Nr. 63 Erstes Blatt
177. Jahrgang
Mittwoch, 16. März 1927
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Dr Fneür Wilh Gange. Verantwortlich für Polmk Dr Fr Dilh Gange, für Feuilleton Dr H.Tdyriot; kr den übrigen Teil Ernst Viumfchein- für den Anzeigenteil L Verlr H Beck, fümtlich in Diesten
Der Kabinettsrat.
,'^slimmungdeßSicjchtzkabinfltSzumGcnfcr Ergebnis.
Berlin, 15. März. Amtlich. 3n dem heute unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräfiden- t e u abgcballrucn ftabinellsrat berichtete Reidjs- außenmivister Dr. Slrcfemann über die auhen- polltifche Cage und die Verhandlungen des völker- bundsrates in Genf. Nach eingehender Besprechung, bei der insbesondere die Nechtsaussasiung geteilt wurde, wie sie der Außenminister in Gens bei den Deutschland berührenden Fragen vertreten halte, stimmte das Kabinett dem vorliegenden Ergebnis der Gcnser Tagung einmütig zu. Zu dieser amtlichen Mitteilung bemerkt die „lägt Rundschau", dost das Kabinett ebenso, wie es der Reichsauhen- minisker in Gens betont hat, für die Einrichtung eines Bahnschuhes im Saargcbiet im Versailler Vertrag feine Begründung gegeben sehe. Aus denselben Gründen, die auch für die deutsche Delegation maßgebend gewesen sind, habe jedoch das Kabinett sich mit dem Ergebnis der Genfer Ratstagung einverstanden erflärL Rach einer den Deutschnationalen nahestehenden Korrespondenz besteht unter den Parteien der Regierungskoalition die Absicht, Im Interfraktionellen Ausschuß eine Aussprache über Genf herbeizurühren, um sich vor der Debatte im Auswärtigen Ausschuß und •m Plenum des Reichstages grundsätzlich zu verständigen. Auch die Meinungsunlerschiede auf innerpolitischem Gebiete dürften, wie in der „lägt Rundsch." ausgesührt wird, bei gutem Willen von den Regierungsparteien überwunden werden, von polnischer Tragweite seien diese Differenzen nicht
Der Pariser Ministerra».
Paris. 15. Mär-. (Havas.) 3m französischen Ministerrat hob BrianD den durchaus befriedigenden Charakter der Genfer Völker- bundsratötagung hervor, besonders lvcgen der in der oberfchlesischen Schulfrage und der Verwaltung und Polizei des Saargebiets getroffenen Entscheidungen. 3n der Frage der Rhein- landräumung, die Dr. S.resernann in der nächsten Tagung des Völlerbundsrotes zu fordern gedenke, werde Frankreich seine in Ärafi befindlichen Rechte aus dem SicherheUs- und Reparationsproblem geltend machen.
Gegen die Rheinlandräumung.
Paris, 1t März (WLV Funkspruch.) Die Dorsihenden der französischen Handel S k a m m e c n, die 120 französische Handelskammern vertreten, haben gestern in ihrer Generalversammlung eine Entschließung angenommen. in der sie unter Hinweis auf die günstigen, hon der Regierung der nationalen Einigung getroffenen Maßnahmen fordern, d c bis jetzt befolgte Politik f o r t z u s e st c n. die die Wiederaufnahme der Geschäfte ermöglicht u.id zur Intensivierung der Produkt on und Behebung der Arbeitslos igle i t und zu einer Verbilligung dcr Lebenshaltung fuhren werde. Die Versammlung schließt sich, in der Annahme. daß keine wirtliche Prosperität gesichert werden tönne. ohne daß die Frage der Integrität des französischen Vodens gesichert sei. den Vertretern der Handelskammern des Ostens an. um zu fordern, daß unverzüglich dir für den Schutz der französischen Grenze un- erlästlichen Arbeiten unternommen würden urch daß bis dahin die Rheinlandbesatzung nach den Bestimmungen des Friedensvertrages die Rheinlandbesetzung aufrechterhalten werden müsse
Die DreimächteKonserenz.
Die Vertretung der Vereinigten Ltaatcn.
Washington. 15. März. ' <WLB.) Die Rachrichten aus Par.s, dasi Frankreich die amerikanische Einladung, sich auf der Genfer Drei- mächtekvnferenz über die Flottenabrüstung durch einen inoffiziellen Deobachter vertreten zu lassen, annehmen dürfte, sind hier mü Zufriedenheit aufgenommen worden. Rach einer Meldung der „Svcning Post" wird hier erwartet, daß Präsident Coolidge den ehemaligen Staatssekretär Hughes ersuchen wird, die Führung der amer;- kanischen Delegation zu übernehmen. Cs wird betont, daß die Bedeutung der Dre.machte- konferenz es wünschenswert mache, das, Amerika von einer Kommission vertreten wird, die der- jetzigen zur Washingtoner Abrüstungskonferenz ähnlich ist. Ferner wird aus die Londoner Meldung hingewie^en, das; der Erste Lord der Admiralität, Bridgeman an der Konferenz teil- nehmen dürste. Daraus ergebe sich, daß England hervorragende Vertreter entsenden werd«. Frankreich und die Zeeabrüftung. Tic Pariser Presse zur amerikanischen Note.
Daris, 15. März. (MTB.) Die Morgenpresie bespricht zum Teil schon die amerikanische Aufforderung an Frankreich, einen Beobachter zu der vorgesehenen Drei Mächte sponseren; für die ceeab- rüstung zu entsenden. Der Außenpolitiker des ..Journal" schreibt, die Gefahren, die Frankreich bisher beunruhigt hätten, seien nicht ausgeschaltet. Ein Beobachter werde von vertraulichen Beratungen nicht unterrichtet sein, deren bedenkliche Folgen man von der Washingtoner Konferenz kenne. Der Nachteil würde fein, daß der Beobachter in ge^ Heime Machenschaften hineingezogen werde. Äm klügsten wäre es, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Scheitere die Konferenz, so wäre die Teil-
Der Kampf der Länder um den Manzaurgleich.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers'.
Berlin, 16. März. Die AuSeinanoerfeyung über Die Vorschläge zum Finanzausgleich bietet ein seltsames Bild. Denn über die einzelstaatlichen Deschwcrden hinaus, die sich gegen eine Bevorzugung Bayerns und einiger anderer Länder zum Qladjteil Preußens. Sachsens. Hamburgs, also insbesondere der industriellen Reichsteile richten, tritt hier das merkwürdige Bild in Erscheinung, daß die Länder sich gewissermaßen als selbständige Rechtspersonen gegenüber einem außenstehenden Schuldner, dem Reiche, gebärden. So. als ob nicht dieses Reich die Gesamtheit der Länder darstellte und außerhalb der Länder eine leere juristische Form ohne konkreten, sachlichen Inhalt bildete, sondern als ob es ein fremder Staat wäre, mit dem man auf Grund von Verträgen oder andern Rechtsverhältnissen eine große Rechnung inS reine zu bringen hätte.
Wäre die letzterwähnte Fiktion zutreffend, dann könnte man es zur Rot gelten lassen, daß Aufwertungsansprüche. EntschadiAungssorderun- gen u. dgl. in unbegrenzter Höhe ohne jede Rücksicht, auch ohne die humanitäre Rücksicht auf das Wohl der Steuerzahler dieses fremden Schuldnerstaates erhoben werden, und man könnte sich denken, daß dieser Schuldner bei entsprechender Schwäche seiner Position und bei mangelnder Unterstützung fcr.tte Mächte den Forderungen seiner angeblichen Gläubiger nachgäbe. Aber das hier gebrauchte Vild. das nur in seiner Vereinfachung eine geringe Ueberirc.bung der tatsächlichen Verhältnisse enthält, trifft doch auf den wirklichen Sachverhalt in keiner Wei, e au. Denn das Reich ist nichts anderes als d i e Summe der Länder, und jede Bevorzugung eines Landes geht nicht auf Kosten des Reiches, sondern auf Kosten der andern Länder: das Reichsganze nimmt daS Geld zur Ve- friedigung der einzelnen Ländersorderungen aus der einen Tasche, der des Gesamtaufbringens der Steuerzahler sämtlicher Länder, um es in die andere Tasche, die des bevorzugten Landes zu stecken und damit für die übrigen Länder die verfügbare Summe zu vermindern.
<iä ist deshalb durchaus begreiflich, daß sich Preußen Sachsen, Hamburg usw. gegen eine Mehrleistung an Bayern, Württemberg und Baden wehren. Rach den Darlegungen dcr Kritiker kostet Der Ausgleich in Der gegenwärtig geplanten Form runD 400 Millionen zugunsten Der bevorzugten Länder: nimmt man Die Größen- vcrhältnlsse in Betracht, so ist Preußen mit 60 Proz. d.h mit 240 Millionen an dieser Vergünstigung der süddeutschen Länder als zahlende Partei beteiligt, während die Rutznießer- Läuder selbst nur 80 Millionen von diesen 400 aus ihrer Bevölkerung beizusteuern haben. Gegenüber diesen grundsätzlichen Feststellungen kann
Die von Den Kritikern deS Ausgleiches aufgeworfene Frage ganz außer Betracht bleiben, in welchem Maße Die einzelnen bevorzugten und benachteiligten Länder dem Reichsga.tzen gegenüber größere oder geringere Ansprüche auf Berücksichtigung ihrer Kriegs- und InflationSschä- den, auf Ersatzleistung für Gebietsabtretungen und dgl. haben: denn dieser Gesichtspunkt werd vielleicht biS zu einem gewissen Grade wieder aufgehoben dadurch, daß z. D. Die Biersteuer- EnlschäDigung. Die für Bayern 27.8, für Württemberg 5.333 und für Baden 3,555 Millionen mehr betragen soll, angesichts des größeren Dier- konsums, besonders in Bayern eine gewisse Logik enthält. Aber das grundsätzliche muß zunächst ausgetragen werden, bevor ein Ausgleich, Der so umstritten ist. gesetzgeberisch weiterbehandelt wird.
Bayerns Forderungen
Aus dem Lleucrausschutz des Reichstages.
Berlin, 15. März. (DDF.) Dcr Steueraus« schuß des Reichstages setzte heute die Beratung des vorläufigen Finanzausgleichs fort
Abg. Nolte (Wirtschaft-Partei) lehnte die Der- längerung des Finanzausgleichs um zwei Jahre ab, das höchste sei ein Jahr. Er forderte das Züsch l a g s r c ch 1 der Länder und Gemeinden, damit dieser wieder für ihre Finanzen verantwortlich werden. Die G e m e i n d e g e- tränke st euer müsse verschwinden. Die Real- ft e u e r müsse in ein vernünftiges Verhältnis zur Einkommensteuer gebracht werden. Die f) a u s • Ains ft euer könne man um 600 bis 700 Millionen senken, wenn man sie nur zur Ermäßigung der Hypothekenzinsen verwende, wie dies bereits in Köln geschehe. Die Mieterhöhung müße wenigstens zum Teil den Hauswirten zugute kommen. Die Wirtschaftspartei habe der Regierung das Vertrauen ausgesprochen: warum habe man sich daher mit ihr nicht vorher über den Finanzausgleich ver- ständigt?
Preußischer Iinanzminifter Dr H ö p k e r ■ Aschoff begrüßte ten Gedanken, die Real- steuern zu senken, aber gerade unter diesem Gesichtspunkte sei die Beseitigung der gemeindlichen Gettänkesteuer besonders bedenklich. Die b a peri j d) c Biersteuerentschädigung fei eine Reichs frage. Die gegenwärtigen finanziellen Schwie- rigkeitcn Bayerns dürfen nicht zu einer ungc rechtfertigten Bevorzugung durch Zah- lung einer unverhältnismäßig hohen ewigen Rente führen, wie sie das Kompromiß der Regierungspa r- teien oorschlägt. Nach Auffassung Preuyens bedürfe die Erhöhung dcr Bierstcuercntschädigung einer Zweidrittelmehrheit. Wenn das Reich bereit ist, den Ländern mehr zu geben muß Preußen auf eine gleichmäßige Behandlung und Berücksichtigung der rvorderungcn aller Länder entscheidendes Gewicht legen.
Reichsfinanzmini ft er Dr. Köhler betonte: Bauern und Württemberg haben aus der Postabfindung einen Anspruch aus Zinszah- lung, die gegenwärtig ruht. Wir verhandeln >etzt mit Bayern darüber, was den 640 Millionen Posiab- sindung des Jahres 1920 heute entspricht. Wenn wir entsprechend dem Dorschlage Preußens zur gegenseitigen Aufrechnung schreiten, werden nur auch An s p r ü d) e des Reichs finden. Auf die Durchführung der Realsteuergesetze hat das Reich keinerlei Möglichkeit einzuwirken. Wir beabfidjti- gen aber, in dem Reichsrahmengesetz für die Grund- und Gewerbesteuer eine Grundlage zu schaffen.
Abg. Pfleger (Bayr. Vp.) erkält. von Sondcrveryandlungen mit Bayern könne gar leine Rede fein. Die Regelung Der Di erst euer 1925 sei nur unter Vorbehalt erfolgt. Bayern könne allo noch neue Ansprüche geltend machen. Der OleDner spricht seine Befriedigung Darüber aus. daß auch Der Sozialdemokrat Dr. Hertz die Gemeiirde- gctränkesteuer als unentbehrlich bezeichn.! habe. Man könne sich allerdings den Bedenken Der Gewerbetreibenden nicht ganz verschließen. Vielleicht könne man die Steuer wenigstens für V-.r schon bei den Brauereien zusammen mit der Berste uer bzw. bei dem erheben, der daS Bier in Die Gemeinde einführt.
Staatsrat v. Wo 1 ss erklärt. Bayern habe eine Erhöhung des Anteils Der Länder an Der Einkommen- und Körperschaftssteuer von 75 auf 90 Proz verlangt und Halle daran fest. Die 45 Millionen Biersteuer für Bayern sollen durchaus feine ewige Rente fein, sondern nur eine Hüchstgr. ize. Maßgebend bleibe nach tote vor d'r Prozentsatz Der Beteiligung Bayerns an Der Viersteuer
Abg Seiffert (Völk.) lehnt ein weit Provisorium ab unD forDert einen endgültiger Finanzausgleich An Den Preisen habe man von Der Senkung Der Umsatzsteuer gar nichts gcmvft. Man solle Die Steuer wieder erhöhen Auch S-kt- fteuer und Vrannttoeinmonopol könnten mehr erbringen. Die HauszinSsteuer müßte abgefcfcaffl werden.
Abg Keinath (D. Vp.) verlangt einen V e- ginn der öteuermil&erung. Auch Der Abbau Der Real steuern nxrrDc erst Durch- geführt werden, wenn daS Reich einen Druck ausübe. Der Redner begründet feinen Antrag, der nur eine Sollbestimmung vorletzt. macht fedvch darauf aufmerksam, daß diese milde Form mir bestehen bleiben könne, wenn die Länderregieruu- gen befriedigende Erklärungen abgebcih Die Deutsche Volkspartei mache jedoch Davon ihre Stellungnahme abhängig
Preußischer Landtag.
Berlin, 15. März. Aach etwa dreiwöchiger Beratungspause nahm Der Preußische Landtag heute seine Plenarsitzungen wieder aus. Als einziger Punkt stand auf der Tagesordnung Die 'Be
nähme unnutz, habe sie Ergebnisse, so sei es immer noch Zeit, zu prüfen, ob Frankreich sich ihnen an- schließen könne. Der „Gaulois" schreibt, Frankreich würde seine überseeischen Besitzungen koinpromiitieren Durch Ausgeben seiner Hauptthese von Der Verbundenheit Der Bewaffnung zu Land, zu Wasser und in Der Lust und von den „potcntielx de guerre Das „Oeuvre" nennt Das Problem der Entwaffnung ein unteilbares Ganzes, Das in seiner Gesamtheit allen Ländern gemeinsam sei. Das Blatt lehnt die Beteiligung an der Konserenz ab. Der „Temps" schreibt: Man kann incht die Auffassung vertreten, daß einigen großen Seemächten allein die Entscheidung über die Be- hcrrschung des Meeres nach ihrem Belieben zuer- ieilt wird, da vom Meere die Unabhängigkeit, ja die Existenz aller zivilisierten Nationen abhängt. Es ist auch nicht möglich, eng miteinander die Sec- und LandrÜstungen zu verbinden, menrt man anerkennt, daß man Dem „polenticl de guerre" aller Nationen Rechnung tragen muß, um in gerechter Weise die Aktionsmittel feder Nation einzuschränken. Hierin liegt die entscheidende Einwendung gegen die amerikanischen Vorschläge. Es erscheint schwierig, daß Frankreich irgendeine moralische Verantwortung übernehmen kann, dadurch, daß es sich einem derartigen Unternehmen anschließt.
Das „3ournal deS Debats" schreibt: QBerm die französische Regierung glaubt, einen Beobachter zu Den Beratungen Der Seeabrüstungskonferenz entsenden zu sollen, wird sie ihm vvr- schreiben müssen, die größte Reserve zu betoabrer. um alles zu cermeiDen, was alS eine Zustimmung erscheinen könnte, llebrigeitS wäre es unter Diesen ÜntftänDen ein Vorteil, wenn Frankreich Durch einen Marinesachverftän- Digcn vertreten wäre Der in Der Lage wär.', genau zu beobachten u.iD sich gut zu informieren. „Nichts alsAnregungen!"
Ter Bericht
der Genfer Abrüftungskommijfion.
Genf., 15. März. (MTB.) Das Rats- fomitce für Die Vorbereitung Der Abrüstungskonferenz hat heute abenD feinen Bericht an Den Ra t über Artikel 11 DeS Völkerbunds- Paktes fertiggcßdll unD beschlossen, feine Tagung vorläufig zu unterbrechen Der heute genehmigte Bericht hat Den in Der Debatte gegebenen Anregungen in weitem Maße Rechnung getragen. An Den Vorschlägen zur Verhinderung akuter Kriegsgefahr, Die u. a. schleuniges Zusamrnen-
treteii Dcs Rates Durch telegraphische Aufforderung Des Ratspräsidenten. Schaffung einer neutralen Zone, See- unD LuftflotlenDemonstralio- nen vorsehen, ist inhaltlich zwar nichts geändert worden, aber Durch Die neuen Formulierungen wirD Der bindende Charakter dieser Vorschläge noch weiter abg e schwächt und die vollkommene Entschließungsfreiheit des Rates betont Andererseits wird aber auch Der Souveränität Der einzelnen Staaten, hauptsächlich aus englische und italienische Anregung hin. in erhöhtem Maße Rechnung getragen. Das gilt insbesonDere für Die neue Formulierung in bezug auf Die Schaffung einer neutralen Zone. Desgleichen tourDc Der Vorschlag von Luftflottcndcmvnstraiio- nen wesentlich abgeschwächt. inDem an die Anwendung in.der Vergangenheit erinnert und dann bemerkt wird: „Cs ift möglich, daß Luslflotten- Dcmonftrationen in vernünftigen Grenzen berncht werden können." Schließlich wird in dem Bericht unter Berufung auf Die sehr allgemein gehaltene Fassung des Arlllels 11 Der GrunDsatz ausgesprochen. Daß Der Rat im Falle DrohenDer Kriegsgefahr alle Maßnahmen ins Auge fassen kann, Die nicht als Kriegsmahnahmen gegen Den eines Vorstoßes schulDigen S'.aat auf- gefaßt werden können. Außerdem wird nochmals betont, daß alle in dem Bericht aufgezählten Maßnahmen nichts als Anregungen dar- stellen.
Lupen-Malmedy.
Zaspar lchnl jedeTcbatte über die Nnäqabc dcr deutschen «reise ab.
Brüssel. 15.März. (0B5"B.i 3er f:,ia- listische Abg. Somerhausen interpellierte in Der belgischen Kammer über Die Politik Der belgischen Reg.erung gegenüber Öen einuerleibten Kreisen Eupen unD Malmedy. M.nisterprä ident Jasper antwortete, er hätte geglaubt, daß Der VorreDner übet die Art unD V>e:le interpellieren wollte, wie Belgien Diese Kreise verwalte. Die Rede Eomerhausens entspreche aber nicht Dem Wortlaut Der Anfrage. Die Lage Der beiDen Kreile sei fest gelegt unD e n D g ü 11 i g geregelt Jasper fuhr fort: .Ich spreche im Damen uer ganzen Regierung aus, diese Kreise sind belgisch und werden es bleiben! Unter Wille in dieser Sache entspricht dem Beschluß des Völkerbundes, der festgestellt hat. daß die Volksabstimmung in den Kreisen
Eupen und Malmedy rechtmäßig und unverfälscht gewesen ist. und daß t> e deutschen Anschuldigungen Velg.enS hinsichtlich dieser Qlb- ftimmung durch nichts gerechtfertigt waren. Somerhausen will den Verialller Vertrag und das Locarnoabkommen durchbrechen Wir können ihm nicht folgen. Die Haltung der belgischen Regierung wird sich nicht durch die Haltung einer kleinen Minderheit hindern lassen, die mit den deutschen Rationalisten offenbar in Verbindung steht. Sie (Somerhausen unD feine Anhänger) sind, ohne cs zu wollen, die Verbündeten her kriegslustigen Junker."
die veutschen in Süöflmmen.
Eigener Drahtbcricht des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 16. März. Bei Beratung dc» Budgets des LInterrichtsininisters in der serbischen Skuplchtina hatte sich dec Führer der Deuiscken Partei, Dr. Stephan Krafft, für Die kulturelle Autonomie Der in Sübslaw.en lebenden Deutschen eingesetzt unD Dabei scharf die Schulpo.itil Des Winistcrs Pribitschewitsch angegriffen, Der Die WlnDerhe.tSschulen. nachdem ihre Schülerzahl künstlich heraogetzrückr worden sei. nacheinander habe schließen lassen. Pribitschewitsch hatte daraus in persönlicher- Sache Die Bemerkung gemacht. Daß Die Deutsche Minderheit in Südllawien nicht besser behandelt werden könne, alS die slawischen Minderheiten in Oesterreich und tie Wenden in Der Lausitz. Gegenüber Dieser Ungeschicklichkeit des Ministers ist Daraus hinzu- weisen, daß noch nie ein Lauscher Wende, well er seine Rationalität betont, Prügel bekommen oder gar halb tot geschlagen worden ist, wie z. B. Der AbgeorDnete Krafft im Sebruar 1926. Krafft erwiderte, die Deutschen in Südllawien feien feine politischen Geiseln. sondern gleichberechttgte Staatsbürger, die auch ohne Rücksicht auf Die WinDerheirenpolitik in anDeren Staaten ihre Rechte gcL cnD machen könnten. 3m übrigen handelt es sich bei Der Bemerkung PribitschewitschS Doch wohl nur um Die Entgleisung eines c.nzelnen Ministers, Dessen DeutschseinDlichkeit Eelannt ist. Denn in Aeu- ßerungen führenDer süDllawilcher Politiler ist Der Wunsch unD Die RotwenDig'eit einer Deutschfreundlichen Außenpolitik Sudflatoiens in der lctzlen Zeit des öfteren zum Ausdruck grkommm. Eine solche Außenpolitik kamt aber nur über eine d e u t f ch - f r e u n d li ch e Minderheitenpolitik zum Erfolg führen.


