Ausgabe 
17.3.1927
 
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Nr. 64 Zweites Matt

Mussolinis Einkreifungs- Politik auf dem Balkan

Don unserem W-ÄorreffcDnDenten.

Wien. Witte März 1927.

Am Abende des 7. Mär» teilte Musso­lini dem rumänischen Gesandten in Rom mit. daß Italien das Abkommen vom Jahre 1920 über Bessarabien nunmehr ratifiziert habe. Roch vor wenigen Monaten, beim Abschluß des itallenllch-rumäinschen Freundichasts-DertrageS. hatte sich der Duce hierzu nicht bereitgefunden. Indem er nun den ttonig seine Unterschritt aus daS Dokument setzen läßt. das bisher nur von Frankreich und England gezeichnet war. macht er die Garantie (die drei Garanten vor- aussehte) erst wirksam. Der überraschende Enl- fchluh der Conlulta ist als ein Sieg des alle Welt gegen Moskau mobilisierenden engli­schen Kabinetts gewertet worden. Man bat in dem Anschluß Roms an den bessarabi- fchen Garantievertrag auch einen erfolgreichen Dersuch Mussolinis gesehen. Frankreichs Stellung in Rumänien zu erschüttern. Sine 2lb- sicht. die den itolienhdxm Staatsmann sicher geleitet hat. ist außerhalb der verhältnismäßig engen Grenzen des Königreichs der Serben. Kroaten und Slowenen bisher nicht gewürdigt worden: die Absicht, dieses Königreich einzu- kreisen und in die Knie zu zwingen. Es handelt sich eigentlich um keine Absicht mehr, denn der Kreiö ist bereits geschlossen. Das Turnier, das Frankreich und Italien aus dem Balkan au-sochten, ist zugunsten Italiens entschieden, denn der Schwertarm Galliens auf dem Balkan Jugoslawien ist gelähmt.

Als am 27. Rovember 1926 der italienische Gesandte in Albanien und der albanische Außenmn.stcr zu Tirana einen Freundschafts- und Sicherheitsvertrag zeichneten, demissionierte der serbische Außenminister Dr. R i n t s ch i t s ch. Er bekannte damit urbi et orbi das Ende seines Glaubens an Italien, daS Scheitern der sog. Aettuno-Politik. In Albanien war das schon viel früher offensichtlich geworden. Gerechter­weise wird man sagen müssen, daß es Belgrad war. daS auf diesem heißen Boden den Kampf ausgenommen hat. als es den Einfluß des dem italienischen Gesandten gefälligen Fra R o 1 i brach und am 31. Januar 1925 Achmed Bey Zogu zum Präsidenten ausrufen ließ. Die serbische Diplomatie hatte sich mit der italieni­schen messen wollen und mußte die Folgen ihrer Unterlegenheit tragen. Bald gab Dry Zogu den Italienern Waldkonzessionen an der serbi­schen Grenze und im September 1925 konnte die albanische Staatsbank gegründet werden, bereit Kapital zu 51 Prozent die Italiener. Serben und Schweizer, zu 49 Prozent der alba­nische Staatsschatz beistellen sollte, für den aber die italienische Hochfinanz einsprang. Die allo de facto italienische Rotenbank gründete die Gesellschaft zur Förderung deS albanischen Handels, und von der Fünfzigmillionen-Anleihe. die sie auflegte, wanderte ein Abschnitt nach dem anderen nach Italien. Dieses Land übernahm daher die Kontrolle über die Derwendung des Kredites und was war natürlicher, alS daß die Hasenbauten in Balona und Durazzo, der Dau der Eisenbahnen GkutariDurazzo. Berat - BalonaSkutariMost. 'DurazzoMost. Pod- goretz-Balona italienischen Firmen über­tragen wurde! Das Eisenbahnnetz erwies sich bei näherer Prüfung alS ein Retz gegen Serbien gerichteter strategischer Bahnen. So ist Albanien just unter Achmed Bey Zogu ital enischem Ein­flüsse erlegen und der Präsident soll eben die Anerkennung hierfür erhalten, indem Italien seiner Krönung als M'b r e t zustimmt.

Serbien hatte in Albanien das Spiel schon vor dem Abschluß des Tirana-Vertrages verloren. Roch ehe die Riederlage mit dem Bekanntwcrden des Abkommens of enbar wur>e. schien Rintschitsch einen Ersah gesunden zu haben. Bei der Fünf- Hundertjahrfeier der Schlacht von Mohacs warb der ungarische Reichsverweser um Serbiens Freundschaft. Die serbischen Staats­männer quittierten die Rede mit freundlichen Worten. Berhandlungen über eine dem ungari­schen Handel einzuräumende Hafenzone wurden eingeleitet. 'Da wurde im Januar 1S27 eine Reise des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen B e t h l e n nach Rom angekündigt. Rach den römischen Meldungen sollte sie Besprechungen über die Hafenfrage dienen. Das wirtte wie eine Absage auf eine serbische Hoffnung. Der |

Der Zchmetierling als Haustier.

Bon Siegfried v. Vegesack.

Don allen Haustieren, die ich kenne, ist der Schmetterling fraglos das geräuschloseste, sau­berste und anspruchloseste Geschöpf. Man sagt. Schmetterlinge leben nur einen Sommer, a&et das ist nicht wahr: unserer lebt nun schon Öen ganzen Winter und wird, seitdem dir Tage heller werden, immer frischer und beweglicher.

Ganz plötz.ich. an einem falten Wintermorgen machte ich seine Bekanntschaft. Ich sitze am Fenster und klappere auf der Schreibmaschine. Einen Augenblick halte ich im Schreiben inne, da höre ich neben mit an der Fensterscheibe ebenfalls ein Klappern, und ftaunenö sehe ich einen Schmetterling, der mit feinen Flügeln an daS von der Sonne beschienene Glas trommelt.

SS ist ein großer, rostbrauner Fuchs-Schmet- terling, ein ganz gewöhnliches Exemplar, und dock ein buntes Wunder vor dieser weißen Win- terlandsckast. Der Schmetterling klappt die Flü­gel auf und zu, auf und zu, ohne Zweifel: er mcnfcnDicdt Dann fängt er plötzlich an. heftig ?u trommeln, tastet mit den langen dünnen Füh- ern erregt an der Fensterscheibe hin und her, spreizt fröstelnd die matten Flügel im schwachen Schein der Wintcrsonne, schlägt sie lautlos zu­sammen und versinkt in Gedanken.

Dieses Schaufpiel wiederholt sich nun jeden Tag. Punkt halb zehn Uhr macht der Schmetter­ling seine Turnübung, die nur eine Biertel- stunde dauert. Rach dem Mittag, gegen 2 llhr. wiederholt er sie noch einmal Sonst rührt er sich nicht. Er sitzt unbeweglich auf der schmalen Holzleiste, die Flügel an die Glasscheibe ge­preßt. Für die Rächt träte ihm aber dieser Ort wohl zu kalt. Ich nehme ihn deshalb ganz vorsichtig an den Flügelspihen und setze ihn auf den großen Kaktus. Irgend etwas muß doch ein Schmetterling auch im Winter haben. Bald konnte ich ihm bessere Kost bieten. Es

war Geburtstag, und ein großer Azaleenbusch kam ins Zimmer. Auf einer rosa Blüte schlief er nun jede Rocht. Jetzt erfüllen wieder zahl­lose bunte Hyazinthen das Haus. Ihr starker Duft scheint ihm besonders wohl zu tun. Jeden Abend, wenn die Fensterläden geschlossen wer­den, trage ich den schlafenden Faller zur blauen Hyazinthe auf meinem Schreibtisch. Er klammert sich fest an eine der Blütendolden und blinzelt be­rauscht in die elektrische Lampe.

Aber jeden Morgen, punkt halb 10 Uhr. be­lebt er sich, streckt tastend die Fühler vor. schlägt die Flügel auf und flattert zum Fenster. Selbst wenn keine Sonne scheint, läßt er sich nicht vom Duft der Hyazinthe berauschen. Die weihen rätselhaften Frostblumen an der Fensterscheibe loden ihn mehr, er ist Idealist und hat an der Wirklichkeit kein Genüge.

Dabei ist er einmal fast umS Leben ge­kommen. Kisse Murre, unsere blaue Katze, war plötzlich aufs Fensterbrett gesprungen und hatte :hn schon mit ihren Tatzen gepackt. Der arme Schmetterling tag wie tot da, ich setzte ihn auf die Hyazinthe. Aber am andern Morgen be­lebte er sich wieder, flog zum Fenster und trommelte eifriger denn je an der Scheibe

Ob ich ihn bis zum Sommer durchbringen werde? Ich habe nie gewußt, daß Schmetterlinge e.nen Winter überleben können. Lielle cht ist dtes der erste, dem es glücktt Was w.rd er aber sagen, wenn der Sommer wiederlehrt. trenn er ins Freie Hattert? Wird er sehr glücklich fein? Oder, in einer kühlen Maiennacht, bitter enttäuscht von diesem zweiten Leben, einschlasen, um nie mehr zu erwachen?

Do sammeln die lieben Menschen Schmetter­linge. spießen sie aus langen, spitzen Radeln auf, schreiben einen lateinischen Romen Darunter und sind sehr stolz Darauf. Aber ich finde: an einem lebendigen Schmetterling hat man mehr Freude und ein tieferes, innigeres Elück. als an tausend au'gefpielten Leichen. Und ein flat­ternder. ganz simpler Fuchsschmetterling ist ein

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhessen)

Donnerstag, 17. März 1927

ungarisch-italienische Flirt hat unzweifelhaft e.ne große Bedeutung. Einmal unterstützte Italien die gegen Ungarn gerichtete Politik der Kleinen En­tente. Run zeigt btefeS Italien Demi. Iben Ungarn den Weg aus der feindseligen UmUdm lerung, verdammt Italien die Politll der Kiemen Sntenie Aur Ohnmacht, denn dieser Derbond wog nur solange schwer. olS eine Großmacht auf seiner, keine Großmacht auf Ungarns Seite stand

Richt genug an dem: Serbien strebt bekannt­lich feit langem den Ausbau seiner ihm ver­tragsmäßig zugestandenen Hafen zone in Sa­loniki an. Es Dürfte noch erinnerlich sein, wie gespannt im Herbste 1924 die jugo lowisch-g rie­ch i s ch e n Beziehungen wegen Salonikis waren. Der Diktator Pangal öS gelangte mit Serbien au einer Bereinbarung. Da stürzte er über Rachtt Man darf in solchen Balkanereigniffen nicht nur Wirkungen der Interessengegensätze zwi­schen den Balkanmächten und den Por'eien der einzelnen Staaten sehen wollen. Alle Di cf? Staa­ten sind noch wie vor nichts anderes als Steine auf dem diplomatischen Schachbrett der Großen. Die Schwierigkeiten in der Salonik.frage ergaben sich letzten Endes aus dem Kräftespiel zwischen F rankreich und Italien. Frankreich hotte sich in dem jugoslawisch-griechischen Abkommen den entscheidenden Einfluß auf die Rord-Süd- Linie nach Solonlli gesichert. Italien ist in Al­banien und Bulgarien mit einem West-Ost-Linien- Projekt hervorgetrcten. das die Adria über Salo­niki mit Konstantinopel verbinden wollte. Hinter den Kulissen agierte England, der mächtige Freund Italiens und Beherrscher Griechenland,-. Pan- golos ward von England gefällt.

In die Auseinonderschungen über Saloniki spielte bereits die Annäherung Italiens an 'Bul­garien hinein. Hier hat Rom ein verhältnis­mäßig leichtes Spiel. Mag Belgrad in Sofia noch so rührig fein zwischen ihnen steht die Erinnerung an die Balkankriege und den Weltkrieg. Wie während des Weltkrieges im Ringen um die Seele des Bulgaren Derjenige siegreich bleiben mußte, der Mazedonien versprechen konnte, so auch jetzt. Schon gewinnen in Bulgarien jene groß- bulgarischen Kreise wieder Die Oberhand, Die seinerzeit Stambulinski gestürzt hoben. Wichtige Deränderungen in der Sofioter Regierung stehen bevor. Burow soll dos Außenministerium an den Finanzminister Molow abgeben. Der erst vor einigen Togen aus Rom heimgekehrt ist. Und in Rom weilt noch Der seinerzeit fälschlich totgesagteMazedonier" General Prologe- r o w. Kein Wunder, daß man in Belgrad Dem Frühjahr mit ernster Sorge entgegenblickl. Im Frühjahr wird es auch sonst in Mazedonien le­bendig.

Das Bild wäre kein vollständiges, wenn man nicht auch Montenegros gedächte. Rackdem Der letzte montenegrinische Minister­präsident Plamenoh fein revolutionäres Komitee in Die Partei Der montenegrinischen Föderalisten übergeführt hatte, gab es nur mehr Die Gruppe Des Dr. Markowitsch. Die mit Moskaus Hilfe Der Unabhängigkeit Montenegros zu- strebte. Markowitsch fungiert nun fett kurzem als bolschewistischer Kommissär in Kanton. Die montenegrinische llnabhängigkeitsbewegung schien Darnach begraben. Die Auflösung des Plamenatz-Komitees in Gaeta war eine Folge des Reltuno-DerlrageS. Der eine italienisch- jugoslawische Freundschaft verhieß. Run aber, öd dieser schöne Gedanke eingefargt ist. Durfte ein neues revolutionäres Komitee montenegrini­scher Emigranten auf italienischem Boden in Mailand seine Tätigkeit aufnehmen.

In Bukarest wehen also die Flaggen in den Farben Rumäniens und Italiens. Graf D e t h l e n rüstet $ur Reise von Budapest nach Rom. in Albanien will Achmed Beg Zogu den Thron besteigen. Den einmal ein Fürst Wied inne hatte, in das bulgarische Außenmini­sterium zieht ein Mann ein. Der aus Rom kommt, im Lande Der Schwarzen Berge regt sich eine llnabhänaigkeitsbewegung, Die von italieni- schem BoDen ihre Impulse empfängt, und Grie­chenland wird von England beherrscht. Dem brillanten SekunDanten Italiens. Jugoslawien ist eingekreist. Die Polittk Eduards VII. lebt wieder auf nur wird sie jetzt von Musfolim gemacht und Das Opfer wird nicht Deutschland, sondern vielleicht Jugoslawien sein.

SurcrfiftunDcn der Ncvaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschloffen

E n hessifches (Bemeinöebeamtengefetj.

Don unserer Darmstädter Redaktion.

Seit Jahren sind Die Hess thchen Ge - meinDebemten bestrebt, ihre Anstel- lungs-, Kündigungs- und Besol- dungsverhältnisse neu zu gestalten. Sie gegenwärtige Rechtslage gründet sich auf Die Städteordnung und Die Lan7gemelndeor.nung vom Jahre 1911. Durch die staatliche Entwicke­lung und Die weitere Ausbildung des Beamten­rechtes erscheinen aber manche Bestimm uns en ncht mehr zeitzemäh, und sie stehen auch teil­weise nicht mehr im Einllang mit der Reichs- Verfassung. Diele regelt in den Artikeln 128 bis 131 grundsätzlich Die Rechte der Beamten. Der wichtigste darunter, der Artikel 129. besagt u. a.: - Die Anstellung der Beamlen erfolgt auf Lebens- -eit. soweit nicht durch das Gesetz etwas an­deres bestimmt ist. Ruhegehalt und Hinter- bliebenenversorgung werden gesetzlich geregelt. Die wohlerworbenen Rechte Der Beamten sind unverletzlich . . . Die Beamten können nur unter Den gesetzlich bestimmten Boraussetzungen unD Formen vorläufig ihres Amtes enthoben, einst­weilen ober cnDgültig in Den RuhestanD, ober in ein anDeres Amt mit geringerem Gehalt ver­setzt werben".

Die hessische DemeinDebeamtenschast, die zum größten Teil in Der Gewerkschaft hessischer Ge- meinDebcamten organisiert ist. hat jetzt einen Entwurf eines hessischenGemeinDe- beamtengesetzes" ausgearbeitet, um Die maßgebenDen Stellen Der Regierung unD Die Parteien im Landtag mit Den Wünschen und Forderungen Der Gemeindebeamten bekannt zu machen. Dieser Entwurf besteht aus 34 Para­graphen. Die in sechs Abschnitte gegliedert sind. 8 1 handelt von Der Anstellung eines Gemeinde- beamten. Besonderes Gewicht wird auf Die Aus­händigung einer Anstellungsurkunde gelegt, wor­über es heißt: ..Die Anstellung vollzieht Der Bürgermeister auf Beschluß Der Gemeindever­tretung. Zur Rechtswirksamkeit Der Anstellung bedarf es Der Aushändigung einer Anstellungs- Urkunde, Die von Dem Bürgermeister unter­schrieben ist und Den Empfänger als ©emcinDe- beamten bezeichnet. Der von Der Gemeinde- Vertretung festgesetzte Anstellungstermin ist in Der AnstellungsurkunDe aufzuführen". Die §§ 2, 3 und 4 treffen Bestimmungen über Die An­stellung auf Widerruf. Das Recht des Wider­rufs soll nach fünfjähriger Beschäftigung er­löschen. Die §§ 6, 7. 8 unD 9 beschäftigen sich u. a. mit Der Krankenfürsorge, dem Urlaub und Der Versetzung in Den Ruhestand. Der zweite Abschnitt (§§ 10 bis 13) trägt Die Wünsche für eine Beamtenvertretung und für Schieds­gerichte vor. Es sollen hiernach Deamtenaus- schüsse für Gemeinden mit über 15 000 Einwoh­nern ab gebildet werden, und ebenso Aus­schüsse für Die Kreise. SchieDsgerichte sind am Eih Der Provinzialdirektionen zu errichten, deren Zusammensetzung näher angegeben wird. Der dritte Abschnitt (§§ 14 bis 16) will die Re­gelung Der Gehaltsverhältnisse.Die Besoldung gilt als angemessen, wenn sie Den für Landes­beamte maßgebenden Grundsätzen entspricht." Der vierte Abschnitt beAieljt sich auf das Ruhegehalt und Die Hinterbliebenen Versorgung, und der fünfte auf das Dienststrafverfahren. Der 6. Ab­schnitt bringt Ueoergangs- unD Schlußvor- schriften.

3n Der DegrünDung zu Dem Entwurf heißt es:Seit Dem Jahre 1920 erstrebt Die hessische Gemeindebeamtenschaft Die Festlegung ihrer Rechts» und BesolDungsverhältnisfe durch ein einheitliches hessisches Gemeindebeamtengeseh. In diesem Gemeindebeamtengeseh sollen nicht nur die Rahmenbestimmungen für Die Regelung der Gemeindebeamtenbesoldung, sondern auch für die Regelung der gesamten Rechtsverhältnisse der OemeinDebeamten feftgclegt werden. Mit der sich fortwährend steigernden Beanspruchung Der Ge­meinden zur Durchführung der aus Reichs- oder Landesgesehen sich ergebenden Aufgaben erhöht sich natürlicherweise auch die Bedeutung des DerufSbeamtentums Der Gemeindeverwaltungen. Mit der Erweiterung des Aufgabengebie.es Der Gemeinden ist eine Steigerung Der Arbeitslast der Beamten eng verbunden. Die Bedeutung des Berufsbeamtentums für die Weiterentwick­lung und Entfaltung der freien Selbstverwaltung der Gemeinden als Zellen des Staates ist stets anerkannt worden. Aus dieser Anerkennung heraus wurden für Die Beamten des Reichs, der größeres Wunder, als hundert noch so seltene tote Prachtexemplare.

Haltet Schmetterlinge im Winter: es sind Die Dankbarsten, schönsten unD billigsten Haus- tiere. Die es gibt. Sie essen nichts, sie machen keinen Schmutz und keinen Lärm. UnD wenn sie ganz leise mit den Flügeln an Der gefrorenen Fensterscheibe trommeln, Dann weißt Du, Daß es Doch einmal Frühling wird!

Aus der Ges ichrederOzeanflüge.

Der alte Gedanke des Ozeanfluges, Dem sich als jüngstes Glied in der Kette das kühne Unternehmen des italienischen Fliegers de Pinedo anreiht, macht Geschichte und Damit Fortschritte. Er begann mit dem ersten Flua über den Kanal, denn sein Ziel ist das mühelose Ueberfliegen der Meere. Dcr schmale Streifen zwischen England und dem Kon­tinent diente vor einem Vierteljahrhundert als erster Dersuch. Welche ungeheure Aufregung in der ganzen Welt verursachte damals das Gelingen des Fluges! Am 2-5. Juli 1909 nachmittags 4.40 Uhr flog Fran cois BlLriot von Baraques (Nordfrankreich) nach Dover (Sudengland). Aber wie viele verunglückte Versuche waren diesem Ereignis oorangegangen! Wer denkt heute nach fast 28 Jahren noch daran, wenn er, bequem in den weichen Sessel zurückge- lehnt, den Kanal überflieat! Vier Jahre spater handelt es sich schon nicht mehr um den Kanal. Da war es Der oielberühmte Roland Garros. dcr den wllkühnen Versuch unternahm, das Mitlelmcer zn überfliegen. Am 24. September 1913 startete er vormittags 5^0 Uhr von St. Raphael (3ralien). Er hatte für 7} Stunden Del und Benzin bei sich. Die von ihm zurückzulegende Sttecke betrug etwa 800 Kilometer. Trog dieser großen Entfernung hielt der Motor durch, und das wagemutige Unterneh men gelang. Nach fast 7ftünDigem Flug hatte er mit noch ca. 20 Liter Benzin im Tank die lange Strecke über das Mittelmeer bewältig'.. Nach dem Kanal das Mittclmeer. Was nun? Der Ozean! Aber er muhte warten bis zum Jahre 1919, zehn Jahre

Länder und Gemeinden Rechtssicherheiten ge­schaffen, Die es ihnen ermöglichen ihren Dienst ordnungsgemäß audüben zu können. Wie die Rechlsverhäi n-f'e Der Gemeinden am in D.-n übrigen Deutschen Ländern gercg'lt find, geht aus einer 3ufammenfteilung Der einschlägigen Be­stimmungen hervor. Die Der he'sischen Regierung. Den Herren LandtagSabgevrdne en. Den polii- Mien Parteien, sowie weiteren intcreflt:rt:n Kreisen zugestellt wurde Besonders stark tritt Die Rechtlosigkeit Der le llfchen G.meinDebeamten auf dem Gebiete des Kündigungsschutzes und der Beamtenbefoldung. namentlich in Den Land' gemeinden, zutage Durch Die Aufhebung der Verfügung des Minister» Des Innern über die Durchführung einer einheitlichen Besoldung der hessischen Landgemeindebeamt ninb Zustände ein­getreten. die sich geradezu zu einer Gefahr für Die Gemeindcrerwaltungen auswir.'en. Die an» Der Aufhebung Der Richtlinien entstandenen Strei­tigkeiten haben nicht nur in Den Reihen der Kreisausschüsse den Wunsch ausgelöst, eine gesetz­liche. zentrale Regelung Der Gemeindebeamten- befolDung Durchzuführen, sondern auch in den Urteilsbegründungen von Provinzialausschüssen Den gleichen Gedanken zum Ausdruck gebracht Gleichen Wünschen find wir fernerhin noch aus Kreisen Der Gemeindevertretungen D.'meinde- räten unD Bürgermeistereien begegnet. I Der wei­teren Begründung vorweggreisend, Darf Daraus entnommen werden. Daß Der von uns in Vor­lage gebrachte Gesetzentwurf Der ForDerung weiter, verantwortlicher Kreise entspricht. unD. einer Urteilsbegründung wörtlich entnehmend,im öffentlichen Interesse und im Interesse des Staatswohls liegt". Die Regelung der Rechtsver­hältnisse Der GemeinDebeamten Durch ein Oc- meinDebeamtengefey muß als ein Teil der in Hessen noch Durchzuführenden BerwaltungSresorm betrachtet werden. Wir haben mit größtem Inter­esse Die Durchführung Der hessischenlkrtoal- tungäjyform verfolgt unD gleich zu allem Anfang Die von uns heute noch vertretene Forderung aufgestellt, daß das zu schaffende Gemeinde- beamtengefet) nicht in Die BerwaltungSgefetze hineingearbeitet werben Darf, fonDern Daß Die, Die Rechte Der Beamten berührenden Fragen, wie in gleichen anderen deutschen Ländern, in einem besonderen Gesetz zu regeln sind."

Oberhefsen.

L'niiDtrcio (Wicfini

i 2111 e n D o r f a. 5. LDa., 16. März. Während selbst in den kleinsten Orten vielfach zwei Ge­sangvereine bestehen, war dies hier seither nicht der Fall, nachdem schon vor Jahren Die beiden bestehenden Vereine sich vereinigt hatten. Run- mehr ist auch hier ein weiterer Gesang­verein gegründet worden.

o. Londorf. 16. Mörz. Der hiesige R a d - fahrervereinRabenau" rüstet sich, um Das am 11., 12. und 13. Juni dahier stattfindende B e Airksfest des Südbezirks, (Bau 73 (Lahn), Bund deutscher Radfahrer, verbunden mit 2 5jährigen» Stiftungsfest des fcstgebenden Vereins roür- big zu begehen. Die Festausschüsse sind in voller Tätigkeit, um die Vorbereitungen für das Gelingen des Festes, das eine aroße Anzahl Vereine hier ver­einigen wird, zu treffen. Es ist zu erwarten, daß das Fest des Radfahrerbundcs alle Erwartungen er füllen wird und den Vereinen und fonstigcn Fest- gasten schöne Stunden hier beoorftehen.

f Grünberg, 16.März. Bei Der gestrigen Hol-versteigerung im hiesigen Stadtwalde wurde für Brennholz je Raummeter im Durch­schnitt gezahlt: Duchenscheiter 15,50 Mk., Eichen­scheiter 5,50 Mk., Fichtenfcheiter 5 Mk. unD Kie­fernscheiter 6,50 Mk.: Buchenknüppel 12 Mk.. Eichenknüppel 5 Mk.. Fichtenknüppel 5 Mk. unD Kiefemknüppel 6 Mk.: Buchenreifig 1,50 Mk.. Eichenreisig 0.50 Mk.: für Werkholz Eichen­scheiter 11,50 Mk. Der hiesige Tumber - e i n beabsichtigt, am zweiten Ofterfeiertag einen turnerischen WerbeabenD zu veranstal­ten. Es werden alle Abteilungen turnen. Hierbei wird der Aufbau des Turnens von Den einfachsten bis zu Den schwierigsten Hebungen gezeigt werden.

T Rodheim b. Hungen, 16. März. Unferc Schule beging am Samstagabend ihren Diesjährigen ersten Familien ab enD. Rach der Begrüßung Durch Lehrer Dietrich sprach FortbilDungsschullehrer Wilhelm Dietz von Lich über Das Thema:Pestalozzi und Das deutsche Volk." Stimmungsvoll vorgetragene KinDerchöre. mehrere mustergültig gelungene Männerchöre des Gesangvereins unter Leitung unseres Lehrers und verschiedene Gedichlvorlräge von Schullindem

nach Bleriots großem Versuch. Zunächst handelte es sich auch nur um ein Ueberfliegen mit mehreren Zwischenlandungen. Am 16. Mai 1919 verließen Drei amerikanische Seeflugzcuge Die ostamerikanifche Küste. Aber nur eins von ihnen, mit dem Leutnant Read als Führer an Bord, kam am 27. Mai nach einem Flug von mehr als 1950 Kilometer in Lissa­bon an. Nach einem mißglückten Versuch des eng­lischen Kapitäns Hawker, der im Ozean treibend von einem Torpedoboot aufgefischt wurde, gelang es am 14. Juki 1919 den beiden Australiern Alcock und Brown von Neuseeland aus Island zu erreichen. Sie legten in 15 Stunden 3030 Kilometer zurück. Sieben Stunden flogen sie in dichtem Nebel, ohne Meer und Himmel zu sehen und muhten mehrmals fast bis auf Die Wellen herunter gehen Bei Dieser Gelegenheit fei auch der beiden portugiesischen Offi­ziere Continho und Cabral gedacht, die in Den Tagen vom 30. Mai bis 15. Juni 1923 von Lissabon nach Rio de Janeiro den Südallantik überquerten. Beide benutzten zu Dem seinerzeit so viel Aufsehen er­regenden Flug den rühmlichst bekannten Dornier- Wal. In beiden Fällen handelt es sich aber um Flüge, Die von mehreren Zwischenlandungen unter- brachen waren. Alle hier genanntenPfadfinder Der £ufte" leisteten Großes. Nicht wenige von ihnen sind ihrer Kühnheit zum Opfer gefallen. So fiel ft- Roland Garros im Luit ainpf während des Weltkrieges. Alcock geriet während eines starken Nebels mit den Tragflächen feines Flugzeuges in die Zweige eines Baumes und erlitt tödliche Ver- legungen. Und Cabral ist von einem Fluge in Das nördliche Eismeer nicht zurückgekehrt. So ist allo Der Atlantische Ozean noch nicht restlos bezwungen, aber alle Anzeichen deuten Darauf hin, daß das Jahr 1927 das größte Ereignis in Der Gschichte oer Ozeanflüge bringen wird. Wie es Dr. Eckener auf Dem unvergeßlichen Z. R. 3 gelungen ist. Den At­lantiks ohne Landung zu überqueren, so wird auch das Flugzeug beweisen. Daß es fäljig ist, den Flug von Europa nach Amerika ohne Zwischenlandung Durchzuführen.