiges Urteil abgegeben werden: doch hat sie einzelnen der Aussteller schon schöne Abschlüsse gebracht.

ArüMlsürforge in Hessen.

Der Hessische Fürsorgeverein.für Krüppel (Sitz in Darmstadt) hat vor einigen Monaten eine Lotterie veranstaltet mit dem Zweck, die Landesuniversität Gießen mit einer Krüppelklinik auszustatten, Die Lotterie hatte einen guten Erfolg, und das Unternehmen wird ins Leben gerufen. Die Deutsche Vereinigung für Krüppel­fürsorge hat nun am Samstag, 17. September, inDarmstadt eine Tagung abgehalten, auf der das zeitgemäße Thema behandelt wurde:Wa­rum müssen Krüppelheime mit Kli.Äken am Sih von Universitäten entstehen?"

Die Tagung war sehr gut besucht: es waren viele namhafte Persönlichkeiten aus allen Teilen des Reiches und aus Hessen anwesend. Für die auswärtigen Gäste hatte die Stadt Darmstadt am Freitagabend im HotelZur Traube" einen Empfang veranstaltet. Die Tagung am Samstag wurde mit einer Ansprache von Bürgermeister Mueller. Darmstadt, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender desHessischen Fürsorge-Ver­eins für Krüppel" in der Otto-Berndt-Halle der Technischen Hochschule eröffnet. Er begrüßte insbesondere den langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Vereinigung sür Krüppelfürsorge Mini­sterialdirektor Professor Dr. Dietrich, Berlin, sowie Prosessor Dr. Bies a lski, Berlin (früher in Gießen), dessen Name für alle Zeiten unlös­bar mit der Krüppelfürsorge verknüvft sei. Ferner wurden begrüßt die Vertreter der hessischen Re­gierung, der Dekan der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Professor Dr. I e ß und Geheimrat Professor Dr. P o p p e r t, Direktor der n-7-V'g'.-ischen Klinik zu Gießen. Professor Dr. von Baeher hielt bann seinen Vortrag über das Thema:W arunt müssen Krüp- pelheimc mit Kliniken am Sih von Uniherfitäten entstehen?" Er wies

Milch gekochten Hafersuppe, die sie ihm täglich Punkt sieben Uhr ans Bett bringen mußte...

Einen ganzen Liter verlangte er, und den trank et aus, während er umherging und sich anzog. Seine Morgentoilette dauerte lange, well er ein durch und durch ordentlicher und pein­licher Mensch war. 11 nb wenn bas Mittagessen nicht auf dem Tisch stand, sobald er, pünktlich ein Viertel nach zwei Uhr, von seinem Spazier­gange zurückkehrte, so konnte man sein heiliges Donnerwetter erleben... Gekochter Schellfisch, das war sein Leibgericht. Aber nicht der elende kleine Schellfisch, nein, großer Schellfisch muhte es fein, mit zerlassener Butter und gekochten Kartoffeln. Uebrigens, mit dsn Kartoffeln war er heikel, obwohl er sie so liebte.Sie sind zu schwere Speise für bas Hirn", pflegte er zu sagen. Und hatte er Kartoffeln zu Mittag be­kommen, so wagte er sie abends nicht noch einmal anzurühren, selbst nicht, wenn ich ihm Salz­hering dazu machte. Rein, bann er trockenes Brot zu seinem Hering... Auch Ochsenfleisch, meinte er, sei zu schwer für bas Gehirn... Ein anderes Lieblingsessen warfluiirtg (ländliches norwegisches Gericht).Das machte Mutter immer zu Hause in Ellen", sagte er und be­kam Tränen in die Augen. Gr hatte ein sehr weiches Herz, er war immer bis zu Tränen gerührt, wenn er von seinem Elternhause und seiner Kindheit sprach.... Labskaus, das ihm der Arzt empfahl, mochte er nicht, ebensowenig Makkaroni, aber dafür ein gutes Kalbssteak mit Gahnentunke, Hammelkotelette mit viel Peter­silie und von Zeit zu Zeit ein Beefsteak, in guter Landbutter gebraten, nicht in Fett, wie es der Arzt so sehr anpries... Vom ersten Tage, an dem Erdbeeren auf den Markt kamen, bis zum letzten mußte er täglich seine Portion haben, mit dicker Sahne, aber niemals mit Schlag­sahne. Auch duldete er nicht, daß seine Frau die Beeren spülte.Ich trinke einen ordent­lichen Rotwein", sagte er:So spüle ich die Bakterien weg..." Rotwein und Master waren seine Lieblingsgelränle. Er trank sie zu Tisch und des Nachts, zu seinen belegten Broten, wenn er saß und schrieb...

3n den drei Jahren, die ich bei ihm war, 1893 bis 1895, schrieb erKlein Eyolf" und Baumeister Solneß". Acht Tage, nachdem ich meinen Dienst angetreten, feierte sein Sohn St­

auf den engen Zusammenhang hm zwischen Or­thopädie und der Krüppelfürsorge. Die Be­wegungsstörungen durch die Diagnose festzustellen sei sehr wichtig, unt) großes Gewicht sei auf die körperliche und geistige Ausbildung der Krüppel zu legen. Nur in einem Krüppelheim könnten die Erfahrungen für die Behandlung von Krüp­peln gesammelt werden, und weil Krüppelfür- sorge und Orthopädie eng verbunden seien, sei es notwendig, daß ein Heim mit der Klinik ver­bunden werde. Nur eine Universitätsstadt könne dafür in Frage kommen; werde bas Heim oder die Klinik an einem anderen Orte errichtet, so können sie nicht für UnterrichtSzwecke ver­wendet werden und die Studenten würden kaum eine größere Zahl von orthopädischen Fällen zu sehen bekommen. Auch sei eS für sie wichttg, die Behandlungsmethoden kennen zu lernen. Bürgermeister Mueller bankte bem Redner für die wertvollen Winke, die er gegeben habe. Pastor Vietor vom Johann-Helenen-Heim in Volmarstein (Ruhr) sprach hierauf Über:Krüp- pelsürsorge und die gesetzlichen Ver­ordnungen unter bes anderer Be­rücksichtigung der Frage der Be­rufseinschulung Verkrüppelter". Aus den Darlegungen des Redners ging hervor, daß allenthalben die gesetzliche Regelung der Krüp­pelfürsorge noch recht mangelhaft ist. Bürger­meister Mueller wandte sich an die hessi­schen Regierungsvertreter, sie möchten dafür sor­gen, daß auch in Hessen die Krüppelfür­sorge auf eine gesetzliche Grundlage ge­stellt werde. In der Aussprache wies Professor Dr. Biesalski u. a. darauf hin. daß das Krüppeltum, dank der Erfolge der ärztlichen Wissenschaft, stark zurückgehe. Wie eine Ab­nahme der Blinden festzustellen sei, seitdem die Augenheilkunde Prüfungsfach sei, so werde auch eine Abnahme ber Krüppel zu verzeichnen sein, wenn die Orthopädie Prüfungsfach an den Uni- berfitäien werde. In vielen fast der Hälfte der Fälle seien Krüppel Heilbär. wenn rechtzeitig und sachgemäß ärztliche Hilfe gewährt werde.

(y.haupttagung des Lutherischen Sinlgungswerkes.

Marburg. 20.Sept. (TU.) Die IS.Haupttagung des Lutherischen Einigungswerkes, zu der zahlreiche Delegierte des Auslandes er­schienen waren, hat geftem abend in Marburg begonnen. Rach vorangegangener Vorstands- sihung und einer Sitzung bes Arbeitsausschusses fanden sich die Teilnehmer zu einem zwanglosen! Beisammensein in bem Stadtsaal ein.

Der heutige erste Haupttag begann mit einem Eröffnungsgvttesdienst in der lutherischen Pfarr­kirche, wobei b£r Kirchenpräsident von Bayern, Dr. Veit-München, die erste Predigt hielt. Sodann versammelten sich die Delegierten in der Aula der Philipps-Universität zur Ersten Hauptversammlung. Der Vandesbischof von Sachsen, Sr. Magnifizenz D. Jhmels, hielt als Vorsitzender des Lutherischen Gini- gungswerkes eine Begrüßung«- und Eröffnungs­ansprache. Gr dankte dem hessischen Ausschuß, sowie der Universität für ihre Bereitwilligkeit und wies darauf hin, daß besonders die luthe­rischen Kirchen stets mit der Wissenschaft auf das innigste verbunden gewesen seien und daß es ja auch ein Professor gewesen sei, dem die Reformation zu verdanken fei Gr gedachte ferner ber für die Reformation so bedeutenden Mar­burger Vergangenheit und wünschte, daß sich die Haupttagung des Lutherischen Ginigungs- werkeö in gleicher Weise in die Reihe der ge­schichtlichen Geschehnisse einfügen möge. Nachkem er noch der Stadt den Dank für die Gastfreund­schaft ausgesprochen hatte, begrüßte er die Ver­treter ber Landeskirchen von Bayern, Württem­berg, Hessen, Thüringen, Braunschweig, Han- nover, Oldenburg, Mecklenburg, Frankfurt und Hamburg, sowie die Vertreter der auslänbischen Kirchen von Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Gstlanb, Holland und Frankreich. Der ungarische Landesbischof Dr. Rassah hatte, wie der Vorsitzende mitteilte, im letzten Augenblick die Einladung ablebnen müssen, da er ernstlich

purb Hochzeit. Ibsen war nicht dabei, nur s-ine Frau, und er war auch nicht bei ber Taufe seines Enkels Tancred, die hier in ber Stadt gefeiert wurde.... Beide Male saß er zu Hause unb schrieb... Frau Ibsen, mit der stand ich mich vortrefflich. Sie überließ nur den ganzen Haushalt, als sie ins Ausland reifte und zehn Monate wegblieb... An einen Weihnachtsabend erinnere ich mich, da kam Ibsen zu mir unb brachte mir ein Kleidungsstück als Geschenk, das er längst im Fach seines Schreibtisches verwahrt hatte... Am Karfreitag mochte Ibsen kein Fleisch, nur immer Fisch... Einmal, ba wollte seine Frau ihn mit italienischen Kartoffeln überraschen, aber zur Sicherheit hatten wir auch einige eiichei- mische gekocht unb in Reserve. Als er die Fremd­linge sah, runzelte er die Stirn:Wir sind jetzt in Norwegen", sagte er ifhb schüttelte den Kopf unb wurde erst wieder gemütlich, als ich mit den Reservekartoffeln kam... Aber er war sonst ein vortrefflicher, guter Mann, und es ist bloß Gerede, daß erfalt und unzugänglich" ge­wesen sei, bloß dummes Gerede."

So weit Ibsens alte Köchin. Die Stockholmer Zeitung veröffentlicht dazu im Faksimile daS Zeugnis, das Ibsen ihr eigenhändig ausstellte, als sie ihn verließ. Es lautet in wörtlicher Übersetzung:

Lina Jakobsen hat drei Jahre in unserem Hause gedient. 3m letzten Jahre, während der Abwesenheit meiner Frau auf Reisen im Aus­lands hat sie den Haushalt für mich allein treu, gewissenhaft und überhaupt zu meiner vollen Zufriedenheit in jeder Hinsicht geführt. Ich kann sie darum aufs beste empfehlen und wünsche ihr alles Gute, da sie nun ihre Stellung verläßt.

Kristiania, den 30. Oktober 1895.

Dr. Henrik Ibsen.

Das Häkchen

Don Max 3ungnicfeL

Das Mädchen, das ich sehr gut kenne, ist eine kleine Person von acht Jahren: mit großen, erstaunten, hellen Augen und weißblonden, Haar. Einige Sommersprossen hat sie auf der Stirn und auf ben Nasenflügeln: diese Sommersprossen geben dem Kindergesicht etwas Rührendes,

erkrankt ist. Der Vorsitzende drückte feine Freude über die zahlreichen Teilnehmer an der Tagung des Cinigungswerkes aus, das unabhängig von der Kirche die lutherische Gemeinde einigen wolle. Nachdem dann Superintendent Landau im Namen des Ortsausschusses, Oberbürgermeister Müller als Vertreter der Stadt unb Prof. Dr. Elster für die Universität Grüße aus­gesprochen hatten, nahm ber Rektor der älniver- sität Erlangen, Professor Dr. Ehlert, das Wort zu einem Vortrag überDie Botschaft des 7. Artikels der Augsburger Konfession". An die Hauptversammlung schloß sich ein seitens der Stadt im Rathaus gegebener Kaffee und bann ein gemeinschaftliches Essen in den Stadt­sälen an.

Oberhefsen.

Landkreis Wietzen.

: Grohen-Buseck, 21. Sept. Wie man­cher Kleinbetrieb dem Großbetrieb weichen muß, hat sich bei der am Bahnübergang nach Reis­kirchen zu gelegenen Leppermühle gezeigt. Während und nach dem Kriege ist die Mühle rasch hintereinander durch die Hand mehrerer Besitzer gegangen. Der jetzige Besitzer, ein Herr Reinschmidt von hier, hat die Mühle einem vollständigen Umbau unterzogen. Die OK ü 6 - leneinrichtung wurde vollkommen besel- t i g t, das Wohnhaus abgebrochen und neu auf- gebaut. Das M a s s e r r ech t ist durch Kauf an die Gemeinde Reiskirchen übergegangen. Vor einigen Wochen hat die Gemeinde Reis­kirchen das Wehr, durch welches das Wasser zum Mühlgraben gestaut wurde, abbauen lassen, um dadurch den anliegenden Wiesengrund vor der Versumpfung zu retten. Durch diese Ver­änderungen ift die Mühle a 1 s solche aus dem Busecker Tal verschwunden.

~ Londorf, 21. Sept. Auf der Landwirt­schaftlichen Ausstellung in Darmstadt war der Reit - und Fahrverein Rabenau beim Reit- und Fahrturnier recht erfolgreich. Die kom­binierte Reiterabteilung unter der Leitung des Reitlehrers K. R ö ck e r (Weitershain) errang im Provinzialwettkampf den 2. Preis, während sie im Landeswettkampf der ländlichen Retter­verein« bei sehr scharfer Konkurrenz den 6. Preis erhielt. 3m Jagdspringen Klasse A sicherte sich Ludwig Schmidt (Grohen-Buseck) ben vierten Preis, ebenso Otto Schmidt (Trohe), während Wilhelm Niklas (Weitershain) den 8. und Erwin Lerch (Weitershain) ben 9. Preis erhielt.

4 (Brünberg, 21. Sept. Eine kombinierte Abteilung des ländlichen Reit - und Fahr­vereins Grünberg nahm am Samstag un'/ Sonntag unter ber Leitung des Gendarmeriewacht- Meisters Roth (Mücke) an dem Reit- und Fahrturnier auf der Landwirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt teil. Im Provin­zialwettkampf erhielt die Abteilung den 5. Preis, im Sagbfpringen Klasse A (Oldenburger) wurde Karl Erb unter 50 Bewerbern der 5. Preis zuer- kannt. Heinrich S ch o m b e r t von Ilsdorf erhielt im Jagdspringen Klasse A unter 20 Bewerbern den 1. Preis. Die G u t s v er wa11 un g ® art» Hof erhielt auf der Ausstellung in der Klasse I Simmenthaler (Bullen von 12 bis 16 Monate alt) den 1. Preis.

* Grünberg, 21. Sept. Heber dreißig Schüler des Fortbildungsschulbezirkes Grünberg und Nachbarorte batten sich frei­willig gemeldet, um am Montag unter Leitung von Fortbildungsschullehrer F. Gengnagel die Landwirtschaftliche Landesausstellung zu be­suchen. Es war keine leichte Aufgabe, bei dem immerhin noch 'großen Andrang am Montag die Reise und ben Besuch durchzuführen. Im In­teresse unserer jungen Landwirte aber war es nur zu begrüßen, baß ihnen der Besuch der Ausstellung gegen geringe Kosten ermöglicht wurde. Die Besichtigung der Stadt mußte auf einen kleinen Rundgang beschränkt bleiben.

* Lich, 21. Sept. Der hiesige Turnver- e i n hielt dieser Tage unter Leitung des Vor­sitzenden R. Zimmer seine Septe>nbermonats- versammlung ab, die sich eines guten Besuchs, insbesondere auch von Jugendturnern unb 3u- genbtumerinnen, zu erfreuen hatte. Turnlehrer

Wochenlang hat sie von ihrem Geburtstag geschwärmt. Oh, sie hatte sich diesen Tag mit ben jubelndsten Kinderfarben ausgemalt. In die auf- geschlagenen Lesebücher und Diktathefte fiel schon, wie ein Sonnenaufgang, immer ein goldener Strahl nach dem anderen dieses schmerzlich er­sehnten Tages. Manchmal kam sie auch und bettelte mich, ganz hilflos und fein, um einen Groschen an. Oh, sie kam oft! Unb wenn ich sie fragte, was sie mit dem Gelds vorhabe, baim kam ein rätselhaftes Licht in ihre Augen und sie ver­schwand, hochrot im Gesicht, mit dem Geld?.

Unb dann kam der Tag. schillernd bunt wie ein Pfauenschwanz. Mit Lichtern geschmückt, mit Geschenken durchflogen und nach Kuchen duftend. O Gott, wie war sie selig, daß sie auf der Welt war! Unb immer, wenn die Stubenklingel dann zuckte ein freudiges Erschrecken durch fleine Schulmädchen.--

Da, die Nachmittagsstunde atmet sanft in die Geburtstagsstube hinein! Da schrillt die Klingel wieder ganz aufgeregt. Augenblicklich hielt das Heine Mädchen im Spiel an und wartet atemlos und aufgeregt. Mir ist's, als ob ich ihr Herz Hopfen höre.

Unb da steht ein alter Gärtner draußen und gibt einen Strauß ab: einen wahrhaft königlichen Strauß. Sine wahre Wolke aus Duft unb Far­ben: lauter Rosen sind'S.Für das Ge­burtstagskind" sagt er und verschwind.

Unb nun hält sie ben Strauß in beibert Händen unb taucht ihr Gesicht in die Flut aus Licht und Duft. Ihr Gesicht verschwindet käst darin. Sie steht wie verzaubert ba.--Und nun

geht das große Verwundern los. Und dann immer das Rätselraten:Wer mag dir bloß ben Strauß geschickt haben?" Aber sie lächelt nur.

Und es kommt ber Abend. Sie muß ins Bett. Als sie gerade habet ist, ihre Schuhe aufzubinden, sagt sie, wie aus heiterem Himmel herunter:Ich weiß, wer den Strauß hat bringen lassen."Na, wer denn?" frage ich hoch erstaunt. Da sieht sie mich hilflos lächelnd an:Ich! Ja, ich!"Wa aa3?''Ich habe doch die Dlu- mon vorher bezahlt. Don bem (Selbe, das ich mir gespart habe." Unb nun muß ich doch lachen:Aber ich hätte dir doch auch Blumen schenken formen."--Ach ja: aber eS ist doch

schöner, wenn sie der Gärtner selber bringt."

O Gott, heute ist sie acht Jahre. Wie wird das sein, weyn sie zeha 3ahre alten itt?l