Ausgabe 
16.4.1927
 
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Nr. 89 Erster Blatt

IN. Jahrgang

Samstag, (6. April 1927

Erich»'»' f6gli*,eek»r Sexwta»* en»

Belta|«s: ®<e*r g*eU**MÄttrr Arme! i* Sfl» fHt Sch-«»-

2 «eichs-ark enb 2D N-tchs^Wnig ftr Träge» loh«, euch bei -lichter- schein« eu»jelnet5lum»»ni infolge HLHerer (btwalL Fer-sprechanschlssfe: 61, M enb 112 vnlchnsl ftr vrohrnach. richten. Injelgfr Olctze».

peAlcheckfonle:

JrtiHin « BUie lltM.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnd mb Derlei: Brübl'|d?c UutverstlLlr vuch unu Sicmbruderei R. Lange in Sietzen. Sdfnftkitiag uns Seschaftrstelle: Zchnlittatzt T.

SieeNe» h« «»jtii'i fit bi» lägrenn**« bi» )e» »e^ettut wb«.

Prrit ftr I e* hshe fti Ln.een 27 irrn t rnu ortl.ch 8, «eeeirU 10 Sri<b»pf tintig. ftr St- hla*»enir.cee von m Brett» 36 >i<>ch»pf »nntq. VUx^ew^rtfl »' meßt. (Tbdrrbabtfet

Di ^ntbr. 7B<Ib. Lang«. BcraniwctiU* lut Vehtdi Dr Fr TOttb- Peng«; ftr ^«tiiBctoe Dr f> Ihuuol; für d<« ibti^rn Inl ike^st BlaA»schein fir b»n Xn- |t'.g»ntril Kurt AiQtnaeii, ILmtltch 'n Biegen.

Ostern 1927.

Don St Gustav Streit mann, Reichsminister des Auswärtigen.

04 gibt feine Zeit des Iahres die In dem gleiche« Maste leben weckenden Optimismus ent- 'al)! wie die Osterzell Aber das Erwachen der Aatur geht nicht nur unter erwärmender Sonne vor sich. Sonnenstürke und Frühlingssturm ringen miteinander unÖ wer an einem lagt stosst, daß der Minter vorüber sei, wirb ost binnen kurzer Zeil nachdrücklich daran erinnert, dost erst der Kamps zwilchen Derben und Vergehen den neuen Dosten schasst. Mir scheint, als wenn der Kamps der Ratur den wir gegenwärtig erleben, auch em Dild des Kamps»- der Entwicklung ist, die wir als Deutsche iin Zusammenwirken mit ande­ren Völkern und im Innern unseres eigenen Volkes durchleben

Dem Ende des Weltkrieges folgte nach kurz verhallendem Siegesrausch die stark» Skepsis über die Neuordnung der Dinge. Die internationalen Konferenzen die erst ohne Deutschland, dann sozusagen unter Hinzuziehung des Angeklagten, dann unter formaler Gleichberechtigung und äu- deren Ehren Deutschlands erfolgten, Hab em Be- wers dessen, wie unfertig bie^Prvbleme der Staa­ten und Völker vor uns liegen. Dast in Europa der Weltkrieg für keinen Staat und kein Doll ein glückliches Greignis geworden ist. wird von allen Seiten Angegeben. Die Verhältnisse. in dieEu- ropa gestürzt worden ist, haben den Gedanken des Zusammenschlus'eS stark In den Vordergrund gestellt Man fühlt sich beunruhigt über die ge­samte weitere Entwickelung Das angebliche Mei­sterwerk her Friedensschlüsse hält schon heute der Kritik nicht mehr stand Die Unruhe, die durch den italienlsch-juaoslaw's. en Zwischenfall geschaffen worden .st. tat die G.ostmachte aus den Plan gerufen, die dafür Jorgen, dast sich hier nicht ein Feuerbrand entwickle. In dem Vierhundert- millionen-Aeich Lhina ringen neben den Gedanken nationaler Selbstbestimmung die Gewalten des Volschewismu«, und der freiwillige Verzicht der Europäer aus frühere Rechte genügt heute an­scheinend nicht mehr, um Bewegungen hintanzu­halten. deren Ausgang man um so weniger über­leben kann, als man kaum weist und nur ahnen farm, woher sie kamen. Menschen, die sich als Kenner dieses gewaltigen Landes bezeichnen, be­haupten. dast dte Auseinandersetzungen über bas neue Werden Ehlnas Jahrzehnte in Anspruch nehmen würden Von nutzen scheint es vielmehr als wenn die Dinge einen viel schnelleren Verlauf nehmen werden. Sie wirken zurück auf Englands Steilung im asiatischen Kontinent: sie können tn ihrer Folgewirfung andere Erdteile in diese Be­wegung mit hereinreisten So wird der frühere europäische Ginfluft in Politik und Wirt chatt auch von dieser Seite her in Frage gestellt nachdem es läng ft zweifelhaft geworden tft. ob Europa angesichts des amerikanischen Goldes und der amerikanischen Erdschätze und anaefichts der Amerikanisierung seiner Kultur überhaupt noch die Vorherrschest in der Welt beanspruchen kann und ob es nicht vielmehr ein dlotzer Anne« anderer, von Kriegen und zersplitterten Staaten­bildungen unbeeinflußt gebliebener Erdteile ge­worden ist Wenn man da« Wort .Revolution nicht einfach als Darrikabenkainpf aussastt. son­dern als das. was es eigentlich: Umgestaltung und Umwälzung feststehender Anschauungen und Veugestalkung der Dinge auf neuer Grundlage, dann stehen wir inmitten einer der größten Re­volutionen. die es je gegeben hat

Und Deutsche trifft diese Entwicklung in einem Zustand eben erfolgender wirtschaftlicher Ausrichtung, aber doch noch in dem Zustande mUitärikcher Ohnmacht und eines eben erst er­kämpften neuen Plattes im Rat» der Völler. Wir müssen jeden Schritt vorsichtig abwügen. den wir tun. Das ist nicht Schwäche, sondern vernünftige Ucberlcgang. die d.e Grenzen der Anteilnahme nicht Wetter steckt, als dte Kräste reichen Wir werden unsere Mitwirkung nicht versagen an allen Bestrebungen, die auf Er­haltung des Friedens gerichtet sind. Denn kein Land kann mehr verlieren durch irgendeine neue kriegerische Entwicklung als Deutschland Das gilt nicht nur für Europa, das gilt auch für di» Dinge in anderen Erdteilen. Vichts ist törichter uni) unberechtigter als irgendeine Empfindung her Schadenfreude über Schwierigkeiten, die an­deren Ländern auS diesen Situationen erwachsen. Andererseits werden wir uns nicht irgendwelchen Veweaungcn anzuschließen haben, die darauf hm- ausgehen. eilte Hegemonie Europas da zu be­gründen. wo man und als europäische Macht nach dem Weltkrieg von der Beteiligung an Vorrechten ausgeschiosten hat. Wir haben leinen Grund die Aberkennung dieser Vorrechte zu bedauern: Frei von territorialem Besitz und irgendwelchen Aspirationen auf eine besondere Vormachtstellung werden wir unteren rein wirt­schaftlichen 3nierefkn in Asien an besten zu dienen vermögen. Wir werden bcre<bigten gro­ßen Ideen erwachenden Rationalgefühls nur Sympathie entgegenbringen können, ohne damit für irgendwelche soziale Umwälzung Partei neh­men zu können. Alle untere Bemühungen müssen daraus gerichtet sein, für eine Einordnung Eu­ropas in diese Dinge uns mit »inzusehen. welche die vernünftige Aufwärtsentwicklung fremder Länder vereinbart mit guten freundschaftlichen Beziehungen zu dem Europa, das zwar nicht mehr an der ersten Stelle der Erdteile steht, aber im Verkehr der Völler nicht entbehrt wer­den kann.

Dadurch ist unsere Politll gegeben. Die Er- flänmgen über die Stellung der Deutschen Reichs-

Die Kantonregierung an die Mächte.

Schanghai. 15. April. «WB- 3n der Antwort des Ministers des Aeutzern der Kanton- regierung. Ischen, auf die Rote der Bereinig- t»n Staaten, di» sich im wesentlichen mit den ileichzeing überreichten Antworten an die andern Mächte deckt, heißt es:

Die Rationalregierung ist bereit, den gesam­ten dem amerikanischen Konsulat in Ranking zugesügten Schaden wieder gut zu machen, gleichviel ob dieser durch .Rord- rebellen" oder andere verursacht wurde. Bezüg­lich her Frage her Reparationen für persönliche Verletzungen amerikanischer Untertanen und Sach­schaden ist die Rationalregierung bereit, alle an­gemessene und notwendige Reparation zu l e i ft c n . außer in den Fällen, wo zweifelssrri bewiesen werden kann, haß sie verursacht wurden durch hie Beschießung seitens britischer und ameri­kanischer Kriegsschisse am 21 März ober durch Vordrebellen. die als Lockspitzel ßanbelten. Die Rationalregierung schlägt vor. daß die Frage der Bestrafung der Schuldigen nach Dor- liegen her Ergebnisse der augenblicklich im Gange befindlichen Regierunpsun'ersuchung chei der

Unterjochung durch eine Internationale Kommission.

die sosori von den Ifocimgtcn Staaten und der Rationalregierung eingesetzt werden soll, er­örtert wird. Die Rattonalregierung schlägt vor. haß die Unteriuchungskommilsion auch die Um­stände der Beschießung der unbefe Rig- ten Stadt Ranking durch die Flotten- streitkräfte der Bereinigten Staaten am 24 März untersucht. Die Forderung nach einer schristlichen Entschuldigung durch den Oberbesehls- haber der Rationalarmee ist gerechtfertigt, wenn die Schuld der Rationalisten für die Unruhen in Ranking bewiesen wird. Die 'Äatlonalrcgicrung schlägt daher vor. sür die Frage der Entschul­digung ebenfalls dte Klärung der Schuldfrage. fei es durch di» augenblitflid) im Dang befind­liche Regierungsuntersuchung, oder durch die vor- geschlagene internationale Kommillion. abzu- warten. Inzwischen wiederholt die Rationalregie­rung den Ausdruck des Bedauerns wegen her Verletzung de» a mer I f a-wi <d)tn Konsulat« in Ranking

Die TTcttlonalreglerung al» oerantwor'.lich» Be- hörbe billigt nicht, baß in Irgendeiner Gestalt gegen bas Geben und Eigentum von ttutlänbern

Gewalt angeroenbet ober agitiert wirb

Die Behörden her Jlationaiarmee werden ange- Wielen werden, darauf hinzuwirken, daß wirk­same Maßnahmen getrosten werden, um Aus­ländem angemessenen Schutz zu gewähren Die Rationalregierung würde es jedoch an Offenheit fehlen lassen, wenn sie es unterließen, zu betonen, baß nach ihrer Ansicht

die unbilligen Verträge die bauplgefaßt für ba» Geben und Eigentum ber fluolänber in China bilden.

Die Rationalregierung ist daher gern bereit. Delegierte zu ernennen, um mit den Vereinigten Staaten eine befriedigende Regelung der zwilchen Rationalchina und Amerika schwebenden Fragen und Meinungsverschiedenheiten herbeizuführen unter Bedingungen, dte die rechtmäßigen Inter­essen beider Länder und die Gegenseitigkeit ihrer Beziehungen sichern.

Höchst unbefriedigend.

London. 16. April. (WTB. FunNpruch., Morning Post- meldet aus Peking: Die

Protokollmächte hielten gestern eine Sit­

zung ab. um die Antwortnote Ischen« zu erörtern. Zuverlässig totrb berichtet, daß die Antwort höchst unbefriedigend besunden und der Beschluß gefaßt wurde, die beteiligten Regierungen zu betragen, welche weiteren Schritte getan werden sollen, um Genugtuung zu erhalten

Keine Repressalien Amerikas.

Washington. 15. April. (WIB) Das Staatsdepartement Hal bisher eine Äeußerung über die Antwort der Kanton­regierung abgelehnt. In unterrichteten Krei­sen wird jedoch crflärt. die Lage sei jetzt noch verwickelter, da di» Militärs aus der Rankinger Konlerenz sich mit der Hankaucr Re­gierung. die unter kommunistischem Einfluß stehe, überworfen hätten. Die Regierung der Bereinig­ten Staaten werde wahrscheinlich die Antwort des Kanioner Generals Tschana abwarten. Sie beabsichtige jedensalls feine Repressa­lien und würde sich an einer etwaigen eng­lischen Straserpedl11 on nicht be­teiligen.

Französische Stimmen.

Pari«, 16. April. (WIB. FunkspruchsSo­weit die Presse zu der noch nicht im Wort­laut vorliegenden Antwortnote Tschens Stellung nimmt, kehrt der Gedanke wieder, daß die Rote ausweichend gehalten fei Das .Journal" schreibt, die Eh'.nesen hätten ihre alle Tradition verleiignen müssen, wenn sie eine derart gc Ge­legenheit. Zwietracht zu säen, vorübergehcn ließen. Rach der .Ere Rouvelle" sei wen.g Aussicht vorhanden, baß di» Antwortnote eine ernstliche Di-kuss.onSgrundlaae abgeben werde Die Lösung des Problems liege übrigens nicht in Pans, sondern in London, und die hort gen osfiziellen Kreise zeigten kein Entgegen­kommen. Dielleich« wäre es gut. wenn man in Asien den Ereignissen freien Lauf lassen würde und gewisse Großmächte ihre Bestrebungen allein verfolgen ließe. Schließ!.ch schlägt das Blatt eine große Pariflc-Kvnsermz vor.

Ein amerikanischer Zerstörer im Feuer.

Washington. 15. April <DB.) Das Marinedepartement gibt bekannt: Der Zerstö­rer der Bereinigten Staaten .John Ford" 1c. erte Schrapnells gegen chinesische Rordtruppen und brachte das Feuer zum Schweigen, das diese gegen den Dampfer der Standard Oil Evmpanh .Zion" richteten.

Amerikanirche Verstärkungen für Hankau.

Was hing ton, 15 April. (WB.- Sm Kreuzer und zwei Zerstörer sind auf bringenden Wunsch der amerikanischen Handels­kammer in Hankau dorthin entsandt worden

Dorrücken

der chinesischen Vordiruppen.

Paris. 15. April (WIB) Havas meldet aus Schanghai, das allgemeine Vorrücken der Rordtruppen bestätige sich In Schang­hai sei die Lage trotz der Agitation, die unter den Arbeitern ort rieben werde, ruhig.

regierung zu den Vorgängen bi der ^ell,. die Ich als Außenminister in meuter letzten RcichS- tagsrede zum Ausdruck brachte, haben mit weni­gen Ausnahmen hierin allgemeine Zustimmung gesunden. Viel schwerer ist cs. eine ^*£ereinftini- mung zu erzielen in bezug aus die Politik. die wir seit Locarno getrieben haben. Richt daß Locarno selbst als Tatsache und Grundlage der Politik umstritten wäre, wohl aber die Methoden, die zu Locarno und von Locarno zur Gegenwart führten. Mir 'chetnt vieles an dieser Kritik un­berechtigt. weil fic die Zeiträume mit zu ge­ringen Matzen mißt und weil man nicht verlangen kann, daß jede dveimonatlich« dufammenlunft der Außenminister der beteiligten Staaten große Ereignisse schasst. Wenn ich an die Eingangs­worte anknüpsen darf, so darf ich darauf Hin­weisen. daß ich wenige Tage nach meiner Ruck- febr von jener Denier Tagung, bei ber in Thviry die Gesamtlöiung der Fragen angefnebt wurde, d.c zwischen Frankreich und Deutschland stehe-, davor gewarnt habe. Rückschläge für ausgeschlos­sen zu hallen, und »s vielmehr als gerade in der Ratur der Politik liegend bin ft rille, daß jedem Dorwärtsschreiten auch ein Rückschlag folgen wird. Auch m dieser Politll wechselt die Sonne mit unfreundlichen Regenschauern und mit Sturm. Wir haben eine Form des Investigation«Proto­koll« gehmben. die eine Verbesserung gegenüber früheren Beschlüssen des Völkerbundes ist. Die Militärkontrollkvmmission hat Berlin veriasten. Die letzten französischen Truppen werden dvn- nächst das Saargcbtet verlassen. Aber wir leben aus der anderen Seite ein ungerechtfertigtes Mißtrauen gegenüber der ruhigen Bevölkerung der Saar in ber Forderung eines, wenn auch nicht mllitärisch ausgezogenen VahnfchufeS, Wir sehen im Rheinland eine bewaffnete Macht, bie «ne völlige Anomalie darstellt zu der getarnten Si­tuation in Europa. 3a, wir sehen bis heute ni<fct. daß die Erklärungen, die in einer seieri.chenRote der Briayungsmächte über die fühlbare Herab­

setzung der Besatzung abgegeben wurden, bis zur Stunde durchgelührt wären.

In Deutschland .st der Dedanke der Ver­ständigung und der Mitwirkung am europäischen Frieden Gemeingut aller oemunltigen Leut» ge­worden. Wan Darf aber dies» Einstellung nicht dadurch auf e ne zu starke Probe stellen, daß man dem Vertrauen Deutschlands in die Rot- wendigkeit der friedlichen Entwicklung das Miß­trauen und l 7-:ng dcr Furcht vor

Deutschland entgegrnftellt. d.e in den Tatsachen fe-.nerlei Berechtigung finden. Es wäre das beste für die Entwicklung bet Verhältnisse der Welt, wenn in den Rheinlandfragen die Initiative freiwillig von der anderen Seite ergriffen und durchgefuhrt würde ES ist nicht nur Deutschland, das rin Interesie am europäischen Frieden hat Jeder feiner Verantwortung bewußte Staats­mann. jedes Boll muß wissen, was neue Ver­wirrungen in Europa bedeuteten. Wan Hal Deutschland aufgerufen an der Fr.edenS«ich»rung nn tzu arbeit en. Damit läßt sich die Aufrechterhal­tung der fremden Besatzung auf deutschem Boden nicht r er einen. De letzten Monate haben uns vor Zwifchensällen bewahrt. Aber niemand ist sicher davor, daß sie nicht eines Tages toiebet- fomrr.cn und Entwicklungen beeinflußen und hem­men. d.e von allen als segensreich empfunden werden, Entwicklungen nämlich, die in einem Zusanrrnenwirken bet europäischen Großmächte aut der Grundlage einer Derständigung zwischen Frankreich und Deurschland die alle, na» Garan­tie für die poitsche und wirtschaftliche 2Uif- critchung Europas geben, die ohne diese Grund­lage nicht, erfolgen wird. So gering die mili­tärischen Kräfte Deutschlands sind, so stark ist doch schließlich die Geltung des deutschen Volkes in feinet euror-äi'chen Griamthe l. Wir wollen sie einfetzen bür den Frieden, aber wir werden sie nur mit ihrer vollen Bedeutung e nletzen kön­nen. Wenn w.r Frieden und Frc.he.t von frem­dem Druck endlich erreichen im eigenen Lande.

Die Ausersteyung vemschlünds

Bon Staatsmlnlster a D. Sa » mIsch.

Präsident des Rechnung»kwfes d-s Seuifiben Rrickes

Zu Ostern darf auch btt Politiker ßi» Sorgen htr Tagesarbeit zurücktrelen lassen. Da ür ha er die Pflicht gegenüber allen skeptischen vier re h- mitzischen Auffassungen über Deutsch and» Ge­genwart und nächste Zukunft einen g unten Op­timismus den Weg zu bereiten. Ungeachtet aller innen- und außenpolitischen Schwierig!.i«.en i. der Deutsche txm dem Willen zum Optlmts us erfüllt sein und aus ihm bie Straft zur zähen Weiterarbeit an dem Wiederau"! ei se r.e» Va­terlandes fchöpfen Aber ist für einen solchen vom Willen diktierten Optimismus auch die er­kenntnismäßig» Unterlage zu finden? Ist der Glaube an d.e Auferstehung Deutf.? an's aus der Wlrllichkeit des GrichchciiS zu re t »iügen? Richt aus einem Augenbl'cksbilb unterer Ge- famtlaec läßt fidb die Antwort auf diese Frage gewinnen. Sie kann sich vielmehr einzig u d allem stützen auf bie Beobachtung von Ätäftra, die im Tiefsten und Innersten unteres V?l.'es tätig find und immer me!)r zur äuficren Wirku g gelangen. Richt fchlagwortartig sei ber T ^>us des deutschen Menschen umrissen. Au > tei das wertvolle unteres inneren Wcfens nicht In einen künstlichen Gegensatz zu den Ligenfchasten an e er Rationen gebracht. Letzteres fcdon um beJirl en nicht, well der Deutfch» immer mehr hinein.» t U wirb in die Verflechtung des Lebens aller Kul- turnationen und er den Willen baßen muß, den Maßstab für sich an den Maßen anderer Völker zu meften.

Wenn ein Politiker, betten lät gleit vor­wiegend an die Sitzungssäle und Schreibstuben der Reichshauptstadt gebunden ist, zuweilen fern von den Akten mit dem wirklichen Leben unteres Volles in unmittelbare Fühlung tritt, fo wird ihm dies zum Erlebnis Gleich dem Antäos, der durch Berührung mit feiner Mutter Erd» seine Kräste erneuert sühlte, gewinnt er aus den täti­gen Krästen des Volles eine Erneuerung und Steigerung ber eigenen Arbeitskraft und den festen Willen, Herr zu werden über alle Wiber- nisse und Sorgen der Tagesarbeit Worin beruht diele Äraftauelle? Allgemein läßt es sich ettoa so beulen. Wo wir den Deutschen tn -ielftr» t er Betätigung «Inden da sehen wir fein. Tun be­herrscht von seelischen und geistigen Kräften' fie weilen ihm den Weg. regen ihn an au gestei­gerten Leistungen und verheißen ihm in k rem Wirfungskreis Srfclg Die Zusammensührung von Erkenntnis und Handeln, von Wis» senschast und Prarts ist Parole Dazu tritt der vcrpslichtend» Gedanke, daß jeder Hin-e ne nicht allein sich und feinem Interesfenkre s gehört, sondern mit seinen Zielen sich dem Ganzen einzuordrien hat Sind das aber venolrNicht« Ideale? Sind »s nicht etwa nur Forderungen, bie gar nicht erfüllt werben? Hierzu nur einige anbeutenbe Hinweife

Ein sinnfälliges Beifpiri für die Hmleßung von Erkenntnis in Handeln tft die ziekstrebenbo Förderung der pfychischen und phyfifchen Ge­sundheit unseres Dolles durch die Begünstig! n«j her Leibesübungen mit den verschieben st en Mitteln. Don Auswüchsen abgesehen, bie aber auch im allgemeinen einer anderen Lobens- Iphäre angchören. ist die sportliche Betätigung, wie wir fic immer meßt auf den von den ösirnt- I.chen Körperschaften berritgestell!en Spielplätzen in den Freistunden und Feiertagen In höherem Maße als vor dem Kriege sehen können, eines der erfreulichsten Bilder unseres Dolkslebens. Denn erzieh! nicht der Sport zur Selbstüber­windung. zum Anspannen aller Kräfte, zur Be­herrschung von Erfolg und Mißerfolg, zur An­erkennung feibftgewäßlter Gesetz» und zur Kame­radschaftlichkeit. einer Grundlage unseres so­zialen Leben«? Auch kann die vorfxragenbe Wir­kung gegenüber Krankheiten, vorzeitigem Altern unb anderen ungünstigen Einflüssen noch dem Urteil unterer ersten Mediziner nicht hoch genug gewertet werden! Hervorgehoben seien in diefem ,J,u,amnienbang auch die Fortschritte der ärzt­lichen Wissenschaft friber, die wie die Essener Woche der Rotgemrinfchaft der Deutschen Wlflen- fchast gezeigt hat. nicht nur immer mehr in Me Tiese bringt, sondern in ihrer Wirkung auch tn die Breite geht.

Die eben erwähnte Rotgemeinschaft der Deutschen Disfenschaft. die soeben ihren fünften Bericht der Otffcntlt4)fci! über­geben hat. zeigt un« ganz allgemein, tote ziel- ftrebendc Zufammenfasfung aller verstreut wirken­den Kräfte unter großen Leitgedanken eben dem »inen fruchtbar werden kann: durch Belebung her wiffenlchaftlichev. Forschung mit öffentlichen Mitteln planmäßig aus ihr das herauszuholen, wo» für bie Praris bedeutsam ist Hier gilt es auch, manchen Vorsprung wieder einzuholen, den da« vielfach mit reichlicheren Mitteln arbeitende Ausland in den letzten Jahren, wo Deutfchiand bamtcberlag. hol erringen können. In der gleichen Richtung arbeiten die in der erfreulichsten Ent­wicklung begriffenen Institute der Kalfer- Wilhelm-Defellfchaft. Reine wissen­schaftliche Forschung hat hier ihre Stätte: ihre Ergebnisse kommen, soweit sie prattisch auswertbar sind, zunächst der Industrie, immer mehr aber auch der Landwirtschaft zugute: zugleich wird hier auf geistige« Gebiete die fruchtbringende Verknüpfung internationaler Beziehungen ge­fördert.

Die viel haben wir aber gezab: auf Lern Gebiet ber technischen Auswertung wissenschaft­licher ForschmigSergebnisfe hervorragenden Fvr- I schem tn den letzten Jahren zu verdanken. Er-