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würde ja gewiß nicht abgeneigt fein, dielen Pakt mit aus der Taufe zu heben, und der englische Pate würde dann alles daran setzen, daraus einen Wall gegen Rußland zu machen. Die Einstellung der ande­ren Mächte, namentlich Polens, Deutsch- l a n d s und Rußlands wird im wesentlichen da- von abhängen, wie der Pakt selbst aussieht und ob vorher die Streitfragen geklärt werden, die zwischen diesen dreien und den baltischen Mächten schweben. Wir brauchen nur an Memel und Wilna zu er­innern, um von den vorhandenen Schwierigkeiten einen Begriff zu geben.

Reben diesen viel erörterten Plänen, Europas Sicherheit frisch zuverankern", hat bislang der Gedanke eines Balkan-Locarno im verbor­genen geblüht. Immerhin besteht berechtigte Hoff­nung, daß er unter Englands Aegide zum kräf­tigen Schößling gedeihen wird, bevor man ihn den rauhen Winden der Kritik aussetzt. Den Bater des Gedankens darf man wohl in Belgrad suchen. Südslawien fühlt sich seit dem Konflikt mit Italien um Albaniens Willen vereinsamt. Musso­lini hat überall hin seine Angeln ausgeworfen. Mit Rumänien wurde die Freundschaft er­neuert durch die Ratifizierung des Bessarabien-Ab­kommens, mit Griechenland und Bulga­rien suchte man Fühlung, der Besuch des Grafen Bethlen in Rom knüpfte neue Bande mit dem zer­fetzten, grollenden Ungarn. Die Sicherheit, die die Kleine Entente den Südslawen wohl gegen ungarische Restaurationsversuche bieten mochte, wird gegen die Großmacht des faszistischen Ita­liens doch sehr problematisch empfunden. Auch der Unterstützung Frankreicys fühlt man sich nicht sicher, denn der neue Kurs in Paris, den Poin- core bestimmt, geht auf einen möglichsten Ausgleich mit Italien. Um des Balkans willen wird Poin- car6 gewiß keine Divisionen marschieren lasten und England, der intimste Bundesgenosse Italiens, wünscht dringend eine friedliche Beilegung des Albanienkonfliktes. So sind hier die Aussichten für ein Balkan-Locarno an sich nicht ungünstig, wenn man nicht in Rom einen derartigen Pakt als gegen sich gerichtet empfindet und bei den Balkan­freunden sowohl als in London alle Minen sprin­gen läßt, um Südslawien in seiner Isolierung zu belassen.

Wir sehen, die Frage der Sicherheit beschäftigt die Gemüter außerordentlich. Man hat sogar Hoff­nung auf praktische Ergebniste, während die Er­örterung des Abrüstungsproblems, mit dem man die Sicherheit so gern verknüpft, in der grauen Theorie stecken bleibt. Das war d i e zweite Enttäuschung in Genf, daß die De­batte über die Abrüstung bemerkenswert zahm ver­lief. Auch Herr Dr. Stresemann wagte in seiner, der Atmosphäre des Reformationssaales an- gepaßten Rede vor der Dölkerbundsversammlung kein energisches Wort für Deutschlands berechtigte Forderung, nun endlich auch auf der Gegenseite mit der Erfüllung der Abrüstungsbedingungen des Versailler Vertrages zu beginnen. Erfreulich ent­schieden war jedoch die Sprache des deutschen De­legierten in der Abrüstungskommission. Graf Bernstorfs stellte klar heraus, daß der Völker­bund schon im vergangenen Jahre die Sicherheit für hinreichend garantiert angesehen habe, um für 1927 eine Abrüstungskonferenz einzuberufen. Es fei unverständlich, warum jetzt plötzlich die Sicher­heit wieder als ungenügend betrachtet werde. Der Streit um die Formulierung der Sicherheit werde in der öffentlichen Meinung der Welt lediglich als Grund für einen Aufschub der Abrüstung auf- gefaßt. Mit diesem Satz hat der Graf Bernstorff endlich einmal im Kreise verantwortlicyer Männer der Katze die Schelle umgehängt. Das beweist am besten die Flut von Schmähungen und Verdächti­gungen, die als Echo der Bernstorffschen Rede von der Pariser Boulevardpreste jetzt wieder auf Deutschland niedergeht. Sie wird aber nicht hin­dern können, daß die Abrüstungsdebatte in Fluß bleibt und daß namentlich den kleinen Rationen endlich einmal ein Licht aufgeftetft wird, wohin die Reise geht, wenn Frankreich und feine Trabanten in ihrer Sabotagearbeit fortfahren. Don dieser Völkerbundstagung dürfen wir trotz der deutschen Offensive kaum noch einen neuen Äntrieb für den Abrüstungsgedanken erwarten. Aber wir können hoffen, daß die kleinen Rationen, die er ft vor we­nigen Tagen durch die Ablehnung der Wiederwähl­barkeit Belgiens zum Völkerbundsrat noch einmal erneut ihren entschiedenen Willen zu eigenen Wegen tunbgetan haben, bas Abrüstungsproblem nicht versacken lassen werden. Die Einheitsfront der Kleinen sei den Großen ein memento, daß nicht aus dem Revolutiönchen dieser Genfer Tagung eine Revolution werde, die diesen falschen Völker­bund im Sturm von hinnen fegt.

Frcm-öfische Schikane. Dee Rheinlandkommission verbietet Schau­flüge in Wiesbaden.

Wiesbaden, 16. Sept. (Wolff.) Sn der Zeit vom 16.19. September findet hier die 16. Ordentlichen Mitgliederversammlung der wissen­schaftlichen Lustschiffahrt statt. Die Tagung wurde heute nachmittag mit einer Sitzung des Vor­standes und daran anschließend mit einer De- grühungsversammlung im Kurhaus eröffnet. Für Samstag und Sonntag ist eine Reihe von Vor­trägen erster Kapazitäten über allgemeine und spezielle Fragen der Lustschisfahrt vorgesehen.

Sm Zusammenhang mit der Tagung war be- labsichtigt, einige Propagandaflüge zu veranstalten, die den Zweck haben sollten, wei­tere Kreise auf die bereits genehmigte Errich­tung eines Flughafens bei Erben­heim für die Städte W i esbaden und Mainz aufmerksam zu machen und die des weiteren die Möglichkeit der Landung von Wasserflugzeugen auf dem Rhein bei Mainz demonstrieren sollten, da später die Er­richtung eines Hafens für Wasserflug­zeuge in Mainz in Aussicht genommen ist, der ebenfalls von beiden Städten gemeinsam betrie­ben werden soll. Diese Schauflüge wurden jedoch von der Dheinlandkommission verboten, trotz­dem die Luftfahrt im besetzten Gebiet freigegeben ist. Weiterhin wurde 2 0 Reichswehrvsfi- zierendie Einreise in das besetzte Gebiet zwecks Teilnahme an der rein wissenschaftlichen Zwecken dienenden Tagung von der Rheinlandkommission verweigert, trotzdem nach dem Pariser Ab­kommen mehr als 20 Offiziere im Fliegen aus- gebildet werden dürfen. Die Genehmigung wurde verweigert, obwohl sich die englische Botschaft in Berlin sehr um deren Erteilung bemüht hatte.

An o f f i 3 i c 11 e r S t e (I e find die Gründe, die zu dieser vollkommen unverständlichen Maßnahme führten, unbekannt. Jedoch glaubt man in ein- geweihten Kreisen diese auf einen kürzlich in der in Wiesbaden gedruckten ZeitschriftDie Mensch- beit" erschienenen landesverräterischen Artikel über deutsche Rüstungen zum Luftkampf zurückführen zu

Der Putsch in Tauroggen.

Litauens Staatskrifis und die Diktatur Woldemaras.

Don unserem U.-Korrespondenten.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Kowno, 15. September.

An den Grenzen Deutschlands befindet sich ein junger Staat in bedenklicher Krisis! Bei der Be­urteilung der Vorgänge im benachbarten Litauen darf man aber nicht mit demselben Maße wie in den festgefügten Staaten des Westens messen, denen eine Jahrhunderte alt« Erfahrung und Tradition zur Seite steht. Der Osten hat ein anderes Maß, das staatliche Gefüge ist noch im Werden begriffen, und da pflegt sich auch der Kampf um die Macht a n - Öers als bei uns auszutoben. Die heutigen Un­ruhen in Litauen find die Folge einer längeren innerpolitischen Entwicklung des Landes und außen­politischer Schwierigkeiten, die sich vor dem jungen Staate auftürmten. Das litauische Rechtsempfinden wurde durch den Raub von Wilna, der unge­sühnt blieb, tief verletzt. Schwere wirtschaftliche Krisen machten sich bemerkbar, dazu kam, daß die verschiedenen parlamentarischen Gruppen des Sejm das Land mit Korruptionsmethoden auszusaugen begannen. Jede politische Kligue verfolgt ihre Son­derinteressen, und wenn der Staat sich nicht auf­geben wollte, so führten die Verhältnisse naturge­mäß zur Diktatur.

Wenn sich jetzt gegen die Regierung pes Professors Woldemaras und gegen die Mi­litärherrschaft der Widerstand regt, und wenn ein Putsch mit einem Gegenputsch beantwortet wird, so handelt es sich dabei nicht um Weltanschamrn- gen, sondern vielmehr um den Wunsch, die herr­schende Gruppe aus der Regierung zu verdrängen, um an die Stelle der einen Diktatur eine andere zu fetzen. Die Methoden wür­den dadurch kaum geändert werden. Der Putsch von Tauroggen wird seiner politischen Bedeutung nach leicht übertrieben. Es handelt sich da mehr um ein Wild-West-Räuberstück als um eine miß­lungene Revolution. Tauroggen liegt zu abseits, ist ein zu unbedeutender Kecken, als daß seine Eroberung" durch die Putschisten auf die Ge­schicke Litauens einen entschiedenen Einfluß ge­habt haben könnte. Kommunistische oder irgend­eine andere revolutionäre Propaganda mag ge­wiß einigen Mitläufern den Kopf verwirrt haben. Dem Exhauptmann M a j u s und den anderen Führern kam es aber wahrscheinlich hauptsäch­lich auf den Bankraub an, der ihnen tzine reiche Beute versprach. Es befanden sich näm­lich nicht weniger als anderthalb Millionen Litas (ein Lit = 40 Pfennige) und mehrere tausende Dollarnoten in der Dank. Dazu war die Grenze so nah, daß den Führern ein Entkommen nach Lettland, respektive von dort nach Sowjetrußland, leicht auszuführen schien. 200 000 Litas und einige tausend Dollar wurden denn auch von ihnen erbeutet, ehe das Militär ihre Verfol­gung aufnehmen konnte. Die Führer des Putsches liehen, wie das meistens zu geschehen pflegt, ihre Helfer und Getreuen im Stich und ent­kamen mit dem Gelde. Sm Zarenreiche waren, solche Banküberfälle der sogenannten lin­ken Sozialrevolutionäre, bis Stolypin mit ihnen aufräumte, keine Seltenheit. Hier in Tauroggen scheint es sich um einen ähnlichen Fall gehandelt zu haben.

Die Aufregung in Litauen ist natürlich sehr groß, und die Regierung verfolgt die Putschisten

mit drakonischer Strenge. Da die so­zialdemokratische Partei direkt oder indirelt mit dem Putsch in Verbindung gestanden zu haben scheint, so richtet sich auch die Verfolgung gegen sie. Fünf ehemalige Sejmabgevronete wurden sofort verhaftet, Haussuchungen finden täg­lich statt, und viele, unter ihnen auch der be­kannte Politiker Pleskaitis, flüchten ins Aus­land. Todesurteile an den gefangenen Put­schisten unter ihnen auch fünf Studenten werden erbarmungslos vollstreckt, und die Regie­rung ist entschlossen, auch vor dem Aeußersten nicht zurückzuschrecken, um ihre Autorität zu be­haupten. Unter den Kriegsgesehen ist die Ruhe in Litauen bewahrt und die Dittatur ist Herr der Lage. Die Putsche haben sich nicht wiederholt, und wenn der Regierung Wolde­maras auch manche Gefahren drohen mögen und sie mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, so wer­den sie doch gewiß nicht Bankräuber zu Fall bringen. Der Putsch von Tauroggen dient besten­falls als Rechtfertigung der Diktatur, da dem Land ohne sie das Chaos drohen würde! Rach der Rückkehr des Professors Woldemaras aus Genf wird eine Kursänderung der Politik erwartet, da sich bis dahin der Terror der Polizei und des Militärs ausgetobt haben dürfte. Sn Wirklichkeit ist der Putsch von Tau­roggen schon heute liquidiert, nicht aber sind die Schwierigkeiten der litauischen Politik behoben.

Deutschland und Litauen.

Woldemaras kommt nach Berlin.

Eigener Drahtbertcht desGießener Anzeigers".

Berlin, 17. Sept. Während der litauische Ministerpräsident in Rom weilt, wird die neue Version in den deutsch-litauischen Verhandlungen, daß nämlich Woldemaras nach Berlin kommen will, um hier die bereits in Gens begonnenen Besprechungen mit Dr. Stresemann zu vollenden, eifrig kommentiert. Hinzu kommt noch, aaß der litauische Ministerpräsident gegen­über einem Vertreter des Asien-Europa-Dienstes Erklärungen abgegeben hat, die für die kommen­den Besprechungen, sollte es sich um prin­zipielle Erklärungen handeln, von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Man kann nur hoffen, daß Herr Woldemaras nun endlich ein­mal seinen Worten Taten folgen läßt. Was die kommenden Besprechungen im ein­zelnen betrifft, so ist in Aussicht genommen, als Ergebnis dieser Besprechungen ein Protokoll niederzulegen, in dem die Richtlinien fest- gelegt werden sollen, die den weiteren Ver­handlungen als Grundlage dienen können. Dieses Protokoll, also ein diplomatisches Schriftstück, würde dann einen Rotenwechsel ersehen, und vielleicht eine stärkere Bindung darstellen als ein Austausch diplomatischer Roten. Selbst­verständlich wird in diesem Protokoll in erster Linie die Memelfrage berücksichtigt werben, die doch ganz besonders dringend einer Lösung bedarf. Als Termin dieser Besprechungen ist zunächst das Ende dieses Monats vorgesehen. (Irgendwelche näheren Dispositionen liegen aber zur Zeit noch nicht vor.

müssen. Auch die Tatsache, daß keine offi­ziellen Einladungen zur Teilnahme an Franzosen, wohl aber solche u. a. an Amerikaner und Engländer ergingen, wird als etwaiger Grund in manchen Kreisen erwähnt. Das Verbot wird in keiner Weise die wissenschaftlichen Verhandlungen der Tagung, an der auch Prinz Heinrich von Preu­ßen als Ehrenvorsitzender teilnehmen wird, beein­flußen.

Französisch-amerikanische Freundschaft.

Die amerikanische Legion in Paris. Drohender Zollkrieg.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 17. Sept. Die etwa 700 000 Köpfe starke amerikanische Legion ist bereits in Frankreich aufmarschiert: am Sonntag, mehr aber noch am Montag, dem neuen Nationalfeiertag, wer­den ungezählte Reden und Trinksprüche steigen, die alle die Verbundenheit der französi­schen und der amerikanischen Ratio n feiern, wie sie auf den Schlachtfeldern besiegelt worden sei. Wer gerade jetzt einen Blick in die ame­rikanische Presse wirft, der wird zu seiner Ueber-- roschung feftftellen müssen, daß man sich jenseits des Ozeans kaum noch auf die mit Frankreich geschlos­sene Freundschaft zu besinnen vermag. Das hat sich ja auch schon in den letzten Jahren wiederholt ge­zeigt, als die Franzosen sich in einer für sie wenig angenehmen Art an die Rückzahlung der Kriegsschulden erinnern lassen mußten. Jetzt ist man drüben auf das äußerste wegen der f r a n- 3 ö f i f ch e n Zollpolitik gereist und macht seinem Aerger ohne Rücksicht auf die zu erwarten­den Verbrüderungsszenen zwischen französischen und amerikanischen Kriegsteilnehmern in heftigsten Ausdrücken Luft. Das ist der Pariser Presie ebenso, wie der Regierung PoincarS, recht unangenehm, ist doch der drohende Ton der Amerikaner, der auf einen bevorstehenden Zollkrieg abgestimmt ist, nur geeignet, den Empfang der Legion um seine für Frankreich so wichtigen propagandisti- schen Wirkungen zu bringen. Wenn nun aber die Amerikaner sich über die hohen französischen Zölle bitter beklagen und sogar ein Einfuhrverbot für französische Waren in Erwägung ziehen, so muß doch aus Gründen der Gerechtigkeit auf die Schutzpolitik der Union hingewiesen wer­den, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt. Aber damit darf man den Amerikanern bekanntlich nicht kommen, sie fühlen sich mehr als die Fran­zosen als die wirklichen Sieger des Weltkrie­ges und glauben namentlich Europa zeigen zu müssen, welche Machtpositionen sie inne haben. Wir erleben jetzt, daß ein Sieger dem anderen die Pistole auf die Brust setzt, während mindestens der eine versucht, Freundschaft und Sympathie für den anderen zu heucheln.

Der deulscheSprachunterrichl im Ersatz.

Paris, 17. Sept. (WTB. Funkspruch.) Wie die Blätter aus Straßburg berichten, ist durch den Rek­tor der Straßburger Universität der deutsche Sprach­

unterricht in den Volksschulen neu geregelt worden. Der deutsche Sprachunterricht, der bisher mit dem dritten Schuljahre begann, wird künftig vom zweiten Schuljahre an gelehrt werden. Das Deutsche soll ferner bei den Abschlußprü­fungen der Volksschule berücksichtigt werden. Es soll eine schriftliche und eine mündliche Prüfung, die für die Gegenden des deutschen Sprachgebrauchs obligatorisch, für die übrigen fakultativ ist, ftattfinben.

Rußland schwenkt ein?

Angebliche Sondierungen der Sowjet­regierung in London.

London, 17. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die liberaleWestminster Gazette" will wissen, daß die russische Regierung einen Pakt mit Großbritannien erstrebe. Das Blatt schreibt, es habe guten Grund zu der Annahme, daß die Sowjetregierung in nächster Zeit versuchen werde, Verhandlun­gen für die Wiederherstellung nor­maler Beziehungen mit England zu ermög­lichen. Die Grundlage für die Verhandlungen sollen die Regelung der Ansprüche der bri­tischen Gläubiger sein, wogegen die Sowjets hoffen, britische Kredite zu normalen Sätzen für die russische Industrie zu erhalten. Augenblick­lich würden offiziöse Sondierungen unternommen. Rach dem Monat Oktober, in dem die Sowjet- Behörden hauptsächlich mit den Jahresfeiern der Revolution beschäftigt sein würden, werde die Frage aktiv verfolgt werden. Dieser Schritt sei zu­rückzuführen auf die gegenwärtige schwierige finanzielle Lage der Sowjets.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg i't an Bord des KreuzersBerlin" am Freitagvor­mittag in Königsberg ein getroffen. Oüer- prä,ident Dr. Siehr, der Befehlshaber im Wehr­kreis 1 v. Esebeck und Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer begrüßten den Reichspräsidenten. Loh» meyer hielt eine Ansprache, in der er den Reichs­präsidenten als Befreier Ostpreußens feierte und dem Bedauern Ausdruck gab, daß der Aufent­halt des Reichspräsidenten in Königsberg nur so kurz bemessen fei. Der Reichspräsident er­widerte in kurzen Dankesworten für den Will- kommengruß. Schulkinder sangen daraufSch hab' mich ergeben". Rachdem der Reichspräsident auch den Kindern gedankt hatte, begrüßte er die zum Empfang erschienenen städtischen Körper­schaften und die übrigen Ehrengäste. Dann be­stieg er das Auto und fuhr durch die flaggen- geschmückten Straßen der Unterstadt, in denen eine tausendköpfige Menge dem Reichspräsidenten zujubelte, nach M a r k i e n e, wo er beim Vor­sitzenden des Provinzialtages, Exzellenz v. B e r g, Aufenthalt nimmt.

*

Unter dem Namen Hessische Dolksrechts- Partei hat sich aus Kreisen der Hypothekengläu­biger, des Sparerschutzbundes, des Reichsbankgläu­bigeroerbandes und des Hessischen Rentnerbundes eine neue Partei gebildet, die beschlossen hat, sich an den am 13. November stattfindenden hessi­

schen Landtagswahlen zu beteiligen. Als Spitzenkandidat wurde der in Darmstadt wohnende frühere deutschnationale, jetzt bei den Sozialdemo­kraten hospitierende Reichstagsabgeordnete, Oberlan­desgerichtspräsident a.D. Dr. Best ausgestellt. Die Volksrechtspartei muß, da sie bisher nicht im Land­tag vertreten mar, 7000 Unterschriften beibringen und eine Gesamtsumme von 3000 Mark stellen, die dem Staat verfällt, wenn keiner ihrer Kandidaten gewählt wird.

Das Reichskabinett hat in seiner Frei­tag-Sitzung den Entwurf des Besoldungs­gesetzes endgültig verabschiedet.

Der ehemalige Reichskanzler Dr. Lü­th e r ist der Ortsgruppe Essen der D e u t s ch e n Vvlkspartei als Mitglied beigsetreten.

Aus aller Welt.

Reue Erdstöße in der Krim.

Freitagnacht wurden in der ganzen Krim erneut Erdstöße verspürt. Sn Laspi bei Sebasto- pol stürzte der Eliasfelsen ab. Es wurde fest­gestellt, daß die während des Erdbebens über dem Wasserspiegel zwischen Sebastopol und dem Kap Lukull erschienenen Feuer- säulen auf einen großen Einsturz des Meeresgrundes zurückzuführen sind. Die infolge des Einsturzes hervorbrechenden Gase entzündeten sich bei ihrer Verbindung mit der Luft und bildeten vom Ufer aus sichtbare Feuer­säulen und Rauchwollen.

Die Hitzewelle In Amerika.

Die Hitzewelle im mittleren Westen ist nun auch bis R e u y v r k vorgedrungen, wo das Thermometer bis zu 32 Grad Celsius stand, was einen Rekord für die September-Tem­peratur bedeutet.

Wolkenbruch über London.

Lieber dem nördlichen Teil der Stadt ging ein Wolkenbruch nieder, der schweren Schaden verursachte. Hunderte von Häusern und Geschäf­ten wurden überschwemmt. Der ganze Straßen- verkehr wurde vollständig lahmgelegt. Auch außerhalb Londons richtete der Regen bedeutenden Schaden an. Die Manöver, die gerade im Gange sind, wurden abgesagt. Es regnet jetzt schon seit sechs Tagen und die Themse steigt außerordentlich Trftt nicht bald eine Aenderung des Wetters ein, so muß mit großen Liebers chwemmungen gerechnet werden.

Schwere Gülerzugberaubungen bei Bebra.

Schwere Güterzugberaubungen wurden auf der Eisenbahn st recke Bebra Eichen­berg festgestellt. Die Täter sprangen nachts auf die fahrenden Züge, öffneten gewaltsam die Türen und warfen die Kollis heraus, die von einem war tenöen Gefährt in Sicherheit gebracht wurden. Es gelang, den Haupttäter festzunehmen. Auf seinem Grundstück wurden im Heu, im Garten und Keller, sowie auch im Walde versteckt, eine Unmenge der gestohlenen Güter wiedergefun­den, und zwar Fäßer voll Wein, Stoffballen, Wäschesendungen usw. Es waren mehrere Fuhr­werke nötig, um die Sachen wieder zur Bahn zu­rückzubringen.

Schweres Automobilunglück in Spanien.

Auf der Straße von Santa Coloma (Provinz Barcelona) versuchte das Auto eines Spinnerei- Direktors einen durch Regengüsse zum reihenden Sttom gewordenen Dach zu durchqueren. Der Wagen wurde von den Wellen fortge­rissen. Der Besitzer und der Chauffeur konnten sich durch Schwimmen retten, während die an­deren Snsassen, die Schwester des Besitzers, seine Tochter und deren Gouvernante durch Er­trinken ums Leben kamen.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das gestern südlich von Ssland gelegene Tief hat sich weiter verstärkt und gleichzeitig ost­wärts nach der skandinavischen Westküste fort­bewegt. An seiner Rückseite dringen polare Luft- massen weit nach Süden vor. Unter dem Ein­fluß der Kaltluft bleibt das kühle unbeständige Wetter fortbestehen. Dabei muß mit einzelnen Riederschlägen, die mehr in Form von Schauer- regen auftteten, gerechnet werden.

Wettervoraussage: Veränderlich, wechselnd wolkig mit Auf klaren, kühl und vereinzelte Regen­schauer.

Witterungsaussichten für Montag: Fortdauer des unsicheren Wetters.

Lufttemperaturen am 16. September: mittags 17,8 Grad Celsius, abends 13,7 Grad Celsius; am 17. September: morgens 13,2 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 16. Sep­tember: abends 16,9 Grad Celsius: am 17. Sep­tember: morgens 14 Grad Celsius. Maximum 18,4 Grad Celsius, Minimum 11,8 Grad Celsius. Nie­derschläge 0,2 Millimeter.