Ausgabe 
18.10.1927
 
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FürWahlresorm, notfalls durch Volksentscheid.

Unter der Ueberfchcift .Her mit der Wahl- refütm" veröffentlich! die »öetmania" da- 'Stilinet Zentrui^sblott eine Zuschrift aus füh­renden Streifen der Zentrumspartei. in der im Anschluß an die Aufivrberung der Parteileitung des badischen Zentrum- an die Reichsregierung, nun endlich mit der Dahlreform ernst zu machen, eine beschleunigte Inangriffnahme der Reform gefordert wird. Die Reichsregierung habe mehr als einmal Vorlagen ausarbeiten taffen, aber an den Reichstag fei keine dieser Dorlagen ge­langt. Die Reichsregierung habe mehr als einmal und in weniger wichtigen Fragen eine erfreuliche iJmrgie und Geschicklichkeit bewiesen, es sei aber biß heute noch nichts davon bekannt geworden, dah die jetzige Reichsregierung oder eine ihrer Vorgängerinnen in der Dahlrechtsfrage dem Reichstag gegenüber mit solcher Energie aufge­treten fei. wie sie es in anderen Fragen für rich­tig befunden habe. DaS wesentlichste Erfordernis einer wir'lich durchgreifenden Reform fei bie möglichst restlos e Deseitigung des Listensystems. Diese- sei die Wurzel all der traurigen Erscheinungen, bie man im wach­senden Mähe seit Iahten in unserem parlamen­tarischen Regierungssystem beklagen muh. Mei­sten- sei es so. dah die Parteibürokratie bie Mandatsbewerber ernennt, nach- dem der zähe Kampf der WirtfchaftSgruppen und DerufSvetbände um möglichst starke Berücksich­tigung hinter den Kulissen zu Ende ist. Erst toenn her einzelne Kandidat sich um bie Stimme der Wählerschaft wirklich und in eigener Person bewerben muh werde der Gedanke des demokratischen Wahlrechts. deS parlamentarischen RegierungSsyster.is und wahre- Verant­wort u n g S g e f ü h l gegenüber den Wählern zur Geltung kommen können. Lieber sott mit hem Derhaltinswahlrecht, alS noch län­ger so schlimme öcgleiterschoinungen. Dah der Reichstag in feiner heutigen Zusammensetzung unb damit wohl auch der kommende einer wirklich durchgreifenden Wahlreform nur schwer, wenn überhaupt, zustimmen werde. bedürfe für den Kenner kaum eine- Beweise-. Aber es gebe auch noch ein anderes Mittel: Den Volks- . ntfchetd (5>< ist nicht notwendig dah sich unbedingt eine Partei ober mehrere Parteien zu dessen Trägerin machen. Wenn e- Die Reichs- tegierung nicht tun will, bann sollte es eine andere Stelle tun. Dazu berufen ist bie deutsche Presse, die gerade in bet Wahl- tecbldfraqe in einer nie zuvor gekannten Ein­mütigkeit zusammensteht.

Oberhefsen.

Landkreis Vicsten.

Alten-Duseck, 17. Olt. Der vor eini­gen Wochen stier ausgetretene Scharlach hat erfreulicherweise bis jetzt keine weitere Ausbreitung gefunden, auch sind die we­nigen fesigestelllen Fälle leichter Ratur geblieben unb günstig verlaufen. Während bie Kleinkiaber- schule vorsichtshalber vorläufig noch geschlossen bleibt, hat die Volksschule nach Ablauf bet Serien beute ihre Tätigkeit wieder ausgenom­men, bei welcher Gelegenheit die neue Schul­in cwalterin Frl. Repp In ihr Amt emgefüfcrt wurde.

: Aus dem Busecker Tal, 17. Olt. Die Feldarbeiten nehmen dank des prächtigen Herbstwetters einen rüstigen Fortgang. Die Doggensaat wird Wohl meistens beendet fein. Die Bebauung und Herrichtung der Aecker ist sehr schwierig, da das Land infolge der an- baltenuen Rässe sich sehr gedichtet hatte. Zur Zeit sind die Leute eifrig am Dickwurzheim- fahren beschäftigt', es sind hier sehr gute Ernte­erträge sestzustellen. Vielfach sieh, man Mieten im Felde, bie die reichlichen Ertrage aufnehmen müssen, da die Keller bereits voll find. Die Ackerschnecke tritt in diesem 3abr. begünstigt von bet Rässe, in grober Zahl auf. Die Oeffnung der Wiesengründe für die Weide hat nun be­gonnen. das Vieh findet noch reichliche Rahrung. da bie Wiesen gut ausgcschlagen finb.

ch Watzenborn-Steinberg. 17.01t. Am Eamstagabenb versammelten sich bie hiesi­gen ©emcinbeglieber. um bem OrtSgeiblichen. Pfarrer Etauba ch. ihre Wünsche zum 25 j ä h -

stmErsolg unliebe.

Roman von Robert Misch.

Copyright by Carl Dunker. Derl.n SW 62.

19. Fonsetzung Nachdruck verboten

Am Abend spielte er, dem man Launen und zu­weilen völlige» Versagen nochfagte, mit einem un­erhörten neuer. Man tobte vor Begeisterung Blumen häuften sich vor ihm auf. Unb wieder be­wunderte Isa den Adel seiner Bewegungen dieses gertenhaften Leibes, feine tenorale Stimme, bie in ungeheurer Wucht, Schnelle unb Leidenschaft bie Worte vulkanisch herausschleuderte, ohne dah eine Silbe verloren ging, die musikalisch war, ohne in deklamierenden Singsang zu verfallen, weil sie von vtenie und grobem .Hunftverftanb bewegt unb be- herrscht wurde. Aste Tone, olle Skalen menschlicher Ausdrucksmogllchkeiten standen ihm zur Der- fügung: Liebe Berzweifkung Freude und Schmerz Sehnsucht Ironie und Weisheit, die er in der Rede zu den Schauspielern so prachtvoll zur Geltung brachte, Grauen, Todesfurcht und Be­geisterung.

Ein paar Mal Hatte er zu ihr Hinausgespielt unb gesprochen. Dann strömte ihr das Blut entzückt und erschrocken zum Herzen ihre Pulse häm­merten.Für dich allein spielt er mit io vulkani- scher Leidenschaft um dir zu gefallen." Ein tiefe» Entzücken entrückte sie ihrer Umgebung

Mm anderen Morgen läutete er sie an unb flüsterte ihr allerlei verliebte, tolle unb luftige Dinge zu. Sie bat ihn, vorsichtig zu sein.

Glaubst du, dost mich da» tekpbonfräulein an meiner Stimme erkennt, mein süßes Schäfchen?"

Für den nächsten Tag verabredete er, da er abends nicht spielte, eine nachmittägliche Zusam­menkunft In einem Dorfwirtehau» bei Kastel, am ooberen Rheinufer, wo sicher niemand hinkäme.

Es war gegen zwei Uhr dieses Tage» ge- rabe wollte sie sich zu diesem Ausflug Neiden als ihr die Perlacher einen Herrn vom Theater mcl- bete, der sie sprechen m. Ate. Ein süßer Schreck zuckte durch ihre Glieder: Da» war der geliebte,

rigen Amtsjubiläum zu entbieten. Zuerst erschienen die Dortzandsdamen dcs evangeutchen FrauenvereinS unb überbrachten ihrem ersten Vors'.yTr.ben und Gründer mit herzlichen Worten deS Dankes eine sehr schöne gerahmte Wid­mung. Alrbald versammelte sich bet K Henchor unb zahlrei-)e Bewohner un'eres 'Siri, tvwie bet seither durch Pfarrrr L.aubach versehenen Rachbargemeinden, um gleichfalls zu gratulieren. Rachdem daS erste Lied des Kirchenge'angverrias ..Lobe den Herren ben mächtigen König bet Ehren" verklungen war, hielt Bürgermeister Schäfer namens des Kirchenvorstandes, des Kirchenchors unb ber Gemeinde eine herzliche Ansprache an ben Jubilar. in der et betonte, bah es dem Iubilar. trotzdem er erst seit etwa drei Iahten hier wirke, gelungen sei. daß im kirchlichen Leben eine wesentliche Besserung ein- getreten ist. Hand in Hand unb Treue um Treue hätten Pfartec und Gemeinde zu'antm.n gearbei­tet. unb man könne sagen, bafj schon in bieten brei Iahren der Samen, den der Iubilar aus- gestreut habe, gereift fei. Unb wie die Jünger ihrem Herrn und Meister nachgesvlgt seien, so wolle auch die ganze Gemeinde bem leuchtenden Beispiel ihres Geistlichen nachwandeln: als Sym­bol dieser Idee überreichte der Redner bem Geistlichen im Rtmen be- Kitchengesangvereinc das bekannte Bild von Wehleilnb sie folgten ihm nach". Zum Schluß gab Bürgermeister Schüfet noch bem Wunsche Ausdruck, bah die Gemeinde in wieder Jahren da- goldene Amls- jubiläum des Pfarrers Staudach an bet gleichen Stelle in Gesundheit zu feiern hoffe. Darauf dankte Pfarrer Stau dach tiefbewegt, zumal er in diesen vergangenen 25 Iahren nicht eine Stunde wegen Krankheit habe auszusetzen brau­

chen. Der Kirchenchot beschloß bann bie Feiet mit bem Psalm ..Der Herr ist mein Hirte".

X'.X (Brünberg, 17. Oft. Am Mittwoch wird der aUgc-.ein bekannte GJallusmarlt innen Anfang : .bm<n. Es sind große liorbereitunpen pc troifen worden. Der erite Markttag wird durch Marichmwlk der hiesigen Ausikvereine cingriritrt. Die Muit nimmt ihren Weg vom Bahnhof durch die Bahnhorkraße, Rofengabe. Frankfurter Straße zur 'Jle'.'üaDt und zurück durch die Frankfurter Straße über den Markiplatz nach bim Gallus:uarki- plag auf der Käswicse. Der e r st e Gallus- markttag sieht einen Schweine- und Krämermarkt vor. Am zweiten Markt- t a g (20. Oft.) findet Pferde-, Rindvieh- und firämermarft statt. Der Pferde- markt, der in diesem Jahre zum zweiten Male abgehatten wird, findet auf einem guten, mit Gras bewachsenen Platz statt, so daß für gute Tor- führung des Pferdematerials Sorge getragen ist. Die für ben zweiten Markttag vorgesehene Ziehung der Gallusmarktoerlosung ist aus beson­deren Gründen auf Freitag verleg: worden. Der Absatz der Lose ist lebhaft. Unter ben Dreisen sind neben den lebenden Gewinnen, wie Pferd. Rind und Schwein, wertvolle Gegenstände des täglichen Gebrauches. Der Ankauf der lebenden Gewinne wird auf dem Markt selbst erfolgen. Große Vorbereitungen zu seinem zweiten Reit u. Fahr - Wettbewerb hat der landl. Reit-und Fahr^-rern Grunberg getroffen. Auf ben Wiesen hinter dem Marktplage finben am zweiten Markttage nachmit­tags große reitsportlich.- Vorführungen statt. Die Nennungen zu diesem Wettbewerb sind sehr zahl reich cingefaufen, so daß mit einer Teilnehmerzahf von über 70 Reitern gerechnet werden kann. Die unermüdliche Tätigkeit der Reitlehrer und die gründ

Var neue Gießener Telegraphenamt.

Im Iahre 1924 begann die Rcichspostvcrwal- hing bekanntlich mit bem Dau des neuen Gießener Telegraphenamtes hinter dem Hauptpostgebäude in ber Bahnhofstraße. Der Dau ist jetzt zum großen Teil in Benutzung genommen worben. Ein langgestrecktes Bau­werk mit Parterre, zwei Obergeschrsten und Räu­men im Mansarden«ock sieht der Be.ucher beim Betreten beS Posthofes als Telegraphen amt vor sich: zu bedauern ist nur, daß der Bau h.nter der Hauptpost auf dem Posthof errichtet wurde.

Die neuen Dicnsträumc un eres Telegraphen- amtes finb über zwei breite Treppenhäuser zu er­reichen, die Korridore in lichter, graurr Farbe weifen Linoleumbelag auf. In ben Dienst- flimmern finb die wichtigsten Erfordernisse neuzeitlich, hygienischen Dau.ns. nämlich viel Licht und Luft, in guter Weife erfüllt Kor­ten. Auch in den großen Appara ifäien, die zurzeit noch nicht bezogen finb, ist durch ent­sprechende Raumabmessung für gute. Natürliche Beleuchtung u.rd ausgiebige Sicherstellung guter Lust Sorge getragen. Daneben ist überall durch Linvleumbelag bie Möglichkeit flu gründlichster und doch leichter Sauberhaltung der Räume ge­geben. Man kann mit gutem Grund diese Ar­beitsräume als vorbildlich bezeichnen.

Den Ilmflug in bas neue Heim haben bisher bie Derwaltungsbureau- des Amts, wie Kanz­lei-, Registrier-, Hauptkaste-. Rechcnstclle, und die technischen Hilfsbetriebe, wie Apparat- werlstatt, Fahrrad-Reparaturwerkstatt, Funk­station mit Untertitels- und Doriragsraum usw. vollzogen. Der Telegraphettsaal. bas OrtS- Fernfprechamt und das Fernamt befinden sich ttvch im Obergeschoß beS Hauptpostgebäudes.

3m neuen Gebäude sind in den Keller- räumen der blitzblanke Qllotorenraum zur Um­formung des jetzt von ber Stadt bezogenen, er­forderlichenfalls aber auch selbst erzeugten elektri­schen Stromes, der Sammler- undBatterieraum, die staunenerregende Kabel-Sammel- unb - Derlei- lungSanlage, bie Fahrrad-Reparaturwerkstatt, so­wie bie große Zentralheizungsanlage unter­gebracht.

3m Parterre sieht man gegenwärtig als besonders eindrucksvoll in feiner Anlage unb Arbeitsleistung vor allem bad Verstärker­amt. Hier laufen eine Unmenge großer Fern­sprechlinien von Beigien. Holland und England nach Lübbeutschland. Oesterreich und der Schweiz durch fenter passieren hior in diesem Gießener Betrieb Fernspvechlimen von Fraickreich

nach Rcrddcuti'chland. außerdem haben eine Un­menge weiterer Fernsprechlinten von süddeutschen nach nctLbcutieben Großstädtcn hier ihre Durch- aangsstelle; mit all diesen Leitungen deS (3n- landes wie des Auslanteo steht unsere Stadt in Verbindung. Bei der Desichrigung bicler Anlage, bie bei aller Kompliziertheit unb wunderbarsten Präzision doch ein geradezu verblüffend geringes Maß von Mcnschenkraft benötig', kann man nur immer wieder staunen. Unb noch eines: hier m bicicm Saale kann man überzeugend erkennen, welche bedeutsame Stellung unkt Gießener Tele­graphenamt sowohl im Fernsp echverkehr inner­halb Deutschlands, wie auch im Dienst mit bem Auslanb einnimmt. D e Rotwendigkeit der Schaffung dieses Verstärkeramtes war übrigens der Anstoß zu der E:richtung des neuen Gebäu­des, in bem man bann ange ichts bes Entwick­lungsganges auch gleich die Anlagen für das künftige Selbstanschlußamt mit schuf. Der teilweise mit natürlichem Oberlicht auägeitattctc Saal für dieses Selbstanschlußamt, das voraus­sichtlich im Laufe des nächsten Iahres in Betrieb genommen teer' :n bürite. befindet lick..<eich neben dem Saale beS Verstärkernmtes. In bem Raume des künftigen Selbstanschlußamtes werden übri- geirs die Wunder der Technik ebenso grcch unb staunen erregend fein wie jetzt im Verstärker- amtSsaal.

Das erste Obergeschoß enthält ben schönen. Hellen unb luftigen Telegraphen­saal, die Funkstation mit Unterrichts- unb Dor- tragsraum. einige Verwaltungsbureaus unb bie Garderoben, sowie bie Epeiseräume für bie männ­lichen Beamten des Amtes.

Das zweite Obergeschoß beherbergt ben durch zwei Stockwerke gebauten großen Saal für bas Fernamt, das Dienstzimmer des Te- Icgraphendirektors, eine Anzahl weitererBu- reauräume und die Garderoben, sowie Speise- Aimmcr für das weibliche Personal ber verschie­denen Telegraphenamtsdienststellen.

Als Ganzes betrachtet muß man sagen, daß hier ein Bau mit einer Einrichtung geschossen ist. aus ben nicht nur bie Reichspostverwaltung mit Vefriebigung blicken kann, sonbem ber auch von der Stadt Gießen und imsbefonbere von den Fernsprechteilnehmern zu begrüßen ist. Denn hier ist heute schon ein starkes Stück weit nach vor- wäris ausgreifender Entwicklung unsere« Vcr- kehrS" und Wirtschaftslebens zur Rutzbarmachung für bie Gesamtheit abgesteckt worben.

liche Durchbildung der Iungretter bietet die Gewähr, dah ein guter Reitsport gezeigt wird. Die Reihen­folge tnr Konkurrcnzer ist von der lurnicr- teitung so ft ft gelegt warben, daß diese sich recht aböcÄfttmgsTeid' für ben Zuschauer gestalten. Am Abend desselben Tage» wird die Preisver teilur.g im Rahmen eines Rcikerabends mit Musik, Unterhaltung unb Tanz in ber Turnhalle ab» gehalten. Tie Pre.ov.rt ilung w.rb Landstall- meiner a. D. Schörke, bo: in Hessen der Sa rrnherr ter läni?l;-,r.i Rriterv^ein: ist, ver­nehmen. 3n der Stab' rüsten bie Geschäfts- unb Gasthäuser. Sie tre.fen Vorbereitungen für einen gastlichen und a- inrhrnen Aufnthalt währcra) der Maritta.e Ci.; be'enderer An- »iehungSpunlt wird auch in biete n 3aßre der Iurpl- N ftin. Die S.ed O-ün5erg ha: sich für ifren ®alimarf: g t. D.e T rgeriebaft wirb alles baran_t.ee. u~n den Befuge en b n Aufent­halt in den Blauem u.afeer- alten S'üdtchen- fo angcncijm wir möglich zu gestalten und dazu beitragen, be.a al.m. g .ten Ruf des Grünberger G-hv: mr-lte v. n re 1 flu festigen.

ch Lich, 17. L'. Der hiesige Verein der abend in der Turnhalle e.nen Unterhaltung*- abenb. Der Dorschen^e Wilhelm Weigel, hielt bie Ansprache 3m Mittelpunkt tes Ade.rds stand bie Verführung beS Schauspiels .AndeeaS Hrter'. bas bei bester Besetzung vorzüglich ge- get en wurde, so baß die Zuhöre, mit dem Bei­fall nicht kargten. Die Music bes Abends steifte die Kapelle Sommer.

df. Langsdorf. 17. O!t. Seit etwa 14 Tagen sprach man in h e-igen;erfrctkn ba­uen, baß Wildschweine im (?e>neindewalb feien. Gar mancher hielt das für Jägerlatein, oder er zweifelte daran, daß es gelänge, ein folchcs aut Strecke zu bringen. Run hatte aber am gestrigen Sonntag unter Förster Gustav

... Glück durch einen Meister- fchuß e.nen 183 Pfund schweren Keiler zu erlegen. Er fchoß ihm mit der Kugel direkt inS eine Auge. Das Gr.ntringcn des fcltcncn IagbstückS t: ? chte viele aas die Beine, um bas fchwarze Borstentier zu bei eben. Wie verlautet, soll fi^. e.n anderer Keiler im 3agdgebier beS benachbarten Pächters 3 b ring (Lich, befinden. Gestern trug man unter Dorantritt des Krie- gcn>cr:in5 den letzten Veteran von 1866. Herrn Gabriel Ravenau zur letztenRuhe. Er war auch FeldzugSteilnehmer von 1870 71 Run Haden wir noch zwei Veteranen des deutsch- französischen Feldzugs.

flrciö Büdinqcn.

nd. R i d d a, 17. Olt. Am Sarn-tag leierte die hiesige israelitische Gemeinde bie 50jährige WieberkehrbeS Tage- ber Einweihung der Synagoge in Ribba. 3n dieser sand schon abends varher ein Aank- gotlc^dienst statt, den am SamSlag eine größere Feier, an der auch dec Stad Vorstand, der evan­gelische und kathv.iiche Kirb>envar,tand sowie die Vertreter verschieden r D Horden t.dnahmen, tin Gctteshause folgte. Rabbin:. Dr. Hirschfcld aus Gießen hi<lt bie Festrede. Dann überbrachte Kreisdirektor Dr. G a ß n e r auS Büdingen die Glückwünsche der Regierung. Pfarr.r Laut und Pfarrer G o n d o l f Iprache7i im Ramen d»er beiden chr.stlichen Rel.ci onsgeme.nlchait.n RibbaS ben israelitischen Mitbürge.m ihre Glückwünsche aus. Bürgermei'ter Ringshausen gratulierte als Vertreter der potttjschen Gemeinde Rach- mittagS fand in der TumyaUe e.ne öffent­liche Feier statt, an der fich viele 3-.radit m auch aus der Umgegend beteiligten Auch die Einwohnerfchast Riddas war stark vertreten Rektor ® a n c r t hielt dabei noch eine herzlich? Ansprache als Vertreter der hieligen Simultan­schule. Konzert einer vorzüglichen Kapelle und zwei flott gespielte Theai rslücke sorgten für genußreiche Unterhaltung Den Schluß der wohl- gelungenen, in bester Eintracht verlaufenen Feier bildete ein Tanzvergnügen. daS bis zum nächsten Morgen dauerte.

Z Rvdda, 17. Oki Wieder ist einer der wenigen hier noch lebenden M i t k ä in p f e r an­der glorreichen Zeit von 1870 7 1. der Bäckermeister H e i n r i ch M e r z. i.n hohen Alter von 79 Iahren abgerufen und unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet wor­den. Seinem Sarge folgten geschloffen bie Vncker- innung, ber Kriegerverein unb die freiwillige Feuerwehr. Die Kapelle der letzteren fpielte vor dem Trauerhause und bei ber Einsenknng des Sarges einen Choral, im Leichenzuge Trauer­

unvorsichtigc Mann. Da stand er auch schon vor ihr, den Schlapphut tief in die Stirn gezogen, den Äragen bes Uederz-ehers hochgeklappt und lachte sie spitzbübisch an.

Da die Perlacher neugierig in der Tür stehen blieb, rief sie schnell gefaßt:

Ach, Herr Suttner Sic wollen gewiß die Rolle mit mir durchsprechen? Das ist sehr nett von Ihnen. Legen Eie doch ab!"

Als die Frau gegangen war, lauschte er einen Moment an der Tur, verriegelte sie, wars 5)ut und Mantel ab und küßte sie heiß und wild.

Wenn man dich gesehen hätte, Ioseph!" ...

Einige Tage später stand sie um die Mittags^ stunde vor ihrem Direktor und teilte ihm ihren Entschluß mit, schon nächste Woche, da ihr der Arzt auf hinge hinaus ein Auftreten nicht gestatte, den Süden auszusuchen, um ihre kranke Stimme zu heilen.

Der alte, knurrige Herr blickte sie überrascht durch seine Hornbrille an.

Sie wissen Fräulein Hirng.-rs, daß Sie damit auch auf die Ihnen noch zustchendc Monatsgage für den April verzichten?

,34 weiß es und erNäre mich einoerftanden."

Na fchan, dann fleht dem nichts im Wege", erwiderte der Alte plötzlich ganz freundlichSie werden einen Revers unterftbrciben. und man wird Ihnen die noch fällige Summe übermorgen aus» Zahlen. Unb was haben Sie spater für 'Blanc? Haben Sie für den Sommer oder nächsten Winter schon abgeschlosicn?"

Rein ich mochte erst meine Stimme aus* f untren."

Sehr gescheit! Jetzt nimmt Sie doch niemand, meine Liebe Nebrigen»" er blickte fchrög über die Hornbrille (roie eine Eule, die auf Raub aus* gebt, dachte Ifafich will Sie wieder nehmen, wenn Ihre Stimme fich befiert."

Für was? Oper oder Operette?"

Wie kann ich das roiffen, wie sich Ihre Stimme anichen wird Mein Rat: gehen 6«c ganz zur Ope* rette! !6ie werden bester bezahlt und ihre Stimme reicht dafür."

3d) werd^ es mir überlegen, Herr Direktor."

Ifa schrieb an ihre Eltern, daß sic dank der Unterstützung des Kommerzienrates eine Kur im Süden machen könne, überhaupt große Ruhe und Sute Luft nötig hätte. Dem Kc4limer,ienrat selbst attc sie schon früher gedankt und ihm nütgctcilt, daß sic wahrscheinlich nach Südtirol ginge. Auch der Heimel und im Theater hatte sic das elbc er* Zähtt.

In Wirklichkeit war mit Lenz ein Zusammen* treffen zu 'einer bestimmten Stunde eines be­stimmten Tages auf dem Bahnhof in Basel verab­redet worden. Bon dort wollten sie unter einem angenommenen Namen einen stillen Winkel an der Riviera aussuch.-n, ein kleines Häuschen mieten, das allem modischen (Betriebe entrückt war Ru mand sollte sie hier kennen: sie wollten nur sich und ihrer Liebe leben. Lenz halte unter bem Lor* wände einer starken Indisposition alle Gastspiele, öie ihn noch bis KSI

durch einen Agenten obfagen lassen

3d) sehne mich noch Ruhe, nach dir allein, Ma- öonna"

Idr sprödes, eigentlich kühkes Temperament hatte sich lange gegen diese Neigung gewehrt, bie wahr­scheinlich ihre Zukunftsplane fr orte. Jetzt hatte es sie wie ein Rausch ergriffen, ihr WeibNNN erweckt. An seinem lodernden Feuer, seiner geistigen Ueberlegenheit, an seiner schlanken, ftah'.crnen Knabenschonbeit, deren Kern ein genialer Mann war, hatten sich diese sch'ummcrnden Sinne ent­zündet. Run fieberte sic ihm um so stärker ent­gegen.

Endlich war aller erledigt. Ihre Koffer und ihren Ihcaterfram bewahrte bie Perlacher auf. Die Heimel redete ihr zu, für bie nächste Spielzeit wie­der nnd) Mainz zurückzukehren, gab ihr auch die Adres'e ihres Sohnes und ba! sie, ihr dorthin zu schreiben. Eie brachte Isa auch zur Bahn. Zum Abschied küßte die alte Frau ihre junge Freundin gerührt, blickte fle lange an und sagte:

Wisten Eie, wie Sie ausschen, Isa? Wie ein Kind eine Stunde vor ber Deitz nacht sbcscherung, wenn nebenan die Tür noch verschloßen ist "

Isa reckte fich hoch:

Ich b i n auch glücklich "

3n Basel traf sie Lenz, der übermütig wie ein Junge war. Ueber Mailand und Genua, wo sie

einen Sonnentag lang umherstrdichten und sich im Hotel alsHerr und Frau Leukart aus Wien" ein­trugen (nach einem Stück, in dem Lenz einmal ge­spielt hatte) fuhren sie nach der wenig besuchten Niviera de Levante. Lon Nervi aus machten fit eine Entdeckungsfahrt und fanden endlich ein kei­nes, paffendes Häuschen unweit des Meeresstran* des, inmitten eines Palmen* und Dranflengarttns, in der Nahe von Santa Margcrita, nur einen Büchsenschuß von einem kleinen Fischernest.

Ein Vermittler in Sonia Margerito hatte es ihnen gewiesen und schloß auch den Mielskontroki für den Besitzer, einen reichen Kaufmann in Mai­land ab, der seine Frau verloren hotte, und nun nicht mehr dorthin kommen wollte.

Es lag etwas erhobt in einer weiten Bucht, die auf der einen Seite felsig ins Meer abstürzte. Auf

ßcn Häuschen des Fiicherdorfes, hinter dem sich Oliven- und Zitronenhmnc hin zogen. In der Ferne die schroffen Berge der Alpen.

Die Bedienungsfrage war bald art oft Es fand sich unten im Dorf eine Fifcherstcchter, die schon in Genua und Nizza bei .^Herrschaften" gedient batte, und sogar etroa» französisch sprach. Sie war ihres Iugendliebsten wegen wieder in ihr Dors zurückgekehrt. Anita instollieNe sich in Küche und Kammer als Köchin und Zofe, und ihr Liebster wurde der Leibi.scher, Segler und Ruderer von cignor und SignoraL ukart", besorgte zugleich die Botengänge und Einkaus?, wenn es nötig war.

Anjta, etwas draller als ihr Liebster durch die gute Kost ihrer Herrschaften, trug sich hier wieder in heimischer Tracht, mit silbernen Pseilnadeln im üppigen Echwarztzaar ihrer Zöpfe. Im übrigen crzelliertc sic in heimischen Gerichten mit franzö­sischem Einschlag.

Wir werden dick werden bei dem Faulenzer- leben und bei Anitas prachtvoller Kochkunst", meinte Lenz lachend nach der crste/i Woche.

Am frühen Morgen, wenn die Brile wehte, ruderten oder it-gelten sie mit Giovanni an dos Ende der Bucht, die dort eine jähe Biegung machte. An einer schattigen, fischreichen Stelle angelten sie m t der Schleppangel oder mit einem großen Netz, daß alle drei bedienten.

(Fortsetzung folgt)