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gebung eine Wiederholung solcher Ereignisse ein fiir allemal unmöglich gemacht wird. Der Land­tag wolle die Bundesregierung ausfordern, ein Gesetz zum Schutze der Republik ein­zubringen, durch welches der Streik in den lebenswichtigen Betrieben des Staa- tes unter schwere Ahndung gestellt wird und der Bundesregierung jene Machtbefugnisse erteilt werden, um Anschläge auf die Sicherheit und Ordnung des Staates, in welcher Form sie auch auftreten, erfolgreich abzuwehren.

Die Arbeit der Kommunisten.

Wien, 20. Juli. (Wolff.) Bekanntlich bewe­gen sich die Antersuchungen der österreichischen Staatspolizei in der Richtung, ob bei den Anruhen ausländischer kommuni st ischer Ein­fluh im Spiele war. Wie dieStunde" meldet, ist der Beweis ausländischer Beteiligung an den Anruhen bisher noch nicht erbracht worden, doch steht einwandfrei fest, das; mindestens an den Demonstrationen ausländische kommuni­stische Elemente aktiv teilgenommen haben. Es wurden insgesamt 23 Personen aus dem Par- teisckretariat'der Kommunistischen Partei Oester­reichs verhaftet und auherdem 50 Mitglieder der sogenannten bulgarischen Mensa. Bei dem verhafteten kommunistischen preußischen Landtags­abgeordneten P i e ck fand man verschiedene Auf­zeichnungen, in denen die Polizei Anhaltspunkte für einen Organisationsplan für die nächste Zukunft erblicken zu können glaubt, ohne daß jedoch von einem vollendeten Putschplane gesprochen werden könnte.

Das SchicksaS des IustizpaLastes.

Wien, 20. Juli. (Sonderberichterstatter des W. T. D.) Der Bundeskanzler und der Handels­minister gabelt ihre Zustimmung zu dem Vor­schläge der Zentralvereinigung der Architekten Oesterreichs, im Zusammenhang mit dem Wieder­aufbau des Justizpalastes einen Wettbewerb aus- zuschreiben, der eine vollständige Amge° staltung des Schmerling-Platzes vor­sieht. Die Morgenpresse spricht davon, daß in Erwägung gezogen werde, den Jusinzpalast über­haupt nicht wieder aufzubauen, sondern einen öffentlichen Park an der Stelle anzulegen.

Deutschlands Antwort.

Keine Fortsetzung der Polemik mit Brocqnevitle.

Berlin, 20. Juli. (2BB.) Die heute übergebene deutsche Antwort auf das zweite, bereits kurz ver­öffentlichte belgische Memorandum hat folgenden Wortlaut:

Oie deutsche Regierung beehrt sich, auf das 2Ne- morandum vom 19. Juli, in dem die königlich Bel- ! gische Regierung die Stellungnahme ihres Wehrmini st ers zu den Aeslslellungen des deut­schen Memorandums vom 18. Juli übermittelt hat, folgendes zu erwidern:

Der königlich Belgische Herr Dehrminister glaubt zwar, seine früheren Behauptungen über die Entlassungen aus der Reichswehr a u s r e ch t er­halten können, ist aber nicht in der Lage, den amtlichen deutschen SeftfleUungen, die die genauen Zahlen für die letzten Jahre anführen, irgendwelche konkreten Angaben oder Beweise entgegen zustellen. Damit erübrigt sich für die deutsche Regierung ein weiteres sach­liches Eingehen aus diesen punkt. Was die Auf­wand ungen des deutschen Reichshaushalts für militärische Zwecke anlangt, so genügt es, zu wieder- folen, daß diese Aufwendungen durch den ver- niller Vertrag nicht eingeschränkt werden, und daß Deutschland daher hierüber den Signatannächten des Versailler Vertrages keine Rechenschaft schuldig ist. Im übrigen ent­halten die sachlichen Ausführungen des Grafen de Brocqueville über diesen punkt nichts, was die Darlegungen des deutschen Memorandums vom 13. Juli entkrästigte.

Die deutsche Regierung muh hiernach die Bet- ! Wahrung, die sie gegen das Vorgehen des königlich Belgischen Herrn Wehrminisiers eingelegt hat, in ' vj'Jem Umfang aufrecht erhalten.

Pariser Pressehetze.

Paris, 20. Juli. (WB.) Zum deutsch-bel- gischen Rotenaustausch schreibt derTemps", was besonders bei dieser Kontreverse im Auge L29 allen werden müsse, sei, daß doch nicht eine von der B o t sch a f ter kvn f er enz> e r te i Ite Entlastung genüge, um zu bestätigen, d<) die Entwaffnung Deutschlands W i r l l i ch k ei t fei. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge könne weder Gens noch Lo­carno Frankreich und Belgien dessen enthalten, die solide Organisierung ihrer Verteidigung gegen jeden neuen Angriff zu überwachen. Das sei die erste Bedingung für chre Sicherheit. Das sei auch die erste Bedingung für die Auf­rechterhaltung des Friedens im Westen. Dos Journal des Debots" schreibt, die fran­zösische Regierung habe die Pflicht, diese An­gelegenheit sehr genau zu verfolgen. Poincare habe im Senat am 17. März erklärt, die Auf­merksamkeit der Regierung fei durch die von Senator Eccard auseinandergesehten Tatsachen ernstlich geweckt worden, und die Regierung werbe olle notwendigen Maßnahmen für die Ausrech terhaItung des Friedens und die Wah­rung der nationalen Sicherheit er­greifen. Wir nehmen an, so schreibt das Blatt, d'ß Poincare nicht verfehlt hat, sich hierüber mit dr belgischen Regierung zu verständigen. Französische RiWchtslofigieit.

Schießübungen in wci wollen ronfeldern.

-Stier. 20.Juli. (Wolff.) Auf dem ftanzö- st,cd,en Schießplatz auf dem Salemer Binz b e i S ch m i k> i {) e i m in der Eifel finden auch in diesem Jahre wieder Schießübungen statt, die nicht nur für i)ic dortige Landwirtschaft, sondern^auch für die vor drei Jahren neu ange° legten Tongruben von großem Rachteil sind Da letztere im Mittelpunkt des Schieß Platzes liegen. Schon im Vorjahre ist durch Schießübungen der französischen Artillerie in den Aonfclbern großer Schaden entstanden so daß ein Schade nöersahanspruch von 80 000 Mark angemelbet wurde. Die Tonselter enthalten wert­vollen Farbenton, der nach fachmännischem Urteil zu dembesten in ganz Deutschland ge­hört. Sie umfafTcn eine Fläche von mehreren tausend^Quabratmetem. Durch eine weitere Be­schießung der Tonfelder ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Rentabilität der Anlage in Frage gestellt ist. Durch An° brauchbarmachung der Tonfelder würde e i n Schaden von mehreren Millionen 1

Mark entstehen. Die Schießübungen der franzö­sischen Artillerie finden gerade während der trockenen Sommermonate statt, die in den Ton­gruben dieeinzigeZeitzur Arbeitsmvglich- teit darstellen.

Der deutsch-japanische Handelsvertrag.

Unterzeichnung desBertragswcrks inTokio.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 21. Juli. In Tokio ist am Mittwoch der Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Japan von dem japanischen Ministerpräsiden­ten Tanaka und dem deutschen Botschafter Dr. S o l s abgeschlossen worden. Damit ist der vertrags­lose Zustand zwischen beiden Staaten beendet, der seit dem Friedensschluß andauerte. Schon 1920 be­mühte sich die Reichsregierung, zu einem vertrag­lichen Verhältnis au kommen, doch erst 1924 konn­ten in Berlin ernsthafte Verhandlungen ausgenom­men werden, die sich allerdings äußerst schwierig gestalteten. 1926 wurden sie nach Tokio verlegt, wo­durch sich jedoch an der Gesamtsituation nichts än­derte. Erst als es auf dem Umwege über private Abmachungen zwischen der deut­schen und der japanischen Farbenindustrie gelungen war, die Einfuhr deutscher Farben so zu regeln, daß einige japanische Farben, die die To­kioer Regierung besonders geschützt wissen wollte, von ihr nicht betroffen werden, konnte man erleich­tert aufatmen. Die schwierigste Klippe war um­schifft. Es ging nun recht flott vorwärts, zumal sich der japanische Ministerpräsident Tanaka entschloß, auf Zollvereinbarungen zunächst zu ver- zicyten und sie besonderen Verhandlun- g e n vorzubehalten. Infolgedessen konnte jetzt der Handelsvertrag a u f d e r Basis der unein­geschränkten Meistbegünstigung abge­schlossen werden. Er geht sogar noch weiter als der Vertrag vom Jahre 1911, da er auch die Konsu­lar f r a g e n regelt. Im übrigen hat sich die japa­nische Regierung dazu verstanden, deutschen Staats- angehön'gen alle Freiheiten zuzugestehen, die erfor­derlich 'sind, um den deutsch-japanischen Waren­austausch in zufriedenstellende Bahnen zu lenken. Für unsere Industrie ist das Abkommen insofern außerordentlich wertvoll, als es zum Teil ganz neue Absatzgebiete erschließt, mindestens aber mit der Vorzugsstellung gewisser ausländischer Industrien aufräumt. Daß es jetzt endlich zu einem glücklichen Abschluß gekommen ist, ist nicht zuletzt das Verdienst des japanischen Ministerpräsidenten Tanaka, dann aber auch unseres Botschafters Dr. S o l f, für die der Handelsvertrag entschieden einer der besten Erfolge ihrer diplomatischen Tätig­keit ist.

Um den deutsch-französischen Handelsvertrag.

Eigener Drahtbericht des .Gießener Anzeigers*.

Berlin, 21. Juli. Aeber das weitere Schicksal der deutsch-französischen Handelsver­tragsverhandlungen war es in letzter Zeit recht still geworden. Glaubte man noch bis zum 15. ö. M. zu einem Aebereinkomm en gelangen zu föimen, so ereignete sich gerade in tnefen Sagen nichts, was auf einen günstigen Ausgang schlie­ßen ließ. Das Ermächtigungsgesetz, das die französische Kammer noch in ihrer letzten Sitzung erließ, und das dem französischen Han­delsminister Bokanowski die notwendigen Vollmachten gab, um mit Deutschland auch während der Ferienzeit zu einem Aeber- einkommen zu gelangen, hat auch noch kein Resultat zeitigen können. Trotz alledem wird immer noch mit dem größten Hochdruck von den beiderseitigen Delegationen gearbeitet. Meinungsverschiedenheiten bestehen allerdings auch noch außer. in zolltarisarischen Fragen in anderen Punkten, doch ist im allgemeinen auch auf französischer Seite ein positiver Wille vor­handen, zu einem Abschluß zu kommen. Wir glauben zu wissen, daß sich die Lage auf jeden (jalt immer günstiger gestaltet, und die Ver­zögerungen nur auf Schwierigkeiten technischer Statur, wie es sich ja auch in Anbetracht der äußerst komplizierten Materie denken läßt, zu- rückzusühren sind. Man nimmt auf jeden Fall an, daß ein Abschluß noch im Laufe dieses Monats erreicht werden kann, verschiedene Kreise hoffen sogar, noch in dieser Woche das Provisorium abschließen zu können.

Die deutsch-polnischen WirtschuftsverhandSungLN. Berlin, 21. Juli. (TA.) Der deutsche Ge­sandte in Warschau, Alrich Rauscher, hatte gestern mit dem Vertreter des erkrankten Außen- Salefh., Ges andten Knoll, eine Be-

In diesem Zusammenhang weiß die polnische Presse zu berichten, daß in der Sied­lungsfrage ein Weg gefunden worden sei, um »u einem Kompromiß zu gelangen. Auch be­züglich der Tarif- und Zollfrage soll eine Einigung der beiden Standpunkte zu- standegekommen sein. Im Herbst dürften die diplomatischen Besprechungen bereits so weit ge­diehen fein, daß dann schon die normalen Verhandlungen unter Teilnahme der Dele­gationen auf genommen werden können.

»er uet ameri» ebende Gecrolt

Das Ualisyndiiak ,n Amerika,

französisch-amerikanische Tpannung.

y Aeuhork 20. Juli. (Wolff.) Die ameri- tanische Bundesregierung hat vor einiger Zeit ourd) ten Genercustaatsanwalt vor dem zustän­digen amerilanischen Gericht eine Klage gegen baS deutsch-französische Ka° or »>9'en Der letzung des

1 U V s anhän ig gemacht. Run reichte der Anwalt des französischen Botschafters einen Schriftsatz ein, in dem erklärt wird der Prozeß gegen die französischen Kaligesellschaften fei in feiner Wirkung gegen ein oefreun- öeteß Staatsoberhaupt gerichtet unb eine ö/anLng in den fteundsc^ftttchen Beziehungen herbeiführen und sie möglicherweise zerreißen. Die amerikanische Regierung habe mcht geschickt gehandelt als fi<* die Beilegung des Konfliktes. ter auf diplo matifchem Wege hätte bchanbelt werden tallcn burd) geruchlich? Entscheidungen sucht? Die Kaligesellschaften bezögen ihre Produkte aus dem Elsach Sie wurden unter der Leitung der französischen 0? «> n i » .

irgendeines Landes hätte jemals versucht, ihre Gerichtshöfe mit einer Jurisdiktion auszu statt en, die es dem Generalstaatsanwalt gestattet, e i n befreundetes Staatsoberhaupt gegen feinen Willen der Gerichtsbarkeit zuzuführen und es dort unter der Anklage unge­setzlichen Verhaltens a b z u u r t e i len.

England und die Seeabrüihing.

Genf, 20. Juli. (Wolff.) Die britischen De­legierten zur Dreimächtekonferenz, an ihrer Spitze der erste Lord der Admiralität, Bridgeman, sind zu Besprechungen mit dem Kabinett nach London abgereist. Die plötzliche Abreise ist begründet durch die Meinungsverschiedenhei­ten, die noch immer zwischen der britischen und der amerikanischen Delegation in wichtigen Fragen bestehen. Die amerikanischen Marine- sachverständigen haben sich besonders hartnäckig ge­weigert, entsprechend dem britisch-japanischen Vor­schlag alle mittleren Kreuzer von 7500 Tonnen nur mit sechszölligen G e - schützen zu bewaffnen. Sie erklären, daß durch eine solche Lösung dem britischen Reich die endgültige Vorherrschaft zur See eingeräumt würde, da nämlich Großbritan­nien und seine Dominions über ungefähr 60 mo­derne Handelsschiffe verfügen, welche im Kriegsfall gleichermaßen mit diesen Sechszoll- Geschützen ausgestattet werden könnten. Die ame­rikanische Kriegsmarine sei deshalb gezwungen, nicht nur die 10 000-Tonnen-Kreuzer, sondern auch die mittleren Kreuzer mit Acht- z o l l - Geschützen zu bewaffnen. Auch mit einer weiteren Verwendung einer gewissen Anzahl Kreuzer, die eine bestimmte Altersgrenze überschritten haben, sind die Amerikaner nur unter gewissen Bedingungen einverstanden. Wie verlautet, haben die Engländer den Japanern vorgeschlagen, daß je nach dem von der Kon­ferenz noch festznsetzenden Dienstalter ein Viertel oder ein Fünftel der überalterten Kreuzer weiter verwendet werden kann.

In den Kreisen der Marinekonferenz ist man allgemein der Aeberzeugng, daß die Besprechun­gen, welche die Führer der brittschen Delegatton, Bridgeman und Lord Cecil, mit ihren Mi­nisterkollegen in London haben werden, auf den Gang der Verhandlungen einen guten Einfluß ausüben dürften. Schon vor ungefähr einer Woche war von London und von Wachington aus ange­regt worden, die Beratungen nicht zu überstürzen. Cs wurde dabei besonders darauf hingewiesen, daß es gelte, die Fragen, deren befriedigende Lö­sung für die künftigen freundschaftlichen Beziehun­gen der drei Rattonon von der größten Bedeu­tung seien, aus der Atmosphäre der rein tech­nischen Beratungen herauszuheben und sie von einem höheren Standpunkt de r poli­tischen Erwägungen aus zu prüfen und zu entscheiden. Man glaubt daher, daß der Be­schluß des britischen Kabinetts, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, von großem Ruhen für den Erfolg der Konferenz fein könne. Rach Meldungen aus London wurden in der heu­tigen KabinettssitzMg die Vorgänge in der Gen­fer Dreimächtekonferenz erörtert. Bridgeman wird heute abend aus Gens erwartet. Es heißt, daß abends noch eine Sondersitzung des Ka­binetts zusammenberufen werden soll, da Baldwin, der am Samstag nach Kanada ab­reist und morgen von London abwesend sein wird, dringend wünscht, den Bericht Bridgemans persön­lich zu hören. In gut unterrichteten Londoner Kreisen wird nachdrücklich erklärt, daß die Reise Bridgemans durchaus nicht bedeute, daß die Kon­ferenz zusammengebrochen fei.

Ungarn.

Die Revision des Trianon-Bertragö.

London, 20. Juli. (WTB.) Kürzlich hatte der bekannte britische Zeitungskönig Lord R o - thermere, dec Bruder Rorthcliffes, in einem Budapester Blatt sich entschieden für eine Re­vision des Friedensaectrages von Trianon zu­gunsten der ungarischen Grenzziehung eingesetzt. Heute veröffentlicht nun dieDaily Mai l" einen Brief des vormaligen Generalsekretärs der Kommission für die Festsetzung der ungarisch- tschechoslowakischen Grenze Alexander Gordon- A o ß. Es heißt darin: Dec ungarischen Re­gierung sei in dem Mantelbrief Millerands ver­sprochen worden, es werde eine Revision der Grenzlinie stattfinden, wenn die Grenzkommission sie als unbefriedigend er­achte. Als aber die Grenzfestsehung durch die Kommission begann, hat es sich sehr bald ge- zeigt, daß sie nur für diesen Zweck ernannt war, nämlich die Grenze festzufetzen, genau f o wie es im Vertrag bezeichnet war und daß Überhaupt keine Absicht bestand, die ursprüngliche Linie zu ändern. In dem Leit­artikel sagt dieDaily Mail" u. a.: Die Angarn haben einen besonderen Anspruch auf britisches Wohlwollen. Ungarn ist durch den Vertrag von Trianon Anrecht geschehen. Es ist ein? Ehrens), licht für Großbritannien, das Anrecht wiedergutzumachen in einer Zeit, wo die Rachfolgeftaaten ihre Verträge dazu ge­brauchen, um die ungarische Bevölkerung, die sich unter ihrer Herrschaft befindet, die größten Angerechtigkeiten zuzufügen. DaS Blatt legt der britischen Regierung ans Herz, wie wich­tig es sei, die Ungarn gemachten Bett rcchungen zu erfüllen. Gegenwärttg lebten 3' ? Mil­lionen Ungarn unter fremder Herrschaft. So­lange dies der Fall fei, könne jede künftige internationale Krise in Europa zum r * * S f übten. Es liege ebenso im Interesse der Rachvarländer' Angarns, wie der Westmächte, dicie Gefahr in ziel, ewuhter und staatsmännischer Weise auszuschallen, bevor eine Katastrophe emtrete.

Az Est veröffentlicht ein Schreiben Lord r^nic<IC5 an den tschechischen Außen- MlNister L.r. B e n e s ch, in dem es u. a. heißt: Ich schätze Ihre staatsmännischen Fähigkeiten viel höher em, als daß ich annehmen könnte, daß Sie an die Möglichkeit eines dauernden Friedens auf Grund der jetzigen Grenzen ohne Rückerstattung aller ungarischen Gebiete, wo die Un­garn m den Nachfolgestaaten in der Mehrheit ge­blieben find, glauben. Ich bitte Sie, sich stets vor Augen zu halten, daß die Tschechoslowakei ohne die Freundschaft und ohne die Opfer Englands und Frankreichs überhaupt Nicht existieren würde. Wenn die Tschecho­slowakei n:it dem. rrrs sie erhalten hat, Miß- b rauch treib io muß sie darauf gefaßt sein, daß Englands Freundschaft und Gefuh'e sich vollständig >mn ihr abwenden ujprfcen.

Förderung der landwirt­schaftlichen Flüchllingssiedlung.

Berlin, 20. Juli. (WTB.) Der Reichstag hat mit Zustimmung des Reichsrats ein Gesetz betreffend Bürgschaften des Reichs zur Förde­rung landwirtschaftlicher Flüchtlingssiedlungen angenommen. Durch dieses Gesetz wird die Reichsregierung ermächtigt, Bürgschaften bis zum Gesamtbeträge von 70 Millionen Reichsmark zu übernehmen, jedoch nur für Hypotheken und Renten-Darlehen sowie für Anleihen inländischer Anstalten des öffentlichen Rechts, die zur Ge­währung eines Dauerkredits an solche landwirtschaftlichen Siedler ode'r an ihre Angehörigen dienen, die ihre frühere Stelle infolge des Krieges auf geben mußten und neuangeseyt sind oder angesetzt werden sollen. Hierdurch soll eine end gültige Gesundung der wirtschaftlichen Verhält nisse der Flüchtlingsfiedler erreicht-, werden, die zu einem erheblichen Teil unter ungünstigen Darlehensbedingungen leiden. Ferner wird die Ergänzung des Inventars und der Ausbau und die Ausbesserung der Gehöfte dieser Siedler vor­genommen werden tonnen.

Aus aller Welt

Glückwünsche an Liebermann.

Berlin, 20. Juli. (WTB.) Der Reichs­präsident hat dem Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste, Prof. Dr. h. c. Max Lie­bermann, zu seinem 80. Geburtstage den Adlerschild des Reiches verliehen und mit nachstehendem Schreiben zugehen lassen:

Sehr geehrter Herr Profesior!

Zu Ihrem 80. Geburtstage spreche ich Ihnen meinen Glückwunsch aus. Sie blicken am heutigen Tage auf ein Leben, reich an Arbeit und an Er­folgen, zurück. In ununterbrochenem Schaffen und Wirken haben Sie als Maler und Graphiker ein Werk aufgestellt, das in der Geschichte der Kunst von bleibender Bedeutung ist. Neue Wege haben Sie gebahnt, einer ganzen Zeit die malerische Form gegeben. Als Zeichen des Dankes, den Ihnen das deutsche Volk schuldet, lasse ich Ihnen hiermit den Adlerschild des Reiches zugehen. Meine besten Wünsche gelten Ihrem weiteren Schaffen und Ihrem persönlichen Wohlergehen. In vorzüglicher Hoch­achtung gez. v. Hindenburg.

Der Ehrenschild des Reiches mit dem Glück­wunschschreiben des Herrn Reichspräsidenten ist dem Iubllar heute durch den Reicbsrninister des Innern, Dr. v. Keudell, überbracht worben. Der preu­ßische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbil­dung, Prof. Dr. Becker, begleitet von dem Direk­tor der Berliner staatlichen Museen, überbrachte Max Liebermann die Glückwünsche des preußischen Staatsministeriums und überreichte das erste Stück der vom preußischen Staate wieder neu geschaffenen, goldenen Staatsmedaille und außerdem als Ausdruck der Glückwünsche seines Ministeriums einen silbernen Ka sten, dem der Preußische Adler in Stahl ausgeprägt ist und der auf der Innenseite des Deckels eine Widmung des Ministers trägt. Der Kasten enthält die Photographien der aegenwärtig in der Akademie der Künste und der Liebermann-Ausstellung gezeigten hundert Gemälde des Künstlers. Auch der preußische Ministerpräsident und der Reichskanzler sandten dem Künstler herz­liche Glückwunschtelegramme. Der Oberbürgermeister von Berlin überbrachte.die Glückwünsche der Stadt Berlin und die Ernennung zum Ehren­bürger der Stadt Berlin.

Bäumers Beisetzung in Hamburg.

Am Mittwochnachmittag wurde au$ dem Ohls- borfer Friedhof unter großer Teilnahme der Bevölkerung der abgestürzte Pour°le-m6rite-Fl:e- ger Bäumer beigesetzt. Vorher fand auf dem Flugplatz in Fuhlsbüttel eine ergreifende Trauerfeier statt, worauf sich ein unüberseh­barer Trauerzug nach dem Friedhof in Bewegung setzte. In den Lüften kreisten zahlreiche Flugzeuge mit langen Traucrwimpeln, von denen eines über der Grabstätte ein Dlumengcbinde abwarf. Am Grabe hielt Pastor L ö r tz e r, ftüher selbst Flie­ger, eine zu Herzen gehende Trauerrede. Hierauf gab ein Konnnando der Schutzpolizei drei Ehren­salven ab.

Schwere Verkehrsunfälle in Berlin

Ein siebenjähriger Knabe wurde Mittwoch abend von einer Kraftdroschke über­fahren. Auf der Rettungsstelle ist er seinen schwe­ren Verletzungen erlegen. Kurz danach wurde ein Blinder von einem Privatkraftwagen über­fahren und getötet. Dem Verunglückten dürfte selbst die Schuld treffen, da er ganz alllrin über die Straße ging. Auf dem Bahnhof Hohen- zvllerndamm wurden heute mittag nach Ausfahrt eines Zuges zwei Arbeiter in schwer verletztem Zustand zwischen den Gleisen liegend aufgefunden. Der eine ist seinen Ver­letzungen erlegen. An der genannten Stelle waren verschiedene Arbeiter mit den Erhöhungsarbeiten für den Bahnsteig beschäftigt. Wie die Verun­glückten unter den Zug gekommen sind, konnte noch nicht aufgeklärt werden.

Verhaftung eines Medikamentenfälfchers.

In D e u t h e n kam man umfangreichen Fäl­schungen von medizinischen Fabrikaten der J.-G. Farbenindustrie in Leverkusen auf die Spur. Durch den eigenen Ermittlungsdienst der Firma wurde festgestellt, daß der Kaufmann Pollack in Deuthen in einer dorttgen Druckerei Ori­ginalpackungen mit dem Warenzeichen der J.-G. Farbenindustrie Herstellen ließ und sie mit verfälschten Medikamenten füllte; von Beuchen aus haben barm die Fälschungen' ihren Weg in die Ostländer gefunden. Gegen Pollack liefen in den letzten Tagen auch aus Warschau. Lemberg, Krakau und anderen Städten Anzeigen von belieferten Firmen ein, die sich durch die äußerst minderwertige Ware in den Originalpackungen betrogen fühlen. Pollack, der bereits einmal wegen Sal varsan-Schmuggel be­straft worden ist. wurde jetzt verhaftet.

«IttCVUOL -5C.

Zeitweise stärker bewölkt, Temperaturen zu­nächst wenig verändert, einzelne Riederschläge teilweise gewitterhafter Art.

Gestrige Tagesteinperaturen: Maximum 22,6 Grad Eelsius, Minimum 12,8 Grad Celsius, Sonnenscheindauer I2V4 S;unden. Heutige Mor­gentemperatur 16.8 Grad Celsius.

Witterungs aus ächten für Samstag. Fort­dauer des herrschenden WitterunaZchara! ers mit lokalen Gewitterstörungen. v