geführt werden ntuß, soll nun den Schleier von allen Vorgängen ziehen. Der Tatbestands laßt sich nicht aushellen, wenn nicht die Täter als solche in ihrem wahren Wesen und ihren Werten nach erkannt werden. Es läßt sich nicht sagen, daß das Gericht die Darmats so behandelt, wie das Leuten zu geschehen Pflegt, die unter einer ähnlich schweren Anklage stehen. Schließlich ist es kein Pappenstiel, daß d e Dar- mots dir Staatslank um fünfzehn Millionen Mark geprellt haben, das zu einer Zeit, wo gute und solide deutsche Firmen wegen Mangels an D e t r i e b s k r e d i t r n zusammenbrachen.
Julius Darmat hat bei seiner Vernehmung betont, baß er nicht als armer Schnorrer nach Deutschland gekommen sei. Ob er 1920 wirklich ein Vermögen von 3 bis 5 Millionen holländischer Gulden besessen hat, läßt sich nur glauben, wenn Darmat zunächst einmal seine Steuerveranlagung in Holland vorlegt. Dos Gericht hätte ihm diese Vorlage nicht Nachsehen dürfen, um so weniger, als die holländischen Zeitungen vor zwer Zähren unmittelbar nach der Verhaftung der Dormats energisch Einspruch dagegen erhoben, daß die Bier oder fünf Gebrüder in Amsterdam hochangesehene Kaufleute gewesen seien. Uni) wer in Amsterdam so viel Geld gemacht hat, pflegt sich solche Deziehungen geschossen zu haben, daß er sie schon aus geschäftlichen Gründen nicht so leicht aufgibt, sondern sie, wenn er ein kaufmännisches Genie ist, weiter ausbaut. Deutschland war doch nicht die Heimat der Varmats, wohin es sie so mächtig zog. Die log entschieden weiter östlich. Was der Prozeß indessen bisher einwandfrei ergeben hat, dos ist, daß Julius Darmat bei Kriegsausbruch nicht als kaufmännisches Genie aalt, sondern sich kümmerlich als kleiner Lieberseher für die polnische Sprache in Amsterdam durchschlug. Dann hat er verdient, was kein Kunststück war, denn die deutsche Zentraleinkaufsstelle bewilligte jeden Preis für jede Menge Ware, die sich nur her- anschosfen ließ. Es wäre doch immerhin interessant, zu wissen, welche Menge Barmat im Kriege geliefert hat, und was et dafür bezahlt bekam, da doch irgendwie aufgeklärt werden muß, wie der kleine Liebersetzer von 1914 im Jahre 1919 mehrfacher Guldenmillio- n ä r sein konnte.
Es ist auch nicht wahr, daß die Darmats die einzige Vermittlungsstelle für Deutschland in Amsterdam gewesen sind, denn den Agenten der Zentraleinkaufsstelle boten sich im neutralen Ausland so viele Vermittler an. daß die großgeschriebenen Verdienste über Gerechte und Llngerechie nur so hageln mußten. Auch darin bekundet sich nicht das kaufmännische dSenie, daß die Barmats nach der Rovemberumwälzung persönliche und geschäftliche Verbindungen mit den neuen Machthabern in Deutschland ausbauten und ausnuhten. Jedenfalls ist der Gewinn der Barmats dadurch nicht geringer geworden, ilnö diese Verbindungen reichten aus. um den kaufmännischen Genies den Weg in das von der Inflation heimgesuchte Deutschland freizumachen. Gs haben das auch andere mit mehr oder weniger Erfolg getan. Aber sie hätten nicht sofort den engen Anschluß an die Preußische Staatsbank finden können, wenn nicht einige Obergenossen den sympathisierenden Auchgenossen Darmat als Schrittmacher gedient hätten. Die Darmals find doch nicht als atme Schlucker in Deutschland aufgetreten, sondern haben sehr nachdrücklich mit ihren legendären Guldenmillionen aufgetrumpft, wofür der Briefwechsel zeugt, den der Reichskanzler a. D. Dauer mit dem Amsterdamer Haus der Bar- matS pflog. Gehört unter diesen Umständen wirklich ein kaufmännisches Genie dazu, schloßartige Landhäuser und Aktienpakete zu kaufen, wenn die Staatsbank anstandslos jeden Kredit bewilligt? Mit fünfzehn Millionen Mark hätten wirkliche Kaufleute und Unternehmer auch 1924 ganz andere Geschäfte einleiten und ausführen können, als den Aufbau dieses Barmat-Konzerns. dessen Leitung in Händen lag. die nur das »Waschen" -.nn übertragenen Sinne gründlich gelernt hatten.
S* r<*rfift!inben der Nednklion.
12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen
Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
)( Großen-Linden, 19. Ian. Die Feldbereinigung gehl hier ihrem Ende entgegen. Die Liebergabe der neuen Grundstücke wird im Herbst 1928 erfolgen. Der Wunsch- termin findet am 2. Februar 1927 statt. Der Rcllerverein wünscht sich als Reitplatz einen Mot- gen neben dem Wäldchen bei der Luhmühle. Da anderes Land hiergegen zur Verfügung gestellt wird, so dürfte dem Wunsche sicher entsprochen werden. Auch die Gemeinde dürfte gut tun, wenn sie sich zum Schulhausneubau nebst Spielplatz einige Morgen großes Gelände unmittelbar hinter dem Orte am Mahrweg oder am Schindlachsweg wünschte. Da die Gemeinde anderes Gelände in belieb ger Größe als Tausch bingeben kann, käme sie auf diese Weise zu einem äußerst billigen Platz, denn es handelt sich hier nur um die Bonitierung von etwa 30 Pfennig pro Quadratmeter. Versäumt die Gemeinde diese nie wiederkehrende Gelegenheit, so wäre dies recht bedauerlich, denn der von der Gemeinde bereits angeZaufte Platz ist erstens viel zu klein und zweitens in hygienischer Hinsicht nicht ganz einwandfrei.
f Lang-Göns, 19. Jan. Zu der Dür- germei st erwähl in unserem Orte am 30. Januar sind folgende Kandidaten aufgestellt: Beigeordneter Wilhelm Karl R o m p f, Maurermeister Heinrich Schaub. Gast- und Landwirt Heinrich Henrich II., Landwirt Wilhelm Müller V. und Platzmeister Karl Faber.
r. Garbe nteich, 19. Jan. In der jüngsten Gemeinderatssihung gab der Bürgermeister bekannt, daß der Gemeinde nach dem Aufwertungsgesetz eine Aufwertungsschuld von annähernd 11000 Mark erwachse. Rach Prüfung dec vorgelegten Unterlagen stimmte der Gemeinderat dieser Aufwertung zu und beschloß gleichzeitig, die kleinen Beträge bald zu bezahlen, die größeren Beträge aber nach zu treffender Vereinbarung mit den Gläubigern (meist Kassen) mit jährlich 10 bis 15 Proz. zu tilgen.
ch Lich, 19. Ian. Unsere Braugasse befindet sich seit der vor einigen Wochen dort vorgenommenen Kanalisation in einem trostlosen Zu - st a n o. Das an für sich schon schlechte Pflaster ist durch schwere Lastwagen ganz aus seiner ursprünglichen Lage gedrückt worden. Infolge der tiefen Löcher und eingeborenen Furchen ist es für Radfahrer unmöglich, die Straße s ährend zu passieren. Aber auch für Fuhrwerke jeglicher Art bebeuiet die üble Beschaffenheit der Straße eine Gefahr, ganz zu schweigen von dem Schlammbad, das dem Fußgänger widerfahren kann, wenn er bei Dunkelheit die Straße überquert. Hoffentlich wird die unbedingt notwendige Reu - bzw. Kleinpflasterung dieser Straße, wie auch der durch Ober- und Llnterstadt ziehenden Hauptverkehrsstraße bald Bor genommen.
± Weickartshain, 19. Ian. Auch hier herrscht zur Zeit die Grippe. Fast kein Haus ist von der Krankheit verschont geblieben. In vielen Häusern ist die ganze Familie erkrankt. Es kommen auch genug bedenkliche Fälle mit Lungenentzündung Bor. Die S ch ul- jugend ist zur Hälfte erkrankt. Aus diesem Grunde und um der weiteren Verbreitung der Grippe etwas Einhall zu gebieten, ist der Schulunterricht auf Anordnung des Kreisschulamtes im Einvernehmen mit dem Kreis- gesundheitsamt für acht Tage geschloffen worden. — Die hiesige Eisensteingrube, die schon länger als ein Jahr ihren Betrieb eingestellt und die Arbeiter entlassen hat, begann vor etlichen Wochen mit Ausbesferungs- arbeiten In den Betriebsanlagen. Rachdem diese Arbeiten ihrem Ende zugehen, ist mit der baldigen Wiederaufnahme des Gruben- b e t r i e b e § zu rechnen. Die hiesigen Grubenarbeiter sollen sich zur Einberufung bereit halten.
v. Londorf, 19. Jan. Gestern abend g^en 8,30 Llhr brach in dem Abfüllgebäude des Brauereivertreters Ihring-Melchior, August Göbel, Feuer aus. Durch das rasche und tatkräftige Eingreifen der hiesigen Feuerwehr konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden. Heu- und Strohvorrate, sowie eine Menge Ha - fer und Geräte sind mUnerbrannt Durch die Explosion von Kohlensäureflaschen erfolgten
Heber 21u$roenöig=Dirigieren.
Don Wilhelm Furtwängler.
Aus dem musilalischen Almanach .,D e r Musiku s", den der bekannte Musik- schri Isteller Walter Dahms unter Mit- aib.it von Künstlern wie Adolf Busch, Edwin Fischer. Wilhelm Furtwängler, Sigrid Onegin, Sieg rieö Ochs. Anna Pawlowna, Ermanno Wolf-Ferrari u. a soeben im Panorama-Ver ag, Berlin-Steglitz, her- ausgegeben hat. (Preis 3 Mark.)
Ich werde öfters ge ragt, ob ich das heute mehr und mehr in Ausnahme kommende Aus- wendig-Dirigieren für nö.ig halte. Dazu wäre folgendes zu bemerken: Die Begriffe des .Epischen" und d.S „Drarnati'ch n" — wie wichtig sie z. B. Goethe und Schiller erschienen, geht daraus hervor, daß ein größerer Test ihres Briefwechsels ihrer Klärung gewidmet ist — stellen gewissermaßen Llr.ormen menschlicher Äunftbetätigung dar, die sich überall, in jeder Kunst und zu jeder Zeit, wieder,inden. In der Mu L' ionnie man etwa Bach als den ausgesprochen epischen, Beethoven als den vorwiegend Drama ich en Musiker ansprechen.
Es ist natürlich und selbstverständlich, daß der Schauspieler, als Derkörpeter einer dramatischen Figur, das. was er zu agen hat, aus- wendtz sagt und sich mit demselben volllommen iDe;.t.fixiert, wahrend etwa der Beomitt'e: eines epiichen Werkes der Sprecher einer TiOBcIle ufw. am ..Vorlesetische" erscheint, als der Ob- lek.ive, mehr ..Reser.erenDe". Dasselbe finden wir in der Musik. Alle wesenhast dramatische Musi, verlangt cm Sich-mit en. i c nftei.en, Sich- volUommen-identijizieren mit dem musikalischen •öorgana; das AuSwendig-Reproduzieren deS eiben ist h er nur selbstverständliche Vor^edinauna während Musik mehr erzählenden, epischen Eha- rak:ers eine objektivere Form der Vermi Luna gestattet, die ein völliges Auswendig-Beherr- scheu des SwfseS nicht immer unbedingt erfordert. Aber noch etwa- anderes spie.t hierbei eine Rolle SS gibt Musik, bei der Inhalt und Form nicht immer notwendig zusammenfallen bei der d.e Formen in großen Zügen übernommen sein können, und Deren Wirkung, ohne daß das gerade unmittelbar ihrer« Wert beeinträchtigen muß, doch mehr tm effektvollen
Arrangement und im großen Faltenentwurs liegt, als im Inneren Durchleben ihres Stoffes. Es gibt andererseits Musik, bei der jede kleinste reinmusikalische und formale Biegung zugleich auch einen Seelen Vorgang bedeutet, bei der, so monumental-dekorativ sie auch manchmal wirken möge, doch alles und jedes von einem lebendigen Zentrum aus geschaut und gefühlt ist. Soll eine solche Musik einigermaßen zu ihrem Rechte kommen, so muß sie dem Reproduzierenden — man kann sagen — anliegen wie seine eigene Haut. Sie muß au ihm gehören, er muh mit ihr eins sein, er Darf sie nicht nur „darstellen", sondern muß mit ihr geradezu im eigentlichen Sinne des Wortes verwachsen sein. Während er zu der zuerst gekennzeichneten Art von Musik, um im Bilde zu bleiben, etwa ein Verhältnis haben mag wie $u einem Mantel, der zwar die Maße des Trägers haben muß, der ..sitzen" muß, um richtig zu wirken, bei dem es aber doch mehr auf das Dekorative im Ganzen an- kommt — und den man im übrigen nach Belieben aus- und anziehen kann. Gs ist klar, daß hier die Forderung des Austvendig-Inter- preüerens nicht mit derselben Lln^edingt^eit und inneren Berechtigung aufgcftellt werden" tann wie dort. Ausnahmslos alles aufwendig zu dirigieren ist daher eine Sache, die meinetwegen ihr sportliches Interesse haben mag. aber für die Kunst nicht gerade wesentlich ist. Wogegen — wie mir die Erfahrung immer wieder bestätigt — gerade die größten und tiefsten Wcrke unserer Literatur einer freien Interpretation aus dem Kopse unmöglich er.tralen können, sollen sie auch nur einigermaßen zu ihrem Rechte kommen.
Ausmessung eines entlegenen Sternhaufens.
, k>er Hamburger Siernwarle in Dergedorf bat Dr. W. Ltaave von dem im Sternbilde des ?0D.te6 kugelförmigen Stern-
baufen 71®© S 466 eine größere Zahl photo- graphischer Ausnahmen mit Dem Spiege'.telelkop gemacht und auf Den gewonnenen Platten genaue llleflungen vorgenommen, um daraus Die Entfernung deS SternhaulenS von un« zu ermitteln. Bekanntlich war man bis in die allerjüngste Zeit vollkommen Im unklaren übet Den wahren Abstand der Sternnebel und Slernhauken, weil bei diesen Objekten Ne sonst bei Den Fiffsternen angewandte
einige sehr starke Schläge. — In der Generalver- famnjlung des K r i e g e r ve r e in S wurde zum ersten Präsidenten Br e träger Heinr. Theiß, zum 3 trci.cn Wachtmeister i. R. Weitz gewählt. Der s.i herige verdienstvolle P .ä iie.1t, Zugsüyrer i. R. E r f e r t, Halle feines Ackers wegen eine Wiederwahl abgelehnt.
Mrcis Aricdbcrg
ss. Friedberg, 19. Ian. Im Saale des Hotel Trapp fand gestern abend eine gutbesuchte Versammlung des Grund- und Hausbesitzer-Vereins statt, bei Der Dr. Reif von Der Handwerkskammer und Dr. Goebel von der Handelskammer über Die neue Steuereinheitsbewertung referierten. Die ReDner nahmen Stellung gegen Die in Hessen besonders hohe ungerechte Bewertung. An Die Vorträge schloß sich eine sehr rege Aussprache an. — Die hiesige Ortsgruppe des V. D. A., Deren Vereinstätigkeit seit langem geruht hat, hielt jetzt wieder eine Monatsversammlung ab. Der Dor- sitzende, Studienral Eckes, begrüßte Die Versammlung und legte in kurzen Worten Die Ziele des V. D. A. Dar. Darauf sprach Fräulein S t a u b a ch in klaren, zu Herzen gehenden Worten über die deutsche Rot in Südtirol. Ein aus der Iungmädchengruppe des V. D. A. zusammengestellter Ehor verschönte Den Abend durch musikalische Darbietungen. — Der Obst - und ©artenbauBerein des Kreises Friedberg hielt heute im Ratskeller seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die sehr gut besucht war. Kreisd rektor Gebhardt begrüßte Die Erschienenen und Gartenbauinspektor R e n t s ch erstattete Den Geschäftsbericht für das Jahr 1926, aus dem hervorging. daß im Laufe des vorigen Jahres 15 neue Ortsgruppen gegründet und an 44 Orten Vorträge gehalten wurden. Der derzeitige Mitgliederstand beträgt ungefähr 1500. Zum ersten Male nach dem Kriege wurden auch wieder kostenfrei Edelreiser abgegeben, und zwar ca. 8000 Stück. Reallehrer Ringshausen gab den Kassenbericht und den Voranschlag für 1927. Die Finanzlage des Vereins tonnte als sehr gut bezeichnet werden. Eine lebhafte Aussprache entspann sich lediglich über Die Frage Der Preisgestaltung Der Vcrbands- zeitschrift. Rach Erledigung des geschäftlichen Teiles sprach Landes-Obstbauinspektor Pfeif- f e r über Schädlingsbekämpfung.
Ä Bad-Rauheim. 19. Ian. Unter Dem Vorsitz von Studienrat Dr. K n i e r i e m hielt Die hiesige Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslände gestern ihre gut besuchte Hauptversammlung ab. Wenn auch im vergangenen Jahre die Ortsgruppe Ausländsdeutsche nicht zu Gast hatte, so wurde im stillen doch mancherlei für die gute Sache getan, wie Der Jahresbericht des Vorsitzenden im einzelnen Dar legte. Für Die nächste Zeit ist ein Vortrag geplant, für Den man möglichst Pastor Schmidt, den einzigen Abgeordneten im dänischen Reichstag gewinnen will. Da das Deutschtum in Rordschleswig gewiß dem Interesse weiter Kreise begegnen dürfte, rechnet man damit, daß gegebenenfalls der Redner bei Der Gelegenheit auch in Gießen und FrieDberg sprechen könne. Angeregt wurde ferner, für Die Mynats- zusammenkünfte ab und zu Ausländsdeutsche, die in Gießen studieren, als Deierenten zu gewinnen. Im Mai soll eine Werbewoche „Deutsches Voll in Rot" veranstaltet werden. Man denkt an_ einen Postkartenverkauf, außerdem an eine größere Saalveranstaltung. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt.
Kreis Büdingen.
* Büdingen, 19. Ian. Das Mitglied des Kreisausschusses Büdingen, Amtsgerichtsrat Dr. A n d r a e - Ortenberg, hat bei der Kre'Sverwall tung beantragt, in den Kreisvoranschlag 1927/28 folgende Mi.tel einzusehen: 1. Als Beitrag zur Unterhaltung der l a n d w i r t s ch a f t - l ich en Schule in Ridda denselben Betrag wie für die Schule in Büdingen, und zwar mit Wirkung vom Rechnungsjahr 1926/27 an; 2. als Beteiligung des Kreises an der Obstbren- nerei-, Kelterei- u. Verwertungs- Genossenschaft Büdingen Den Betrag von 10 000 Mark.
* Ridda, 19. Jan. Wenn vor etwa Jahresfrist versucht wurde, im Riddatale Leute für eine Erbschaftsangelegenheit zu inter»
Methode Der Parallaren-Bestimmung gänzlich ver- sagt. 711 an mußte daher auf andere Mittel sinnen, um diefes für die Stellarastronomie so wichtige Problem zu lösen. Der Zufall kam diesen Bestrebungen zu Hille. Um die Wende des letzten Jahrhunderts entDedte man in manchen Spiralnebeln und Kugel» sternhausen das Dorko »men von neuen Sternen und namentlich von veränderlichen Sternen, D. h. Sternen, Die einen bestimmten Lichtwechsel zeigen. Da nun das Verhallen solcher Sterne aus den Beobachtungen der zahlreichen sich fortgesetzt mehrenden 730 tretet innerhalb unseres eigenen Spiralnebels, des Sternshsteins der Milchstraße, schon sehr genau bekannt ist und von vielen ver- änderlichen und mehreren neuen Sternen auch Die Entfernungen festgestellt sind, bot sich eine Mög- lichkeit, auch Die Abstande der sog. Rebel-Ber- änderlichen und Damit Der Rebel selbst zu berechnen. 3am nicht geringen Erstaunen Der astronomischen Fachwelt ergaben sich dabei Werte von einer solchen Größe, wie man sie früher kaum für möglich gehalten hat Das gilt sowohl von den Spiralnebeln tote von den in minderer Zahl vor- handenen Kugelsternhau en, während die offenen Sternhaufen, Die vorwiegend aus helleren Sternen bestehen als jene, durchweg uns nähetliegende Gebilde sind und im wesentlichen Dem Mllchuraßen- fystem angeboren. Der von Dr. Baade jetzt ver- mefiene Sternhaufen ähnelt bei kürzerer Belichtung Der Platten, bei der nur die Riesensterne heraus- koinmen, mehr den offenen, ohne scharfe Begrenzung sich Darstellenden Sternhaufen; längere Belichtung bringt aber den dichten Hintergrund der Zwerg- fleme heraus und zeigt, daß man es hier doch mit einem Rugelfternbau.enautun bat. Gleich allen anderen Vertretern seiner Art ist auch R G.E 5 466 Dem unbewaffneten Auge verborgen, seine Gesamt- Helligkeit erreicht nur Die Größe 8,5; Das bloße Auge aber nimmt nur Sterne bis zur 6. Größe wahr. Die genaue Auszählung der dem Haufen ange» hörenden helleren (Riesen.) Sterne ergab 173, deren mittlere Helligkeit jedoch außerordentlich klein ist und Dec Größe 16 17 entspricht Unter diesen Sternen entDedte Dr. Baade nicht weniger als 13 veränderliche, gleich 7u,n, sowie einen abseits stehenden. Sie gehören alle Dem ThpuS Der log Cepheiden an. d. h. veränderlichen Sternen, die von ihrem Hauptoeckreter, Dem Sterne Delta tm TMlbe des Eepheus, ihren Flamen tragen und eine kurze, sehr regelmäßig- Periode de» Licht Wechsels aufweisen. AuS der Helligkeit der 13 Hausen-Ber-
effieren, so sind eS in Diesem Winter bereits zwei Geldquellen. Die angeblich mit Leichtigkeit zum Fließen zu bringen seien. In unD um Scyotlen müht man sich um eine Erbschaft Reumann, im benachbarten Unter-Schmitten sucht man Den Rachlaß Des am 16. September 1760 in Ober- Schmitten geborenen Johann Peter 6 ch ö p p erlangen. Der um 1783 nach England ausge- toanDcrt ist und hier als reicher Grundbesitzer kinderlos verstorben sei. Wie in einer Inter- essentenversammlung zu Unter-Schmit len von zwei Frankfurter Herren mitgcieilt wurde, sei nur noch Die Sterdeurtunde herbeizuschallen, dann könnten die Reichtümer Schöpps verteilt werden. Und wirklich finden sich Leute. Die bereit find, die zur Ausfindigmachung Des Sterbeortes und Herbelschasiung der Sterbeur.unde' benötigten Gelder zu geoen, also ,gutes Geld an schlechtes hängen wollen".
Lx Ridda. 19. Ian. Wegen beabsichtigter Aufgabe Des Pferdefuhrwerks und Der Apsel- weinkelterei hatte ein hiesiger Gastwirt und Metzger eine größere Versteigerung von zwei Pferden, Wagen, lanDwirtschafllichen Geräten, Motoren und Fässern, Apfelwein u. Dgl. gestern anberaumt. Ein große Menschenmenge hatte sich cingefunDen, und man glaubte, daß Darunter sehr viele Steigliebhber wären. Doch erwies sich Diese Annahme balD als irrig. Fast alle waren Reugierige, Die kein Gebot abgaben. Die Gebote, Die auf manche Gegen- ftänDc gemacht wurden, waren so gering, daß fast nichts genehmigt tourDe. Rur curfnft neues Motorrad mit Beiwagen ging für 400 Mark an einen Steigerer über. Für zwei Pferde, etwa neunjährig und in gutem Zustande, wurden nur 400 Mark geboten. Gastwirte aus Frankfurt lobten den Apfelwein, Drei Doppelstück, kauften aber nichts. Der ganze Verlauf Der Versteigerung zeigte, daß bei allen StänDen die Kaufkraft infolge Der GelDknappheit sehr tief gefunden ist.
Ober-WiDDersheim, 19. Ian. Der Ri-dDatalsängerbund. Dem Die Gesangvereine von Schotten, RiDDa, Breungeshain. Ru- Dingshain, RainroD. Eichelsachsen. SichelsDorf. Ober- unD Llnterschmitten. Ulfa, Ginartshausen unD Ober-WiDDersheim angehören, hält am 6. Febr. seinen Delegiertentag in Ober- WiDDersheim ab, um Den Arbeitsplan für Das laufenDe Jahr festzulegen. Von Den BunDesvereinen veranstaltet Schotten im Juni einen Sängerwettstreit. Eichelsachsen feiert im glc chen Monat seine Fahnenweihe.
WER. E ch z e 11, 19. Jan. Die hiesige M o l - kerei-Genosfenfchaft, zu Der Die meisten Orte Der mittleren Wetterau gehören, kann auf ein außerordentlich günstiges Geschäftsjahr zurückblicken. Der Gefamtjahres- umsatz für 1926 beläuft sich auf etwa 600 000 Mk. Die tägliche Milchverarbeitung schwankte zwischen 7000 und 8000 Liter. Insgesamt gehören Der Genossenschaft über 430 MitglieDer an.
h. Aus Dem mittleren RiDdatal, 19. Ian. Ganz auffallenD rasch sink» in Den letzten Tagen in hiesiger GegenD Die Ferkelpreise gestiegen. Vor zehn Tagen konnte man noch sechs Wochen alte Tiere Das Stück für,20 Mark kaufen, jetzt werDen schon 30 Mark und mehr Dafür geforDert und auch bezahlt. Man vermutet, daß der milde Winter an dieser Erscheinung schuld ist, weil in früheren Jahren um diese Jahreszeit Infolge Der Kälte die Aufzucht Der jungen Ferkel noch sehr erschwert war.
|:[ Aus dem B l e i ch e n b a ch t a l, 19. Ian. Bei der gestrigen Holzoer ft eigerung, die für unsere Gegend die erste war, wurden in dem Stoll berg-Wernigerödischen Forstrevier sehr hohe Preise erzielt. Obwohl hier Gelegenheit ist. Kohlen zu erhalten, kam doch der Raummeter 1. Klasse Scheitholz durchschnittlich auf 18 bis 19 Mark und höher, der Raummeter 2. Klasse auf 12 bis 14 Mark und darüber. Angesetzt waren beide Klassen von der Forstoerwaltung auf 13 Mark. Alles andere besorgten die ©feigerer selbst. — Am 30. Januar wird das neue Schulhaus in Gelnhaar, dos jetzt endlich fertiggestellt ist, eingeweiht.
Kreis Schotten.
Q Laubach, 19. Ian. Am Montag und gestern fanden im ..Solmfer Hof" die beiden ersten Holzversteigerungen Des gräflichen Forstamtes statt. Am Montag wurde Holz aus den Distrikten Kreu s.e.ierberg, Alten-
änderlichen berechnete dann Dr. Baade die wahre Entfernung des Sternhaufens zu 19 000 Sternweiten,,, deren jede 30,8 Billionen Kilometer oder 3 26 Lichtjahren entspricht, Da ein Lichtjahr 9,46 Billionen Kilometer gleich kommt, ist also das in jeder Sekunde fast 300COO Kilometerzurücklegende Licht von jenem entlegenen Sternhaufen 62 000 Jahre unterwegs, bevor es bei uns anlangt. In dem Zustande, wie wir dieies Sternsystem heute erblicken, war es daher, als in Europa noch die Eiszeit herrichte und der Mensch noch ein höchst primitives Sa)ein führte. Don Interesse ist schließlich auch der Abstand des vereinzelten, etwa einen Viertel Dogengrad von dem Haufenzentrum entfernten Veränderlichen; er ergab sich zu 81 Stern- weiten oder 265 Lichtjahren. Da er zweifellos ein Mitglied Des ötetnbau ens ist, erkennen w.r tote ungeheuer weit in den Raum sich auch dieses Sternshstem erstreckt.
Schwimmende Nie^enhaushalte.
Die großen Passagierdampfer stellen heute schwimmende Hotels bar, Die gewaltige Mengen Don HaushaltungLgegenständen aller Art mit llch. fuhren. Wie bedeutend diese Mengen find, ergibt sich aus den Summen, Die zur Ergänzung in Das Budget der Schifjahrtslinicn eingestellt werden. So beträgt Die Summe, Die alljährlich auf sechs Dampfern Der englischen Cunard-Linie notwendig ist. um Die „verlorene' Wäsche. Glaswaren, Porzellan. Messer und Gabeln usw. zu ersetzen, gegen 2 Millionen Mark. Wieviel Davon Durch natürliche Abnutzung unbrauchbar wird und wieviel die Passag.ere durch ihre Rachläsfig- keit und Schuld vernichten, ist eine schwer zu lösende Frage. Die Klagen über Die . Zerstörungswut" Der Passagiere auf Den großen Dampfern nimmt immer mehr zu. Sin einziges Schiff Der White - Star - Line würde 115 000 Wäschestücke nach VollenDung einer Fahrt von Southampton nach Reuyork und zurück zum Waschen geben müssen, wenn nicht ein großer Teil Der Reinigung schon während Der Fahrt Bor- genommen würde. Die Teller. Gläser usw.. Die sich aus einem solchen Schiss befinden, befragen gegen 500 000 Stück, und mehr als Diese Menge wird Im Laufe eine« Jahre« zerbrochen. An Messern. Gabeln und Löffeln führt ein solcher schwimmender Rlefenhausholt 250 000 Stück mit sich, und 40 000 Davon müssen jährüch ersetzt werden.


