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Ben, und der sonst beträchtliche Heuüberschuß unserer Gegend wird zum großen Teile im Erzeugungsgebiete verbleiben müssen, wenn nicht zur Zett der Grummeternte, die große Erträge verspricht, gutes Wetter eintritt.
=. = Gedern, 21. Aug. Die Arbeiten an dem Kriegerdenkmal, das am Schloß- berg zur Aufstellung kommt, konnten in den letzten Tagen derart gefördert werden, daß das Denkmal voraussichtlich am 18. September feierlich enthüllt werden kann.
L Groß-Eichen, 21. August. Dieser Tage richtete eine Windhose während eines heftigen Gewitters zwischen Groß-Eichen und Höckersdorf erheblichen Schaden an. Don den Gebäuden der Hehlersmühle riß sie viele Ziegel herunter. An der Straße Groß-Eichen—Hockers- dorf drehte sie eine Eiche von etwa 70 Zentimeter Durchmesser über dem Boden glatt ab und warf sie über die Straße. Dos Verkehrshindernis mußte morgens beseitigt werden, damit das Personenauto von Babenhausen nach Mücke vermehren konnte. 3n der unteren kleinen Struth entwurzelte die gewaltige Aaturkvaft zwei mächtige Eichen, deren eine am Boden 85, die andere 80 Zentimeter Durchmesser hat. Bon einzelnen Aeckern wurden die Garben weithin entführt. Teilweise blieben sie im Geäste des Schellnholzwaldes hängen und mußten von den Besitzern dort mühsam gesammelt werden. Tagelang liegt nun schon die Gerste „auf der Breite" und droht ebenso wie das Korn zu keinem. Letzteres hat schon eine ganz dunkle Färbung angenommen. Am letzten Freitag gingen wieder w o l •' bruchartige Degen güsse nieder.
Kreis Alsfeld.
Alsfeld, 20. Aug. Am Donnerstagabend fand im großen Saale des Hotel „Deutsches Hous" ein Gastspiel des russischen Ba'lalaika- Orchestcrs unter Leitung von Dr. Swerkosf, das von einer Reise nach Spanien zurückgekehrt ist, statt. Durch Hinzufügung eines russischen Mannerchors hatte es der Leiter der Gesellschaft verstanden, ein Programm von seltener Vielseitigkeit zu schaffen. Die russischen Küstler boten auf den drei von chnen gepflegten Gebieten, in der Instrumentalmusik, im Gesang und in den oft grotesk und plump anmutenden Volkstänzen wirklich ausgezeichnete, gediegene Leistungen. Alle Darbietungen waren fein herausgearbeitet. Sie fanden die volle Anerkennung des zahlreich erschienenen Publikums. Es war bewundernswert, wi' sie aus ihren, an sich primitiven Instrumenten herausholten. Dabei zeigte sich wieder di« Eigenart der slawischen Musik, durch die stets ein wehmütiger Gedanke, ein träumendes Siirv und Entsagen zum Ausdruck kommt', besonders ihre schwermüttgen Wolgalieder waren sehr charakteristisch in dieser Beziehung. Bei ihren Chorgesängen imponierten namentlich ihre Bässe, welche von einer wunderbaren Klangfülle waren. Isdensalls war es ein nicht alltäglicher Genuß, den uns die Russen boten.
Kreis Lauterbach.
* Engelrod, 20. Aug. In Versammlungen der Deutschen Dolkspartei in unserem Orte und in Hörgenau sprach deren Provinzialgeschäftsführer Weißer (Gießen) über das Thema„Lebcns- fragen der deutschen Landwirtschaft". Der Redner verstand es, in seinen Reden in fesselnder Weise die Belange des Bauerntums in das große Gebiet unserer Innen- und Außenpolitik einzureihen. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für seine interessanten Ausführungen.
Preußen.
Kreis Biedenkopf.
XX Rodheim <l t>. Bieber, 21. Aug. Da die vor zwei Monaten erfolgte Bürger- meiste r w a h l die Bestätigung des Kreisausschusses nicht gefunden hat, stand am Freitagabend abermals Reuwahl auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Kreistagsabgeordneter Gastwirt Wilhelm Bender ist erneut mit 6 gegen 5 Stimmen als Oberhaupt der Gemeinde Rodheim gewählt worden. Schon während der Inflationszeit hat Dender über zwei Jahre dieses Amt zur großen Zufriedenheit der hiesigen Gemeinde verwaltet.
Kreis Wetzlar.
0 Wetzlar, 21. Aug. Die Kleinsiedlung s g e s ell sch a f t für den Kreis Wetzlar G. m. b. H. hielt dieser Tage im Sitzungssaal des neuen Kreishauses eine Gesellschafterversammlung ab. Aach der Bilanz vom
Geld und Erfahrung
Novelle von Max E y t h.
«2. Fortsetzung. Nachdruck verboten
Und langsam, bedächtig, durch nichts entmutigt, kroch Stones Maschine hinterher. Jetzt passierte sie Parker. „Hipp hipp Hurra!" schrie der kleine Jem, ganz außer sich vor Freude, obgleich ihm Bucepha- lus ein Stück Kohle an den Kopf warf. Glitschend und gleitend, oft saft quer über die Bahn stehend, quälte sich Jonathan weiter. Drei Minuten brauchte er xu den letzten zehn Schritten. Aber keuchend und röchelnd, platschend und scheinbar halb schwimmend, über und über mit Schmutz bedeckt, glitt er endlich durch das heiß erkämpfte Ziel.
Jonathan hatte gewonnen — programmgemäß.
Stone sprang ab. „Hurra für Amerika!" schrie er laut und schwenkte feierlich seine Mütze. „Hurra für Amerika!" heulten tausend Stimmen in dem rasch sich füllenden Ring. Dreißig Schritte davon stand Parker trotzig und stumm neben seiner versunkenen Maschine und versuchte vergeblich, sich Sallys zu erwehren, die laut schluchzend an seinem Halse hing.
*
Hans im Glück.
Leider verläuft nicht alles programmgemäß unter diesem wechselnden Mond.
Die drei folgenden Tage waren der Aufgabe gewidmet, meist unter strömenden Regen, die beiden Maschinen aus dem Sumpfe herauszuschleppen, in den sich der Ausstellungspark der Landwirtschaftsgesellschaft von Louisiana verwandelte. Dabei galt es, nicht bloß die Maschinen, sondern auch den Mut meiner farbigen Hilfstruppe aufrechtzuerhalten, die an derartige Zwischenfälle nicht gewöhnt war und in den entscheidenden Augenblicken mehrfach davonzulaufen drohte. Nur fröhliches persönliches Zugreifen konnte hier eine schwere Katastrophe verhindern. Nachdem wir mehrere Klafter Holz in dem schwarzen Untergrund des Mississippideltas begraben und den Weg von der Rennbahn zum Parktor in den Zustand des Chaos vor der Scheidung von Wasser und Feste verwandelt hatten; nachdem schließlich auch die Holzbrücke, welche über den den Park umgebenden Kanal führt, unter der Last John Bulls zermalmt zusammengebrochen war — ein
31. Dezember 1926 betrug das Vermög en: an Kassenkonto 13,46 Mark, Bankkonto 510,00 Mk., Darlehenskonto 10 538,00 Mk.. Zinsenkonto 78^,10 Mark, Aestkausgeldkonto 773.39 Mark; zusammen 12 676,95 Mark; die Verbindlichkeiten beliefen sich auf: Stammkapitalkonto 11 330 Mark. Reservefonds 503,50 Mark, Gewinnvortrag für 1927 843,45 Mark, zusammen 12 676,95 Mark. Die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Stande vom 31. Dezember 1926 ergab beim Soll: an Geschäftsunkosten 1211,92 Mark, Gewinnvortrag für 1927 843,45 Mark, zusammen 2055,37 Mark; beim Haben: Gewinnvortrag aus 1925 762,09 Mark, Gewinn aus dem Grundstückskonto 223,50 Mark, aus dem Zinsenkonto 1035,63 Mark und dem Bankkonto 334,10 Mark, zusammen 2055,37 Mark. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: die in dem Darlehenskonto angeführten Forderuv' i der Gesellschaft im Betrage von 10 538,0c- Mark bestehen aus erst- stelligen Hypotheken auf Grundstücke. Zinsenresten und Restkaufgeldforderungen. Verschiedentlich vorgebrachten Wünschen entsprechend, wiU die Gesellschaft ihre Tätigkeit für die Folge nicht nur darauf beschränken, Bauland zu vermitteln, sondern sie WiU zur Linderung der
Wohnungsnot selbst Häuser bauen, die in Form und Grundriß mustergültig und doch billig sind. Die Häuser sollen entweder verkaust oder vermietet werden. Wegen Beschaffung der erforderlichen Baumittel zu verbilligtem Zinssätze ist die Gesellschaft mit der Rheinischen Wohnungsfürsorgegesellschaft in Düsseldorf in Verbindung getreten. Auch aus dem Hauszinssteuerauskommen des Kreises sollen Hypotheken gegeben werden. Es ist in Aussicht genommen, zunächst in jeder Bürgermeisterei des Kreises ein sogenanntes Beispielhaus zu errichten. Die Baukosten sind einschließlich der Grundstücks- und Straßenbaukosten auf runb 11 500 Mark veranschlagt.
XX Greifen st ein, 21. Aug. In dankenswerter Weise hat man für die Instandsetzung der beiden Türme unserer Burg aus dem Denkmalspflegefonds der Rheinprovinz 2000 Mark bewilligt.
4= Reiskirchen, 21.Aug. Nachdem der bisherige Gemeindevorsteher-Stelloertieter Friedrich Rühl fein Amt niedergelegt hat, ist der Landwirt und Schuhmacher Karl Lehn Hardt vom Ee- meinöerat zum Gemeindevorsteher-Stellvertreter gewählt worden. Der Landrat zu Wetzlar hat die Wahl bestätigt.
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Verband der hessischen GeschichLs- nnd ALterLumsVereme.
Eigener Bericht des „Gießener Anzeigers".
* Büdingen, 21. August.
Als bei der vorjährigen Tagung der hessischen Geschichts- und Altertumsvereine in Mainz der Wunsch laut wurde, auch kleinere hessische Städte von Zeit zu Zeit als Versammlungsorte zu wählen, da begegnete diese Anregung allseitiger Zustimmung. Und es war gewiß eine glückliche Wahl, daß man für dieses Jahr gleich Büdingen bestimmte, das soviel gerühmte „hessische Rothenburg" mit seiner Fülle geschichtlicher Denkmäler und mit seiner Bevölkerung, die sich einen vorbildlichen Sinn bewahrt hat.
Gestern und heute fand die Tagung statt. Die Vertreter der 18 dem Verbände angeschlossenen hessi- scherr Geschichts- und Altertumsvereine nicht nur, sondern auch die hiesigen Einwohner nahmen mit lebhaftem Interesse an der anregenden und wohl- gelungenen Veranstaltung teil. Prof. Fritz Müller als Vertreter des hiesigen Geschichts- und Altertumsoereins und Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg), der derzeitige Vorsitzende des Verbandes, konnten gestern beim
Vegrühungsabend im „Fürstenhof"
eine stattliche Festgemeinde willkommen heißen, u. a. auch die Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden und der fürstlichen Verwaltung, die übrigens auch äußerlich der Bedeutung der Tagung durch Flaggung der Dienstgebäude Rechnung getragen. Obersttidiendirektor Dr. Faber pries in trefflichen Ausführungen den geheimnisvollen Zauber, der jeden Besucher Büdingens gefangen nehme; er pries das gütige Geschick, das über dem schönen Städtchen gewaltet, indem es nicht selbst Hand an seine Kunstschätze gelegt, sondern diese veiltändnisvoll der Nachwelt erhalten habe. Diel Dank gebühre der vorbildlichen Aufklärungsarbeit des Büdinger Geschichts- und Altertumsvereins, dem Redner ein weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen wünschte. Wie sehr die Stadt als solche lebhaften Anteil nimmt an den Aufgabe der Geschichts- und Altertumsoereine, das ging aus den Begrüßungsworten hervor, die Bürgermeister H i l dn e r mit merkbarem Stolze an die Tagung richtete. Unter lebhaftem Beifall teilte er auch mit, daß die Stadt bestrebt sei, die wertvollen Schätze aus der Vergangenheit in nächster Zeit in einem würdigen Raum (jedenfalls im Rachause!) unterzubringen und so auch ein Büdinger Hei- m a t m u f e u m der von der Geschichte und der Natur so reich begünstigten oberhessischen Kreisstadt einen weiteren Anziehungspimkt zu verschaffen. Festesstimmung gaben dem schönen Abend die beiden Gesangvereine „Liederkranz" und „Sängerlust", die in stimmungsvollen Chören von deutscher Heimat und deutschem Rhein fangen und damit die dankbare Anerkennung der Gäste fanden.
Im Mittelpunkt des Abends stand der heimat- geschichtliche Vortrag, den Studienassessor Dr. Lade über
„Die Entwicklung der Stabtbcfeffigung von Bübingen“
hielt. Der Redner verstand es, in vielen Einzelzügen ein fesselndes Bild der Vergangenheit zu zeichnen, wofür ihn reicher Beifall lohnte. Der durch Lichtbilder (nach Plänen von Gewerbelehrer Ries!) erläuterte lieb erb lief ging aus von allgemeinen Betrachtungen über den frühesten deutschen Städtebau, der durchaus in bezug auf Rechts- und Wirtschaftsverfassung und Bauart etwas Eigenes und keine Nachahmung römischer Stadigründungen sei. 3m allgemeinen jeigt das äußere Aussehen einer mittelalterlichen Stadt das einer großen Burg. Der lieber gang vom Erdwerk als ursprünglicher Befestigungsanlags zur geschlossenen Mauer, welch letztere im 13. Jahrhundert noch eine Seltenheit ist, vollzieht sich erst allmählich. Die Verteidigungsanlagen des 14. Jahrhunderts sind noch ganz auf den Rahkampf eingestellt, erst vom 15. Jahrhundert an trägt man den damals modernen Feuerwaffen in geringem Maße nach und nach Rechnung. Die Büdinger Stadtbefestigungen sind in ihrem ganzen Werdegang typisch für die einer Heinen deutschen Stadt, so daß ihre Betrachtimg auch über den lokalgeschichtlichen Rahmen hinaus allgemeine Beachtung verdient, zumal man ijr der glücklichen Lage ist, die einzelnen Phasen der Entwicklung in Büdingen bis ins einzelne festzustellen, 3m vergangenen Herbst erst fanden unter Leitung des Dortragenden wieder umfangreiche Ausgrabungsarbeiten des hiesigen Geschichts- und Altertumsvereins statt, die frühere Anschauungen nun ergänzen und zum Teil auch einwandfrei berichtigen, wie Dr. Lade an Hand der trefflichen Lichtbilder im einzelnen nachweisen konnte. Büdingen gehört zu der großen Anzahl derjenigen Städte, die ihre Entstehung und Entwicklung dem «Ätz eines Dynastengeschlechts verdanken. Die Büdinger Herren werden 1131 zum erstenmal erwähnt; ihre Burg war schon früh- zertig von großer Bedeutung. Um den Herrensitz siedelten sich mit der Zeit Handwerker u. dgl. an, es entstand allmählich die sog. „Altstadt", die 1317 noch als Dors, 1321 aber zum ersteiunal als Stadt Erwähnung findet. Um 1290 muß die «Stabt schon durch Wall und Graben befestigt gewesen sein, 1353 aber ist der Mauerring schon vollständig um das Gemeinwesen gezogen. 3m 14. Jahrhundert bot die Altstadt allein nicht mehr Raum genug, die „Reustad?', die 1397 die gleichen Privilegien wie der ältere Stadtteil erhielt, wurde nach und nach besiedelt und mit Manern und Türmen befestigt. Gegen Ende des 15. 3ahr- hunderts begann Graf Ludwig II. mit einer wesentlichen Verbesserung der nicht mehr zeitgemäßen alten Stadtbesesligung. Die alten Werke wurden dabei zum Teil abgetragen und erneuert. Zu Anfang des 16. 3ahrhunderts war die Entwicklung der Büdinger Stadtbefestigung abgeschlossen, und es blieb bei dem mittelalterlichen Zustand bis auf die heutige Zeit, nachdem ein 1609 vom Grafen Wolfgang Ernst I. unternommener Versuch des weiteren Ausbaues an dem Widerstand der Bürgerschaft gescheitert war. Für
großartiger Augenblick für die nicht unmittelbar Beteiligten — und wir uns selbst täglich zweimal mit einer klebrigen Schicht aus den Urbestandteilen der Schöpfung überzogen hatten, standen endlich am Abend des dritten Tages die beiden berühmt gewordenen Renner erschöpft und mannigfach zerstoßen und verwundet auf dem festen Straßendamm, der nach der Stadt führt.
Während ich so drei harte Tag lang mit den Mächten der Unterwelt rang und mich damit tröstete, daß in dem einsamen, sturmgepeitschten Park wenigstens keine Seele diesen Kampf mit ansah, erschienen glänzende Beschreibungen des großen Rennens in der Presse der Stadt. Selbst die „Crescent City News" erklärten sich für überwunden. Wenn in der Alten Welt, sagten sie, der plumpe indische Elefant den Pflug einer modernen Kultur mühselig durch den entkräfteten Boden schleppte, so mache die Neue Welt in unserer Zeit, der Zeit des Fortschritts und der Intelligenz, sich die Arbeit des Dampfes nutzbar. An Stelle der roljen tierischen Kraft trete der Genius der Menschheit und schaffe sich aus Kohle und Wasser die Diener seiner Macht. Für seine Bedürfnisse, für sein Wohlergehen, für seinen Genuß, ja selbst für jene Verbindung von höchster Arbeitsleistung und höchstem Genuß, die in jedem Sport zum Ausdruck komme, dienen ihm heute wunderbare, selbstersonnene Werkzeuge. Das Wettrennen der beiden Dampfelefanten Jonathan und John Bull sei ein Beweis dieser jedes Herz mit freudigem Stolz erfüllenden Tatsache. Dann folgte eine lange, etwas konfuse Beschreibung des großen Ereignisses, in welcher meist richtige Sportausdrücke, meist falsche maschinentechnische (Erörterungen und die dem Konversationslexikon entnommene Zoologie des (Elefanten wundersam gemischt waren. Einen kleinen Stoßseufzer konnte zum Schluß die Schriftleitung des Blattes nicht unterdrücken: Daß die zwei (Elefanten von England importiert seien, sei zwar bedauerlich, aber, bei Licht betrachtet, nebensächlich. Hier erst, auf amerikanischem Boden, sei ihnen Gelegenheit gegeben worden, ihre Kraft im Dieckste der Menschheit völlig zu entwickeln, und doppelt erfreulich sei es, daß dies mit dem Sieg des mh ausdauernden, froh einherbrausenden Jonathan über den schwerfälligen John Bull geendet habe. Während jener spielend das Ziel erreichte, habe sich dieser unter dem Jubel einer tausendstimmigen
Volksmenge mit den hinterlistig benutzten Rad- sporen fein eigenes Grad gegraben.
Der glänzend geschriebene Artikel ging durch alle Zeitungen von Alaska bis Texas. Noch zwei Wochen später bekam ich ihn aus entlegenen Wald- und Präriegegenden zugesandt mit dem gedruckten Winke, mich doch auf die „Bluff Creek Times" ober den „Jacksonville Herold" zu abonnieren, die in so aufopferungsvoller Weise meine Bestrebungen unterstützten. Ich war für die Zeit meines irdischen Daseins mit — allerdings brüchigem — Packpapier überreichlich versorgt.
Was aber nun? Todmüde und mit Schmutz bedeckt, war ich am Abend des dritten Tags nach dem Rennen nach Hause gekommen. Der ganze Apparat stand gerettet, aber wie ein großes Fragezeichen, dazu nach europäischen Begriffen völlig polizeiwidrig auf der muschelgepflasterten Chaussee drei Kilometer vor der Stpdt. Parker, Stone und die schwarze Gesellschaft brauchten, so gut wie ich, zunächst ein paar Ruhetage. Soweit war die «Sache gut. Aber was dann?
Doch die Welt steht nicht still, wenn wir selbst keinen Weg mehr (eben. Während ich, alle Fragen und Sorgen des Dafeins vergessend, noch in tiefem Schlafe lag, war ein ereignisooUer Tag angebrochen.
Mein erster Gang galt dem Hauptzollamt und seinem Direktor. Der Herr empfing mich mit einer Herzlichkeit, welche keiner der mir bekannten europäischen Zollbeamten, deren Herzlichkeit gemäßigt zu sein pflegt, auch nur entfernt erreicht hätte.
„Sehr angenehm, Herr Eyth! Entzückt, Sie zu sehen, Herr Eyth!" rief er mir entgegen, indem er gleichzeitig seinen Assistenten aus dem Zimmer jagte, der ein Gesicht schnitt wie die letzten Regennächte gegen zwei Uhr morgens. „Ich gratuliere Ihnen zum «Sieg Jonathans! Das wird Ihr Glück machen; ich bin fest überzeugt, das muß Iyr Glück machen. Mein Assistent hat zwar ein verteufeltes Häufchen Geld verloren; der wird Ihnen nicht gratulieren. Aber er hat mir die Wette förmlich aufgedrängt. Geschieht ihm recht, dem Quertopf! Er konnte sich doch denken, daß ich Elefanten besser beurteilen kann als er. Ich und Sie, Herr Eyth! Ha, ha!"
Er lachte mit einer Stimme, die benj Klang eines zersprungenen Zinntellers nicht unähnlich war.
die heutige Zeit gilt eS, daS bezaubernde Stadtbild zu erholten als ein lehrreiches Beispiel dafür, wie der Gemeinsinn der Bürger in zäher Ausdauer eine bewundernswerte Wehr geschaffen und damit den Stürmen unb Röten der Zeiten trotzen konnte.
Die heute im ehrwürdigen Sitzungssaal des Rathauses stattgefundene
Vertreter- und Hauptversammlung beschäftigte sich unter dem Vorsitz von Ober- studiendireltor Dr. Faber (Friedberg) im Anschluß an den Jahresbericht mit Fragen der Organisation usw. 3m Vordergrund der Aussprache stand die Angelegenheit der hauptamtlichen Denkmalspflege. Dabei tarn zum Ausdruck, daß sich die Denkmalspflege nicht nur auf Dodensunde erstrecken dürfe, sondern auch die Gebäude des Mittelalters erfassen müsse. Einstimmig kam ein an Landtag und Regierung gerichteter Antrag zur Annahme, der eine hauptamtliche Denkmalpflege st eile für ganz Hessen fordert. Eine Aenderung der Verbandssahung soll in nächster Zeit von einer besonderen Kommission beraten werden. Mit dem Gesamtverband der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine WiU man in Verhandlungen eintreten zwecks Aufnahme des hessischen Verbandes in den Gesamtverband. Eine rege Aussprache beschäftigte sich auch mit der Frage der neuzeitlichen Heimatkunde, insbesondere mit den vom Landesamt für das Bildungswesen ins Leben gerufenen heimatkundliche n Arbeitsgemeinschaften. Der Wunsch nach Zusammenarbeit von Lehrerschaft und Geistlichkeit kam dabei lebhaft zum Ausdruck. Archivdirektor Dr. Dietrich (Darmstadt) gab ber' der Gelegenheit interessante Mitteilungen über die geplante Herausgabe der heimatkundlichen Wegweiser und Handbücher, deren erstes von Prof. Becker (Darmstadt) bearbeitetes Heft „Ratschläge für die Erforschung der Geschichte hessischer Landgemeinden" sich bereits im Druck befindet. Mit Wirkung vom 1. Oktober d. 3. geht der Vorsitz im Verband, den seither die Hessische Vereinigung für Volkskunde führte, an den Altcrtumsverein in Mainz über. Als Ort der nächstjährigen Tagung wurde Offenbach a. M. gewählt. Als offizielle Vertreter des Oberhessischen Geschichtsvereins beteiligten sich Prof. Dr. Rolosf und Prof. Dr. Aubin (Gießen) an den Aussprachen. ।
Den Höhepunkt der Tagung bildete der geistreiche Lichtbildervortrag, den Pros. Aubin (Gießen) über
Die historisch-geographischen Grundlagen der hessischen Geschichte heute im Saale des „Fürstenhofes" vor einem größeren Kreis von Fachleuten und Heimatfreunden hielt. Don hoher wissenschaftlicher Warte zeigte der Redner einleitend zunächst, wie die Geschichtsforschung allezeit abhängig gewesen ist von den besonderen Zeitströmungen der einzelnen 3ahrhunderte. So trug die Geschichtsschreibung des 17. und 18. Jahrhunderts durchaus staatlichen und dynastischen Charakter, und erst das 19. 3ahrhundert brachte neue Antriebe dahin, auch das wirtschaftliche und materielle Leben der Völker in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Heute habe das dynastische Prinzip seine Aktualität verloren, die neue Richtung der Heimatbewegung, die durch das Schlagwort „Volk und SchoUe" ganz treffend bezeichnet werde, weise auch der geschichtlichen Landeskunde neue Wege, wenn auch die Schwierigkeiten der neuen Methode nicht zu verkennen seien. Besonders schwierig sei die Deutung des Begriffes „historische Landschaft" für Hessen. Auf Grund tiefschürfender Studien konnte der Redner an dem Beispiele Hessens dann die Art der neuen Betrachtung fesselnd zeigen. Die geologischen, geographischen, ktima- tolocsischen Bedingtheiten der Landschaft wurden dabei fein beleuchtet und die Besiedlung und territoriale Entwicklung Hessens als historischer Landschaft anschaulich gezeichnet. Besonders die Bedeutung der W e 11 c r a u als Drücke des hessischen Derglandes zu ben alten, hochentwickelten Kulturlandschaften am Main und Rhein wurde immer wieder anschaulich herausgearbeitet. Die vorgeschichtliche, römische, chattische und fränkische Zeit fanden in äußerst instruktiven Lichtbildern Darstellung, ferner die Zeiten der kirchlichen und territorialen Machtbestrebungen, welch letztere in Philipp dem Großmütigen die hessische Geschichte kulminieren lassen. 3mmer wieder hat
„Sie haben wohl Nachrichten von Washington, Herr Generaldirektor?" bemerkte ich, um etwas rascher zur Sache zu kommen.
„Von Washington, Herr Eyth?" fragte er, mich groß ansehend. „Alle Zeitungen sind voll! Natürlich, auch dort. Es soll mich nicht wundern, wenn Sie bald Anträge bekommen, mit Ihren Doppelelefanten in allen größeren Städten der Union aufzutreten. Bei Zeus, das wäre keine schlechte Spekulation. Wie ich sage: alle Zeitungen sind voll! Der Sieg des amerikanischen Dampfrenners Jonathan — Mister Harris, bringen Sie uns doch die neuesten Zeitungen von Washington!"
„Ich meinte eigentlich unsere Zollangelegenheiten", warf ich ein.
„Ach — das!" rief der Direktor mit einem leichten Schatten auf den mehr und mehr in Leder übergehenden Zügen. „Gewiß! Ich habe für Sie telegraphiert. Soeoen Antwort erhalten; interessant — etwas unerklärlich."
„Weshalb? Die Sache schien mir dach ziemlich einfach", bemerkte ich.
„3n der Hauptsache ist alles in Ordnung, gewiß!" versetzte der Zollmann mit unangenehmem Zaudern. „Sie bekommen die viertausendzweihundert Dollar zurück, die Sie für den Pflug bezahlt haben. Ich garantierte Ihnen dies schon vor dem Rennen. Kongreßbeschluß unzweifelhaft und ganz klar. Sie müssen sie zurückbekommen."
„Sehr schön", sagte ich freudig. „Können Sie mir gleich eine Anweisung ausstellen? Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm. Elefantenrennen kosten runde Sümmchen."
„Bringen auch hübsch Geld", lachte der Direktor mit einem Wink auf die Tür, hinter der der Assistent verschwunden war. „Ja, ja, Herr Eyth, die Sache ist ganz in Ordnung. Sie sollen die vier- tausendzweihundert Dollar zurückerhalten. Aber —"
„Was aber?" drängte ich ungeduldig.
„Der Generaldirektor von Washington schreibt mir, daß am Tage nach dem Kongreßbeschluß einer Ihrer Freunde die ganze Summ« für Äe m Washingwn erhoben habe."
„Olcott! rief ich, während mein ganzes Iw nere von einem ekktrischen Äedcmkemnltz erhellt wurde.
(Fortsetzung folgte . . ,


