Märtyrer der Liebe.
Roman von I. Schneide^-Förstl.
26 Fortsetzung Nachdruck verboten
„Ja!" kam es beleidig;.
„Einen Wärmeofen kann icy allerdings nicht her- clnstellen", gab er gereizt zurück.
Das gab Reichmanns Selbstbeherrfchung den letzten Stoß.
„Bist du denn überhaupt noch ein Weib, eine Mutter? Jede andere würde sich die Füße wundlaufen. wenn sie ihr Kind krank weiß. Aber du! — Du tanzt Foxtrott und zu fyiufe bei dir kauert der Tod auf den Dielen."
Einen Minutenbruchteil weiteten sich ihre Augen in jähem Schrecken. Dann legte sie sich wieder in die Ecke zurück. Sie war abgespannt. Das Tanzen hatte sie ermüdet. Der Wein schläferte sie traumselig ein. Wenn Reichmann Händel wollte, sie hatte keine Lust dazu. Ihr Schweigen stachelte seine ohnedies stark vibrierenden Nerven auf.
„Frag' doch wenigstens, was deinem Kinde fehlt!" schrie er sie an. Frag' doch!"
„Ich kann mir'ß ja denken! Eine Magenoerstim- inung, ein leichter Brustkatarrh, irgend so etwas! Und da machst du gleich ein solches Wesen daraus. Warum hat mein Mann nicht HiÜrertt rufen lassen? Der verliert seine Ruhe niemals."
Er war für einen Augenblick sprachlos. Dann bog er sich weit geaen sie vor, so daß sein und ihr Atem einen gemeinsamen Hauch gab.
„Nella! Bist du das wirklick selbst? Dein unverfälschtes, wahres Ich? Dieses so ganz aller Mutterliebe bare Weid? Es kann ja Nichtsein, Nella! Ich habe dich doch geliebt, und ich kann mich unmöglich so furchtbar in dir getäuscht haben."
Sie gab keine Antwort. Seine Stimme klang ganz belegt, als er von neuem zu reden begann. „Ich habe dir neulich gesagt, daß ich dich an manchen Tagen hasse. Aber nun verachte ich dich auch. Um Geld und Geldeswert hast du mir das erstemal die Treue gebrochen. Das kann ich dir verzeihen. Das Leben hat mich gottlob schadlos gehalten dafür. Du liebst deinen Mann nicht, wie du solltest, das kann ich begreifen. Ihr Frauen seid unberechenbar und stoßt zuweilen den Besten von euch. Aber daß du
das Kind nicht liebst, das du geboren hast, das flößt mir Grauen ein. Und wenn du mein Weib geworden wärst und hättest mein Kind nicht geliebt, ich hätte dich gezüchtigt und dich auf die Straße gejagt wie eine Dirne. Ich bin kein Frömmler. Das weißt du so gut wie ich. Ader Mutter und Kind, das ist mir heilig!"
Sie gähnt« gelangweilt.
„Das kannst du ja nun haben. Rüttler und Kind," sprach sie mit leichtern Spott. ,Lch sehe ein, daß es gut war, daß ich nicht deine Frau geworden bin. Ich kann mich nicht anders machen. Kinder lassen mich nun einmal falt! Bollständig'"
Reichmann hob die Hand wie zum Schlage und lieh sie in jähem Besinnen wieder fallen. „Du!" knirschte er. Und noch einmal: „Du!" Er fand keinen Ausdruck, ihr seine Verachtung zu zeigen.
Als sie die Grenze passierten, frug Nella etwas, halb wachend, halb schlaftrunken. Er gab keine Antwort. Gegen fünf Uhr früh hielt der Wagen vor dem Parktor des Herrenhauses. Renkell stand barhäuptig an der Einfahrt und hielt Reichmann beide Hände entgegen.
„Mein lieber, lieber Doktor! Es geht bester. Die Schmerzen haben nachgelassen. Annemarie schlief sogar zwei Stunden!" Seine Worte überstürzten sich förmlich. Er hob seine Frau aus dem Fond und küßte sie. „Nella, sei nicht böse, daß ich dich in deinem Vergnügen gestört habe. Aber ich war so kopflos und habe mir nicht mehr getraut, die Verantwortung für das Kind ganz allein zu tragen."
Sie schritt wortlos mit einem kurzen Nicken dem Hause zu, während sich Reichmann von dem Hüttenkönig verabschiedete. „Wenn Annemarie schläft, lassen wir sie ruhen!" sagte er. ,Zch sehe morgen wieder nach, vorausgesetzt, daß Ihnen ein Besuch meinerseits wünschenswert erscheint, sonst werde ich Ihnen Kollegen Hilbertt schicken!"
,xsch bitte um Ihr Kommen!" sagte Renkell und umfaßte mit herzlich festem Druck seine Hand.
Dann fiel das Tor ins Schloß.
Das Doktorhaus lag in feinem Morgengrau, als das Auto in den Hof einbog. Eine Gestalt faß zu- fammengefauert unter der Linde auf dem niederen Bänkchen.
„Elisabeth!" rief der Doktor erschrocken und sprang aus dem Wagen.
Sie warf beide Arme um ihn und weinte haltlos, so voll verzehrender Angst und Sorge war sie gewesen.
„Mein armes Häschen!" tröstete er. Mochte der Chauffeur denken, was er wollte, er hob fein junges Weib in die Arme und trug sie die Stufen zum Hauie hinauf. ..So ein dünnes Kleid," zankte er liebevoll, „und ohne Tuch und Umhang. Seit wann hältst du denn schon Wache?"
..Seil — em Uhr!" gestand sie zögernd.
..Ach, du heiliger Gott! Warum hast du oenn nicht ungefragt in Regendach?"
„Das hab' ich schon getan, Georg. Das Zimmer mädchen sagte, du seiest schon um elf weggefahren. — Wo 'bist du gewesen?"
„Wir kommen von Prag. Die Hanna soll morgen den Chauffeur nicht wecken. Gib ihm nach Mittag ein paar Zigarren von meinen guten, meinetwegen kann er ganz frei machen. Wir beide fahren bann allein. Ja, mein Häschen?"
Sie schmiegte sich enger an ihn, und während er sich im Schlafzimmer entkleidete, brachte sie noch heißen Tee und trug ihn zu seinem Bett. ,Lch hatte immer das Gefühl," sagte sie zusammenschauernd, „als müßtest du in einer großen Gefahr fein. Ich mußte unablässig beten!"
„Hast du dabei an Nella Renkell gedacht?" frug er mit leichtem Argwohn.
„Nein, nein," widersprach sie. „Ich sah dich in einer Gefahr des Selbes."
„Du hast recht!" gab er zurück und senkte seine Augen in die ihren. „Der Expreß wäre uns um Haaresbreite in die Flanke gefahren!"
Sie hob beide Arme. „Was soll ich tun, wenn du einmal nicht wieder heimkommst zu mir?"
„Wenn du wie heute um meine Rückkehr betest, kann mir nichts fehlen", sagte er ernst.
Sie küßte ihn und mar glückselig über den Riesenappetit, den er entwickelte. „Hast du denn nichts gehabt?" meinte sie besorgt.
„Na und ob!" lachte er. „Scherereien an der Grenze und einen Bahnwärter, den der Blitz gestreift und uns auf den Weg geworfen hat, und heimzu eine Portton Grobheiten von Nella."
„Nein!" rief sie entrüstet.
„Doch, doch! Wir haben uns abgerauft wie ein paar bissige Straßenköter. Weißt du, so: —" Er zeigte alle Zähne, so daß sie hellauf lachte. „Glaub's
nur!" nickte er, in ein belegtes Brot schauend, ob Elisabeth auch nicht allzusehr mit dem da zwilchen» gelegten Geräucherten gespart habe.
..Wie geht es Annemarie?"
„Hm! — Renkell sagte mir, als ich zurückkam, daß es besser sei. Blutvergiftung ist so eine Sach«. Verträgt absolut keinen spaß."
„Blutvergiftung!" wiederholte die junge Frau entsetzt.
„Ja." Er lieh sich ein Drittes Glas Tee geben. „Kannst du dich da hineindenken? Die Mutter tanzt, während ihre Tochter am Sterben liegt."
„Sei nicht hart, Georg' Sic hat’s ja nicht gewußt."
„Aber, als sie's wußte, hätte sie gern weitergetanzt!"
„Sie ist aber doch heimgefahren mit dir! ' Der- teibigte Elisabeth.
„Äch hätte ihrs auch nicht geraten, zu bleiben. Bei Gott, ich hätt' sic geschlagen, wenn sie sich geweigert hätte, mit mir zu kommen."
Elisabeth schaltete die Nachtampel ein. Ihre Hände zitterten dabei. Ob er sie auch schlagen würde, wenn er glaubte, daß sie unrecht tue."
„Nimm das Zeug weg, Liesl!" gebot er und strich die blaue Steppdecke mit den großen Vierecken glatt. „So, und nun kannst du mir einyi Ruft geben. Weck' mich rechtzeitig, daß ich die Sprechstunde nicht verschlafe. Guten Morgen, mein Mäuschen. — Wundere dich nicht, daß ick so zärtlüb bin. So hat Renkell zu Annemarie gesagt. Ich selber hall' so was Schönes nicht gefunden, ich bin so gar nicht —"
Das letzte war' schon unverständlich. Er schlief bereits. Elisabeth bog sich über ihn, betrachtete sein scharfgeschnittenes Gesicht und die scharfen Ecken an Stirn und Mund, sann und fühlte doch nur bas eine einzige: sie liebte ihn namenlos.
Im Herrenhaus von Regenbach lastete drückendes Schweigen. Annemaries Befinden hatte sich verschlechtert. Als Reichmann gegen neun Uhr vor mittags kam, zuckte er die Achseln und machte ein ernstes Gesicht. Renkell stand blaß und mit tiefen Ringen um die Augen am Fenster, gegen die der Regen klatschte. Nella saß vor dem Beit der Kleinen und sah schweigend in das fieberglühende Gesicht des Kindes.
(Fortsetzung folgt.)
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