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taue jdudc Vorschläge opportun seien, nicht zögern würde, sie zu machen, oder in dem Falle dem Parlament gegenüber wenigstens eine Erklärung schuldig sei. weshalb die Vorschläge unterbleiben würden.

Lieber den sich hieran anschließenden Schrift- wechsel bringen wir hiermit aus dem in Kurze bei der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin erscheinenden 39. Bande der Großen Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes*) die nachfolgenden Dokumente zum Vor­abdruck:

Der Reichskanzler von De tb mann Holl- Weg an Kaiser Wilhelm 11.

Konzept von der Hand des Dirigenten der Po­litischen Abteilung Wilhelm von Stumm

Berlin, den 8. Februar 1914 sabgegangei am g. Februars Der Königlich Großbritannische Botschafter hat unter Lleberreichung des alleruntertänigst hier beigefügten Aide-memoires um eine authen­tische Interpretation der Erklärungen gebeten, die der Staatssekretär des Deichsmarineamts in der Budgettomnlission des Reichstages am 4. d. Mts. zu der Frage eines Rüstungsabkommens mit England abgegeben hat.

Großadmiral von Tirpitz hat in der Bud­getkommission ganz allgemein erklärt, daß offizielle Borschläge für Rüstungsbeschränkungen - etwa auf der Basis 10:16 nicht an die deutsche Regierung gelangt seien. Er hat dann hinzugesügt, die Ausführungen Mr Churchills gelegentlich einer Rede in Manchester bezüglich eines naval. holiday könne er als einen offi­ziellen Vorschlag nicht ansehen Er wolle aber doch gleich hinzufügen, daß er den Gedanken eines hoiday f ü r deutsche Verhältnisse nicht für ausführbar halte. In Deutsch­land handele es sich in den nächsten Iah reu nur um Ersatz bauten. Eine Verschiebung der­selben um ein Jahr hätte zur Folge, daß sie cm nächsten Jahre nachgeholt werden müß­ten. Dadurch kämen die deutschen Finanzen, die ArbeitSdisposit.onen aus den Werften und auch die militärischen Dispositionen wegen des un­gleichmäßigen Zuwachses fertiger Reubauten in Anordnung. Ein gänzlicher Ausfall der Er­satzbauten eines Jahres vermindere den gesetz­mäßigen Sollbestand von Schiffen und sei da­her a u s g e s ch l o s s e n.

Euere Kaiserliche und Königliche Majestät bitte ich, Allergnädigst mich zu der Antwort an Sir E. Goschen ermächtigen zu wollen, daß die Kaiserliche Regierung zur Prüfung jeden Vorschlags bereit sei, den ihr die englische Re­gierung amtlich zwecks Einschränkung der Aus­gaben für Rüstungszwecke machen werde, daß sie den von Mr. Churchill propagierten Gedanken eines Rüstungsseiertages» praktisch nicht für durch­führbar halte, daß sie aber der englischen Re­gierung die Entscheidung darüber ganz über­lassen müsse, ob sie mit einer entsprechenden Anregung an uns hervortreten wolle.

Da Sir E. Grey den Wunsch ausgespro­chen hat, den Standpunkt der Kaiserlichen Re­gierung tunlichst noch heute kennen zu lernen, wage ich Euere Majestät alleruntertänigst zu bitten, mir Allerhöchstdero Entschließung huch­reichst durch Randvermerk miheilen zu wollen.

von Pethmann Hollweg.

Kaiser Wilhelm I I. an den Reichskanzler von Dethmann tzollweq

Abschrift.

Berlin, Schloß, den 9. Februar 1914

Ich fasse das Aide-memoire des Sir Edward (Moschen bar)in auf, daß Sir Edward Grey noch einmal klare Auskunft haben wollte, über

)Sie Große Politik der Europäischen Kabi­nette 18111914." Sammlung her Diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes Herausgaben von Jo- hanres Lep'ttus (f), Albrecht Mendelssohn Bar- thoidy, Friedrich Thimme. 5. Reihe. Dritte Ab­teilung Bond 34 bis 40.Europa vor der Katastrophe". Jin Verlage her Deutschere Ver­lagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W 8.

Polarkälte und Wetter.

Don unserem wissenschaftlichen ^.-Mitarbeiter.

Die wissenschaftliche Erforschung der Arktis soll, nachdem im Mai o. I. der Nordpol zweimal »en worden ist, nunmehr in zielbewußter ematischer Weise in Angriff genommen wer­den, weil nur bann, wenn wir von allen Teilen der Erde Kenntnis haben, aus gewisse Fragen eine zu­verlässige Antwort gegeben werden kann, und weil nur dann die Erscheinungen in anderen Gebieten der Erde eine richtige Beurteilung erfahren. Auf dem internationalen Kongreß derGesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff", der Mitte November v. I. in Berlin tagte, hat Prof. Frithjos Na ns en darauf hingewiesen, daß wir die Wärme­verhältnisse in unseren Breiten gor nicht verstehen können ohne eine genaue Kenntnis der Luftzirkula­tion in den Polargebieten. Die Erwärmung der Erdoberfläche durch die Gesamtzirkulation der Atmosphäre ist, so erhärte 9hinjen, vergleichbar mit der Heizungsanlage eines Hauses, dessen Kessel in den Tropen liegen und die in den Polargegenden die stärkte Abkühlung der Röhren erleidet.

Es roirb tatsächlich von ben wenigsten Menschen begriffen, daß das Wetter, das mir tag­täglich spüren, nichts anderes ist als das Wechsel­spiel zwischen den kalten Luftmassen, die aus der Polargegend hereinbrechen und den mannen Luft­massen. die aus ben Tropen herüberfluten. Diss meteorologische Wissenschaft hat deshalb ein ganz besonderes Interesse daran, die Luftströmungen in der Arktis zu erforschen, um ihrer Arbeit ein sicheres Fundament zu schaffen. Dann wird es auch möglich sein, das Geheimnis jener gefürchteten Kältesin- brüche aufzuklären, die in gewissen Zeiträumen - in unseren Bretten hie plötzlichen Wetterstürze herbei­führen.

Es liegt im Plan der Gesellschaft zur Er- lorschung der Arktis (der übrigens bereis Ver­treter von 19 Äulturnationen angeboren), eine ständige und jahrelange Ueberwachuna der Arktis durchzufuhren. Zu diesem Zweck sollen in den höchsten nördlichen Breiten Deobachtun-sstatonen mit Radiodicnst eingerichtet werden, die in täg­licher Verbindung m.t sämtlichen wissenschaftlichen Instituten und Wetterdienststellen der n5r?( chcn Halbkugel stehen. Diesen Beobachtungsstationen wird es obliegen, nicht nur die Strömungen im Luftmeer der Arktis ständig zu beobachten, fon- dern sie haben auch die Aufgabe, d:e Strömunas- verhäklnisse im Polarmeer zu untersuchen dellen Wirkungen die gleichen sind wie die. die durch

das, was Admiral von Tlrpltz tn der Duöget- kommission gesagt hat. Infolgedessen ist der erste Teil Euerer Exzellenz Eingabe bis zu den Vorschlägen Euerer Exzellenz geeignet, die gewünschte Klarheit bei Sir Edward Grey her­vorzurufen und ist ihm demgemäß mitzureilen.

Was Euerer Exzellenz Vorschläge betrifft, so ist mein Standpunkt folgender: Ich will das ganze, endlose, gefährliche Kapitel der Rü­stungsbeschränkung möglichst nicht noch ein­mal aufae rollt haben- So oder so kommt es doch schließlich auf einen Einspruch Englands in mein Recht der Bemessung der für Deutsch­land nötigen Seemacht heraus, sowie am Ende auf einen Versuch zum Brechieren des Flotten­gesetzes. Falls die englische Regierung d e Ab­sicht hat, uns Vorschläge auf der Basis der von beiden Rationen seftgelegten Zahlen der Geschwader der Linienschiffe zu acht Schiffen, der Schlachtflotten (fünf Geschwader zu acht) zu machen, würden wir dieselben prüfen. Diese Vorschläge müssen berücksichtigen, daß nicht an­dere Großmächte mit zu starken Rüstungen fort­fahren.

Was den Rüstungsseiertag betrifft, bin ich mit der Auffassung Euerer Exzellenz einver­standen, daß derselbe praktisch nicht durch­führbar fei, und müssen Euere Exzellenz sich darüber im klaren fein, haß es ausgefchlos- f en ist, daß ich jemals daraus eingche. Die Form der Ablehnung überlasse ich Euerer Exzel­lenz. tgez.) Wilhelm I. R.

Staatssekretär von Jagow teilte diese Ent­schlüsse dem englischen Botschafter in Berlin Sir Edward Goschen am 10. Februar mit und fügte hinzu: Falls die Königlich Großbritan­nische Regierung die Absicht hat, der Kaiser­lichen Regierung Vorschläge zu machen auf der Basis des Verhältnisses 5:8 der Geschwader der deutschen und englifchen Schlachtflotte zu je acht Linienschiffen, so würde die Kaiserliche Re­gierung dieselben prüfen. Diese Vorschläge müß­ten berücksichtigen, daß andere Großmächte mit nicht zu starken Rüstungen fortfahren."

Englischerseits kam man in der Folge auf den Gedanken des Naval Holiday nicht wieder zurück. Der deutsche Marineattache in London, Korvettenkapitän von Müller, vertrat die An­sicht, daß der Vorschlag auch in England niemals wirklich ernst gemeint an­gesehen worden sei. In der Tat muß es Wohl auch als unwahrscheinlich erscheinen, daß Eng­land. als damaligerWeltrüstungslieferant", der die größeren und kleineren Seemächte, beginnend bei Rußland, Italien und Japan, bis hinunter zur Türkei, zu Griechenland und den südameri­kanischen Republiken mit Schissen und Kriegs­material versorgte, an einer internationalen- ftungseinschränkung ein ernstliches Interesse ge­habt hätte.

hessische Landwirtschaftliche Woche.

(Bon unserer Darmstäbter Redaktion.)

* Darmftabt, 14. Januar.

Der heutige Freitag, ber letzte Tag der Hessi­schen Landwirtschaftlichen Woche, wunde von dem Präswenten der Landwirtfchasts- kammer, Hensel, im Fürstensaal mit einer An­sprache eröffnet, in ber er ben Besuchern ber Land- wirtschaftlichen Woche für ihr Interesse bankte; er knüpfte daran ben Wunsch, baß bas Gehörte zum Wohle ber hessischen Landwirtschaft ausschlagen Möge.

9tachbem ber Präsident noch die Ehrengäste be- arüßt hatte, darunter besonders die Vertreter des Lanbes-Pferbezuchtvereins, hielt Rittergutspächter Dr. Hangen (Wanfried bei Kasiel) einen Vortrag überFragen aus de m Gebiete der Kalt­blutzucht unter Berücksichtigung der bäuerlichen Verhältnisse. Der Redner vertritt in der Frage Warmblut- oder Kaltblutzucht nicht die Ansicht, baß eine Art vorzuziehen ist. Wenn die Kaltblutzucht heute bevorzugt wird^ so geschieht es beshalb, weil Kaltblüter mehr finanzielle Vorteile bringen. Das Pferd belgischer Raffe wird stets an erster Stelle ber Zucht stehen. Der Redner behandelte bann ben Typ der Kaltblutrasse, die Aufzucht und

Vorgänge im Luftozean hervorgerufen werden. Die gewaltigen Eismassen, die aus der Arktis nach Süden abgetrieben werden, bewirken eine Abkühlung der Lust und eine Veränderung der Witterungsperhältnisse. Es ist ja hinreichend be­kannt, daß die schwimmenden Eisberge sich den Schiffen schon auf weite Entfernungen durch die Luftabkühlung ankündigen.

Reben diesen beiden Fragen der Luft- und Meeresströmungen intersssiert natürlich auch die Klärung der Frage nach der Verteilung von Land und Wasser im Polargebiet. Denn auch in dieser Beziehung sind, trotz der beiden vorjährigen Polarflüge, unsere Kenntnisse noch äußerst lüaen* hast. Bekanntlich hat Hänfen auf seiner vor dreißig Jahren durchgeführten Polarexpedition im hohen Rorden ein Lefenmesr entdeckt, dessen Ausdehnung freilich unbekannt ist. Das Flach­meer, das die Kontinentalmassen begleitet und an dessen Außenrändern erst der Absturz zum Tiefmeer beginnt, ist im hohen Rorden bisher an drei Stellen festgestellt worden: nördlich von Spitzbergen. nordwestlich der neusibirischen In­seln und nördlich von Alaska, bzw. westlich von Banksland. Das sind die einzigen sicheren Fest- ftellungciL Unbekannt ist weiter die Ausdehnung des 1913 entdeckten Rikolaus U.-Land nördlich vom Kap Tscheljuskin.

Unter den Polarforschern dep letzten Ver­gangenheit verdient neben Prof. Raufen, der mit Recht als der populärste und berühmteste gilt, noch der Amerikaner Peary besondere Erwähnung. Er hat um die Jahrhundertwende achtmal Grönland durchquer! und die Jnselnatur dieses unwirllichen Geblets festgestellt, ist drei­mal, allerdings vergeblich, zum Pol vprgestohen und hat aus der vierten Expedition, die am 1. März 1909 vom Cap Columbia aus begonnen wurde, nach vierzig Tagen (am 9. April) die 768 Kilometer betragende Strecke zum Rordpol zurückgelegt. Die Geographische Gesellschaft in Washington hat die Angaben Pearys nachgeprüft und diese als richtig anerkannt, jedoch sind sie von anderer Seite als voreilig angefochten worden.

Der 151 .-^tunbenUug des Amerikaners VYrd vom 9. Mai vorigen Jahres und der drei Tage später durchgeführte Polarflug Am u n bf e n s mit dem Lustschiff »Rorge" hatten cein sportliche Bedeutung und blieben ohne jedes wissenschaftliche Ergehn.s Es ist übrigens durch- aus ungewiß, ob Byrd überhaupt den Pol er­reicht hat.

Fütterung. Die Grundlage einer gefunden Zucht bil­det die Zuchtstute. Man strebe danach, sich die Kennt­nis guter Stammbäume anzueignen: man sehe sich möglichst genau Vater und Mutter, evtl, auch Ge­schwister an. Durch die Deffnuna der Grenzen im Jahre 1925 wurde die Pferdezucht schwer geschädigt. Die Zahl der Kaltblutpferde ist immer noch gestiegen, imd die Zahl der gebrauchten Pferde ist keineswegs im Schwinden, nur die Zahl der Wagen- und Luxuspferdc wurde herabgemindert. Anschließend hieran wurde die

GeneraLoersammlung des Landespserdezuchtvereins für Hessen

abgehalten, mit der die Feier seines 5 0jährigen Bestehens verbunden war. Die Veranstaltung leitete Oetonomicral Müller.

Detonomierat Fritsch, Dilshofen, sprach über 5 0 Jahre Landespferdezuchtoerei n". Der Vortragende gab einen eingehenden Rückblick über die Geschichte des Landespserdezuchtvereins seit seiner Gründung. Er unterstrich dabei die großen wirtschaftlichen Vorteile, die die Pserdezuchtoereine, namentlich auch für Hessen gebracht hat. Der Redner besprach die Zuchtrichtungcn und forderte zu einem engen Zusammenarbeiten mit der Lqnbwjrtschafts- farnmer auf, deren Entgegenkommen und deren Un­terstützung man vieles zu verdanken habe. Oekono- mierat Müller dankte dem Redner für seine aus­gezeichneten Ausführungen. Präsident Hensel überbrachte Jubiläumsglückwünsche der Landwirt- schaftskammex und überreichte einigen Mitgliedern, darunter ben Ockonomieräten Müller unb Fritsch, sowie Oberstleutnant Neuville Ehrenurkunden ober Medaillen. Prooinzialbirektor Kranzbühler übermittelte die Glückwünsche der Staatsregierung. Im weiteren Verlauf ber Tagung wurden noch geschäftliche Angelegenheiten erlebigt.

Am Schluß ber Sitzung wurde nachstehende Entschließung angenommen:Die anläßlich der Feier seines 50jährigen Bestehens anwesenden Mitglieder der Landespferdezuchlvereins, sowie die anwesenden Pferdszüchter aus allen Teilen Hesiens bedauern außerordentlich die vorgenommenc Ver­minderung pes LandgestÜts. Sie halten den bereits erfolgten Abbau des LandgestÜts im Interesse der hessischen Pferdezucht für außerordent­lich schädlich lind eine weitere Verminderung der Zahl der Hengste für unmöglich. Eine weitere Ver­minderung der Zahl der Hengste wird auch eine weitere Verminderung der Deckstationen mit sich bringen, unb die zurückzulegenden Wege bis zur nächsten Deckstation werben berart groß werben, baß bie Pferdezucht in einigen Gebieten Hessens nicht mehr ausrechtzuerhalten ist. Die hessischen Pferdezüchter sind zumeist alle kleinere Landwirte, bie nur in ber Sage sinb, Pferde zu züchten, wenn dies nicht mit großen Kosten verstunden ist, wenn also der Staat für geeignete naheliegende Deck­stationen sorgt. Die Verminderung der Zahl ber Deckstationen, aus der man eventuell einen Rückgang ber hessischen Pferdezucht entnehmen könnte, ist nur eine vorübergehende Erscheinung. Die hessische Land­wirtschaft hält wirtschaftlich für besser, wenn der Vferdebedaxf im eigenen Lande gezogen werben kann, als-Htß alljährlich für den Pferbeankauf große Summen Gelbes über die Grenze gehen. Die hessi­schen Pferbezüchter haben weiter Kenntnis davon erhalten, daß der bewährte Leiter des LandgestÜts, Herr Landstallmeifter S ch ö r f e, wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt werden soll. Die Pferdezüchter halten es gerade in dieser Zeit, in der durch den Abbau des LandgestÜts eine Organisationsänderung desselben notwendig ist, nicht für zweckmäßig, wenn ein Wechsel in der Person des Leiters des Landgestüts ein tritt. Sie glauben daher, daß man dem jetzigen Leiter des LandgestÜts, welcher sich bei der hessischen Landwirtschaft wegen seiner großen Erfahrungen unb Sachkenntnis in ber Pferdezucht allgemeiner Beliebtheit erfreut, noch einige Jahre an seiner Stelle belasfen soll.

Die Nachmittagsversammlung des Landesverbandes der Obst­und Gartenbauvereine

wurde von dem Vorsitzenden, Geheimen Regierungs­rat von Hahn, eröffnet.

Eines ist jedenfalls sicher, daß die Erfor­schung der Arktis nicht die Aufgabe eines Ein- seinen fein kann, und daß das Ziel nicht auf dem Wege eines Konkurrenzkampfes erreichbar ist, fonöem daß nur durch eine internationale Ar­beitsgemeinschaft auf die Dauer fruchtbare Ar» beit geleistet werden kann. Diese Gemeinschafts­arbeit will die Internationale Studiengesellfchaft zur ©rforf^ung der Arktis mit dem Luftschiff leisten. Voperst wird man versuchen müssen, mit einem geliehenen Luftschiff (mit Besatzung) die ersten Polarflüge auszuführen. In Frage kommen ein englisches Luftschiff (das für den Verkehr von London nach Australien bestimmt ist. sowie zwei deutsche Luftschiffe (ein Zeppelin- kreuzer und ein Luftschiff, das nach ben Plänen von Hauptmann a. D. Bruns gebaut wird). Die Kosten einer mehrwöchigen Forschungsarbeit sind auf 500 000 Dollar veranschlagt. Wie verlautet, hat Dr. Eckener der Studiengefellschast das zur Zeit im Bau befindliche Grohluftschisf, das für bie Strecke SevillaBuenos-Aires unser- sehen ist, für zwei Stubienfahrten über dir Arktis zur Verfügung gestellt. Ein Beschluß Darüber, welches ber Luftschiffe für die Zorschungsflüge gewählt werden soll, ist bisher noch nicht gefaßt worden, da die Luftkreuzer noch nicht oersügungs- bereit find, und auch die notwendigen Mittel noch aufgebracht werden müssen.

Daß mit zwei Polarfahrten die große Ar­beit nicht geleistet werden kann, ist gewiß ein­leuchtend. Es wird vielmehr notwendig sein, ständig ein Luftschiff, dessen Gasraum mindestens 150 000 Kubikmeter fassen muß, für diese Polar­flüge zur Verfügung zu haben, da nur durch eine fortgesetzte Deperwachung, in bie sich die Be­obachtungsstationen und die Luftschiff-Stationen zu teilen haben, die systematische Durchforlchung Der Arktis in allen E.nzelfragen durchzuführen ist. Die Arbeitsgemeinschaft ber Rationen wirb nunmehr, nachdem bie Ginzekunternehmungen nur Teilerfolge buchen konnten, ben großen Plan bei1 Arktissorschung in Angriff nehmen, dessen Durchführung fretlid) nur im Zeitraum vieler Jahre erfolgen kann. Auch an diesem wissen- schastlichen Projekt Wird Deutschland in hervor­ragender Weise mitzuarbeiten berufen fein.

Uraufführung in Darmstadt.

Am Hessischen ßanbestbeater erlebte am Samstag bie Äomobie in fünf Aufzügen ».Gelb* von Vernarb o. B r e n ta n o chre Uraufführung. Der junge Autor ist Erbe eine- berühmten 9tamtne, der

Lanbesobstbauinspektor Pfeifer, Darmstadt, sprach überNeuzeitliche Schädlingsbe- f ä m p jung im Öbftbau*. Der diebner stellte den GeSanken voran, baß bie Nützlinge, die Gegner ber Schädlinge (bie Vögel) nicht ausreichen, manche ber Schädlinge wirksam zu bekämpfen. Kann ber öanbmirt allein bie Schüblinge mit Erfolg bekämp­fen, ober ist hierzu ein Zusammenschluß notwendig? Der Redner erklärte hierzu: Die vorbereitenden Maßnahmen kann der einzelne Landwirt vorneh­men, z, B. das Ausputzen der Bäume ijn roeiteften Sinne. Baumruinen, bie Herbe ber Schädlinge, find in allererster Linie zu entfernen. Zu dicht stehende Bäume müssen ebenfalls beseitigt werden. Bei Neu­anpflanzungen ist möglichst mit ber Obstart zu wech- sein: auf Bobenart ist babei Rücksicht zu nehmen. Die eigentliche Schädlingsbekämpfung muß durch Ar­beitskolonnen oorgenommen werden unter Führung eines Obstbauvererns ober des Bürgermeisters. Der einzelne ßonbroirt kennt ja die Schüblinge lange nicht alle, auch nicht die Stadien ihrer Entwicklung. Schon weil bas Heer ber Schädlinge außerordentlich groß ist, muß die Bekämpfung möglichst wirtschaftlich gestaltet werben. Man muß mit einem Mittel meh­rere Arten zu treffen suchen: auch ist auf bie Zeit der Bekämpfung zu achten, bie je nach Lage bes Ortes verschieden sein kann. Die Maßnahmen im großen durchzuführen, empfiehlt sich ferner fchon deshalb, weil die Bekämpfungsmtttel, im großen bezogen, weit billiger sind. Zu beachten ist, baß viele ber Mittel giftig sinb. Oer Leiter einer Kolonne kann die Kontrolle leichter ausüben, als dies bei einer Bekämpfung im kleinen geschehen kann. Eine Rentabilitätsl>erechnung iister ben Ersolg ber Be­kämpfung läßt sich nicht von einem Jahre, sondern erjt von mehreren auffteUen. Man kann zufrieden fein, menn man bie Schädlinge bis zu etwa 70 Prot­zen t, wie im Weinbau, zurückbümmen kann. Weiter erörterte der Redner die Art, wie die Bekämpfung im Winter unb im Frühjahr vorzunehmen ist. Die Obftmabe (Apfelblütenstecher) ist mit Arsen zu be kämpfen: am wirksamsten geschieht es zur Zeit, wenn bie Blüte abfällt. Nach etwa zehn klagen ist bas Spritzen zu wiebcrholen, unter Umständen noch einmal. Die Schädlingsbekämpfung bewirkt ohne Zweifel, bah mehr marktfähige Ware bereitgestellt werden kann. Zu bedenken ist immer, baß man nur das erntet, was dje Schädlinge nach ihrem Fraß übriggelassen haben.

Geheimrat von Hahn dankte dein Redner für seinen von ber Versammlung mt lebhafter Zustim­mung aufgenommenen Vortrag. Der Vorsitzende er- klärte sobann etwa: Wenn Die Maßnahmen, die heute von ben Rednern besprochen wurden, durchgeführt werden sollen, wenn der Kampf um den Markt siegreich sein soll, so darf es ber Führung. Die Obstbauvereinc müssen gefördert werben: werben Sie deshalb für diese Vereine. Die Sachverständigen im Obstbau sind die gegebenen Führer, es sind die Obstbaubeamten. Am 1. April gehen nun bie Kreisstraßen an die Pro­vinzen über, damit auch hie Obstbäume an ben Kreisstraßen. Es heißt, baß jebodj bie Provinzen nicht alle Obstbaubeamten übernehmen woll­ten. Die maßgebenben Kreise sollten dafür wirken, bah diese Beamten uns erhalten werben. Es wäre gerabezu katastrophal, ba wir nur wenige Obftbau» beamte haben, wenn nicht alle in ihren Wirkungs­kreisen vlieben. Man hatte eigentlich gerade bas Gegenteil erwartet und gehofft, baß bei der Neu­ordnung alle Kreise Obstbanbeamte erhielten.

Im Anschluß an biete Darlegungen nahm bie Versammlung die nachstehende Entschließung, die ber Regierung, den Pravinzialbirektionen und ben Kreisämtern mitgeteilt werben soll, e i n st i m * mig an: Die Hauptversammlung des Landesver­bandes der Obst- und Gartenbauvereine hält es für unbedingt erforderlich, daß die jetzt im Lande tätigen Obstbaubeamten auch künftig her ohstbautreibenden Bevölkerung zu r sachverständigen Beratung zur Verfügung ftef)en, ja, daß ber Uebergnna ber Kreisstraßen auf die Provinzen ein Anlaß fein sollte, auch denjenigen Landesteilen, roeldjc bisher keinen Obstbaubeamten hatten, einen solchen zu verschaffen. Sie bittet daher alle Körperschaften, welche mitzu- sprechen haben, in diesem Sinne zu wirken.

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Als Abschluß der Veranstaltungen im Zu­sammenhang mit der Hessischen Landwirtschaft­lichen Woche fand der

durch (Tiemens Brentano unb Bettina von Arnim (geb. Brentano) ber deutschen Literatur angehört. Zugleich ist er ein Sohn des gegenwärtigen hessi­schen Ministers des Innern und der Justiz. Das war namentlich die Veranlassung, daß dem Ereignis der Uraufführung der hessische Staatspräsident, der Sanblagspräflbent und zahlreiche Mitglieder der Staatsverwaltung beiwohnten, außerdem, wie sonst üblich, viele literarische Persönlichkeiten. Der Zu- drang ist auch erklärlich, weil bie Uraufführungen seit etwa einem Jahre hier viel seltener geworben sind; es ist dies eine Rückwirkung bes Publikums- geschmacks. Im allgemeinen hatten nämlich die jüngeren Dramatiker mit ihren Leistungen wenig Glück; vor allem blieben Erfolge von Dauer aus. Brentanos KomödieGeld* wird diejes Schicksal ebenfalls teilen, obwohl ber Beifall, ben sie erzielte, stärker und wärmer war als sonst. Viel ist baoon allerbings auf Rechnung ber Persönlichkeit des Dichters zu setzen, ben seine Anhänger am Schluß ber Vorstellung vor bie Rampe riefen. Brentanos Gelb* ist als ftomöbie bezeichnet, doch ist der Ton echter Koniödie nur selten getroffen; überhaupt er­wecken die Vorgänge auf ber Bühne kaum näheres Interesse für bas Schicksal ber hanbelnden Personen. Das Drama steht noch stark unter ben Einflüssen expressionistischer Kunstansck-auungen und erscheint deshalb in feinem äußerlichen Verlauf oftmals wirr unb sprunghaft. Das Stück, das vor mehreren Jah­ren erfahr würbe, ist durch bie literarische Entwich lang bereits überholt. Dies gilt auch von ber Schil­derung feiner Umweit bes Schiebertums. Die Sucht nach Gelderwerb beherrscht Ulrich, ben Leiter ber Auslanbableilung eines deutschen Handelshauses, ber babei seine Frau ganz vernachlässigt, die in den Bannkreis eines jungen Musikers gerät. Da Ulrich gegen ben Willen seiner Firma Bergwerke auf- gekouft hat, roirb er entlassen, aber sie finbet es doch vvm finanziellen ©tanbpunft aus vorteilhafter, ihn roieber einzustellen: zugleich finbet sich auch feine Frau wieder bei ihm ein, nachdem sie ber Musiker, ber überdies nichts besitzt, verabschiebet hat. Die Macht des Gelbes hatte Ulrich ins Verderben ge­stürzt, sie hot ihn auch wieder daraus errettet. Eirttgs Szenen bes Dramas sinb geglückt ebenso manche Dialoge, als Ganzes genommen war jedoch bie Aufführung ein Versager bis auf die Darsteller, die den äußeren Erfolg herausholten. In erster Linie sind hier zu nennen Generalintendant Ernst Legal In ber Rolle eines betriebsamen Speku­lanten, Rudolf W i t t g e n als tatkräftiger Leiter der Auslandabteilung des deutschen Handelshauses, und Maria Fein als besten treulose Sattia. E. B