Ausgabe 
17.3.1927
 
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gaben dem festlichen SIbenb, zu dem sich die ganze Gemeinde eingefunden hatte, einen würdigen Ge­halt. Ferner wurden von den Schulkindern zwei Theaterstückchen hübsch aufgeführt. Bürgermeister Hofmann dankte in feinem Schlußwort namens der Gemeinde allen Beteiligten herzlich für den schönen Abend.

Mrcid Friedberg

Dad-Nauheim, 16. März. Die jüngste Sitzung der Stadtverordneten beiam ihre besondere Note durch eine länger«, zum Teil recht scharfe Aussprache in der Angelegenheit der Lürgermei st erwähl. Sie war veranlaßt durch einen sozialdemokratischen Antrag, der ur­sprünglich in geheimer Sitzung beraten werden sollte, infolge Mehrheitsbeschlusses aber doch vor der Oefsentlichkeit verhandelt wurde. Der besagte Antrag schlägt den Beigeordneten Kling, obwohl er die in dem Ausschreiben festgesetzte Altersgrenze über­schritten. nachträglich für die Nachfolge Dr. Kaysers vor. nicht als Parteimann, sondern wegen seiner kommunalpolitischen Erfahrungen, die er sich im Dienste der Stadt erworben. Der Finanzausschuß legte der Versammlung den Antrag vor, von den Bedingungen des Ausschreibens, das den 20. Fe­bruar als Meldeschluß angab, nicht abzuweichen. Nach längerer Aussprache, in der vor allem der demokratiiche Beig. Notar Stahl und der sozial­demokratische Wortführer Rößler sich scharf gegenüberstanden, wurde der Vorschlag des Finanz­ausschusses mit großer Mehrheit angenommen. Es stimmten auch einige sozialdemokratisch« Abgeord­nete zu, nachdem Stadto Rößler die Erllärung ab­gegeben, daß der Antrag feiner Fraktion doch zu Recht bestehe. Alle Beschlüsse in der Angelegenheit seien nichtig, maßgebend und entscheidend könne nur die Abstimmung bei der Bürgermeisterwahl im Plenum sein. Das vor 2 Jahren erbaute städtische Sommerbad, das von Fachleuten als eine Muster- anlage angejprodjen wird, erfreut sich eines so star­ken Zuspruchs, daß die Stadtverordneten die Mittel für einige Erweiterungsbauten (Zellen, Ankleide­räume) bewilligten, wenn auch zunächst nicht in dem vom Bauausschuß vorgeschlagenen Umfange (es waren 53 000 Mk. für die Erweiterung vorgesehen). Aus dem für den kommenden Sommer vorgesehenen Tarif geben wir nachfolgend einige Zahlen wieder^ Einzelkarten für Erwachsene 30 Pf., für Jugendliche 15 Pf.! Dauerkarten (25 Stück) für Erwachsene 6 Mk.. für Jugendliche 3 Mk. Am 27 März fin­det hier der Waldlauf des Mittelrhein­kreises der D. T. statt. Die Bad Nauheimer Turnerschaft bat in einem Gesuch um Gewährung einer Unterstützung, um den Siegern Erinnerungs­gaben in Gestalt von Radierungen überreichen zu können. Die vom Finanzausschuß vorgeschlagene Beihilfe von 60 Mk. wurde auf Antrag des deutsch- nationalen Etadtv. Leinkauf mit großer Mehr­heit auf 100 Mk. erhöht. Die Dienstwohnung im Amtsgerichtsgebäude soll noch vor der Ucberficbelung des neuen Amtsgerichtsdirektors Rausch von Lich nach hier instand gesetzt wer­den. Dem Voranschlag des Hochbauamtes in Höhe von 2900 Mk. war vom Bauausschuß zugestimmt worden. Line längere Aussprache knüpfte sich an den Punkt, wobei aum Ausdruck gebracht wurde, einen Teil der Dienstwohnung für Diensträume zu ver­wenden. da es an solchen mangele. Bürgermeister Dr. Kayser konnte dazu mitteilen, daß diesbe­züglich schon mit dem hessischen Justizministerium verhandelt worden sei, das sich aber nicht dazu her­geben wolle, wie es sich auch nicht bewegen lasse, eine Dienstwohnung für den Direktor außerhalb des Amtsgerichtgebäudes zu gefteUen. Es sollen weitere Verhandlungen stattfinden, weshalb die Stadtver­ordneten zunächst nur für die Herstellung von fünf Wohnräumen die Mittel bewilligten.

2$. Dad-Aauheim, 16. März. DaS hie­sige Ortskartell der Beamten hielt feine Hauptversammlu ng unter dem Vorsitz von Lehrer Porth ab. Als Gäste waren Direktor Burger (Darmstadt) und Lehrer Meier (Treisa) anwesend. Der erstere sprach über die hessische Beamtenbank, während Lehrer Meier über Beamte nwirtschastspolitik reie-- rierte. Der Jahresbericht des Vorsitzenden gab ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des Orts- kartells, das wiederholt Anlaß nahm, für die berechtigten Belange der Beamtenschaft einzu­treten. Besonders hervorzuheben ist die end­gültige Gründung einer Sterbekasse, der von den 252 Mitgliedern des Ortskartells bereits 150 beigetreten sind. Aach Schaffung eines Grundstockes sollen die von Fall zu Fall be­nötigten Mittel auf dein Wege des Umlagever- sahrcns beschafft werden. Der Vorstand mit Leh­rer P o r t h an der Spitze, wurde einstimmig wiedergewählt. Eine äußerst segensreiche Tä­tigkeit cntfaliet der hiesige Bildungsverein, der zurzeit 330 Mitglieder zählt. Die von Lehrer Wehrheim verwaltete Bücherei ist auf 4212 Bände angewachsen, die angeschlossene städtische Bibliothek, die ebenfalls der Allgemeinheit zu­gänglich ist, zählt 1392 Bände. Im abgelaufenen

Die Fahne.

Don Hans B e g e.

Die Geschichte der Fahne, dieses bei uns so heiß umstrittenen Symbols, reicht bis rns Alter­tum zurück. Die alten Inder führten neben den vielen aus Holz und Metall gefertigten Tier­bildern, die als Sinn- und Feldzeichen von den Kriegern getragen wurden, auch bunte Fahnen, groß und klein, im Zuge mit. Sie wurden teils an die Kriegswagen gebunden, teils auch von den Anführern des Fußvolkes getragen. Die Haupt­fahne war die Reichsstandarte mit dem Drachen, der als Herrschastssymbol bei den meisten Völ­kern des Altertums und auch noch des Mittel­alters eine große Volle spielte. Gr krönte mili­tärische Abzeichen aller Art. Unter den chinesi­schen Kaisern bildete der Drachen bas kaiserliche Wappenbild, und bei den Japanern ziert er alS Knops die Fahne.

Im römischen Heere kam unter Marius der Adler alS Heereszeichen für di« Gesamtheit der Legionen in Gebrauch: außerdem führte jede Kohorte ihr eigenes Feldzeichen: zumeist waren cS Metallbilder als Standarten, genannt Sigma, oder kleine Fahnen nach Art der Banner in roter, weißer oder purpurner Farbe, die Vcxilla.

Bei den germanischen Stämmen wurden in heidnischer Zeit die Bilder der den Gottern ge­heiligten Tiere. Eber. Stier ufw. auf Stangen im Zuge mitgetragen. Die Fahne lernten die Deut­schen erst durch die Vömcr kennen. Sie ward dann auch bei ihnen als bandum, vandum, bandora, zum Zeichen für den Heereszug. Später wurde aus der Wortform bandum banierc, Banier und im 14. Jahrhundert das Paner. Außerdem war aber auch das aus dem gotischen stammende Wort aber auch das aus dem Gotischen ftainmenbe Wort alter vane und später Fahne wurde. Schon das

IIahr waren davon insgesamt 3335 Bänd« im Umlauf, eine Zahl, die deshalb besonders viel besagt, weil es sich ausschließlich um beste und wertvollste Literatur handelt, die zur Ausgabe kommt. Der Verein, der von der Stadt und der Volksbank in anerkennenswerter Weise geldlich unterstützt wird, unterhält auch ein öffentliches Lesezimmer. Die Hauptversammlung dankte den Spendern von Zeitungen und Zeitschriften für den Lesetisch.

WSA. Dad-Aauheim, 16. März. Heute vormittag gelang es einem hiesigen Kriminal­beamten, mit Hilfe mehrerer auswärtiger Kolle­gen in Frankfurt a. M. den Einbrecher fcst- zunehmen. der in den letzten Fahren in allen Teilen Deutschlands etwa 64 Einbrüche und DiebstähleinSchulen und sonstigen öffent­lichen Gebäuden ausgeführt hat. Es handelt sich um einen Stanislaus Kedzierskt aus Hohen- ialza: er hat bisher 18 Diebstähle eingestanden, darunter auch die seinerzeit in den hiesigen Schulen ausgeführten.

!?! Vilbel, 16. März. 9n der Frankfurter Straß« wurde gestern der siebenjährige Knabe August Freund beim Spielen mit einem Ball von dem L a st a u l o des Milchhändlers Jörg aus Klein-Karben erfaßt und getötet. Den Autoführer ioU keine Schuld treffen, denn der Junge soll in das Auto hineingelaufen fein.

Kreis Alsfeld.

Nieder-Gemünden. 16. März. Aus verschiedenen Distrntten Der Freiyerrllch Schenk, chen Försterei zu Rülfenrod tarnen am gestrigen Dienstag neben Stamm- und Auyholz 151 Am. Scheiter. 357 Rrn. Knüp­pel. 434 Am. Rettig und 25 Arn. Stöcke zum Ausgebot. Bezahlt wurden für 4 Rm. Buchen- scheiter durchschn ttlich 45 bis 49 RM.. Buchen­knüppel 34 bis 38 RM.. Eichenknüppel 14 bis 16 RM., Reisig 4 bis 5 RM., Stöcke 24 bis 28 RAI.

er. Homberg a. d. Ohm, 16. März. Goldborn-Deckenbach war das Ziel der Wande­rung des Verschönerungs- und Tou­ristenvereins am Sonntag. Sämtlich« 42 Teilnehmer waren von dieser Wanderung sehr befriedigt. 3n unserer geräumigen Stadthalle wurde am Sonntagabend der Film ,.3ch hatt' einen Kameraden", ein Drama aus den Helden- tagen der deutschen Kolonien, gezeigt. Mit großer Spannung folgte die dichtgedrängt Menge den vortrefflichen Darbietungen. Möge der Zweck der Vorführung jedem Besucher deut- lich zum Bewußtsein gekommen fein, nämlich dar­auf hinzuweisen, daß Kolonialbesitz für das Deutsche Reich unbedingt notwendig ist.

Rheinhessen.

WSA. Wörrstadt, 16. März. Bei um­fangreichen Crdarbeiten an der Landstraße Ober- Saulheim- Wörrstadt wurde in der Aähe der sog. Hospitalsmühle eine größere römische Aiederlaffung freigelegt, die aufschlußreiche Funde aus der frühesten Römerzeit ver­mittelt. Heber die Fundstelle führte in früh- geschichtlicher Zeit die bekannte Römerstrahe.

WSA. G a u a l g e s h e i m, 16. März. Aus einer Bürgerversammlung, an der auch Vertreter des Bürgermeisteramts und des Handels teilnahmen, wurde die Gründung einer Genossenschaft der Obst- und Gemüsebauern angeregt Giese Genossenschaft, deren Gründung vollzogen wurde, will in Gaualgesheim einen Gemüse- groß markt einführen, der den Dauern einen leichteren Absatz ihrer Produkte sichert und zu einer Vereinheitlichung der Sorten anreizt.

Preußen.

Schutz der Raubvögel in Preutzen

Die preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und für Landwirtschaft, Domänen und Forsten haben zum Schutze der Raubvögel für den Umfang des preußischen Staates eine Polizei Verordnung erlassen, nach der die Ausschreibung von 'Belohnungen iPrämien) für den Abschuß oder den Fang von Raub­vögeln der Genehmigung durch den zuständigen Regierungspräsidenten bedarf. Die Genehmigung wird jeweils höchstens auf die Dauer eines Jahres erteilt. Zuwiderhandlungen gegen die Polizciverorbnung werden mit Geldstrafen bis zu 150 Mark oder mit Hast bestraft. Die Polizei- Verordnung ist mit dem 15. März in Kraft getreten.

ttrcis Wetzlar.

0 Aus dem Kreise Wetzlar, 16, März. 3n der jüngsten Hauptversammlung der Lokal- abteilung Wetzlar des Landwirtschaftlichen Ver­eins für Rheinpreußen wurde im Anschluß an einen von Kreisobstbaulehrer Kilp - Wetzlar ge­haltenen Vortrag über Vogelschutz die bedauer-

aus dem 6. Jahrhundert bekannte, heilige Feld­zeichen der Sachsen, das den fliegenden Adler über einem Drachen und Löwen zeigt, war eine Fahne, das heißt, ein an den Speerschaft gebun­denes Tuch, ebenso wie das mit dem Rabenbild geschmückte Zeichen der heidnischen Aormannen. Helden aus alten Geschlechtern, die, der alten Sitte folgend, zu Fuß kämpften, trugen damals die Fahnen. Sie wurden in der Regel erst kurz vor dem Auszug in die Schlacht an den Speer» schatt gebunden als Kennzeichen der Kriegsbereit- schaft.

3n der Ritterzeit genügten den Herren nicht mehr die Unterschiede in der Helmzier und der Rüstung, man wollt« ein aufstrebendes, leicht erkenntliches Zeichen haben, durch das der ein­zelne sich heraushob aus dem Gewirr der Hos- feste, Turniere, Kreuzzüge, und so band der Ritter ein Stück bunte Seide an seine Lanze. Da niemand aus edlem Geschlecht in dem Gebrauch dieser farbigen Feldzeichen beschränkt war und voll« Freiheit hatte, sich dieses Abzeichen ganz nach seinem Geschmack zu gestalten, so entstanden da­mals verschiedene Formen und Farbenzusammen­stellungen.

Als bann später die Lehnsgesetze eingeführt wurden, ward auch hier Wandel geschaffen, und nur derjenige durfte eine eigene Mhne führen, der eine gewisse Zahl Lehnsmannen ins Feld schicken konnte. Die Fahne trug das Wappen des Dannerherren, unter ihr scharten sich die Man- non. Ihre Form war meist das viereckige Dan- ner. doch zeigte fte in ihrer Ausführung die mannigfaltigsten Zusammensetzungen und Farben. auS denen Herkommen und Persönlichkeit des Edelmannes abzuleiten war. Zum Zeichen der Belehnung galt die Fahne neben der Lanze. Be­lehnte der Kaiser einen seiner Ritter mit einem Besitztum so sandte er ihm zum Zeichen dessen und des Heerbannes die Fahne In ähnlicher

liche Feststellung gemacht, daß unser« heimi­schen nützlichen Vogelarten immer mehr im Abnehmen begriffen sind, was letzten Endes auf das Fehlen natürlicher Aistgelegenheiten zurückzuführen ist. Wit Rück­sicht auf den h ich en Auyen. den die heimische Vogelwelt der Land- und Forstwirtschaft durch di« Bekämpfung der verschiedenartigen Schäd­linge erweist, wurde angeregt, behördttcherse ts die Beschaffung von Aistgelegen- h eit en in die Wege zu leiten. Den Ce.nein- ben ist nahegelegt worden, ihrerseits Aistkästen für ihre Waldungen. Obstanlagen usw. zu be- schafsen und für diesen Zweck alljährlich einen gewissen Betrag in den Haushaltsplan aufzu­nehmen. Die sehr begrüßenswerten Anregungen werden hoffentlich überall ein offenes Ohr fin­den, zumal sich die Kosten für die Beschaffung der Kästen in geringer Höhe bewegen.

# Lützellinden, 16. März. Wie schon im Gießener Anzeiger oer.ch.ct. oca^sicht g die hiesige Gemeinde auch in diesem Jahre to e,cr weitere Wegebauarbeiten ausführen zu lassen. Es handelt sich hierbei um folgend« Arbeiten: Aeudeckung der Krämerhohl auf 190 Meter Länge: Herstellung von 30 laufende Meter Rinne am Zimmerplatz: Ausbau von 60 laufende Meter des an den Flursch.edsweg anstoßenden Wirtschaftiweges bis einschl. der Linkskurve: Ausbau ke.- Pinnweges vom Springe- bachlanal ab bis an die Hauptlurve: Ausvau des Seitenwegs Dom Pinnweg nach dem Aarweg: Aeudeckung des Svringhohlweges vom Zimmer- Platz ab auf eine Strecke von 250 lausende Meter: Zinnenpflasterung am Hause des Zimmermeisters Möglich: Ausbau des Weges nach dem Turn­platz und Ausbau desGassi's" vonSchösse Heinrich's Eck" ab aus 100 lausende Meter. Das Steinematerial für die Wegebauten ist zum größten Teile bereits vorhanden und aus dem eigenen Bruche der Gemeinde gewonnen. Als Bindematerial wird Sand aus der Gemeinde­sandgrube im Markwalde verwandt. Bei den Rinnenpflasterungen kommen Basaltsteine zur Verwendung.

L Weidenhausen. 16. März. 3m Alter von 88 Jahren st a r b hier der Berginvalide Peter 3a ko bi. Kriegsteilnehmer von 1864. 1866 und 1870/71.

0 Dornholzhausen, Id. März. In der Zusammenlegungssache der hiesigen Gemeinde fand dieser Tage in der Gast­wirtschaft Schieferstein ein vom Kulturamt zu Wetzlar anberaumter Termin statt, in dem der Wege- und Grabennetzentwurs sowie der Meliora­tionsentwurf der Gemeindevertretung und den Deputierten vorgclegt wurden. Gegenstand des Termins waren weiter Verhandlungen über Eigentum und Unterhaltung an Wegen, Ge­wässern usw., Aufnahme Don allgemeinen Grund­sätzen und der Ausführungsbestimmungen zum Auseinandersetzungsplan, die Mebergabe der aus- gebauten Wegeanlagen in die Unterhaltung der Zivilgemeinde und Abrechnung der Wegebau­kosten mit dieser. In Verbindung mit dem Zu­sammenlegungsverfahren ist bekanntlich eine neue Verbindungsstraß« mit je einer neuen Brücke über den Kleebach und den Schäfer- scheu Mühlgraben bis zur Gemarkungsgrenze DornholzhausenLanggöns gebaut worden: außerdem sind zur Gewinnung von Kulturland und zur Schaffung von Bauplätzen zwei K l e e- bachdurchstiche ausgeführt worden. Die Ar­beiten waren als Aotstandsarbeiten anerkannt und sind mit Mitteln der produktiven Erwerbs- lofenfürsorge gefördert worden. Es ist in Aus­sicht genommen, drei weitere Kleebach­durchstiche auszuführen, und zwar den ersten am Südende des Dorfes, den zweiten, der be­sonders der Beseitigung von Hochwassergesahren dienen soll, in derAu", und den dritten am Dorfausgange nach Hochelheim. Die Zusammen­legungsarbeiten sind im übrigen schon so weit fortgeschritten, daß die llebergabe der neuen Pläne voraussichtlich im nächsten Jahre statt- sinden wird. Zeugnis von der allgemeinen Geldknappheit auch auf dem platten Lande legte eine dieser Tage hier stattgehabte Ver­steigerung einer landwirtschaftlichen Hofrai 1 e ab. Außer dem derzeitigen Be­wohner der Hofraite, einem Mieter, der 5000 Mark bot, gab von den übrigen Anwesenden niemand ein Gebot ab. Da die Hofraite einen wesentlich höheren Wert hat, wurde der Zuschlag nicht erteilt.

T Aus dem Hüttenberg, 16. März. Der Schnepfenstrich hat auch in den Jagd­bezirken des Hüttenbergs begonnen. Junglehrer A e u, Volpertshausen, hat bereits dreiLang­schnäbel" geschossen.

Kreis Kimbur.i.

WSA. Diez. 16. März. Das seit bald 1000 Jahren bestehende ehrwürdige D i e z e r Schloß ist durch Verwitterung des Porphyrfelsens, auf dem es erbaut ist,

Weise benutzten die höchsten Kirchenfürsten die Fahne als Symbol. Papst Stephan sandte Karl Martell die Fahne der Stadt Rom zugleich mit den Schlüsseln zum Grabe des heiligen Petrus. Karl der Große erhielt vom Patriarchen von Jerusalem die Schlüssel zum heiligen Grabe mit einer Fahne. Die purpurne Blutfahne war das Zeichen des obersten Lehnsherrn, linkt ihr verlieh der Kaiser Lehen, mit denen die Rechte des Dlutbanns verbunden waren.

In der Landsknechtszeit wurde die Haupt- und Sturmfahne dem Heere vorangetragen, außerdem führten die einzelnen Rotten ihre eige­nen Fahnen. Aach den alten Kriegsordnungen der Landsknechte mußte der Fähnrich seine Sahne hoch in Ehren halten und verwahrengleich einem ehelichen Weide". Bei dem angeworbenen Kriegsvolk des 16. Jahrhunderts war der Fähn­rich. der im Gegensatz zu heut« auch der Träger der Fahne war, die Seele des Regiments, für dessen Haltung und Führung er verantwortlich war. Wenn er fein Fähnlein frei und hoch in der Luft wehen lieh, zeigte et dadurch, daß das Gewissen des Hausens stöhlich, tapfer und rein war. Trug er aber die Fahne umgekehrt, mit der Spitze nach unten, so bedeutete das Meu­terei, oder es haftete ungeahndeter Frevel oder sonstige Schande an dem Haufen. Stets war der Fähnrich mit der Fahne im dichtesten Kampf­gewühl, und immer sorgte er dafür, daß seine Zahne auch hoch wehte und von den Lands­knechten gesehen wurde. Aie durfte er fein Fähn­lein Preisgeben, eher Leib und Leben verlieren, als sich das kostbare Tuch entreißen [affen.

Die Landsknechte waren Fußvolk: ihre Fah­nen hatten eine andere Form als die der Reiterei. Trugen die hoch zu Roh sich über dem Fußvolk erhebenden Kämpfet in Form und Farbe reich ausgestattete Bannet, fo führte der dichte, gc- fchloffen« Haufen der zu Fuß kämvfenden Lands-

in abfehbarer Zeit vom Zerfall bedroht. Die wie Schwalbennester an dem Felsen klebenden Häuser der Altstadt von Diez erfordern ebenfalls umfassende Mahnahmen zur Abwen­dung der durch stürzendes Gestein drohenden Ge­fahr. Gefangene der Diczer Strafanstalt sind deshalb bereits feit Wochen mit der Loslösung der verwitterten Oberschicht des Felsens beschäf­tigt. Die Arbeiten erstrecken sich bis zu einer Tiefe von 5 Meter unter die Oberfläche, worauf eine Mauer aus Eisenbeton von 17 Meter Breite. 2,50 Meier Dicke und 25 Meter Höhe, bis an das Mauerwerk des Schlosses reichend, errichtet werden soll. Aach und nach fofi auf diese Weise der ganze Felsen rundum umkleidet werden

Maingau.

WSA. Frankfurt a. M., 16. März. Ge­stern wat die Frist zur Einreichung von Be­werbungen für die freien Stadtrats- ft e 11 e n abgelaufen. Bis zum D.enstagvormtt- lag lagen 5 7 0 Bewerbungen vor Es han­delt sich bekanntlich um die Besetzung der Stabt- ratsstellen des bereits ausgeschiedenen Stadt­rats Lutsch, des ausscheidenden StadtratS Meckbach und zweier neuer, also um vier Stel­len im Magistrat. Heute früh fiyg nach 5 Uhr brach im Küchenraum des alkoholfre e.k"R e ftau- rants im Frankfurter Volksbil­dungsheim am Oederwea aus bisher noch unbekannter Ursache ein größeres Schaden­feuer aus. Außer der Kücheneinrichtuna, dem Mobiliar usw. wurden auch beträchtliche Speiie- Vorräte vernichtet. Der Gebäudeschaden ist ge­ring. Der Schaden beziffert sich auf 5000 dis 6000 Mk. und soll durch Versicherung gedeckt sein.

Die Oppenheimer Sprit« schiebungen.

WSA. Mainz. 16. März. Die Sprit- schiebungen der Firma A ö d l i n g in Oppen­heim ziehen immer weiter« Kreis«. Der toegen Verdunkelungsgefahr bereits verhaftete A ö d l i n g hat, wie das ^Mainzer Journal" er­fährt, bereits ein volles Geständnis ab­gelegt. Er gab zu, daß et über einen großen Stab von Helfershelfern verfügte, nach denen jetzt die Zollbehörde fahndet. Die Untersuchung richtet sich auch gegen die Vorgänge, welche sich bei der zollamtlichen Behandlung abgespielt haben. Die Zollhinterziehungen sind derart um­fangreich. daß cs nicht möglich ist. sich für die Betrage mit den Geldstrafen bei der Firma Aöd- ling selbst zu decken. Die Frankfurter Zottfahn- dungsstelle hat nicht weniger als 20 Beamte nach Mainz und Oppenheim geschickt, die dort feft(teilen fallen, wohin der verschobene Sprit verkauft worden ist, um bei den Abnehmern der Firma den Zoll nachträglich zu erheben. Auch gegen den Geschäftsführer der Mainzer Filiale der Firma, Peter Wirth, der eine in Mainz sehr bekannte Persönlichkeit ist, ist jetzt ein Haftbefehl erlassen worden.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

DaS Amtsverkündigungsblatt Ar. 19 Dom 15. März enthält Kriegsgräber­fürsorge. Aatur- und vogelkundige Ferien­kurse. Dr. G. Rensing. Zeit- und Lebens­bilder aus der Kirchengeschichte. Dienst­nachrichten.

Wirtschaft.

Die Rückwärtsbewegung an der Börse.

Aach der Statistik der Deutschen Bank stellte sich der Durchschnittskurs aller Aktien, die an der Berliner Börse notiert werden, am 9. März auf 168,6 gegen 177,7 am 9. Februar bzw. 147,7 am 9. Dezember 1926. Die Deutsche Bank stellt in ihren Bettachtungen zur Börsen- und Geld­marktlage fest, daß die Rückwärtsbewegung der Akttenkurse keineswegs überstürzt war. Diese Tatsache ist wohl in erster Linie daraus zu- rückzuführen, daß das Publikum im allgemeinen an seinem Aktienbesitz bisher sestgehaiten hat und daß sich größere Aktienpakete in festen Händen der Industriekreise befinden, die natür­lich an eine Herausgabe ihrer Aktien aus nahe­liegenden Gründen nicht denken. Die Anspannung der Zinssätze aus dem Geldmarkt und die Er­müdungserscheinungen auf dem Kapitalmarkt be­zeichnet die Deutsche Bank als Symptome, deren Zusammentreffen nicht zufällig ist.

Die Notwendigkeit der Gütertarifsenkung.

Bekanntlich hat die Reichsbahn vor kurzem ihren jetzigen Tarif einer ziemlich eingehenden Durch und

knechte große fällige ungebrochene Fahnen mit sich, und es gehörte große Kunst und Kraft dazu, die riesigen Tücher richtig zu schwenken und zu entwickeln. War doch der Umfang der Fahnen laut der Reichskriegsverfassung von 1627 auf drei Ellen an der Stange und vier Ellen im Fluge festgesetzt.

3m Mittelalter hatte jedes Land, jede Stadt, jeder Fürst und Herr seine eigene Fahne. Sie waren meistens reich gestickt und fast so bunt wie in der ersten Periode der Ritterzeit. Di« bei großen Umzügen getragenen Fahnen der Zünfte waren mit den Emblemen der Gewerkschaften geschmückt und den zum Teil prachtvollen Stadt­wappen.

Die tünstlerisch« Durchbildung der Zahn« ist allmählich mehr und mehr in den Hintergrund getreten und hat namentlich bei ihrer offizielle» Anwendung als Herrscherzeichen feit der ersten französischen Revolution den Zusammenstellungen von ungebroJ enen Farben Platz gemacht. Ihre Heiligkeit als Symbol hat darunter nicht gelitten. Der Fahne schwärte noch heute der Soldat den Treueid, den Fahneneid. Sie ist daS Heiligtum der Truppe, der sie angehört, und der tapfer« Soldat yat allezeit eher sein Leben hergegeben. als die Fahne iin Stich gelassen.

3m Mittelalter ward aus der Art der am Stadttor wehenden Fahne den Ankommende« schon von weither manch schwerwiegende Kunde. Die gelbe Fahne über einer Stadt bedeutet daS Walten des schwarzen TodeS, d. h. die Pest war in die Stadt eingezogen. Eine schwarz« Zahne dagegen kennzeichnet« den Ort, wo sich ein Laza­rett befand. Hier haben wir die Anfänge der Flaggensprache, di« trotz all der hervorragende« Derständigungsinittel neuester Zeit, wie si« vor allem die drahtlose Telegraphie bietet, in der Handels- wie in der Kriegsmarine noch immer eine wichtige Rotte spielt.