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Nr. 41 Erster Blatt

177. Jahrgang

Zrettag, 18. Zebruar 1927

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Cbtfrebaktfur;

Dr Friedr Wilh Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Gange; für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An» zeigenteil i.Dertr H.Beck. fämtlich in Dietzen.

Die Reichswehr ein Volksheer.

Der Chef der Heeresleitung spricht im Haushaltsausschuh.

Berlin, 17. Febr. (D D F.) Der HauS- haltSauLfchuh des Reichstags setzte die Beratung des Hausha.ts des AeichSwehrmiNisteriums fort.

Der Ches der Heeresleitung. General der In­fanterie Heye, eröffnete bic Aussprache mit einer längeren Darstellung der Verhältnisse in der Reichswehr. Er lege besonderen Wert dar­auf, die Reichswehr dem Doll und dem Vater- lande nahe -u bringen. Unsere kleine Reichs­wehr sei ein Volksheer. Sie müsse «in Glied des deutschen Volkes und Vaterlandes sein und bleiben. DaS Heer könne nicht im Frieden, noch weniger im Kriege, allein stehen. DaS Heer könne den Kamps nur führen, wenn d a S ganze Volk hinter dem Heer stehe. 3m ZukunstSkriege sei ja der Soldat nicht die Haupt­sache. sondern das ganze Volk müsse den Krieg führen. SS sei klar, dah heute die Au- ßenpolitik mit den Arbeiten und Zielen der Wehrmacht In einem natürlichen Gegensatz stünde. Die Außenpolitik habe für einen dauer­haften Frieden zu sorgen, die Wehrmacht sich mit allen Kräften aus den Krieg vorzubereiten. Er könne verstehen, dah eine Armee nicht nötig sei. Sei sie aber da, so mühte die Armee zum Kriege im vollsten Sinne er­zogen werden. Freund des Krieges sei auch die Reichswehr nicht. Jeder, der den Krieg mitgemacht habe, wisse, welche Schrecken mit dem Kriege für daS Vaterland verbunden seien.

Er würde jedoch pflichtvergessen sein, wenn er nicht alle Eventualitäten eines künftigen firic- Scs erwägen und alles, soweit es im Rahmen es Versailler Vertrages möglich fei, oor- bereiten würde.

Wenn Reformen ins Auge gefaßt würden, die eine völlige Aenderung deS Systems bedeuteten, so müsse er sich pflichtmäßig dagegen wenden, weil er davon nur eine Verschlechterung befürchte. So habe sich auch die Grsahsrage zu dem jetzigen System aus der Praxis der Truppen- ersahrungen entwickelt. Das beste Verhältnis sei immer, wenn der Kompagniechef mit den An­verwandten der Soldaten Fühlung habe. Gr mache keinen Unterschied zwischen den Anwärtern, nur müf e jeder den Willen haben, seine Pflichten zu erfüllen. SS werde gesagt, dah die Reichs­wehr nicht republikanisch sei. Er wisse, dah es Offiziere gebe, die die Monarchie für die bessere Staatssorm hielten. Aber gerade die Offiziere, die offen ihre Ueberzeugung zum Ausdruck brin­gen. dienten treu und bewuht der deutschen Republik, und darauf komme es doch schlichlich an. Er stelle selbstverständlich keine Gewissens­frage. Wit solchen Gewissensfragen würden un­tragbare Schnüffeleien verbunden sein. Er erinnere an Persönlichkeiten der alten Armee, wie Deimling, Schönaich usw., die in der allen Armee es auch zu etwas gebracht hätten. Er nehme nicht an, dah diese Männer ißrc_ Ge­sinnung erst nach dem Kriege gewechselt hätten. Es werde immer von Verbindung zwischen Reichswehr und Wehrverbänden geredet. Hier gelte es. das Mißtrauen zu beseitigen. Die Verbindung bestehe allein in dem Gedanken der Wehrhaftigkeit. Man müsse sich aber darüber klar fein, daß die sogenannten Wehrverbände 1930 keinen Mann mehr hätten, die den Krieg mit- gemacht hätten, und noch fähig wären, einen Krieg mitzumachen.

Der teilende Gedanke in den Wehrverbänden, den nationalen Gedanken zu fördern, sei gut 3m übrigen schasse die Solbatenfpielcrei in den wehroerdänden keinen für den Krieg brauch­baren Soldaten.

Angesichts der stets zunehmenden Daweslasten sei sein Bestreben, innerhalb der Heeresverwal­tung größte Sparsamkeit walten zu la-sen. Die Unterkunft sei sein Schmerzenskind, denn die Unterkunft sei zum Teil trostlos. Es fei leider sestzustellen, dah auch vielfach Abneigung vorhanden sei. Reichswehrangehörige noch voll­endeter Dienstzeit anzu st eilen. Reich. Land und Gemeinden müßten hier zusammenaroeiten, um eine Besserung herbeizuführen. General Heye schloß mit dem Hinweis, daß er die Schwere feiner Verantwortung fühle. Er würde fein Amt zur Verfügung stellen, wenn es ihm nicht ge­länge. sein Programm durchzuführen, die Reichs­wehr in Selbstzucht, Gehorsam und Kameradschaft­lichkeit zu erhalten.

Abg. Schöpft in (Soz.) bezeichnete den Wehretat als so mysteriös ausgestattet, daß an­gesichts der gestern vom Reichsfinanzminister ge- schllderten Lage mehrere Millionen gestrichen wer­den tonnten, ohne daß dadurch die Reichswehr in der Erfüllung ihrer Aufgaben gehindert würde. Das deutsche Volk steht jetzt der Reichswehr in zwei Lagern gegenüber. Der eine Teil hegt tiefes Mißtrauen, der andere Teil hegt die vielleicht unberechtigte Hoffnung, daß er bei seinem gegen den Heuligen Staat gerichteten Plänen auf die Unterstützung der Reichswehr zählen kann.

Abg. Gras von derSchulenburg (Sn.) erklärt, die Heeresausgaben seien die Prämie für die Werte, die Deutschland zu schützen hat. Wir müssen ein bürgerliches deutsches Heer im wahr­sten Sinne des Wortes have:i. Die Anwerbung muß in der Äond derer bleiben, die für Aus­bildung und HZHrung vera '..wörtlich sind. Wir brauchen ein zufriede., es und mate­riell gesichertes Heer, das stark genug ist, um jeden frivolen Angriff auf Deutschland

US ernstes Risiko erscheinen zu lassen. Wir halten die Anforderungen im Etat für berechtigt. Die Reichswehr besitzt unser Vertrauen. Das haben wir ihr auch in der Zeit bekundet, als wir in der Opposition standen. Die Stellung zur Wehr­macht des Reiches kann nicht beeinflußt werden durch die innerpolitische Haltung der Parteien. Wir wissen, daß di« Reichswehr zuverlässig ist und auch als Organ dieses Staates niemals versagen wird.

Fort mit der Besatzung!

Eine Entschließung deS Pfälzischen Kreistags.

s p e h e r, 17. Febr. (WTB.) Der Pfälzische Kreistag hat einstimmig folgende Entschießung angenommen: Mit dem Eintritt unseres Vater­landes in den Völkerbund ist mit Recht vom deutschen Volk, aber auch von einsichtsvollen Kreisen des Auslandes das Verlangen erhoben

worden, die Besetzung deS Lande- auf- zuheben. Hinter diese Forderung stellen wir uns Im Kreistag mit allen Fasern unseres Den­kens und Fühlens, stellt sich die pfälzische Be­völkerung, die. mit Ausnahme von wenigen ver­werflichen Elementen, die Besatzung vom ersten Tage ihres Erscheinens abgelehnt hat und ewig ablehnen wird. Wer es ernst nimmt mit Völkerversöhnung und wirklichem Frieden, der kann nimmermehr einen Zustand billigen, der jeden Tag den Abgrund zwischen zwei Volkern tiefer aufreißt, und er muß das Ende von Verhältnissen wünschen, welche die Zwie­tracht zwischen den Völkern verewi­ge n müssen. Die Pfälzer waren ein freies Volk im freien Land. Die Verpflichtun­gen aus dem Friedensvertrag werden, soweit eS notwendig, erfüllt, und deshalb wollen wir wie­der fein was wir waren. Wir fordern zurück von den Alliierten unsere Freiheit und frei von jeder Besetzung unserer Pfalz.

4rfolgrei^e®ffenfiveöerKantonarmee.

Dorstoh auf Hanglschau. - Shanghai ernstlich bedroht.

London, IS.Febr. (WTV. Fspr.) 3n Schang­hai herrscht größte Bestürzung, da die Kanton- truppen ihre vor einigen Tagen unterbrochene Offensive gegen hanglschau mit Er­folg wieder ausgenommen haben. Die Ver­teidigungstruppen von Schanghai haben sich nach einer schweren Niederlage bereits hinter Hang- tschau zurückziehen müssen, so oaß stündlich der Einzug der Kantontruppen in diese wich­tigste Stadt der Provinz Tschekiang erwartet wer­den kann. Tschangtsolin, wupeisu und der Gou­verneur von Sdjantung können sich scheinbar zu feiner Gegenoofsensioe gegen die Kantontruppen aufraffen, da einerseits bei ihnen die Eifersucht unter den Führern, andererseits die Disziplinlosig­keit der Truppen selbst jede groß angelegte Aktion unmöglich macht. Marschall Sun vermag aber anscheinend noch immer unter seinen Leuten Dis­ziplin zu halten. Der Rückschlag der Rordtruppen trotz der Tatsache, daß Sun eine Streitmacht von 80000 Mann besaß, d.h. mehr als dreimal soviel wie die Kantonesen, wird auf die Streitigkeiten feiner Untergebenen und den Mangel an Zusammenarbeit bei den mili­tärischen Operationen und die Unzufriedenheit der Soldaten über das Ausbleiben des Soldes zurück­geführt. Die Kantonesen sollen dagegen wie ge­wöhnlich Einheit, Zielbewußtsein und strategische Geschicklichkeit bewiesen haben. Einer der bedeu­tendsten Generale, Senschuangsang, der bis­her mit einer Armee in der Provinz Tschekiang stand, soll nach der Provinz Anhwei marschiert fein, um dort abzuwarten, welche Partei bei den bevorstehenden Kämpfen die Oberhand be­halten wird. Auch die dritte Armee Senschuang- fangs soll ; u den Südtruppen überge­gangen fein. Die auf dem Rückzug befindlichen Truppen Sengschuangfangs sollen zahlreiche Plün­derungen verüben und eine Reihe von Chinesen erschossen haben.

Der neue IolldrreKtor ein Japaner.

Tokio. 17. Febr. (Agentur 3ndo Pacific.) Der japanische Delegierte bei Der chinesischen Zollverwaltung. Kishimota, ist zum Zoll­direktor ernannt worden. Er übernimmt hiermit den Posten, den der Engländer Edwards als Rachfolger des von den Chinesen feines Amtes enthobenen Eir Francis Aglen inne hatte. Der Temps" mißt dieser Maßnahme eine besondere Bedeutung bei. Auf Grund internationaler Be­stimmungen müsse der Posten des Direktors der chinesischen Zölle der Ration übertragen wer­den, die am stärksten an China geschäft- l i ch interessiert sei, und das fei seit einer gewissen Zeil Japan und nicht mehr England.

Eine Vertretung der Kantonregierung in Tokio.

Tokio. 17. Febr. (WB.) Die Äantonrcgie- rung hat Tsai Tienchu, den Schwiegersohn Dr. Sunyatsens. cis ihren diplomatischen Ver­treter nach Japan entsandt. Es verlautet, daß die japanischen Behörden zwar nicht beabsichtigen, ihn als diplomatischen Vertreter anzuerkennen, daß sie aber wahrscheinlich bereit sein werden, mit ihm Verhandlungen zu führen, soweit japa­nische Rechte und Interessen in Südchina in Be­tracht kommen.

Die britisch-chinesischen Verhandlungen.

Verschleppungstaktik Tschcns.

London. 17. Febr. <Wolff.) Der diplo­matische Berichterstatter derQEorr.ing Post" schreibt zu den Hankauer Verhandlungen: Das Abkommen über die britischen Interessen und die Konzession in Hankau ist in endgülti­ger Form fertiggestellt. Tschen Hai nicht den Wunsch, daran etwas abzuändem. aber er verlangt vor der Unterzeichnung bestimmte

schriftliche Zusagen. Eine davon ginge, wie verlautet, dahin, daß britische Truppen oder britische Kriegsschiffe unter keinen Um­ständen gegen oder für eine der chinesischen Par­teien e i n g r e i f e n sollen. Diese neuen For­derungen sind so geschickt formuliert, daß eine Antwort darauf als Anerkennung der Kantonesen als Wortführer ganz Chinas ausgelegt werden könnte. Deshalb hat der bri­tische Vertreter das Foreign Office um neue Instruktionen ersucht. Anschließend hieran spricht der Berichterstatter von einer Annäherung zwischen Tschangtsolin und den Kan­tonesen, die von mehreren europäischen Mäch­ten begünstigt werde. Er sagt, eine Einigung zwischen ihnen würde den Bürgerkrieg be­enden. CS frage sich aber, ob Der Rordcn von da ab ebenso unduldsam für ausländische Inter­essen sein würde wie der Süden, oder ob die Führer des Südens ihre Haltung ändern würden. Der diplomatische Korrespondent des »Daily Telegraph" vermutet, daß der kantonesische Außenminister die Verhandlungen in Hankau ab­sichtlich in die Länge gezogen habe in Erwartung der jetzt in Gang befindlichen Offen­sive in Richtung Schanghai, da er hoffe, daß er angesichts der Erfolge der Südtruppen neue und weitergehende Zugeständnisse von den Engländern erlangen könnte.

Frankreichs englische Schuld.

Erklärung Churchills im Unterhaus.

London, 17. Febr. (WTB.) Im Unter­haus fragte Snowden den Schahkanzler, ob er eine baldige Ratifikation des englisch-franzö­sischen Schuldenabkommens durch Frankreich er­warten könne, und ob er irgendwelche Vorstel­lungen gegenüber der französischen Regierung in der Angelegenheit erhob, oder zu erheben gedenke. Churchill erwiderte: Ich erhielt jetzt eine Mitteilung von Poincar 6. in der er er­klärt, daß angesichts der Verzögerung bei der Er­zielung der formellen Ratifikation deH Schulden­abkommens durch das französische Parlament die französische Regierung es übernimmt, ohne Be­einträchtigung der Frage der Ratifikation sechs MillionenPfundzuzahlen, die im näch­sten Finanzjahre fällig sind, die Halste am 15. September 1927 und die andere Hälfte am 15. März 1928. Während ich darauf vertraue, daß das Schuldenavtommen bald ratifiziert wird, begrüße ich diese Mitteilung als ein An­zeichen dafür, daß die französische Regierung beabsichtigt, bis zur Ratifikation ihren Verpflich­tungen mit bezug auf diese Kriegsschuld nach­zukommen. Beckett (Arbeiterpartei) fragte: Ist es nicht möglich, freundschaftliche Vor­stellungen gegenüber der französischen Regierung zu erheben und darauf hinzudeuten, daß sie diese Schuld mit uns regeln sollte, bevor fie militärische Diktatoren in Polen fi­nanziert? Churchill antwortete unter dem Beifall der Regierungspartei: Ich würde nicht im Traume Daran denken. Derartige Vor­stellungen zu erheben.

vieArdeitsIosigkeit in Frankreich.

'l'oincare hat es wohl zuwege gebracht, Dem französischen Franken wieder auf DieBeine zu helfen, er hat aber die unangenehmen Begleit­erscheinungen feiner Finanzpolitik, wie sie sich sehr zum Unbehagen Der Franzosen auf Dem Gebiete der Preisbildung und auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen, nicht ban­nen können. Tagesgespräch in Frankreich ist heute die drückende Teuerung und die steigende Arbeitslosigkeit. Deutschland würde allerdings sich glücklich schätzen, wenn es nur 64 000 Arbeitslose zählen würde, wie augenblicklich Frankreich. Die Franzosen dagegen lind auf das äußerste be­stürzt, zumal jede Woche neuer Zuzug an Er­werbslosen bringt und außerdem auch noch ein

Heer von nicht vollbeschäftigten Arbeitern in der Bildung begriffen ist.

Die .Humanste" spricht von zwei Millionen Kurzarbeitern. waS aber nur eine Schätzung sein kann. Vorläufig werden sich die französischen Behörden hüten, genaues statistisches Material der Oesfentlichkeit zu übergeben, Da sich au- ihm mit einiger Sicherheit Der Beschäftigungsgrad Der französischen Industrie herauSlesen läßt. Sie werden aber in der Zukunst aus dem Gebiete Der Erwerbslosigkeit noch ganz andere Dinge erleben, wenn die Stabilisierung des Franken endgültig durchgeführt ist. Denken wir nur an unS. Frankreich ist zwar ein reiche- Land, es hat Rohstoffe in genügender Menge, hat auch ein großes inländisches Absatzgebiet, aber um eine weitere Steigerung der Arbeitslosigkeit wird« eS nicht herumkommen, wenn es auch jetzt Den Versuch macht, durch die Abschiebung der aus­ländischen Arbeiter den wirklichen Stand der Erwerbslosigkeit zu verschleiern.

Rückkehr Brasiliens in den Völkerbund?

Gens, 17. Febr. (TU.) In Genfer Volker- bundskreisen wird gegenwärtig üieISZ) die Mög­lichkeit der Rückkehr Brasiliens in den Völker­bund erörtert. Bekanntlich ist Brasilien im Iuni 1926 aus Dem Völkerbund offiziell ausgetreten, da der damalige Staatspräsident Bernardes die Forderung auf einen ständigenRatSsih für Brasilien stellte und sich mit Dem in Aus­sicht gestellten nichtständigen Ratssih nicht zufrie­den geben wollte. Der Austritt Brasiliens wurde damals teils auS innerpolitiscben Gründen, teils auf den persönlichen Gegensatz zwischen dem Staatspräsidenten Bernardes und dem ständigen Delegierten Brasiliens beim Völkerbund, Mello Franco, zurückgeführt. Seit dem 1. Ianuar ist nun an Stelle von Bernardes Was hing- ton Luis als Staatspräsident getreten. In Völkerbundskreisen will man aus einer Rede, die Mello Franco kürzllch in Gegenwart deS neuen Staatspräsidenten gehalten hat, schließen, daß die gegenwärtige brasllianische Regierung Die Möglichkeit einer Rückkehr Brasiliens in den Völkerbund in Erwägung zieht. Man weist darauf hin, daß in dem dem Parlament vorliegenden Staatsbudget die Beiträge für den Völkerbund a l S außerordentlicher Etatsposten aufgeführt werden. In informierten Kreisen rechnet man sogar Damit, Daß eS nur noch einer geeigneten Gelegen­heit bedarf, um der brasilianischen Regierung die Möglichkeit zu einer Rückkehr in Den Völker­bund zu geben.

Der deutsch-polnische Konflikt.

Polen lehnt Verhandlunger- über die Auöweisungsfraqe ab.

Berlin, 17. Febr. (H)B.) Rach einer von dem polnischen Außenminister veröffentlichten Erklärung lehnt die polnische Regierung sofortige Verhand­lungen mit Deutschland über die Riederlassungs- und Ausweisungsfrage ab, erklärt sich aber zur Wiederaufnahme der Handelsvertragsoerbandlun­gen bereit. Line besondere vertragliche. Bindung in der Ausweisungssrage lehnt die polnische Regie­rung mit der Begründung ab. daß die Rechts­stellung der Fremden in Polen durch eine liberale innere Gesetzgebung geregelt fei.

Hierzu erfährt das WTB. von ma*xglben- Der deutscher Seite: Angesichts der Handhabung des Fremdenrechtes durch Polen ist es auf deut­scher Seite von Anfang an für ungedingt erfor­derlich gehalten worden, die Ausweisungsfrage im Rahmen der Riederlassungsbestimmungen des Handelsvertrages zu regeln. Erst infolge des Wider st andes Der polnischen Delegation gegen eine Behandlung der Ausweisungsfrage ist von deutscher Seite versucht werden, diesen Punkt durch besondere Verhandlun­gen auf diplomatischem Wege zu regeln. Es wird nunmehr durch weitere deutsche Schritte in Warschau Klarheit zu schassen sein, ob auf irgend­einem Wege eine befriedigende Regelung Der Ausweisungspraxis zu erzielen ist und damit die gegenwärtigen Schwierigkeiten für Die Fort­setzung Der deutsch-polnischen Handelsvertrags­verhandlungen beseitigt werden lönnen. Sollte Polen diese Regelung auf bi Jem ©cb.etc ablehnen, so wäre dies Der deutlichste Beweis dafür, daß es seine willkürliche Ausweisungspraxis fort- sehen will.

Die litauischen Kommunisten begnadigt.

K o w n o . 18. Febr. Die sieben von litaui­schen Feldgerichten zum Tode verurteil­ten litauischen Kommunisten, wegen deren sich Reichstagspräsident L o e / > an den Präsidenten der litauischen Republik gewandt hat, sind vom Präsidenten Smetana sämtlich

Freiheits strafen begnabtgt und di e Freiheiisstrafen anderer Verurteill.-r in ihrer Dauer herabgesetzt worden. Dagegen ist Der wei­tere Wunsch Loebes, die Verurteilten einem p en