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Donnerstag, 22. September 1927
177. Jahrgang
Ur. 222 Erstes Blatt
Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der deutschnationale Parteitag in Königsberg.
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Graf Westarp berichtet über die Erfolge der Regierungskoalttion. - Schieles Wirtschaftsprogramm: Bäuerliche Siedlung in der deutschen Ostmark als Grundlage unseres Volkstums.
Königsberg, 21. Sept. (TU.) Der deutsch- nationale Parteitag wurde heute vormittag im großen Saal« der Stadthalle in Königsberg eröffnet. Saal und Tribünen sind von Delegierten und Parlamentariern aus Deich und Ländern sowie von einer großen Zahl von Gästen dicht besetzt. Dach einem Orgelpräludium und dem Gesang des Liedes „Großer Gott, wir loben dich" nahm
der Parieivorsitzende, Abg. Gras Westarp, bas Wort zu seiner Eröffnungsansprache, in der er erklärte:
Die Arbeit dieses Parteitages habe nicht würdiger und eindrucksvoller eingeleitet werden tönnen als durch die gemeinsame Teilnahme an der Weihe des Tannenbergdenkmals. Auf der Stätte von Tannenberg habe der Reichspräsident noch einmal Zeugnis dafür abgelegt, daß das deutsche Schwert, nur zur Verteidigung des durch eine Welt von Feinden angegriffnen Vaterlandes gezogen, rein geblieben sei, daß alle jene Vehauptungen von deutscher Kriegsschuld und deutschen Kriegsgreueln unwahr seien, erdichtet zu unserer Vernichtung. Des Reichspräsidenten tatlräftiges Eintreten für die Reinheit der deutschen Ehre sei ein^ Tat. Sie lege uns die Pflicht auf, nicht müde zu werden und nicht zu ruhen, bis Deutschland in einmütigem Wollen des ganzen Volkes die erzwungene und erpreßt« Schuldlüge von sich geworfen habe. 3n seinem Vortrag über „Unser Weg zur Wacht in Reich und Landern" wies Graf Westarp dann darauf hin, daß sich die Partei in Köln das Ziel gesetzt hatte, mit dem ihr zustchenden Einfluß unter Wahrung ihrer Tlnabhängigkeit unmittelbaren Anteil an der Regierungsgewalt in Reich und Ländern zu erringen. 3m Reich sei sie Regierungspartei geworden. Di« Verbindung mit der Mitte sei nach langer Zeit durch feste Regierungsverhältnisse geschaffen und dadurch fruchtbringende Arbeit ermöglicht worden. Trotz ernster Opfer und Schwierigkeiten bei Wahrung der grundsätzlichen Unabhängigkeit sei die Partei entschlossen, die eingegangene Regierungsgemeinschaft aufrechtzuerhalten und in ihrem Sinne immer fruchtbringender zu gestalten solange die Grundlagen nicht erschüttert würden, auf denen sie ruhe, aber nicht einen Tag länger, so wie das auch das Zentrum für sich in Anspruch genommen Hobe. Für die laufende Reichs- tagssessivn sehe er noch manche ernste Schw.e- riglcit, aber keine unüberwindlichen Hindernisse für den Bestand der Koalition. dagegen sehr bedeutungsvolle Aufgaben, die diese noch zu lösen hab«. 3n den Ländern sei das in Köln aufgestellte Ziel noch nicht überall erreicht. Der dort eingeschlagene Weg sei erst zur geringeren Hälfte zurückgelegt, solange nicht die Macht der Sozialdemokratie in Preußen gebrochen ist. Er müsse erinnern an die Art, wie die preußische Regierung den R e i ch s r a t zum Tummelplatz parteipolitischen Kampfes gegen die Reichsregierung zu mißbrauchen versuchte.
Graf Westarp wies sodann darauf hin, daß die Erkenntnis, daß die an Locarno, Genf und Thoiry geknüpften Erwartungen von Frankreich und England nicht erfüllt würden, immer allgemeiner geworden sei, ebenso wie die Enttäuschung darüber. Deutschland müsse greifbare Erfolge der Völkerbundsarbeit fordern, so lange ihm die tatsächliche Gleichberechtigung versagt bleibe. Es bleibe ferner nachzuprüfen, was in den Lebensfragen der Räumung der besetzten Gebiete und der A b r ü st u n g zu geschehen habe.
Der absolute Wangel an gutem Dillen auf der anderen Seite trete besonders deutlich in der Ueberfülle von Bedingungen und Vorbehalten hervor, von denen Frankreich jedes Entgegenkommen abhängig mache. Es sei jedoch die Stunde gekommen, in der für Deutschland jedes Eingehen auf weitere Vorleistungen unmöglich erscheine. lihm scheine die Stunde gekommen, noch einmal amtlich festzustellen, daß Deutschland rechtlich und vor allen Dingen im Sinne der Locarno- und völkerbuudspolitik moralisch und politisch den bedingungslosen Anspruch auf sofortige Räumung hat.
Der Traum der allgemeinen Abrüstung scheine ausgeträumt. Wir werden weiter für die allgemeine Abrüstung arbeiten. Auch sie sei ein wohlbegründeter und r e ch t l i ch - p oli° tischer Anspruch Deutschlands. Zu tem formellen Recht trete die moralische Berechtigung Deutschlands auf Rückwirkung der Locarno- Politik, trete vor allen Dingen das unveräußerliche Recht auf Gleichberechtigung und gleichwertige Sicherheit. Unter Hinweis auf die im nächsten Jahre stattfindenden Wahlen in den Vereinigten Staaten, England und Frankreich erklärte der Redner, daß alles daran gesetzt werden müsse, daß, gleichgültig welche Mächte in den Ländern der Verhanülungsgegner ans Ruder gelangen, ihnen in Deutschland eine Regierung entgegentrclie, die frei von pazifistischem Illusionismus und von Rücksichten auf mißverstandene proletarisch-internationale Bindungen mit bestem
nationalen Willen verhandel«. Die deutsche Politik dürfe nicht hypnotisiert nur auf den Westen und die Westmächte blicken. Graf Westarp wandte sich dann den Aufgaben der deutschen O st - marken-Pvlitik zu und wies dabei auf den Vernichtungskampf der Polen gegen die deutsche Bevölkerung jenseits der jetzigen Grenze hin. Ganz offenkundig trete das Bestreben Polens hervor, noch weitere Teile der bei Deutschland gebliebenen Ostmark an sich zu reihen. Zur deutschen Ostmark gehöre Deutsch-Oesterreich. Die Deutschnationalen betrachteten auch heute den Anschluß Deutsch-Oesterreichs als nationales Hochziel. Ilm des Ostens selbst, um der Einheit des Reiches willen lehne die Partei jedes Ostlvcarno, jede weitere Garantie, in welcher Form auch immer, ab. Rechtliche Verträge hätten keinen Sinn, wenn den Paragvahen nicht der Geist und Wille entspreche. Deshalb müsse Polen und Litauen zu Gemüte geführt werden, daß sie auf Verträge irgendwelcher Art mit Deutschland nicht rechnen können, solange sie den Vernichtungslampf gegen Deutschland füfjren und rücksichtslos Völkerbund, Volksrechte unb Recht« Deutschlands mißachten.
Der Redner wandte sich dann der inneren Politik zu und stellte mit besonderer Befriedigung fest, daß dank der Arbeit des Reichsministers von Keudell die Beratung des Reichsschul» g « s e h e s bevorstehe. Di« Koalition werde alles daran sehen, den Keudellschen Entwurf noch in diesem Reichstag zu verabschieden. Die Gehässigkeit, mit der die Linkskreise den Streit in den Verfassungsfragen verschärften, sei nur so zu verstehen, daß sich diese Kreise in der Zukunftsentwicklung nicht sehr sicher fühlen. Zu dem Streit um die Richtlinien bei der Regierungsbildung sei zu sagen, daß sich di« Deutschnationalen an die Richtlinien gehalten haben und diese erfüllen.
3n diesen Richtlinien sei der Schuh der Verfassung und Reichsfarben nicht nur gegen rechtswidrige Angriffe, sondern auch gegen herabsetzende Verunglimpfungen zugesagt. Die Deutschnalionalen hätten diese Verpflichtung dem Gc'ste nach zu erfüllen, sich also auch jeder Gehässigkeit zu enthalten. Diesen Wunsch richte er an die der Partei nahestehende, wenn auch unabhängige Presse. Es gehe nicht an, daß sie jede Verpflichtung gegenüber den Richtlinien für sich ablehne.
Genf, 21. Sept. (WTB.) Der Resolutionstext zur Abrüstungsfrage, auf den sich heute vormittag das Redaktionskomitee und später der Unterausschuß geeinigt haben und der heute nachmittag um 5 Uhr' dem Vollausschuß als gemeinsamer deutscher, französischer und polnischer Antrag unterbreitet wird, enthält fast unverändert die Präambel des französischen Ent- schließungsentwurfes. Er empfiehlt sodann drei Maßnahmen:
1. Die progressive Entwicklung der Schiedsgerichtsbarkeit durch den Abschluß von Sonderverträgen oder von Üollekiivverträgen einschließlich solcher zwischen Richtmitgliedstaalen und Witgtiedftaaten des Völkerbundes, um auf diese Weise das gegenseitige vertrauen zu schaffen und zu erweitern.
2. Beschleunigter Abschluß der technischen Vorarbeiten des vorbereitenden Abrüstungsausschusses, damit der Rat dis Abrüstungskonferenz nach Abschluß dieser Arbeiten unverzüglich einberufen kann.
3. Erteilung von besonderen Jnffvuf- Honen des Rates an den vorbereitenden Abrüstungsausschuß, dessen Ausgabe sich nicht auf die Vorbereitung einer ersten Abrüstungskonferenz beschränken soll, dessen Arbeiten vielmehr bis zur Verwirklichung des Endzieles sortgeseht werden sollen zur alsbaldigen Schaffung eines besonderen Komitees der Vertreter aller völ- kerbundsftaatcn, die dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß angehören. Dieses Sonderkomitee, das dem vorbereitenden Ausschuß zur Verfügung stehen soll, hätte die Ausgabe, gemäß den Angaben des vorbereitenden Ausschusses die Prüfung jener Waßnahmen fortzusehen, die geeignet wären, allen Staaten die notwendigen Garantien, die Schiedsgerichtbarkeit und Sicherheit zu geben, um das Niveau ihrer Rüstungen beim Abschluß eines internationalen Abrüstungsvertrages auf die niedrigsten Ziffern feftzufehen.
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Wenn damit also in dem Genfer Unterausschuß aus einem französischen und einem deutschen Vorschlag ein neuer zurechtgezimmert worden ist dergestalt, daß zwar nicht, wie das Paul°Boncour ' gewünscht hat. Abrüstung und Sicherheit von einer Konferenz behandelt werden, daß ober neben der Abrüstungskonferenz noch eine Kommission in Aktion treten soll, deren Aufgabe darin besteht, die
3n den Auseinanders«Hungen mit der Volkspartei und deren Führer wolle die Partei schon aus der gebotenen Rücksicht auf die für die Koalition erforderliche vertrauensvolle Zusammenarbeit persönliche Schärfe vermeiden. Seien so die Richtlinien und die Regierungserklärungen für die Deutschnalionalen maßgebend, so hätten diese sich entschieden zur Wehr zu sehen, wenn diesen Richtlinien ein 3nhalt befigelegt werde, den sie nicht haben. Die Richtlinien enthielten kein Gesinnungsbekenntnis. Die Deutschnationalen hatten sich ihre monarchisttsche Gesinnung und das Recht, dafür einzutreten, ausdrücklich Vorbehalten und würden sich das auch nicht nehmen lassen. Der sozialdemokratische Antrag, den 11. August zum gesetzlichen Feiertag zu erklären, könne zur Belastungsprobe der Koalition werden. Ein wirklicher nationaler Feiertag könne nur auf einem im rvesentlichen einmütigen Empsinden der ganzen Ration beruhen. Die deutsch« Ration werde erst dann wieder Anlaß und Möglichkeit haben, einen Tag als allgemeinem Feiertag zu begehen, wenn die Stunde der Befreiung d e s R h e i n l a n d e s und di« Wiedergewinnung der deutschen Souveränität gekommen fei. Der Flaggenkampf werde von der Linken, insbesondere von der preußischen Regierung, in geradezu grotesken Formen geführt. Das Festhalten der Deutschnationalen an schwarz-weih-rot bedeute kein« herabsetzende Verunglimpfung der neuen Farben im Sinne der Richtlinien. Was die Linke gegen schwarz- weiß-rot unternehme, stehe im Widerspruch zu der in der Regierungserklärung fe ft gelegten Vereinbarung. daß auch der großen deutschen Vergangenheit und ihrem Symbol Achtung u'n d Ehrfurcht gezollt werden solle. Die Sozialdemokratie und das Reichsbanner hätten die Reichsfarben zur Par- teifarbe gemacht. Der Kampf um diese Symbole sei nicht durch ein äußeres Kompromiß beizulegen.
Neichsernährungsminister Schiele
sprach darauf über „Die deutsche Wirtschaft und der Osten". Wir stehen vor der harten und unabänderlichen Tatsache, daß wir nicht denjenigen In- dustrieexpott haben, den wir zur Ernährung unserer Bevölkerung haben mühten, hierin kommt der
Schiedsgerichts- und Sicherheitsfrage zu untersuchen. So möchten wir doch vor der Anschauung toamen, als ob es sich hier bei diesem Kompromiß um einen deutschen Teilerfolg handelt. Gewiß ist es unseren Unter- Händlern gelungen, recht erfolgreich in der Richtung auf die Abrüstung vorzustoßen, wird doch in der vorgeschlagenen Resolutton davon gesprochen, daß die endgültige Konferenz baldigst einberufen werden soll. Die Bedeut mg d.r Sicherheitskommission, die nur eine beratende Stimme haben soll, darf doch nicht unterschätzt werden. Wir wissen genau, daß es für Frankreich keine Tremrung von Abrüstung und Sicherheit gibt und daß die französische Delegatton auf der bevorstehenden Abrüstungskonferenz sofort die Zügel in der Sicherheitskommission ergreifen und das ganze Schwergewicht der Verhandlungen hierher verlegen wird. Wir könnten unter Umständen auch mit dieser Siegelung einverstanden fein, wenn wir die Gewißheit hätten, daß auch unsere Sicherhett zu ihrem Recht kommen würde. Aber wer hat in der Vergangenheit schon einmal danach gefragt, ob das entwaffnete Deutschland auch gegen seine bis an die Zähne bewaffneten Rachbam ausreichend geschützt ist. Roch immer verstand es Frankreich so einzurichten, daß seine eigene S i ch er h e i t zur Debatte gestellt wurde. Das wird auch auf der Abrüstungskonferenz der Fall sein, so daß wir an Hand der Beispiele der Vergangenheit wohl schon jetzt feststellen können. daß der Kampf um die französischen Sicherheitswünsche jede Abrüstungsarbeil unterbinden wird.
Die T-nnenbergrede.
D e r l i n. 22. Sept. (Priv.-Tel. des „®. QI.“.) Entgegen zahlreichen Berichten über die Rede des Reichspräsidenten bei der Eröffnung des Raiionaldenkmals bei Tannenberg, in denen behauptet wurde, daß der Reichsregierung vorher über den Wortlaut nichts bekannt gewesen sei. daß insbesondere auch dem Außenminister Dr. Stresemann vorher keine Mitteilungen zugegangen seien, erfahren wir jetzt von zuständiger (Stell« daß sämtliche Instanzen an der Kundgebung des Reichspräsidenten ordnungsgemäß beteiligt gewesen sind. Die An- sprah« hat sowohl dem Reichskanzler als auch dem Reichsauhenminister in ihrem genauen Wortlaut vorher vorgelegen
Gegensatz unserer heutigen Lage zur Vorkriegszeit zum Ausdruck. Die Steigerung unserer Ausfuhr muß auch fernerhin mit allen Kräften nngeflrebt werden, aber es gilt, neue Linien zwischen Binnenmarkt und Ausfuhr zu finden. Die Kraft zum Export ist schließlich nur die Funktion eines blühenden Binnenmarktes, der in Deutschland mindestens vier Fünftel unserer Industrieproduktion aufzunehmen in der Lage ist. Eine kaufkräftige deutsche Landwirtschaft wiegt alle überseeischen Kunden unserer Industrie mehr als einmal auf. Der drohende Uebergang zur extensiven Wirtschaft im deutschen Osten bedeutet Rückgang der Ernte und damit weniger Brot und Milch für die Industriearbeiter und weniger Arbeit für die Jndustnewerke. Hier kann kein Expott entschä- digen. Ein ernstes Kapitel bildet die Passivität unserer Handelsbilanz. Die Erfüllung des Dawesplanes ist auf die Dauer nur möglich, wenn das Ausmaß der gegenwärtigen Passivität unserer Handelsbilanz von 3,5 Milliarden Mark üb ergeht in eine ebenso große Aktivität. Unsere Ausfuhr wird in erster Linie gehemmt durch die protektionistische Handelspolitik unserer Auslandsgläubiger. In der gegenwärtigen hochgradigen Nahrungsmittelabhängigkeit liegt eine ständige Gefahr für unsere politische Frei- heil und Unabhängigkeit. Ist aber eine wesentliche Verbesserung unserer Ausfuhr nicht erreichbar, bann müssen wir uns um
eine wirksame Verbesserung auf der Einsuhr- feife unserer Bilanz bemühen.
Es ist möglich, aus der deutschen Landwirtschaft den Ersah zu schaffen für den größten Teil der heutigen Rahruivzsmitteleinfuhr. Der Vorsprung, den das Ausland voraus hat, muß eingeholt werden dijrch entsprechend« Rationalisierung der Betriebe, durch Typisierung und Herstellung von Qualttätswaren. Sine gesunde und starke Landwirtschaft ist das Mittel zur Erhaltung der Währung, der Freiheit und der Er- Haltung des Lebens der städtischen Bevölkerung überhaupt. Wir müssen Siedelungspolittk treiben, und um sie treiben zu können, müssen wir das agrarische Ostpreußen mit aller Kraft festhalten und verteidigen. Lebensfähig kann die-- fes Siedlungswerk nur fein, wenn die Grundlagen. die dem ostdeutschen Siedler für seine wirtschaftliche Betätigung von der Ratur nach» gewiesen sind, der Anbau von Roggen und Kartoffeln, sowie Schweinemast, so viel Rentabilität lassen, daß er sich auf seiner Scholle zu h a l- t e n und den Wetterbestand seiner Familie zu sichern vermag. Die Lösung des sozialen Problems liegt für unser Volk und unsere Zett in einem großzügig angelegtenProdukt ionsprogramrn, mit Hilfe dessen wir dem natürlichen Menschen- z u w a ch s, der auf den industriellen Arbeitsmarkt dränge, der aber aus der Landwirtschaft stammt, ein neues fruchtbares Feld eröffnen und zwar in der Landwirtschaft selbst. Wtt werden uns von nun an das Ziel setzen müffen, Landarbeiterwvhnungen und neues Bauerneigentum zu schaffen, um den Geist der Freiheit und des Eigenttrmes, den Geist einer gesicherten Familie im Volke wieder wachzurufen.
Reichsminister des Innern Dr. von Keudell
erklärte zunächst, daß er den Ausdruck der Genugtuung, der verschiedentlich in der Debatte über die Darlegungen des Reichskanzlers Marx sich auf dem Patteitag gezeigt habe, dem Reichskanzler im Ramen des Patteitages übermitteln werde. Man brauche nicht daran zu zweifeln, daß eine Persönlichkeit von der Reinheit und Vornehmheit des Charakters des Reichskanzlers auch durchführen werde, was er durchzuführen für notwendig befände. Zu den (Erörterungen über die Flaggenfrage, so führte der Minister weiter aus, möchte ich folgendes erklären: Der Reichswehrminister Gehler hat mir in eingehenden Besprechungen mittet eilt, daß er die Absicht gehabt habe, den Flaggenerlah für die Reichswehr im Kabinett zur Sprach« zu bringen und beraten zu lassen. Durch politisch« Indiskretion unserer Gegner wurde verhindert, daß der Reichswehrminister den Flag- generlaß dem Kabinett vorlegen konnte, und daß insbesondere auch di« deutschnattonalen Mitglieder des Reichskabinetts vor der Veröffentlichung zu den Anordnungen des Reichswehrministers Stellung nehmen konnten.
Der Präsident von Liberia bei Hindenburg.
Der Präsident von Liberia, King, stattete heute dem Reichspräsidenten einen Besuch ab. 3m Anschluß daran gab der Reichspräsident ihm zu Ehren ein Frühstück, an dem u. a. der Reichskanzler und Frau M a r x, Fürst und Fürstin Bülow, der zur Zeit in Berlin anwesende ehemalige ö ft er r ei d}if dp-u ng i= rische Außenminister Graf C z e r n i n sowie Reichswehrminister Gehler teilnahm n. Rachmittags erwideri« Staatsfekre ä: Dr M e i ßner im besonderen Auftrag« des Reichsprasiden' en den Besuch im Hotel „Eden", wo Präsident King Wohnung genommen hat.
Die Verkuppelung vsn Abrüstung und Zicherheit.
Der KompromitzenLwurf des Genfer Abrüstungsausfchusies.


