die genügenden P olizerkraf te zur Aufrechterhaltung der Ordnung zur Verfügung habe. Wenn die Entente nicht die Absicht habe, Oesterreich die zur Aufrechterhaltung seines Gleichgewichts notwendigen Kräfte zu geben, so dürfe der Anschluß Oesterreichs an einen größeren Organismus nicht verhindert werden. Es bedeute Oesterreich, das sich im Zentrum Europas befinde, den Kräften der Revolution auszuliefern, wenn Oesterreich auch weiterhin im gegenwärtigen völlig geschwächten Zustand aufrechterhalten werde.
Die Saitling Ungarns.
Budapest, 17. Juli. (Ungarisches Korrespondenzbureau.) Die ungarische Regierung verfolgt die österreichischen Ereignisse mit größter Ruhe und beurteilt sie mit vollkommener Ruch- ternheil. Ungarischerseits liegt kein Grund zu irgend welchen Maßnahmen vor. Auch keinerlei polizeiliche Maßnahmen werden geplant. Solche würden erst notwendig werden, wenn die Flüchtlinge in größerem Maße über die Grenze strömten, womit aber kaum zu rechnen ift/ Die österreichischen Vorkommnisse werden als eine innere Angelegenheit Oe ft er- • reichs betrachtet und Ungarn, das so oft gezwungen war, gegen Eurmifchungen in seine inneren Angelegenheiten au protestieren, ist entschlossen, sich nicht in die Angelegenheit eines fremden Landes einzumengen.
Beruhigung in Wien.
Sonderbericht des Wolfs-Bureaus.
Wien, 17. Juli. Der Generalstreik ist beendet. Das ist dgs Kennzeichen der Situa- ition. Als die Wiener heute früh erwachten, hatten die Straßenbahnen ihren Dienst auf allen Linien bereits wieder ausgenommen. Die befürchteten kommunistischen Störungen^ind nur in unerheblichem Maße an zwei Stellen äufgetreten. Auch die elektrische Stadtbahn, die Autobusse und die. Autodroschk^n fahren wieder. Dagegen dauert der Fernverkehrs streik noch an. Heute vormittag faird eine Sihung des sozialistischen Parteivorstandes statt, nach deren Beendigung sich Bürgermeister Seih und der Abgeordnete Dr. Bauer zum Bundeskanzler Dr. Seipel begeben haben, um ihn zu fragen, wie die Regierung sich die Einstellung des Fernverkehrsstreiks und die Vorkehrungen für sie denke. Auf lallen Seiten zeigt sich das Bestreben, eine Wiederholung der Ausschreitungen durch die Rückführung des öffentlichen Lebens in normale Bahnen unmöglich zu machen.
Wien, 17. Juli. Das äußere Bild der Stadt Wien ist wieder normal. Gasthäuser und Cafes haben geöffnet. Schon in den frühen Vormittagsstunden zogen große Schgren durch die Stadt, um sich die Zerstörungen anzusehen. Am meisten ist der Iustizpalast umlagert, der innen wie außen ein grausiges Bild der Verwüstung bietet. Es stehen nur noch die Grundmauern, die Fensterhöhlen sind ausgebrannt. In Den blauen Sonnenhimmel ragt das Eisengerüst der rechten Kuppel wie ein Skelett empor. Innen kahle Mauern, von denen der Kalk gefallen ist. Rirgends mehr ein Möbelstück im Haus, Geröll, Schutt und zerrissene Akten liegen umher. Das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Polizei vollzieht sich in durchaus freundlichen Formen. Die Stimmung ist natürlich gedrückt. Für den Wiener sind diese Ereignisse 1 noch jetzt unfaßbar, was durchaus verständlich ist, wenn man bedenkt, daß die Lotenzahl dieser beiden Tage dreimal so hoch ist, tvie die Zahl der Opfer, die die Revolution vor acht Jahren in ganz Oesterreich gefordert hat. Bisher sind 252 Personen verhaftet worden. Die Regierung hat heute eine Kundgebung anschla- gen lassen, in der sie das Verhalten und Vorgehen der Polizei verteidigt. Sie fordert die Bevölkerung auf, weiter die Ruhe aufrecht zu erhalten.
ZottdMr ds§ Verkehxssimks.
/ Ergebnislose Verhandlungen!
Sonderbericht des Wolff-Bureaus.
Wien. 17. Juli. Dec heutige Sonntag ist in Wien ruhig verlaufen. Die Stadt zeigt in den Abendstunden das übliche Bild. Damit verstärkt sich der Eindruck, das; die Zeit der Unruhen, wenn nicht außergewöhnliche Ereignisse eintreten, vorbei ift Dafür schiebt sich nun die Frage der politischen 'Austragung der Ereignisse der letzten Tage in den Vordergrund. Weder die Besprechungen, die heule mittag zwischen den sozialdemokratischen Führern und Bundeskanzler Dr. Seipel stattfanden, noch die "Versammlung der Vertrauensmänner hat zu einer politischen Entspannung geführt. Die Regierung beharrt auf dem Standpunkt, daß die politische Aussprache vor den Rationalrat gehört, daß an dessen Einberufung aber nicht eher zu denken sei, als bis die vollkommene Freiheit der Tagung fichergeslcllt sei. Darunter versteht die Regierung das Aufhören des Verkehrs ft reiks. Auf der anderen Seite ist in der Versammlung der Vertrauensmänner von führender sozialdemokratischer Seite geäußert worden, daß der Vcrkehrsstreik nicht eher eingestellt werde, als bis genügend Maßnahmen von der Regierung getroffen feien, die nach Ansicht der Sozialdemokraten die Wiederholung solcher Katastrophen verhindern. Damit ist allo der Verkehrsslreik, der nach sozialdemokratischer Angabe ursprünglich den Zweck Halle, die ganze Protcffberoegung in ein geregeltes Fahrwasser zu leiten. In eine neue Pbafe ge- ttefen. Er wird als Kampfmittel oer- roanbt. Jedenfalls steht heute fest, daß der Ber- kehrsstreik in Wien weitergeht
Erne GrmeindeschutzGüche.
Berlin, 17. Juli. (TU.) Rach einer Wiener „Montag", der Sonderausgabe des „Berl. Loka lang.". hat der Bürgermeister uno Landeshauptmann von Wien, Seitz heute einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. 'heißt-
. dieser Stunde höchster Gefahr erachte ich eß für meine Pflicht, zur Abwehr außerordentlich großer Gefahren außerordentliche Maßregeln zu treffen. Da es bisher nicht gelungen ist, Sicherheit und Ordnung wieder- herzustellen, habe ich mich entschlossen, für die -Lage der Gefahr eine Gemeindeschutzwache zu errichten, die, vom Vertrauen des Volkes getragen, zunächst die Aufgabe haben soll, die Einrichtungen und die Betriebe der Gemeinde zu schützen, aber auch darüber hinaus dazu beitragen soll, dem Blutvergießen ein Snde zu machen, Ruhe und Ordnung aus den Straßen Wiens herzustellen. Ich erwarte, daß die ganze Bevölkerung unserer s-cJ>t diesem Organ der vom ganzen Volk frügewählien
Gemeindeversammlung vollkommenes Vertrauen schenken und die Gemeindeschutzwache bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe unterstützen und ihren Weisungen Folge leisten wird. Das Kommando der Gemeindeschuhwache hat seinen Sitz im Rathaus."
Dem Aufruf von Seitz hat der Parteivor - st a n d der Sozialdemokratie und die Gewerkschaftskommission Oesterreichs einen Aufruf hinzugefügt, der folgende Sätze enthält: „Der Republikanische Schutzbund hat verläßliche Männer aus seinen Reihen ausgesucht, die sich zum Dienst in die Gemeindeschutzwache gemeldet haben. Sie wird unserem Bürgermeister unterstellt sein. Sie wird aus Arbeitern und Angestellten, aus Mitgliedern des Republikanischen Schutzbundes zusammengesetzt sein. Es ist proletarische Pflicht aller Genossen, die in die neue Gemeindeschutzwache eintreten, allen Weisungen des Bürgermeisters und der von ihm berufenen Kommandanten zu folgen, strengste Disziplin zu halten und allen leichtfertigen, disziplinlosen und verbrecherischen Elementen, deren Gehaben immer neues Blutvergießen herbeisührt, mit Heftigkeit und Entschiedenheit entgegenzutreten. Von der gesamten Arbeiterschaft verlangen wir, daß sic das Organ unseres roten Wiens als den Beschützer proletarischer Freiheit, Disziplin und Ordnung ansieht, daß sie die Gemeindeschutzwache -unterstützt und jeder Weisung der Gemeindeschutzwache unbedingt Folge leistet. Wer sich dieser proletarischen Wehr gewaltsam widersetzt, ist als ein Disziplinverbrecher, als ein Gelber, als ein Feind der Arbeiterschaft zu betrachten und zu behandeln. Gelingt es proletarischer Kraft und Disziplin, Ordnung, Ruhe und Sicherheit im roten Wien wieder- herzuftellen, dann wird die durch die Ereignisse der > letzten Tage gefährdete Machtstellung der Arbeiterklasse in unserer Stadt von den Arbeitern selbst geschützt, gegen alle Gefahr gestärkt und gesichert sein!" Die Opfer der Unruhen.
Sonderbericht des Wolff-Bureaus.
Wien, 17. Juli. Der e r st e Schuß ist erwiesenermaßen von einem bekannten Kommunisten namens Fiala auf die Polizei abgegeben worden. Er wurde verhaftet Im übrigen hat der Ministerrat heute vormittag nach Entgegennahme des Berichts des Polizeipräsidenten Schober über dke gestrigen Vorgänge beschlossen, den Polizeiorganen, die durch ihr energisches und doch umsichtiges Vorhalten verhindert haben, daß im Verlaufe der gestrigen Unruhen noch ungleich größeres Unglück angerichtet wurde, den Dank und die Anerkennung der Bundesregierung auszusprechen. Zugleich wurde beschlossen, dem Polizeipräsidenten einen Betrag zur Unterstützung der verletzten Sicherheitsmannschaften und für die Hinterbliebenen der Gefallenen zur Verfügung zu stellen. Mit der Einleitung der notwendig gewordenen Fürsorge für die durch die Zerstörung des Justizpalastes obdachlos gewordenen Becunten- fämilien, sowie mit den Maßnahmen zur Bergung der Akten aus dem Justizpalast und zur Unterbringung der bisher dorst^ untergebrachten Aemker und Gerichte wurde Minister Dr. S ch jede n h o f e r beauftragt. Die Beisetzung der Opfer findet Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, auf dem Zentralfriedhof statt. Die Toten werden auf einem gemeinsamen Platz, aber in Einzelgräbern beerdigt. Die Kosten trägt die Stadt Wien. An dem Begräbnis nehmen neben den Angehörigen teil die Mandatare und Funktionäre der Sozialdemokratischen Partei und Delegationen der Betriebsräte und der Ortsgruppen des Republikanischen Schutzbundes. In den Wiener Betrieben wird während der Beisetzung eine Viertelstunde lang Arbeitsruhe herrschen.
Der österrLichischs G'fCnbcchnverkehrgespLrrL
München, 17. Juli. (WTV.) Wie die Reichs-' babndirektion München mitteilt, wurde Freitag 23.30 Uhr wegen Streiks der gesamte verkehr auf den österreichischen Dahnen eingestellt. Der Abendoorzug von München nach Wien wurde Freitag abend in Salzburg von den österreichischen Dahnen nicht mehr übernommen. Die Münchener Züge nach Oesterreich verkehren fehl nur biszur Oandesgrenzc, also bis Salzburg, Kufstein, Mittenwalde. Durch den Streik stockt der gesamte internationale Reiseverkehr über Oesterreich, so vor allem nach Italien (Triest) und in Verbindung damit nach den südslawischen Gebieten. Die italienische Verbindung ist nur über die Schweiz möalich. Die Reisenden werden in München davon in Kenntnis gesetzt. Die Fahrt nach Oesterreich geschieht auf eigenes Risiko.
Wiederaufnahme des N^tzverKehrs.
Wien, 17. Zull. (WB.) Rachdem der Flugzeugverkehr auf dem Wiener Flugplatz Aspern zwölf Stunden gesperrt war. ist heute ein verstärkter Flugdienst ab W'en nach den Hauptstädten der Rachbarländer, nach Prag, München und Buda- , pest, eingerichtet worden, um einen Anschluß an das internationale Eisenbahnnetz zu schaffen. Am Sonntag gingen zwei vollbesetzte Großflugzeuge nach München, zwei Flugzeuge nach Budapest und eine Großmaschine nach Prag—Be^in ab.
Nuhige Lage in Tirol.
Innsbruck, 18. Zull. (WLB. Funkspruch.) ~ie Jiroler Landesregierung hat zwischen 2 und 4 Uhr morgens sämtliche Bahnhöfe in ganz Tirol durch Militär-Gendarmerie und die als Rotpolizei legalisierte eHeimatwehr begehen lassen. Tleberall sind die von den Eisenbahnern einge- sehtcn S t r e i k p o st e n und i ie sozialdemokratischen Ordnungsmannschaften der Eisenbahner, die mit roten Armbinden versehen, die Bahnhöfe abgesperrt hielten, ohne Widerstand zu leisten, abgezogen, ebenso sämlliche Eisenbahner. Es ist nirgends zu einer Gewaltanwendung gekommen. Im Laufe des Tages wird ein Rotver - kehr eingerichtet werden. In ganz Tirol herrscht, abgesehen von dem zur Zeit noch awhaltenden Cisenbahnerstrllk vollkommene Ruhe und Ordnung. Kurzfristige Kraftwagen-- fahrten vermitteln nach allen Richtungen die Verbindung mit den Anschlußstationen, so daß sich der Reiseverkehr nahezu normal abwickelt.
Dis chinesischen Wirren.
Borodin verläßt Hankau.
Hankau. 17. Iuli. (Reuter.) Der russische Ratgeber der Hankauer Regierung, Borodin, ist heute morgen von hier in einem Motorboot abgefahren. Beamte der Hankauer Regie
rung erklärten, Borodin beabsichtige. China zu verlassen, lehnen es aber ab, etwas über die Routen mitzuteilen, die er einschlagen werde. Gerüchtweise verlautet, daß der chinesische Richter, der die Freilassung von Frau Borodin und der drei russischen Kuriere an* ordnete, dafür 20000 0 Dollar aus russischer Quelle erhalten habe. Der betreffende Richter habe Peking unmittelbar nach der Freilassung der Russen verlassen.
Rach einem Telegramm des „Rew Vork Herald" hat die chinesische Polizei eine Haus- smchung in der Sowjetbankin Schang- h a i vorgenommen, um Dokumente zu suchen, die den Beweis erbringen sollen, daß diese Bank mit den chinesischen Kommunisten finanzielle Verhandlungen geführt habe. Die chinesische Poll- zei habe, wie man versichert, Schriftstücke gefunden, die demnächst die Festsetzung einer großer Anzahl von Personen zur Folge haben werden. Der Rechtsanwall der Bank, ein Deutscher, namens Wilhelm, der lebhaft gegen die Haussuchung protestierte, soll verhaftet worden fein.
Rach Meldungen aus Pellng bestätigt es sich, daß Tschangkaischek der Rordarmee einen Waffen still st and angeboten hat. Die Führer der Rordtruppen haben gestern abend beraten, und es wird für heute ihre Antwort erwartet. Cs wird angenommen, daß sie den Vorschlag Tschangkaischecks für annehmbar erklären unter der Bedingung der Zurückziehung der Südtruppen aus Schantung und eines gemeinsamen Vorgehens gegen die Extremisten.
Frankreichs Heeresreform und der Friede.
; Zwei Denkmalsredcn Painlev4s.
Paris, 17. Iuli. (WBll Bei der Einweihung eines Denkmals für die Gefallenen der Stadt Rantes hiell Kriegsminister P a i n l e v 6 die Weiherede und wändte sich dagegen, daß man in vielen Kreisen die Fatalität des Krieges leichtfertig hinnehme. Gr erklärte, der Friede werde aufrechterhalten werden, wenn sich die lllrheber der Mafsakres und diejenigen, die eine Revanche haben wollten, darüber klar seien, daß ihre Absichten auf einen wohlorganisierten und entschlossenen W i d e r st a n d stoßen würde. Dieser Gedanke sei bei der militari«» . scheu Reform in Frankreich vorherrschend gewesen. Es gebe für ein Heer eine noch ruhmreichere Aufgabe, als Schlachten zu gewinnen, nämlich Schlachten unmöglich zu machen, und die eventuellen Unruhestifter durch die Festigkeit seiner Organisation, durch den Mut der Soldaten, die es mobilisieren kann, und durch die Kenntnis der Qualität seiner Führer zu entmutigen. Dieses Heer sei in Frankreich in der Bildung b egriffen. Es stehe im Dienste des Friedens.
In einer zweiten Rede begrüßte Painlevä es, daß die deutschen und französischen Frontkämpfer sich nunmehr zu gemeinsamer Arbeit zusammen- gefunden hätten. Painlevs erklärte, Hindenburg habe einen Sattlermeister, der an der Spitze der deutschen Republik gestanden habe, ersetzt. Aber, so fuhr er fort, der neue Reichspräsident bleibt seinem Eide, den er auf die Verfassung geleistet hat, treu. In Deutschland macht der republikanische Geist langsame aber sichere Fortschritte. Als nach der Ermordung Erzbergers und Rathei^auS Luther und ©trefema nn nach Locarno fuhren, haben viele Propheten jenseits des Rheins die Ansicht vertreten, daß diese beiden Staatsmänner nicht gerade eine Unfallversicherung abschlietzen würden. Stresemann ist aber immer noch Außenminister. Mit ihm ist die Locarnopolitik am Leben. Ich begrüße das, und zwar sowohl im Interesse Stresemanns selbst als auch für Deutschland, für Europa und für uns. Das größte Hindernis für die internationale Sicherheit ist, mehr noch als der Haß und die wirtschaftlichen Gegensätze das gegenseitige Mißtrauen. An dem Tage, an dem ^dieses Mißtrauen durch ein Zauberwort in einer Wolke verschwinden würde, würde jedes Volk davon überzeugt sein, daß kein anderes es zuerst angreifen will, denn es gäbe keine Regierung mehr, die ihr Voll in einen Krieg h-.neinziehen könnte. Damit aber dieses internationale Mißtrauen verschwindet, genügt es nicht, daß es in jeder Ration Männer und Parteien gibt, deren Friedenswille unbestreitbar ist. Es genügt nicht, daß diese Männer an die Regierung kommen, sondern sie müssen sich auch auf eine öffentliche Meinung st Ütze n, die mächtig genug ist, einen Um» schwuyg unmöglich zu machen. Wenn es aber ein Land gibt, in dem der Friedenswille offenbar und einmütig herrscht, dann ist es FrankreiH! tpoincare spricht in Brüssel
Belgien und die Entente.
Brüssel, 17. Juli. (WTB.) In Laeken fand heute in Anwesenheit des Königs und anderer Mitglieder des Königlichen Hauses, des französischen Ministerpräsidenten Poincare und zahlreicher Vertreter der belgischen Regierung die Einweihung des Denkmals für den „Unbekannten Soldaten" statt. Der Festakt wurde durch eine Ansprache des Königs von Belgien eröffnet, dann sprach Ministerpräsident Poincarä: Es ist kein Verrat an der Sache des Friedens, wenn man die langsame Aenderung der Wahrheit und die Ersetzring der Geschichte durch die Legende verhindert. Vor einigen lagen hatte Dandervelde Gelegenheit, einige Behauptungen des Untersuchungsausschusses des Reichstages zu berichtigen, und insbesondere die Verleumdung zurückzuweisen, daß Belgien schon vor dem Kriege mit vollem Willen aufgehört hatte, neutral 3 u sein, und daß es in vollem Einvernehmen mit den eventuellen Gegnern Deutschlands gestanden habe. Die Kundgebung Vanderveldes ist entscheidend. Daß et- aber* genötigt wurde, so zu handeln, ist ein Zeichen, das keine Ration überraschen darf, die für ihre Freiheit hat kämpfen müssen. Belgien und Frankreich haben nicht aufgehört, mit unbedingter Ehrlichkeit die Politik der Annäherung, die in Genf und Locarno vorbereitet wurde, zu verfolgen. Ihre Haltung ist heute wie gestern die gleiche. Wenn Deutschland eine seiner Verpflichtungen einhält, wie in der vergangenen Woche in Königsberg, so verzeichnen wir dieses Ergebnis nicht mit der Befriedigung der Selbstliebe, sondern als ein Zeichen Ve r Entspannung. Es ist nicht allein die Vernunft, es ist nicht allein das Gefühl der Humanität, die uns raten, unseren Streitigkeiten mit unseren Nachbarn ein Ende zu machen: es ist unser
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$Ius aller Well.
Der deutsche Flottenbesuch in Riga.
Der Besuch der Zweiten Torpedobootshalb- flotille in Riga verlies bei strahlendem Sonnenschein und herzlicher Teilnahme der gesamten Bevölkerung der Stadt. Die Boote hatten gegenüber dem Stadtschloß festgemacht und wurden täglich von Tausenden besucht. Außer einem Ball vom Diplomatischen Korps veranstaltete der deutsche Gesandte an Bord des Stettiner Dampfers „Rvrdland" einen Empfang für die reichsdeutsche Kolonie, zu dem 400 Personen erfebienen waren. Eine Abordnung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften legte an den Kriegergräbern bei Segewold Kränze nieder. Für die Mannschaften der Flotille sand eine Theateraufführung im Freilichttheater statt, zu der auch zahlreiche lettländifche Marinemann- »schaften erschienen waren.
Schwere Unwetter in Schlesien.
Die schweren Unwetter, die im gesamten Gebiet des Eulengebirges niedergegangen sind, tragen katastrophalen Charakter. Namentlich der Ort 5 Peilau ist schwer heimgesucht. In Reichenbach geht die Peile über die drei bis vier Meter hohe Ufermauern hinweg. Ganze Sttaßen sind überschwemmt. Aus der Gegend von Peters- w a l d a u strömen ungeheure Wassermassen h<ran. Der Schaden der Landwirtschaft ist unübersehbar. Auch im benachbarten Glatzer Bergland wurde bedeutender Schaden angerichtet. Am schwersten ist das sogenannte Braunauer, Ländchen in der Tschechoslowakei heimgesucht worden.
Schwere Unwetter an der Rahe.
Wettervoraussage.
Vielfach wolkig, warm, einzelne Riederschläge, mäßige Luftbewegung.
Gestrige Tagestemperaturen: Marimum 21.6 Grad Celsius, Minimum 13 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 53 i Stunden. Heutige Morgentemperatur 16,8 Grad Celsius.
Witterungsaussichten für Mittwoch Fortdauer des herrschenden Witterungscharakters.
lieber das Rahetal ging ein schweres Unwetter nieder. Bei Bad Münster a. St. liegt das Geröll infolge der Hochwasserfluten
:gt das Geröll infolge der Hochwasserfluten stellenweise meterhoch. Der Straßenverkehr ist gesperrt, denn es sind über 200 Wagen Schutt abzufahren. Die Eisenbahnbrücke ist beschädigt, so daß sie nur eingleisig befahren werden kann. Den Weinbergen an den stellen Dergesabhän- gen in hervorragenden Lagen wurde übel mtt- gespielt.
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wohlverstandenes Interesse, das in Frage steht, es ist die Sorge um unsere Zukunft, unsere Neigung zur Arbeit und unser Bedürfnis nach Ruhe. Unser Friedenswille schließt weder den Willen nach Er- halt regelmäßiger Reparationen, noch den der G e w äh r 1 e i st u n g unserer Sicherheit aus. Unter Vorbehalt dieser beiden Bedingungen ist jedoch unser Wille zum Frieden so stark und so beharrlich, daß er sich weder durch Tlnverständins noch Mißtrauen, noch durch persönliche Angriffe entwurzeln läßt, und daß er fein Werk über alle Hindernisse hinweg hartnäckig und gelassen fortführen wird. Wenn Professor Bredt in einem vor kurzem verösfent lichten amtlichen Bericht nicht geschrieben hätte daß die Errichtung der belgischen , Maasfestungen eine Verletzung der Reutra' „ lität und eine feindliche Maßnahme gegen Deutschland dargestellt hätten, so hätte Banker- ■. Velde sich nicht die Mühe machen brauchen, nachzuweisen, daß Deutschland nicht nur lj358,1875 und 1887 diese Arbeiten gekannt und gebilligt hat, sondern sie sogar gewünscht und Belgien dazu ermutigt habe. Wenn ich mich meinerseits bewogen fühlte, von dem Schritt des deutschen Gesandten in bezug auf das Ultimatum im Iahre 1914 und von den Einmärschen nach Belgien zu sprechen, so geschah das deswegen, weil es für diejenigen, die Zeugen dieser Vorgänge waren, tatsächlich schwierig ist, Entstellungsversuche zuzu- : lassen, die die Revision der C3ertrüge vorbereiten soll.
Wirbelsturm über Kansas.
Bei einem Wirbelsturm, der über den nordöstlichen Teil von Kansas und über die südlichen Telle der Stadt hinwegging, wurden bisher a ch t Personen getötet und etwa hundert verletzt. Außerdem wurde bedeutender Schaden an- gerichtet.
Schiedsspruch,in der Kölner Metallindustrie.
Zur Beilegung der Streitigkeiten in der Kölner Metallindustrie wurde von dem Sonder- schlichter ein Schiedsspruch über Arbeitszeit und ileberftunöenfragen gefällt, der die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit auf 48 Stunden festsetzt. Die Arbeitgeber können nach Anhörung der gesetzlichen Detriebsvertretung eine Verlängerung der Arbeitszeit bis zu 52 Stunden in der Woche anordnen. Darüber hinaus können Heberftunben nur mit Zustimmung der Betriebs Vertretung vereinbart werden. Don der 49. bis einschließlich zur 52. Mehrarbeitsstunde werden 20 Prozent Zuschlag gezahlt.
Vater und Sohn verschüttet.
Samstag ging auf der in Wattenscheid gelegenen Zeche „Holland" ein Teil einer Strecke zu Bruch. Von den hereinbrechenden Gesteinsmassen wurden zwei Bergarbeiter, Vater und Sohn, verschüttet. Die sofort auf genommenen Rettungsarbeiten hatten nach drei Stunden noch keinen Erfolg. Lebenszeichen von den Verunglückten tverden nicht mehr vernommen, fo daß mit ihrem Tode zu rechnen ist.
Abenteuerliche Besteigung eines Funkturms.
In Königswusterhausen ist Sonntagvormit- tag ein junger Mann an der Außenseite eines 210 Meter hohen Funkturmes hinausgeklettert. Die Polizei forderte den Mann auf, herunter- zukommen. Er wollte sich an einem Seil herunter- lassen, verlor aber den Halt und rutschte an demSeil entlang in d i e Tiefe. Er zog sich dabei schwere Verbrennungen an Armen und Händen zu, die zum Teil bis auf die Knochen gingen. Zehn Meter von der Erde entfernt stürzte er ab, da das Seil nicht gang bis zum Boden reichte. Er wurde nach dem Krankenhaus gebracht. Rach seinen Angaben hat er an den Oberbürgermeister Böß einen anonymen Brief geschrieben, in dem er ihm mitteilte, daß er am Vormittag von der höchsten Turmspitze Deutschlands seine Grüße entbieten werde.
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