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Nr. 13 Zweites Blatt Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)Montag, 17. Zanuar 1921
Leysin.
Don Dr. St O. Müller.
Dicht allen Menschen ist es bekannt, bah es neben der gefürchteten Volksseuche. der Lungentuberkulose. auch noch eine Tuberkulose der Knochen, Gelenke. Drüsen und Gewebe gibt, die sogenannte chirurgische Tuberkulose, so genannt, weil man bisher eigentlich kein anderes Mittel gegen sie wußte, als das Messer des Chirurgen, schmerzhast und gefährlich und in seiner Anwendung nicht immer von Ersola begleitet.
Obwohl diese tückische Krankheit nicht so verbreitet ist wie ihre unheimliche Schwester, die Lungentuberkulose, so ersordert sie doch immerhin alljährlich noch zahlreiche Opfer. Die Lungenkranken schickt man, wenn eS die wirtschastlichen Mittel erlauben, nach Davos und Arosa, und jedermann weih, wie günstig die Heilkräfte des Körpers durch den Aufenthalt im Hochgebirge beeinflußt werden. — Aber viel weniger bekannt ist es in Deutschland, dah eS auch gegen die chirurgische Tuberkulose in den Bergen der Schweiz eine Heilstätte gibt, deren Erfolge so fabelhast, fast aqs Münder grenzend sind, dah sie die von Davos und Arosa bei weitem in den Schatten stellen. Ich meine Leysin.
Wer kennt sie schon, diese wunderbare Krankenstadt. hoch oben in den Bergen der Schweiz, etwa zehn Kilometer südöstlich der Ostspitze des Genfer Sees, oberhalb des RhönetalS, am Fuße der Ormont-Kette. 1300 bis 1630 Meter hoch gelegen? Schon die Reise dorthin ist einer Beschreibung wert.
Wir fahren von Basel über Bern nach Lausanne, an« Alfer des Genfer Sees. Hier umfängt unS Äordländer bereits der Zauber des ©übend, hochragende Palmen in den Hotelgärten, fremde farbenprächtige, starkduftende Blumen und Sträucher. Der Schnellzug kommt aus den Bergen heraus. Alles steht an den Fenstern des O-Zug- wogenS. da, noch eine Windung, ein kurzes Tunnel und — ein allgemeines Ahl des Erstaunens. — In seiner blauen Pracht liegt der herrliche Alpenfee vor unseren trunkenen Augen da. 3m Hintergrund steigen riesenhafte Berge auf. Wie ein gewaltiger Deckel eines ungeheuren ©at- kophages überragt sie alle die DentS du Midi, deren weihe gl et scher bedeckte Hänge sich schimmernd im klaren Wasser des Sees spiegeln. Lieblich schmiegen sich die Keinen Städte und freundlichen Ortschaften an die Flanken der Berge. Wethe Billen schauen aus dem üppigen Dunkelgrün der Gärten, Weinberge klettern an den Hängen empor. — Montreux, die Perle aller Städte am See, erscheint jetzt vor unseren Augen. 3n Terrassen baut sich dieses Paradies vom Alfer des Sees auf bis hoch hinauf in die Berge. Reben sechsstöckigen Riefenhotels liegen allerliebste lleine Pensionen halb in den Gärten versteckt. Hier in diesem Rizzo der Schweiz, gibt sich die internationale Geldaristokratie ein Stelldichein. Auf den halb im Grün der Gärten verborgenen Ten- msplätzen miht sich die Jeuncsse dor£s“ der halben Welt im Turnier. Man sieht schlanke, graziöse Gestalten im weihen Dreh anmutig hin und her huschen. Dorbei. vorbei.
Weiter donnert der Zug. Neue Bilder gleiten an den entzückten Augen vorbei. Da taucht das altersgraue. sagenumwobene, mächtige Schloß Chillon auf einem Felsen im See auf.
Malerisch hebt sich seine trotzige, turmbewegte, gedrungene Silhouette vom dunkeln Waldhintergrund ab. Da unten in den Kerkern und Kasematten dieser uralten Burg Hai so manche Tragödie ihren blutigen Abschluh gefunden. Mehr als tausend Jahre haben seine starken Mauern dem Wind und den Wellen und so manchem feindlichen Ansturm Trotz geboten. Im Mittelalter beherrschte es die wichtige Straße, die von Burgund über den Großen St. Bernhard noch Italien führte, und die Durchganas. zolle waren eine Haupteinnahmequelle der Grasen von Savoyen. Später bewahrte man in dieser uneinnehmbaren Burg die Haupt- und Stoatsver- brechcr Geräumige, gewölbte Kerker sind unterirdisch in den Felsen eingehauen, von denen em aebeimer Gang hinaus in den See suhrte. Ueber- läust es uns nicht wie schauerliche Ritterromantik bei dem Gedanken an die furchtbaren Szenen, die sich hier unten abgespielt haben mögen in Den Viten als Folter und Inquisition noch ihre Opfer in den europäischen Ländern forderten? — Man
Gberheffifcher Aunstverein.
Auf einer Ausstellungsreise von Stuttgart kommend, sind einige elsässische Künstler mit ffiren Werken im Turmhause eingekehrt: sie gehören einer Künstlergruppe an. die sich unter tem Romen „Arc“ zusammengeschlossen hat. Der tiefere Sinn dieser Gemeinschastsar. e t ist aus dem Ramen abzulesen: es handelt sich um einen Kreis von Schassenden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unter dem Symbol des gotischen Bogens mit ihrer Arbeit Brücken zu schlagen zwischen Osten und Westen, zwischen deutscher und sranzösischer Kultur und Geistesart: der Gedanke ist zweifellos gut. denn es bestehen unleugbar (obwohl oft genug verschüt- tet) Gemeinsamkeiten und Wechselbeziehungen ? wischen hüben und drüben, in geistigen, fünften] eben Dingen zumal, und das Land dort unten wo diese Arc-ßeute stehen, heut eigentlich Riemcmdsland. ist wohl der beste Boden für solche Wittlerschofl. die zwei Gesichter tragt, für einen Brückenbogen, der drüben wurzelt und hüben auswächst. Der Wille ist gut und ehrlich — ohne Frage: man wird dennoch bie Arbeit, die Schwierigkeiten. ®ctrenn es zu einigen die Ferne des annLherungswe.se erreichbaren Endzieles nicht gering anschlagen dürfen man Wird auch gut tun, dieses Ziel toe- niger politisch, als vielmehr geistig und all- gemein kulturell aufzufassen.
Dor solchem Hintergründe heben sich die individuellen Almriffe der einzelnen Aussteller ab- durchaus eigene Temperamente, obwohl in gemeinsamer Arbeit verbunden Auch äußerlich verbunden übrigens in den Teilen Hr:r Bilder, die charakteristisch für sie sind, tm technischen und Handwerklichen, von dem etwa, ganz em- fach. zu sagen ist: diese Elsässer haben alle etwas gelernt sie können etwas in jenem als selbstverständlich voraussetzenden Sinn einer langst begrabenen Malergeneration. 5ern:r: sie bevorzugen im wesentlichen das Aquarell: und. wiederum in gewissem Zusammenhang hiermit, sie sind vorwiegend Koloritmaler. Freilichtbildner. mit F^ .benproblemen sehr eingehend und eigentlich überall beschädigt. 3m Gesamteindruck, um abermals Gemeinsames zu nennen, wirken
e noch beute den Ring und die Kette, mit der ioard, der Prior von oL Viktor in Genf, für feinen unerschrockenen Freimut gegenüber dein Herzog von Savonen an einen Pfeiler geschmiedet worden war. Es ist der „prisoner of Chillon", dem Lord Byron sein unsterbliches Gedicht gewidmet hat. Wir verlassen diesen Ort des Grauens. Schloß Chillon ist längst oorübergeglitten, und die elektrische Schnellbahn eilt das Rhönetal hinauf.
In Aigle besteigen wir eine elektrische Zahnradbahn, die in steilen Windungen in einer etwa fünf Kilometer langen Strecke 1000 Meter hinaus in Die Berge führt. Rechts stürzen die Felsen oft lotrecht hinab in die liefen. Immer Heiner werden die Dörfer, Häuser und Menschen des Tales. Wie ein schmales blaues Band schlängelt sich tief unten die Rhone dahin. — Da, mit einem Male tauchen riesige Hotelbauten auf, ein langgestrecktes Hochtal tut sich vor unseren Blicken auf, das nach Süden offen ist und an dessen Nordwand sich die großen Hotels und Sanatorien übereinander gestaffelt empor- türmen — Leyfin!
Es mögen etwa 25 Jahre her fein, seit Dr. Rollier seine ersten Heilerfolge bei Dorfbewohnern von Leysin durch eine von ihm erdachte und beharrlich durchgeführte Methode der Sonnenbestrahlung erhielte. 1903 eröffnete er fein erstes Chalet für Äranke. Damals hat er wohl felbft nicht geahnt, welcher Welterfolg feinen ersten fast schüchternen Versuchen einmal befchieden fein würde. Heute gibt es in Leysin-Village 38 Rollier-Kliniken, in denen mehr als 1000 Kranke aus allen Teilen der Welt untergebracht lind. Die bereits Geheilten zählen nach vielen Taufenden.
Bleich, abgemagert, mut» und hoffnungslos, die kranken Glieder häufig in schweren Gipsoerbänden, so kommen fast alle Kranken heraus. Meist wollen sie zu Anfang mit ihrem Elend allein fein und oer- langen Einzelzimmer. Aber nicht lange bleiben sie so. Man befreit sie von ihren Gipsoerbänden, und lanasam, ganz allmählich, mit den Füßen beginnend, setzt man sie den kräftigen Strahlen der Hoch- gebirgsfonne aus. Verwundert Horen sie das Singen und fröhliche Lärmen der anderen Kranken von den gemeinsamen Galerien. Sie können es nicht begreifen, wie Menschen, die von einer so schweren Krankheit befallen sind, so luftig sein können.
Aber es dauert nicht lange, so macht sich die heilsame Wirkung der Sonne und der Höhenluft bemerkbar. Die Schmerzen lasten nach, die blaffen Wangen bekommen wieder Farbe, die müden Hände bewegen sich lebhafter, die Augen erhalten wieder Glanz, und bald nehmen sie auch selbst teil an dem fröhlichen Treiben.
Und nun haben wir Winter hier oben und welch herrlichen Winter mit viel Schnee, starken Frost, fast völliger Windstille und lachender Sonne aus wolkenlosem, tiefblauem Himmel. Im Winter ver- lebt man hier die schönsten und erfolgreichsten Kur- monatc. Während die Sonne ihre wärmenden Strahlen hernieder auf die Erde sendet und den weiten weißen Schneeflächen einen Glanz verleiht, daß einem die Auaen von der Fülle des Lichtes schmerzen, liegen alle Kranken völlig nackt auf den Schneegalerien und nehmen ihr alltägliches mehrstündiges Sonnenbad und erfreuen sich an dem An- olick Der Winterfportler, die auf den Abhängen vor den Kliniken ihre Skikünste probieren. Hier sehe ich, wie viele Leser ungläubig den Kops schütteln und sich fragen, wie es denn möglich sei, nackt In freier Lust zu liegen, wo doch eine dicke Schneedecke rings den Boden bedeckt? Ja, es ist so, und alle Kranken beneiden in diesen Monaten bestimmt nicht ihre Mitmenschen in der Ebene, die frierend sich hinter die warmen Defen verkriechen müssen, die im Winter nur Nebel, Regen und spärlichen Schnee sehen, der nach Stunden schon in eine schwarze schmutzige Mässe zertreten ist.
Das Weihnachtsfest ist nun auch vorüber. Man sollte meinen, eine Weihnachtsstimmung, Weih- nachtssreude und Erwartung komme hier unter den Kranken nicht auf. Weit gefehlt! Die Kliniksverwal- tungen fetzen alles daran, um den Patienten das Fest so erhebend wie irgend möglich zu gestalten und ihnen etliche frohe Stunden zu bereiten, die ihnen über das Gefühl der Einsamkeit, das in diesen Tagen stärker denn je in den Kranken erwacht, hinwegzuhelfen. Die Post arbeitet mit ganz besonderem Fleiß und Aufopferung, und Berge von Briesen und Paketen von all den Lieben zu Hause gelangen pünktlich in die Hände der Kranken. Und so wurde in diesem Jahr das Weihnachtssest hier in fröhlicher
sie alle durchaus modern, d. h. nirgends akademisch, ohne indessen den erkennbaren Anschluß an die letzten Alebergangsstadien zeitgenössischer Produktion zu geben, sogar fast ohne Bindung an die (vorletzten) Versuche des absterben- den Expressionimus. (Es ist aber, wie stets in künstlerischen Dingen, unzukömmlich, ohne Anschauungsmaterial und Beispiel, nur mit blassen Worten etwas erklären zu wollen: wer die Bilder selbst betrachtet, wird den Stil der Gruppe, soweit sie hier ausstellt, etwa im Sinne des Gesagten überprüfen können.)
Also: die Bilder selbst. Zunächst die des Ober- elsässers Schachenmann. vortreffliche Beispiele für das Bestimmende feiner Gruppe durchaus koloristisch ist er eingestellt, in Farben schwelg! er, wie sie sein reiches, schönes Land verschwenderisch, stets wechselnd und gerade darum für das Künstlcrouge bestechend anbietet. Er saugt das Koloritbild der Landschast in flüssigen Wasserfarben auf. Seine Blätter sind zwar typische Aquarelle, aber nie blaß, sondern ungemein saftig, offenbar schnell, vielfach fast heftig gemalt; wodurch übrigens in manche Bilder eine merkwürdige Unruhe hineingebracht wird, die das Auge auch aus angemessener Weite schwer bändigt. Aber er versteht sich auf ganz preziös«, zarte Wirkungen, in slüchtig-min.aturhast behandelten Blättern. Der gleiche ausgeprägte Farbensinn wird in einem starken Porträt spürbar; in dessen figürlicher Haltung irgendwie (ohne daß man es hier näher bestimmen könnte) zugleich der westliche Einschlag, die Berührung mit Paris und dem modernen Frankreich, wie auch eine leichte Hinneigung zu jener Zeit sich anzu- beuten scheint, aus der die Arc-Gruppe ihren sinnvollen Ramen gewonnen hat. Bon einem Bildnis des MalerS Dreittvieser gilt AehnUches.
B r e i t w i e s e r selbst wirkt mit seinen Aquarellen ungleichartig: in manchen noch verschwommener und zerfließender. als jener, in andern strenger, geordneter, mehr vom rein Farblichen abstrahier:, auch auf das Raumelement bedacht, das jedes Bild nötig hat. Bezeichnend hierfür ist das unferm Gefühl nach stärkste Bild von Dr.. eine Landschaft, die die Rotweihflecken eines Dorfes in das stumpfe, satte Grün der Almgebung einbettet, und mit einem blauschwarz-gewittrigen
und heilerer Stimmung gefeiert, und die erhebenden Stunden bleiben in allen als ein unauslöschliches Andenken haften.
Ueberhaupt die Stimmung hier in Leysin! — Es ließe sich ein ganzes Kapitel darüber schreiben! Ich weiß nicht, welcher Geist und Schutzpatron über diesem merkwürdigen Orte schwebt, aber es muß ein guter, heiterer Geist sein!
Man koinmt sich wie in einer schöneren, reineren Welt vor! Das Tiefland mit seiner drückenden Luft, einem Staub, der kalten Feuchte seiner Regen- chauer, der mörderischen Arbeitshetze seiner Groß- täbte mit all dem Hasten, Drängen und Jagen, liegt weit, weit unter ans, durch ein dickes Dlebclmcer aetrennt. Ein tiefblauer Himmel in wolkenloser Pracht, aus dem die Sonne in fast überirdischer Straft und Reinheit herabstrahlt, die Majestät Der gewaltigen Berge, dar schimmernde Weiß der Firnen und Gletscher umgibt uns und verleiht auch der Seele der Menschen einen höheren Schwung. — Aller Kleinmut, ade Verzagtheit weichen von dem Patienten, eine fast vlnmpische Ruhe und Heiterkeit überkommt ihn. Die Leichtigkeit der Luft, ihre Würze und Reinheit durchdrinat ihn, der Frohsinn der anderen steckt ihn an. Hoffnung und Glaube an seine Heilung erfüllen chn ganz. Und nun geht es vorwärts mit ihm!
Nur wer die Macht dieses Geistes von Leysin hier verspütt hat, der kann es begreifen, daß die Patienten eine monate-, ja unter Umständen sogar ein jahrelanges Liegen im Bett ertragen, ohne mürrifcy und verzagt zu werden. Die körperliche und geistige Ruhe kräftigt sie, Gesang und Musik heitern sie auf. Ein typisches Zeichen von Leysin ist das Auftreten der vielen Wandermustkanten, die meist aus Italien kommen und, von Klinik zu Klinik ziehend, den Stranfen aufspielen. „Valencia" verfolgt uns von einem Ende des Dorfes zum andern.
Auch an leichter Arbeit findet sich bald wieder Freude. Man sieht sie bei Flecht- und Korbmacherarbeiten. Dr. Rollier forderte dies durch Gründung
einer Arbeitskolonie und sorgte für Aufträge und Absatz fertiger Sachen. So mancher verdient sich hier feinen Unterhalt selbst. Gewiß ist das Leben in einem Höhenkurort nicht billig. Aber es ist erstaunlich, wie es das Organisationstalent von Dr. Rollier sertiggebracht hat, Sanatorien beinahe in jeder Preislage zu schaffen, so dah es auch Minderbemittelten möglich ist, hier Genesung zu finden. Es gibt Kinderkliniken, Kliniken für Damen, Kliniken für Herren, gemischte Kliniken, ein Universitätssanatorium nur für Akademiker und Studenten, eine Mililärklinik, eine Waldschule für genesende Kinder usw.
Das gesamte Leben hier im Ort wird von bett Kranken beherrscht. Das Kranksein hat hier feilt Odium verloren, des Stockes und der Krücken braucht sich hier keiner zu schämen. Fast alle Geschäfte und Berufe sind in den Händen ehemaliger Kranker, die zur Beicsttgung ihrer roiebergefun- denen Gesundheit noch ein paar Jahre hier oben bleiben. Auf allen Straßen und Spazierwegen sicht man Genesende an langen Stäben daherwandeln, um sich nach der langen Liegekur wieder im Gehen zu üben. Schon Fortgeschrittenere sieht man beim Sport
Der Ruhm Leysins hat sich allmählich über die ganze Erde verbreitet. Von allen Völkern, allen Nationen kommen die Kranken herbei, um bei Dr. Rollier und in Der WunDersonne von Leysin ihre Heilung zu suchen unD zu finDen. Alle Schranken Der Nationalität sind hier überbrückt und Das, was Die Staatsmänner in Dem benachbarten Genf nun schon seit vielen Monaten in vergeblichen Verhandlungen zu erreichen suchen, den VölkersrieDen. dar bat sich hier in dem stillen Hochtal, 1000 Meter höher, schon längst verwirklicht Ein Völkerbund, eine „Soci6t6 des Nations", hat sich hier gebildet in Der gemeinsamen Bekämpfung Der menschenmorDen- Den Seuche. FrieDlich flattert Die Deutsche Fahne neben Dem Sternenbanner und Dem Unionjack. Und Die Sonne Leysins, siehe, sie leuchtet auch uns!“
Der letzte Versuch einer deutsch-englischen Flottenverständigung.
Churchills Naval Holiday im Spiegel des Diplomatischen Aktenwerks.
Der letzte Versuch, den England in den Dot- kriegsjahren machte, um mit Deutschland zu einer Verständigung über bie beiderseitigen Flotten- rüftungen zu gelangen, bestand in dem Vorschlag eines Naval Holiday. 3n der Parlaments- sitzung vom 26. März 1913 äußerte der Erste Lord der Admiralität, Winston E h u r ch i l l, als er seine jährliche ausführliche Erklärung über das englische Flottenprogramm abgab, und nachdem er auf die bedeutende Steigerung der Kostenvoranschläge hingewiesen hatte: „Warum sollen wir nicht für ein 3abr wenigstens In der Konstruktion von Schlachtschiffen eine Pause madjm?“ Dies sei die Frage, die "er schon voriges 3ahr angebeutet habe, und die er jetzt wiederhole. Dieser Vorschlag bedeute keinen Verzicht auf irgendeine geplante Marineorganisation ober Flottenverrneh- rung, et wiberspteche auch keinem Flottengeseh, könnte zu keinem Mißverständnisse Anlaß geben und würde den Finanzen aller Länder zugute fommen. Dieser Appell sei an alle Länder gerichtet, aber an keines in einer aufrichtigeren Weise als an den großen Rachbar jenseits der Rordsee.
Der Reickskanzler von Dethmann Holl» to e g nahm bann in seiner Reichstagsrebe vom 7. April 1913 auf biefen Vorschlag Bezug, indem er bie ©chwieriakeitcrn anbeutefe, bie die Ausführung dieses Problems in sich berge, und auf welche die Marinesachverständigen diesseits und jenseits der Rordsee schließlich übereinstimmend binqewiesen hätten, und sagte: .Minister Cbur- chiU selbst hat diese Schwierigkeiten zugegeben, auch ist mir nicht bekannt, daß seine Gedanken in der öffentlichen Meinung Englands oder im engliscken Parlament besonderen Anklang gefunden hätten. Wir werden also abwarten können, ob die englische Regi-rung mit konkreten Vorschlägen hervortreten sollte."
Hintergrund abschließt. Ein paar gute kleinere Bilder, diesem ähnlich; einige ©tilleben (unter denen der ©ommerblumenstrauß ziemlich hart- linig und farbig unverbunden dasteht).
Weiter: 3s ke erscheint bei ebenfalls lebhaften Farben doch gedämpfter und übrigens viel linearer, als die beiden Vorgänger. Almr.ft und Proportion im Dildganzen sind ihm wichtig und durchaus betont, werden raumbildende ©tilmittel; er arbeitet viel sichtbarer als jene mit drei Dimensionen; ganz klar zeigt das etwa die im übrigen wenig befriedigende, well koloristisch roh und ungefüg behandelte Landschaft „Tiarie zur Sich", der „Straßburger Schlohplatz", die »Wirt» schäft" und der als Bild ausgezeichnete „Kanal bei Straßburg". Dazwischen em sonderbar zerklüftetes und Irot) scharfer Vertikalbtonung kaum zur Einheit tamponiertes großes Stück „Stein- oachtal". Roch zu nennen wären zwei Freilicktakte. deren einer durch den ganz pointlllistifch verdichteten Hintergrund auffällt.
Breitesten Raum hat der Straßburger Fischer. Er ist. was die Farben angeht, unter allen wohl der Leidenschaftlichste und Alnbebing- tefte. Er malt die Dirge so wie Schachenmann (s. o.) und noch intensiver. Aber er bl töt. während jener ganz im Farbigen sich aufzulösen scheint, noch in seinen flammendsten, leuchtendsten Landschaften ganz beherrscht; er sieht über die Farbe hinaus: sein Raumgefühl, die Plastik und dynamische GUederung beansprucht fast gleiches Interelfe, ist mit ganz klarem Können gestaltet. Aus dielen beiden tragenden Komponen'en setzen sich seine besten Arbeiten zusammen: die sehr seine „Dorfstraße", daS für ein Aquarell geradezu wuchtig wirkende .St. Johann", das erstaunlich gedrungene und geschlossene .Weselnheim". bie auS Blau und Ditnolgrün gemischten, scharf fonturierten Felberflächen von .Schlettstadt . der hagelgelbe Prospekt deS .Sonnenuntergangs in bet Rhein- ebene". bie fast tropischen Kolorits von „Zabem" und anberer Stücke. Man meint zu fühlen: Fischer ist das deutscheste Temperament des Kreises. m seinen Bildern sieht man das nach Osten gewandte Antlitz der Gruppe, den germanischen Pfeller des gotischen Drsickenbogens.
Ein gleichsam entgegengesetztes Prvfll zeigt der Straßburger ©eebach-Schület Lucien Hassen. Der ausgesprochen westliche Einschlag, von
Churchill war alsdann in gelegentlichen Aln'er- Hatungen mit dem Botschafter Lichnowsky und dem deutschen Marineatl^chä in London mehrmals darauf zurückgekommen, indem er betonte, daß eS ihm mit dem Vorschlag vollkommen ernst sei, wenngleich er die Schwierigkeiten nicht verkenne. Erst in einer am 18. Oktober 1913 in Manchester gehaltenen Rede griff er dann die erwähnte Erklärung des Reichskanzlers auf und führte aus. die englische Regierung beabsichtige nicht, in der Frage Schritte zu tun, wenn die deutsche Regierung es nicht für zweckmäßig holte, denn sie müsse den Anschein vermeiden, als ob sie f ü r sich selbst den Lorbeer eines Vorschlages zur Rüstungseinschränkung anftrebe, um damitDeu'sch- land in die Zwangslage einer Ablehnung zu versehen. Der gegenwärtige Augenblick sei für eine Wiederaufnahme des Feierjahr-Gedankens günstig; die Entwicklung der Dalkankrise Hobe gezeigt, wie fest die Friedensliebe unter ben Großmächten wurzele, unb Deutschlanbs Beziehungen zu Eng- lanb hätten sich, unbeschadet deS Freundschaftsverhältnisses zu anderen Staaten, erheblich ber» bessert.
Als der Staatssekretär von T i r p i h in der Sitzung der Deichshaushaltskommission am 4. Februar 1914 sich eingehend über den Gedanken eines Naval Holidav. geäußert hatte, ließ der englische Außenminister. Sir Edward Grey, du^ch ben englischen Botschafter in Berlin am 6. Februar ein Aide-memoire überreichen. 3n diesem wurde auf die bisherige Entwicklung unb B Handlung des Nav.-LHolidav^ebanfeng Bezug genommen. um Alebermit lung des Wortlautes der erwähnten Tirvihschen Ausführungen geFe’en und die Erklärung hinzuaefügt. daß bie englisch- Regierung keine Vorschläge in bWer Richtung machen würbe, wenn sie nicht willkommen seien, baß aber anbererleits bie englisch«» Dk^i-rung,
dem wir bei Schachenmanns Bildnis sprachen, ist hier, bei ganz anderer Technik, unverkennbar. Man sehe etwa die pariserische Eleganz zwc.er weiblicher Akte: das Glatte. Abgerundete noch in der Skizze; die Feinsühligkeit im Formalen, die man in dieser zartblühenden Körperlichkeit gewahr wird. Haffen arbeitet mit bunter Kreide so sicher, daß er auf den ersten Blick wie ein Aquarellist oussieht; seine Pastelltechnik bedingt zwar eine gewisse lineare Grundierung, die auf saft allen Blättern wiederkehrt, zugleich abfle auch eine sehr frische, Helle Klarheit unb Konzentration ber Farben, endlich eine eigentüm* liche Wärme des TonS, die sowohl einem ganj plastisch aufgefafoten Porträt von 3ske (s. o.). wie allerlei volkstümllchen Mot.ven, einem fa- mos beweglichen Dauerntanz, einer Prozession, einer Wagenfahrt vorzüglich zustatten kommt. Dazwischen, spitz und zart, eine Landschast; ganz locker und aufgelöst eine Rinderherde. Hasien ist nicht das monumentalste, aber vielleicht interessanteste und schlllemdste Temperament ter Ausstellung.
Endlich Hesselbart h, mit seinen Holzplastiken. ber witzige Kleinbildhauer der Elsässer; winzige Figürchen, aus sprödem Stoss mit großer Sicherheit herausgeschnitten, lebendig, beweglich, oft grotesk. Die Arbeiten sind tote ein schnörkelhaft figürliches Rankenwerk, wie ein spielerischer, grc»iöser. liebenswürdig spöttischer Zierrat im Werk der Gruppe „Arc". —
Gewisse Formatähnlichkeiten verbinden ihst mit einem Künstler, der, ohne zu ben Elsässern zu zählen, mit ihnen ausgestellt hat: F. v. Lampe. Ec bringt Kleinmalerei; allerlei Karikaturen in krausem Linienspiel, drei hübsche Farbenholzschnitte, eine Aquarellfolge mit Wandervogelmotiven und anderes.
Die Ausstellung wurde am gestrigen Sonntagvormittag bet Öffentlichkeit übergeben; für den Kunstverein sprach Landgerichtsdirektor Bücking, der in einem kurzen Rückblick zunächst aus den guten Erfolg der vorjährigen Wcih- nachtsausstellung hinwieS, sodann eine Einführung zur gegenwärtigen Ausstellung gab und Wesen unb Ziele ber ArcZBetoegung kurz erläuterte. — y —


