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Sterbende Völker.

Der Indianeraufstand in Südamerika mit Bolivien als Mittelpunkt bringt der Menschheit wieder einmal ein gewaltiges Drama, oder rich­tiger eine Tragödie in der Geschichte der Völker vor Augen. Dort handelt es sich um die ver­kommenen Nachfahren eines Volkes, das einst einen, Höhepunkt der Kultur und Zivilisation erklommen hatte, eines Volkes, dessen Denk- mäler heute noch durch die Großartigkeit ihrer Anlage das Erstaunen der Nachwelt Hervor­rufen und die Beschauer mit Bewunderung er­füllen. Das Volk der Inkas hat einst Süd­amerika von Peru bis Mexiko beherrscht, und überall stößt man noch im dichtesten Llrwald auf Spuren ihres Wirkens.

Diese braunroten Menschen erlagen nach har­tem Kampf den eroberungs- und beutegierigen Spaniern unter so gewalttätigen Führern, wie Cortez, Pizarro usw. Das waren geniale Aben­teurer, die in gebrechlichen Fahrzeugen die Fahrt übers Weltmeer antraten und nur ein Ziel kannten: Gold einzuscheffeln unter dem Vor­wand, die christliche Religion unter den .Un­gläubigen einzuführen. Mit Feuer und Schwert wurde gewütet. Die Tempel der Azteken und Inkas sanken in Trümmer, und stolze. Kircheir- paläste mit dem goldenen Kreuz verkündeten die Herrschaft der weißen Männer aus Europa. Aber nur wenige unter ihnen, an der Spitze die Jesuiten, hatten eine Ahnung davon, daß dem Eroberer, der ein hochkultiviertes Volk sich unterwirft, auch die moralische Pflicht er­wächst, die Unterdrückten zu schonen. Die Ein­geborenen wurden nicht nur unterworfen, son­dern geknechtet und versklavt, weil die Herrscher in der Heimat immer neue Flotten mit gleißen­dem Gold und Silber verlangten und weil ihre abenteuerlichen Stellvertreter im neuentdeckten Kontinent selbst nicht leer ausgehen wollten. Dis zum äußersten und letzten wurde das arme Volk aus gepreßt und zu Fronarbeit gezwungen, bis es vom Erdboden fast verschwand und nur noch Reste kümmerlich im Urwald ihr Leben fristeten. Dort sanken sie herab auf den Stand wilder Stämnre, die nie etwas anderes gekannt haben, als mit dem Bogen und vergifteten Pfeilen den Tieren des Urwaldes nachzustellen. Gelegentlich flackerte noch einmal in dumpfer Erinnerung an frühere glücklichere Zeiten der Widerstand gegen die weiter vordringende, an­geblich so segensreiche Zivilisation der Weißen auf, und wie die Vorfahren, so sanken auch sie mit ihren primitiven Waffen in Scharen dahin vor den überlegenen Kriegswerkzeugen ihber neuen Herren. Heute' erleben wir vielleicht den Schlußakt der Tragödie, den letzten großen Auf st and der Indianer, die nun in Haß und Rache, dem Produkt jahrhundertelangen Unrechts, die Siedlungen der Weißen Über­fällen, erschlagen, was ihnen begegnet, und in Flammen aufgehen Iqffen, was ihnen im Wege steht. Wie lange wird es dauern, bis sie den Maschinengewehren der Weihen abermals unter­liegen werden?

Diese Schattenseite, man möchte sagen, dieser Fluch der modernen Zivilisation, hat sich schon oft gezeigt. Wem fiele in diesem Zusammenhang nicht das Schicksal der gewaltigen Indianer­stämme ein, die in der Nordhälfte des riesigen amerikanischen Kontinents den vordringenoen Weißen zum Opfer gefallen sind? Wie jetzt in Südamerika, so galt noch vor dreißig bis vierzig Jahren im Gebiete der heutigen nordamerika- nischen Staaten Montana, Wyoming, Nord- und Süddakota, wo heute der amerikanische Präsident in der Sommerfrische weilt, allge­

mein das häßliche Wort: »Der beste Indianer ist der tote Indianer". Danach tour Je gehandelt. Die Rothäute, die ursprünglichen Beherrscher des Landes und rechtmäßige Besitzer weiter Flächen und gewaltiger Weidegründe, wurden von gewissenlosen Agenten um ihr Hab und Gut betrogen, und mit den Weißen kamen das Feuerwasser und Krankheiten, die gewaltig auf­räumten. Die letzten Stammesreste führten er­bitterte, grausame Kriege gegen die Weißen, aber auch hier vollzog sich das unerbittliche Schicksal, und heute gibt es nur noch spärliche Reste der einst so stolzen Indianer, die vom Betteln und von Regierungsunterstühung leben, oder mit wandernden Zirkustruppen die Bräuche versunkener Stämme dem sensationslüsternen Pu­blikum vorführen.

Ein anderes Bild. Im nördlichen Afrika, im Sudan und Aegypten, leben oder vielmehr lebten stolze kriegerische Negerstämme. Die Bewegung, die von dem bekannten Mahdi gegen die Eng­länder ins Werk gesetzt wurde, war ebenso der letzte Aufstand aufs schwerste bedrohter Stämme gegen die Gewaltherrschaft der Europäer, die durch religiöse Vorstellungen zum Kampf gegen die Eindringlinge aufgerüttelt worden toaren. Bei Omdurman errang sich Lord Kitchener billigen Kriegsruhm, indem scharenweise die mit Speeren bewaffneten Gefolgsleute des Mahdi von englischen Maschinengewehren hingemäht wurden. Ein ähnliches Schicksal ist in andere,- Teilen Afrikas einst großen und blühenden Negerreichen von Sklarenjägern und Sklaven­händlern bereitet worden. Es ist richtig, daß der Fortschritt der Zivilisation nicht aufzuhalten ist und daß Völker, dje nicht mitzugehen wissen, weichen oder vergehen müssen. Aber es stimmt doch sehr zum Nachdenken und legt die Frage nahe, ob es wirklich der Höhepunkt jeder Zivili­sation und Kultur ist, wenn große begabte Völ­ker, die Bewundernswertes geleistet haben und heute vielleicht noch zu ähnlichen Leistungen fähig wären, auf solche Weise zu solchem Unter­gang verdammt sind. Man könnte manchmal irre werden an den hochgevriesenen Segnungen der Kultur, wenn man sieht, was für Furcht­barkeiten sie im Gefolge haben kann. Die Kehr­seite der Medaille ist ebenso dunkel und schauer­lich, wie die Vorderseite hell und glänzend ist.

Wie man annimmt....

La Paz (Bolivien), 16. Aug. (Wolff,) Reu­ter. Durch die schnellen Maßnahmen der Regie­rungstruppen ist es, wie man hier a n n i m m t, gelungen, einen allgemeinen Aufstand der bolivianischen Indianer zu ver­hindern. Allerdings ist es den Rebellen ge­glückt, in zwei Provinzen einzelne Truppen­abteilungen zu umzingeln, jedoch scheint es, daß die Gefangennahme zahlreicher Führer und die schweren Verluste der Rebellen sich be­reits als wirksam erwiesen haben. Die Indianer kehren zu Tausenden zu ihrer gewohnten Be­schäftigung zurück.

Kommunistenarbeit?

Berlin, 16. Aug. (Wolff.) Einem bei der bolivianischen Gesandtschaft in Berlin eingelaufenen Telegramm aus La Paz zufolge sind die in der Provinz Ehayanta und in der Umgebung von Potosi ausgebrochenen Unruhen beigelegt. Es handelt sich bei diesen Unrrcheri um Nachwirkungen einer vor kurzem aufgedeckten kommunistischen Propaganda, die bei einem Teil der sonst friedfertigen Bevölkerung Chahantas auf fruchtbaren Boden fiel.

mals zu einer Sitzung zusammentreten. Das Kabinett wird sich mit dem gesamten Genfer Fragenkomplex befassen und Dr. S t r e s e- mann voraussichtlich freie Hand für Gens lassen.

Die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen

Paris, 17. Aug. (WB.) Die Agence Ha- vas stellt in einer um 1 Uhr nachts abgegebenen Mitteilung fest, daß die deutschen Delegierten im Augenblick noch immer mit den französischen Delegierten über den H andelsvertrag ver­handeln. Zum Stand dieser Verhandlungen selbst glaubt die Havasagentur berichten zu können, daß hinsichtlich der Frage eine Verständi­gung erzielt worden zu sein scheint, die man sranzösischerseits als die wirtschaft­liche bezeichnet. Meinungsverschieden­heiten beständen jedoch noch hinsichtlich der allgemeinen Klauseln, namentlich der­jenigen, die das N ied er l a ss ung s r e ch t in gewissen Kolonien und Protektorats­ländern betreffen.

Ministerkrise in Mecklenburg

Schwerin, 16. Aug. (WB.) Die heutige Abstimmung im Landtag über den schon früher eingebrachten Antrag der Kommunisten auf ein Mißtrauensvotum gegen den de­mokratischen Iustizminister Dr. Möller ergab die Annahme des Mißtrauens­votums mit 26 Stimmen der Rechten und der Kommunisten gegen 24 Stimmen der Sozial­demokraten und der Gruppe für Volkswohl- fcchrt mit Einschluß des Demokraten. Von den drei Kommunisten fehlte einer.

Reichsfinanzministeriurn und Veamtenbesoldung.

Berlin, 17. Aug. (WTB. Funkspruch) Unmittelbar nach Vertagung des Reichstags hatten die demokratischen Abgeordneten Rönne- berg und Brodaus unter Hinweis auf die Aktion, die die sächsische Regierung in bezug auf die Beamtenbesoldung vorge- nommen hat, den Reichsfinanzminister ersucht, auch für die Reichsbeamten noch vor dem 1. Oktober mindestens eine ähn­liche Maßnahme wie in Sachsen zur Durchführung zu bringen. Darauf ist jetzt eine Antwort Dr. Köhlers eingegangen, in der es, den Blättern zufolge, u. a. heißt:Namens dör Reichsregie­rung habe ich iinch bereit erklärt, die Unter­stützungsmittel der Behörden der allge­meinen Reichsverwaltung um rund drei Millionen Reichsmark zur Linderung der Not derjenigen Reichsbeamten, die sich in schwieriger wirtschaft­licher Lage befinden, zu verstärken. Diese Maßnahmen erscheinen mir zweckmäßiger als das Vorgehen Sachsens. Zu meinem Bedauern muß ich davon a b s e h e n, der Reichsregierung sowie den gesetzgebenden Körperschaften eine ähnliche Regelung vorzuschlagen, wie sie das Land Sachsen neuerdings getroffen hat."

Gin spanischerAnti-völlerbund?

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 17. Aua. Nachdem Spanien im Vorjahre nach der Verweigerung eines ständi­gen Ratsihes formell seinen Rücktritt vom Völ­kerbund angekündigt hat, ist der Gedaicke, der der Gründung des Völkerbundes unterlegt war, an­scheinend innerhalb der spanischen Regierung Primo de Rivera in einem Sinne weiter­bearbeitet worden, der die Schaffung einer Art von Konkurrenz-Unternehmen bezweckt. Wenigstens veröffentlicht das Madrider Blatt La Nacion" in einem Leitartikel, der man- cherseits als unmittelbar von dem spanischen Diktator inspiriert angesehen wird, das Pro­jekt einer »Liga Europea pro Paz", eines europäischen Friedensbundes, in dem ein an sich nicht neuer Gedankengäng in neue Formen gegossen wird.

Der Vorschlag sieht die Schafftrng eines internationalen Gerichtshofes vor, in dem jeder Staat durch einen Vertreter und einen Substituten vertreten sein soll. Dieser Ge­richtshof soll für alle Streitfälle zuständig fein, die einen bewaffneten Konflikt nach sich ziehen können, ober wichtige koloniale Interessen be­treffen Dieser Gerichtshof entscheidet auf Grund eines Kommissionsberichts, an dem die am Kon­flikt beteiligten Staaten nicht Mitwirken dürfen, als oberste Instanz: für den Sih des Gerichts­hofes wird bezeichnenderweise Genf in Aus­sicht genommen. Als ausführendes Organ stehen diesem obersten Weltgericht die Armeen sämt­licher teilnehmenden Länder zur Ver­fügung, die und das ist das Entscheidende an dem Vorschlag ihren nationalen Cha­rakter verlieren dadurch, daß sie unter dem Oberbefehl eines von dem Gerichtshof ernannten Oberkommandeurs gestellt werden. Der Voranschlag sieht auch bereits einen Verteilungsschlüssel für die europäi­schen militärischen und Marinestreitkräfte vor, nämlich je 11 Proz. für Deutschland, England, Frankreich und Italien, 7 Proz. für Spanien, ie 4 Proz. für Polen, Belgien, die Tschechoslo­wakei und die Türkei, je 3 Proz. für Oesterreich, Bulgarien, Griechenland und Portugal, je 2 Proz. fürRorwegen, Schweden, Jugoslawien, Rumänien, uie Schweiz und Ungarn, je 1 Proz. für Alba­nien, Dänemark, Estland, Finnland, Holland, Ir­land, Lettland, Litauen und Luxemburg. Natür­lich sollen diese Streitkräfte an sich na­tional bleiben und unter normalen Verhält­nissen in den eigenen Gebieten jedes Staates untergebracht sein.

Das Projekt seht voraus, daß eine derartige Übereinkunft zunächst nur zwischen den euro­päischen Staaten möglich ist und sieht des­halb einen Umfang der Streitkräfte voraus, der ausreicht, um jede beteiligte Macht gegen den Angriff einer außereuropäischen Macht zu sichern. Weiter ist der Schlüssel von dem Ge° ichtspunkt aus aufgestellt, daß auch die drei mächtigsten und finanziell stärksten Staaten inner­halb der Liga nicht mehr als die Hälfte der '.esamten Streitkräfte aller übrigen Mitglied- laaten auf bringen können. Für Einzelunterneh- nungen der Mitgliedstaaten, z. D. auf kolo­nialem Gebiet, insofern sie zivilisatorischen Charakter tragen, soll der Wassengebrauch mit Zustimmung des höchsten Gerichtshofs von Fall zu Fall ermöglicht werden: für diesen Sonderfall tst auch die Schaffung von Kolonialkon- tingenten außerhalb der Li g a°S treit-

kräfte zugelassen. Zur Verhütung geheimer Rüstungen soll die Bewaffnung derjenigen Be­amten, die für die öffentliche Ordnung usw. zu sorgen haben, begrenzt sein und von derjenigen des Heeres abweichen.

Der Vorschlag hat mindestens Anspruch auf Berücksichtigung als ein sehr entschiedener und weitgehender: er ließe sich auch im Rahmen des Völkerbundes verwirklickxm, wenn dort die Bedenken gegen die Bundes-Exekutive nicht über­wiegen würden.

Tschiangkaischeks Ende.

Die Einigkeit der Südchinesen hat nicht lange vorgHalten. Sie bröckelte schon langsam ab, als der linke Flügel der Nationalpartei sich mit den Moskauern einlieh und mit Waffengewalt unter­drückt werden mußte. Sie ging noch mehr in die Brüche, als die Gegner Tschiangkai- scheks innerhalb der Partei in Hankau eine Nebenregierung einrichteten, die zwar auch die Nordchinesen bekämpfte, wenigstens theoretisch, kürzlich jedoch nicht weniger als 80 000 Mann im Rücken Tschiangkaischeks aufmarschieren ließ und mit dessen Truppen bei Kiukiang zusammenstieh. Seht man noch das Verhalten des Gouverneurs der Provinz Schrnsi in Rechnung, der zu T s ch a n g s o l i n freundschaftliche Beziehungen aufnahm, und berücksichtigt man, daß der Gou­verneur von Anhui ebenfalls zu den Nord- chinefen abschtoenkte, ja sogar Tschiangkaischek von Nanking und Schanghai abzuschneiden ver­suchte, dann hat man ein rundes Bild von der im südchinesischen Lager bisher herrschenden Einigkeit". Sie ist jetzt durch den militäri­schen Mißerfolg des Oberbefehls­habers völlig zerstört, der im Juni in die Provinz Schantung hinein vorstieh, dessen Offen­sive aber bald zum Stehen gebracht wurde und sich schließlich in einen flotten Rückzug verwan­delte. Tschiangkaischeks Truppen befinden sich heute tatsächlich auf der Flucht, es wird sogar damit gerechnet, daß alle eroberten Provinzen wieder verloren gehen. Diese Niederlage hat Tschiangkaischek bei seinen Freunden in der Kuo- mingtang, der Nationalpartei, um jeden Kredit gebracht, sie haben ihm jetzt auf dem Kongreß in Nanking schmucklos erklärt, daß er besser täte, zu verschwinden, gleichzeitig haben aber auch wohl seine älnterbefehlshaber ihn zum Abschied gedrängt. Damit ist wieder eine Episode d es chinesischen Bürgerkrieges ab­geschlossen, die sich noch durch die besondere Treulosigkeit derjenigen auszeichnet, die ihrem Oberbefehlshaber jubelnd solange folgten, als et sie von Sieg zu Sieg führte, die ihm aber einen Fußtritt in dem Augenblick versetzten, als er in eine unglückliche militärische Lage geriet, an der nur seine verbündeten Generäle und die Nationalpartei die Schuld tragen, die fürchteten, | er könne sich zum Alleinherrscher Südchinas auf» I schwingen. Nunmehr wird es wahrscheinlich dem

Norden ein Leichtes sein, mit dem Süden ab­zurechnen. Die Nankingregierung jedoch wird etwas plötzlich ihren Sitz wieder nach Kanton verlegen müssen, will sie nicht von den vordringenden Truppen Tfchangsolins gefangen genommen werden.

Der Vormarsch der Nordarmee.

Schanghai, 16. Aug. (WTB.) Reuter. Aus zuverlässiger Quelle wird gemeldet, daß die Süd - truppen eilig das Nordufer des Dangtfe räumen. Die Truppen Suntschuan- fangs, des Kommandeurs der Nordiruppen, rüden mit großer Schnelligkeit vor. Tausende von Flüchtlingen sind aus Nanking und Tsching- kiang nach Schanghai abgereifL

Iapanfeindiiche Bewegung in der Mandschurei.

Paris, 16. Aug. (WTB.) Nach einer Mel­dung der Agentur Jndo Pacific aus Tokio erklärt man, daß eine japanfeindliche Bewegung in M u k d e n ausgebrochen sei mit dem Ziele, die Tätigkeit Japans in der Mandschurei und in der Mongolei zu behindern.

Sowjetrussischer Annäherungsversuch in Japan.

Paris, 16. Slug. (WTB.) Nach einer Mel­dung der Agentur Jndo Pacific aus Tokio sucht die Sowjetbehörde eine Annäherung in Jap an, um der chinesischen Politik in der Frage der o st ch i n e s i s ch e n Eisenbahn für den Fall, daß England China unterstützen sollte, einen Mißerfolg zu bereiten.

Der Bombenterror in Amerika.

N e u h o r k, 16. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Polizei berichtet, daß eine Anzahl führender Persönlichkeiten und Vereinigungen anonyme An­drohungen erneuter Bombenanschläge erhalten haben, für den Fall, daß S a c c o und D a n z e 11 i hingerichtet würden. In einem Droh­brief wurde damit gedroht, daß ein großes öffentliches Gebäude oder eine Dahnhofsanlage in die Luft gesprengt werden würde.

Heute morgen 3.30 Uhr wurde das Haus von Lewis Mc Hardy in East-Milton, der als Geschworener in dem sieben Jahre zurückliegen­den ersten Prozeß gegen Saeco und Van - z e 11 i tätig war, durch eine Explosion zer­stört. Mc Hardy war zufällig abwesend, dagegen befand sich seine Familie im Haus. Obwohl die Feuerwehr die Betroffenen nur mit großer Mühe aus den Trümmern des zerstörten Hauses bergen konnte, ist keiner ernstlichverletzt worden.

Auf den Leiter der Kriminalpolizei in Bue­nos Aires wurde heute Nacht ein Anschlag verübt. Auf dem Balkon feines Privathauses wurde eine Bombe zur Explosion gebracht. Die Hauswand wurde zerstört, verletzt wurde

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niemand. Die Polizei vermutet Zusammenhänge mit der Sacco-Danzetti - Angelegenheit.

Freitag Entscheidung über Tacco-Banzetti.

London. 17. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Agenturmeldung aus Boston hat sich der Oberste Gerichtshof seinen Beschluß in der Sacco-Vanzetti-Angelegenheit bis Freitag Vorbehalten.

Zunächst kein neuer Iurikerrfiug.

2) e f f a u , 16. Aug. (WTB.) Bei Professor Jun­kers fand heute vormittag eine eingehende Besprechung mit den leitenden Herren der Junkerswerke und den Piloten derBremen" und derEuropa" statt. Die Besprechung dauerte bis in die späten Nachmittagsstunden. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Sichtung und Erörterung der Erfahrungen des ersten Versuches und führten zw nächst zu dem Ergebnis, daß fürs erste eine Wiederholung des Fluges nicht in Frage kommt. Auch wenn günstige Wetterkon­stellationen eintreten sollten, würde in den nächsten Tagen ein neuer Start nicht erfolgen. Ob er darüber hinaus noch vor dem Eintritt der Herbstwetter­periode stattfinden wird, hängt von dem weiteren Verlauf der Besprechungen ab. Jedenfalls ist die Lei­tung der Junkerswerke der Auffassung, daß die Bremen" die Probe bestanden und ihre Eignung für das Projekt des Ozeanfluges bewiesen hat. Um so mehr will man eine U e'b e r st ü rz u n g der Wiederholung vermeiden und sich auch durch andere Ozeanflugzeuge nicht beeinflussen lassen. In diesem Zusammenhang wird von den Junkerswerken auch betont, daß sie den Amerikaflug nicht in erster Linie von der sportlichen Seite her ansehen, sondern unter dem Gesichtspunkt der technischen, der wissen­schaftlichen und der praktischen Entwicklung des Flugwesens.

Sturm im Kanal.

Paris, 16. Aug. (WTB.) An der Kanal­küste wütete heute nacht em Orkan, der jede Schiffahrt unmöglich machte.

Ans <sller Welt.

Degen passiver Bestechung verhaftet.

DerVoss. Ztg." zufolge wurde in Leipzig der Architekt und Bauleiter S l o w i g wegen passiver Bestechung verhaftet, weil er seine Stellung als tech­nischer Hilfsarbeiter beim stä' ötischen Wohnungsamt pflichtwidrig zu einträglichen Privatgeschäften aus­genutzt hat. Nach dem bis jetzt vorliegenden Be­lastungsmaterial hat er von Interessenten in etwa 30 Fällen Geldgeschenke bis zum Einzeldetrage von 2000 Mark angenommen.

Furchtbarer Tod eines Tauchers.

Bei Arbeiten an den Saugrohven im Auf- * trage des Elektrizitätswerkes Hnterelb2 in Altona kam der Taucher Bartels dem Saugrohr zu nahe und wurde angesogen, wobei die Signal­leine und der Lustzuführungsschlauch rissen, so daß Bartels erstickte. Die Leiche wurde geborgen.

Lin Mädchen von einem Raufbold totgeschlagen.

Aus Kaldenkirchen wird gemeldet: Ein hier anfälliger Maurer, der als Raufbold bekannt ist, überfiel am Bahnhof ein Mädchen und schlug es mit einem schweren Stock so wuchtig auf das Genick, daß cs tot zufammenbrach Der Kerl wurde verhaftet.

Kiews zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Der ehemalige deutsche Fremdenlegionär und spätere Mitarbeiter Abd el Kcims, Otto Klems, der vor einiger Zeit vom französischen Kriegs­gericht in Fez zum Tode verurteilt worden war, hatte wegen einer in diesem Prozeß vorgekom­menen Namensverwechselung Berufung eingelegt. Das Kriegsgericht in Taza hat ihn nunmehr unter Aufhebung des Todesurteils zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Erdbeben in Turkestan.

In Namangan (Turkestan) dauern die Erd­stöße, deren schon 130 verzeichnet sind, ununter­brochen fort. Etwa 1500 Häuser sind zerstört, über 2500 beschädigt. Nach vorläufigen Angaben überschreitet der Schaden eine Million Rubel. Bis jetzt haben die Erdstöße 34 Todesopfer ge­fordert.

Die Wetterlage.

Dienstag, den 16. duguit 1927 7^ abends.

OWolkenlos.O heiter. ® naiD oedectL ® wolkig.Gedeckt, «Heget» * Schnee & Oraupein e NeDei K <>f *'itter.(§)Windstiiie.Ch se» leichter Ost massiger Südsüdwest Q stürmischer nordwes» bie Piene fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an Oie Linien veromdeo Orte mit gleichen! auf neeresniiieau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Wolkig, mäßig warm, einzelne Regenfälle, südliche bis westliche Winde.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16,5 Grad Celsius, Minimum 10 Grad Celsius. Nie­derschläge 2,8 Millimeter. Heutige Morgmtempe- ratur 14 Grad Celsius.

Witterungsaussichlen für Freitag: Fortdauer des regnerischen Witterungscharakters.