Unterstützung mttjttflrSetten, halten wir daher für Du zur Zeit dringlichste Aufgabe un» lerer ganzen soziattürsorgrrischen Arbeit.
ViepreffezumZenlrumsmanisest
Seine unüberwindlichen Hindernisse.
Berlin, 22. San. (Wolfs.) Das Zentrums- Programm wird von den deutschnationalen Zei- tungen als eine geeignete Grundlage für Verhandlungen mit der Deutschnationalen VolkSpartei angesehen. Seine politische Bedeutung, so schreibt die .K r e u z z e i t u n g". beruht darin, daß damit endlich die Stagnation dank der Initiative deS Herrn Reichspräsidenten überwunden ist. Bei gegenseitigem guten Willen sehen wir keine unüber st eiglichen Hindernisse. um eine Plattform zu finden, die eine dem Wunsche deS Reichspräsidenten entsprechende MehrheitSregierung zu tragen imstande ist. — Die ,De utsche Tageszeitung" schreibt: Wenn in der Erklärung des Zentrum- einleitend gesagt wird, daß sie den Zugang zu Verhandlungen für Dr. Marx eröffnen solle, so können grundlegende Bedenken, sie in diesem Sinne aufzufossen. kaum geltend gemacht werden. — Die .DAZ." hofft, daß die letzt beginnenden Verhandlungen allseits in einer Art geführt werden, daß sie das deutsche Volk die Vorgänge der letzten Knsenwochen vergessen machen. — Jn der„Tä g l. Rundschau" hecht es: Das gesamte sozialpolitische Programm dürfte zwischen dem Zentrum und den Deutschnationalen au großen Auseinandersetzungen kaum Anlaß gebot Auch die Kundgebung enchäll in ihrem politischen Teile keine Formulierung, die auf feiten der Deutschnationalen einem Rein begegnen wird. — Die „Germania" schreibt, sie habe mit ihrer freimütigen Kritik gewisser Vorkommnisse der letzten Tage nicht zurückgehalten und fährt fort: Hm so unbedenklicher werden wir es anerkennen, wenn die Entwicklung, die die Dinge im weiteren Verlauf nehmen werden, dennoch zu einem annehmbaren Auswege aus der Sackgasse führt, in der die deutsche Politik festsiyt. Die „Germania" dementiert eine Zeitungsmeldung, wonach ÄuntiuS P a c e l l l auf die Stellungnahme des Zentrums in den letzten Tagen Einfluß genommen haben soll. — Die .Voss. Z t g." bemerkt: Bei den Verhandlungen mit den Deutschnationalen wird es ganz darauf ankommen, von welchem politischen Willen sie geleitet werden. — Der „Vorwärts" führt aus: Von den Verhandlungen wird es abhängen, ob der lange Monolog deS Zentrums endet mit einer dramatischen Katastrophe, oder mit einem undramatischen Hinsinken des Zentrums von der Mitte nach der Rechten, wo es Seite an Seite mit den .bürgerlichen Parteien" den politischen und sozialen Kampf gegen die Arbeiterschaft, gegen seine eigenen Arbeiter führen müßte. — Der „Dörsenkurier" vertritt die Auffassung. daß die Verhandlungen noch schwierig sein würden. GS sei noch absolut nicht sicher, ob Dr. Marx, wenn er die Grundlage für das neue Kabinett deS DürgerblockS zustande bringen, sollte, dessen Kanzler fein werde. Seine bisherigen politischen Freunde könnten es nicht verstehen, wenn Dr. Marr all die früheren Bedenken gegen eine Zusammenarbeit mit den Deutschnationalen jetzt über Bord würfe und sich ein ersprießliches Zusammenarbeiten mit ihnen verspräche.
Tirpitz überdeutscheAußenpolltil
Die Möglichkeiten im Völkerbund.
Hamburg. 21. Ian. (WB.) Großadmiral v. Tirpitz gewährte einem Vertreter der Hearst- Presse eine Unterteilung, die auch den „Hamburger Rachrichten" zur Verfügung gestellt wurde, in der gewisse Richtlinien für Deutschlands Politik ausgestellt werden. Tirpitz betonte zunächst.
-das Experiment, unerträgliche Santtionen unter dem Schutz der Bajonette durch die Einführung 'regulärer Zahlungen auf Grund des Dawes- planes abzulöfen, müsse baldigst aufs neue beraten werden, denn sowohl Schuldner als auch Gläubiger hätten mehr Rachteil als Vorteil von dieser Methode. Hm aber ein zufriedenstellendes Abkommen zu erzielen, fei gegen- feitigeS Vertrauen unbedingt notwendig. Der Großadmiral ging ausführlich auf den Völkerbund ein und bemerkte, daß er und leine Anhänger sich einem wirklichen Völkerbund niemals weder grundsätzlich noch aus zeitlichen Rücksichten widersetzt hätten. In der gegenwärtigen Liga der Rationen sei über von einer Gleichberechtigung nichts z u m e r f e n.
Man braucht nur darauf hinzuweisen. daß trotz der Bemühungen der Vereinigten Staaten die Abrüstungsverhanblungen vollkommen zum Stillstand gekpmmen sind. Wir haben'allen Grund, unsere Aktionen im Völlerbund sorgfältig zu überlegen und bestimmte unveränderliche Grundlinien für unsere Haltung festzulegen. Einer dieser Grundsätze ist die wirlliche Hniversalität des Völkerbundes. Wir feilten ständig danach trachten, auf den Eintritt aller großen Rationen binzuarbeiten. besonders aber auf den Eintritt der Vereinigten Staaten und Rußlands. TIS dieses Ziel erreicht ist. sollten wir niemals den unvollständigen Charakter des Bundes und die notwendigen Folgerungen aus den Augen verlieren.
Da Deutschland entwaffnet Ist, sollten wir aus moralischen und politischen Gründen die Interessen anderer machtloser, unterdrückter Rationen unter stützen.
Abgesehen von den möglichen und zukünftigen Entwicklungen bietet die Genfer Institution eine gute Gelegenheit zur Anknüpfung persönlicher Beziehungen und zum Gedankenaustausch. Wir bedürfen einer nüchternen, geschäftsmäßigen Atmosphäre des Völkerbundes und wünschen nur, daß sie auch in Zukunft gewahrt wird, wenn wir den Kamps um unsere Freiyeit auknehmen werden, ein Ännipf^ den das unabhängige Amerika au» hislorischen Gründen am besten verstehen wird.
Tirpitz sprach die Ueberzeuguna aus. daß das Eraebnis von Locarno ungenügend sei. Die erste Bedinguny der Verständigungspolitik muh, so fuhr er fort, eine aufrichtige Richtigstellung der Bilanz sein. Solange aber fremde Truppen auf deutschem Boden stehen, kann man nicht von gleichen Rechten oder von gleicher Achtung reden. Das bezieht sich auch auf die Frage der Militär- k 0 n t r 0 l l e und A b r ü st u n g. Wir dewillkomm- nen jede Bemühung im Sinne einer Verständigung mit unseren Nachbarn, besonders mit Frankreich, vorausgesetzt, daß volle gegenseitige Sicherheit gegen einen Krieg und eine Handelserschwe- rung geboten wird.
In Beantwortung der Frage, wie er über Rußland denke, erflärte Tirpitz. der Berliner Vertrag lei ein Versuch, einen m od u s vivendi mit dem russischen Rachbar zu finden. Wir haben uns, sagte Tirpitz, stets dagegen gewehrt, unsere politische und wirtschaftliche Handlungsfreiheit im Osten durch irgendwelche Abmachungen oder Verträge mit unseren anderen Rachbarn aufzugeben, weil Deutschland wegen seiner Hebervölkerung unbedingt einen steigenden Güteraustausch mit Rußland braucht, mehr als alle anderen Länder.
Die polnische Gefahr.
Tic Bedrohung der deutschen Lftgreuze.
B e r I i n, 22. 3cm. (Wolfs.) Die „Tägliche Rundschau" schreibt: 3n diplomatischen Kreisen Vertins hat die Depesche des polnischen Botschafters in Paris während der Verhandlungen über die Rest- punfte lebhaftes Erstaunen hervoraerusen, um so mehr, als nun bekannt geworden ist, dah der polnische Botschafter nicht mehr und nicht weniger als die Schleifung der deutschen Oslbe- iesligungen gefordert Hal. Wan sieht in dieser Demarche nicht nur den Versuch, die Verhandlungen der deutschen Unterhändler mit der Bot- schaskerkon'erenz ;u flöten, sondern auch den Beweis dafür, daß Polen ein Interesse daran hat, deutsche Desensivmahnohmen an der deutschen Ostgrenze mit allen Mitteln 1 a verhindern. 3m Zusammenhang damit erinnert man sich, dah vor nicht allzu langer Zeit pil- sudskis Blatt „polska Zbrojna" die Forderung erhoben hatte, Stettin müsse zu Polen geschlagen werden. Man weist ferner auf die Ex- panfionsbeffrebunqcn des weftmarkenvcr- eins hin, zu dessen Ehrenmitgliedern die höchsten offiziellen Spitzen des polnischen Staates gehören, sowie die verschiedenllichen Aeuheruogen, die die polnischen Gelüste auf Ostpreußen ganz offen zum Ausdruck brachten. Wenn daher Polen in die nur Deutschland und die Alliierten betreffenden Verhandlungen über die der Defensive dienenden deutschen Befeffigungcn im Offen eingreift, bann läßt sich dieser Schritt nicht anders verstehen, als dah Polen nach wie vor die Rköglich- keilen einer Offensive gegen deutsches Gebiet im Auge hat.
Abschluß der Berliner Rüstungsverhandlungen. Regelung der Ausfuhr von Kriegsgerät.
Berlin, 22. Ian. (WTD.) Die in Berlin geführten Verhandlungen zur Regelung der Frage der Ausfuhr von Grzeugnisfen der Rüstungsindustrie, die bekanntlich bei den Genfer Verhandlungen im vergangenem Dezember neben der Frage der Ostsestungeii noch offen geblieben war, sind, wie die .Voss. Zig? zu berichten weiß, heute zum Abschluß gelangt. Die getroffenen Vereinbarungen über den Export von Rüstungsmaterial soll morgen in Berlin unterzeichnet werden. Die Grundlage für die Verhängungen bietet ein Gesetzentwurf. 6er genaue Bestimmungen darüber enthält, was in Zukunft ausgesüchrt werden darf und waS auszuführen verboten fein soll. Diefer Gesetzentwurf, der alsbald dem Reichstag zur Verabschiedung vorgelegt werden dürste, ist so gestaltet, daß sich sowohl die deut- Ichen Hnterhändler wie die Militärkontroll- kommission damit einverstanden erklärt haben. Das Blatt gibt in diesem Zusammenhang der Hoffnung Ausdruck, daß die positive Regelung der einen der beiden Restfragen auf die Pariser Verhandlungen über die Ostfestun- g en nicht ohne Einfluß bleiben wird.
Bedrohliche Zuspitzung in China.
Die Kantonbehörden verlieren die Führung.
London, 22. Jan. (WTD. Funkspruch.) „Daily Rews" meldet aus Peking, alle Berichte aus allen Mittepunkten zeigen, dah die gemäßigten Kanton-Behörden die Kontrolle über die Lage zunehmends verlieren und daß Minister Tfchen angesichts dessen eine abwartende Haltung einnimmt. Es ist zu befürchten, daß jetzt von ihm getroffene Regelungen wahrscheinlich später nicht anerkannt werden.
Rach den letzten Rachrichten ist eS nunmehr auch in dem unter Verwaltung Kantons stehendem Vertragshafen A m 0 y zu Hnruhen gekommen. Die Chinesen beanspruchen das Recht der Kontrolle im Europäervicrtel. Das Konsular- korpS hat Kanonenboote zum Schutz der Europäer angefordert. Ein japanischer Kreuzer ist bereits nach Amoy ausgelaufen. Rach Meldungen aus H a n t a u wird von jedem Arbeiter in 6er Provinz Huper eine Kopfsteuer erhoben. Die Regierung hofft, auf 6iefe Weife 36 Millionen Dollar einzunehmen. Diejenigen Arbeiter, die die Steuer nicht bezahlen, find zum Eintritt in die Armee verpflichtet. Ein Privattelegramm aus Hankau besagt, daß die Lag: eine gefährliche Verschärfung erfuhr. Tausend Engländer und Amerikaner sind bisher abgefchoben worden. In Hongkong sind 10 Missionare und 18 katholische Schwestern, darunter sechs Französinnen, aus Fu tschau eingetroffen. Das Waisenhaus und die Mis- sionsstation von Futfchau sei vollkommen vernichtet. 300 Waisen seien fortgeführt unZ) auf öer Straße teils für drei Dollar verkauft oder an Bordelle abgegeben worden.
Ein Appell Tschang-Tso-Lins an die Mächte.
London, 22. Jan. (WTB. Funkspruch.) Mar- und bei den Mächten zu erregen. Wenn diese Lage ^.elegramm aus Peking gerichtet, worin es heißt: In der letzten Zeit haben gewisse bolschewtstl- sche Elemente, die Marionetten in den Händen einer gewissen Macht sind, unter dem Mantel I des Patriotismus versucht, die Ordnung in der chine- l'schen Nation zu stören und Mißstimmung in China und bei den Machten zuerregen. Wenn diese Lage der Dinge iortbauert, so wird sie ein e r n ft e s internationales Problem werden. Ich habe daher beschlossen, diese störenden Elemente zu v e r 1 l l g e n. Ich bin zuversichtlich, daß unsere militärische Stärke vollkommen ausreicht, ich hoffe mir, daß die Mächte uns in jeder möglichen Weise u n t e r st ü tz e n werden. Die gesamte Nation wünscht, unsere alten Vertrage ab- geändert zu erholten. Auch ich hoffe, daß dieses Ziel erreicht wird. Aber wir müflen In der ange
messenen Weise vorgehen und das friedliche internationale Verfahren befolgen.
Kabinellsfitzung in London.
London. 21. Jan. (WTB.) Das Kabinett hielt heute nachmittag eine Sondersitzung ab. in der die Minister über die letzten Entwicklungen in Ehina unterrichtet wurden.Das Fore.gn Office hat eine Erklärung über die Haltung der Regierung gegenüber der Lage in China veröffentlicht. in der eS heißt:
..Die Flotten- und mUitärischen Vorkehrungen sind Vorsichtsmaßnahmen. Es ist nicht die geringste Aenderung in der versöhnlichen. so llar in dem zu Weihnachten veröffentlichten Memorandum über die chinesische Politik niedergelegten Haltung gegenüber den rechtmäßigen Bestrebungen des chinesischen Rationalismus eingetreten. Es ist die Hoffnung der englischen Regierung, daß die Besprechungen in Hankau und Peking zu einer freundschaftlichen Regelung aller strittigen Fragen führen werden.'^
Rußland gegen den franko-rumänischen Vertrag.
Moskau, 22. Ian. (WTD. Funkspruch.) Dir Sow'etregierung h7t der französischen Regirrung u.'ch dem Abschluß des französisch- rumärüschen Vertrages eine Roie über.eicht, in der darauf Hingewi«sen wird, d<lß die französische Regi'.rung durch den Abschluß des Ertrages die aggressiven gewalttät gen Kreise Rumäniens unterstützt und damit die Aussichten auf eine friedliche Lösung der bessarabi- schon Frage auf der Grundlage ter Selbstbestimmung der Völler v e rr t n g e 11 und di« gegen Osteuropa gerichleien Drohungen ter» stärkt. Die Regierung der Sowjetunion erachtet daher den Abschluß deS Paktes -wi chen Frank- reich und Rumänien als einen unfreundlichen A k t gegen die Interessen dec Sowjetunion als auch gegen die beffa abische Bevölkerung.
Der Prozeß gegen die katatonischen Verschwörer.
Paris, 21. Jan. (WTB.) In der Verhandlung legen den Obersten Maria, den katatonischen Ver- chwörer, und Riciotti Garibaldi war die Aus- age des französischen Polizcikommissars Lelux von besonderem Interesse, der Riciotti Garibaldi in Nizza verhört und das Protokoll aufgezeichnet hat, von dem Garibaldi gestern behauptete, daß er es gezwungen unterschrieben habe. Demgegenüber erklärte der Polizeikommissar, über die Aussagen Garibaldis habe er sich angesichts der WichtigkeU über jedes Wort mit Garibaldi 0 erst ä n d i gt. Garibaldi habe ihm selbst feinen Dank für sein Mitleid und für die Sympathie ausgespro- chen, die er bei Der Vernehmung gezeigt habe. Bei dieser Vernehmung habe Garibaldi dem Polizeikommissar nach besten eidlicher Aussage erklärt, von Salla 100 000 Lire erhalten zu haben. Später habe er eingestanden. 300 000, dann 400 000 und zuletzt 650 000 Lire erhalten zu haben. S c l 0 0 l i, der ehemalige Angestellte Garibaldis, besten Reise nach Italien Garibalbi angeregt und vorbereitet hatte und der bann von der französischen Polizei an der Grenze verhaftet worden war, erklärte, er habe erst durch die französische Polizei erfahren, daß man ihn denunziert habe, weil er ein Attentat auf Mussolini vorhabe. Die Denunziation könne nur durch Garibaldi seldst gefchehen sein.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag trat am Freitag in öle Beratung des Gesetzentwurfes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ein. Es hat sich in der Rachkriegszeit wiederholt mit diesem Thema beschäftigt, es stellte sfch jedoch immer wieder heraus, daß die Parteien so verschiedenen Ansichten über die Ausmerzung dieser Seuche huldigten, dah die Vorlagen jedesmal einer neuen Heberarbeitung unterzogen werden mußten. Jetzt endlich ist ein Entwurf fertiggestellt, der sich auf mittlerer Basis bewegt und fo ziemlich allen Anschauungen gerecht zu werden versucht. Er Witt jeden Kranken verpflichten, nicht eher die ärztliche Behandlung aufzugcben. bis die Ansteckugnsgefahr beseitigt ist. Bei Minderbemittelten sollen die Länder einspringen und ein kostenloses Heilverfahren garantieren.
3n der Debatte stellte sich eine völlige Einmütigkeit heraus. Für die Sozialdemokraten erklärte der Abgeordnete Moses, daß seine Fraktion mit dem Entwurf einverstanden sei. hinsichtlich des Kurpfuschereiparagraphen allerdings keine einheittiche Stellungnahme vertrete. Es müsse besonders die Wohnungsnot beseitigt werden. die die Verbreitung der Krankheiten begünstige. Einige Bedenken gegen den Entwurf brachte auch der Deutschnationale Dr. Spuler vor. er bezeichnete vor afiem die Aufhebung der Kasernierung der Prostitution als einen Schritt ins Dunkle. Warme Worte des Dankes für die treue Pflichtersüttung der deutschen Aerzte- schaft im Dienst am Volle fand der Deutschvolls- parteiler B i ck e S. Begrüßt wurde der Gesetzentwurf weiter von 6cm Abgeordneten Petz 0 ld (Wirtsch. Vgg), Beiersdörffer (Datzr. Dp.) und Ramin (Völk.), die alle den in der Vorlage vertretenen Gedankengängen zustimmten.
Landwirtschaftsfragen im Haushaltsausschutz.
Berlin, 21, Ian. (DDZ.) Der chaushaltsaus- schuß bcs Reichstages fetzte bie Beratung bes Etats für 1927 fort bei ber Besprechung bes Haushalts des Reichsminifteriums für Ernährung unb ßanb» wirtschaft.
Abg. Thomsen (Dn.) setzte auseinander, daß bie Landwirtschaft nach wie vor sich in einer schweren Krisis befinde. Er rechne mit einer Verschuldung von Sbis lO Milliarben. Die Golbbbiskontbank muffe ihre Bedingungen oer- bessern. Die Reichsbank müsse den Zinsfuß b e r a b s e tz e n. Redner macht eine Reihe von Dor- schlagen zur Erreichung billiger Düngemittel, u. a. die Wiedereinführung der Reichsrückbürgschast für die Besorgung von Düngemitteln für Genossenschaften. (Er vermißt endlich eine gesetzliche Regelung des Dodenrechts.
Dbg. S) ö r n l e (K.) fordert ein Pachtfchuggesetz für die kleinen ländlichen Pächter.
Abg. S ch m l d t - Köpenick (6.) fordert Auskunft über die Verteilung der Sonderbeihilfe für die Landwirtschaft. Im Intereste der ländlichen Arbet-
terschaft müffle mehr getan, nicht bloß versprochen werden.
Abg. Hepp (D.V.) berechnet die Schulden der Landwirtschaft gleichfalls auf neun bis zehn Milliarden. Gegenüber den 750 Millionen für Kanalzwecke feien die Mittel für die Landwirtschaft verschwindend gering. Gin Trll seiner Freunde habe auch gegen die Kanalpläne erheblich« Bebens en.
Abg. Lang (Bay. Vpt.) setzte auseinander, daß die steuerl-che Bewertung der landwirtschaftlichen Grundstücke die Bauern ungleich höher belaste als früher. Sie richte sie vollständig zugrunde.
Abg. Q u a a tj (Dn.) beantragte, in den Etat einen Fonds von 2 M llionen Black einzufetzen zur Gewinnung geeigneter Musterthpen für landwirtschaftliche Kraftgeräte.
Reichsernährungsminister Dr. Has - linde erklärt, die Tätigkeit der Rentenbankkreditanstalt mit Hnterstützung der Golddiskontbank den Zinsfuß zu senken, habe auch Erfolge gehabt. Ebenso sei die Dentenbank der Zins- Herabsetzung der Dcichsbank überall teils gefolgt, teils vorangegangen und habe gleichzeitig auf eine Verringerung der Zinsspann« der weiterleitenden Institute hingewirkt. Zugezeien fei, daß in letzter Hinsicht noch kein befriedigender Erfolg erreicht fei und daß es eine ernste Aufgabe fein werde, auf eine weitere Ermäßigung des dem landwirtschasl.rch«^ Schuldner zu berechnenden Zinssatzes hinzuwirken.
Angenommen wurde eine Entschließung Thomsen (Dn.): dem landwirtschaftlichen HnterauSschutz des Engutteausschusses den Auftrag zu erteilen, Dorfchläge auszuarbeiten, di« die f ch l e u n i g e Heberführung aller noch schwebenden kurzfristigen Schuldverbind- lichkeiten in langsristigere Real- schulden, die Herabsetzung d«s ZinSfuß«S für Hypotheken auf ländlichem Grundbesitz auf «Inen erträglichen Satz bewirken sollen, und eine allmählich« Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes herbcizuführen geeignet sind.
Abg. Hemeter (Dn.) erklärt: Bei der von uns beantragten Erhöhung deS allgemeinen Förderungsfonds von 1.6 Millionen um 2 Millionen soll in stärkerem Maße als bisher der flat» tofs elbau berücksichtigt werden. Redner sor- Dert für diese Zwecke 550 000 Mk
Abg. Häns 0 - Thüringen (Dn.) verlangt, daß mindestens 120 000 RM. für Bienenzucht zu verwenden seien.
Abg. P e r l i 11 u s (Ztr.) befürwortet eine Erhöhung der Etatsposition zur Hnterstützung wissenschaftlicher und ähnlicher Bestrebungen um 300000 an.
Angenommen wurde «ine Entschließung Hepp (D. Vpt.) die deutsche Bienenzucht zu fördern. Eine kommunistische Entschließung, landwirtschaftliche Technik und Berufsbildung besonders zu fördern, ein« Entschließung deS Zentrum-, die deutsche Pflanzenzucht zu vereinheitlichen, eine kommunistische Entschließung, die eine Denkschrift über beit Stand der bäuerlichen Wirtschaftsberatung fordert, eine deutschnationale Entschließung. wonach die im vorliegenden Haushaltsentwurf begonnene Verbesserung der Personalverhältnisse im nächsten Jahre fortgesetzt werden soll, eine Entschließung ber Deutschen DolkSpartei. ben Pächtern zu helfen und eine kommunistische Entschließung, die RotstandSkrebite an bäuerliche Klein- unb Mittelbetriebe bis auf weiteres nicht zurückzufordern, wenn si« bte orb- nungsmäßige Wetterführung der Betriebe gefährden würde. Der Ausschuß vertagte sich auf SamStag.
Aus aller Welt.
Der Vakennord In Waldeck.
Der von seinen eigenen Kindern ermordete Maurer Johann Schmalz ist heut« unter großer Anteilnahme der Dcvöllerung in seinem Heimatort Böhne beerdigt worden. Im Jahre 1924 trat er mit einem Gnadengesuch an die Justizbehörden heran und erreichte damit die vorzeitige Entlassung seines SohneS Thcodor aus dem Zuchthause, der wegen eine# im Jahre 1919 an einem Geistlichen verübten Raubmordes zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. von denen er fünf verbüßt hatte. Zum Dank für diesen Liebesdienst wurde nun der Vater von feinem Sohn in scheußlicher Weise umgebracht.
Sturmschaden in Südilallen.
Die Schäden durch den Sturm vom 19. d. M in Süditalien sind beträchtlich. Durch daS Hochwasser wurde die neue, noch nicht in Detri^ö genommene direkte Linie Rom—Reapcl auf fünf Kilometer überschwemmt. In Ealabrien sind zwei Bahnstrecken überschwemmt worden. Auf der einen Strecke ist ein Güterzug. der auflief, entgleist. wobei drei Personen verletzt wurden. IN einem Dorfe bei Rimini wurden zwei Häus« durch einen Erdrutsch zerstört, wobei drei Personen g«tätet und drei verletzt wurden.
Schnecslürme über England.
Heber alle Teile Englands sind heute heftige Schneestürme niedergegangen, bie große Verkehrsstörungen verursachten. Im Kanal sind mehrere Schiffe in Seenot geraten.
Der Meber'all durch ben Weihnachtsmann.
Am Weihnachtsabend drang ein Arbeiter Kowalczik, als Weihnachtsmann vcrlleidet und mit vorgehaltenem R:vover. in Bie Räume bes Konsumvereins Laatzen bei Hannover ein, ergriff die Tageskasse mit 750 Mk. Inhalt und versuchte zu entfliehen. ES kam jedoch zu einem Handgemenge zwischen ihm unb ben Angestellten, bei bem ber Räuber b r e f4 Schüsse abgab, ohne jedoch jemand zu treffen. Heute hatte sich der Weihnachtsmann vor dem Schöffengericht Hannover zu verantworten. DaS Gericht verurteilte ihn zu 5 Jahren unb 3 Monaten Zuchthaus unb 6 Jahren Ehrverlust.
Der wahnsinnige Figaro.
Beim Rasieren eines Kunden erlitt ein Friseur in Sternen plötzlich einen Anfall geistig« Hmnachtung, griff ben Kunden mit dem Rasiermesser an und drückte ihm gleichzeitig bie Kehle xu. Es gelang jeboch dem Heber- fallenen, den Angreifer unschädlich zu machen und ihn festnehmen zu lassen.
Wettervoraussage.
Wollig biS bedeckt, in den Temperaturen tagsüber kein« wesentliche Aenkerung, nacht- leichter Frost, mit stellenweifea Schneebällen tst zu rechnen.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 1L Grad Geliiud, Minimum: minuS 0.5 Grab Gel* IIjS. Heutige Morge^Uem^ecatur: minuS 12 ®tab Celsius.
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