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Kameraden.

Roman von 8*11$ Moeschlla.

Copyright by dort Duntftr, Berlin W 62.

16 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ach, war haben wir nicht alles gemacht. Ich habe kürzlich mit Vergnügen im Bremer Museum die instruktive Sammlung angeschout. al, ich in Ihrem Auftrage die nicht sehr erquickliche Be­sprechung mit unserem Vertreter in Oslo hatte. Da gibt « Stoffe aus Schilf, au» Tors, au» Papier, Seetangfasern, ijanf al» Doüersotz. Brennesielfafer, lLiweih aus Ammoniak mit Hilfe von Hefepilzen. E» sind sicher wertlos« Dinge dabei, aber das ganze ist ein Beweis dafür, wa, man kann, wenn man will. Äurx und gut, im eigenen Lande wartet da» neue Okirtjäft und zwar auf Gebieten, die lange Zeit ge­schäftlich nicht in Betracht gekommen sind."

Hermann Wehn hatte leine Zigarre ausgehen lassen.Wenn ich Sie recht verstehe, Goldmann, so würden Sie e» also auch ganz verständlich finden, dah ich im Sinn« habe, mich auf politischem Gebiete etwa» mehr zu betätigen al» bisher?"

,Zch habe schon lanae auf die Gelegenheit ge­wartet. um mit Ihnen über diese» Thema xu spre­chen, ohne dah eo Ihrerseits als eine ungeziemend« Zudringlichkeit aufgefahl werden könnte.'

..So wissen Sie also vielleicht auch schon, dah ich mich In jüngster Zelt auf dem Gebiete der oaterlon- dischen Arbeit etwa» stärker engagiert habe?"

(£» Ist mir nicht entgangen, und ich kann e» nur begrüben. Ich hoffe von Herren, dah di« politischen Unternehmungen, an denen Sie sich etwa beteiligen sollten, ebensogut vorbereitet sind wie Ihre ge- schosttlchen." ' _

..Was wollen Sie damit lagen?" fragte Wehn

Ich will damit sogen, dah di« gegenrevolutionär« Biwequng .zur Zeit der Münchner Räterepublik miß' lunoen »ft. weil ihr bloh zweihundert Mann, fünsüg< tausend Patronen und achtzigtausend Mark zur Der- fügung standen."

Hermann Wehn starrt« den kleinen, allwissenden Mann an.

Der kleine Mann fuhr unbeirrt fort:(Ein Putsch, der gelingt, ist ein geschäftliches Unternehmen, das

etnen enttprechenden »apttafrn**D* rechlferAgft. «» verzinst sich glänzend und amorttfiert sich rasch.

Wir h-^ben in Deuttchland gegenwärtig kein stül- siges Geld." Ä

Dir werden am Sonntag um die Mittag»»-.: wissen ob axr denmächst dank untere» Mollen- aritkel», dessen Rom« noch yi fitchen ist, über flüssi­ge» Geld verfügen werden.

Der starke, selbstsichere, hochgewachsen« Hermann Wehn verspürte ein Schwmdelgesühl, da» er nicht ganz verbergen konnte.

Der Nein« Mann lächelt« und sagte:Ich hab« im Programm de» Braunschweiger Heimatfeste» gelesen, dah Sie dort am Sonntag eine Rede halten werden."

Eine «eine Webe, eine ganz kurz« Rad«. Hein. r,ch der Löwe und wir.' Dav sagen 6k zum Thema?"

..Da» Thema ist gut. Man könnte in der Tat kein passendere» Thema finden."

Mein Material über Heinrich den Löwen ist leider noch unoollftänbip. Vielleicht könnten Sie mir morgen im Saufe des vormittags noch etwas Mate­rial verschaffen."

Mit Vergnügen, Herr Direktor."

Ich fahre morgen nachmittag mit dem Maybach. Sie kommen abends mit dem Thausfeur im Opel. Ich wohne im Saisechof, Sie im Monopol. Dir tref­fen uns bei Ihnen. Den Erwerb von Moorboden werde ich im Auge behalfen."

15.

Georg und Marianne fuhren im Automobil nach Berlin. Es ist teuer, dachte sie in einer hausmütter­lichen Wcgung, aber es wird schon, recht fein.

Sie fuhren an Wiesen und Seibern vorbei, der Roggen wurde geerntet, die ersten Birnen gefchüttelt. In Saubenfolonicn tummelten sich Männer, Frauen und Kinder, der Schein der 'Ao,mdfonne lag warm und golden über der lebendigen Welt.

Das ist fein« Wüste", sagte er langsam,das ist fruchtbare und gute Erde wie früher. Die fcinöcr fingen und spielen. Die Frauen schauen den Kohl an und freuen sich, daher so gut gewachsen ist. Die Manner schleppen Wasser herbei. E» wachst und blüht. f)äufcr werden gebaut. Ich kann nicht glauben, dah wir besiegt sind."

Dos sicht man erst, wenn man tiefer schaut, und das Sd)ijmtnfte ist vielleicht schon vorbei."

Gr wchw nach den Zeichen der Rtederiage er schaut« und prüfte. Aber da, Schauen machw hn müde. .Ich oin e» noch nicht gewähnt." sagte er. .Es fliegt soviel vorbei Er schloh bw Lagen.Ich hab« gar nicht mehr gewuht. dah da» Schauen müde macht." Er spürte ein Schwäche. Aus einmal trat ihm die Bitt« auf die Zunge: Roch nicht. Führ' mich wrihf! Last mich nccti ein paar Tage hinter den Mauern, die ich oeriallen habe. Ich muh mich erst ijmrndn. E» ist doch nicht so einfach. Man kann sich etwa» oorstellen, man kann sich eht Bild machen, aber e» ist alles viel verwickelter und fremder. Ich kenne mich nicht mehr au». Ich bin schwach. Ich weih nicht, wo meine Stärk« bingeganpen ist. Fahre nicht so rasch. Ich verliere mich. Dieser Unsumme von anstürmenden Bildern kann ich nicht Stand halten. Dort wuht« ich alle» ganz genau. Run bin ich verwirrt. Ich hätte mich noch mehr 'ammeln müßen.

Doch «r öffnet* den Mund nicht. Er hatte ge­prahlt. Er hatte getan wie ein Heid. Run war es nicht mehr weit her mit dem Heldemnähigen. Fremd« Vorstellungen, unfaßbare Gedanken stürm­ten auf ihn ein, cchne sich zu ordnen. Do waren feine Gedanken, di« ihm treu geblieben, so viele Jahre lang?

Sie wie» auf die», sie wks auf jenes. Er nickte und begann sich AU fürchten. Alles tat irgendwie weh. Warum war er so vermeßen gewesen, sich mit Adam zu vergleichen? Ja, jetzt geschah ihm wie Adam. Nun geschah es ihm wie dem ersten Men­schen, als er blind vor unyewohntem Sicht zum erfreet Male durch das Gesträuch und Gebäum und Gesels der Erde tastete und ahnungsvoll crschütten dem Geräusch der Dasscr lauschte. Roch konnte er nicht unterscheiden zwilchen Sust und Seid, schmerz- sich waren alle Empfindungen, Schlägen gleich auf kaum geheilte Knochenhaut.

Er tagte ihre beiden Hände. Gegenüber diesen Dingen, die über ihn horst eien, diesen jträfteftrömen, di« ihn zu ertränken drohten, war e» eine unbe- deutende Angelegenheit, dah «r zum Manne dieser Frau fuhr.

Run ratterten fie durch die Stadt. Er schaute nicht mehr hinaus.Später," sagte er. Sie begriff ihn Er ruhte an ihrer Schulter wie ein großer Junge, der sich zuviel jugemutet hat und nun froh ist über den yalt, den eine Mutter bietet

®s He au»<tt«gan. tagte He: Dir ftnb kn Schöneberg, wir wähnen tm vierten Stock "

Zwischen den Mauern «and er sich wteder.

Jyrt es dich müde gemacht?" frootr sie.

Dir fhtb durch so viele anchere otcbanlrn ge­fahren," tagte er, um sich tu entschuldigen.

Sie ltacht« noch. Ja da» mochte es fein. Er fpürte es tiefer al» ste. sie merkte e» nicht mehr, wenn fie schon oft über ein gewiße» Unbehagen nicht htnwegkommen konnte und mehr al» einmal zu sich gefaat halte: Darum bin ich plötzlich so ver­drossen und bin doch bloh über die Siruhe ge­gangen. um Butter einzukaittrn? Darum bin ich niedergeschlagen und habe doch bloß Schuh, au»gt- sucht? Darum kühl« ich mich deschmum mb habe doch bloh da, Rind an tr< Sonne geführt, auf dem nahen Platz? vielleicht waren b*e Gedanken der anderen daran schuld gewesen. Ihr Mann sagte ähn­liche». Er und Georg glichen «ich

Al, fie wn Sift in den vierten Stock hinau'- fuhren. erschrak er noch einmal über b*e llnerbit:- lichkeit dellev wa, setzt geschah. Tx Bewegung fragte nicht mehr danach ob man rnitgeber. mollu oder nicht. Der sich ihr anverttautze. muhte sich ihr auch hing eben.

Bor der Dohnungstüre ergriff sie mwi.kürsich feine Aänbe und kühte sie Dar da» eine Bitte un. Berjeioung. der Dille, noch einmal wobt «u tun-' Er stand ftarr da und lieh e, geschehen. Auf einmal tebod) ftirg es übermächttg in ihm aus: Da» setz! geschieht, ist feint unbedeutende Angelegenheit. 5tur noch einen Schritt über diele Schwelle und t« ist St Ende. Wild en trift er ihr bw Hände, hob ihren opf, kühte ihren Mund und flüsterte zwischen den Rüssen:Darum h»rst du mir nicht «men lag ge- ichenkt. nur einen Tag? Die lange hab« ich Nd) nicht gesehen! ftätte ich nicht einen Tag oerdienf Ich hab« dich in meiner Erinnerung bewahrt. Aber wo, ist die Erinnerung. Rur einen Tag'."

Sie lauschte. Erichrocken erst, sich wehrend, bann vli'slvergellen. tzie kämpfte nicht mehr gegen die Äüfft.* zittert«. Und al« fei die Zeit der Iren nung versunken und ni« gewesen, kstöpst, sie Jrincn Rock auf mit der Linken, während er weiter flüflerk und auf einmal verstummt«, da er ihr« ftand so nahe (einem Herzen spürt«. O, er bannt« biff« Le wegung ihrer Hand. Er wühl«, wa» nun kam lForiletzung felgt)

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