Ausgabe 
20.9.1927
 
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Dienstag, 20. September 1927

177- Jahrgang

Nr. 220 Erstes Blatt

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Graf Bernstorff Verlangt beschleunigte Einberufung der AbrüftungskonferenZ

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Annah»« von Anzeigen für die üagesnummtr bis zum Nachmittag vorher, preis für 1 mm höhe

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nigten Arbeiten auf der Basis der gegenwärtigen Sicherheitsverhältnifse geben. In einer zweiten Ent­schließung könnte dann die Auffassung der Der- fammlung zusammengefaßt werden über die An­regungen, die ihr von verschiedenen Seiten ge­macht worden sind.

Der von Graf Bernstorfs eingebrachte Ent- schliehunasentwurf über die Einberufung der Ab- rüstungstonferenz vor der nächsten Völkerbunds- versammlung wurde auf Vorschlag des Kommis- sionspräsidenten Benesch dem älnteraus- schutz überwiesen, dem auch Gras Bern­storff angehört und der sich auch mit dem fran­zösischen und dem holländischen Sntschlietzungs- antrag zu befassen hat.

Der ungarisch-rumänische Konflikt vertagt.

Genf, 19. Sept. (Wolff.) Bach zweitägiger Verhandlung fiel im Völkerbmrdsrat die Ent­scheidung im ungarisch-rumänischen Konflikt über die rumänische Agrarreform mit der V e r t a - gung bis zur Dezembersession. Das ist in der Form geschehen, daß der Bat ein­stimmig, jedoch mit Stimmenthaltung der beiden Parteien, den ersten Teil des Vorschlages des Dreier-Komitees mit einer Erläuterung des Prä­sidenten Villegas angenommen hat, die diesem Teil den Charakter einer Empfehlung an die beiden streitenden Parteien verleiht. Der Be­schluß des Rates wird dahin ausgelegt, daß man der ungarischen Regierung Gelegenheit ge­ben wolle, ihren Standpunkt in einem Memoran­dum an den Rat genauer zu präzisieren und da­mit die Basis für die Verhandlungen des Rates im Dezember zu schaffen.

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Gens. 19. Sept. (Wolff.) 3m Abrüstungs­ausschuß wurde heute vormittag derpolnische Antrag zur Diffamierung des An­griffskrieges nach kurzer Aussprache auf Vorschlag des Grafen Bernstorfs, sowie der Ver­treter Frankreichs, Italiens, Finnlands und anderer Staaten durch Akklamation e i n st i m - mig und unverändert angenommen. Graf Bernstorfs brachte dann eine Ent­schließung ein, in der gefordert wird, daß der vorbereitende Abrüstungsausschuß die technischen Arbeiten derart beschleunigt, daß die Abrüstungskonferenz noch v o r der nächst­jährigen Dölkerbundsvcrsamnüung einberufen werden kann. -Zur Begründung seines Entschlie­ßungsentwurfes führte Graf Bernstorfs u. a. folgendes aus:

Für die A b r ü st u n g ist bisher praktisch nichts erreicht. Auf diesen Punkt müssen wir daher unsere Bemühungen konzentrieren. Einem weiteren Aus­bau der Sicherheit und der Schiedsge­richtsbarkeit stehen wir aber in keiner Weise ablehnend gegenüber. Es muß klar unterschieden werden zwischen 1. Abrüstung auf der Basis des hohen gegenwärtigen Standes der Sicherheit und 2. Förderung des Problems der. Schiedsgerschtsbar- keit und Sicherheit über den gegenwärtigen Stand hinaus. Wir können nicht mit der allgemeinen Ab­rüstungskonferenz warten, bis wir eine absolute Sicherheit geschaffen haben, sonst würden sich beide Bestrebungen behindern und praktische Ergeb­nisse nicht zustande kommen lassen. Abrüstung und Sicherheit müssen sich gegenseitig befruchten, dürfen sich aber nicht gegenseitig hindernd im Wege stehen. Mein Vorschlag geht dahin, die diesjährige Ver­sammlung solle in einer ersten Entschließung dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß eindeutige Richtlinien für seine weiteren und beschleu-

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gen der Pariser Rechtspresie zu den Ausführungen Hindenburgs kritisch befaßt, sagt:Französische Sonntagsprediger wie Poincacrä und Maginot und belgische Dinant-Redner dürfen allwöchentlich wahre Pfeifkonzerte auf Locarno veranstalten, während der Präsident des Deutschen Reiches nicht einmal in seelischen, würdigen und nicht aggressiven Wor

der Wahrheit die Ehre geben soll.

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Frankreichs Zollftreit mit den Vereinigten Staaten. Deutschlands Interesse an einem Abbau der Zollmauern

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llachtviehmarkt.

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DaS Tannenberg-Denkmal ist nicht ein Denkmal, wie viele andere, wie sie Herr Poincarö seit Jahren allscrnntäglrch einzuweihen pflegt: eS hat für Deutschland und für Deutsch­lands Kultur viel tiefergehende Bedeutung. 1410 hat in Tmmenberg der slavische Gedanke Über den deutschen Orden gesiegt und das gewaltige Stück Kulturarbeit zu zerstören be­gonnen, das in jahrhundertelanger, zäher Ar­beit geleistet worden war. 1914 standen wir wieder vor der Gefahr, von den Russen über- schwemmt zu werden. Der Verlust der Schlachten öffnete den Russen den Weg an die Weichsel, vielleicht sogar den Weg nach Berlin, und ein solcher Stoß in das Herz Deutschlands mutzte das Ende, den Verlust deS Krieges bedeuten. Man kann sagen, daß heute, nachdem der Krieg verloren ist, der Gedenktag seine rechte Dedeu- fung nicht mehr besitzt. DaS trifft doch nicht zu. Richt das Ergebnis, sondern der Wille ist schließlich entscheidend, und gerade ein Volk, das soeben ein tiefes Wellental der Entwicklung

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 20. Sept. Die Franzosen find ohne Rot und durch eigenes Verschulden in einen Konflikt mit den Vereinigten Staaten hin­eingeschliddert, der ihnen noch teuer zu stehen kommen kann, der aber auch einen interessanten Beitrag zu dem Thema Hochschutzzölle liefert. Schon auf der Weltwirtschastskonse- renz in Gens konnte in steigendem Matze die Feststellung gemacht werden, dah Frankreich auch auf wirtschaftlichem Gebiet stets nur auf die eigene »Sicherheit" bedacht war. Rur ope­riere es hier nicht so geschickt, wie auf den ver­schiedenen Abrüstungskongrefsen, so dah e8_ zum großen Aergcr der Pariser Regierung plötzlich isoliert da stand und als die Ration ange­prangert wurde, durch deren Verhalten ein Ab­bau der Zollmauern vorläufig noch eine aus­sichtslose Sache sei. Die Bestätigung hier­für hat Frankreich jetzt geliefert, wöbe, aber festzustellen ist, dah feine Zollpolitik ausgerechnet dort schärfste Opposition auslöste, wo man selbst hvchschuhzöllnerischen Tendenzen huldigt.

Eigenartig mutet es an, dah die schwere Verstimmung der Amerikaner auf das engste mit dem deutsch-französischen Handels­vertrag zusammenhängt. Es sind zwar nicht Form und Inhalt dieses Abkommens, über das die Washingtoner Regierung so aufgebracht ist, sondern das mehr als eigenartige Verfahren der Franzosen, die die in der sehr umfangreichen Liste B des Vertrages nieder gelegten Sätze, die zwischen dem höchsten und niedrigsten Tarif liegen, als neuen Minimaltarif plaka­tierten. Diese Liste umfaßt beinahe sämtliche Warengattungen. Da noch ein altes Dekret be­steht, wonach man kurz nach dem Kriege den Generaltarif durch Vervierfachung der niedrigsten Sähe herausnrultipl»ierte, ging die Pariser Regierung auch jetzt nach diesem Rezept vor, so dah sie auf recht bequeme Art über

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Hindenburgs Appell an das Weltgewifsen

Die Tannenbergrede des Reichspräsidenten im Echo der Presse.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvik md Verlag: vrÄhl'sche llniversitülr-vuch. und Ztelndruckerei K Lange in Sietzen. Lchriftleituag und Geschäftsstelle: Schnlyratze l.

Ordnung nennt, erklärt:Jetzt erst gilt es, auf dem Boden, den Hindenburg geschaffen, zu arbeiten und zu kämpfen." Aehnlich äußert sich der deutschnatio- naleLokalanzeige r", der betont, daß das deutsche Volk die Angelegenheit nicht eher ruhen lassen werde, als bis der Kampf über die Grundlage des Versailler Vertrages vor wirklich unpar­teiischen Richtern zum Austrag gebracht ist. In derDeutschen Tageszeitung", dem Organ des Reichskanzlers, heißt es:W i e eine Erlösung von schwerem Druck haben die breitesten Schichten des deutschen Volkes den feier­lichen Widerruf der Kriegsschuldlüge durch den Reichspräsidenten empfunden. Als Wahrzeichen stehen diese ehernen Worte, an denen es kein Deu­teln mehr gibt, nun neben dem gewaltigen Tannen- berg-Denkmal." Die deutfchnationaleBerliner B ö r f e n z e i t u n g", die sich mit den Aeußerun-

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Rächt zu einem neuen Hvchfchutzzoll- s h st e m gelangte, ohne extra die Kammer in Anspruch nehmen zu müssen. Die neuen wesent­lich höher liegenden Generalzölle haben aber die amerikanische Einfuhr nach Frankreich schwer getroffen. Sie soll bereits so wert unterbunden worden sein, dah ameri­kanische Automobile gar nicht mehr nach Frank­reich herein können. Fest steht jedenfalls, daß wichtige Exportartikel der Vereinigten Staaten ihren französischen Absatzmarkt zu verlieren beginnen.

Für Deutschland ist der ganze Konflikt rächt untntereffant. Die Franzosen haben die Absicht, auf den bevorstehenden Handelsver­trags Verhandlungen in Washington von ihren hohen Tarifpofitionen nur bann endgültig her­unterzugehen, wenn ihnen entsprechende Konzessionen gemacht, also auch die amerikanischen Hochschutzzölle hier oder dort abgebaut werden. Wir möchten den Franzosen Glück zu ihrem Vorhaben wün­schen, wenn wir auch an fein Gelingen nicht glauben. Machen aber die Amerikaner Zuge­ständnisse, dann kommen diese auch uns auto- malisch zugute. Bisher tagen die Dinge zwischen uns und den Vereinigten Staaten stets so, dah wir mit Rücksicht aüf die Meistbegünstigungs­klausel des deutsch-amerikanischen Vertrages den Amerikanern jeden Zollvorteil einräumen muh­ten, den wir anderen Staaten zugestanden, um­gekehrt jedoch mutz unsere Ausfuhrindustrie nach wie vor gegen die hohen amerikanischen Sähe ankämpfen, weil die Union grrmdsählich nicht von ihrem autonomen Taris abweicht, also auch keine Zugeständnisse anderen einräumt, von denen wir profitieren könnten. Aus diesem Grunde haben wir alle Veranlassung, den bevorstehenden französisch-amerikanischen Vertrags,-erhandlungen imft ihrem allerdings recht unglücklichen Austakt ein reges Interesse entgegenzubringen.

Gegenüber der Behauptung, Hindenburg hab< bei der Einweihung des Tannenbergdenkmali nicht als Reichspräsident, son­dern als Heerführer gesprochen, und deshalb seien feine AuLführungen nicht von politischer Tragweite, stellt dielägt Rund­schau" fest, daß Hindenburg auch bei dieser Ge­legenheit selbstverständlich in fei ner Stellung als R e i ch s p r ä s i d e n aufgetreten ist, wenn ec auch gleichzeitig a! verdienstvollster Heerführer jener Tage an d? Erinnerungsfeier teilgenommen hat. Die d, Reichspräsident immer bei feinem Auftrete öle verfassungsmäßigen voraus fetzungen in jeder Beziehung gewahrt hat, so ist auch im vorliegenden Falle felbstverftänd lich, dah er nicht als Privatmann im- ptooiflerte Aeuherungen vorge­tragen hat. vielmehr unterliegt es keinem Zweifel, dah die R e i chsregier un g über die Rede des Reichspräsidenten v o l l st ä n d i g unterrichtet war. Diese Feststellung be­zieht sich auch auf den Reichsauhen- Minister, der gegenwärtig in Gens weilt. Die vvlksparteiliche »Lägt. Rundschau" schreibt dann weiter: .Wie alle die Tause-nde deutscher Männer und Frauen, die Hindenburg am gestrigen Sonntag zuhören dursten, sein» Worte als eine Befreiung empfanden, so werden sie von allen, in deren Seelen die Schmach der Kriegsschuldlüge brennt, als eine Befreiung empfunden werden." DieGermania" das Berliner Zentrumsorgan stellt fest, dah gestern der Reichspräsidrnt mit Rachdruck auf die Un« Haltbarkeit und Llngerechtigkeit der falschen These von der Kriegsschuld Deutschlands hingewiesen hat, mehr nicht. Der Wortlaut der Rede des Reichspräsidenten zeige, dah von dem QInfang einer großen Aktton in der Krieasschuldfragc nicht die Rede fein könne. Das demokratische B. T." schließt sich dem Wunsche des Reichs­präsidenten an, der in feinen Worten übet Deutschlands Bereitschaft liege, sich unpar­teiischen Richtern zu stellen. Jenes Der- sailler Verdikt, das Deutschland mit der Allein- 'chuld belastet, gelte für uns nicht, da es ohnc irgendeine Rechtsgarantie, ohne Anhörung des Verklagten, von parteiischen, interessierten und zum Teil selbst der Mitschuld verdächtigen Rich­tern beschlossen worden ist. Das Blatt behauptet aber, daß Reden, wie diejenige Hindenburgs, für das berechtigte Streben nach unparteiischer Unter- suchung nur erschwerend und hinderlich seien Aehnlich äußert sich der sozialdemokratische Vorwärts", der erklärt: Es ist nicht anzu­nehmen, daß dem feierlichen Appell des deutschen Reichsoberhauptes an das Ausland irgendein praktischer Erfolg beschieden sein wird.

Mehr nationale Disziplin!

DieGermania" fordert eine Einheitsfront in der Kriegsfchnldfragc.

Berlin, 20. Sept. (Sil.) Unter der lieber« schrittMehr nationale Disziplin" nimmt das Berliner Zentrumsorgan dieGermania" noch einmal Stellrmg zur Tannenbergrede Hin­denburgs und beschäftigt sich dabei mit der Hal­tung der Berliner Presse. Das Blatt betont u. a., dah jede Wirkung der Rede verpuffen müsse wenn im Innern in dieser Frage nicht eine geschlossene Front gebildet werde. Das sollte doch um so leichter sein, als sachliche Differenzen innerhalb des deutschen Volkes dar­über kaum beständen. Hindenburgs gute Absicht solle man dadurch nicht zuschanden machen, dah man über die Schuldfrage und das ehrliche Be­streben nach ihrer Lösung zum Gegenstand innen» politischen Haders mache. Die Frage sei zu ernst für das deutsche Volk, als dah man sie zu parteipolitischemHausgebrauch um­biegen dürfe. Rechtverstandenes nationales Interesse sollte lieber dafür sorgen, dah eine Einheitsfront zustande komme. Dieses Ziel sei aber schwerlich zu erreichen, wenn die Rechtspresse die ganze Aktion über Ge­bühr aufbausche und sich zum Verdienst anrechne, inti) die Li nkspresse glaube, in der Rede Hindenburgs eine Schädigung unserer Autzen- politik erblicken zu müssen. Diese könne höchstens dann eintreten, wenn durch die Sucht, an den Worten den Reichspräsidenten herumzudeuteln, sich der Eindruck verstärke, als gäbe es ernstliche sachliche Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage.

Das Londoner Echo.

London, 20. Sept. (WTD. Funkspruch.) Die Mehrzahl der Morgenblätter bespricht heute in Leitartikeln die Rede des Reichspräsidenten von Hindenburg.Daily Mail" schreibt: Es wäre interessant, genau zu wissen, ob Dr. S t re- sem a n n an dem Entwurf der Tannenbergrede irgendwie beteiligt war. Auf den Zusammen-

Energie zum schweren Auswärtsweg wieder zu getoinnern. Tannenberg bleibt für unS, ob auch der AuSgang die Hoffnungen trog, die Be­hauptung des Deutschtums vor dem Ansturm der Slaven und vergessen wir das nicht die Entdeckung einer Per­sönlichkeit.

Deshalb war es auch richtig und selbstver­ständlich, dah der Wann, der für uns die Tra- bi.jon des siegreichen deutschen Heeres ver­körpert, der Feldmarschall v. Hindenburg, in der Mitte der Feier stand; ebenso selbst-ver­ständlich, dah seine rechte Hand, Ludendorff, dabei nicht fehlen durfte. Was öubenborff nach dem Kriege getan hat, spielt dabei feine Rolle, aus der Tannenberg-Schlacht ist seine Mitwir­kung nicht herauszudenken, also hat er auch ein Recht, dabei zu sein, selbst wenn darüber dos Reichsbanner gold sich aus einer

zurückzveht, wo wir des deutschen Volkes

Hilden konnten.

Daß wir in solchen Zeiten keine rauschenden Feste feiern, ist eine glatte Delbstverständlichkeit. Aber gedenken wollen wir doch dessen, was wir gewollt haben und derer, die den Glauben an das deutsche Vaterland mit ihrem Leben bezahlten. Daher war gerade der Boden von Tannenberg die gegebene Stelle, wo der Reichs­präsident eine Erklärung gegen die Schuldlüge abgeben konnte, $ur Ehre der lebenden und toten Kameraden.Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes aus- gezogen und mit reinen Händen hat das deutsche Heer das Schwert geführt", woran er die Er­klärung schloß, dah Deutschland bereit wäre, das jederzeit vor unparteiischen Richtern nach­zuweisen.

Damit ist endlich gesagt, was lange gesagt werden mußte. Wir erwarten nicht viel von dem Kampf gegen die Schuldlüge, denn wenn vor Jahr und Tag einmal einer der Führer der Siegerstaaten gesagt hat, der Versailler Vertrag sei auf die Kriegsschuld Deutschlands aufgebaut, im Augenblick, wo diese Schuld wegfiele, breche auch der ganze Vertrag zu­sammen, so ist das weiter nichts als eine schöne, Phrase. Die Lüge von der deutschen Kriegsschuld ist nur erfunden worden, um ein moralisches Mäntelchen abzugeben, hinter dem der Wort­bruch sich verstecken konnte, der Wilson auf die Waffenstillstandsbedingungen festgelegt hatte. Glau­ben tut auch auf der Gegenseite von den Führern längst kein Mensch mehr an dieses Märchen. In Augenblicken, wo ihnen die kühle Ueberlegung weg- blieb, haben zu viele von ihnen schon zugegeben, daß Europa in diesen großen Kriegh i n e i n ge­schliddert" ist.

Aber gerade weil wir den Kampf gegen Ver­sailles nicht aufgeben, weil der Glaube des deutschen Volkes daran festhält, daß die Ungerechtigkeiten die­ses erzwungenen Vertrages einmal beseitigt werden müssen, gerade deshalb ist es für uns von Wert, daß wir in dieser Frage der Kriegsschuld nicht nachgeben. Eigentlich sind es ja zwei Vor­würfe, die uns gemacht werden. Der Reichspräsi­dent hat sie beide auf eine Linie gestellt: der Vor­wurf, daß wir den Krieg leichtherzig h e r a u f be­schworen hätten und daß wir im Kriege uns gegen d i e geschriebenen und unge­schriebenen Gesetze der Menschlichkeit vergangen hätten. Fast waren wir auf einen Vorschlag Belgiens so weit, wenigstens gegen den zweiten Vorwurf den Spruch eines unparteiischen Schiedsgerichtes anrufen zu können. Im letzten Augenblick aber haben die Belgier doch Angst vor der'Wahrheit gehabt und sich wieder zurückgezogen, so daß auch hier der Kampf weiter geht.

Ob wir Lebenden das Ende noch erleben, kann dabei aleichgültig fein. Die Slufgabe unserer Gene­ration ist ja im wesentlichen dach nur, unseren Kindern die Lasten zu erleichtern, die sie zu tragen haben und ihnen den Glauben an die Zukunft des deutschen Volkes zu erhal­ten. Dazu ist die Bekämpfung der Schuldlüge eines der ersten und wirkungsvollsten Mittel. Das Wort, das der Reichspräsid.'nt in Tannenberg ausgesprochen hat. ist dem Buchstaben nach keine Regierungsaktion, ist aber von sämtlichen maßgebenden Instanzen gebilligt, ist dadurch mittel-

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bar auch ehre Kundgebung des Kabinetts geworden. Es ist kaum anzunehmen, daß sofort weitere Schritte ergriffen werden. Wir wollen den Sturm, der im ausländischen Blätterwalde setzt anhebt, ruhig sich austoben lasten. Aber der Anfang ist geschaffen, um später einmal einer deutschen Regierung die Möglichkeit zu neben, die Unterschrift unter das Schuldanerkennttns von Versailles zuruckzuzrehen.

3m Spiegel der Berliner presse.

Berlin, 19. Sept. Die feierliche Verwahrung Hindenburgs gegen die Lüge von der Schuld Deutschlands am Weltkriege findet mit wenigen Ausnahmen in der Berliner Presse be­geisterte Aufnahme. Die auf dem rechten Flügel stehendeDeutsche Zeitung", die die Worte Hindenburgs eine Staatshandlung allererster

bis 43; gering genaue innen. Jungrindch: voll- höchsten SchlachLeNb 55 bis 59; fleischige 50

> Mst« und SüuMer last- uni) Saugkälber 74 r 65 bis 73. Schafe: re Mosthümmsl (Weibe- lere Wasklämmer, allere mährte Schafe 44 bis 49. e üba M M Lebend 'fleißige 6d)Wc, von ebenbgewichl 74 bis 76, k ca. M M Himd tottfWge bchwem ßfunb LebendzewM 73 ine ton «l 120 M 1« 5 bis 70; Sauen 63 w ibet ruhig. Kälber ur? H Schweine ruhig m tschweine geluchl. IN' igt

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