Ausgabe 
17.3.1927
 
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geschlossen. Die Rotschilberung ber Landwirt- !chast muß man als Bluff bezeichnen.

Wenn die Landbevölkerung immer mehr das Land verläßt, so sind die Löhne daran schuld. Traurig sind die Wohnverhältnisse auf dem Lande. Dabei hat die Landwirtschaft durch die Preissteigerung der Getrcidesorten eine erheb­liche Mehreinnahme erzielt. Wenn die Landwirte mit den Arbeitern tauschen wollen, dann sind wir gern damit eirwerstanden.

Abg. Thomsen (Sn.) hofft, daß zoll- und handelspolitisch künftig die deutsche Landwirt­schaft gegen übermächtige Konkurrenz geschützt werde. Wir erwarten, daß unsere Unterhändler auf Erhöhung der Mehlzölle bestehen. Wir er­warten. daß die Zuckerzollerhöhung end­lich Wirklichkeit wird. Der Redner erwartet, daß die Zinsverbilligungsaktion vor allem den Schuldnern der Roggenpfandbriefe. Amerika- Hypotheken usw. zugute kommt. Mit Zwangs­wirtschaft und Eigentumsbeschränkungen könne man die Produktion nicht fördern.

Llbg. Dr. Perlitius (Ztr.) berechnet die Verschuldung der Landwirtschaft noch höher als der Minister. Die Rahrungsmitteleinfuhr sei sehr bedenklich. Die Schuld an dem Rückgang der Landwirtschaft sei der Zwangswirt­schaft beizumessen. Wolle man die landwirt­schaftliche Produktion wieder steigern, so bedürfe sie des Zollschutzes. Der Redner spricht die Befürchtung aus, daß das Provisorium mit Frankreich wieder den deutschen Gemüsebau schä­digen würde. Der Redner erwartet, daß der Finanzminister für

eine Senkung der Realsteuern sorgt. Von grundlegender Bedeutung werde die Bl e l i o r a t i o n sein. Rotwendig seien min- deftens 25 Millionen für ein Programm von einigen Zähren. Der Bauernstand mach? drei Viertel der deutschen Landwirtschaft aus. Ihm solle der Minister sein besonderes Augenmerk zuwenden.

Abg. Hepp (D. Vp.) erhofft von den Be­willigungen des R-eichstags eine merkliche St:i- gcrung der landwirtschaftlichen Produktion, er­blickt aber darin nur das Minimum dessen, was die Landwirtschaft verlangen müsse. Die An­schaffung von Maschinen sei nur möglich, wenn ein ausreichender Zollschuh die Rentabilität des maschinellen Betriebes gewähr­leiste. Die Landwirtschaft bekenne sich zur So­zialpolitik. nur müsse sie tragbar fein. Die Landwirtschaft werde umso größere Soziallasten tragen können, je besser sie durch Zölle geschützt werde. Man werde eine Zollerhöhung erwägen müssen. Siedlungsland werde im Osten reichlich angeboten. Der Redner verlangt systematischc Senkung der Hypothekenzinsen

Abg. Dietrich- Baden (Dem.) kritisiert die Bedingungen der H h p o t hekenban- len. die das Bürgerliche Gesetzbuch außer Kraft setzten und den Eindruck hervorriefen, als ob die Bauern lauter unsolide Existenzen wären. (Hört! Hört!) Die Rentenbank-Krebitanstalt solle sich überlegen, ob sie Hypotheken nicht d t r e k t den Bauern ober ihren Genossenschaften geben könne. Ein Skandal seien die Roggenrenten­briefe. Der damit belastete Schuldner werde auf die Dauer mit Sicherheit ruiniert. Für Zölle gegen L ebens mitt e lei n f uh r en seien die Demokraten immer gewesen. Bekämpft hätten die Demokraten vor allem die Jnbustme- Hochschutzzöllc. Der Redner wünscht eine Statistik darüber, wieviel Steuern die Großgrundbesitzer bezahlen, und wieviel die Bauern, und tritt für eine Vereinfachung der Steuergesehe ein. Wan dürfe nicht eine Politik des Großgrund­besitzes machen, sondern eine Bauernpolitik.

Abg. Schu mann «Stettin (Eoz.) fordert t offene Grenzen für das Deutsche Reich. Es fei nie ohne LÄenSmitteleinfuhr ausgekommen und f brauche sie heute mehr denn je. Um eine Brot­verteuerung zu verhindern, beantragt der Redner. t den Roggen vom 1. Februar bis 30. Juni dieses Jahres zollfrei zu lassen. Ferner begrüßt er eine Interpellation, die Auskunft verlangt, über daS Geschäftsgebaren der Getreidehandelsge'ell- schaft. über die chr vom Reich gegebenen Kredite und über die Tätigkeit des Reichskommissars, namentlich zur Roggenverbilligung.

Abg. G r a f z u E u l e n b u r g (Dn.) begrün­det eine gemeinsame Interpellation der Koali­tionsparteien, die darauf hinweist, daß große Län­dereien namentlich des kleinen Grundbesitzes noch keine Drainage und keine Vorflut besäßen und zinslose Darlehen für diese Arbeiten verlangten.

Die Förderung des Wohnungsbaues. Leitsätze des Neichswirtschastsrats. Berlin. 16. März. IWolff.) Der Ausschuß für Sieblungs- und Wohnungswesen des vor­läufigen Reichswirtschaftsrates stimmte mit großer Mehrheit Leitsätzen über die För­derung des Wohnungsbaues zu. wonach der Wohnungsbau mit allem Rachdruck zu för­dern ist, weil er auch die Erwerbslosig­keit mildern würde. Der Abbau der Woh­nungszwangswirtschaft kann nur schritt­weise vorgenommen werden. Voraussetzung der Aushebung ist. daß der Bedarf an Wohnungen gedeckt ist. Die Mieten müssen in Altwohnun­gen und Reubauten möglichst bald einander an» geglichen werden. Zu diesem Zweck sind in erster Qinie die Mieten in den Reu- bauten möglichst niedrig zu halten. Die aus der Erhöhung der gesetzlichen Miete fließenden Geldbeträge dürfen nur ver­wendet werden in erster Stelle zur Förde­rung des Wohnungsbaues, für den Hausbesitzer zur Deckung des erhöhten Zinsen- dienstes und der erhöhten Betriebskosten und für die den Gemeinden aus der Fürsorge für unbemittelte Mieter entstehenden Lasten. Pri­vatkapital ist in möglichst großem Umfange heran-uziehen und eine tarifgesetzliche Reure - gelang der HauSzinSsteuer möglichst bald vor­zunehmen. Voraussetzung der Erzielung trag­barer Reubaumieten ist. daß alle Länder und ®e- meinben ben Reubauten auf 10 Jahre Steuer- f reiheit gewähren.

Außerdem wurden Entschließungen ange­nommen, wonach dec Ausschuß der Auffassung ist. daß die geplante Erhöhung der gesetzlichen Miete eine entsprechende Erhöhung der Löhne und Gehälter zur Folge habe und daß vor endgültiger Aushebung der Wohnungs» zwangswirtschaft etn soziales Wohnungs­recht. insbesondere für unbemittelte, linder, reiche Familien und Sozialrentner qefebafh-n werbe.

Das Konkordat.

Tic Diskussion im Preußischen Landtag

Berlin. 16. März. Der Preußische Lanb- tag hat sich bei der gestrigen Besprechung des Kultusetats ziemlich ausführlich mit der Kon» kordatssrage befaßt. Der Minister wurde auf­gefordert. deutlichere Erklärung zu der Frage abzugeben, und es wurde besonders von volks- porleilicher Seite -daraus hingewiesen, daß feine rüHeren Erklärungen, wonach ftch ein etwaiges Konkordat selbstverständlich im Rahmen der Ver­fassung halten würde, nicht genügten, um die besonders durch las bayerische Konkordat wach- gewordenen Besorgnisse bezüglich der Schule in einem solchen Abkommen mit Rom zu besei­tigen. Es wurde eine Erklärung nach tet Rich tung hin verlangt, daß irgendwelche Konkordats- Verhandlungen nicht itattfinben und nicht statt- finden werden, die sich auf das Schulgebiet beziehen. Der Staat müsse Herr der Schule blei­ben. Dabei wurde die Forderung nach dem Reichsschulgeseh unterstrichen.

Es scheint, daß die beiden liberalen Parteien, die Voltspartei um) die demokratische aus grünt)« ählichen und akuten Besorgnissen _ hcwaus den Konkordatsgedanken überhaupt bekämpfen wer­den. Die grundsätzlichen sind bekannt: sie richten ich gegen eine kirchliche Aufsicht über den Schul­unterricht, gegen eine Entstaatlichung der Hoheit übet die Schule, gegen einen Einfluß auf Bil­dung. Anstellung und Tätigkeit der Lehrer. Die tatsächlichen Gründe liegen aber außerdem noch auf mal eriellem Gebiet.

Das bayerisch e K o n k o r d a t bringt der Kirche zu Lasten des Staates ganz erhebliche s i - nanzielle Vorteile, setzt sie wieder in den Genuß von Gutem, die ihr vor mehr als hundert Jahren die Säkularisation genommen hqtte und gibt ihr praktisch die Möglichkeit, in das ganze Bildungs­wesen entscheidend einzugreifen. Eine allgemeine Bestimmung gestattet den Bischöfen und ihren Der- tretern, ..Mißstände" der verschiedensten 21 rt zu be­anstanden und die staatliche Unterrichtsbehörde zu ihrer Abhilfe zu veranlassen. Es geftattet ihnen weiter die Ausübung einer Art Disziplinargewalt uder die Volksschullehrer und denjenigen Teil der höheren Lehrer, der irgendwie mit dem Religions­unterricht zu tun hat, weil dessen Erteikung von bischöflicher Erlaubnis abhängig gemacht wird. Es gestattet endlich die Herbeiführung einer Vermeh­rung der katholischen Volksschulen, wenn dafür ent­sprechende 2Inträgc der Eltern beizubringen sind.

Daß derartige Beisipele schrecken, zumal es sich auch in Bayern keineswegs um ein rein katho­lisches Land handelt uib die Bestimmungen des Konkordats auch für das fast völlig protestan­tische Frankenland bindend sind, ist nicht unver­ständlich. Die bayerische Regierung hat aller­dings auch mit zwei evangelischen Kir­chen unter Bezugnahme auf das Konkordat gleichartige, dem Sinne nach ebenfalls eine geistliche Schulaufsicht herbeiführende Verträge abgeschlossen. Aber gerade das würde die Lage für Preußen und andere Reichsteile mit bis zu sieben anerkannten Kirchen noch mehr erschweren.

Die öffentliche Meinung geht deshalb dahin, baß ein Konkordat zwischen Preußen und dem Heiligen Stuhl, wenn überhaupt, dann nur unter völliger H er a u s l a s s u n g der Schulfraaen abgeschlossen werden könnte, ohne auf schwere politische Bedenken zu stoßen und dem Reichsschulgesetz in unerwünschter Weise zu präjudizieren. Verfassungsmäßig untersteht die Schule ausschließlich dem Staat, wobei den Einflüssen der 6 11 e r n ein erheblich weiterer Spielraum gewährt wurde als in früheren Zeiten, älnbeschadet des persönlichen Standpunkts ist des­halb dringend au wünschen, baß Vereinbarungen Dcrmieben werden, die diese Verfassungsgrunb- sähe auf Umwegen einschränken.

Ankunft des dänischen Königspaares in Berlin.

Berlin, 17. März. (WTB. Funkfpruch.) Das dänische Königspaar traf heute vormittag von Paris kommend hier ein. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhofe der dänische Gesandte mit sämtlichen Mitgliedern der Gesandtschaft und von feiten der deutschen Regierung der Ches des Protokolls. Gesandter Köster, eingefunden.

Die deutsch-ftanzöfischen Handelsvertragsverhandlungen

Paris, 16. März. (WB.) Die Verhandlungen der französischen und der deutschen Wirtschaftsdele­gation über die Umgestaltung des Handelsproviso­riums sind veranlaßt worden durch die Forderung der Franzosen, den französischen Wein ab 1. April, also vor Abschluß des endgültigen Handels­vertrages. zu berücksichtigen. Deutscherieits werden als Gegenleistungen Kontingente weiterer Industrieprodukte verlangt, über die Be­stimmtes noch nicht verlautet. Die beiden Wirf- ichaftsdelegationen beraten über die Hohe des den Franzosen zu bewilligenden Kontingents. Es dürfte erst Ende dieser Woä)e möglich fein, sich ein klares Bild über die Verhandlungen zu verschaffen.

Das Zentrum des Saargebiets zum Genfer Ergebnis.

Saarbrücken. 17 März. ($11.) Eine aus dem ganzen Saargebiet besuchte Zentrumsver­sammlung nahm einstimmig eine Entschließung an. in der festgestellt wirb, baß durch die bauernde Errichtung bet sog. ,,B a h n s ch u y t r u p p e" der Rechtsboben verlassen worben sei. Gegen diese Rechtsverletzung protestiere die Zen trumspartei des Saargebietes mit aller Ent­schiedenheit. Außerordentlich zu bedauern sei es, baß wiederum eine neutrale Stellung der Regierungskommission nickt ge­währ l e i st e t worden sei. Die der Saarbevölke­rung als auch dem Ansehen des Völkerbundes schwer abträglichen Ergebnisse der letzten Rats­tagung hätten erneut den Beweis erbracht, daß nur Erfüllung der von der Zentrumspartei oft erhobenen Forderung nach baldiger Rückkehr zum Reiche die Gesundung der unhaltbaren Verhältnisse herbeisühren könne.

Der Deutsche Volksbund an SLresemann.

Berlin, 16. März. lWolff.) Der Vorstand des Deutschen Volksbundes für Polnisch-Ober- schlesien in Kattowitz, Hilft, hat an den Reichs- außemntnifter ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß die vom Völkerbunbsrot angenom­mene praktische Lösung in ben Kreisen der deutschen Minderheit volles Verständnis I gefunden hat. daß aber vor allem die Ausfüh­

rungen Dr. Stresemanns über die Recht s - läge über dieses Verständnis hinaus die Kreise der deutschen Minderheit völlig beruhigt. »Im Barnen der deutschen Minderheit bitte ich Sie." so schließt das Schreiben,unseren wärmsten und aufrichtigsten Dank für Ihre :Iarc und entschlossene Haltung in dieser für u ts so unendlich wichtigen Frage entgegennehmen zu wollen."

Die internationale Verschuldung.

Kein amerikanischer Verzicht aus die Forderungen an Frankreich und England.

Washington. 16. März. (W.T.D. Funk- jpruch.) Auf eine Kundgebung Der Eolumbia- und der Princeton-Hniver ität für Regelung der interalliierten Schulden hat Schay'etretär Mel­lon in einem Brief an den Rektor der Uni- verjität geantwortet. Er vertritt darin den Stand­punkt. daß eine Wiederaufnahme der Verhand­lung über die Regelung der Schulden der aus­ländischen Mächte einenSchri tt rückwärts bedeuten würde und wahrscheinlich mehr Streit und Verwirrung Hervorrufen, als zur wirtschaft­lichen Stabilität und zur methodischen Besserung des Wohlstandes der Welt beitragen würde. Mellon schreibt weiter.Eine Ration, die ihre eigenen gerechten Forderungen p r e i s g i b t. verdient schwerlich die Achtung anderer Länder. Die Annullierung der Schulden würde nicht von selbst der Unbeliebtheit ein Ende machen, die den Bereinigten Staaten gegenüber in Europa besteht." Mellon betont, die fremden Ländern geleisteten Vorschüsse seien unstreitig Darlehen und nicht Beiträge für die Alliier­ten. Während die Alliierten ihre Lieferungen in Amerika auf Kredit kauften, hätten die Bereinigten Staaten ihre Lieferungen von Frank­reich und dem britischen Reickfür Hunderte von Millionen" bar bezahlt. Am Schluffe seines Briefes wendet sich Mellon gegen die Behaup­tungen, daß die Bedingungen der Schuldenrege­lungen befreundeten Ländern auf zwei Genera­tionen eine ungeheuere S euerlaft auferlege. Die an die Bereinigten Staaten bezahlten Summen würden durch die Zahlungen, die die Mächte von Deutschland ein treiben mehr als ge­deckt werden.

Der Kampf um die Macht i,z Hanftau.

Paris, 16. März. (Wolff.) Die ..Infor­mation", die jetzt einen eigenen Berichterstatter in Peling unterhält, schreckt: Die Spannung in Hankau zwischen der Kuomintangpartei und den Kommunisten hat sich verschärft, so daß General Tschang-kaischek dem General Tang Sen Tschu den Befehl gab. die Kommunisten aus- z u w e i s e n. Dieser benachrichtigte jedoch Bo­rodin. der die Berteibigung organisierte, und beschloß, alles zu versuchen, um die Oberhand zu gewinnen. Tang Sen Tschüs Wunsch ist. sich mit Hilfe der Kommunisten der Provinzen Hupeh und Honan zu bemächtigen, die von ihm als sein Lehen betrachtet werden, und sich als­dann der Kommunisten zu entledigen. Das Er­gebnis biefcr Unternehmung wäre, die Kan­tonstreitkräfte, deren Bedeutung stets über­trieben wurde, m miteinander rivalisierende Ab­teilungen zu spalten und zwar zum Rutzen von Mulden, dessen Streitkräfte zwei Kick­meier von Schengschau ständen, wo sie Wu Pei- fu vertrieben hätte.

Der Korrespondent desDaily Telegraph" in Schanghai schreibt: Trotz des Durcheinanders der militärischen und politischen Intrigen kann mit Sicherheit initgeteilt werden, daß der extreme Flügel der Kuomintang-Partei zeitweilig die Oberhand auf der in Hankau tagenden Konferenz des Hauptvollzugsausschusses des Kuomintang ge­wonnen hat. Borodins Name ist zwar im Hin­tergrund geblieben, aber sein Einfluß hat jetzt die Wagschale zuungunsten General Tschang K a i - s ch e k s gesenkt. Die ganze Organisation des Kuomintang ist jetzt auf eine unoerhüllte rein- k o m m u n i st i j ch e Grundlage gestellt worden. General Tschang Kai-scheks Tätigkeit ist auf den Be­fehl über die Truppen ohne politische Macht beschränkt worden, aber es ist zweifelhaft, ob er seine Stellung lange beibehalten kann. Gegenwärtig scheinen alle südlichen Generale auf seiner Seite zu stehen, mit Ausnahme des Chefs des politischen Bureaus, T e n g '2) c n = f a , der sich den E x t r c- m i ft e n ongeschlofsen hat und von dem es heißt, daß er nach dem Posten des Oberbefehls­habers strebe. '

Um Schanghai

Paris. 16. März. (Wolfs.) Die Mukben» truppen (Rorbarmee) haben Schengschau eingenommen, bas bas Zentrum bes Wi- berstanbes in ber Provinz Honan war, wo bie Truppen Wupeifus ihnen ben Durchmarsch nach Hankau versperrten. Wupeisu ist geschla­gen worben unb auf dec Flucht nach Lvjang. Das Zentrum der Mukdcnarmcen konnte alsbann mit dem rechten unb linken Flügel ben Pantle überschreiten. Die Truppen haben sich bet Stabt Tschetschui bemächtigt unb marschieren in ber Richtung a u f Hankau.

Die Schlacht um ben Besitz Schang­hais soll nunmehr im vollen Gange sein. Die Schantungtruppen sind langsam, aber stetig aus ihren Harfen Berfeibigungsstellen östlich unb west­lich bes Taipu-See-Gürtels verbrängt wor­ben. Den Kantontruppen soll es gelungen sein, bie Stabt Hihin am Taipu-See einzunehmen. Sie hätten in Ausnutzung ihrer Anfangserfolge auch einen wichtigen strategischen Punkt an ber BankingSchanghaier Eisenbahn beseht, wodurch General Tschangsuntschang gezwungen werde, sich nach Wutschang zurückzuziehen. während seine Verbindungen mit Rauling an jenem Teil der Front abgeschnitten seien. Ranking sei praktisch isoliert. Rach einem weiteren Bericht hat sich der chinesische Flottenbefehlshaber auf dem Pangtse. der sich bisher von den kriege­rischen Operationen fern gehalten bat, nach Hankau begeben, um ben Kcmtonesen seine Dienste an- zubieten.

Italien auf üem Balkan.

Belgrab, 16. März. (^Bolff.) Die Zeitung ..Politika" bringt Rachrichten, benen zufolge Vor­bereitungen zur Landung italienischer TA uppen an der albanischen Grenze im Gange seien. Zahlreich: italienische Agenten durch­zögen Albanien, um Unruhen Hervorzurusen, bie bie Intervention motivieren könnten, die nach Artikel 2 bes Vertrages von Tirana vorgesehen sei. Die Bewegung werbe von Vrlassi geleitet, ber in Albanien großen Einlluft hab: Er hab'

auch aus Italien Gewehre. Patronen. Maschinen­gewehre unb mehrere Gebirgig eschütze er­halten. Die Bewegung zeige sich besonders in den Serbien benachbarten Bezirken, um im Auslande ben Eindruck zu erwecken, als fei sie in Belgrad angezettelt worden.

Aus aller Welt-

Reue Römerfunde in der «Eifet

In Gerold st ein wurden in einer abge- rutfchten Bergschicht eine Anzahl Gesäßscherben entdeckt. Bei näherer Hntersuchung fand man nach und nach noch mehrere gut erhaltene flache Schalen und das Bruchstück einer großen weit- bauchigen Urne mit Verzierungen. Alle Stücke waren aus geschwärztem Ton her gestellt. Es han­delt sich bei dem Fund um ein römisches Brand- grab. Bei weiteren Rachgrabungen kamen noch Bronzenadeln ans Tageslicht. In der Gegend von Ma Yen hat man in der letzten Zeit eben­falls bei ßrbarbeucn römische Branbgräbcr frei- gelcgt, und zwar in einer Tiefe von 2,50 Meter. Die Beigaben bestanden hier aus einem fußförmi­gen Tops, einem Henkelkrug von roter Farbe, einem schwarzen Bacher und einem^Ä»ller. Die Funde sind zur näßeren Hntersuchung den Mu­seen in Trier unb Mayen überwiesen worben.

Die Freigabe des Oberschtesien-FUms.

Die Entscheidung der Fil.nooerp.-ufsteUe, die sich ben Bedenken der Berliner Filmprüfstells gegen bie Freigabe des DeuligfllmsLand unterm Kreuzt nicht angeschckssen unb bas Ver- bot bes Films aufgehoben hat, ist auf Grunb ber Feststellung erfolgt, baß bie Zustände in Oberschlesien von dem Film wahrheitsge­mäß geschildert werden, und baß baßer eine ßetzerische Tenbenz. wie sie bie Vorinstanz ange­nommen ßat. rn bem Film nicht enthalten ist.

Die Reichsgastwictsmesie

Die Reichsgastwirfsmesse, die vom Berliner Messeamt hn Verein mit dem deutschen Gastwirte­oerband vom 19. bis 24. März in der Berliner Autoßalle am Kaijerdamm stallsinben wird, ist, wie wir hören, bereits jetzt schon völlig ausverkauft. Am Eröffnungstage soll vom Berliner Messeamt ein großer Reklameumzug durchgeführt werden, bei dem zirka 50 Reklamewogen mitfahren werden.

Amtsentsehung eines Hochschullehrers.

Das Preußische Staatsministe­rium hat als Disziplinargericht zweiter In­stanz ben Greifswalder Hniversitätsprofessor Vahlen zum Verlust seines Amtes verurteilt. Dahlen, ber Mathematiker ist, unb von Mai bis Dezember 1924 ber Ralionalsoziallstischen Fraktion des Reichstags angehörte, hatte als Hniversitätsrektor die auf dem Univerfitäts- gebäuöe aufgezogene schwarzrotgoldene Fahne niederholen lassen.

llcbersall aus Reinhold (Doering.

Auf den Dichter Reinhold Goering, bekannt durch feine DramenSeeschlacht" unbScapa Flow" würbe in einer Buchhanblung in Feh­len b o r f ein Hebersall verübt. Doering stanb vor dem Duchhändlerlaben, dessen Inhaber und Frau ihm persönlich bekannt sind. Plötzlich hörte er Schreie und gleich darauf kam eine Frau au» dem Laden heraus, bie ihn bat. hoch ber EHe- frau bes Labeninhabers beizustehen, bie von ihrem Manne mißhandelt würbe. G. folgte ber Aufforderung unb versuchte bet be­drängten Frau zu Hilfe zu eilen. Der Ehe­mann wandte sich darauf sofort gegen den Dichter und hieb mit einem Totschläger auf ihn ein, und zwar derartig, baß Goering mehrere Mutcnbe Kopfwunden davontrug. ES gelang ihm bann aber, ben Rafenben abzuweh­ren. Gefährliche Verletzungen hat Goering jedoch nicht davongetragen. Wie es jjeißt, handelt es sich um die Tat eines schwer nervösen Men­schen. der zahlreiche geschäftliche Mißerfolge hatte unb diese feiner Frau und während der Aus­einandersetzungen auch Goering zur Last legte.

Rekordslug ZürichParis.

Der französische Flieger Labouchere hat bie 480 Kilometer lange Strecke ZürichParis in zwei Stunden 10 Minuten, also mit einer Durch- schnittsgeschwinbigkeit von 220 Kilometer, zurück­gelegt. Er ist um 9.35 Hhr aus bem Flugplatz Dubenborf ausgestiegen unb um 11.45 in Le Bour- get gelanbet.

Die russischen Kronjuwelen.

Die Kaufleute Englands und bes Kontinents be­kunden ein lebhaftes Interesse für die von der Sowjetregierung veranstaltete Auktion der russi­schen Kronjuwelen bei Cristien in London. Ein Hoch­zeitsdiadem wurde von einem Pariser Kaufmann für 6100 Pfund Sterling erstanden.

Großfeuer In Andernach.

In ber Sperrholzplattenfabrik Wagner & Söhne brach aus bisher unbekannter Hrsache Feuer auS. Der Verbanbsraum unb ber Trocken- raum würben mit sämtlichen Werkmaschinen unb Holzvorräten im Werte von mehreren Hunbert- taufenb ein Raub der Flammen. Der Schaben ist burch Versicherung gebedt. Die Arbeiter sollen mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt wer­ben, ba bie Firma beabsichtigt. daS Werf fofort toicber aufzubauen.

Aus dem Zuge gestürzt.

Ein 29 Jahre alter Arbeiter aus Deintzeim wollte kurz vor der Station Weircheim-Tal aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuae der Odenwaldbahn a b s p r i n g e n , um seinen Hut, der ihm davon- geflogen war, zu holen. Er zog sich aber beim Ab­sturz so schwere Kopfoerletzunoen zu, daß er in die Klinik nach Heidelberg überführt werben mußte.

Wettervoraussage.

Heiler, zeitweise wolkig, nachts noch Tem­peraturfall stellenweise bis zu leichtem Boden­frost, tagsüber warm unb trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 10,2.

Minimum minus 0.6 Grub TelfiuS. Heutige Morgentemperatur: minus 2.8 Grab Tellius.

V bc3citirrt Khm'ff und «<h«nert£o»

Kttkirol-Verkaufsstellen: Germania-Drog., Frank­furter Straöe 3!h Kaiser-Drogerie. Lindenplatz 5: Ludwig5platz-Dro;rene. Roonstraße 2: \'ic:ona* 1 rorerie, Marktstr. 5: Drogerie Gg Wallenfels. Markt 21: Drogerie WinterhoflT. Kreuzplats 9/10-