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Verband der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen.

Jugendpflege und Jugendfürsorge sind Ar­beitsgebiete, die man vor 50 Jahren in Deutsch­land kaum gekannt hat. Damals fiel die Pflicht, für die Heranwachsende Jugend zu sorgen, aus­schließlich der Schule zu, und wenn diese die Kinder entlassen hatte, so kümmerte sich außer ihren Eltern und Lehrmeistern niemand mehr um sie. Es war damals eine Zeit, in der unser Volk auf allen Gebieten des Lebens im Auf­streben begriffen war. Als man aber um die Wende zum 20. Jahrhundert erkannte, daß man nicht mehr überall von einem Fortschreiten reden tonne, als man merkte, daß das Lebermah der Technik unser geistiges Leben zu veröden drohte, als unser Volk anfing, sich seiner sozialen Pflich­ten bewußt zu werden, da erkannte man auch, daß es nicht damit genug sei, die Kinder ad)t Jahre lang zum Schulbesuch anzuhalten und die männliche Jugend erst nach einem strengen Ma­turitätsexamen zur Universität zuzulassen, son­dern daß man sich um di« Jugend, um ihre körperliche uni) seelische Verfassung weit mehr kümmern müsse, als das seither geschehen war. Staat und Kirche haben sich von dieser Zeit an die Pflege der Jugend immer mehr angelegen sein lassen. Die einseitige geistige Kultur der früheren Zeit ließ die Körperkultur zurücktreten, auf die Pflege der Gemütswerte wurde wenig Wert gelegt. Das wurde nun anders, man bangte um die gesunde Weiterentwicklung unseres Volkes und besann sich auf den Grundsatz: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. So entstand Organisation auf Organisation, und heute steht die Jugendpflege im Mittelpunkt des öffent­lichen Interesses. Freilich man muß sich auch hier vor ^lebertreibung hüten. Der verstorbene Berliner Professor der Theologie D. Freiherr v. Soden hat einmal gesagt, es sei eine Form ungesunder Entwicklung, wenn man zu sehr be­tone, daß di« Jugend künstlich gepflegt werden müsse, und wenn man nicht mehr hoffe, daß eine tüchtige, gesunde Jugend sich ohne bewußte Lei­tung und Bevormundung gedeihlich entwickeln werd«. Dieses Wort konnte und wollte jedoch nicht das, was an der Jugendpflege berechtigt ist, unterschätzen.

Seit längerer Zeit widmet man sich auch der Pflege der weiblichen Jugend. Heute wetteifern miteinander auf diesem Gebiete die evangelische und die 'katholische Kirch«. Auch in Hessen sind auf evangelischer Seite viele Iungfrauen? vder, wie man auch sagt, Jungmädchen­vereine entstanden Diese Vereine hat man in einem Verbände zusammengefügt. Eine Zen­tralisation dieser Art hat viel Segensreiches zur Folge: denn es toeröen dadurch Anregungen weitergegcben, und es wird einheitliches Vor­gehen erzielt. In diesem Sinne hat es auch be» sonderen Wert, wenn ein Verband dieser Art zu Jahrestagungen zusammenkommt. Zwar kann man nicht sagen, daß hierdurch das innere Leben der jungen Seelen immer gefördert werde. Läßt man die Jugend zu oft zum Wort kommen, überträgt man ihr in Vereinsvorständen Ge­schäfte, die sonst nur ältere Personen verrichten, so besteht die Gefahr, daß sie frühreif und eitel wird. Vor diesem Schaden wird die Jugenid behütet, wenn sie recht geleitet wird.

Das geschieht in dem Verband der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen, dessen Jahrestagung gestern hier stattgesunden hat. Aus allen Teilen des Hessen­landes waren die Mädchen, geführt von ihren! Dereinsleitern, Pfarrern, Diakonissen und ande­ren Persönlichkeiten, die für die Jugend ein warmes Herz haben, hier zusammengeströmt, un­gefähr 1700 auswärtige Festteilnehmerinnen mö­gen cs gewesen sein Ein Teil davon war schon am Samstagnachmittag hier eingetroffen. In ihren Windjacken, mit Rucksack und Zupfgeige zogen sie in di« Stadt ein und suchten ihre Quartier« auf.

Die Tagung wurde durch eine Abendandacht, die am Samstagabend um 1/29 Uhr in der Jo- hanneskirche stattfand, eingeleitet Organist Ha­bicht spielte in gewohnter, meisterhafter Weise auf der Orgel, und der Landesjugendpfarrer

Lic. von der Au hielt ein« zu Herzen gehende Ansprache. Fräulein Partenheimer von hier und Fräulein Reichard aus Würzburg fangen mit klangvollen, gutgeschulten Stimmen das DuettIch harret« des Herrn" von Mendels­sohn.

Am Sonntag früh ,tm 7 Uhr durchzogen, in Gruppen eingeteilt, Kurrendesängerinnen die Stadt und fangen an vielen Orten Choräle und geistliche Volkslieder. Dieses Singen, das in alter Zeit man denke an Martin Luther, der in Eisenach Kurrendeknabe war, besonders in Aorddeutschland gepflegt wurde, verdient es, in unserer Zeit wieder mehr in Gang zu kommen, denn nicht nur die, die ausgesprochen kirchlich gerichtet siird, sondern auch die, die nicht mehr zum Gottesdienste gehen, hören es gern und lauschen chm mit Ergriffenheit. Auch hier wurde das Singen dankbar entgegengenommen.

Um 10 Uhr fanden in beiden Kirchen Festgottes­dienste statt. Bemerkenswert ist, daß an diesem Tage zum erstenmal an den beiden Türmen die neu­geschafften Kirchenfahnen, die auf weißem Grund ein violettes Kreuz zeigen, angebracht waren. Neben ihnen flatterten im Winde die Fahnen des Verban­des, die an dem grünen Kreuze auf weißem Grunde kenntlich sind. In beiden Kirchen trugen die Altäre reichen Blumenschmuck, die Blumen waren von Ge­meindegliedern gestiftet worden. In der Stadtkirche predigte Pfarrer D. Jeep aus Braunschweig, ein um die Jugendpflege verdienter Mann. Der Frauen­chor des Evang. Arbeitervereins und die Knaben­chorschule trugen durch ihren Gesang zpr Ausgestal­tung des Gottesdienstes bei. In der Johanneskirche predigte Professor Gerstenmaier aus Friedberg. Ein aus Mitgliedern des Mädchenvereins Hungen und ein aus Gießener Mädchen zusammengesetzter Chor sangen geistliche Lieder. Beide Kirchen waren bis zum letzten Stehplatz überfüllt.

Dis Mädchen, die bei Familien untergebracht waren, waren mitlags bei diesen Gäste: denen, die erst am Vormittag gekommen waren, wurde in der Pestalozzischule. im evangelischen Schwestem- hause und in der Kleinkinderbew ah ran statt Kaffee gereicht.

Um halb 2 Uhr stellte sich auf Oswalds-- garten der Festzug auf, es mögen 2000 Teil­nehmer gewesen sein, die in ihm gingen. Die Führung hatte der Gustavsburger Posaunenchor, dessen Darbietungen von großer Schulung Zeug­nis ablegten. Dasselbe gilt von dem Klein- Lindener Posaunenchor, der auch in dem 3uge vertreten war. Der Zug bewegte sich durch die Reustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Setters­weg, Goethestrahe, Südanlage, Gartenstraße, Kaiserallee nach dem Trieb. Es war ein an- mutiges Bild, als die einzelnen Mädchengruppen mit chren Wimpeln dahinzogen. Deutsche Volks­lieder erklangen, vielfach von den Zupfgeigen be­gleitet. im Zug«.

Auf dem städtischen Gelände östlich des Philo- svzchenwaldes machte der Zug Halt. Die Wimpel­trägerinnen wurden auf dem Hügel auf gestellt, und di« Teilnehmerinnen nahmen vor diesem Hügel Auf­stellung. Die Wimpel flatterten im Winde, und die große Schar lagerte sich auf dem grünen Rasen, im Hintergründe waren die Höhen und Wälder bei Wie- seck und Alten-Buseck zu sehen. Viele, die noch nicht in Gießen gewesen waren, waren von dem Land­schaftsbilde, das sich ihnen hier darbot, überrascht. Unter Begleitung des Gustavsburger Posaunenchors sang die große Versammlung das LiedEs rauscht durch deutsche Wälder", bann wurde die Be­grüßungsansprache von dem Derbandsvorfitzenden Pfarrer St rack in Pfungstadt gehalten. Ihm folgte Superintendent Zentgraf aus Mainz, der den Gruß der Kirchenbehörde entbot. Schulrat Haf­fin g e r aus Darmstadt sprach für di« Zentralstelle für Volksbildung und Jugendfürsorge, Pfarrer M e m m e r t aus Oberwiddersheim redete im Auf­trage des Vereins für innere Mission. Alsdann trat die jugendliche Freude in ihr Recht. Volkslieder wur­den gesungen, Reigen und Volkstänze wurden auf­geführt, wobei es zu außerordentlich schönen Dar­bietungen kam. Die junge Schar ließ sich durch den Regen, der niederging, in ihrer Freude nicht stören. Als der Regen aber stärker wurde,

Rutschbahn ins Wasser rodeln, Montreux mit seinen an die steilen Hänge bis in tausend Meter Höhe wie Vogelnester angeklebten Hotelpalästen-, darüber die zackige Spitze des Kocher de Naye und gegen­über wenn man Glück hat, wie wir es einmal hatten das schneebedeckte Haupt des Dent du Midi! Endlich sicht man auf der Heimfahrt vom Wasser aus die Vorbereitungen zu dem großen Feuerwerk in Vevey, dessen beginnende Illumina­tion wir sogar noch von weitem sehen konnten.

Ein andermal wird im Mondschein gerudert. Das ist aber doch eine andere Sache als auf Lahn und Main! Da gibt es mitunter ein tüchtiges Schau­keln oder einen großen Schreck, wenn plötzlich die Sirene eines der vom Wasser aus riesenhaft er­scheinenden Dampfer ertönt. Am erfrischendsten ist es, morgens früh vor der Sitzung im See zu baden. Da ist man ganz allein und wird, umgeben von Licht, Luft und Sonne, im Anblick der Berge geheilt von allen Schäden der Theorie. Geht es nicht mor­gens, so geht es abends, wenn die Sonne in den Dunst des Horizontes sinkt und man mit Schwä­nen in holdem Verein im Wasser dahinschwimmt.

Das haben wir uns auch nicht nehmen lass ejnmal zu jenen Hotelpalästen in tausend Mc . j Höhe über Montreux hinaufzuklettern. Wir saßen dann hoch oben nach getaner Arbeit, die sich andere durch Benutzung der fauchenden Zahnrad­bahn ersparen und schauten über die Berge hin, ins Tal hinunter, wo tief unten die Rhonemün­dung, Chillon und mit dem Glas auch die Badenden in Tercilet zu erkennen waren, und schlürften eine Tasse Tee nach der anderen. Nicht ferne von uns knatterte hie und da ein Auto man hätte auch im feudalen Saal einen Tanztee erleben können, also der Zivilisation war man da oben noch nicht entronnen. Aber alles war herrlich schön; besonders der Abstieg in Serpentinen im Abendsonnenschein mit dem ständigen Blick auf den See und auf die fernen Berge.

Und endlich kann man nicht hier gewesen sein, ohne das uns allen seltsam teuer gewordene Genf besucht und feftgeftellt zu haben, daß der alte Völ­kerbundpalast trotz aller Ausschreibungen noch im­mer nicht durch einen neuen ersetzt ist; ohne das Hotel Chamberlains, das Caf« S t r e se­in a n n s , die Kneipe B r i a n d s und alte Freunde wiedergesehen zu haben. Es ist eine Stadt von sel­tener Vornehmheit und eigenartigem Reiz, zumal wenn nicht nur die große Fontäne im See springt, sondern auch der Montblanc fein stolzes Haupt ent­

hüllt. Es soll jetzt etwa vierzig internationale In­stitute in Genf geben. Vivant sequentes!

Bekenntnis Rilkes über seine Jugend.

Wie die zarte und berauschende Blüte der Kunst Rilkes, die gleich einem Wunder in un­serer Zeit leuchtete, heranreifte, das begreifen wir erst jetzt langsam, da uns nach feinem Tode immer mehr persönliche Zeugnisse seiner Ent­wicklung erschlossen werden. Ein besonders wich­tiges Dokument dieser Art ist der große Be­kenntnisbrief des 19jährigen Rilke, den Paul Leppin im neuesten Heft derLiteratur" mit­teilt. Am Vorabend seines 19. Geburtstages schreibt er kurz vor Mitternacht am 4. Dezember 1894 an Valerie David Rhönfeld t, seine erste Geliebte, an die dieSonette an Daily" gerichtet sind. Er wirft einen Rückblick auf sein bisheriges trübes Dasein:In dieser Rächt gegen einhalb zwölf sind es gerade 19 Jahre, daß ich bin. Du kennst die lichtarme Geschichte meiner verfehlten Kindheit und Du kennst die­jenigen Personen, welche Schuld daran tragen, daß ich nichts ober wenig Freudiges aus jenen Werdetagen zu merken vermag. Du weißt, daß ich einen großen Teil des Tages einer gewissens- armen und sittenlosen Dienstmagd überlassen war, und daß diejenige Frau, deren erste und nächst­liegende Sorge ich hätte sein sotten, mich nur liebte, wo «s galt mich in meinen neuen Kleid­chen vor «in paar staunenden Bekannten auf­zuführen. Du weißt, wie ich mit wechselndem Er­folge die Volksschule der Piaristen absolvierte und ein dummer Knabe in der Hauptallee des Baumgartens über mein eigenes Schicksal mit einem kindischen Worte entschied..."

Die Leiden auf der Militärschule, von denen er erst erlöst wurde, als er sich für die Abschluß­prüfung bei einem Prager Gymnasium vorbe­reiten durfte, schildert er folgendermaßen:Ich duldete Schläge, ohne je einen Schlag erwidert ober wenigstens mit einem bösen Wort ver­golten zu haben. Ich litt unb trug. Ich glaubte, der Wille eines unendlichen, unwandelbaren Schicksals verlange von mir diese heroische Duld­samkeit hätte ich gewußt, erkannt, daß es statt dieses unabwendbaren Geschickes nur die Laune eines vergnügungssüchtigen, erbärmlichen Wesens war (Mutter). Wo ahnte ich bas! Mit derselben

mußt« dies« Veranstaltung abgebrochen werden. Man begab sich zurück nach der Stadtkirche, wo nach einem Dortrage des Gustavsburger Posaunenchors Pfarrer D. Jeep die Schlußansprache hielt. Mit einem ge­meinsam gesungenen Liede nahm die Tagung ihren Abschluß.

Fehlte auch die liebe Sonne, so darf doch das Fest als ein in allen Teilen wohlgelungenes Fest bezeichnet werden. Dank gebührt den Familien, die in gastfreier Weise bi« auswärtigen Teil­nehmerinnen aufnahmen. Am das Gelingen des Festes hat sich Pfarrer B e y r i ch in Münzen- berg, der zweite Vorsitzende des Verbandes, be­sondere Verdienste erworben, er hat das ganze Fest organisiert, die Einladungen versandt und für alles im einzelnen Sorge getragen. Die in Gießen zu leistende Organisation lag in den Hän­den des Pfarrers Becker, der sich dieser Auf­gabe mit einer großen Mühewaltung unterzogen hat. Die evangelische Gemeinde Gießen hat als fest gebende Gemeinde einen guten Ruf, nachdem im Jahre 1924 hier der deutsche Pfarrertag und im Jahre 1925 das große Gustav Adolf-Fest stattgefunden hot. Hoffentlich hat die gestrige Tagung dazu beigetragen, diesen guten Rus zu mehren.

Oberhessen.

Landkreis Bietzen.

CO Klein-Linden, 21. Ang. Im Anschluß an den Vormittagsgottesdienst wurde heute in un­serem Gotteshaus durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Göbel, der Wimpel der hiesigen ch r i st - lichen Jugendvereinigung (Mädchcnabtei- lung) eing e-w «licht. Seiner Weiheansprache legt« der Geistliche den Dibeltext aus Psalm 20, Vers 6 zugrunde. Die Jugendvereinigung antwortete mit dein Liede:Wir reichen uns zum Bunde die treue Schwesterhand". Der Wimpel ist nach dem künst­lerischen Entwurf von Fräulein Käthe Gärtner geschaffen worden und trägt auf seiner rechten Seite auf goldenem Hintergrund das grüne Derbandskreuz der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen. Die linke Seit« zeigt auf einem grünen Hintergrund die heimatkundlich« Darstellung unseres Dorfes, das Sinnbild Klein-Lindens, eine Burg mit Linden. Am Sonntagnachmittag beteiligte sich die Gruppe an dem Jahressest des Verbandes der evang. weiblichen Ju­gend in Gießen. Am Samstag zuvor hatte sich die Wormser Jugendvereinigung unter ihrem Führer, Pfarrer Blümler, in einer Stärke von 28 Mäd­chen mit unserer Jugendvereinigung zu einem ge­selligen Abend in dem neuen Heim der hiesigen Ge­meinschaft zusammengefunden.

* Watzenborn-Steinberg, 21. Aug. Hier wurde dieser Tage durch KreiSfeuerwehr- inspektor Dickore eine von den Magiruswerken gelieferte mechanische Leiter, welche sich 12 Meter ausziehen läßt, in Gegenwart des Ge­meinderates auf ihre Sicherheit und Tragfähig­keit geprüft. Die praktischen Vorführungen be­wiesen, daß es sich um ein nach der neuesten Konstruktion hergestelltes Feuer- und Rettungs­gerät handelt. Bei dieser Gelegenheit ging in der Gemeinde der schon lange gehegte Wunsch, eine f reitoillige Feuerwehr zu besitzen, in Erfüllung. Kreisfeuerwehrinspektor Dickore und Brandinspektor Wenzel gaben die An­regung dazu; es meldeten sich sogleich eine An­zahl Leute zur freito. Feuerwehr. Als Komman­dant dürfte der schon ein Reihe von Jahren bei der Pflichtfeuerwehr tätige Herr Schmandt in Vorschlag kommen. Daß Bürgermeister und ©emeinberat zur Beschaffung von modernen Feuerwehrgeräten Mittel zur Verfügung stettten und bei der Gründung einer freito. Feuerwehr förderlich waren, kann von der Gemeinde dankbar anerkannt werben.

Krcis Büdingen.

? Ridda, 20. Aug. Die von dem Kreis­amt Büdingen in Verbindung mit dem Kultur bau amt Friedberg veranlaßten Verhandlungen zwischen den Vertretern der hie­sigen und der benachbarten Gemeinde Michel­nau konnten noch feine Einigung in der Quellenfrage herbeiführen. Obwohl die Vertreter der letzten Gemeinde ihre Forderungen für die Hergabe der neugesahteu Quelle stark zurückgeschraubt, beharrt die hiesige Gemeinde auf dem Standpunkt, außer den durch die Fas-

Rotwenbigkeit, mit der ich den Tag der Rächt Weichen sah, glaubte ich meine Qualen vorhanden und setzte einen Stolz hinein, sie zu tragen. In meinem kindlichen Sinn glaubte ich durch meine Geduld nahe dem Verdienste Jesu Christi zu sein, und als ich einst einen heftigen Schlag ins Gesicht erhielt, so daß mir bie Knie zitterten, sagte ich dem ungerechten Angreifer ich höre es noch heute mit ruhiger Stimme:Ich leide es, weil Christus es gelitten hat, stttt und ohne Klage, und während du mich schlugst, betete ich zu meinem guten Gott, daß er dir vergebe." Eine Weile stand der erbärmliche Feigling stumm und starr, dann brach er in das Hohngelächter aus, in welches alle, denen er den Ausruf meiner Verzweiflung mitteUte, heulend einstimmten. Unb ich floh bann immer zurück bis in die äußerste Fensternische, verbiß meine Tränen, die bann erst in der Rächt, wenn durch den weiten Schlaf­saal das regelmäßige Atmen der Knaben hallte, sich ungestüm und heiß Dahn brachen." Damals erwachte in ihm der Trieb zu dichten:In dieser Zeit, die ich ja meistens im Krankenzimmer mehr geistig vergrämt als körperlich krank verbrachte, bildeten meine poetischen Versuche sich zu gröh- rer Klarheit und Selbständigkeit heraus, und besonders die beiden GedankenSatan auf den Trümmern Roms" undDie Beschwörung" er­wähne ich mit freudiger Erinnerung. So keim­ten in diesen trüben Tagen zum erstenmal die oft erstickten Trosttriebe frei auf; zugleich aber empfand der älter werdende Sinn, bas lichter werdende Herz die fröstelnde Leere der Ver­einsamung. Hatte er doch nie, nie noch freund­liches Entgegenkommen, geschweige deirn Liebe gefunben, unb schien dennoch dazu angetan, diese zu fordern." Rilke erzählt bann von seiner Freundschaft mit einem Knaben, bie in Ent­täuschung und Leid endete und gesteht feiner göttlichen Vallh", daß er ihr das erste Glück und die erste Zukunftshoffnung feines Lebens verdanke.

Hochschulnachrichten.

Von der Akademie der Wissenschaften in Wien wurden der ordentliche Professor der Mineralogie an der Wiener Universität Dr. Friedrich Decke zum Generalsekretär und der ordentliche Professor der klassischen Philologie an der genannten Universität Dr. Ludwig Ra Ver­macher zum Sekretär der phikvsvphisch-histo-

sungsarbeiten entstandenen direkten Schäden keine weitere Cntschädigungspflicht anzuerkennen, da sie mit dem vor Jahren getätigten Kauf des Quettengeländes auch das Recht erworben, die Quellen in der Restparzelle nutzbar zu machen. Im Hinbliick darauf, daß es sich hier um zwei Gemeinden handelt, die eng benachbart und wirt­schaftlich aufeinander angewiesen, dürfte wohl bald eine Lösung gefunden werden, die beide Teil« befriedigt. Der Bezirkstag des hie­sigen Hassiabezirks findet im September in älnter-Schmitten statt, dessen Krieger­verein damit das Fest seines 25jährigen Fahnen­jubiläums verbindet. Don allen Fruchtarten leidet unter der herrschenden Rässe der Hafer ganz besonders. Er ist größtenteils überreif, so daß die mürbe gewordenen Rispen selbst bei vorsichtiger Arbeitsweise abbrechen und die Körner auf den Aeckern bleiben. Die Landwirte fürchten auch, daß die Kartoffel r oon Fäul­nis befallen werden, wenn nicht bald trodene Witterung eintritt.

# Ridda, 20. Aug. Die neue Stark­stromleitung von Wölf ersheim nach Lauterbach, die zur Aufnahme von 60 000 Bolt Spannung berechnet ist, wurde jetzt auf der Teilstrecke Wölfersheim-Ri dda vottendet und dem Betrieb übergeben, allerdings vorläufig nur mit 20 000 Volt Spannung. Don dem Kraftwerk Wölfersheim bis hierher stehen mächtige, teilweise 18 bis 25 Meter hohe Beton- mast em Von hier aus sind der Ridda entlang eiserne Gittermasten in 200 Meter Abstand auf gestellt, die eine Höhe von durchschnittlich 20 Meter haben. Es war ein schweres Stück Arbeit. Die Beförderung der etwa 100 Zentner schweren ßeitungSträger geschah auf dem feuchten, schlüpf­rigen Boden hauptsächlich mit Raupenschleppern. Eine Unmenge Dasaltkleinschlag und Zement ist in die schweren Detonklötze verarbeitet worden, die dcn Fuß der Cisenmasten b Iben. Im hohen Vogelsberg, wo der winterliche Rauhreis die Leitungsdrähte ungeheuer belastet, mußten die Masten bis auf 75 Meter Emfernung genähert werden. Im ganzen sanden 268 eiserne Masten Verwendung, die jetzt atte ausgestellt sind. Mit der Bespannung der Masten mit Kupferdraht ist bereits begonnen worden. Die ganze Anlage wurde von der Allgemeinen Elektrizitätsgesell­schaft in Berlin ausgeführt, die zu diesem Zweck seit Herbst vorigen Jahres hier ein Baubüro unterhält.

Echzell, 20. Aug. Die Starkstrom' leitung ist schon manchem Storch zum Ver­hängnis geworden, wenn er auf dem Flug beide Drähte berührte. So wurde in dem benachbarten Bisses ein Sprößling eines auf der Scheune von Schultheiß nistenden Cwrchenpaares bei einem Mast der Starkstromleitung tot aufgefunden, und auch in der Gemarkung Gettenau fiel ein Storch dem Starkstrom der Fernleitung zum Opfer.

Kreis Schotten.

Id. Schotten. 20. Aug. Die Eisen­bahnlinie Ridda Schotten, die Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde, besitzt eine Linienführung, bie mit zunehmendem Straßenverkehr immer mehr zu einer Gefahr für diesen wird. Der Schienen- sträng liegt entweder unmittelbar an der Land­straße. oder doch in nächster Rähe derselben. In den Dörfern Kohden, Ober-Schmitten, Eichelsdvrf und Rainrvd ist die Strecke sogar alsStraßen­bahn" angelegt. Da in keiner Gemeinde zwischen den beiden Endpunkten der Bahnlinie die Feld- bereinigung durchgeführt ist, wird der Wunsch laut, geleaentttch der Bereinigung der Gemar­kungen Die Bahnlinie abs eits der Straß« und aaußerhalb der Dörfer zu legen. Im Heuhandel, der hier in früheren Jahren nach Beendigung der Heuernte besonders lebhaft einsehte, herrscht fast völ­lige Ruhe. Heu ist kaum begehrt und zum Verkauf bestimmte Fuhren mußten nach langem Zuwarten eingelagert werden. Als Zeichen der Zeit muß festgehalten werden, baß heute noch ein Teil der vorzüglichen Günderodischen Wiesen im Schottener Grunde abzuernten ist, weil sich niemand findet, der zu dm geforderten hohen Preisen die Aberntung übernehmen will. Der Verlauf der diesjährigen F r u ch t e r n t e, die nur minderwertiges Futterstroh liefert, wird nicht ohne Einfluß auf den heimischen Heubedarf blei­

rischen Klasse dieser Akademie wiedergewähtt und vom Bundespräsidenten bestätigt. Der a. o. Professor und Direktor der Poliklinik für orthopädische Chirurgie an der Universität Berlin Dr. med. Hermann G o ch t ist zum ordentlichen Professor ebenda ernannt worden. Der ordentliche Professor für Chemie und Vor­steher des chemischen Laboratoriums der Ab­teilung für Bergbau an der Berliner Tech­nischen Hochschule, Geheimer er grat Dr. Alfred Stavenhagen ist zum 1. Oktober 1927 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Für das Fach der Chemie habilitiert« sich in der Marburger philosophischen Fakultät der Unterrichtsassistent am dortigen chemischen In­stitut Dr. Ludwig Anschütz. Der ordentliche Professor für Altes Testament an der Uniüerfität Halle D. Dr. Hermann G unk«! ist zum 1. Oktober 1927 von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Gebürtig aus Springe bei Hannover, widmete sich Gunkel in Göttingen, Gießen und Leipzig dem Studium der Theo­logie und Philologie, besonders unter v. Har- nack, Stade, Ritschl, H. Schultz und Lagarde, und erwarb 1888 in Göttingen den theologischen Li- zentiatengrad. Im gleichen Jahre habilitierte sich Gunkel in der Göttinger theologischen Fakultät für Altes und Reues Testameni, siedelte später nach Halle über, wurde 1894 Extraordinarius in Berlin unb 1907 Ordinarius in Gießen als Rachfolger von B. Stade. Seit 1920 wirkt Gunkel in Hatte als Rachsolger von Carl Eornill. Pros. Gunkel ist Dr. theol. h. c. der Universität in Berlin und Christiania sowie Dr. phil. h. c. von Breslau. Der Gelehrt« ist langjähriger Heraus­geber derForschungen zur Religions- und Lite­raturgeschichte des Alten und Reuen Testaments". Zum Rektor der Universität Tübingen ist ür den Rest des Amtsjahres 1927/28 der Prv- essvr für Strafrecht, Zivil- unb Prozeßrecht owie Rechtsphilosophie Dr. jur. August Hegler gewählt unb vom Staatspräsidenten bestätigt worden. Dr. med. et med. vet. Emil Küster aus Wetzlar, früher nichtetatmähiger außer­ordentlicher Professor an der Universität Frei­burg i. Dr., hat sich an der Universität Frank­furt für das Fach der Hygiene und Bakterio­logie habilitiert. Der planmäßige außerordent­lich« Professor Dr. Emst Hiof fmann an der Uniöerfität Heidelberg wurde zum ordent­lichen Professor für Philosophie und Pädagogik ernannt.