Nr. 298 Drittes Blatt
fiiefiener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberhefsen)
Mittwoch, 21 Dezember (927
Bücher unter dem Weihnachisbanm.
Neue 2Romone und?7ovetten.
— Drei Bücherber Liebe. Die schön- »m Siebe* edbu- en der Lebenden. Denk) Ib * III <151. 15® 157 Geilen »). 2m Ber'.ag Mistet». Vertin. — a.iUüdcnti — fla:» eni*üaenD! We.ch etn feiner, welch ein Versucher Oebank em- mal <uf«fnmenge4a&t. in edler Auswahl zu ze gen. dah es so crtDoi — loUte man * sür möglich bfl.lenf beute noch gibt: Stcoetg.lMten der Set*n2en. Der Lebenden, die so selten und so äußerlich nebenhin oder gar verächtlich vom Leezen treten, von den Krästcn des Blutes, vom uralte', und immergrü en Thema der Lite- eatur aller Völker aus (Irtien; der Lebende, denen da- Radio und der Sport und die Politik und die Maschine und baS Geschäft über alles geh' , der Leb ndn. deron flberjrofter Mehrzchl ein Sp'tzkühler viel wichtiger dünkt als ein ly- rtf j.e» Gedicht, die etn Bvrkamps weit heftiger anlodt als eine Novelle, und denen alles, was nur p-'n weitem nach Gefühl riecht, verdächtig, unnütz und unmodern erlche nl. Das ist das Schöne an diesen drei silbernen Bänden mit Blauschnttt. Die. in zierlich bepinselter Kassette, ein sicherlich ganz aparles 2ngcb'.ntie unterm Weihnach sbaum d. r-ellen. Ge ch n! für Lto- den de. Brau leute. Ehepaare und alle, die es werden wollen. Gesche-ck für jeden. D r neben dem Verstände auch seinem H^rz n noch ein Daseinsrecht zu -e'tehen maa in der rasenden, kühlen, mr-torei betreten Du. in der wir leben. Ss IH dem Rezensenten leider nicht vergönnt, etn Dante.'irotl an ken Sammler und Heraus- gebet ter drei Bändchen zu sagen er hat sich, übertrieben des' e den. nicht genannt. D-e teilen Hamen sind auf die'en rund 500 Veiten miteinander vereinigt, verbunden durch den in zeitlos magischem Lichte ai-f enchtenken Bing bes Grund- akkordes der alle Nov llrn Intoniert; bi? stärk- ft en R:ä tc der z itg nöss schn ^r ähl r.eneration geben sich b er ein Stelldichein. Die ge- bänf’lgte Glut Bruno Franks neben der nachdenllich-'a s en Verträumtheit Z anz Hessels; die naturnahe. erdverbundene tfraf: des jungen 'udniaoer neb-i der in g''chltftenen Stil aui flrbmenDcn Leiden'chastlichleit Stefan Zweigs, das ekstatische C sä' er.'um Schicke es neben ke ir < er sch-'.äs l„cn Anmut Schnitzler», fer ®;a . er ll:iamuno neben dem grv 'cn Slan- dinav er Ham un. Unb ÖJenbera und P nten und 2Dal|crmann und CrnU Ttieift und 2alob Schaf ner. Mnti mancher a.itere noch ®* ift eine Freuk e in Den Drei fch anlen, alatten Bänden zu blättern und fich alsbald, klopfenden Herzens. ie:z e en. Und während man blättert und lieft, denkt man Daran, wie nah? nun D?ih- nadbtrn vor der Tur steht, und wie hübsch sich diese bunte Kassette unterm Deihnachts- baum ausnehmen muh. Dem er fte schenken soll, mufi jeder leibst am besten wissen, wem er sie schenken kann, versuchten wir eingangs anzudeuten. — b04
- Jakob Schassner: Berhängnisle. Novellen, (t'elnenbanb 6 Nlk. Union Deutsche Berlagsgefellschaft in Stuttgart.) — .Verhäng- nis'e" ftclstt der neue Band denn die Vlen'chen und Geschehnis e stehen in ihm alle, wie der Dichter 1o.it. unter Dem ewigen Gesetz jener ungeheuren Abwicklung von Ursache und 'IDirfunjj. die daS Weltall baut und erhält". Weit entfernt von dem Begriff eines äuster.ich zufälligen Fatums, blidt Schaf'ner in die fchidsaihaste Gewalt der kern Linze.meris-en unentrinnbar gegebenen Bindungen und Gesetze, die ihm durch mannigfache Vererbung und Berlnüpfung überkommen sind, in den f.ebeime t Sinn he» oft sinnlos Scheinenden mit dem beUlübii.ttn Auge eme* Dichters, dessen Durchdringungs» und Gcftaltungskrast aus dem eigenen grobe?. Welt- und Lcoensgesühl quillt und tieften überlegene SprachgewaU überall das rechte Dort zu finden weift. Kunstwerke, wie die erfchütie.nde Novelle .D e Tlutter" ober die feine Huikigung an den Hvchme.ster der deutsch- schweizerischen Dichtung in der wundervoll zart- sinnigen Erzählung ..Die Gottfried geboren wurde", sind ivahrhafiige Kabinettstüde, köstliche Perlen deutscher Prosa. 766
— Die dunklen Sllernbrok» Gin Zeitroman von Sfara Ratzkar 436 Seiten 8'. 3n Ganzleinen gebunden 6.83 Ml. Hanseatische Verlags, nftalt in Hamburg 36 und Berlin - Leipzig. — Die'er Roman von Lfara Natzfa ift wie ein Her'u-m am Olkge. Das waren wir. bevor der grobe Krieg Über uns kam, so brach er in Die deutsche Familie ein. das machte er aus un* und unteren Kindern. So. ganz so erlebten wir die 3nlla'ion, Die Lmpvrtömml nge. das langsame Absondern von Spreu und Weizen, Die Beruhigung und Den 3 Jft e] Dieses grobe Geschehen, klar und sicher hing-zeichnet, wölbt sich über dem eigentlichen, dem warmen, zarten unb starken Roman Der GNernbroks unb ihrer Freunde. Unter ihnen aber sind die Dunfiro Gllernbroks. Die Begabten Glänzenden, vom Schicksal gezeichnet Meisterhaft das Ginw.-ben einer alten ja- millensage und des .zweiten Gesichts' m Der Liebesgeschichte der beiden Menschen, die an Mittelpunkte des Romans stchen. Der jungen Marlene unb ihres Onkels 3an Lwert. beides .dunlle" GNernbroks. in denen Die magische An- Aicbung des Blutes wicderkehrt. «ne ausgezeichnete. fein durchgearbe^tete jigut ist Martenens Mann, der kränkliche, unschöne Gei ehrte, der sie verwöhnt, der ihr Erwachen und ihre Lebens- sehntucht in das Stilisierte. Aesthetilche umb.cgen möchte, und den sie nicht veriäftt. weil feine seelische Vornehmheit sie bindet. B-s dieser Mann sich enDTid) selbst und damit auch Die junge Marlene befreit, in der Grkenntnis, hast niemals fern ist. was ihm nicht zutiefst angeb ort. Aeben diesen Dreien eine Fülle anderer Gestalten, wie wir das bei den Nomanen Der Ratzka gewohnt sind, gröste Farbigkeit und köstlicher Humor. Und in allen. Die Da vorüberziehen, spiegelt sich unsere Zeit, mit ihren Problemen und Verirrungen, ihrem ernsten Dollen und Hollnung-Svellem Keimen. — Dieser starke, aus tiefem Erlebnis und Harem unbestochen,rn Blick ins Menschliche geschaffene Noman reiht sich Den früheren Gr- Zahlungen der Nayka — .Frau Doldersum und ihre Töchter". .Das Bekenntnis". _3m Zeichen der Jungfrauen" — innerlich ebenbürtig an und sollte berufen fern. Die treue Gemeinde der un- gemein begabten und feinftnrngen Dichterin um
Aus der Geschichte.
— Ggon Cäsar Sonte Gorti Der Ausstieg bes Houses Nothschilb. 1 770 — 1 830. «Mit 24 Bildta'eln unb e.ncm Faksimile. Insel-Verlag Leipzig.) — C» g-bt wohl kaum einen Namen um den seit gut hundert Gabren etwas Geheimnisvolleres webt, als um den Namen Roth'chkld. Karl Röf'lers berühmtes Lustspiel ..D.e fünf Frankfurter" hat versucht, biefe merkwürdige Familie. Deren Lin- Hub auf Die Geschicke Europa» man teils erheblich überschätzt hat. von Deren sehr realem Dirken in mehr als hundert Jahren europäischer Geschichte man jedoch im allgemeinen nur sehr raae Dorstellungen hatte, breitesten Schichten näherzuär.ngen. Sn ihrem menschlichen Allzu- menschlichen, aber auch in ihrem ausgepräaten Famtlienstolz. Der sich gründete auf eine über- löschend schnelle QnfT.alung auS kleinsten Anfängen zu ein'ubreichster Stellung in der Po- •brer Zeit. Lome Cotti. Dem w r schon eine Reihe wichttger historischer Arbeiten verdanken. unternimmt es nun — man kann wohl
sagen zum erstenmal — auf Grund eingehender historischer unb archivalischer Studien eine Geschichte dieses berühmtesten Ban.hauses der Dell au gestalten. Dir alle kennen das Stammhaus Der Nothschilds in der Sud en gatte Der alten keicn Reichsstadt Franl urt a. M.. in dem der Gründer des Noth'ch'.ld'chcn Vermögens. Mcver Amlchel. um die Mitte des 18. Jahrhunderts einen Handel mit alten Münzen unterhielt. DaS brachte ihn in Beziehungen au dem späteren Kur ürsten Dilhelm von Mlcn. dellen 'Ratgeber in Finanz!ragen er sehr bald wurde. Als Hobankier dieses Fürsten, eines der reichsten seiner Zeit, legte auch Meyer Amschel die Grundlage zu Dem großen Vermögen seines Hautes. Mit der wachsenden Ausdehnung seiner Geschälte traten nacheinander die zahlreichen Mitglieder Der Familie in die Firma ein. Um die Jahrhundertwende kam das Haus Rothschild durch l en Generalpoftmeister Fürsten Thurn und Tar's in Deziehungen zum deutschen Kaiser. Dechselvolle Schicksale waren ihm während der nepoleonüchen Kriege beschi'chen Die Söhne des alten Mever Amlchel machten sich in London und Paris sekhasi. Ausserordentlich geschickt weih die Firma die politischen Verwicklungen Meter Sabre zu nutzen. Die Verleihuna des Adelsprädikats ist am Sntie dieser Epoche da- äufierc Zeichen für das auftervrdentliche Lmporkvmmen des Hau'es Rothschild Die Zeit der Neaktion bringt zwei andere Brüder nach Dien und Neapel. Der allmächtige Metternich steht in engster Verbindung mit den Nothschilds. Der preustillhe Hol läßt durch sie seine Anleihen arrangieren. Die zwanziger Jahre sehen das Haus Rothschild auf der Höhe seiner Macht. Aber die SulireDofution von 1830 dringt die große Keile. Bis hierhin führt Der Verfasser Die Geschichte des Haufe» Rothschild. Lin zweiter Band wird die Lntw:cklung der Rothschilds bis auf unsere Lage bringen. Das Buch, das einen lehr lorq’älriqen. quell en kritischen Apparat enthält, ist auherordentlich spannend. Dabei aber sachlich und frei von feder Tendenz geschrieben. Ls ist zweilellos ein interessanter unv w chnger Beitrag zur polittschen und ökonomischen Geschichte der napoleonischen Hera. 575
— David Ferdinand Koreff: Scra- pionsbruder, Magnetkseur. Geheimrat und Dichter. Der Lebmsroman eines
Derge <nen. Aus ilrlunb n zufammmg stellt und etngeleitet von Fri-drich von Appeln-Brvn • kowlki Mit 16 DtlDiakln. Gebrüder Partei Beel.n-Leipzig. Ganzie'.nen 15 M' Koreff ist der britte Verg.ss n--— rach d: Coster und Berle- Stendhal —. den Friedrich v.-»n t?pp ln-Br.'N.- kvwlki wieder lebendrg gemach: bat Bor ungefähr 20 Jahren trat brr 3t}allrr zum erstenmal in einer Ar ckelferie mit feinen Koreffstrd en an die Oettentlichkiit. Sept hat in dem pxIim nbai umfangreichen Derk Opp In, d r erst kürzlich in feinem Buche .Abenteur r am pr ustifchen Hofe 1700 bis 1800' die Kunst. Vergangenes xu beleben, glänzend b.oi fen Hai. den zu Unr ch;
Vergehn n Wied r auferweck . die UrlunDen leine* Leb nS in Pr^sa unb Vers gesammelt und sie rni" einer aussübr'ichen L b nSbefchre bu> g eingeleitet, d.e grä.i2 ich s D len m t packmder
Unrecht vergess n Dieser jüd.fch- Aristokrat d.-r Biedermeierz it hatte das h ifje S-reden, an der deutschen Kultur initz'schaffen, fr üb r d.e Lindes grenzen hinaus zu v rbr i'cn. Di V.roi.t«lung zwischen deutschem u it> franzö 1 chm Geiste. I den war ihm — wie Heine — Die grofte Ausgabe seines Lebens Den Preuh n gaU er all .jüdischer Parvenü, jüdischer Glü^.'ri'ter" — den Zranzven als .Preuste bis ins Mark" —. Zu einflußreichsten S a'tzst llung < q langt, spr ch Die ganze Delt von seiner Al.macht Iw: Schl i t- macher grollend dem rfte). £n>3 seiner Driivtra- tischen Uncntipcgtb it verk hrt e er in den vornehmste!'. Kreisen und mt: allen z'itgenötttschen Berühmtheiten Kor ff war Dux r und L DH. 2L Hott nan.aS. Mitdegrü'.der der Der.iner Romanick und der Uni Pera ä! Bonn. Medearzt und 9e.b- arjt des St ak^k tnzlerz Hardenberg UcberaC zu Hau'e. in Berlin und Dien wie m Par 5. In den Am fr hüben der D Hörden wi - in d.n akademischen Hörlälen. an den Kranlend. ten wie aa den Dasein der Genuhrn nsch->a. fährte er ein 20xm'eurerl den von einer k s.idottepi chen Bant» beit. Die chronol gisch gcorim -t • Urkundensamm- (ung stellt ein hi.tur- un> literaturittchichll'cheS Gemälde ersten Ranges d r. Ls ist ein Qu.r- schnitt durch Rom an ik und Re ktionS>eit m Preuhen. durch Restanrationsz it und Bürg r- tönig um in Fran!.aich 827
6. D. 6 a | o n o f f . Lech» schwere Jahre (Seilag für Kulturpolitik. Berlin). — Der el).malige russische üufjenmtnifter. Der in Den verhängnisvollen Sommertagen De» Zahre» 1914 verantwortlich zeich nete für Die Äataftrupbenpolitif De» Zarenhose», hat sich nun endlich entschlossen, feine Erinnerungen und Dokumente Dem kritischen Urteil Der öffentlichen Meinung zu unterbreiten. Dos Urteil roirD nicht ou»bleiben, unb e» roirD hart sein. Denn an Herrn aonoff scheint alle» Da» spurlos oorübergegongen
ein. was in Diesen Dreizehn Jahren Die Äeschichts« chung an Dokumentorilchem Material zur unoor» eingenommenen Erkenntnis Der Vorgänge. Die Direkt zum Ausbruch Dee Weltkriege» geführt haben, an« gehäuft hot Gafonoff stellt sich taub, er roeitz von oQeDrm nicht» Ohne jede ernsthafte Bemühung zur Sachlichkeit tischt Der ehemalige Äustenm,mster alle Die längst roiDerlegten unb entlarvten Fälschungen. Verzerrungen und SerleumDungen auf. Die einst im Arsenal der seinDIlchen Kriegspropaganda zu f nDen manen. Drute aber wirklich Des Reize» Der Neuheit entbehren. E» ist ein Rechtsertigungsbuch. Da» mit ganz falschen Mitteln arbeitet. 635
viele neue Anhänge unD Anhängv-rinnen zu vermehren. — Die verle-tteische Au/sta'.rung des schönen Buches, das alS Deihnachtsang^ttnde vorirefllich geeignet erscheint und angeleaentllch empfohlen werden bad. ist geschmackvoll unb sehr gediegen. 748
— Friedrich Griese Sinter. (Roman im Verlag Otto Ouitzow, Lübeck.) — Dieser erste grohe Roman de» Mecklenburger» Friedrich (Briefe zeigt Die hohen künstlerischen Qualitäten, Die wir schon bei der Besprechung früherer kleinerer Novellen rühmten. Und doch ist dieser Roman in ge- roissem Ginne eine Enttäuschung. Man oermiftt den ganz prüften Zug, der Schicksal der Menschen und Schicksal der Landschaft zu einer grandiosen Einheit iiisammenschroeiftt Grade, ehrlich und wahr sind 1 riefe» Bauern, aufrechte Gestalten, inftinftartig In Ihrem Tun, klar und eindeutig (beehalb scheint un» ein Vergleich mit der Undf et. den wir häufig fanden, febljugehrn) von höchster Plastik die Gliederung Der Landschaft, da» einsame, eingeschneite, von Der fluftenroelt obgeschnittene Dorf Dort Drunten in der niederdeutschen Ebene oder noch weiter irgendwo im Osten, leicht verschroimmend im sagenhaften Grau der tWrne. Seltuntergona gleich die furchtbare Naturkatastrophe. die in rascher Folge über da» Dorf und se,ne Bewohner hereinbricht, sie zum Urgrund menschlichen Sein» zurücksührl und sie schmettert Ein einziger von ihnen ist mutig unb entschlossen genug, mit feinem Seide dem Verderben $u entrinnen. Sie ziehen über da» Schnee- seid, die Erde zu suchen, von der ihnen neue Kraft wird Trotz de» oben angebeuteten Bruches steht der Roman turmhoch über der graften Menge unwahren Schrifttum». Da» laut unb aufdringlich sich an greift
SM
— Manfred Hausmann: DI e Verirrten. Zwei Novellen. Mit einem Nachwort von Wild. Edtorreünann. 91 Seiten. Kl. 8*. Verlag von Philipp Reckam jun„ Leipzig. — Der vertag Reclarn in Leipug läftt seit kurzem in überau» de- grüfttnsroerler Weise in der Buchreihe „Sunae Deuttche" eine Snjaftl junger, zum TeU noch lehr unbekannter Dichter zu Worte kommen. 3n einem bwler mit Grtchrnack unb Sorgfalt ausgeftotteten Bänbchen smb zwei Novellen von Manfred Hausmann vereinigt, der ja den Lesern bet (Bieftener Anzeiger» nicht von ungefähr kommt; sie werden sich — wir denken: mit Freuden — Der feinen Kinder- Novelle .Dntje Arps" noch zu entsinnen roiffen unb 2uch der temperamentvollen und ganz unkonventionellen Schilderungen von seiner Abenteuerfahrt ..Durch da» heimliche und unheimliche Deutschland^. Und wer nun schon einmal etwas von Hausmann gelesen hat. dem wird man nicht oorenthakten Dürfen. wie er in kurzen Sätzen sich dem Leser seine» Noocllenbande» „Die Senrrten" oorfteüh Äl» ich
am 10. September 1898 In Kastel geboren wurde, war e» mit meiner Sefthastigkeit vorbei. Zwar gab e» in Göttingen ein Gyinnasium, aber meist trieb ich mich mit Freunden zwischen der Nordsee und den Schweizer Beraen herum. 3m Kriege kämpfte ich tm Osten und Westen. Dann hospiiicrte ich in der cdjroabinger Boheme, zog nach Italien, lebte auf Skiern in den Alpen unb erwarb eine» Fasching» in München den philosophischen Dokwrhut. Weber al» Heidelberger ^rioatbo wutrna|pirant. noch al» Dramaturg Der Hohentwielseftspiele, weder al» Volontär einer optischen Fabrik in Göttingen, noch als Korre- sponbent eines Bremer Exportgeschäftes, auch nicht ab Schriftleiter der Weserzeitung suhlte Ich mich recht in meinem Element Jetzt bin ich einfach freier Schriftsteller, habe ein Meib, zwei Zwilling-lause- jungens, ein Stück norddeutscher Erde unb eine Sepcl'olle. flufterbem besitze ich. umherwanbernb, die Welt mit ihren Wäldern. Meeren unb Sternen — So ist Hausmann. So Ist blefer junge Deutsche, der
Da» zarte unb im allerbesten Sinne oocsteoolle, aus tiefem Erlebnis unb wohl auch tiefer (Erinnerung heraus gestaltete Knabenschicksal im „Dntje Hrps8 beschrieben hat. Und die im gleichen Bande zu »in- brnbe Schilderung einer Besegnung zwischen zwei verirrten rnb einsamen Menschenkinbern; wenn auch
in biefer Erzählung burchaus bie eigenwillige, von einer ganz berouftten Versönlichkeit diktierte Hanb- schrift Hausmanns unverkennbar scheint, so ist e» boch moncherwl. als ob bie<e Novelle so rein norddeutsch ihr Umkreis ist, so geroift bie winkligen Straften unb hohen Turme von Bremen die Begegnung der beiden beschatten — als ob sie aus den melancholisch-untergründigen Bezirken der groften Nullen. Der Dostojewski unb Turpeniew. herkäme. — Dir aber, noch dem Wenigen, was wir bisher von ftausmarm laien, stehen nicht an. un» die letzten
Worte au» Scharrelmanns warmherziger Nachschrift zu eigen zu machen: sie lauten: „Hausmann ist jung, unb ich w:ll es mir cerfagen, zu prophezeien, aber ich bin oöMg ruhig in meiner groWn Erwartung.^ 757
— Albert H Rausch' Patrvklos Novelle. Mit einem Nachwort von Fritz D.singer. 47 Se-.tcn ÄL 8°. Ph.lipv Reclarn jun., ßeittrg. <Umvertal-Bibl».hek Nr ®14.i Hefi 40 PI.. Band 8) Ps. — Gerade wer den $c*n-~r. wer die .Sliai" früher gclefen ftat. wem auf der Schule vielleicht hinter einem ftarrm, strengen und oft rätselhaften Spr^chgefüge der Icbendiae Sinn und die uralte A>rkl:chkett einer in enMyen Berten dahinr^r?chenden Psesir vertchlofsen oder ver- schkeiert btteb. wird m Zxfem schmalen Bande vvn Rausch mehr gewinnen als aus einigen Gelängen des griechitchen Epos. Hier iß all'S nicht allein aus hellenifttschrtn Geiste neuge- schaffen, vereinfacht, verlief: und verdeullichi. fo
Daft einem tne D.nge grnfbar und von menlch- hdxm Dlaft beftimmi vor bie Augen treten, fordern Rau'ch versucht auch, eines der elcmen- :ar'; n Prol ieme d s w-ittchib gen homenlch-n €Uoi tudei der^usb-b.nd. der Schick alsv rbun- dein hei' des Patroklvs und des A b'U eine n -ue. e:vKne Deutung zu geben, ob dicke Deutung möglich und r ch .g |d. »ft r.nc müftige Frag tr-mn man emp'ind.- dch sie in elttrn : seren <a!S Der: rei". hlftoe.'cheni S NN W rii t?dt b^tbt: di chic ort che Bat r heil die f .-x weises bedarf R.u>chz kleine ?!e»velle ist eines von den heute n»ch immer s br lelt n n Vu ‘'em. b c f.nen Weg ins Alterium weilen rot - er vvm Humanismus nie. aus den fchulüblichen Rlaftd-m n-C sehr feiten ertchlvsl n werden kann 818
- Nikola u »Schwarzkopf Amors- brenn. Lkne Oiuh.unfl 212 Seiten 8'. Georg Müller Verlag Vl.inchen 1928. — Shw:rzkops. der Darmstädter Dichter, Ist den L fern b s Gi.-st^ner Anzeigers k in Fr mder m?hr gerade vor ^atiortfrift erldütn in un'crer Un'c.bal- lungsdeilage seine schöne unb wand-rliche Geschichte vom Domkind. Diele Lr'ähkuni hier, .Amoesbroim". Ist v?n gan.z anderer Ar.; rou;v d-rlich ist se auch, wiewohl s.e s.hr weltliche Dinge behandelt. Ls hält' so ettvis wie eine Legende daraus werden könn n; S hwarzlops beginnt keine Geschick) mit b r Vol.ssage und d m Volk-Aauben. der dem 2Cmorlbr nn ein* ti.1- sinnige Deu »ng gibt und w ndertät g . ftc Ifame Kräfte zulchnstbt. Und auch der R .n* des anmutigen Amorbach, au? den die m.t Lieb Kraft und Mu ler'Hn'ucht schier überbürdete i mge Heldin ber G^ch chte b rvor, h‘. w.rd eben v jum Symbol, rok der Rane dieses Biu rnlind s Lva Softenni». S' re Leb nZg schi bt . N* hi r Md)ricl»en ro r.*>, i't ein- L<be5ge'ch:ch * i't die S.'.ilderung einer tnl*r;’mrl g n Cr.v r anc ner lange ungestillten Sehnsucht und cnDlia) auch einer beg'ück mdm i^’üllung. DaS G nz liest 'ich wie aus st rlem Geshhl fterauZ in ein m r /ch n Zuge niederschri b tz. bi- Olnroä ibe. d e be m Le en au(ft.-i h*n (und JI4) n *g *n i> hin v r- 1'6:en', gründen sich auf nein •'• i.m r und äussere Unausgegttchenfttzi'en d s Sr»rach'>ilS. Ne lid> zum Teil schon in frücheren Arb i enSchw rz- kopsS ankündigten. 774
Aus fremden L'ieraiuren.
— Marie Hamsun Die Langerud- Untier. Lrzäftlung. 225 Öden 8°. B? echiigte ileberfeßung aus dem AorÜ'egischen von 3. Sandmeier unti S. Angermumr Linban^zeich- nung von Olaf Gulbranlson. HrciS in Leinen gcbun?-en 7 Mk. Verlag von AÜ>»r Langen in München. - Ls ist ein e ttzückeir'-es Buch, b - unS Marie Hamsun, Knut Hauis»nS Frau, in diesen .Langerubklndern" belebe t. Mit toarm- 5ergern Humor und eine: scheinbar kunstlosen Schttchtl-eit, die in Wahrheit sehr jene Kunst ist. wird uns hier ein Sommer gewidert, den vier Kinder vom Lande mit ihren ®Uchi oben auf einer norwegischen Alm ve,b legen. Ob auch die örelgnüfe dieses Sommers in den Augen von blasierten alten Leuten klein und gering erscheinen mögen. sie sind g oster unti solg^-rricher für die Kinder als vieles 14). n» bar Wichtigere, das sie einst als S wachsens erleben wer^>en; und so hallen diese Abenteuer uns durch daS ganze Dch in lebhafter, toem auch ftei.erer unti niemals ängstlicher 2 pari- nung. weil wir Die vier Hamen Heiden bet Erzählung. Ola und Linar. 3ngerU> und Mar fta. von der ersten Begegnung an klebgewirmTN. Es kann kein Zweifel daran bestehen, biff dic'e. trotzdem ihre kleinen meirschlichen Schwächen keineswegs unterschlagen werben, ganz besonders gutrassigen unti wohlgeratenen Kinder, biefe nobdn. grvstzügigen Buben, diese lieben, lustig n Mädel nicht .aus der Liefe des Gemütes- geschaffen. sondern dem Geben abaelaufcht sind. Unti haft eS offenbar bie Kinder Knut Hamluns sind, die hier NLdell geftonden haben, wird len Verehrern des groften norwegischen Dichters von besonderem Reize fein. 821
— Rudyard Kiplina: Ausgewählte Merke Sn neuer deutscher Ausgabe, »ehn Bände. Herausgegeben von Hans Reisiger Verlag Paul List in Lerp^ig 3e Band in sie,. Ganzleinen Preis ca. 650 Mk. — Bei der heutigen Vücherproduktion soll man mit Dem Evi- •beton ornanS vorlichtta umgehett. Aus diese deutsche Ausgabe de» dtchtev.fchen Merle» Ru- dvard Kipling» bad da» Wort „monumental* doch wohl angewandt werden. Der deutsche Büchermarkt wird augenblicklich überschwemmt mit schlechten llebersetzungen schlechtester Aus- landsware. Mit Recht wenden sich führende deurtche Verleger gegen diese Heberschätzung mäfngtr Geistesprodukte. die bei un» nur tftr Publikum finden, weil sie in sremdlärUnschem Äkwande einherstolzieren. Man braucht nicht be'tyntiere zu betonen, daft ein Mann wie Kipling dessen berühmte» Dichungel-Buch schon in unterer Jugend dem groben Fennimore Cooper cdoljrnd) ftonhxrrenj machte, von diesem Tadet nicht berührt werden kann, zumal, wenn feine Merke uns in Io ausgezeichneten Uebertragun» gen geboten werden, wie sie Hans Reisiger mit Hil'e von Meyrink. Hardt. L. 2. Rheinhardt, Benvenuto Hauptmann u. a.. be*orgt hat. 21» letzte Bände in dieser auch äufterlich sehr ansehnlichen 2u»gabe e richten en gerade eben vor dem Zest ..Geschichten au» C i m l a" und da» oben schon erwähnte ..Dschungelbu ch". Beides Sammlungen von Novellen aus Indien, die zu den besten und sormvollendetsten gehören, die Kipling geschrieben hat. Auster der Reihe dieser Ausgabe, aber in gleicher Au-stattung. hat der Verlag einen weiteren Novellenband ..Bilanz" herausgebrachl. der späte Früchte der groften Erzählungekunst Kipling» enthält.
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— 2. L. M. Hutlchinson: Da» achte Münder «rrei^Nasken^Derlag. München.) — Der englische Dichter, tieften grostartiger Roman ,Denn der Minter kommt" unvergessen ist. hat hier lech» Novellen zu einem Bande vereinigt, die in jjrem Wert austervrdeutlich verschieden sind. D.e bei weitem schwächste hat dem ganzen Buche den Namen gegeben. Anderen jedoch dankt der Leser erheblich mehr, wenn auch keine das hohe Rrvea» der früheren Ro-


