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sparsam ausgestellt sind, aber man muß nicht nur die nackten Ziffern sehen, sondern muß es sich leben­dig oorstellen, wie durch Gaben an die Studien- iiiftung der Studentischen Wirtschaftshilfe Hunderte, denen sonst die volle wissenschaftliche Durchbildung versagt geblieben wäre, zum Ziele kommen können, und was unsere Erziehungsbeihilfen bedeuten, wenn der Ernährer stirbt und die Mutter für ihr Kind lorgen muß. Den christlichen Millionen, die seit sechs Jahren unausgesetzt das Re ichs schul ge- i c B fordern, wäre es unerträglich, wurde der Reichstag bis November in die Ferien gehen, ahne das Zchuloeseiz in Angriff genommen zu haben.

2lbg. ®r. Schreiber (3.): Die dauernde Kritik an der Staatsform dari nicht fortgesetzt werden. Die Republik muh mit aller Kraft bejaht werden. Die Republik muh uns eine Staatsform sein, die wir mit sittlichem Gehalt füllen. Eine Staatsform auf Kün­digung muh abgelehnt werden. Der Parlamen- tarismus hat seine Schwächen, aber er wird sie überwinden und seine Tradition entwickeln. Ruch ist eine realistische Außenpolitik nur möglich, wenn wir uns zum Parlamentarismus bekennen. Mit Befriedigung stellen wir fest, dah die Verfassung im Volk an Boden gewinnt. Dom Ministerium des Innern verlangen wir bewußten Schuh der Verfassung und Staatsform. Der republikanische Gedanke darf im Ministerium kein bloßes Firmen­schild sein. Wir wünschen moralische Er­oberungen für die Republik, namentlich auch in der Beamtenschaft. Der Dualismus zwischen rein mechanischer Hingabe und innerer Opposition der Beamten, die dem Gedanken der Staats- nutorität Abbruch tun, muh verschwinden.

Den Militarismus und Zentralismus, etwa der französischen Kultur, lehnen wir für Deutsch­land ab. (Beifall im Zentrum.) Provinz ist kul­turell unterjochtes Land. Wir aber wollen die Heimat.

Den Ländern müssen wir also nach wie vor beachtliche Kulturkompetenzen zubilligcn, aber das Heid) hat sich schon bisher führend bekciligt an der Kulturpolitik Deutschlands, namentlich im Ausland.

An die Spitze der deutschen Kulturpolitik gehört das deutsche Dorf. Der Steinhaufen der Grohstädte darauf weiß auch Spengler hin steht am Ende der Kultur. Wir müssen das Dorf in seiner schöpferischen Kraft erhalten. Auch das Problem der Landwirtschaft muh kulturell angegriffen werden. Mittelpunkt der Heimatkultur muh die Dorfschule fein. Wir begrüßen ,ede Förderung der Heimatbewegung. Wir wollen eine einheitliche Lehrerbildung, lehnen aber eine Engung der Weltanschauungen ab. Wir warnen deshalb vor einer voreiligen Ueberspannung des staatlichen Schulmonopols. Wir verlangen dem­gegenüber das Prinzip der Bewegungsfreiheit der Mi'- weiten. , ,

Abg Dr Cremet (DDP.N Wir haben un­ser Schickiac selbst in die Hand genommen und die Derfassung von Weimar als Rechtsnorm ge­soffen, und wir schätzen den Staat in dieser seiner heutigen Form in seinem Bestände. Er muh auch in seiner äußeren Erschei­

nungsform respektiert werden. Aber das ändert gar nichts an unserer per­

sönlichen Anschauung über die Notwendigkeit von Derbesserunge n dieser Derfassung und an der Forderung, unsere ruhmreiche Vergangen- heit zu ehren. Sehr bedenklich sei es, dah Preu­ßen für seine Polizisten mehr ausgebe, als das Reich für seine Soldaten. Dagegen müsse man noch prüfen, ob die Länder alle ihre Pflichten zur Förderung der Wissenschaft und Kultur er­füllen. DaS Reich hat nur dann einzugreisen, wenn einem Land Mittel nicht zur Derfügung stehen. Der Redner schließt mit der Hoffnung, l daß cs bald gelingen werde, die Zahl der heut» schen Länder zu vermindern

* Weiterberatung Freitag.

Der Finanzausgleich.

Berlin. 17. März. Der Steueraus- schuh des Reichstags setzte am Donnerstag die Aussprache über den Finanzausgleich fort. Reu eingegangen ist ein Antrag der Regierungs­parteien. das Reich solle den Ländern u n t> Gemeinden den gesamten Aufwand für die Erwerbslosenfürsorge bis zum Inkrafttreten der Arbeitslosenversicherung er­sehen. .

Der preußische Finanzminister Dr. H o p k e r- Aschoff erklärt, daß dem auf Preußen ent­fallenden Mehrbeträge Einnahmeverminderungen und unvermeidliche Mehrausgaben in Höhe von 117 Millionen gegenüberstehen. Die Entlastung auf den Gebieten der unterstützenden Erwerbs- lofenfürsorge wirke sich im preußischen Haushau nicht aus. Angesichts der Senkung der Real­steuern erscheine es ihm bedenklich, den Gemeinden das Recht zur Erhebung von Getränkesteuern zu nehmen. Rach dem klaren Wortlaut deS An­trages wegen Erhöhung der Diersteuerentschädi- gungen komme ihm verfassungsändernde Bedeu­tung zu.

Ministerialdirektor von Leyden vom preu­ßischen Ministerium des Innern erklärte, daß für die preußischen Gemeinden die gewünschte Senkung der Realsteuern schon durch das neue Gewerbe st euergeseh eingelei- t c t fei, die dem Mehraufkommen an Einlommen- und Körperschaftssteuer mehr als entsprächen. Diese Senkung werde auch praktisch zur Aus­wirkung kommen, wenn den Gemeinden die Be­lastung durch die Erwerbslosenfürsorge abge- nommen und nicht auf dem Umwege über die Krisenfürforge wieder auferlegt werde. Bedauer­licherweise wird jedoch In einzelnen Gemeinden eine Erhöhung der Realsteuern ein­treten müssen, wenn ihnen die Getränkesteuer genommen werde.

Der Dertreter Badens erklärte' Die ha- dische Regierung steht vollkommen auf dem Stand­punkt des Ausschusses, daß die Realsteuern der Länder nach Möglichkeit gesenkt werden sollen. Baden hat im Jahre 1926 seine Realsteuern um­gestellt in dem Sinne, daß daS gewerbliche Der- mögen nicht mehr nach dem Wert, sondeim nach dem Wert und dem Ertrag besteuert wird. Erst wenn das Ergebnis der ersten Veranlagung vorliegt, kann beurteilt werden, ob die Rotwendig­leit und Möglichkeit einer weiteren Senkung der Realsteuern vorliegt. Wenn dies der Fall fein wird, wird die badische Regierung eine Senkung eintreten lassen.

Bayerischer Staatsrat v. Wolf erklärt, Bayern werde von feinen föderalistischen Grund- sähen nichts aufgeben. Das Gesetz von 1919 bc- , gründe den Anspruch der süddeutschen Länder aut die vorgeschlagene Erhöhung der Vicrftcucr- entfchädigungen. Falls die ©etränlcfieuer be­ledigt würden, würden die Gemeinden genciiat fein, ihre Umlagen zu erhöhen Er bitte dringend

die Getränkesteuer aufrechtzuerhalten, wenigsten- für Bier.

Abg. Keinath (D. Dp.) betont, tatsächlich habe Dr. Reinholds Finanzausgleichsentwuri alles beim alten lassen wollen, während jetzt eine Senkung der Realsteuern und eine Beseiti­gung der Getränkesteuern beabsichtigt sei.

Abg. Dr. Gerikc ^5>n.) weist darauf hin, dah Preußen einem Teil der Gemeinden aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer wesentlich weniger geben will als bisher. Diesen Gemeinden bleibe doch nichts weiter übrig, als die Real- steuern zu erhöhen.

Abg. Dr. B e ck e r - Hessen (D.Dp.) betont nochmaö die Rotwendigkeit, Länder und Ge­meinden durch äußeren Zwang zur Herab­setzung ihrer Ausgabenzu veranlassen. Die Umsaysteuersenkung habe sich vom finan­ziellen Standpunkt als verfrüht erwiesen. Auch die Derbraucher würden das beule wohl nicht mehr bestreiten. An dem Standpunkt der Deut­schen Dolkspartei zur Getränkesteuer habe sich nicht das geringste geändert.

Aus dem Finanzausrchutz des Hessischen Landtags.

Don unserer Darmstädter Redaktion.

D a r m ft a b t, 17. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags begann heute mit der Be­ratung der zum Ministerium des Innern gehörenden Kapitel des Stoatsvoranschlags, und zwar bei Ka­pitel 27 (TI i n i ft e r i u m des Innern) Es wurden Fragen hinsichtlich der Assessoren und Dienstanwärter besprochen, aber noch keine Be- schliisse darüber gefaßt, weil man diese Angelegen- heit zusammen mit anderen Ministerien erledigen will. Der Abgeordnete Galm hat den Antrag gestellt, die Positionen 2, 3, 4 und 5 (Staatsrat, Ministerial­räte, Oberräte usw.), sowie auch Position 8 (einen Polizeirat als Hilfsreserenten) zu streichen. Der An- trag wurde abgelehnt. Ein Antrag Dr. Leuchlgens- Glaser will von der Zahl der Beamten ein Drittel auf den Inhaber bewilligen. Die Auswahl der (Stel­len soll dem Ministerium überlassen bleiben. Das Ziel des Antrages ist, eine Vereinfachung der Verwaltung und eine Verminderung des aufge­blähten Beamtenapparates herbeizuführen. Der An­trag wurde der Regierung als Material überwiesen. Das Kapitel selbst wurde angenommen. In Kap. 28 (Stellvertretungs- und AusHilfs­kosten) find 6550 Mk. weniger als inr Vorjahre angefordert; das Kapitel wurde genehmigt. Für das Kapitel 29 (Postgebühren) werden 15 000 Mk. weniger gefordert und für das Kapitel 30 (Regie­rungsblatt) werden 20 000 Mk. weniger gefor­dert; beide Kapitel wurden ebenfalls yenehmigt. Zu Kapitel 31 (Prooinzialdirektionen und K r e i s ä m t e r) liegt ein Antrag Widmann vor, 8 Regierungsräte auf den Inhaber zu fetzen und 4 Regierungsasfefforen zu streichen; dieser Antrag wurde gegen 3 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag Angermeier will, daß die Position 1 (Provinzial­direktoren) und Position 4 (Tagegelder) von 45 000 Mark auf 30 000 Mk. herabgesetzt wird. Der Antrag wurde ebenfalls abgelehnt. Ein Antrag Dr. Leucht­gens-Glaser ersucht die Regierung, die Zahl der Be­amten und Angestellten an den Provinzialdirek- Honen und ftreisämtern, unter gleichzeitigem Abbau der Aufgaben dieser 21 ernte r, auf den Vor - kriegsstand zu bringen. Der Antrag wurde mit 6 gegen 3 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen a n - genommen. Ein Antrag Kindt, zwei vom Reich übernommene Beamte in den Gehaltsoerhältnissen ebenso zu behandeln wie mittlere Beamte, wurde abgelehnt, dagegen ein gleichzeitiges vorliegendes Gesuch dieser Beamten der Regierung als Material zur nächsten Besoldungsordnuna überwiesen. Das Kapitel selbst wurde genehmigt. Zu Kapitel 34 (Ar­beitshaus Dieburg) beantragt Abg. Widmann, den Arbeitsverdienst für Sträflinge auf 1,50 Mk. für Tag und Kopf feftzufetzen. Die Abstim­mung hierüber wurde vorläufig ausgesetzt. Ein An- trag *'2Ingermeier will, daß den Sträflingen ein der geleisteten Arbeit entsprechender Verdienst gewährt wird; es müsse der jeweilige Tariflohn in Rech­nung gestellt werden. Der Antrag wurde abgelehnt und das Kapitel angenommen.

Dem Landtag ist eine Anfrage der Ab­geordneten Frau Balser, Frl. Birnbaum und Frau Heraus zugegangen; sie lautet: Ist es der Regierung bekannt, daß in einigen Mädchen- fortbildungsschulen der Säuglingsunter. richt eingestellt wurde? Aus welchen Gründen ist diese Einstellung erfolgt und was gedenkt die Re- dey. Birnbaum und Fraktion beantragen, die

Abg. Reiber fragt an: Wie viele Lehrer und Lehrerinnen haben Dekrete, ohne ihren Dienst aus Mangel an einer Wohnung antreten zu können? In wie viel Fällen handelt es sich dabei um Dienstwohnungen, die von den früher in den Ruhestand versetzten Stel­leninhabern oder deren Familie (Witwe) nicht geräumt werden? Was gedenkt die Regierung zu tun, um diesen unhaltbar gewordenen Der- hältnissen abzuhelfen?

Die vollsparteilichen Abgeordneten Dingel- dey Birnbaum und Franktion beantragen die Regierung zu ersuchen, alsbald eine Regierungs­vorlage zu unterbreiten, durch die die feit Jahren beklagte ungerechte Zurücksetzung der Alt- pünsionäre endlich beseitigt und die Altpen­sionäre endgültig den Reupensionären in ihren Rechten gleichgestellt werden,

Dawesplan und interalliierte Schulden.

N e u i) o r 1, 18. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Direktor der Princeton-Universität, Hibbens, er­klärt, die Behauptung des Schatzsekretärs Mellon, die Alliierten erhielten die Beträge zur Tilgung ihrer Schulden aus dem Dawesfonds, wider­spreche der Feststellung der Schuldenkommisfion vom 30. September 1925, daß die deutschen Reparationen und die Schulden Frankreichs getrennte Pro­bleme seien. Außerdem sei Mellons Standpunkt auf die Ueberzeugung gegründet, dah Deutschland 60 Jahre lang regelmäßig Zahlungen aus dem Dawesplane leisten werde. Diese Annahme könne nicht als zweifelsfrei gelten. Ferner seien Deutsch­lands Zahlungen an Frankreich zur Wieder­gutmachung von Zerstörungen bestimmt, während Mellon verlange, dah Frankreich die ganze Summe an die Vereinigten Staaten wie­der auszahle.

Englands Lustrüstung.

London. 17.März. (WB) 3m Unterhaus brachte Ponlonby (Arbeiterpartei) einen An­trag ein. der die Vermindern ngderLufi- ft t e i 11 r ä f t e von 33 OCO auf 1000 Mann for- hert Der Luftfahrtminister erklärte zu diesem Antrag. London fei die verwund­

barste Hauptstadt für Luftangriffe in Europa. Am Ende des Krieges habe England die größte Luftstreitmacht Europas gehabt; es habe sie bis zur Bedeutungslosig­keit vermindert, ohne dah die übrigen großen Mächte dickem Beispiel gefolgt wären. England sei verpflichtet, sich in einen besseren Verteidigungszustand zu sehen. Der Abände­rungsantrag Ponkonbys wurde verworfen.

Amerika

und die Abrüstung.

Eigener Drahtbericht desGiehener Anzeigers".

Berlin. 18. März. Es ist bekannt, daß Der neue Vorschlag des Präsidenten E o o l i d g e zur Durchführung einer zweiten Marineabrüstungs­konferenz außerhalb Englands und. Japans, also besonders bei Frankreich und Italien, auf eine ziemlich deutliche Ablehnung gestoßen ist. Der Grund dafür liegt bei Frankreich einerseits in dem Bestreben, die Land- und Seeabrüstung, oder was man sich in Frankreich darunter vor- ; stellt, zusammen zu behandeln, weil man auf diese Weise einen Druck auf England aus­üben zu können glaubt, der der Abrüstungsfeind- schäft weiter französischer Kreise eine Vermeidung wirklicher Abrüstung ermöglicht Zweitens aber widersetzt sich Frankreich auch deshalb der Konfe­renz. weil der bei der vorigen Washingtoner- Konferenz festgesetzte Schlüssel, der Frankreich und Italien mit je 1.7 gegenüber einem Quotien­ten für Amerika und England von je 5 und Japan von 3 abfand, ihm insbesondere für feine U-Bootflotte ganz untragbar erscheint. Dieser letzten Einwendung tragen bereits die jüngsten amerikanischen Veröffentlichungen über die Möglichkeit eines anderen Schlüssels und einer Monitoren Rücksichtnahme auf den akuten Fall der Gefahr einigermaßen Rechnung.

Run kommt die Meldung, dah in einer Rote an das Sekretariat des Völkerbun­des Amerika einen ganz eigenartigen Vorstoß macht, um die führenden Militärmächte zur An­erkennung seines Abrüstungsschemas zu veran­lassen. Washington lehnt nämlich alle Maßnah­men ab, die auf eine Kontrolle, aus das Verbot gewisser Methoden der Kriegsführung und, wie das von den Amerikanern ausgedrückt wird, auf eine Einschränkung der Sou- veränitätsrechte hinauslaufen. Zur Frage des Verbots des chemischen Krieges be­merkt die amerikanische Regierung, dah die vom gemischten Ausschuß gemachten Vorschläge in Feinem Zusammenhang mit der Frage der Rüstungsbeschränkung 6eben. Vs fei notorisch, daß die Mehrzahl der chemischen Produkte, die in Kriegszeiten zu Kriegszwecken verwendet werden könnten, für die Friedens Industrie z u den täg­lichen Bedarfsartikeln gehören. Kein Land tomie mit Sicherheit die Verpflichtung ein- gehen, auf Vorbereitung zur Verteidigung gegen einen mit chemischen Mitteln geführten Angriff zu verzichten. Zur Vorbereitung her Abwehr solcher Angriffe seien besonders Ausbil- bildungskurse unter Berücksichtigung der chemischen Fragen unerläßlich. Die amerikanische Regierung spricht sich deshalb gegen ein ab­solutes Verbot solcher AuSbildungSkurfe auS.

GS ist nicht anzunehmen, daß Amerika mit dieser Rote eine direkte pazifistische Tendenz ver­folgt, vielmehr nimmt man an, dah seine eigenen Militärkreise hinter diesem Vorstoß gegen das Abrüstungsprogramm des Völkerbundes stehen. Aber, in Zusammenhang gebracht mit den eifrigen Bemühungen der Vereinigten Staaten um das Zustandekommen einer neuen See-Abrüstungs­konferenz ergibt der neue Schritt doch praktisch eine außerordentliche Erschwerung in der Fortführung der komplizierten und mit außer- ordentlicher Spitzfindigkeit bisher durchgekämpf- ten Methode Frankreichs, die Abrüstungsfrage auf sein eigenes Gleise zu schieben.

Neuer Feldzug gegen die Reichswehr.

Scharfe Angriffe im französischen Lenat.

Paris, 17. März. (Wolff.) 3m französischen Senat ergriff bei der Beratung der Rachtrags- kredile, die der Kriegsminister verlangt, der elsässische Senator E c c a r t das Wort, um auf die fortgesetzten Erhöhungen des Bud­gets der deutschen Reichswehr hinzu- weisen. Er erklärte, die Reichswehr bilde in Deutschland einen Staat im Staate. Man müsse nach Prüfung des Budgets der Reichswehr und der Reichsmarine feststellen, dah das Budget übertrieben sei und daß die deutsche Reichswehr das Parlament beiseite schiebe. Während die Effektivbestände durch den Friedensvertrag von Versailles unverrückbar sind, wachsen die Kredite. Sie sind von 450 Millionen im 3ahre 1924 auf 700 Millionen im 3ahre 1927 ge­stiegen. Der Senator spricht auch von den über­triebenen Ausgaben für die deutsche Kriegs­marine und geht alsdann auf die deutsche Handelsmarine ein, die eine Pflanzstätte für Offiziere geworden sei. Das sei auch eine Erscheinung wenig erfreulicher Art, die beweise, daß Deutschland sein altes Prestige in her Welt wieder aufrichten wolle.

Trotz der Schwierigkeiten Deutschlands, sein Budget für das 3ahr 1927 aufzustellen, hätten es Sie Sozialisten nur vermocht, eine Herab­setzung von einem Prozent bei den militärischen Krediten zu erzielen. Dr. Gehler habe sich geweigert, eine Kontrolle über die Verwendung her Kredite anzunehmen. Er habe seine Ge­danken. das Heer und das Land auf e i ne n künftigen Krieg vorzubereiten, nicht verheimlicht und er habe nicht ableugnen können, daß Beziehungen zwischen der Reichswehr und den patriotischen Verbänden bestehen. 3m Reichs­tage habe man auch hie m o n^i r ch i st i s ch e Gesinnung der Offiziere aller Grade aufgedeckt. Der Reichswehrminister habe diese Tatsache nicht abgeleugnet, sondern erklärt, dah diese Offiziere sich loyal in den Dienst der Reichswehr gestellt hätten, und daß kein Grund bestehe, an ihrer Loyalität zu zwei­feln. Die Beunruhigung des belgischen Kriegsministers, der erklärt habe, dah die Reichs­wehr sich zu enem Viertel in jedem Jahre er­neuere. was Deutschland gestatten würde, im Falle eines Konfliktes ein Heer von 600 000 Mann aufzustellen, sei ihm verständlich.

Der Senator erwähnte die Enthüllungen des sozialdemokratischen Abgeordneten Künstler im Vorwärts" und fuhr fort, die jetzt Regierenden in Deutschland können unS nicht genügend Ga­rantien geben, daß wir Vertrauen in die pazi­fistischen Erklärungen der deutschen Regierung haben Kirnen. Jüngst habe Reichspräsident v.

Hindenburg an einem Bankett teilgenommen, das unter Vorsitz des Feldmarschalls v. Macken­sen stattfand und der Erinnerung an den Grafen Schliessen diente, dem Manne, der den Plan des Einfalles in Belgien aus gearbeitet hatte, otrefemann ist der geistige Schü­ler Bismarcks, der nur provisorisch aus die Machtpolitik verzichtet hat. Frankreich müsse auf wirtschaftlichem, militärischem, maritimem und auf moralischem Gebiet unaufhörlich seine Wiederauf­richtung vollziehen. Ministerpräsident P o i n - c a r 6 erklärte, die Regierung habe in ernstlicher Weise ihre Aufmerksamkeit auf die von Senator Eccart vorgebrachten Tatsachen geteilt. Sie toerbe fortfahren, im Einverständnis mit den Parla­mentsausschüssen alle Mahnahmen zu ergreifen, die die Sicherung des Friedens und die Auf - rechterhaltung der nationalen Si­cherheit erfordern.

Generalstreik in Schanghai?

Landon, 18. März. (IDIB. Funkspruch.) Times" berichtet aus Schanghai: Die lange ange­kündigte Absicht der Südheere, ihre gesamten An­strengungen aus die (Einnahme Nankings zu richten, dessen Fall automatisch zu dem Schang­hais führen würde, scheint in voller 2TG » f ü b - r u n g begriffen zu fein. Rach zuoerlässigen In­formationen machen die Südtruppcn einen zwei­fachen Angriff zwischen wuhu und dem Taihu-See. Auf die Rachricht von der angeblichen Einnahme Raulings durch die kantonefen sollen die Arbeiter­agitatoren in Schanghai den Generalstreik verkündigt haben. Man erwartet, dah bis heute abend die Zahl der streikenden Arbeiter 250 000 be­tragen werde.

Aus aller Welt

Der Sohn des Reichswchnninisters gestorben.

In Augsburg starb an den Folgen einer schweren Gripvcerkrankung der jüngste Sohn des Reichswehr­ministers Dr. Gehler, der damit seinen letz­ten Sohn verloren hat. Der älteste der bei­den Söhne erlag bereits im Jahre 1924 einem Herzschlag. Die Leiche wird nach Lindenbera im Allgäu ubergesuhrt, wo die Beisetzung im Familien­grab erfolgt. Donnertaa vormittag fand in der Hei­ligen Kreuzkirche ein Trauergottesdienst statt, dem das ganze Realgymnasium, dessen Unterprima der Verstorbene angehörte, beiwohnte. Reichsprä­sident v. Hindenburg hat dem Reichswehr­minister telegraphisch seine herzlichste Anteilnahm« ausgesprochen, ebenso der Reichskanzler Dr. Marx.

Rückkehr des SchulkreuzersHamburg".

Der SchulkreuzevHamburg", der am Don­nerstag von feiner Weltreise zerückgekehri ist, wird am Samstag von dem Chef der Marine- lettung, Admiral Zenker, auf der Reede besich­tigt. Diese Besichtigung gilt vornehmlich den Kadetten, die ihre Ausbildung durch eine Abschlußprüfung (Fähnrichexamen) im spanischen Hasen Vigo beendet haben. Der Kreuzer wird nach der Besichtigung durch den Chef der Marine­leitung am Sonntagnachmittag in die dritte Ein­fahrt der Wilhelmshavener Schleuse einfahren, wo er von der Admiralität, den Behörden und der Bevölkerung empfangen wird. Der Kreu­zer macht dann für einige Tage im Ausrüstungs­hafen fest.

Eine Sensation In der Cuff.

Der bekannte Segelflieger Espenlaub unternahm auf dem Kasseler Flugplatz einen neuen Versuch mit seinem Segelflugzeug, bet bisher in der Welt einzig dafteht. Er hängte sein motorloses Flugzeug, da- von ihm selbst gesteuert wurde, mit einem langen Kabel a n ein s chw eres Motorflugzeug an. Der Start beider Maschinen geschah also zu gleicher Zeit. Sobald das Flugzeug mit Anhänger ein« beträchtliche Höhe erreicht hatte, löste Espen­laub mit einem Griff seinen Segler von der Lustlokomottve und segelte nach dem Flugplatz zurück. Rach Beendigung seiner gegenwärtigen Versuche will er mit diesem Problem zum ersten- mal in diesem Jahr an einer Flugveranstaltung teilnehmen.

Die Veethovenseler des Reichsoerbandes der Gemischten Lhöre.

Unter den Konzertveranstaltungen, die aus Anlaß des 100. Todestages Beethovens zu Ehren des Meisters begangen werden sollen, ist beson­ders bemerkenswert daS Festtonzert, daS der ReichSverband der Gemischten Chöre Deutschlands am 19. März in Berlin veranstalten wird. Das Festkonzert, das unter der Leitung von Brun» Kittel stattfindet, wird von nicht weniger al» 2000Sängerinnen unh«Sängern ausgeführt werden. Vorgesehen sind im Programm die bekanntesten Chor- und Sologesänge und Volkslied« Beethovens.

Veethovenseler In Pari».

Die Feierlichkeiten zu Ehren Beethovens Haden in der Kirche R o t r e Dame mit einer Auf­führung der Missa Solemnis begonnen, die geleitet wurde vom Dirigenten der Colonne-Con- certe P i r n 4. Der Kirchenchor war durch den Chor der Colonne-Concerte und viele Mitglieder der Großen Oper verstärkt. Der Aufführung wohnten der Kardinalerzbischof Dubois mit der gesamten höheren Geistlichkeit, ein Vertreter des Präsidenten der R e p u b l i k und das ge­samte diplomatische Korps bei.

Der neue Bürgermeister von Hindenburg.

In der Hindenburger Stadtverordnetenversamm­lung wurde das Mitglied der gemischten Kommis­sion für Oberschlesien Landrat a. D. Dr. L u k a s ch e k mit den Stimmen sämtlicher Parteien gegen die Stimmen der Kommunisten, und zwar mit 39 gegen 11 Sti men, zum Oberbürgermeister gewählt.

E-n Glockenspiel au» Porzellan.

Anläßlich der Feier des tausendjährigen Be­stehens der Stadt Meißen im Mai 1929 wird die Staatliche Porzellanmanufaktur der Stadt für den Stadtturm ein Glockenspiel aus Porzellan schenken. Die Glocken werden bis zu einem Meter hoch sein.

Das Honorar der Pawlowa.

Eine Geschichte von der berühmten russischen Tänzerin erzählt ein bekannter SportSmann in feinen soeben erschienenen Erinnerungen. Sie war während ihres letzten Aufenthalts m Amerika gebeten worden, a u f einer Privatges ell- schaft zu Chicago zu tanzen und forderte dafür 1000 Dollar. Der Dame des Hauses war daS zu Diel. Sie werden eS auch wohl für 800 machen, fragte sie .Rein" war hie entschiedene Antwort. .Run gut. dann sollen Sie KOO haben, sagte die Dame,aber ich muß sie darauf auf­merksam machen, daß Sie nur zu dem TanZ erscheinen und nicht In der Gesellschaft. Warum haben Sie daS nicht gleich gesagt." ant­wortete die Tänzerin, .unter diesen Um» ständen begnüge ich mich auch mit 800 Dollar.