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Der Reichswehrzwischenfall bei der Gießener versassungsseier".

Unter dieser Aeberfchrift veröffentlicht die amtliche »Darmstädter Zeitung" in ihrer Ausgabe vom Samstag im Anschluß an den Abdruck der Entscheidung des Reichswehr- ministeriums über den Zwischenfall bei der Gießener Derfassungsfeier folgende Kundgebung der hessischen Staatsregierung:

Wie wir hören, hatte der Hessische Staats­präsident, nachdem er sich von der Provin- -ialdirektion und dem Gießener Polizeiamt über den Dorfall bei der Gießener Derfassungsfeier hatte berichten lassen, beim Reichswehrmi- nt ft e t gegen das Verhalten des Reichswehr­kommandeurs in Gießen protestiert. Der Protest gründet sich einmal auf die Tatsache, daß dieses Derhalten eine bewußte Störung der behördlich arrangierten Derfassungsfeier darstellt und zum airderen darauf, daß der Weggang der Reichswehrangehörigen in unmittelbarer Folge der Kritik des Festredners an dem frühe­ren monarchischen Regime erfolgt war, und da­mit als eine Demonstration gegen republikanische Staatsgesinnung zu betrachten sei.

Es ist bedauerlich, daß das Reichswehr­ministerium seine Stellungnahme bekanntgegeben hat, bevor es sich mit der Hessischen Landes­regierung in Verbindung gesetzt hat. Denn der Herr Reichswehrkommandeuc in Gießen ist zu­gleich »Landeskommandant in Hessen". Für die Hessische Regierung, die eine ausgesprochene repu­blikanische ist, konnte danach die Frage entstehen, ob sie nun noch mit einem Landeskommandanten in Hessen zusammen zu arbeiten vermag, der eine Feier zur Ehre der republikanischen Relchsver- fassung in der geschehenen Weise gestört hat. Denn darum handelt es sich letzten Endes. Ob die Festrede zu beanstanden war oder nicht, das zu entscheiden war nicht Sache des Reichswehr­kommandeurs, sondern der Deranstalter der Der­fassungsfeier.

Rach der Mitteilung des Reichswehrmini­steriums an die Presse könnte es den Anschein Baben, als ob der Gießener Reichswehrkomman­deur die Derfassungsfeier verlassen habe, infolge einer absprechenden Redewendung über den Reichspräsidenten und der Kritik an Mitgliedern der Reichsregierung. Demgegenüber muß fest­gestellt werden, daß, nach dem Bericht des Gie­ßener Polizeiamts, der Reichswehrkommandeur mit seinen Offizieren die Derfassungsfeier ver­lassen und auch die bei der Feier mitwirkende Reichswehrkapelle zum Weggang veranlaßt hat, als der Festredner das frühere monarchische Regime und seine Fürsten, insbesondere die Hehenzollern, behandelt hat. Darum auch wurde der Auszug der Reichswehrangehörigen aus dem Theater in Gießen zu einer Provokation der Republ ilaner! Es ist tief bedauerlich, daß das Reichswehrministerium der Deutschen Republik an dieser Seite der Angelegenheit vor­übergegangen ist. Wenn es glauben sollte, da­mit der Volksgemeinschaft gedient zu haben, dann dürfte es sich in einem Irrtum befinden, der um so schmerzlicher ist, als er Ne Besorgnisse der deutschen Republikaner um die republikanische . Staatsgesinnung gewisser Kreise der Reichswehr zu rechtfertigen geeignet sein möchte.

Anmerkung der Redaktion: Obwohl es sich hier uni eine Veröffentlichung handelt, die durch die vollkommen einwandfreie Entscheidung des Reichswehrnrinisteriums bereits überholt ist, möchten wir diese Einwendungen der hessischen Staatsregierung doch nicht ohne einige Bemer­kungen lassen. Es ist für uns in keiner Weise überraschend, daß die hessische Staatsregierung diesen Protest erlassen hat, und ebenso wenig ist verwunderlich, daß sie den Mißklang bei der Derfassungsfeier der Reichswehr in die Schuhe zu schieben versucht. Wer sich jedoch den klaren Sinn für Objektivität bewahrt hat, kann gar nicht im Zweifel darüber sein, daß die Schuld an der Trübung der Feier nicht auf feiten der Reichswehrangehörigen liegt, sondern einzig und allein in der Art der Rede des Oberstudienrats Prosessor Hüter zu suchen ist. Dieser Redner sollte nach dem Wortlaut der Einladung eine überparteiliche Festrede halten, er machte aber daraus, nicht nur nach unserer Meinung, sondern auch nach der Ansicht eines sehr großen Teils weiterer Zuhörer aus den verschiedensten Parteien, eine landläufige Versammlungsrede. nach sozialdemokratischem Agitationsmuster. Daß diese Rede zu der geplanten und not­wendigen überparteilichen Tendenz einer Derfassungsfeier paßte wie die Faust aufs Auge, wird jeder bestätigen, dessen Blick nicht getrübt ist durch die Parteibrille, An

dieser Rede haben nicht nurDernunft- republikaner" undMußrepublikaner" Anstoß ge­nommen. sondern auch aufrechte »Her^ensrepu- blikaner". darunter Demokraten mit sehr klang­vollen Ramen, gaben ihrer Mißbilligung über diese Rede Ausdruck. Bemerkenswert ist in die­sem Zusammenhang u. a. auch, daß sogar die «Frankfurter Zeitung" in ihrer Rümmer 597 vom 13. August ihren Gießener Bericht­erstatter über den Zwischenfall folgenden Satz schreiben läßt:Man mag darüber streiten, ob die Rede von Herrn Professor Hüter gerade ge­eignet für eine offizielle Derfassungsfeier war." DaS Unbehagen der demokratischen Zuhörer kommt in diesem Sah deutlich genug zum Aus­druck. Bei dieser Sachlage war es ganz selbst­verständlich. daß die Reichswehrangehörtgen, dem Befehl ihres Ministers gehorchend, als Mit­glieder eines .der Parteipolitik Gott sei Dank noch nicht unterworfenen Staatsinstruments, den Saal verließen: sie taten das nicht etwa nur wegen einiger Redewendungen des Vortragenden über das monarchische Regime, sondern nach un­serer Ansicht wegen der parteipolitischen Gesamt­tendenz der Ausführungen, an deren Beibehaltung bis zum Ende bei einem Manne von der politi­schen Art des Herrn Prof. Hüter gar fein Zweifel sein konnte. Herr Prof. Hüter hat es bei dieser Feier eben an dem erforderlichen politischen Takt und der gebotenen menschlichen Rücksichtnahme fehlen lassen. Die demokratische ,.V o s s i s ch e Z e itung" sagte in ihrer Rümmer vom 13. August in einem Artikel gegen Prof. Dr. Menzer - Halle, dessen Rede bei der Derfassungsfeier von Angehörigen der Links­parteien gestört wurde, so daß die Feier über­haupt aufflog, u. a. folgendes:Der politische Takt bei Festseiern erfordert zweierlei: Einmal die Zurückstellung des eigenen gereizten 3d). Dann aber: eine tolerante Aeberlegenheit, die zum mindesten zu vermeiden sucht, was den Anders­denkenden verletzten könnte... Würde ist über­

haupt die Grundbedingung aller echten Feiern, und die Selbstachtung sollte dem Redner bei einer Feier verbieten, sich selbst durch unfeier­liches Benehmen, sagen wir es offen, durch Mangel an politischem Takt herabzusehen." Und dünkt, daß diese Sätze des demokratischen Blattes auf die parteipolitische Rede des Herrn Prof. Hüter bei der Derfassungsseier in Gießen voll und ganz zutreffen. Menn die hessische Regierung dem Reichswehrminister nun die Kabinettssrage wegen der weiteren Zusammenarbeit mit demLandeskommandanten von Hessen" stellt, so möchten wir hierzu nur sagen, daß es gut wäre, wenn die Herren in Darmstadt sich die Sache noch

einmal in Ruhe überlegen wollten. Denn, wie gesagt, die Reichswehrangehörigen kamen nur den Weisungen des Ministers nach, und im übrigen ist daran festzuhalten, daß der Reichswehrkomman­deur, Oberstleutnant Fritz, nicht provoziert hat, son­dern, gezwungen durch die Rede des Herrn Pro­fessors Hüter, aus den angegebenen Gründen die Feier verlassen mußte. Der Vorgang ist tief be­dauerlich: die hessische Staatsregierung feilte dieses betrübliche Vorkommnis aber nicht noch mehr her­auskehren dadurch, daß sie diese Angelegenheit au die Spitze treibt, wobei sie und der Redner der Veranstaltung wirklich keine gute Figur machen würden.

Stopellauf eines neuen Kreuzers. Die dritteKarlsruhe".

Kiel, 20.Aug. (WTB.) Zum Stapel­lauf des KreuzersKarlsruhe", der das erste Schiff ist, das seit dem Kriege in Kiel vom Stapel läuft, hatten sich auf dem festlich ge- schmücklen Bauhof der Werft der Deutschen Werke A.-G. Kiel nicht nur die Einwohner von Kiel und Umgebung, sondern auch zahlreiche Gäste aus Baden und dem übrigen Reich ein» gefunden. 3m ganzen werden wohl 20 000 Per­sonen versammelt gewesen sein, als pünktlich um 11.45 Uhr die Ehrengäste, der badische Staatspräsident Dr. Trunk, der Reichswehr- minifter Dr. Geßler, der Chef der Marine­leitung. Admiral Zenker, her Oberbürger­meister der Patenstadt Karlsruhe, Dr. Sinter, und die Witwe des Kommandanten der am 14. Rovember 1914 ruhmreich untergegangenen erstenKarlsruhe". F.au Fregattenkapitän K ö h- l c r, die Vertreter der Reichs- und preußischen Staatsregierung, Mitglieder des Reichsrats und des Reichstags, die Spitzen der Be­hörden, die Vertreter der Körperschaften und Vereine, der Werften und der Schiffahrt auf dem Werfthof erschienen. Rach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie sowie der vor der Tauskanzel in Parade stehenden überlebenden Besatzung der erstenKarlsruhe", nahm Oberbürgermeister Dr. Sinter das Wort zur T a u f r e ö e. Er gedachte zunächst der beiden Kreuzer vor dem neuen Schiff, die die RamenKarlsruhe" trugen, des ersten KreuzersKarlsruhe", der am 11. Rovember 1912 getauft wurde und im Weltkrieg nicht weniger als 17 Schiffe aufbrachte, bis er infolge einer schweren Explosion im Torpedoraum zerbrach, und des zweiten KreuzersKarlsruhe", der an der Einnahme der baltischen Inseln teilnahm und später durch die eigene Mannschaft in der Bucht von Scapa Flow versenkt wurde. Der Oberbürgermeister sprach den Wunsch aus, daß dem neuen Schiff ein glückhafteres Schick- f a l befchieden sein möge als seinen Vorgängern und daß es Zeuge werde eines neuen Erblühens unseres geliebten Vaterlandes zu Macht und GrößeI Aachdem dann Srau Fregattenkapitän Köhler den Taufakt im Ramen des

Reichspräsidenten vollzogen hatte, er­folgte unter den Klängen des Deutschlandliedes der Stapellauf, der schnell und sicher von statten ging.

Nach dem Stapellauf machte Reichswehrminister Dr. G e ß l e r dem Reichspräsidenten v. Hinden­burg telegraphisch Mitteilung von dem glücklichen Verlauf, während der Oberbürgermeister von Karls­ruhe, Dr. yinter, dem Reichspräsidenten als Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe seine Glückwünsche aussprach. Bei einem Frühstück nahm zunächst Rsichswehrminister Dr. Gehler das Wort. Er be­grüßte die anwesenden Gäste, die überlebenden An­gehörigen der Besatzung des ersten KreuzersKarls­ruhe" und gedachte rühmend der kühnen Unterneh­mungen des ersten KreuzersKarlsruhe". Der Reichswehrminister dankte sodann allen, die dieses neue Schiß erbauten. Wenn der Herr Reichsprä­sident sich entschlossen hat, so sagte der Minister weiter, dem neuen Kreuzer den Namen der badischen Landeshaupt st adt zu geben, so geschah es vor allem, um die engen Beziehungen, die einst unsere große F I o 11 e mit den Ländern und Städten des schönen Südens unseres Vaterlandes durch die vielen Patenschifse verbanden, zu erneuern. Der badische Staatspräsident, Dr. Trunk, gab in sei­ner Erwiderung dem Dank an die Reichsregierung und Reichsmarine wie auch an den Reichswehr­minister für die herzlichen Worte, die er den guten Beziehungen zwischen der Marine, dem Badener Lande und der Stadt Karlsruhe gewidmet habe, Ausdruck. Dr. Trunk sprach den Wunsch aus, daß der Geist der altenKarlsruhe" auch auf das neue Schiff übergehen und damit eine neue Brücke vom Süden zum Norden schlagen werde im Interesse des gemeinsamen Deutschlands und der Erstarkung des Reichsgedankens. Der Vorsitzende des Vorstan- des der Deutschen Werke, Direktor Hansen, be­tonte, daß dieses Schiff gleichzeitig für den Kriegs­schiffneubau der Werft ein Jubiläum bedeute, da es nach seiner Fertigstellung das 25. Kriegsschiff sein werde, welches auf einer Helling der Werft Kiel erbaut sei.

Kleiner Belagerungszustand in Amerika.

Reuyork, 20. Aug. (£11.) Im Zusammen­hang mit der Berufung im Falle Saeco» Vanze11i ist über sämtliche ost amerika­nischen Städte und über Chicago der kleine Belagerungszustand verhängt worden. Urlaub an Polizeiangehörige wird nicht mehr bewilligt. Sämtliche öftentlichen Gebäude stehen unter verstärktem polizeilichen Schutz. In Chicago wurden bekannte Radikale unter beson­dere polizeiliche Aufsicht gestellt. Für Sonntag und Montag werden Demonstrationen zugunsten Saccos und Vanzettis erwartet. Die Polizei hat Anweisung erhalten, die Demonstranten sofort zu zerstreuen, wenn Au ''chreitungen zu befürch­ten sind.

Kein Strafaufschub für Saeco und Vanzetti.

Beverley (Massachusetts), 20. Aug. (WB.) Okcrbundesrichter Holmes lehnte den von der Verteidigung Saccos und Vanzettis be­antragten Strafaufschub ab.

Boston, 21. Aug. (WTB.) Der Richter am Obersten Bundesgerichtshof, Brandeis, hat es ab gelehnt, irgendwelche Schritte in der Angelegenheit Saeco und Vanzetti zu unternehmen. Er begründete seine Ablehnung einer Aufschiebung der Hinrichtung Saccos und Vanzettis mit persönlichen Beziehungen zu eini­gen Persönlichkeiten, die am Sacco-Vanzetti-Fall Interesse nähmen.

Der Verteidiger Saccos und Vanzettis, Arthur Hill, gab bekannt, daß der Richter Morton es abgelehnt habe, zugunsten der Angeklagten ein Habeas-corpus-Gbift zu erlassen oder die Genehmi- gung zur Berufung an das Bundesappelationsgericht zu erteilen.

Der Schwester Vanzettis, Luigia Van­zetti, wurde heute von der Gefängnisverwaltung ein ein stündiger Besuch bei ihrem Bruder ge­stattet. Entgegen dem Brauch erhielt Vanzetti die Er­laubnis, aus seiner Zelle herauszukommen, um mit seiner Schwester in einem Flur zusammenzutreffen. Bruder und Schwester umarmten einander und küß­ten sich. Sie unterhielten sich lebhaft. Luigia Vanzettt lehnte es nach ihrem Besuch ob, irgendwelche Kom­mentare abzugeben.

Die Verteidiger Saccos und Vanzettis konnten heute das Revisionsgesuch dem O b e r ft e n Bundesgericht nicht einreichen, da die Gerichts­beamten erklärten, das Gesuch habe wegen Fehlens der Prozeßakten nicht die vorgeschriebene Fassung.

Doch ein neuer Aufschub?

Boston, 20. Aug. (WTB.) Der erste An­walt Hill hat in einem Schreiben an Gouver­neur Fuller um wei teren A uf schub der Hinrichtung Saccos unb Vanzettis ersucht, um eine Verhandlung vor dem Obersten Dundes- gericht zu ermöglichen.

London, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Meldung desDaily Telegraph" aus Reuyork halt man es dort für wahrscheinlich, daß Gouverneur Fuller Saccv und Vanzetti eine neue Frist gewährt, sogar Präsident

Cvvlidge werde vielleicht die Forderung auf Gewährung einer neuen Frist stellen.

Das amerikanische Iustizamt erklärt.

Washinaton, 21. Aug. (Wolft.) Im Justiz- amt wurde heute inoffiziell erklärt, man o e - dauere, daß das Ausland in Unkenntnis der amerikanischen Verhältnisse zur Verallgemeinerung neige und die amerikanische Rechtsprechung sowie Amerika überhaupt wegen des Prozesses Sacco und Vanzetti in Bausch und Bogen verdamme. Bei der Gründung der amerikanischen Union hätten sich die einzelnen Staaten die Rechtspflege auf allen Gebieten, außer im Post- und Münzwesen und anderen, die gesamte Union betref­fenden Fragen, ausdrücklich vorbehalten. We- der die Bundesregierung noch das Justizamt, noch der Präsident der Vereinigten Staaten seien im­stande, wegen der Angelegenheit Sacco-Danzettt zu intervenieren. Auch die Hinrichtung könnten sie nicht verhindern. Falls die Verteidigung aber nach­weisen könne, daß im bisherigen Verfahren die verfassungsmäßigen Rechte der Ange­klagten verletzt worden seien, so bestehe Aussicht, daß das Oberbundesgericht die Frage prüfe. Im üb­rigen aber müßten die Gesetze und die Strafprozeß­ordnung des souveränen Staates Massachusetts von jedermann respektiert werden.

Neuyorker Gewerkschaften blasen ab.

Reuyork, 21. Aug. (WB.) Die Vertreter von drei Gewerkschaften, die rund 400 000 Arbeiter umfassen, stimmten gegen eine Teilnahme an einem für Montag angesetzten Protest streik. Eine Wiederholung der De- monstratton vom 9. August hielten die Gewerk­schaften nicht für ratsam. Eine Abordnung der Befreiungskomitees soll am Montag Gouver­neur Fuller um Begnadigung Saccos und Vanzettis ersuchen.

Der Papst und Mussolini sollen helfen.

Rom, 20. Aug. (WB.) Die Bostoner Korrespondentin desManchester Guardian" und eine andere Dame des Hilfskomitees für Sacco und Vanzetti sind nach kurzem Aufenthalt in Torre Maggiore, wo fie dem Vater Saccos einen 03rlef seines Sohnes überbrachten, nach Rom weitergereist, um den Papst und Mussolini zu einer Intervention in letzter Stunde zu bewegen. Man beurteilt die Aus­sichten dieses Schrittes sehr pessimisttsch.

Verstärkter Polizeischutz für die amerikanische Botschaft

in Berlin.

Berlin, 22. Aug. (W.T.B. Funkspruch.) Da für den heutigen Montag Kundgebun­gen gegen die Hinrichtung Saccos und Dan­ze 11 i s geplant sind, hat die Polizei um­fangreiche Sicherungsmaßnahmen für die amerikanische Botschaft und das ameri­kanische Generalkonsulat getroffen.

Die Vorbereitungen der OZeanflieger.

Ungünstige Wctterlage für Könuccke.

Köln, 21. Aug. (WB.) Flieger Könnecke ftu>i;rte heute abend mit Direktor Polte vom Aachener Observatorium die bis dahin eingegan­genen Wetterberichte. Darnach sind die Wit- terungsverhältnisse über Irland und dem Kontinent so schlecht, daß ein Start für morgen noch nicht z u erwarten ist.

Tas Wetter über dem Atlantik.

R e u h o r k, 20. Aug. (WTB.) Der Dundes- meteorologe Kirnball berichtet, daß sich ein Sturmfeld südlich von Reufundland und ein weiteres östlich von Irland zeige.-. Auch den Wetterberichten der Schiffe zufolge ist die Lage für Transozeanflüge zur Zeit ungünstig.

Der Flug AmerikaRom.

Reuyork, 20. Aug. (WTB.) Vorn Flug­platz Rooseveltfield wird mitgeteilt, daß der Flie­ger Bertaud seinen Flug nach Rom für morgen nachmittag 5 Ahr angefetzt habe, unter dem Vorbehalt, daß die Wetterlage günstig fei.

Rückgabe der Ozeanflugpost.

.. f \,n' 20. Qlug. Lange Zeit bevor di« betden IunkersslugzeugeBreme n" undC u - ropa" zu c hrem Ozeanflug starteten, waren bei den Iunkerswerken und bei dem Postamt in Dessau große Mengen von Luftpost nach Amerika für die beiden Flugzeuge eingegangen. Der miß­glückte Flug und die ungewisse Aussicht, wann- die beiden Flugzeuge aufs neue starten werden, hat, wie wir hören, jetzt die Dessauer Postverwal­tung veranlaßt, alle aufgegebenen Post­sachen an die Absender zurückzugeben. Das bedeutet natürlich auch, daß keine weiteren Sendungen für den Ozeanflug angenommen wer­den. Bei der Zurücksendung an die Absender werden die bereits entrichteten Gebühren gegen Rückgabe des Amschlags auf Wunsch von den Ausgangspostämtern zurückerstattel.

Aus aller Welt.

Einweihung des Flandern-Denkmals in Siel.

Unter mhlreicher Beteiligung von Angehörigen des ehemaligen Marinekorps Flandern aus dem gan­zen Reiche fand gestern in Kiel auf dem Flandern- Sportplatz die feierliche Einweihung des Flandern- Ehrenmals statt. Die Marineartillerie und die Schiffestammdioision stellten die Ehrenkompagnie^ deren Front vom Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, abgeschritten wurde. Nach einer Weihe­rede gab der Vorsitzende des Denkmalausschusses, Generalstabsarzt a. D. Uthemann, eine Schilde- rung der Denkmalgeschichte. Auf ein Zeichen des Admirals o. Schröder fiel die Hülle des Denkmals unter den KlängenIch halt' einen Kameraden".

Diebstahl unter den Augen einer Polizeiwache.

Vor einigen Tagen war im Vorort Reuen- borf bet Koblenz ein Missionsflugzeug gelandet, das zur Instandsetzung vorläufig im Hofe des katholischen Iugendheims untergestellt worden war. In der Rächt sind von imbefannten Sieben sämtliche Mefsingteile an dem Flugzeug abge­schraubt und gestohlen worden. "Ster Diebstahl ist um so dreister, als sich unmittelbar neben» dem Anterstellort eine Polizeiwache befindet, die von den stundenlangen Qlrbeiten der Diebe nichts gemerkt hat.

Kaubübcrfad am Leipziger hauplbcihnhos.

Als am Samstag abend ein Kontrolleur den am Hauptbahnhof Leipzig befindlichen Ge­schäftsraum derMitropa" verlassen wollte, wurde er von einem älteren Mann zurückgedrangt mit den Worten:Hund, gib den Geldschrank- schlüssel her!" Der Anbekannte schlug dann dem Kontrolleur mit der Faust ins Gesicht. Der Aeberfallene hatte die Geistesgegenwart, die Geldschrankschlüssel auf das Dach hinaufzuwerfen. Es gelang ihm dann, einen Stock zu ergreifen und dem Täter mehrere Schläge über den Kopf zu versetzen. Rach längerem Ringen ergriff der Täter über die Dächer des Hauptbahnhofes die Flucht und enttarn.

Tödlicher Fallschirmabsprung.

Bei dem gestrigen Flugsportfest auf dem Flug» sport^atz in Leipzig-Mockau verunglückte der Leip­ziger Fallschirmpilot Anton Merkelbach, der seinen 81. Absprung ausführte, tödlich. Merkelbach benutzte einen Fallschirm eigener Konstruktion, der sich auch ofort nach dem Absprung öffnete. Durch den Druck rissen jedoch die Haltegurte, so daß der Pilot aus etwa 300 Meter abstürzte. Er war sofort tot.

Schweres Unglück in einer Sandgrube.

Auß Meißen wird gemeldet: Am SamS- Hagtrormittag verunglückten in einer Sandgrube bei Rossen ein Ehepaar sowie ein ©djuu.tabe durch plötzliches Riedergehen gewaltiger Sand­massen tödlich. Das Ehepaar hinterläßt neun unversorgte Kinder.

Typhusepidemie.

Den »Breslauer Reuesten Rachrichten" zu- olge wird aus Münsterberg gemeldet, daß in Teplirnoda eine Thphusepedemie ausgebrochen ei. Fast jeder zweite Einwohner des Dorfes liegt franf darnieder.

Grohseuer in einem Sägewerk.

Am Samstagabend um i/310 Ahr entstand in Schwerin L M. auf dem am Bahnhof gelegenen Sägewerk des Maurer- und Zimmermeisters Otto Kleemann ein Großfeuer, das das gesamte Werk mit allen Maschinen einäscherte. Dlitverbranttt ist auch ein benachbartes Wohnhaus, das von einer Arbeiterfamilie bewohnt wurde. DieHolz- vorräte, die auf dem Holzplah lagerten, formten gerettet werden.

Tin russischer Desteuropa-Rundfiug.

Gestern früh startete in Moskau der Flieger W e i s ch i tz k i mit einem Flugzeug russischer Kon- truktion zu einem Rundflug Moskau Riga Kö­nigsberg Prag Wien Paris Kopen­hagen Stockholm Reval Leningrad Moskau.

Reue Naturkatastrophen in Frankreich.

In den Departements Gers, Ardeche und Drome, die bereits von Waldbränden schwer heimgesucht toorben sind, sind Samstag neuer* >ings heftige Anwetter niedergegangen. Fast ämtliche Flüsse der Gegend sind über die Ufer getreten und haben verheerende Schäden ange* richtet. Die Ortschaften mußten zum größten Teil geräumt werden. An verschiedenen Stellen V " die Eisenbahnsttecken überschwemmet. Auch der Kanalküste wütet seit einiger Tagen ein orkanartiger Sturm.