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Nothilfe Personenzi den. Die Heimwehr in S
Innsbruck vollzog sich heute nackt folgendermaßen: Um 2.15 Uhr marschierten auf dem Bahnhofsplatz Alpenjäger mit Maschinengewehren, Gebirgsartil- leris und eine Kompagnie Heimatwehr auf. Der Bahnhof wurde u m st e l l t und unter dem Schutze des Militärs rückten ungefähr 100 Gendarmen auf dem Bahnhof ein. Die Streikleitung sowie die Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes, die den Bahnhof bieder beseht gehalten hatten, zogen widerstandslos ab. In ähnlicher Welse vouzog sich die Besetzung aller übrigen Bahnhöfe des Landes vollkommen reibungslos. Bereits in den ersten Vormittagsstunden konnten mit HUfe der Technischen <n-'ltarc" ----' üge abgelassen wer-
) t e t e r m a r k hat ein Ultimatum gestellt, den Verkehr bis heute mittag 12 Uhr wieder aufzunehmen. Sie droht andererseits nach G r a z zu marschieren. Man rechnet ober damit, daß das Ultimatum verlängert wird. In Kärnten haben die sozialdemokratischen Arbeiter die Heimwehr entwaffnet.
In Blois wurden, der „HumanttL" zufolge, elf Soldaten feftgenommen, weil sie am 14. Juli a u f der Kaserne eine rote Fahne gehißt haben sollen. — Demselben Blatt zufolge weigerten sich in einem Reseroelager des 302. Artillerie-Regiments die Reservisten, einen Befshl des diensthabenden Offiziers auszuführen, wormrf der Befehl zurückgenommen mürbe.
Sritisch-japairifche Einigung in Genf.
Bedenken Amerikas.
Genf, 18. Juli. (Schweizerische Depesche nagen- fur.) Die Verhandlungen in der Macinekonferenz nehmen einen befriedigenden Fortgang. Die von der britischer. Delegation unterbreiteten Vorschläge bezüglich der kreuze r s c a g e sind, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, von der japanischen Delegation grundsätzlich angenommen worden. Die beiden Delegationen sind übereingekommen, daß jede Macht über die offiziell zugeteilke Tonnage an kreu- zem hinaus noch eine größere Anzahl Schiffe beibeyallen kann, die bereits die Altersgrenze überschritten haben. Dies würde der britischen Delegation erlauben, die von ihr geforderte Anzahl Leichter Kreuzer zum Schuhe des internationalen Handels des britischen Weltreiches zu erhalten. Großbritannien wäre unter diesen Umstanden bereit, bei einer Gesamttonnage von 500 000 Tonnen für Kreuzer und Zerstörer zusammengenommen zuzufrimmen. Japan würde auf Grund dieser Abmachung ungefähr 350 600 Tonnen an Kreuzern und Zerstörern zusammen erhalten. Die japanische Delegation hat ferner die britische Forderung angenommen, die Kreuzer von 10 000 Tonnen mit achtzölligen Geschützen und alle übrigen Kreuzereinheiien mit sechs- zölligen Kanonen auszurüften. Die Einigung in der krevzerfrage soll wesentlich erleichtert worden sein durch den Umstand, daß die britische Delegation die durch die insulare Lage Japans begründeten Ansprüche Japans in der Unterseebootsfrage grundsätzlich anerkannt habe. Es verlautet, daß die britische Delegation Japan grundsätzlich ungefähr die gleiche Anzahl Anterseebooke zucrkannt hat, als Großbritannien selbst beansprucht habe. Die diplomatischen Mitglieder der drei Delegationen traten heute nachmittag mit den militärischen Sachverständigen zu einer längeren Beratung zusammen, um zu der durch das englisch-japanische Aebereinkommen getzhafsenen Lage Stellung zu nehmen, von amerikanischer Seite werden dagegen noch eine Reihe von Bedenken gegenüber dem englisch-japanifchen Programm geltend gemacht. Die amerikanische Delegation lebnk die Vereinbarung, die Japan die gleiche Zahl von Unterseebooten zubilligt wie England, ab. ferner verlangt sie, daß die veralteten Kriegsschiffe nur mit einem ganz geringen Tonnagegehalt in das allgemeine Ton- uagekontingenk der Flotte eingerechnet werden. Sie lehnt weiter die Festsetzung der Schiffsgeschütz k a i i b e r für die Kreuzer ab und verlangt in triefet Frage völlige Freiheit.
Reseryiftenunruhen in Frankreich.
Paris, 19. Juli (WTB. Funkspruch.) Laut „Journal weigerten sich gestern in Cherbourg etwa 100 aus Paris kommende Matrosen der R e s e r v c, die für sie bestimmten Lastautomobile zu besteigen; sie zagen unter dem Gesang der Internationale und dem Rufe: „Gebt unseren Frauen Brot!" durch die Stadt. Zwei, die Matrosen begleitende, aus Paris stammende Eisenbahner wurden wegen Aufreizung von Militärpersoaen f e st g e- nom m e n. Bei dem einen wurde ein Paket mit antimilitaristischen Flugschriften beschlagnahm —
Eine ErMürunZ der Grotzpeutschen VoLKspartei.
Wien, 19. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die „Wiener Neuesten Nachrichten" melden: Die Ab- geordneten und der Parieivorstand der Gvoß- deutschen Volkspartei haben gestern in einer Vollsitzung zu den Wiener Ereignissen Stellung genommen. Der Parteivorstand spricht der Bundesregierung das volle Vertrauen aus und dankt der Sicherheitswachr für ihre Helden- müttge Pflichterfüllung. Weiter heißt es: Die volle Verantwortung für die so viele Menschenopfer fordernden Ereignisse trifft ausschließlich jene Kreise, die bisher eine hemmungslose Verhetzung weiter Bevölkerungsschichten gegen die Negierung und ihre Organe betrieben haben; sie trifft insbesondere den Bürgermeister von Wien als Landeshauptmann, der durch sein Versagen in entscheidender Stunde es verhindert hat, daß durch rechtzeitiges Einsetzen ausreichender Kräfte dem Blutbade vor- gebeugt wurde
Die österreichische Valuta.
Innsbruck, 18. Juli. (WTB.) Die Landes- regterung bringt in einem Aufruf zur Kenntnis, daß laut den bis auf den heutigen Tag reichenden amtlechen Meldungen der Kurs des Schil- 11 n g s l n Zürich v o l l st ü n d i g u n v e r- andert blieb und bemerkt dazu, in dem Fest- bleiven des Schillingkurses drücke sich das Ber- traucn des Auslandes aus, daß es gelingen werde den Aechtszustand in Oesterreich ausrechtzuerhai- ten und über öte augenblicklichen Schwierigleiten Hinwegzukommen. Es liege daher nicht der geringste Anlaß zur Beunruhigung ™ toerbc insbesondere vor überflüssiger Geldabhebung gewarnt.
Der italienische Polizeikommifsar am Brenner hat bekanntgemacht, daß der Oren 3 übertritt nach Italien seit Montag vormittag 11.30 Uhr f ü r Oe st erreichet, auch wenn sie ein Einreisevisum besitzen, gesperrt sei. Personen, welche auf der Einreise bestehen, müßten eine besondere Einreisebewilligung aus Rom abwarten.
In den MpenLänbern.
Innsbruck, 18. Juli. (WTB.) Die I n n s^ brucker Heimatwehr hat dem Rufe des Tiroler Landeshauptmanns äußerst zahlreich Folge geleistet. Heute früh fand ihre feierliche Angelobung statt. Sie versieht nunmehr den Ordnungs - und Sicherheitsdienst auch außerhalb von Innsbruck. Die Besetzung des Babnhofs von
Me rote Gräfin.
Zmn Tode einer irischen FreiheitshelLm.
Gräfin Markiewitz, die glühende irische Patriotin und kampffrohe Führerin im Kampf um die Freiheit der grünen Lkusel, ist im Krankenhaus zu Dublin xm den Folgen einer Blinddarmentzündung g e st 0 r b e n. Mit ihr, die man die „Rote Gräfin" genannt hat, ist eine der fesselndsten Gestalten tn der irischen Freiheitsbewegung vom Schauplatz der Ereignisse abgetreten. Selbst ihre erbittertsten politischen Feinde haben auch in den Tagen höchster politt- scher Erregung die Lauterkeit dieser von echtem Idealismus beseelten Patriotin anerkannt, die nicht nur mit unerschütterlicher Tatkraft im politischen Kampf stand, sondern auch mit Werktätiger Liebe und Opferfreudigkeit sich der Armen und Notleidenden annahm, die sie zu unterstützen nicht müde wurde. Diese Liebe für das Volk und die Aermsten der Armen teilte sie mit ihrer Schwester Eva, die sich auch als Dichterin einen« Namen gemacht hat. Schon als Bachisch schwärmte die jetzt Verstorbene für die alte Geschichte ihrer Heimat, an der sich ihre Kampfes- freude entzündete. Sie war die Tochter eines Baronets, Str Henry Gore-Booth, und die Schwester des gegenwärtigen Baronets 3osslyn Gore-Booth. Mit ihrem Vater und den Geschwistern kam sie regelmäßig zur Saison nach London und wurde hier auch bei Hofe'vorgestellt. Ihre Schönheit, ihr schlagfertiger Witz und ihre rünstleris >,en und poetischen Gaben gewannen ihr bald die Zuneigung der Gesellschaft. Später verbrachte sie drei Winter in Paris, wo sie ihr zeichnerisches Talent ausbildete. Sie machte hier gute Fortschritte, und in der Tat hat sie sich chater mit Erfolg als geschickte Malerin und vor allem als witzige Karikaturenzeichnerin belangt. 3n Paris lernte sie auch einen polnischen Maler, den Grafen Markiewitz, kennen, der in Paris ein Atelier hatte. Bald darauf wurde sie seine Frau.
Als gereifte Frau kehrte fie nach Irland ecfr iln 3ahre 1908 trat sie in die polnische Arena ein. und von dieser Zeit an stand Maoame Martiewitz, wie die Gräfin in Dublin genannt wurde, im Mittelpunkt des politischen Kampfes. Je länger sie in Dublin lebte, und je tiefere Emblicke sie in das unsägliche Elend nS 6cwann, desto energischer äußerte sich
ihr Wille, den Armen zu helfen und der Sache oer Freiheit eine Gasse zu bahnen. Daneben suchte sie das Elend, soweit es in ihren Kräften Ranö, zu lindern, und im Jahre 1913, dem ^0^ 063 LarttnstreikS, der über die Frauen unK?lnI>cr Arbeiter grenzenloses Elend heraufbeschwor, hat sie sechs Monate hindurch 600 Ander aus eigenen Mitteln Tag für Tag be- xomgt Empört uoer die britische Ausbeutungsund älnterdruckungspolitik war die Gräfin schließ- öu den Srnn-Feinem, der nationalistischen ^ampfparte', übertreten und focht hin- mer Obersten Reche der Feinde Eng- . ©tum auf die Festungswerke
opn Dublin in denen sich die Sinn-Feiner gegen die stürmenden britischen Truppen verteidigten, war die Gräfin die letzte, die sich übergab Als von. Kopf bis zu Fuß in Grün gekleidet, fd^.tt fie an der Spitze üdv 120 Mann, nachdem oje Verteidigung der von ihr gehaltenen Vo^° ->on unmöglich geworden /war, zrun Tor- ''pr Fe ung heraus utd übergab sich und ihr 2e ic" na.pem fie ihren Re-einer gekü t hat .- •
scheu Dank in der Herrengasse vorläufig em- , gerichtet. Durch die Vernichtung vieler Strafakten wr Iustizpalast sind auch viele Revisions- anträge gegen Urteile vernichtet worden. Die in Frage kommenden Verhafteten laufen nun Gefcchr, übermäßig lange in Haft zu bleiben. Die Regierung wird daher dem Rationalrat ein R 0 tgesetz vorlegen, mit dem alle noch unerledigten Straffachen einer beschleunigten Behandlung zugesührt werden. Das Gesetz dürste auchiieAufhepung derälntersuchungs- haft zulassen. Der Schaden, der durch die Un* ruhen der letzten Tage verursacht wurde, läßt sich nach Auskunft der amtlichen Stellen ziffernmäßig nicht angeben. Zum Glück ist es gelungen, die Registratur des Grundbuches unversehrt zu erhalten, so daß die Aussicht besteht, das neue Grundbuch bald wieder herzustellen.
Die Stellung Italiens. Maßnahmen an der Brenner Grenze. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 19. Juli. Die in der europäischen Presse aufgetauchte Nachricht über Jnterven- tiouspläne Italiens im Zusammenhang mit den Unruhen und dem Streik in Oesterreich ist zwar von amtlicher Wiener Stelle dementiert worden, und auch die Agenzia Stefani hat die Meldung von der italienischen Drohung, den Transitverkehr von Italien nach Deutschland unter militärischer Bedeckung erzwingen zu wollen, richtiggestellt, allerdings in einer sehr lahmen Erklärung. Richtig ist, daß nicht die italienische Regierung mit berf militärischen Intervention in Tirol gedroht hat, dafür hat aber das italienische Armeekommando am Brenner eine derartige Drohung in einer Verlautbarung des italienischen -Kommandanten in sei- | nem Korpsbereich ausgesprochen. Das Eingreifen der Tiroler Landesregierung in den Ver- kehrsstreik unter Hinzuziehung der Tiroler Heimatwehr und der Technischen Nothilfe zur Sicherung des Transitverkehrs ist darauf zurückzuführen, daß' man Mussolini auch nicht den gering st en Vorwand geben dürfe, billige Lorbeeren durch einen Einmarsch in österreichisches Gebiet zu ernten. Daß sich die Besetzung der Tiroler Eisenbahnen und die Aufnahme eines Notverkehrs reibungslos vollziehen konnten, ist ein Zeichen dafür, daß auch die j Führer der Sozialdemokratie in Wien die Gefahr : erkannt haben, die von feiten Italiens droht.
fie' zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt, nach einem Jahre aber bereits amnesttert.
In der Hast war die Gräfin nicht versöhnlicher geworden; |"V setzte vielmehr den Kampf fort und erlitt des öfteren erneute Gefängnisstrafen. 3m 3 ah re 1918 wurde sie als erste Frau in das britische llnterh aus gewählt, nahm aber ihren Parlamentssitz nie ein, weil, "sie dem Erbfeind ihres Landes keine Konzessionen machen wollte.
Die neuen Postgebühren.
Annahme der Borlage im Arbeitsausschuß.
Berlin, 18. 3uli. (Wolff.) Der Arbeitsausschuß des Derwaltungsrates der Reichspost begann heute die Beratung der neuen Post- gebuhrenvvrlage. Reichspvstminister D r. Schätzt hielt eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Es geht nicht mehr weiter an, daß die Reichspost für ihre gewaltigen Ausgaben 100 Prozent bezahlt und dafür Gebühren bezieht, die im Durchschnitt nur etwa 60 P rv- zen t des Friedenswertes darstellen. Der größte Teil des ungedeckten Bedarfes der Post ist durch die Erhöhung der Beamtenbesoldung, Mietpreissteigerung und Lohnerhöhungen erforderlich. Die Behandlung der Postgebührenordnung in der Oeffentlichkeit läßt den gerechten Maßstab vermissen. Auch Reichsbahn, 3ndustrie, Handel und Mittelstand haben inzwischen oftmals ihre Preise in ganz anderen Zahlengrößen erhöht. Man versucht, einen Keil zwischen mich und den Reichstag zu fretben. 3ch habe das Bewußtsein, nichts versäumt zu haben, was meine Stellung als parlamentarischer Minister vorschreibt. Der Reichstag wußte, daß per von ihm eingesetzte und hierfür zuständige 'Verwaltungsrat die Einbringung einer neuen Vorlage in kürzester Frist gefordert hatte. 3ch habe dem interstaktionellen Ausschuß und dem Hauptausschuh leinen' Zweifel darüber gelassen, daß ich aus zwingenden finanziellen Gründen die Vorlagen sobald wie irgend möglich einbringen müsse und werde. Dies erfordert die Finanzlage der Reichspost gebieterisch; jeder Tag des Wartens bedeutet für die Reichspost einen Verlust von 700 000 Mark.
Der Arbeitsausschuß hat dann die Gebührenvorlage der Post erledigt. Dabei hat er die Erhöhung der Ortsbriefgebühr für Orte mit über 100 000 Einwohner auf 15 Pf. abgelehnt, dagegen das Ortsbriefporto allgemein aus 10 Pf. (anstatt der vorgeschlagenen 8 Pf.) festgesetzt. Er hat ferner beschlossen, dem Plenum des Verwaltungsrats folgende wichtigeren Gebühren vorzuschlagen: Briese im Ortsverkehr bis 20 Gramm 10 Pf., Briefe im Fernverkehr bis 20 Gramm 15 Pf.; Postkarten im Ortsverkehr 5 Pf., Postkarten im Fernverkehr 8 Ps.; Drucksachen in Form einfacher Karten 3 Pf., Drucksachen bis 50 Gramm 5 Pf.; Geschäftspapiere, Warenproben und Mischsendungen bis 150 Gramm 15 Pf.; Päckchen bis 1 Kilogramm 40 Pf.
Für Pakete werden an Stelle der bisherigen drei Zonen fünf eingeführt. Erste Zone bis 75 Kilometer; Gebühr bis 6 Kilogranmr 50 Pfennig, für jedes weitere Kilogramm 10 Pfennig. Zweite Zone über 75 Kilometer bis 150 Kilometer; Gebühr 60 Pf., für jebes weitere Kilogramm 20 Pf. Dritte Zone über 150 Kilometer bis 375 Kilometer; Gebühr 30 Pf., für jedes weitere Kilogramm 30 Pf. Vierte Zone über 375 bis 750 Kilometer; Gebühr 80 Pf., für jedes weitere Kilogramm Q Vs. Fünfte Zone über 750 Kilometer; Gebühr 80 Pf., jedes weitere Kilogramm 50 Pf.
3m Postscheckverkehr sollen die Gebühren betragen: für Einzahlungen mit Zahlkarte bei Beträgen bis 10 Mk. wie bisher 10 Pf., von mehr als 10 Ml. bis 25 Mk. 15 Pf., von mehr als 25 Mk. bis 100 Mk. 20 Pf., von mehr als 100 Mk. bis 2d0 Mk. 25 Pf. 3n den folgenden Stufen bis 1250 Mk. bleiben die Gebührensätze unverändert. Die -Uebertoeifungen von einem Konto auf ein anderes bleiben gebührenfrei. Die Ausza.i.ungsgebühren bleiben unverändert. Die Wortgebühr für gewöhnliche 3nlandstele- g ramme soll im Ortsverkehr 8 Pf., im Fernverkehr 15 Pf. betragen.
Kleine politische Nachrichten.
Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n ist in Bad Wildüngen, wo er seinen Urlaub verbringen will, eingetroffen.
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Nach einem Beschluß des preußischen Staatsministeriums sollen Ernennungen und Beförderungen , die um die Zeit des Verfassungstages liegen, in Zukunft gesammelt werden und am Verfassungstage erfolgen.
Die preußische Llittsdrichtsverwaltung hat an den Reichsminister des 3intern einen Protest gerichtet, der sich gegen die Ausschließung der Unterrichtsverwaltungen der Länder bet der Vorbereitung des Reichsschulgesetzes richtet. Die ^Interrichtsverwaltungen den Lander sind inzwischen in Beratungen über die Frage eingetreten, ob der Reichsschulgesetzentwurf als verfassungsandernd anzusehen ist oder nicht.
Der Gouverneur des Memelgebiets gibt als Termin für die Reuw ah len zum Landtag den 30. August bekannt.
Aus -atüer Welt.
Nene Wolkeubrnchkatastrophen in Tachscn und Schlesien.
Montag abend um 18.30 Uhr ist über Berggießhübel ein neues heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigen Regenschauern niedergegangen. Innerhalb weniger Minuten stieg die Gottleuba erneut von 55 Zentimeter auf 1,30 Meter. Die ge- famtc innere Stabt ist erneut überschwemmt. Die Rotskeae und Rotbauten wurden ;um Teil weg- gerissen. Die Erregung der Bevölkerung ist aufs äußerste gestiegen. Gegcmvärlig ist das Wasser im langsamen Sinken begriffen. Die Gefahr einer Epidemie besteht nirgends. Alle erforderlichen Vorfichlsmaßregeln sind getroffen. Auch über das sa)lcsi;che Eulatal ist am Sonntag ein neuer furchtbarer Molkenbruch niederaegangen, dessen Folgen die unheilvolle Katastrophe vom 9. Juli bedeu- »enö übertrefjen. Biele Baulichkeiten sind vollständig venchwunden. Aus einem Hause in Obereulau. das muicn in den Hochfluten stand, konnlen die Insassen nur mit Leitern gerettet werden. Ein Haus in Eulmr, das beim erflcn Hochwasser teilweise zerstört wurde, -.st v 0 l l ft ä n b i g verschwunden. Eine
Papierfabrik wurde zum größten Teil w e g gerissen. Der obere Mauerdamm des Eulaubaches ist vollkommen zerstört. Im Bodenbacher Stadtteil Schmelze muhten die Bewohner den Weg über die Dächer nehmen. Die Ortschaft Böhmen gleicht einem Steinhaufen. Das Los der betroffenen Gemeinden ist verzweifelt.
Die deutschen Schützen an den Reichspräsidenten.
Bei dem in der Münchener Kongreßhalle abgehaltenen Münchener Abend des Deutschen Dundesschießens gab Oberbürgermeister Scharnagl unter stürmischem 3ubel der Versammelten folgendes Begrüßungstele- g r a m m an den Reichspräsidenten be-annt: „Dem hochverdienten Präsidenten des Reiches, dem hohen Protektor des 18. Deutschen Bundesschi eß ens in München, senden Tausende deutscher Schützen aus allen Gauen des deutschen Sprachgebiets ergebenste Grüße mit der Zusicherung, in unverbrüchliche rTreuezur deutschen Heimat zu stehen, für sie zu arbeiten und alles daran zu setzen, die Rot der ^Ration und der Volksgenossen durch einiges Zusammenstehen zu überwinden. Festleitung des 18. Deutschen Bundesschießens: Oberbürgermeist'r Scharnagl."
Begeisterter Empfang Set Ozeauflieget In Neuyork.
* Die Ozeanflieger, an ihrer Spitze CH am - berlin und Byrd, find in Reuyork festlich empfangen worden. Oberbürgermeister Walker und Staatssekretär Wilbur fuhren den Flie- gern, von Lindbergh begleitet, entgegen. An Dord der „Leviathan" fand die erste Begrüßung statt. Auch die deuffche Fliegerin Thea Rasche wurde herzlich willkommen geheißen. Unter ' Sirenengeheul und Wasserfontänen der Feuerlöschboote ging die Fahrt zur Dottery. Ein Ehrensalut von neun Schüssen wurde abgefeuert. Es folgte eine riesige Parade unter Teilnahme aller Reuyorker Truppen den Broadway hinauf bis zur City Hall. Die Straßen waren ^^warz von Menschen. Der Oberbürgermeister hielt die Begrüßungsansprache und überreichte den Fliegern Erinnerungsmedaillen. 3m Ramcn der Ozeanflieger sprach Byrd Dankeswvrte. Unter ' den Flaggen, Die auf der City Hall wehten, wutde neben der französischen auch zum ersten Male die schwarz-rot-goldene Reichsflagge . gezeigt. Chambertin hat nochmals in bewegten Worten für die herzliche Aufnahme Tn Deutschland seinen Dank ausgesprochen.
könnecke fliegt von Berlin nach Washington.
Die „Tägl. Rundschau" erfährt vo bcst- unterrichteter Seite: 3n kürzester Zeit wird das Ozeanflugzeug der Rohrbachwerke zum Ozeanflug startbereit sein. Wegen der Gewichtserleichterung ist der Anstrich weggelassen Der Führersitz wurde überdacht. Die vom Rumpf nach den Tragflächen führenden Spannkabe' wurden durch besonders starke ersetzt. Die „Rohr bach-Roland" soll von dem Piloten K ö n n e ck < gesteuert werden. Damit der Flug in aller Stillc durchgeführt werden fann, soll der Apparat nachts von Staaken zum Tempelhofer Flugplatz abgerollt Wersten. Man rechnet mit dem Start ßum Fluge Bettln — Reuyork — Washington bereits für einen der nächsten Sage.
Das Erdbeben In Palästina.
Nach dem amtlichen Bericht über das Erdbeben in Palästtna und Transjordanien haben in Palästina 200 Personen den Tod gefunden, während 356 schwer und 375 leicht verletzt touroen. Die Zahl der schwer beschädigten Häuser im ganzen Land wird auf 1000 geschätzt. Der Re- grerungspalaft hatte etwas gelitten, doch find im allgemeinen die ösferttlichen Gebäude wenig beschädigt worden. 3n Tr a nsj 0 r d a n i e n zählt manx67 Tote und 170 Verletzte.
Schwere Unglücksfälle in Holland.
Auf der von Smilde nach Meppel führenden C-l-aussee fuhr ein Auto gegen einen Baum und stürzte in bas dicht dabelliegende Wasser der Smildevaart. Alle fünf Insassen ertranken. Auch auf der von Leyden nach Hillegom führenden Chausiee ereignete sich ein schweres Autounglück. Als der Chauffeur eines in schneller Fahtt befindlichen Personenautos einer Radfahrerin ausweichen wollte, fuhr das Auw gegen einen dort liegenden Stapel Kanalisationsröhren, überschlug sich und wurde zertrümmert. Eine junge Dame wurde g e = tptet, während die drei anderen Insassen schwer verletzt wurden. Die Radfahrerin erlitt gleichfalls schwere Verletzungen.
Eröffnung des deutsch-norwegischen Luftverkehrs.
Der deutsch-norwegische Luftverkehr ist eröffnet worden. Damit ist auch der dritte Staat Skandivaviens an das mitteleuropäische Lustverkehrsnetz ang-eschlossen, nachdem nach Kopenhagen und Stockholm seit langem Luftwege von den deutschen Flughäfen aus führen. Die Deutsche Lufthansa befliegt die Strecke Berlin — Stettin mit Landslugzeugen und zwischen Stettin und Oslo mit Zwischenlandung tn Kopenhagen und Gotenburg mit Dorni er-Wal- Flugbvvten.
Fünf Waldarbeiter vom Blitz getrpssen.
Der Blitz schlug bei Schwerin an der Warthe in eine Gruppe von Waldarbeitern. Zwei wurden schwer, drei leicht verletzt.
Großfeuer im Aschaffenburger Hasen.
3tn Zvllschuppen des neuen Aschaffenburger Hafengeländes im Dorort Leider entstand aus bisher noch unaufgeklärter Ursache ein großes Schadenfeuer, das an den dort lagernden Woll- und Lumpenbeständim, einer Sackhcmdlung gute Rahrung fand. Die Aschaffenburger Feuerwehren sowie mehrere Fabrikivehren hatten drei Stunden zu tun, um des Feuers Herr zu werden. Der mittlere Teil des Schuppens ist völlig ausgebrannt, während die beiden durch Detonwände abgetrennten Seitenflügel gerettet werden konnten. Der Schaden ist sehr beträchtlich und soll nicht durch Versicherung gedeckt sein.
Romersunde bei Aernkabcllegung.
Das von Berlin bis Rom führende Kabel für den direkten Telephonoerkehr zwischen Deutschland, der Schweiz und Italien wird zur Zeit auf dem badischen Gebiet bei Donaueschingen verlegt und restauriert. Das Kabel enthält 196 Drahte und umfaßt etwa 2000 Kilometer Erdstrecke. Da das Kabel'an der alten über Schaffhausen führenden Röm er st raße entlang läuft, sind bei1 den umfassenden Erdarbeiten bereits sehr zahlreiche Funde aus der Römerzeit gemacht worden. Auck jetzt sind Erdarbeiter wieder auf ein altes römische- Bauwerk bestoßen. Es handelt sich bei den Funde" allem Anschein nach um die Fundamente eine alten römischen Kastells. Die Grabungen lverden unter größter Vorsicht fortgesetzt.


