Nr. 65 Erster Matt
177. Jahrgang
Zrettag, '8. März 1927
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
VnlS und Verlag: vrühl'lche Univerßtäl5-V»ch- und Steinöruderei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Gefchäftrftele: Schulltraße 7.
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Dr Fn«dr Wilk Lange. Derantwonlich für Dd'hli Dr Fr Wilk Lang«, für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein: für den An- zeigentetl i. Dertr. h. Bech. lämtlid) in Dieben.
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Vie Finanzlage des Reichs.
Eigener Drahtbericht des „Siebener Anzeigers".
Berlin. 17. Marz. Nachdem sich bereits gestern der Interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien mit den erheblichen Mehraufwendungen über den Etatooranfchlag beschäftigt hatte, und dabei dahin kam, daß diese Aufwendungen einen Betrag oon annähernd 700 Millionen ausmachcn werde, hat stQ heute auch das Kabinett mit der allgemeinen «rinanzlage beschäftigt und dabei vor allem die geforderten Mehraufwendungen eingehend überprüft. Der Reichsfinanzminl- [t e r soll eine klare Rechnung aufgemacht haben über die Mittel, die zur Deckung der oon den verschiedenen Regierungsparteien gewünschten, über den Etatooranfchlag hinausgehenden Ausgaben dienen können. Es wird sich nun Herausstellen, in welchem Mähe die angcmeldeten Wünsche befriedigt werden können, und die Regierungsparteien werden sich darüber einig werden müssen, wie sic ihre Forderungen mit derfinonziellen Leistungs- fähigkeit des Reiches In Einklang zu bringen gedenken. Es ist denkbar, daß bei Lösung dieser Frage auch die Anträge der Oppositionsparteien Berücksichtigung erfahren, die erhebliche Einsparungen an den geplanten Ausgaben ermöglichen. Wahrscheinlich wird das Kabinett ein Programm derjenigen Mehrausgaben aufstellen, die es doch für finanziell durchführbar halt und gleichzeitig sich darüber äußern, wie es sich die Deckung hierfür denkt. Jedenfalls wird mit Einschränkungen in verschiedenen Etotspositionen und in dem oon den Regierungsparteien beantragten, über den Etat hinausgehendeu Ausgaben, zu rechnen fein.
i Verhandlung die die bn;
Oeffentlichkeit angehende Materie sowohl im Inter fraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien als auch im Reichskabinett hinter oerschioffenen Türen vor sich gehen, ist vielleicht mit taktischen Gründen zu rechtfertigen. Im Interesse der OesfenUichkeit imb besonders der Wirtschaft muß jedoch verlangt werden. daß nach Abschluß der Beratungen e i n klares Bild von der Finanzlage des Reiches gegeben wird, damit die Beunruhigung über die bereits gerüchtweise verzeichnete Drohung von Steuererhöhungen endgültig beseitigt wird.
Das Arbeitszeitnotgesetz.
EtttvottHparicilichcrPcrmttilnnttsvorschlag
Berlin, 18. März. (Priv. Tel.) 3n den Verhandlungen über das Arbeitszeitnotgesetz innerhalb der Regierungsparteien ist insosern gestern ein gewißer Abschluß erreicht worden, als die Beratungen des für diese Zwecke einge- sehten Unterausschusses beendet worden sind. Eine Einigung ist allerdings im älnterausschuh nicht erzielt worden. Vach der .Tägl. Rundschau' ist dem Unterausschuß von der Deutschen Dolkspartei ein Vermittelungsvorschlag unterbreitet worden, bei dem es sich um einen Ausgleich zwischen der Forderung der Deutschen Volks- Partei nach Aufrechterhaltung der Mehrarbeit und dem Verlangen des Zentrums nach einer gesetzlichen Regelung der Lohnzuschläge für die Mehrarbeit handelt. Der Vermittlungsvorschlag ist den Fraktionen der RegicrungSkoalition zur Beschluß- sossung zugegangen, und es bleibt abzuwarten, ob eine Einigung unter den. Regierungsvarteien auf dieser Grundlage erreicht werden wird. Für den Fall, daß es zu einer solchen Einigung nicht kommen sollte, glaubt das »B. T." Voraussagen au können, daß dann eine Vorlage des Reichskabinetts anfangs der nächsten Woche den parlamentarischen Körperschaslen zugeleitet werden soll, bei denen dann die Entscheidung liegen würde.
Stresemann vor dem Auswärtigen Ausschutz.
Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".
Berlin. 18. März. Der Auswärtige Ausschuß de» Reichstages trat gestern vormittag um 9.30 Uhr unter dem Borsitz des 2Ibg. Wallraf (Dntl.) und bei Teilnahme fast sämtlicher Ausschußmitglieder und zahlreicher Äertreter der Reichsbehörden zu der Sitzung zusammen, in der über die allgemeine poli tische Lage und insbesondere bie Genfer Verhand lungen beraten wird. Dom Reichskabinett war nur der Reichsaußenminister Dr Strese- m a n n anwesend, da zugleich eine Kabinettssitzung stattfand. Der Reichsaußenminister war von dem Staatssekretär Dr. v. Schubert und Ministerialdirektor Gauß begleitet. Dr. Stresemann leitete die Verhandlungen mit seinen Ausführungen über Genf und die politische Loge ein. Die Verhandlungen konnten noch nicht zu Ende geführt werden sie sollen heute vormittag fortgesetzt werden Aus her Dauer der Aussprache wird in parlamentarischen Kreisen geschlossen, daß die Auseinandersetzung uber die verschiedenen außenpolitischen Probleme doch gründlicher ist. als man ursprünglich ar.ge uommen hatte. Aus dem. was über den bisherigen Perlauk der Aussprache verlautet, ist zu entnehmen, daß von allen Rednern der Tart eien, also von Prof. Hoetzsch für die Dej'h'dmationaler, von Dr. 51 a o s für das Zentrum und oon Dr. Breit scheid für die Sozialdemokraten die Aufrechterhaltung des deutschen Rechts st andpunktes sowohl in der oberschlesischcn Schulfrage als auch in der Frage des Saargebietes unbeschadet der in Genf aus politischen Gründen oon deutscher Seite gemachten Konzessionen besonders betont wurde.
Bersassungsfragen im Reichstag.
Die Programmrede des Reichsinnenmintsters Dr. von Keudell.
Berlin, 17. März. 3m Reichstag wird die zweite Lesung des Haushalts des Reichs- ministeriumS für Ernährung und Landwirtschaft fortgesetzt.
Abg. Hemeter (Dn.i fordert ein Pflanzen- schuhgesey. um die Einschleppung gefährlicher Pflanzenschädlinge aus dem Auslande zu verhindern. Ferner tritt der Redner für die Kenntlichmachung ausländischer Eier ein 3m 3ohre 1926 wurden Eier im Gesamtwert von 234 Millionen aus dem Auslande eingeführt.
Abg. Dornefeld-Cttmann (3) schildert die Schuldenlast der Landwirtlchast und den schlechten Zustand der Gebäude, die er aus die steuerliche älebcrlaftung zurückführt. Zwischen kleinen und großen Landwirten dürfe man kernen Strich ziehen. Dre Pachtschuhordnung müsse revi- diert und die Siedlung gefördert werden
Abg. 3 a n s o n (D. Vp.) glaubt, daß mit Krediten allein dem Winzer st and nicht zu helfen sei. Man müsse ihm auskömmliche Preise für seine Produkte verschaffen Die größte Sorge der Winzer sei die angebliche Absicht der Regierung, Frankreich im provisorischen Handelsabkommen die Weineinfuhr nach Deutschland zu erleichtern. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.)
Reichsernährungsminister Schiele
nimmt hierauf das Wort zur Beantwortung der sozialdemokratischen und komrnunisttschen 3nter- pellationen über die Frage der Roggenversorgung. Rach der Dorratsstatistik des Deutschen Landwirtschastsrats standen am 15. Dezember 1926 noch 22 Prozent der gesamten Ernte an Roggen zum Verkauf zur Verfügung. Geht man davon aus, daß in diesem 3ahre von der gesamten Roggenernte etwa 40 Prozent, höchstens 45 Prozent, zum Verkauf kommen werden, so würden diese 22 Prozent der Gesamtmenge etwa 50 Prozent der GesamtverkaufSmenge ausmachen, das entspricht fast genau den Vorkriegsprozeist- sähen. Der Schluß ist nicht gerechtfertigt, baß die Roggenversorgung Deutschlands für den Rest des Wirtschaftsjahres nicht mehr sicher gestellt ist, oder daß man gar in kurzer Zeit eine Roggennot erwarten müsse. Die Roggenpreile im laufenden 3ahre waren zwar ungleich höher als die stark gedrückten Preise des Vorjahres, sind aber im Durchschnitt nicht höher als diejenigen des Wirtschaftsjahres 1925 26 Wenn bei den jetzigen Preisen der Landwirt nur einen knappen Ersah für den Minderertrag erhält, so bereitet diese Entwicklung dem EmährungSminister naturgemäß Gorge. Die Steigerung des Preises für Roggen- aeback beträgt durchschnittlich sieben Pfennig pro Kilogramm und ergibt eine Mehrbelastung auf den Kopf der Bevölkerung von 8.40 Mk. im ganzen 3ahre. Abgesehen davon, daß eine vorübergehende Suspendierung des Roggenzolles die Versorgungslage des Volkes kaum beeinflussen würde, so würde in den Roggenmarkt für den Rest der diesjährigen Versorgungsperiode eine nicht zu verantwortende Unsicherheit hineinge- tragen werden. Den Vorteil der Suspendierung würde nur das Ausland haben.
Es folgt die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums.
Neichsinnenminister v. Keudell
leitet die Beratung ein mit einem Hinweis auf die Festigung unseres Staatswesens. Seine Ausgabe sehe er darin, unter Vermeidung jeder Schwächung des Vaterlandes für dessen weiteren
Eine Entschließung der deulsch- saarländischen Dolksparter.
Saarbrücken. 17. März. IWTD.) Die Deutsch-Saarländische Dolivpartei hat nach einem Referat des Landtagsabgeordneten Schmelzer, der als Mitglied der Saardelegation in Gens weilte, eine Entschlteßung gefaßt, in der sie mit t« cf ft em Bedauern davon Kenntnis nimmt, daß c ch der Völkerbundsrat die bestimmten Er- ungen der Saarbevölkerung nicht erfüllt at und eine baldige Umgestaltung des Caarc gimcv im wahren Völkerbunds- geist fordert. Reichsaußenminister Dr. S 1 r e s e» m a n n wird der Dank dafür ausgesprochen, daß er die saardeutschen 3ntercffen im Rahmen des Möglichen vertreten hat. 3m übrigen härten die Genfer Verhandlungen die Erkenntnis bestärkt, daß c.nc befriedigende Lötung nur möglich ist durch einen baldigen und restlosen Wiederanschluß des Saargebietes an bas Vaterland. Ferner wurde die Absendung eines Dankttlcgramme an Dr Ctrcfc» mann beschlossen
Das dä ische Königspaar in Berlin.
Eigener Drahchericht des ..Gießener Anzeigers".
Berlin. 13.März. Wie schon kurz gemeldet. traf mit halbstündiger Verspätung gestern vormittag um 9 Uhr König ChristianX. von Dänemark und die Königin Alexandrine (eine Schwester der früheren Kron
Ausstieg zu wirken. Der ReichSkaitzler habe ja bereits in seiner Erklärung von der Ehrung unserer Geschichte gesprochen. Die Verunglimpfung vergangener Zeiten bient auch zur Verächtlichmachung des Reichs im Ausland (Sehr wahr! rechts.) und stößt viele ab. die bisher schon dem Vaterland in seiner neuen Form ehrlich gedient haben und auch erneut dienen wollen. Anderseits ist es eine Tatsache, daß die Svmbole des neuen Staates HerzenS- ideale eines großen Teiles unseres Volkes geworden sind. Der Reichsregierung nächste Aufgabe ist nicht die Verabschiedung möglichst vieler Gesche, sondern eine Behandlung der Der - fassungssrage mit dem Endziel, daß der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird und nicht der Geldbeutel. Die Möglichkeit staatlicher Einwirkungen auf unser Geistesleben kann man verschieden beurteilen Immerhin besteht hinsichtlich der Dchulgesetzgcbung eine Beunruhigung weiter Kreise nach zwei Richtungen: Einmal der seit Jahren immer vernehmlichere Schrei der Elternschaft nach Kinbercrzie- hnng im Glauben der Väter, und dann neuerdings — etwa zusammenfallend mit der Regierungsumbildung — Besorgnisse vor Preisgabe staatlicher Belange gegenüber der Kirche. Diese Beunruhigung ist ein Anzeichen dafür, wie sehr in den politischen Tageskämpfen der lehten 3ahre die Fragen der Weltanschauung zu kurz gekommen sind. Auf dem Gebiet der Aufrechterhaltung der christlichen Grundlage unseres Volkslebens ist viel wieder gut au machen Ich bin der festen äleberzeugung. daß ein Weg gefunden werden kann, welcher den Konfessionen das gibt, woraus sic Anspruch haben, und im übrigen dem Staat beläßt, was des Staates ist. Als Deamten- minifter liegt mit die Weiterführung der De- amtengesetzgebung ob. Die Reichsdienst- strafordnung steht vor ihrem baldigen Abschluß Das Deamtcnvertrctungsgeseh geht der Abstimmung im Reichsrat entgegen Das allgemeine Beamt eng cf eh soll folgen. Ich begrüße bei dieser Gelegenheit erneut die Mitwirkung der Deamten- organisationen und weiß mich mit ihnen in der Durchführung einer der wichtigsten Aufgaben meines Amtes eins,
die DienftfrcublgfeU unseres Berufsbeamten turne zu erhalten und zu mehren Gerade unter diesem für die Zukunft unseres Staatswesens geradezu entscheidenden Gesichtspunkt muß ich eine Erscheinung erwähnen, welche geeignet ist. in den Kreisen der Beamten Erschütterung zu erwecken und damit eine Schädigung der Staatsinteressen herbeizu- führen. 3n der Tages- und in der wirtschaftlichen Fachpresse sind an Zahl und Bedeutung nicht zu unterschähende Stimmen vernehmbar geworden. welche die Beamtenschaft und die Erhaltung der ihr eigenartigen Rechtsstellung als eine mit der heutigen Wirtschaftslage unseres Volkes unvereinbare Belastung unserer öffentlichen Haushalte bezeichnen. Diese Ideen werden nicht selten in propagandistischer Art vorgetragen, indem die Beamten geradezu als Drohnen hingestellt werden Das droht Mißstimmung in der Bevölkerung gegen sic oder einzelne ihrer Kategorien zu erzeugen und hat sie leider schon hier und da hervorgerufen. Ich kann diese Erscheinung, bei der vielfach auch unrichtige oder irreführende Zahlenvergleiche eine Rolle spielen, nur tief bedauern. Wirtschaft und Beamtenschast sind auseinander angewiesen: die eine ohne die andere ist undenkbar. Eie sollten daher nicht einander bekämpfen, sondern sich bemühen, einander zu verstehen unb zu würdigen
Prinzessin Cäcilie) mit dem Rordcrpreß aus Paris auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Zum Empfang hatte sich der h efige dänische Gesandte, Minister Zahle, mit den gesamten Mitgliedern der dänischen Gesandtschaft und ihren Damen, sowie im Hamen der deutschen Rcichs- regicrung der Chef des Protokolls. Gesanbtcr Köster, auf dem Bahnsteig emgefunötn. 3n Anbetracht der Verspätung hatte sich ebenfalls ein zahlreiches Publikum auf dem Bahnsteig an gesammelt, das nur mit Mühe von den ab- sperrenden Pollzcibeamten zurückgehalten werden konnte. Geführt von hem Gesandten verlieh das Königspaar, das noch ein Spalier von Photr- graphen und Filmoperateuren oassieren mußte, durch den Diplomatenausgang her. Bahnhof und begab sich sofort in das Hotel Adlon, in dem der König für die Zeit seines hiesigen Aufenthaltes abgeftiegen ist
Der König fuhr kurz vor 12 Ahr in Begleitung des kgl. dänischen Gesandte:'. Zahle unb des Kammcrhrn Lberstltn Dalberg am Hause des Reichspräsidenten vor. in dellen Ehren- Hofe eine Abteilung Reichswehr die militärisch-: Ehrenbezeugung erwies. Der Herr Reichs- Präsident cmfchng Seine Vlajestät den Komg am Eingang und geleitete ihn in das Botschafter- zimmer, wo die beiden Staatsoberhäuprer eine längere Unterredung hatten Gegen ein HHr stattete der Herr Reichspräsident, der von Staatssekretär Dr. Meißner begleitet war, in der dänischen Gesandtschaft dem König einen Gegenbesuch ab. Im Anschluß hieran fand auf der dänischen Gesandtschaft ein Frühstück statt, an dem der Reichspräsident teiLnaäm. Zu diesem Frühstück waren ferner geladen: Reichs-
vie Stellung der Beamten zur deutschen Reich»- versassung und zur deutschen Republik al» der in der ReichSversassung ichgeiegten Staatsform ergibt sich aus ihrem auf die Verfassung geleisteten Eid und daraus, daß die Verfassung die Grundlage ihrer Tätigkeit bilbet Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß die Beamten sich dem Staate verbunden fühlen sollen Das bedeutet für mich nichts anderes, als daß sie entsprechend der von keinem anderen Staat übertroffenen Beamtentradition ihre ganze Kraft dem Staate zu widmen haben Ich füge ausdrücklich hinzu, daß selbstverständlich auch für d e Beamten nach wie vor die Verfassungsartikel 118 und 130 im gesamten Umfange gelten, welche volle Freiheit der politischen äleberzeugung gewährleisten und wonach jeder Gewissenszwang, jede Gcllnnungs- schnüsselei ausgeschlossen ist.
Roch ein Wort zum Schluß Aum Verhält- nis von Reich und Ländern: 3ch bin mir der besonderen Aufgabe meines Ministeriums in dieser Hinsicht voll bewußt. Manch einem mag das Rcbene nander der Regierungen in manchem überflüssig — ja schädlich erscheinen. Die Möglichkeit von Reibungen und Hemmungen fei zugegeben Rechtfertigt Mei die Inangriffnahme grundstürzender Aenderungen lebensvoller. geschichtlicher Grundlagen unseres Reichs? Unb das nach dem erbrachten ungeheuren KrastbeweiS im Weltkrieg?
Auch heute erblicke ich in der Mannigfaltigkeit unserer staatlichen Verhältnisse eine unerschöpfliche Kraftquelle, wenn wir e» nur verstehen, nicht nur theoretisch die Synthese zu finden, sondern diese Ströme nationaler Eigenart und kulturellen Lebens zu gemeinsamer, Im besten Sinne produktiver freudiger Mitarbeit föt die Gesamtheit, ohne Erbitterung einzelner leite, zu vereinen.
Die Reichsregierung wird jederzeit für Ausglei- chung und Einschränkung von Meinungsverschiedenheiten zwischen Reich und Ländern wie zwischen letzteren elnlrcten. Ich halte es als Reichsminisier des Innern für meine ganz besondere Pflicht, nicht nur in leidenschaftsloser Beharrlichkeit dies Ziel zu verfolgen, sondern mit aller Wärm« durch Pflege persönlicher Beziehungen und oettrauensvoller, fachlicher Zusammenarbeit darauf hinzuarbeiten und hierbei stets eingedenk zu sein des allösterreichischen Wahlspruches: „Viribus uniti«' — Mit vereinten Kräften' (Beifall bei den Regierungsparteien.)
Abg. 6 o H m a n n (So,j.) erklärt, daß der Haus- holt des deutschen Kultusministeriums zu kümmerlich ausgestattet sei. Unsere kulturelle Rüstung ist sparsamer als unsere militärische. f)crr v. Keudell zeichnet sich durch eine allzugroße Bescheidenheit aus. Sein Programm ist nichtssagend. Wir fordern von ihm und der Reichsregieruna Stellungnahme zum Ablauf des Republikschutzgesetzes am 1. Juli. Die Republik muß dem ehemaligen Kaiser auch nach dem 1. Juli die Rückkehr unmöglich machen. Wir verlangen das Ausführungsgesetz zum Artikel 4 8. Einen militärischen Ausnahmezustand darf es nicht mehr geben. Die Sonderrechte der Länder müssen eingeengt werden. Wir bedauern, daß das Reich sich die Führung der Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl anscheinend ganz aus der Hand nehmen läßt.
Abg. Dr. Mumm (Dntl.) bespricht das G e - s e tz zum 6d) utz der Jugend gegen Schund und Schmutz. Der Blick auf verwüstete Kinderseelen sei starker als die Klage derer, die skrupellos verdienen wollen. Einmütig würde an- erkannt, daß die Ansätze im Ministerium äußerst
kauzler Dr. Marx, Reichsaußenminister Dr. Stresemann, bie Staatssekretäre Dr. M : i sine r unb v. Schubert, ber Ehes bes Protokolls, Gcsanbter Koester, Professor Erz. v. H a r - nack, ber kgl. bänische Generalkonsul v. Men- belssohn-Bartholby unb bie Mitglieder ber dänischen Gelanbtschafi
Das Königspaar hat gestern abend 6.55 Uhr Berlin wieder verlassen und sich nach Kopenhagen zurückbcgcben. Zum Abschied hatten sich der dänische Gesandte mit sämtlichen Mitgliedern der dänischen Gesandtschaft, sowie von feiten der deutschen Regierung der ffrjtf des Protokolls, Gesandter R ö st e r, auf dem Bahnsteig eingefunden.
Preußischer Landtag.
Berlin. 17. März Der Preußische Landtag letzte am Donnerstag die Beratung bes Kul- tusetals fort. Wiederum spielte bie Frag?: Simultan- ober Bekenntnisschule, sowie btc Koikordatssrage in der Debatte eine große Rolle. Die Aussprache über den Kultus- etat wurde unterbrochen um Abstimmun- geb zum Landwirtschastsetat vorzunehmen. U a. würbe ein Ausschußantrag angc- r.ommer. ber die völlige Bes itigung der Zwangswirtschaft für landwiriichaftliche Werkwohnungen verlangt. Ebenso wurde ein beutschnarwnaler Antrag angenommen, wonach der gegen Polen festgesetzte Kartoffelzoli von 2 Mark je Doppelzentner Mindestsatz werben soll. Annahme fand auch mit den 6tinuncn bev Linksparteien ein kommunistischer Antrag, ber bie Aufhebung jeher Beschränkung des Koali- tionSrechts ber Landarbeiter verlangt.


