Flaggenfrieve durch Flaggenfreiheit.
Ligen« Drahtmelduag des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 22. Sept. Die „Deutsche Allgem. Zeitung" Hst sich für einen vierzehntägi- a « n Flaggenfrieden anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten eingesetzt. Jeder soll di« Flagge seines politischen Gegners achten und dulden, und alle Polemcken in dem Flaggenstreit sollen während dieser Zeit ruhen Es ist nun interessant, festzustellen, wie die einzelnen Parteiorgane auf diese Anregung reagieren. 3m Lager der Deutsch- nationalen herrscht keine Einigkeit. Während die „Kreuz-Zeitung" den Vorschlag ablehnt, wird die „Deutsche Tageszeitung" von ihm durchaus „sympathisch" berührt. Auch die „ÄativnalliLerale Korrespondenz", das offizielle Parteiorgan der Deutschen Volkspartei, erllärt sich für den Vorschlag. „Wir bringen dem Hoheitszeichen der Republik," so heißt es in den Ausführungen der Korrespondenz, „die gebührende Achtung entgegen, fordern aber das selbstverständliche Recht, die alte Fahne schwarz-weiß-rot zeigen zu können. Flaggenfriede durch Flaggenfreiheit, durch gegen* seitige Achtung und Duldung. Rur auf diesem Wege werden sich die Gegensätze abschleifen." Besonders eingehemd beschäftigt sich die Aus* lassung mit der gegenseitigen Duldung und er* klärt, jeder Versuch, durch Gewalt oder Bvykottandrohung eine Losung des Flag* genstreites herbeizuführen, sei der denkbar verkehrte st«. Dann wendet sich di« Korre* spondenz gegen die „Germania", der sie unnötige Verschärfung der Gegensätze vorwirft. Sie verxfiht allerdings dabei, daß die scharfe Sprache der „Germania" eine Reaktion auf die intransigenten Ausführungen der „Kreuzzeitung" waren. Die „Germania" selbst erklärt sich heute für älnterstützung des Flaggenfrie- o « ns, fügt aber hinzu, daß er nur Erfolg haben kann, wenn er von allen Beteiligten ehrlich durchgeführt und vor allem nicht gegen di« offiziellen Farben mißbraucht wird. „Wir werden die letzten sein," schließt bas Blatt, „die sich Bestrebungen auf Zusammenschluß des Volkes widersetzen werden."
Die Besoldungsreform.
Vor der Veröffentlichung des Entwurfs.
Berlin, 22. Sept. (Priv.-Lel.) Die für heute nachmittag angesetzte Kabinettssitzung, die der Weiterberatung einer Reihe von Einzelheiten der Köhlerschen Besoldungs- resorm dienen sollte, ist abgesagt worden. Statt dessen wird heute vormittag 10 Tlhr eine interfraktionelle Sitzung der Partei* sührer der Koalition und der Sachverständigen der Regierungsfraktionen für Deamteirfragen im Reichstag zusammentreten. An dieser Sitzung werden derKanzler, der Finanzmini st er und einige andere Mitglieder des Kabinetts teil- nehmen. GS f-oü besonders die Einzelbesprechung einer Reihe von Svnderfragen fortgesetzt werden. Der bereits vom Kcchinett gefaßte Beschluß der Zustimmung Drsvldungsord- ramg wird dadurch nicht berührt. Di« Veröffentlichung der Befoldungsreform hat bisher um deswillen nicht erfolgen formen, well Preußen mit seiner Anpassung an die Verordnung noch nicht fertig gewesen war. Wie wir hören, ist im preußischen Finanzministerium inzwischen die Arbeit so beschleunigt worden, daß wahrscheinlich heute mit der Veröffentlichung zu rechnen ist. Die Befoldungsreform dürfte dann an den ReichSrat zur wetteren Beratung gehen. Die Befoldungsreform für die Reichs* wehrangehörigen wird gleichzeitig mit der Gesamtvorlage veröffentlicht werden. Die Spit- zenverbände der Beamten hatten gestern eine Besprechung im Reichsfinanzministerium. Rach dieser Besprechung wurde laut „Vorwärts" der Regierung der Vorschlag unterbreitet, die Vorschüsse, die am 1. Oktober bezahlt werden sollen, nach den Gehaltsgruppen zu staffeln. Der Allgemeine Deutsche Deam* tenbund forderte, daß jeder Beamte, ohne Rücksicht auf die Gehaltsgruppe einen Vorschuß von 40 Mark erhalten sollte. Diesem Vorschläge habe sich schliehllch auch der Deutsche Beamtenbund angeschlossen.
Der Schulkampf in Oberschlefien
Beut he n, 21. Sept. (WD.) Obgleich 51 Eltern in«Kvschentin, Kreis Lublinitz, ihre Kinder für die deutsche Minderheitsschule angemeldet hatten, bleibt diese noch immer geschlossen. Der Dchulstreik dauert nun schon fast einen Monat. Da die Ellern sich weigern, ihre Kinder nach der polnischen Schule zu schicken, gingen in den letzten Tagen Polizeibeamte von Haus zu Haus, um die Eltern von ihrer Weigerung abzubringen. Teilweise wurde sogar gedroht, die Kinder mit Stricken gefesselt unter Polizeibedeckung in die Schule zu bringen. 3n vielen Fällen hat man die Eltern vor di« Polizei geladen und stundenlang vernommen, aus welchem Grunde sie ihre Kinder in die deutsche Schule und nicht in die polnische Schule schicken wollen. Hierbei fielen Drohungen, daß man die Kinder in eine Zwangserziehungsanstalt bringen und die Eltern aus dem polnischen Staatsgebiet ausweisen werde.
Die französisch-russische Schuldenverständigung.
Moskau, 21. Sept. (WTD. Funkspruch.) Die Telegraphen-Agentur der Sowjetunion wurde von Litwinow, dem stellvertretenden Volks- kommissor des Auswärtigen, ermächtigt, öffentlich mitzuteilen, daß zwischen der sowjetrussischen und der französischen Delegation eine vollkommene Verständigung in der Schuldenfrage erzielt worden ist. Ein allgemeines llebereinkommen ist jedoch nicht unterzeichnet worden, weil die französische Delegation unsere Vorschläge in der Krcditfrage noch nicht angenommen hat. Es ist zwar auch hier eine Verständigung erzielt worden, jedoch besteht noch keine Einstimmigkeit über das Ausmaß der Kredite. Die Sowjetregierung ist bereit, in den nächsten sechs Monaten bei einer Bank eine erste Ha lbjahresrate von 30 Millio* nen Goldfranken einzuzahlen, von denen )ie erste Zahlungen an die französischen Inhaber russischer Wertpapiere, sofort nach der Ratifi-
Der tätige Wille zum Anschluß.
Das für Deutschland und Oesterreich gemeinsame Strafgesetzbuch.
Die Väter deS Versailler Gewaltfriedens haben sich berechtigt — und auch stark genug — gehalten, um die Grenzen des neuen Europa ohne Rücksicht auf kulturelle oder wirtschaftliche ^sammenhang« auf der Landkarte mit dem Lineal festlegen zu können. Ob sie wirklich, obwohl alle physische Macht tn ihrer Hand lag, im Ernstfall ihren Willen hätten durchsetzen können, mag man billig bezweifeln. Den Beweis dafür haben sie niS)t zu bringen vermögen, da die deutsche Republik nicht den Mut aufbrachte, dem Wunsch Deutsch-Oe st erreichs nachzukommen und den deutschen Rest des ehemaligen verbündeten Großstaates zu annektieren. Schließlich hatten doch die Siegerstaaten den Krieg unter der Parole des Selbstbestimmungsrechtes der Völker geführt, und wenn sie auch imstande waren, einzelne Stücke rücksichtslos aus dem deutschen Stamm abzuhacken, so bleibt es doch zum mindesten fraglich, ob sie den eigenen Völkern an dem Exempel Deutsch- Oesterveichs hätten llarmachen fönnen, daß die Parole, für die sie gefochten hatten, nun plötzlich dem besiegten Volke gegenüber nicht gelten sollte.
Aber darüber zu streiten, hat heute nur noch akademischen Wert, der Augenblick ist verpaßt. Wir müssen uns darauf einstellen, daß wir im Versailler Vertrag und in der Deutschen Reichs- Verfassung den Drahtverhau, der zwischen uns und die Oesterreicher gelegt ist, anerkannt haben und daß uns sobald keine günstige Stunde schlagen wird, um dieses Verbot zu beseitigen. Daß trotzdem sowohl in Deutschland wie in Deutschösterreich der weit überwiegende Wille der Bevölkerung auf dem Zusammenschluß beharrt und dies Ziel auch früher oder später erreichen muß, ist eine Selbstverständlichkeit. Außenseiter hat es immer gegeben und wird es immer geben, aber für die Bildung des Volkswillens spielen sie kaum eine Rolle. Kleine schwarzgelbe Konventikel sind in Wien vorhanden, die nicht vergessen wollen, daß die alte Hauptstadt der Donaumonarchie der Flaschenhals war, durch den der gonge Verkehr Europas zum Balkan gehen mußte; sie träumen auch heute noch davon, daß es ihnen gelingen wird, wenigstens wirtschaftlich diese frühere Machtposition wieder zu erreichen und dadurch die Großstadt Wien, die für das heutige Deutschösterreich viel zu groß ist, lebensfähig zu en halten. Und sie rechnen damit, daß sie dabei sehr viel weniger Widerstände finden werden, wenn Deutschösterreich selbständig bleibt und vielleicht ein Vollbündnis der österreichischen Nachfolgestaaten zustande bringt, als wenn es ein Mitglied des Deutschen Reiches ist.
Umgekehrt gibt es auch in Deutschland Angst* Hasen, die alles Geschehen nur unter innerpoliti- schen Gesichtswinkeln schen und deshalb Deutsch- Oesterreich nicht verdauen wollen, weil sie bei der gegenwärtigen politischen Struktur darin nur eine Verstärkung her Sozialdemokraten und des Zentrums, also eine Verewigung der Weimarer Koalition sehen. Sie vergessen dabei, daß ein* mal grundsätzlich bei nationalen Lebensfragen innerpvlitische Rechenkunst stücke nicht entschei
den dürfen, sie vergessen aber außerdem, daß das Zentrum österreichischer Observanz — also die Christlich-Sozialen — eine ganz andere Blutmischung hat, als das deutsche Zentrum, daß die Ehristlich-Soz-ialen die geborenen Feinde der Sozialdemokraten sind und in ihrem politischen Glaubensbekenntnis etwa in der Gegend der Daherischen Dollspartei zu suchen sind, daß also bi« Zusammensetzung des grotzdeutschen Reichstages anders aussehen würde, als der gegenwärtige, aber keineswegs so, daß das Zentrum und die Sozialdemokraten einen zahlenmäßigen Zuwachs gewinnen.
Auch diese Ueberflugen aber werden ganz von selbst verschwinden, wenn sick erst einmal herausgestellt hat, daß jenes Deutsch-Oesterreich, wie es von den Siegerstaaten geschaffen ist, auf die Dauer lebensunfähig bleibt trotz größerer oder geringerer Zuschüsse des Völkerbundes. Unsere Gene- ration farm nichts tun, als das abwarten und rechtzeitig dafür Sorge tragen, daß alles geschieht, um nicht nur den lebendi gen Gedankenfluß zwischen beiden Ländern zu erhalten, sondern auch wenigstens ideell den Anschluß oorzubereiten. Einen wichttgen Fortschritt auf diesem Wege bedeutet der neue Entwurf eines Strafgesetzbuches, der in diesen Tagen gerade von dem österreichischen Nationalrat beraten wird. Er ist von der österreichischen und der deutschen Regierung gemeinsam aufgestellt und fast wortgetreu im Nationalrat wie im Reichstag eingebracht. Nicht überall ist eine Gleichstellung gelungen, in drei Punkten, vornehmlich bei der Beibehaltung der Todesstrafe, sind die Oesterreicher eigene Wege gegangen, sonst aber ist in den Entwürfen eine Rechtsangleichung auf dem Gebiet des Strafrechts zu finden, die eine kulturelle Großtat bedeutet.
Allerdings gill es noch Vorsorge zu treffen, daß nicht der Wille der Regierungen durch die Parla- mente durchkreuzt wird und die praktische Ausgestaltung des Entwurfes im Nationalrat und im Reichstag ganz andere Wege geht. Wie das zu machen ist, darüber gehen die Auffassungen noch auseinander. Daß es aber geschehen muß, darüber wird man sich sehr rasch einig werden. Vielleicht ist der beachtenswerteste Vorschlag der, der jetzt aus Wien herüberkam, daß die beiden Parlamente eine zwischenstaatliche Kommission einsetzen, um die Ergebnisse ihrer Beratungen zu überprüfen und darauf Acht zu geben, daß die Gesetze, auch wenn sie nachher in Kraft treten und Rechtsgültig- feit gewinnen, diesseits und jenseits der Grenze gleich bleiben. Das wäre dann ein Anfang, der ausgebaut werden könnte auch auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechtes, und der sich dann von selbst ausdehnen wurde hinüber auf wirtschaftliches Gebiet, so daß durch den Wegfall der Zoll- schranken trotz der Beibehallung der formellen Grenzen aus Deutschland und Oest.rreich ein geistiger und kultureller Einheitsblock zusammenwächst, der durch sein Schwergewicht allein schließlich imstande sein wird, die Verbote des Versailler Friedens zu zertrümmern.
zterung des Abkommens erfolgen können. Die französische Regierung hiervon in Kenntnis zu setzen, haben wir heute Rakowski ermächtigt.
Amerikas Politik in Mexiko.
Ans dem Wege
zur Beilegung des OelkouslMS.
Washington, 21.Sept. (Wolfs.) Präsident Coolibge bat dem Teilhaber des Bankhauses Mor- gan, Wigot Morrow zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Mexiko ernannt. Die Ernennung erregte in Washington gewaltiges Aufsehen. Sie wird als einer der wichtigsten Entschlüsse Coo- lidges bezeichnet. Im Senat, dem verfassungsgemäß die Ernennung zur Bestätigung vorgelegt werden muß, werden sich erheblich« Widersprüche geltend machen, da besonders im Westen di« Morgan Co. als Führerin des Kapitalismus unbeliebt sei und man dieses Zusammengehen von Regierung und 'Wallstreet scharf kritisieren werd«. Di« Associated Preß erfährt, daß Morrow bereits in den nächsten Wochen seinen Posten antreten, also bereits Botschafter sein werde, wenn der Senat, der erst im Dezember zusammentrete, über die Bestätigung berate. Morrow sanierte mit ßammont Mexikos auswärtige Schuld unb die Morgan Co. verwaltet de facto Mexikos Aufnahmeanleihen im Betrage von 441 Millionen Dollar. Im Weißen Hause wurde mitgeteilt, daß das Agreement der mexikani- schen Regierung bereits in Washington eingegangen sei. Ferner wurde betont, daß Morrow, der natürlich alle Beziehungen zum Banll-aus Morgan Co. löse, großes oerfönliches Opfer bringe. In politischen Kreisen Washingtons wird die Wahl Morrows als persönlicher Entschluß Coolidges bezeichnet, der mit Morrow zusammen in Aherst studierte und ihn schon wiederholt in fd'/roiengen Fragil um Rat fragte. Coolidge sei entschlossen, die Beziehungen zu Mexiko erheblich zu verbessern, )«oor er feine Amtsperiode beende. Sollten die Dif- erenzen schon im nächsten Frühjahr beigelegt sein, o würde das die Republikanische Partei im Wahl- fampf erheblich stärken. Man glaubt ferner, daß die Wallstreet mit den Forderungen der O « l - Interessenten gegenüber Mexiko nicht einverstanden ist und daß es Morrow deshalb übernahm, für die Beilegung des Oelkon- slittes zu wirken.
Aus aller Welt.
Zwölf Jahre Zuchthaus für den Embrecherkavalier.
Wie schon kurz gemeldet, wurde Mittwoch der verwegenste und einst gefürchtetste Fassadenkletterer, der 27 Zähre alte Bäcker Fritz Wald, mit mehreren Angeklagten von dem Charlottenburger Schöffengericht abgeurteilt. Der Angeklagte ist ein blonder, mittelgroßer, aber breit" schultriger. kräftiger, junger Marrn. Er hat angenehme Gesichtszuge und man kann es verstehen, daß er den Salonlöwen meisterhaft gespielt hat. Dor allen Dingen aber fällt an ihm in Haltung und Bewegung seine große Geschmeidigkeit auf. Mit einer gewissen Gleichgültigkeit und Gelassen* beit legte er offen das Geständnis ab, daß en feit Jahren das Erklettern von Fassaden und das nächtlich« Eindringen in Schlafzimmer gewerbsmäßig betrieben hat. Er hat eine bewegt« Jugend hinter sich und beschäfttgte sich schon als Zunge mit Diebstählen, die ihn in ein Rettungs-
5aus führten. Rachdem er aus dieser Anstalt entlassen war, ging er nach Berlin und be* garnt hier gemeinschaftlich mit einem Freund« feine große Fassadenklettererlaufbahn, wurde zwischendurch ab und zu bei seinen Einbrüchen ertoifebt und eingesperrt, gelangte dadurch aber in feinen Kreisen zu immer größerem Ruhm. 1919 ging er nach Hamburg und verübte dort nicht weniger als 63 Einbrüche, bet denen ihm gewaltige Reichtümer in die Hände fielen. Später trieb er dann sein Unwesen im Berliner Westen und machte auch da beträchtliche Deut«. Mit welcher Kaltblütigkeit er feine Ein- brüche und feine verwegen« Fassadenllettereien ausübte, geht aus seinen Schilderungen der einzelnen Straftaten vor dem Ge* richt hervor. Dabei hat Wald niemals Gewalt angewendet oder irgendeinen Menschen bedroht oder gar mit Betäubungsmitteln gearbeitet. Stets hat er sich auf seine Geschicklichkeit und seine Kaltblütigkrit verlassen, die ihm denn auch immer Erfolg gebracht haben. Besonders interessant ist ein Fäll, der sich am Kurfürstendamm ereignete und den Wald wie sogt schilderte: Ich gelangte durch den Hintereingang in das Gebäude. Vom Flurfenster der dritten Etage aus bin ich dann in ein ofsenftehendes Schlafzimmerfenster der drei Meter gegenüberliegenden Front gesprungen. Der Sprung gelang mir und ich fand im Schlafzimmer, wo die Wohnungsinhaber schliefen, den Schlüssel zum Geldschrank, ohne daß diese erwachten. Aus dem Geldschrank nahm ich barm 3000 Mark in bar, außerdem Schmucksachen in großer Zahl. Aehnlich bin ich bei allen meinen Einbrüchen verfahren.
Der erfolgreiche Fassadenkletterer wurde dann wegen schweren Rückfalldiebstahls in 19 Fällen 8U 12 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurteilt. 3n der UrteUSbegrünbung wurde hervorgehoben, daß Wald mildernde ilmftänbe nicht zugebilligt werden könnten. Andererseits stelle Die ganze Persönlichkeit des Angeklagten nicht einen Der- brecherthp dar, der mit Gewalttätigkeit und rücksichtslos auf fein Ziel losgehe, aber bei der Fülle feiner Straftaten konnte das Gericht nicht erheblich unter der Höchststrafe bleiben.
Könnecke in Angora.
_ Wie gestern schon kur; gemeldet, ist der Flieger üönnecke mit dem Grafen Solms an Lord am Mittwoch vormittags um 9 Uhr in Angora gelandet. Die ohne Zwischenlandung durchflogene Strecke Köln—Angora beträgt 3000 Kilometer. Die mittlere Stundengefchwindigkett war 165 Kilometer, ftön- necke beabsichtigt, wenn das Wetter günstig ist, am Freitag seinen Flug sortzuschen, und zwar nach Tokio und von dort nach R e u y o r k.
Englandfahrt deutscher Studenten.
Seit zwei Wochen befindet sich eine Gruppe deutscher Studenten und Jugendführer unter Führung jüngerer Dozenten auf einer Studienreise durch Rordengland. Planmäßig haben anfangs dieses Monats 45 deutsche Studenten, ein Lager in Südschotlland bezogen, um sich dort im gemeinsamen Leben mit englischen und schottischen Studenten mit den Verhältnissen des Landes vertraut zu machen. Hieran schloß sich eine gemeinsame Wanderung durch das schottische Grenzland und den Seenbezirk von Cumberland. Am 17. September sang die deutsche Gruppe auf Einladung
des Bischofs tn der altberühmten Kathedrale zu Durham. Am Abend folgte ein gemeinsames Musik- und Tanzfest tn Rewcastle. Die Begrüßung durch alle Kreise der Bevölkerung war bemerkenswert herzlich Mit geselligen Veranstaltungen in Berwick vn Tweed und tn Edinburg wird die Fahrt noch in dieser Woche ihren Abschluß finden.
Eröffnung des Deutschen Psarrerlages.
Der deutsche Pfarrertag, der bereits in den letzten Tagen in Berlin zu verschiedenen vorbereitenden Sitzungen zusammengetreten war, wurde Dienstag in der Universität von dem Vorsitzenden, Präses O. K o ck e l k « eröffnet Präsident D. Kapler, der im Ramen des deutschen evangelischen Kirchenausschusses und des Obersten evangelischen Kirchenrates ein kurzes Be- grüßungswort an den Pfarrertag richtete, würdigte di« Bedeutung des Pfarrerstandes für die ganze Kirche. Die kirchlichen Behörden würden alles tun, um die wirtschaftliche Sicherstellung des Pfarrerstandes zu fördern. Ministerialdirektor Dr. Trendelenburg betonte im Auftrage des preußischen Kultusministeriums die engen Beziehungen zwischen kirchlicher und staatlicher Arbeit auf kulturellem Gebiete. Der Dekan der Berliner theologischen Fakultät, Professor D. Titius, überbrachte die Grüße der Universität und des Rektors.
Die hindenburgspende der Reichswehr.
Der Hiirdenburgspend« wurden als vorläufiges Ergebnis der Sammlung unter den Angehörigen der Reichswehr 75 000 Reichsmark überwiesen.
Die Leipziger Schuten geschloffen.
Der Rat der Stadt Leizig hat beschlossen, di« eigentlich am 28. September beginnenden Herbstferien wegen der Zunahme der Eriran- kunaen und Todesfälle an spinaler Kinderlähmung bereits am Donnerstag eintreten zu lassen. Die Zahl der Erkrankungen beträgt bereits 82, die der Todesfälle 15.
Die neue hudsonbrücke in Reuyori.
Unter großen Feierlichkeiten erfolgten die ersten Spatenstiche zu dem Dau einer neuen riesigen Drücke über den Hudson zwischen Fort Lee, Rew Jersey und Fort Washington- Pari auf dem Gebiete der Stadt Reuhori. Die Drücke wird nach ihrer Vollendung die längste Hängebrücke der Welt fein. Die Kosten der neuen Drücke sind mit 75 Millionen Dollar veranschlagt. Die beiden Pfeiler, die die Trageseile der Hängebrücke unterstützen, sollen rund 600 Fuß hoch werden.
Zwanzig Todesopfer bei einem Missionsbrande.
Bei einem Brande in der katholischen Mission von Beauval-ä-Laplonge (Kanada) sind eine Sajroe« fter und 19 Kinder in den Flammen umgekommen.
fjoffänger und Einbrecher.
Am Montag haben zwei Kasseler „Hossän- ger", die in Oberzwehren ein Gastspiel gaben, dort einen Diebstahl auSgesührt, der an Verwegenheit und Frechheit nichts zu wünschen übrig läßt. Sie pilgerten im Dorfe von Haus zu Haus und wußten mit viel Stimmaufwand das Mitleid der Dorfbewohner zu erregen, ine ihnen viele kleine Gaben spMdeten. Auch im Gehöft eines Gastwirtes sangen sie unö bekamen auch etwas. Als nach einiger Zeit die GastwirtS- frau in das obere Schlafzimmer kam, machte sie die Eittdeckuna, daß dort altes durcheinander gewühlt war. Als man die Wohnung durchsuchte, wurde festgestellt, daß ein Behälter mit 2000 Mar? tn barem Geld verschwun- d e n war. Di« sofort benachrichtigte Polizei stellte eine genaue llnterfuchung an, doch komrten die beiden Spitzbuben noch mcht gefaßt werden.
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rkscrtervoranssage.
Eine Furche tiefen Druckes erstreckt sich von den britischen Inseln in nordöstlicher Richtung über die Nordsee, Südskondinaoien und Finnland. Di« in ihr vorüberziehenden Störungsgebiete sichren unter Südwest- bis West-Lust auch unserem Gebiet neben Bewölkung vereinzelten Regen zu. Die Temperaturen, die gestern durch verstärkte Sonnenstrahlung zirka 5 bis 6 Grad höher standen als am Vortag, gehen wieder zurück.
Teils stärker bewölkt, etwas kühler, zeitweise Regen, südwestliche bis westliche Winde.
Witterungsaussichten für Samstag: Wollig, auch zeitweise auftlarenb und strichweise Regensälle
Lufttemperaturen am 21. September, mittags: 23 Grad, abends 18,4 Grad Celsius: am 22. September, morgens: 15,6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. September, abends: 18,0 Grad Celsius: am 22. September, morgens: 13,9 Grad Celsius. — Maximum: 23,2 Grad Celsius: Minimum: 13,2 Grad Celsius. — Sonnenfcheindauer: 7$ Stunden.


