Ausgabe 
17.3.1927
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Dießen, den 17. März 1927.

Es ofiert.

Dm Hässlicher Beginn beugt manchem ver­geblichen Anlaus vorDom Eile befreit sind Strom und Dache..und sieh' schon regt sich Geist und Zeder beflügelt von der Ärafl un­sterblichen (Sedenle, s zu leicyrerem Fluge, schon verströmt der leuchtende violette Zarbruplen in milchigem Dlase sich schwerer und süßer, schon stäubt c« golden von der schlanken Verte, die kein Raub an der verschwendenden QI Mur au« einem Tintensasse, da- der DameDake" hold erröten macht, trunken von eigener Schön­heit auf da« bleiche Schristblatt nickt

Doch immerhin, selbst die« allein deutet noch nicht auf österliche Zeit. <5A gab Jahre, in denen schon im 3anuar Deilchen blauten, Kätzchen auf Weiden und Erlen schimmerten und die Luft in glasigen Wellen über den besonnten Boden zit- «rte. Ernstere, getoid tigere Merkmale sind dar- u.n anzusührcn, Tatsachen müssen geltend ge­macht, Beispiele zitiert werden, die einen Zwei­fel nicht mehr möglich machen.

Da schafst die« eine sicherste Gewißheit: Die Immunität dc« Osterhasen, die Toleranz, mit der die Well dem sreundlichen, bepelzten Lang­ohr auf Hups und Sprung begegnet. Wer ihn gestern so friedlia) durch die Stadt hoppeln sah. ungestört von der Parteien Haß und Hader, nicht allein, nein, .n beträchtlicher Prozession, wer Zeuge war. wie er in Gruppen in Straßen und Gassen einschwenkte, wer den Eifer studierte, mit dem er in yrohen und kleinen Schauläden au« De st und Et und Kind und Kindeskinbern die berückendsten Arrangemente schuf und an den scheibenplattgedrückten Däschn der Äleinen und Hafen der Drohen die fröhliche Erwartung und ehrfürchtige« Staunen ablas:

Sieh da, der wußte, daß Leberblume und Deilchen, Erlenkah und die rötlichen 'jterlcn am Mandelstrauch diesmal nicht salsch« Feier Vor­täuschen, dah dieses Merkmal untrüglich, dieses Ofterahneir nicht falsch sein würde.

Unb daß ein anderes noch, gleich voll beion- deren Charakter« u. gleichfalls nur an diese beglückende Zeit gebunden, keine andere Deutung der Zeitstimmung zuläht: die Öfter bitten, die mit den herrlich bunten Pappenbäuchen, den weihen Spitzenkrausen um das mächtige Maul und dem goldenen Spitzbein, die behäbig m den Fensterecken lehnen und mit Würde auf das lustige Treiben der Familien Lampe schauen, mit der sie sich, grohmülterlich-tantenhaft. irgend­wie verwandt suhlen. ob.

Der Dammrutsch bei Lang-Göns.

Zu dem gestern gemeldeten Dammrutsch auf der Eisenbahn st recte Frankfurt Giehen zwischen den Stationen Lang-Göns und Großen- Linden ist weiter zu berichten, dah die E r d - massen noch andauernd in Bewegung sind. Die Rutschungsftclle hat eine Länge von etwa 60 Metern, die Abrutschung war so erheb­lich. dah gestern daS Gleis FrankfurtGießen vollständig frei In der Luft hing und nur durch Stützen, Träger usw. gehalten werden konnte. Ein glücklicher Zufall fügte es. dah auf dem im Umbau begriffenen Bahnhof Offenbach etwa 80 voll beladene Wagen mit Kieserde standen, die zur Ausfüllung der Abrutschungsstelle sofort her- angeholt wurden. Gleichzeitig stellten die Bu- deruSwerke in Wetzlar große Mengen ihres Schlackenabfalles zur Derfügung. Mit diesem Material konnte gestern morgen tatkräftig an die Wiederauffüllung des Dammes heran- gegangen werden, jedoch blieb bis jetzt den Aus- süllungSarbciten der erhoffte durchgreifende Er­folg versagt. Die von oben her aufgefüllten Erb­massen brachten vielmehr das untere gelockerte Erdreich weiter in« Rutschen so dah die Ausdehnung der Rutschung das gestern ange­nommene Ausmaß noch überschritten hat. Es wird hiernach weiterer starker Anstrengungen bedürfen, um den Schaden wirksam zu beheben. Wie die Dinge heule stehen, dürfte wohl nichts anderes übrig bleiben, als am Fuße deS Bahn­dammes eine Stützmauer zu errichten und dann den Damm von Grund auf neu aufzufüllen, um hierdurch eine dauernde Befestigung des Dammes zu erreichen. Das wird eine Arbeit fein, die sich natürlich auf Tage erstreckt und die umfassende Maßnahmen erfordert

Da« gestern abend in der Stadt kursierende Gerücht, auch das zweite Gleis sei an der Unfall - stelle durch weitere seitliche Ausdehnung der Rutschung außer Betrieb gesetzt worden, ent­behrt. tote wir von zuständiger Seite erfahren, jeder Grundlage. Der Zugverkehr zwischen Gro- 6en-2inben und Lang-Göns wird nach wie vor eingleisig aufrechterhalten, immerhin ist es un­vermeidlich. dah Im Fahrplan mit gewissen Her* spätungen zu rechnen ist. Wann der zweigleisige Betrieb wieder aufgenommen werden kann, steht heute noch nicht fest.

Bornotizcn.

Tageskalender für Donnerstag. Gießener Konzertverein: 71 f Uhr. Staöttheater. Beethoven-Leier lShmphoniekonzeri). Dcr kehrSverein E. D. Gießen: 8 Uhr. Hotel Schütz. Jahreshauptversammlung. Evangel. Stadt- Mission: 81 . Uhr, Dortrag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ,5>k keusche Susanne". Astoria- Lichtspiclc: .Der Gaunerstreich auf der Felton- Farm".

DeutscheDolkspartei. Man schreibt ::ns: Wie die Reichsorganisation in Hannover, p veranstaltet die hiesige Ortsgruppe der Deut- chen DoUspartei am Sonntag. 20. Mäy. nachm.

Uhr. auf der Liebigshöhe für Mitglieder und Trcunbe eine Feier gelegentlich des 60jährigen .Ästchens der Dationalliberalen Partei. Die Fest- ede hat Oberstudiendireklor Dr. Ringel- Betzlar übernommen. Für die Unterhaltung der Gäste sorgen im 2. Teil des Programms neben der Heimatdichterin Frau Dr. Froh wein - Büchner verschiedene Freunde und Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe. Eintrittskarten sind im Barverkauf in den in dem gestrigen Inserat be­kanntgegebenen Geschälten erhältlich

Die Einführung einer allgemeinen Wettzuwachssteuer.

Don Bürgermeister

Durch die Dottchrift des § 13 Dr. 7 des Ge­setzes über Aenderungen des Finanzausgleich« zwischen Reich. Länder und Gemeinden vom 10. August 1925 fvgl. auch § 18 des Finanzau«- gleichSgesetzes in der Fassung vom 27. April 1926) war den Ländern oder nach Maßgabe des Lanbcsrcchts den Gemendcn iGemeindcver- bände) die Erhebung der sogenannten 3nfla- tionstoertzutoachSsteuer. d. h. Öte Erhebung einer Steuer vom Wertzuwachs bei der Deräußerung von Grundstücken, deren Deräus erer das Eigen* tum in der Zeit vom 1. Januar 1919 bis 31. De­zember 1924 erworben haben, zur Pflicht ge­macht worden. Durch das hessische Ausführungs- geseh zum Finanzausgleichsgc'e'z war das Recht und die Pflicht, diese Steuer zu erheben, auf die Gemeinden und für die selbständigen Gemarlun- gen (mit Ausnahme der fiskalischen' auf die Xrcife übertragen worden. Demgemäß hat en im Lause des Jahres 1926 auch die Städte und die größeren Landgemeinden diese Inflationswert- zuwachSltcucr ecngeführt. und zwar fast durch­weg unter Anlehnung an die vom Ministerium de- Innern herausgegeöene Mustersahung. Diese Inslationstoertzuwachr steuer solle rbn den Mo­tiven zum Finanzausgleichsgeseh ge.vi's ermaßen zur Deckung des Ausfalls für früher erhöhte Landcsabgaben dienen

Hm aber eine Heberlaftung des Grundstücks- Verkehrs zu vermeiden, und um gleichzeitig einen Anreiz zur Einführung der Inflationssteuer zu geben, wurde durch das Gesetz über Aenderungen des Finanzausgleichs vorn 10. August 1925 das feitber im § 36 des ZinanzausgleichSgesetzcs ge­währte Zuschlagsrecht zur Grunderwerl'ssteuer von insgesamt 4 Prozent für Länder uund Ge­meinden mit Wirkung vom 1. April 1927 auf Swei Prozent herabgesetzt. ES wurde damals schon sofort von den beteiligten Gemeinden darauf hingewiefen. daß hierdurch den Gemeinden, die fast durchweg einen Zuschlag in Höhe von drei Prozent deS steuerpflichtigen Wertes zur Grund- ertoerbsteuer in Hessen erheben, ein sehr fühlbarer Einnahmcaussall durch Herabsetzung des Zu­schlags vom L April 1927 ab entstehen werde, da man voraussehen konnte, daß die Inflationsweri- zuwachssteuer, wenn nicht für die meisten Ge­meinden. so doch für viele ein völlig unzureichen­der Ersah für die vorn Reiche beschlossene Her­absetzung des Zuschlagsrechts zur Grunderwcrb- steuer von vier Prozent aus zwei Prozent für Länder und Gemeinden fein würde. Die Entwick­lung hat dieser Befürchtung durchaus Recht ge­geben. Die Inflationssteuer hat bis jetzt nen­nenswerte Beträge überhaupt nicht erbracht. An­scheinend hat man nun auch an maßgebenden Stellen diesen Mißerfolg, den wieder die Ge-

Dr. l f i n g-Alsseld.

meinben zu tragen haben eingesehen. und eS ist im Reichsrat bei der Beschlußfassung über die Gestaltung des Finanzausgleichs für 1927 cm Antrag angenommen worden, wonach da« Recht zur Erhebung des erhöhten Zuschlages zur Grunderwerbssteuer noch bis zum 31. März 1928 verlängert werden soll. Diesem Anträge wider­setzte sich aber die Reichs re gierung. and es ist leider auzunehmen, daß sich der Reichstag die­sem Siandpunkt anfchließen wird

Um den Gemeinden ein Aequioalent für den Wegfall des Rechtes der Erhebung erhöhter Zuschläge zur Vrunderwerb'teuer zu geben, be­absichtigt nunmehr die Hessische Regierung da man inzwischen eingesehen hat. daß die In­flationswertzuwachssteuer ein Fehlschlag war einen Ersah in Gestalt des Rechts zur Erhebung einer allgemeinen, nicht auf den Er­werb während der Inflationszeit be­schränkten Wertzuwachs ft euer. zu schaffen. Die Regierung hat demzufolge den Ent- tourr einer Mustersatzung über die Erhebung einer allgemeinen Werizuwachssteuer ausgearbei- tet. der den kommunalen Spitzenorganifationen zur Begutachtung zugegangen ist. D.efer ficht vor. daß beim ilebergang des Eigentums an einem Grundstück im Gemeindebczirk von dem Wertzuwachs, der ohne Zutun des Eigentümer« entstanden ist. eine WertzuwachSstcuer au erheben ist, wenn die T'er äußerer. ober in besonderen Fällen ihre Rechtsvorgänger, das Eigentum an dem Grundstück nach dem 31. Dezember 1913 erworben haben. Um den Alt besitz zu schonen, sollen also nur solche GrundstückSüber- cignungcn steuerpflichtig fein, bei denen der Er­werb frühestens am 1. Ianuar 1914 erfolgt ist. Hierdurch soll die Möglichkeit gegeben werden, neben dem InflationSgewinn auch einen etwaigen Kriegsgewinn toertzuwachssteuerlich zu erfassen. Der Steuertarif ist abgestuft nur nach der Länge der Eigentumsdauer. Don einer Bemessung der Steuersätze nach dcr Höhe des prozentualen Wert­zuwachses hat man abgesehen.

Ts bleibt abzuwarten, ob durch diese all­gemeine Wcrtzutoachssteuer. der den Gemein­den durch den Wegfall der erhöhten Zuschläge zur Grundertocrbsteuer erwachsende, nicht unbe­trächtliche E nnahmcauSsall wirklich erseht werden kann, da eine Steuer vom Wertzuwachs immerhin ein höchst unsicherer Ginnahmesaltor ist gegenüber den Zuschlägen zur Grunderwerbsteuer. Ieden- salls dürfte es Ausgabe der Kommunen sein, bei dcr Regelung des endgültigen Finanzaus­gleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden auch diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit zuzutoenden.

WicKcneV Wochcnmarktpreisc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund Butter 150 bis 170 Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 30. Weißkraut 10 bis 20. Rotkraut 15 bis 25. gelbe Rüben 10 bis 15. rote Rüben 10 bis 15. Spinat 30 bis 35. ilnierfoblrabi 8. Grün­kohl 20 bis 25. Rosenkohl 35 bis 45. Feldsalat 100 bis 150. Tomaten 70, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 30 bis 50. Kartoffeln 7. Acpfel 20 bis 50. Birnen 15 bis 25. Düsse 70. Honig 40 bis 50. junge Hahnen 100 bis 120, Suppenhühner 100 bis 130; das Stück Eier 10 bis 11, Blumenkohl 30 bi« 100, Salat 18 bis 30. Endivien 80 bis 100. Lauch 5 bis 15. Sellerie 20 bis 80: das Bund Radieschen 35 Pfennig

1103®. Eine Stiftung für öie Uni­versitäts-Bibliothek. Durch Vermitt­lung des Geh. Kirchenrats Prof. D. Dr. Krüger hat eine Anzahl Gießener Musikfreunde der Universitäts-Bibliothek den Betrag von 800 Mk. zur Beschaffung der großen bei Breitkops & Härtel im (8rf«Seinen begriffenen Gesamtausgabe der Werke von Io- Hannes Brahms zur Derfügung gestellt. Mit der Lieferung ist die Musikalienhandlung E E h a 11 i e r beauftragt. Durch diese hoch­herzige Stiftung totrb die llniveriitäts-Diblio- thek um ein Monumentalwerk deutscher Kunst, daS alle Derehrer des großen Meisters hier freudig begrüßen werden, bereichert. Die Uni­versitäts-Bibliothek ist die einzige Stelle in unserer Stadt, an der diese Ausgabe vorhanden sein wird.

D i e Dotwohnungen aus Eisen- bahnwaggons. die von der Stadt bekannt­lich bei der Margaretenhütte geschaffen wurden, bieten in ihrer zweckmäßigen Gruppierung einen recht hübschen Anblick. Wenn auch die Räumlich­keiten natürlich beengt sind, so ist doch der große Dorteil erreicht worden, daß die Bewohner in gesundheitlicher Beziehung weit bessere Unter­kunft gefunden haben, als sie ihnen vielfach in den früher benutzten Räumen innerhalb der Stadt gegeben war. Dazu kommt noch die Annehmlich­keit, daß Lust und Licht dort draußen in bester Weise vorhanden sind. Insgesamt haben bis jetzt 27 Familien in diesen Dotwohnungen llnter- funft gesunden. Die bisherigen guten Erfah­rungen haben die zuständigen Stellen bewogen, einen weiteren Ausbau dieser Anlage ins Auge zu fassen.

ee D i e Pflasterung in der Bahn­hof st r a h e zwischen der Weftanlage und dcr Schanzenstraße hak gestern ihren Anfang genom­men. Gegenwärtig ist man mit der Heraus­nahme der alten Pflastersteine beschäftigt Be­kanntlich soll die Straße jetzt in neuzeitlicher Weise asphaltiert werden.

5 E i n Wunsch aus der südlichen Frankfurter Straße. In der Frank­furter Straße ist man seit einigen Tagen wieder einmal an der Arbeit, die Schäden der durch den starken Derkshr sehr mitgenommenen Straße zu beheben. Die Anwohner wären der Kreis­bauleitung dankbar. wenn endlich einmal gründ­liche Arden geschaffen würde, denn die Aus­besserungen halten doch nur wenige Wochen. Dur die Weiterführung der im vorigen Jahre

bis an die Klinikstraße vorgenommenen Klein- bflafterung kann hier Wandel schassen. Dann würden die Bewohner der südlichen Frankfurter Straße endlich auch von der lästigen Staubplage erlöst, die bei trockenem Wetter der Schrecken der Anwohner ist.

** Gärtnerische Lehrlingsprüfun­gen in Oberhessen. Wie in den Dor- jahren. so hat die LandtoirischastSkammer für Hessen auch in diesem Frühjahr gärtnerische Lehr- lingsprüsungen abgehalten. Für Oberhessen sand die Prüfung, zu der sich 13 Prüflinge gemeldet hatten, am Montag und Dienstag in der Gärtnerei von W. Moser in Gießen statt. Die Prüfungs­kommission bestand aus den Herren Bähr- Rohrbach als Vertreter des Dorstandes der Land- wirtschastskammer und Dorsihcnden der Kom­mission. Gärtnereibesiher H. Schneider und H. Schäfer- Darmstadt und Diplom-Garten­bauinspektor Derrn er als Prüfungsmeister. Ob­wohl die Anforderungen, die von der Prü­fungskommission gestellt wurden, recht hohe waren, konnten sämtliche Prüflinge, darunter ein weib­licher. als bestanden erklärt werden. Einem Lehr­ling wurde auf Grund besonderer Leistungen und gründlichen Wissens die Gesamtnotesehr gut gegeben. Die Prüfung hat gezeigt, so schreibt man uns, daß der von der Landwirtschaftskammer im Benehmen mit dem Landesverband Hessen im Reichsverband des deutschen Gartenbaues be­schrittene Weg, durch Anerkennung von gärt­nerischen Lehrbetrieben und Abhalten von Prü- fungen den Dachtouchs für den gärtnerischen Be­rus zu fördern, der richtige ist. Auch die Wich­tigkeit des gärtnerischen Fachunterrichts an den Fortbildungsschulen zeigte sich deutlich bei der Prüfung, indem Lehrlinge aus Orten, wo ein solcher nicht vorhanden, zum Teil sehr versagten. Wenn auch die praktischen Fertigkeiten in erster Linie entscheidend sind, so spielen doch die theo­retischen Kenntnisse eine zu große Rolle, um sie zu vernachlässigen. Hieraus geht hervor, und das Ergebnis der Prüfung hat cs bewiesen, dah für den gärtnerischen Beruf die körperliche und geistige Gesundheit unerlähllche Doraus- schung sind. Dies mögen alle Eltern beachten, die in diesem Frühjahr vor dcr Wahl eincS Berufes für ihren schulentlassenen Iungen stehen. 3m Zusammenhang damit sei darauf hinge- toiefen. daß die Landwirtschastskammer nur solche Lehrlinge zu ihren Prüfungen zuläht. die in einem von der Landtoirtschaftskammer anerkann­ten gärtnerischen Lehrbetrieb in der Lehre und auf Grund dessen in die Lehrlingsstammrolle der LandwirtschaflSkammer eingetragen find. Lehr­linge. die keine Prüfung machen, find in ihrem beruflichen Fortkommen ohne Zweifel stark be- hindert und können zu den späteren Obergärtner­prüfungen nicht zugelafsen werden, auch nicht in anderen Bundesstaaten, in denen die gleichen Bestimmungen wie in Hessen in Kraft sind.

" Der P f e r d e sch w in d le r ermit­telt. die Pferde aufgefunden. Der vor­gestern berichtete Pferdeschwindel hat tondl feine Aufklärung gefunden. Dank umfassender Maß­nahmen der Polizei konnte als Täter ein schon mehrfach wegen Betrügereien vorbestrafter Marrn aus einem Dorfe der Wetterau ermittelt werden Die Pferde wurden in Södel und Hofheim t T. aufgefunden und ihren rechtmäßigen Besitzern wieder zugeführt.

DSD. DerPapierschnitzelfchwind» ler ermittelt. Der Wech'c'.aeldlchwindler. u. a Ende Ianuar in Darmstadt und Höchst a. M. fotoic tm Februar auch in Gießen auf getreten ist und bei den Geschädigten stall des vermeint­lichen Wechselgeldes einen Briefumschlag mit Papierfchn.heln als Sicherheit ,arücklieh. konnte letzt in Landau festgcnommcn werden Er hat sich dort unter den gleichen Manipulationen tote hier Geldbeträge erschwcndelt und dort die bis­her begangenen Betrügereien zugegeben. <3« handelt sich um den am 21. Ianuar 1901 zu Wangen im Allgäu geborenen angeblichen Ge­schäftsleiter Friedrich August Straub. Er kam in Untersuchungshaft

' D i c Maul- und Klauenseuche ist in Hainchcn. Kefenrod. Altenstadt und Hof Engcltha! >Kreis Büdingen' erloschen

* Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Sch l a ch t o i e h m a r k t: ti Kühe, 1085 Kälber. 257 Schafe. 505 Schweine.

Buntes Allerlei.

Chinas Flotte.

Als die Mannschaften der meuternden chi­nesischen Kriegsschiffe vor kurzem erklärten, dah einige ihrer ©ranaten nur durch Zufall in da« französische Konzcsfionsgcbiet zu Schanghai ge­fallen feien, wird mancher daS für eine leere Ausflucht gehalten haben. Tatsächlich aber haben sie gewiß die Wahrheit gesprochen, denn man muß stets damit rechnen, daß die chinesischen SchifsSkanoncn überall ander« bintreffen. aber nicht das Ziel Die chinesische Flotte ist näm­lich. wie David Deville in einem Londoner Blatt ausführt, in einem höchst verwahrlosten Zu­stande ..Dor vier Iahrcn," schreibt er. ..be­sichtigte ich einen Kreuzer in Kanton, dessen Kapitän auf Befehl de« Pekinger Kommandan­ten Wupeisu die Eisenbahnlinie von Peking nach Mulden mit Granaten belegen sollte, als die Truppen Tschangtsolin« auf ihrem Rückzug diese Eisenbahnlinie benutzten. Das Schiff ankerte etwa 750 Meter von der Küste entfernt, in deren nächster Dähe der Schienenstrang vorbciführte, erzielte aber während eines dreitägigen Bom­bardement- auch nicht einen einzigen Treffer. Die Anfänge der chinesifchcn Flotte gehen in« Iahr 1898 zurück, alS man einige Kreuzer in Iapan kaufte Ein früherer Dcrsuch war infolge der Entscheidung der Kaiferin-Witwc gescheitert, die die für diesen Zweck ausgesetzte Summe von 21 Millwnen Taels auf die Erweiterung ihre« SommerpalasteS verwendete. Diese allen japani­schen Schiffe find noch heute in Gebrauch, ergänzt durch zwei alte englische Kreuzer. Ein paar Zer­störer vom KonstruktionStyp 1912 können nur ein mitleidiges Lächeln erregen, und noch un­brauchbarer sind die etwa 30 Jahre allen Tor­pedoboote. Der Weltkrieg brachte der Flotte Chinas eine unerwartete Bereicherung in den beiden deutschen Kanonenbooten .Daterland" und .Otter", die sich gerade auf chinesischem Gebiet befanden und konfisziert wurden. Ich war vor einigen Jahren an Bord derDater­land", die jetztLi Sui" heißt. Der feine Mechanismus ihrer Kanonen war vollkommen verrostet, und im Maschinenraum sah eS nicht besser auS. Es gibt 60 höhere Offiziere in der chinesischen Flotte bei einer gesamten Mannschaft von etwa 8000. Dabei ist der Chinese, beson­ders in den Küstenproviiuen und im Bereich der großen Ströme, ein geborener Seemann, und würde sich vortrefflich für eine moderne Flotte eignen, wenn der Geist der Korruption und Gleichgültigkeit überwunden würde, dcr die chi­nesische Flotte heute zu einem Hausen alten Eisens macht."

vorgeschichtliche höhlen ab moderne Wohnungen.

Die Wohnungsnot, die nicht nur bei uns herrscht, sondern überall m Europa, führt zu merkwürdigen Maßnahmen. So hat man in Eng­land jetzt die Höhlen bezogen, die einst die vor­geschichtlichen Briten zu ihren Wohnungen aus­erkoren, als sie noch nicht auf der Kulturstufe waren, um sich Häuser zu bauen. In den Sand­steinbergen bei Kinver in der Dähe von Stour­bridge befinden sich die ältesten bekannten mensch­lichen Diederlassungen. die man in England auf­gefunden hat ES sind geräumige Höhlen, die alS Wohnungen so eifrig begehrt werden, dah in ihnen Lin Plätzchen zu haben ist. In einigen dieser Höhlen wohnen Familien schon seit lan­ger Zeit: andere sind aber erst in neuester Zeit besiedelt worden. Sie Hegen hoch über dem Dorse Kinder und sind nicht leicht zu erreichen, aber die modernen Höhlenbewohner, die hier über der übrigen Menschen weit hausen, haben es sich recht gemütlich gemacht.Wan braucht keinen Teppich und kein Cinoleum auf dem schö­nen glatten Eandsteinböden dieser Höhlen," er­zählt einer von ihnen in einem Londoner Blatt Man findet auch schon Wandschmuck vor, unb zwar so eigenartigen, wie ihn sich heute der reichste Mann nicht beschaffen kann: eS sind nämlich Zeichnungen, die mit alten Feuerstein­instrumenten in die Wände eingeritzl wurden Die Wohnzimmer, Schlafräume und Küchen, die man hier eingerichtet hat, sind so geräumig, wie nur in irgendeinem modernen Hause, wenn auch freilich in ihrer Gestalt etwas merkwürdig. Dcr Rauch vom Herde geht durch Einschnitte in den Felsen und tritt hoch oben an den Berg­wänden zu Tage. Türen unb Fenster sind in den Höhlen angebracht: die Wasserleitung fehlt ireilich, und man muß sich daS Wasser in Kannen herzutragen. Dcr Wunsch, hier zu woh­nen. ist überaus groß, und wenn einmal eine solche Höhlenwohnung frei wird, bann ist sie auch noch nicht einen Tag lang unbesetzt."

Kirchliche Nachrichten.

Israclittfchr Gemeinde».

Isr.Religionsgemeinde. GotteSd.i. d.Shnagoge (Suöanlage). Samstag, den 19.März 1927. Drnnbd.: 6.15, morgens: 9.00. AbendS: 6.40 und 7.20

Gottesdienst der ifr. ReligionSgefellfciiast. Sabbatfeier, den 19. März 1927. Freitag abend 6 05, Samstag vormittag 8.30. nachm. 3.30, Sabbat­ausgang 7.20, Wochengottesdienst: morgens 6.45, abends 6 00.

«elfen

Fahrt