Ausgabe 
19.1.1927
 
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Nr. 15 Erstes Blatt

177. Jahrgang

Mittwoch, 19. Januar 1927

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Cretf un6 Derlcg: viM'schc Unioerfitäts-Bud). und Stebi6ni<fertl R. Lange in «iefteit. Sdjrfftlettnng uni> Seschästrstelle: SAuItraHe 7.

r|d)eint lägt ich, außer Sonntags und gcirrtage

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Vletzener Familienblätter ßtimal tm Bild

Die Scholle

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Dr Frredr Wilh Lang«. Verantwortlich lür Dolutfc Dr 3"1 Wilh Lange, für Feuilleton Dr h Ihgriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumlchein- für den An» zeigenteil i. Bertr H. Dech, lümtlich m Gießen

Englische Truppentranspotte nach China.

L o n b o n, 18. San. (XU.) Aach Meldungen auü Schanghai ist da- von der ausländischen Kolonie angeiorderte Truppenkontingent von 4 0 0 0 Mann gelandet worden. 3n mllitärischen Kreisen wird jedoch erklärt, das; mindestens 25 000 gut ausgerüstete Truppen er­forderlich seien, um Im Falle eines ernsthaften bewaffneten Angriffe» die ausländischen Konzessionen mit Erfolg verteidi­ge n zu können.

71 ad) Dlältermeldungen sind 2 Dampfer von je 10 000 To., die in Southampton liegen, von der Regierung für Truppentrans­port« nach Thina requiriert worden und werden am 26. bzw. 29. Januar in* See geben Tausend Marinefoldaten haben Befehl erhalten, sich zur Abreise nach China in Be­reitschaft au halten Aus Malta wird berichtet, daft daS HospitalschissMaine" dem nach China beorderten ersten Kreuzergeschwader binnen kur­zem folgen wird.

Der Beschluß des britischen Kabinetts.

London, 18. Ian. (Wolff.) Lieber den gestrigen Kabinettsral ber chtcn die Blatter: Es ist -war keine Aenderung der ch.nesischen Politik der Regierung beschlossen worden, kei­nesfalls aber soll gegenüber Gewalttätigkeit oder Drohung nachgegeben werden. Es ver­lautet. das; Chamberlain erklärt habe, seit dem letzten Kabinettsrat habe sich kein Zwischen­fall ereignet, der die Lage verschlechtere, wenn fie auch nach wie vor ernst sei. Der Staats­sekretär für Indien, Lord Birkenhead, der Kolonialminifter Olmert) und andere Minister, die gegenwärtig außerhalb Englands weilen, kehren in den nächsten Tagen nach London zu­rück. ES ist -war keine allgemeine Einberufung erfolgt, aber die Mitglieder deS Kabinetts wün­schen naturgemäß bei den Beratungen zur Ver­fügung zu stehen.

An maßgebender Stelle wird darauf hinge­wiesen. daft alle Bewegungen von Flotten-, HeereS- oder Luftstreitkräften, die etwa vor- genvmmen werden könnten, nur zur Durchfüh­rung der von der britischen Regierung befolgten Polttik deS Schuhes britischer Staats­angehöriger zu dienen bestimmt sind und nicht irgendwie als eine Angriff-Handlung auS« gelegt werden dürfen. CS wird für möglich ge­halten. dah man einer ganzen Anzahl der von der Kantonregierung gehegten Wunsche wird entsprechen können, aber es ist selbstver­ständlich, daß ein Sich-Beugen vor Drohungen und Gewalttätigkeiten nicht möglich ist.

Die amerikanischen Truppen bleiben in Nicaragua.

London. 18. Ian. (Sil.) Rach der heutigen Kabinettssihung wurde von unterrichteter Seite erllärt, dah die amerikanischen Trup- ven in R ica r a gu a bis zur Wiederherstel- luna der Ruhe und Sicherheiten für die ameri­kanischen Interessen im Lande verbleiben werden. Die Anwesenheit der arncrikanischcn Truppen in Ricaragua habe viel Blutvergießen verhindert. Der Führer der demokratischen Se- natsgruppe R o b i n s o h n hat eine Entschlie­ßung eingebracht, die sich für die schiedsge­richtliche Erledigung des Erdöllonfliktes mit Meprko ausspricht. Robinsohn erklärte, die Entschließung werde von Senator Boroh und von dem einflußreichen Mitglied des Auswär­tigen Ausschusses, dem demokratischen Senator G w a n s o n, unterstützt.

Vie polonisierung Danzigs.

Eine Polnische Tprachcn-Berordnung für die Danziger Eisenbahner.

Danzig. 18. Ian. (WB.) Rach der ..Dan­ziger Cisenbohnerzeitung' hat das polnische Ber» keyrsministerium eine Verordnung für das Ge­biet der Stadt Danzig erlassen, wonach alle Be­diensteten, welche in Ausübung ihres Dienstes mit dem Publikum in Berührung kommen, ins­besondere das Zugbegleitungspersonal und die Stationsschaffner. sowie die Dedienstetcn in der Fahrkartenausgabe, zum 1. Januar 1928 über solche Kenntnisse in der polni­schen Sprach« Verzügen müssen, daß sie sich mit dem Publikum mündlich verständigen können. Don allen übrigen Bediensteten wird der Rach- weis solcher polnischen Sprachkenntnisse bis zum 1. Juli 1928 verlangt. Bon einem Teil des Per­sonals wird ferner bis zum 1. Januar 1929 die Fähigkeit zu schriftlicher Berstän- bigung in polnischer Sprache verlangt. Rach Ablauf dieser Fristen soll durch eine be­sondere Prüfung der Rachweis der verlang­ten Äenntniffe erbracht werden.

Die Dölkerbundsuntersuchung in Oberschlesien.

Berlin, 19. Jan. (SIL) Der Direktor der Mrnderheitensektion im Bölkerbundssekretariat, Eolban, hat heute weiter in Deutsch-Ober- fdjlefien eine Reihe von Minderheits- ichulen besichtigt unb auch verschiedenen industriellen Werken einen Besuch ab- geftattet Man nimmt an. daß der Völkerbunds- Vertreter nach seiner Rückkehr aus Warschau auf

Der Kampf um Geftler.

Der Reichswehrminister und die Demokratische Partei.

ES muß eigentlich keine reine Freude bedeu­ten, demokratischer Minister zu sein: die Demo­kraten haben Immer entscheidendes Gewicht daraus gelegt, in allen verantwortlichen Stellen über ihre zahlenmäßige und ihre politische 'Bedeutung hinaus vertreten zu sein. Wenn sie aber dann ihre Vertrauensmänner in die Ministerien ent­sandt hatten, schien es einem Teil ihrer Presse die wichtigste Ausgabe, diesen selben Derlrauens- männern den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Das hat jüngst noch der RcichS- innenminifler Külz erfahren, der in seiner eigenen Partei der bestgehaßte Mann ist. das lernt jetzt auch Herr Dehler kennen, der ja eigentlich schon seit Jahren Minister gegen seine Partei ist. Kein Wunder, daß ihm wieder­holt die Lust verging, gegen solche unterirdi­schen Wühlereien anzukämpfen. und daß er des­halb mehr als einmal bereits im Degrisf stand, sein Ministerium den Demokraten zurückzugeben. Er hat sich immer wieder bestimmen lassen, seine Rücktrittsgedanken aufzuqeben und auch jetzt wieder, wo er noch vor Wochen erklärte. daß er bei der Reubildung des Kabinetts aus-ufcheiden gedenke, ist er auf Wunsch deS Reichs­präsidenten bereit, die Verantwortung für die Reichswehr länger zu tragen. Sehr zum Mißvergnügen seiner eigenen Partei, die ihn sehr gerne absägen würde, gegen die er sogar einen Sonderkrieg führen muß.

AusgangSvunkt di.'ser Fehde ist ein Artikel, den General R e i n h o r dt , e^e naU als KriegS- minister gerade bei den Parteien der Linken besonders angesehen, über die Stellung der Parteien zur Reichswehr verössentlicht hat. Dieser Artikel war freillch für di« Demo­kraten sehr unbequem, er machte ihnen den Vor­wurf des uferlosen Pazifismus und sprach sein Bedauern darüber aus, daß alle republikanisch eingestellten Leute daS rückhaltlose Be­kenntnis zur LondeSverte idigung nur zu oft vermissen liehen. Die demokratischen Führer haben diesen Eingriff auf sich bezogen und mit geharnischten Protesten geantwortet, sie ha­ben sich aber mit einer öffentlichen Abwehr mcht begnügt, Herr Dr. Koch hat vielmehr sich hin- gesetzt und einen entrüsteten Schreibebrief an seinen Partefreund Gehler gerichtet, worin er die Disziplinierung die'es Generals verlangte. Er hat damit kein Glück gehabt. Herr Gehler hat seinen Untergebenen gedeckt, und es scheint sogar, dah der Artikel, der so viel Staub auf- trirbelte, in die Zeitung gekommen ist, ohne dah dem Verfasser davon etwas bekannt war. Das mag General Reinhardt mit seinem Minister ausmachen, politisch das Entscheidende ist jeden­falls, daß Herr Gehler die Verantwortung für die Veröffentlichung des Arii.els übernimmt, ohne sich freilich mit allen Einzelheiten einver­standen zu erklären. Er weist mit Recht darauf hin, dah in dem Brief die Gefühle des Mili­tärs, noch dazu eines Militärs, der anerkannter Maßen zum neuen Staat positiv ein­gestellt ist. zum Ausdruck komme.

(Be'glers Bries.

Berlin, 18. Jan. (SIL) Die Antwort des Reichsminister Dr. Gehler auf den Brief des demokratischen Por.ekvorsitzenden, Minister a. D. Koch, in Zusammenhang mit dem Artikel des Generals Reinhardt über den Horresersatz lautet:

»Sehr geehrter Herr Koch!

3n Erwiderung auf Ihr Schreiben vom 10. ds. Mts. beehre icy mich, Ihnen folgendes mit­zuteilen: Die Frage des Heeresersayes beschäftigt seit Monaten die deutsche öffentliche Meinung auf das lebhafteste. Zahlreiche Federn Sachverständige und andere Haven sich mit der politischen und technischen Seite des Problems beschäftigt. Der Chef der Heeres­leitung hat zur Klärung Berichte der verant­wortlichen Befehlsstellen eingefordert. Auch Ge­neral Reinhardt hat einen solchen Bericht erstattet. Da er sich hierbei auch mit der p o- litischen Seite der Werbung besahte, wurde

der Rückfahrt nach Genf in Berlin Station machen wird, um hier beim Auswärtigen Amt und bei den anderen in Frage kommenden preußi­schen und Reichsbehörden einen Besuch zu machen.

Die militärische Bedeutung des Korridors.

Paris. 19. Jan. (WSB. Funlspruch.) In einer Polemik, dieOeuvre" gegen den natio­nalistischenAvenir" in bezug auf die Frage der vorzeitigen Rheinlandräumung führt, heißt es: »Königsberg vom übrigen Deutschland abzukren­nen. ist eine absurde Lösung. Diesen Dan­ziger Korridor hat ein französischer Ge­neral, dem Polen viel verdankt, wie folgt be­urteilt : Unnütz tn Friedenszeiten und nicht zu verteidigen in Kriegszeiten.

Volksabstimmung in Eupen und Malmedy gefordert.

Paris. 18.3an. (WTB.) Wie der »In­formation" aus Brüssel berichtet wird, ist in den Kantonen Eupen und Malmedy eine Be­wegung zwecks einer wirklichen Volksabstim­mung im Gange. Die Regierung sei deshalb

ich ersucht, di« Veröffentlichung zu ge­statten. Ich hab« diese Genehmigung erteilt, ohne an dem Artikel irgendeine Zensur zu üben, zu­nächst aus grundsätzlichen Erwägungen. Ich wollte in einer Frage der allergrößten Bedeutung für die Entwicklung des Heeres di« Arme« nicht mundtot machen. Scau erschien der Bericht deS Generals Reinhardt besonder- geeignet Denn er stammt von einem Offizier, dem, tote Sie wissen, jeder Mihbrauch der Reichswehr zu ver­fassungswidrigen oder reaktionären Zwecken fem- liegt. Ihm liegt vielmehr die Herstellung der Volksgemeinschaft in den Fragen der nationalen Verteidigung ganz besonders am Herzen.

Er wird auch in weiten Kreisen der Links­parteien ju den Führern der Reichswehr ge­rechnet, die dem neuen Staate gegenüber aktiv und positiv eingestellt sind. Dadur chbekommt sein Bericht als Stimmungsbild aus der Reichs­wehr eine besondere Bedeutung.

Seine unveränderte Veröffentlichung erich.en mir deshalb auS staatspolitischen Gründen richtig. Daß dabei die Erörterung parteipoliti­scher Verhältnisse sich n cht vermeiden lieft, lag in der Ratur des Themas, da ja der Reichswehrwerbung einseitige politische Tendenz oorgetootfen wird.

Daft der Artikel nicht ohne Widerspruch blei­ben würde, war mir klar. Denn der Soldat stellt auS feinem BerufSethos heraus an die Vertretung des Wehrgedankens Ansprüche, die der Politiker nicht immer erfüllen kann, die er aber in dem Kamps um die Seele der Reichs­wehr nicht aufter Licht lassen darf. Der Artikel hebt ausdrücklich hervor, daft der Verfasser der Auffassung ist, daft die Angehör.gen der Links­parteien selbstverständlich wie die Verfassung, so auch die Grenzen ihreS Vater­landes mit voller Hingebung ver­teidigen werden. Aber er ist der Auffassung, daft in der Pflege dieser Ideale, in der Haltung Ihrer Parteien Widersprüche und Lücken bestehen, die in der Armee das Bckd erzeugen, da« er geschildert hat.

Diese Auffassung ist mir selbst oft ent­gegengetreten. Soweit ich konnte, habe ich mich bemüht, sie auf daS berechtigte Maft zu­rückzuführen, indem ich allen Heeresstellen all­jährlich die amtlichen Berichte über die Reichs- tagsverhandlungcn zum Heeresetal zugehen lieft. Dadurch ergibt sich die grundsätzliche Stellung der demokratischen Partei in dem Sinne einwand­frei, die Sie in Ihrem Briefe hervorheben.

Daneben gibt es aber sehr viele fUcufterungen in der Oefjenllichkeit, und zwar von Leuten, die sich als besonders berufene Interpreten repu­blikanischer und demokratischer Weltanschauung ausgeben, die eine absolut entgegengesetzte Lin- Heilung ergeben.

Und Ihre eigenen Aus.ührungen auf dem Partei­tag in Breslau, die Sie in Iyrem Bries zitieren, sind ein Beweis dafür, denn sie wurden ja durch Bekämpfung von Strömungen im Lager der deut­schen Demokratie iwtwcndrg. die vielleicht keine gtofte Gefolgschaft haben, aoer sehr laut auf­treten und in eir.fluftrcidjen Organen zu Worte kommen.

Daraus erklärt sich, daß Stimmungen und Auffassungen, wie sie im Artllel des Generals Reinhardt zum Ausdruck kommen. immer wieder neue Rahrung finden. Sie haben an der tem­peramentvollen Darstellung dieser Stimmung in dem Aufsatz scharfe Kritik geübt. Aber ich weift bestimmt, daß Sie irren, wenn Sie glauben, eine Verunglimpfung der demokratischen Partei­führer habe im Sinne des Verfassers gelegen. Mir kam es darauf an, durch eine offene Aussprache z u einer Klärung und zur Verständigung zu kmmen. Ich würde es aufrichtig beklagen, wenn dieser Zweck vereitelt würde. Diesen Brief bitte ich zugleich als Ant­wort auf Ihren Offenen Dries zu betrachten.

Wit besten Grüften

gez. Dr. Geftler."

geneigt demnächst eine offizielle Erklärung ab­zugeben. die sich auf diese Bewegung beziehe. Man glaubt zu wissen, daft die Regierung sich aussprechen würde, daß die Frage endgültig geregelt sei und kein Grund vorliege, daraus zurückzukommen.

Das Kabinett hinter Briand.

Paris, 18. Ian. (TU.) Nach dem heutigen Ka­binettsrat erklärte Briand gegenüber der Presse, haft basÄabinett völlig einig sei. Driand fügte hinzu, daß man von einem Zwiespalt nur in einer Sfien Presse spreche und erinnerte daran, daß ts bei der Budgetdiskussion in der Kammer eine außenpolitische Debatte ftattgefunben hat. Auch vor dem Senat füllte die Außenpolitik erörtert werden. Da aber das Kabinett damals der Meinung war, daß keine Zeit zu verlieren sei, sei die Senatsdebatte verschoben morden. Er werde aber die öffent­liche Aussprache in erster Linie vor dem Senat her­beiführen. Es gebe in ber Geschäftswelt eine Kate­gorie von Leuten, für die Ruhe im Innern und Sta­bilität der Regierung einer Schließung eines Spiel- Hauses gleich komme. Nichtsdestoweniger würde er im Einvernehmen mit dem Ministerpräsidenten Poincars und dem ganzen Kabinett morgen vor

Lin zweites Schreiben Koch?.

Aus diesen Dries deS Reichswehrministers an den Vorsitzenden der demokratischen ReichStags- fraltion Koch hat dieser mit einem Schreiben an den Reichswehrminister geantwortet, dem daS Rachrichtenbureau des VDZ. folgendes entnimmt: »Es gibt feine maßgebenden Kreise in der Par­tei, die der Reichswehr feindlich gegenüberftän- den. Es gibt allerdings Kreise, die Ihrer Tätig­keit in der Reichswehr nicht immer Billigung gezollt haben." Rach einem Hinweis darauf, daft die Ausführungen Kochs tn Breslau zur Frage des Pazifismus in erster Linie deswegen gemacht wurden, um Angriffe, wie die jetzt von General Rheinhardt erhobenen, zurückzuweisen und daft seine Haltung auf dem demokratischen Parteitag ausdrücklich einstimmig gebilligt wurde, heißt eS in dem Brief toeiter: .In dem Artikel des Generals Reinhardt sind die Vorwürfe gegen die demokratische Partei und ihre Wortführung unterschiedslos gerichtet. ES wird ausdrücklich zwischen Ihnen, Herr Geftler. und allen anderen Wortführern der Partei einStrichgezogen. Sie wissen aber ebensogut wie wir, mit welcher Treue wir in schwersten Stunden an Ihnen fest- gehalten und Sie gestützt haben, wie sehr wir unS jederzeit bemüht haben, überlaute Stim­men der Kritik einzudämmen und wie entschieden wir uns in allen amtlichen Verhandlungen trotz . mancher Bedenken gegen ihre Politik auf Ihre Seite ge ft eilt haben. Ich bedauere, daft Sie trotzdem diese einseitige und falsch« Darstellung über unS alle haben passieren lassen. Wenn es Ihre Absicht gewesen ist, unS anzuhalten, einen Kamp, um die Seele der Reichswehr zu führen, so ist unS dieser Kamps durch diesen Artikel gan- gewiß nicht erleichtert. 3m Gegenteil. eS werden zahlreiche Angehörige der Reichswehr den Ar­tikel deS General- Reinhardt und die kommen­tierenden Stimmen der Rechtspresse lesen und glauben, sowie zu irrigen Meinungen hingesührt und unS entfremdet werden. Es wird mühsamer und großer Anstrengungen bedürfen, um diesen Eindruck wieder zu verwaschen."

Reichswehrministerium und Regierungsbildung.

Berlin, 19. Jan. (Wolsf) In mehreren Blättern wird zu der Frage Stellung genommen, ob die Besetzung deS ReichSwehrmini- st er i u m S für das Zustandekommen einer Re­gierung der Mitte mit Tolerierung durch die Sozialdemokraten von aus­schlaggebender Bedeutung sei. Der .Lokalanzei- ger" will wissen, daft die sozialdemokratischen Führer, tote sie eS in Unterredungen mit Zen­trumsvertretern zu verstehen gegeben haben, gegenüber dem Reichswehrmimster Dr. Geftler o i e .W anzentaktik deS Sichtot st ei­le n s" beabsichtigen. D.e .Tägliche Rund­schau" bemerkt in einem Kommentar zu dem Briestoechsel Geftler-Koch, daft eS Sache der demokratischen Fraktion sei, tote sie sich mit dem Vorgehen des Reichswehrministers absinden wolle. Die anderen Fraktionen würden keine Veranlassung haben, dazu Stellung zu nehmen. Man könne annehmen, daft auch das Zen­trum auf diesem Standpunkt stehe. Die Frage der Person deS künftigen Reichswehr­ministers nennt die .Germania" eine große Schwierigkeit, die durch den veröffentlichten Briefwechsel nicht einfacher geworden sei. In verantwortlichen parlamentarischen Kreisen könne man sich aber dennoch nicht vorstellen, daß an einer einzelnen Personenfrage das ganze Werk der Rekonstituierung der Reg erung scheitern könnte. Dem Zentrum sei es jedenfalls ernst um die Arbeit an der Regierungsbildung. Der .Vorwärts" berichtet über eine Stellungnahme der Berliner sozialdemokratischen Parteifunllio- näre gegen Geftler. Rach einem Reserat deS Reichstagsabgeordneten Dittmann und einer Dis­kussion sei einstimmig eine Resolution angenonv

dem Kammerausschuß für auswärtige Angelegen» beiten und in einigen lagen vor dem Senatsaus» schuß für auswärtige Angelegenheiten das Erposö über die auswärtige Lage abgeben. Innenminister 2 a r raut bestätigte seinerseits die Erklärung Briands und betonte vor allem, daß entgegen den Pressenachrichten in allen Punkten zwischen den Regieningsmitgliedem vollkommenes Ein­vernehmen herrsche.

Die Stellung

der italienischen Hochschullehrer.

Rom, 18. Ian. (WTB.) Rach demImpero" tritt demnächst in der Rechtslage der Universitäts­professoren eine Aenderung ein. Ein Heues Dekret erfordert Befugnisse des Unterrichts­mini st ers bei der Lehrstuhlbesetzung. Ferner wird verlangt, daft die Prozessoren einen Eid leisten, durch den sie sich verpflichten, ge­heimen Gesellschaften auch in Zukunft sernzu- bleiben, ebenso politische Parteien zu meiben, welche faszistenfeindlich sind. Endlich wird bestimmt, daft ilntoeriitütgptDfeiferen aus politischen Gründen entlassen wer­den können.