nen Petroleumprodukten. die es jährlich braucht, bisher nur der zweihundertste Teil aus dem eigenen Boden kam. Senator Eonti ist gegen die Monopolisierung, da auch der albanische Zuschuß auf lange Zeit hinaus noch nicht ausreicht, um die Auslandprodukte zu verdrängen. 2lber entschlossen angepackt, kann die albanische Industrie zu einem Faktor auf dem Weltmarkt gesteigert werden. „ ,,,
Lind damit zu einer Gröhe in allen politischen Gleichungen. Es ist das gute Recht der Zuspät- gekommenen, am italienisch-albanischen Vertrag herumzumäkeln, aber eine Schuld als die, den andern zuvorgekommen zu sein, darf man deswegen dem aufstrebenden Italien nicht zuschieben.
s. Kierkegaard als politischer Prophet.
Im Jahre 1848 machte Sören Kierkegaard, doch wohl einer der größten religiösen Denker Europas im 19. Jahrhundert, in feinen Tagebüchern Eintragungen, die soeben zum ersten Male in Deutschland im Januarheft der »Zeitwende" lC. S). Beck in München) veröffentlicht werden und die uns heute durch ihre Weitsicht in Erstaunen sehen. Das mögen die folgenden Ausführungen des dänischen Philosophen erweisen: „Sie Frage geht weder um Einkammer- noch Zweikammer- noch Zehnkammersystem, weder um Cinsehung von Komitees noch Aufstellung von Ministern. Allerdings geht die- Frage fortwährend um nichts anderes: aber all dies ist, was die Zeit fordert, nicht, was sie in tieferem Sinn braucht. Deshalb ist selbst die Katastrophe, wie sie bisher sich gezeigt hat, nur Einleitung: denn erst, wenn man soweit gekommen ist, daß es verstanden ist, worum die Frage geht, erst dann beginnt die neue Zeitrechnung. Rings in Europa hat man weltlich, weltlich frech oder weltlich verwirrt mit steigender Leidenschastsgeschwin- digkeit in Probleme sich verirrt, die nur göttlich sich beantworten lassen, die nur das Christentum beantworten kann und die das Christentum längst beantwortet hat. Damit, daß der vierte Stand, d. h. alle Menschen das Problem der Gleichheit zwischen Mensch und Mensch lösen wollen in dem Medium: Weltlichkeit, d. h. in dem Medium, dessen Wesen Verschiedenheit ist, kommt man wesentlich nicht einen Schritt weiter, — selbst wenn alles Reisen in Europa aufhörte, weil man in Blut waten müßte, und wenn alle Minister schlaflos würben, um zu grübeln, und wenn jeden Tag zehn Minister von Verstand kämen und jeden folgenden Tag zehn neue begännen, wo die anderen stehenblieben, um wieder von Verstand zu kommen. Jedes neue Ministerium meint dadurch, däh es die Begebenheiten kaleidoskopisch in einer etwas anderen Art geschüttelt hat, das Gesuchte gefunden zu haben. Lind so kommt ein neues Ministerium, das weniger über die Bierzapfer tut, mehr für die Lichtzieher, und dann wieder mehr aus den Grundbesitzern zieht und das Proletariat mehr vorzieht, die Pfarrer den Küstern angleicht und hauptsächlich einen rundrückigen Wächter, einen schiesbeinigen Schmiedegesellen zu den geraden Menschen macht. Das eine aber sieht man nicht, daß wesentlich etwas ganz anderes not tut: Religiosität nämlich. Das Problem ist ein religiöses, ein christliches Problem und, wie gesagt, schon längst beantwortet. Denn schaff' uns die Ewigkeit wieder, die Aussicht auf sie in jedem > Augenblick, ihren Ernst und ihre Seligkeit, ihre Linderung: schaffe jeder Einzeln- die Ewigkeit ^wieder: so tut kein Blutvergießen not, und man kann auch die Minister ihren respekriven Verstand behalten lassen."
hessische LandVirtschastliche Woche.
(Von unserer Darmstädter Redaktion.)
Darmstadt, 14. Ian.
Heute vormittag sand im Rummclbräu die außerordentliche Hauptversammlung des Landesverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Hessens unter dem Vorsitz des Geheimen Regierungsrates von Hahn statt.
Kreisobstbauinspektor Metternich- Büdingen sprach (mit Demoustrationen) über die „Einführung eines einheitlichen und zeitgemäßen Obstabsatzes unter besonderer Berücksichtigung der Verpackung". Der Redner erklärte u. a.: Wenn wir unser deutsches Obst genau so in der Ausmachung verkaufen, wie das Ausland, werden wir auch dieselben Preise erzielen. Wir sind inDeutsch- land sehr wohl in der Lage, dieselbe Qualität von Früchten zu bieten, wie das Ausland. Mit dem bisherigen Packmaterial, zumeist Körben, die schon einmal gebraucht waren, kommen wir nicht weiter. Die Ansprüche der Verbraucher haben sich gesteigert. Der Verkäufer muh jetzt auf die gesteigerten Wünsche der Käufer eingehen. Zunächst ist eine Werbung notwendig, damit der Verbrauch deutschen Obstes wieder zunimmt. Ferner muß eine Hmftellung in der Beschickung des Marktes vorgenommen werden, und zwar durch bessere Sortierung und Verpackung. Der Obstzüchtcr darf nicht mehr Schauware bieten, oben die größeren und unten die kleineren Früchte. Notwendig ist die Schaffung von Zentralstellen zur Obstverwerlung. Es wird jetzt eine Obstverwertungszentrale ins Leben gerufen. Ferner werden von dieser Stelle 'Beerensäfte bereitet, auch Beeren- und Apfelweine sollen hergestellt werden. Weiter ist die 'Verfertigung von Halbfabrikaten und die Bereitung von Edel- branntweineu ins Auge zu fassen. Anschließend an die Zentralstellen sollen noch Bezirksstellen eingerichtet werden, etwa zur Verpackung. Für eine richtige Sortierung empfahl der Redner, das Obst nach der Ernte sofort in bestimmte Latten- krsten zu verpacken und nicht erst in Hausen aufzuschütten. Größere Lagerräume müssen ge- schassen werden sowohl in Bezirken wie an den Zentralstellen. Rur auf diese Art werde man in der Lago ,-in bai Obit in bet günstigsten Zeit auf den Markt zu bringen und einen höheren Preis zu erzielen Als Verpack ungSgefäh kommt nur die Elnheitskiste in Betracht. Sic ist in Ausmaß und Fassungsvermögen der ameriLmi- schen Kiste nachgebildet. Ein Verkauf von Obst in Körben erbrachte nach einem Beispiel, das der Vortragende mitteilte, rund 23 Mark im Durchschnitt, aber 35 Mark bei Verpackung in Kisten. Für den Postversand wird eine flache Kiste verwandt. Der Vortrag wurde sehr beifällig auf genommen.
Kreisobstbauinspektor Mazarin hielt hierauf einen Vortrag über: „Sic Sorten -
beschränkung, ein Ziel zur Hebung des Obstabsatzes". Der Redner zählt zunächst eine Reihe von Rachteilen auf, vor allem die Heberzahl von Sorten, die dem Obstbau geschadet haben. Das Ausland hat sich demgegenüber auf wenige Sorten, namentlich solche mittlerer Größe und gefälligen Aussehens beschränkt. Der Redner beschrieb im einzelnen, welche Forderungen an das Obst heutzutage gestellt werden müssen, die je nach der Art des Verwendungszweckes verschieden sind. Er erörterte die Frage, wann frühe oder späte Sorten vorzu- ziehen sind. Frühsorten sind vor allem lohnend in der Rähe größerer Städte. Sie Gemeinden und Gegenden, die bevorzugte Lagen und Absatzmöglichkeiten haben, müssen unter Führung der Landwirtschaftskammer oder der Ausschüsse ge- markuugsweise Hmpfropfungen der Odstbäume vornehmen, wozu wenige aber geeignete Sorten zu wählen sind. Wichtig für die Entscheidung, ob Früh- oder Spätsorte, ist das Zurateziehen einer phänologischen Karte. Der Kleinobstbau ist in den Grohobstbau einzugliedern. Bei der Erwähnung der geeigneten und anbauwürdigen Obstsorten bezog sich der Vortragende im wesentlichen auf die von der Landwirtschaflskammer festgestellte Liste und wies empfehlend auf besondere Sorten hin. In seinen Schlußworten betonte der Vortragende den Wert einer großzügigen kaufmännischen Organisation für die Obstverwertung. wie sie das Ausland bereits hat. Auch dieser Vortrag war von lebhaftem Beifall begleitet.
Amtsgericht Gießen.
Gießen, 12. Jan. Ein Hauseigentümer von hier, der mit einem seiner Mieter Streitigkeiten hatie, schrieb diesem einen Brief, in dem er u. a. ausführte, er habe seine Unverschämtbeiten längst satt, vielleicht werde ihm sein Verleumdermaul einmal gründlich gestopft, man sei ja an seine Gemeinheiten gewöhnt usw. Der Mieter ließ sich diese Liebenswürdigkeiten nicht gefallen, sondern erhob Prioatklage wegen Beleidigung. Vor Eintritt in die Hauptverhandlung schlossen die Parteien heute auf Anregung des Richters einen Vergleich. Der Hauseigentümer nahm seine beleidigenden Aeuße- rungen mit Bedauern zurück und zahlte sämtliche Kosten des Verfahrens.
Hierauf kamen eine Privatklage eines Mieters gegen die Tochter eines Vermieters und eine solche des letzteren gegen die Ehefrau des ersteren zur Verhandlung. Die Tochter des Vermieters hatte Den Mieter und seine Ehefrau beleidigt und wurde deshalb zu zwei Geldstrafen von je 20 Mark verurteilt Ferner hatte die Ehefrau des Mieters bei drei verschiedenen Gelegenheiten die Tochter des Verniieters beleidigt und erhielt deshalb drei Geldstrafen non je zehn Mark. Die Ver- urteilten haben außerdem die jeweiligen Kosten zu tragen.
Gerichtssaal.
lleberfchreilung des Züchkigungsrechts.
WSN. Limburg, 14. Jan. Der Lehrer Blentge aus Dehrn bei Limburg wurde vom Großen Schöffengericht wegen Körperverletzung eines Schülers, die er in Ueber- schreitung des Züchtigungsgesetzes beging, zu drei Monaten Gefängnis und 5 0 M a r k Geldstrafe verurteilt. Gegen Zahlung von weiteren 250 Mk. wurde B. eine Bewährungsfrist von drei Jahren zugebilligt. Weil der Schüler die Schulaufgaben nicht gemacht hatte, war er von dem Lehrer derart verhauen worden, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben und eine Woche das Bett hüten mußte.
Vorsicht beim Betreten des Fahrdammes.
Am 15. Januar 1925 wollte der Konditor Fock von einer Haltestelle der Goethestrahe in Hannover aus die Straßenbahn benutzen. „Blind" und „taub“ für den andern Verkehr betrat er den Fahrdamm und sah nur nach der Straßenbahn aus. Hierbei wurde er von einem ÄranferupitD. das von einem Feuerwehrmann gesteuert wurde, angefahren und so schwer verletzt, daß ihm ein Bein abgenommen werden mußte. Das Landgericht Hannover stellte fest, daß der wegen fahrlässiger Körperverletzung angellagte Fahrer zur Warnung des Verunglückten mehrere Hupenzeichen gegeben, stark gebremst und auszu- weichen versucht hatte, was ihm aber wegen des andern Verkehrs nicht möglich war. Das Landgericht erkannte deshalb auf Freisprechung des Angeklagten. Ausschlaggebend ist. daß der Unfall nur durch die Unaufmerksamkeit des Verletzten herbeigeführt worden ist, der alle im Straßenverkehr erforderliche Sorgfalt außer acht gelassen hat. Sie vom Verunglückten gegen dieses Urteil beim Reichsgericht eingelegte Revision ist ohne Erfolg geblieben und vom 3. Strafsenat des Reichsgerichts verworfen worden. (3 D 862/26. — 10. Januar 1927.)
Bahnhofswirtschaften und Bahnhofsverkaufsstellen.
WSR. Ser ReichSrat hat kürzlich Richtlinien für die Behandlung der Bahnhofswirtschaften und der Bahnhofsverkauf s st e l l e n aufgestellt und den Landesregierungen zum Vollzug empsohlen. Wir entnehmen diesen Richtlinien folgendes:
Bahnhofswirtschaften und selb- ständige Grfrischungshallen im Sinne dieser Richtlinien sind nur solche, die sich aus einem Personenbahnhof innerhalb ober außerhalb der Bahnsteigsperre befinden. Für die Einrichtung neuer Bahnhofswirtschaften und selbständiger Er- frischungshallen ist bas Bedürfnis des Reiseverkehrs maßgebend. Hinsichtlich der Polizeistunde werden derartige Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Sperre gleichmäßig behandelt. Rach Eintritt der örtlichen Polizeistunde ist der Ausschank alkoholischer Getränke grundsätzlich verboten. Ausnahmen kann die Reichsbahndirektion im Einvernehmen mit der höheren Verwaltungsbehörde zulassen. Der Wirtschaftsbetrieb darf frühestens eine Stunde vor dem 'Abgang des ersten Personenzuges geöffnet und vicht später als eine halbe Stunde nach Abgang oder Antunfl des letzten derartigen Zuges ge» schloßen werden.
Dic B a h n h o f v e r k a u f s ft e l l e n haben grundsätzlich die örtliche Ladenschlußzeit einzuhakten. Ausnahmen können im Einvernehmen mit der höheren Verwaltungsbehörde auch hier zugelassen werden. Für die Regelung soll das Be
dürfnis des Reiseverkehrs, insbesondere die Zuglage maßgebend fein. Sabei sind folgende Gesichtspunkte zu beachten: Bei den Bahnhofsver- kaufsstellen innerhalb der Sperre kann in der Regel angenommen werden, daß sie ausschließlich dem Bedürfnis des Reiseverkehrs dienen. Für diejenigen außerhalb der Sperre dürfen Ausnahmen nur für den Verkauf von Reisebedarf zugelassen werden. (Insbesondere Zeitungen und Reiselektüre, Tabakwaren, Lebens- und Genuß- mittel und Blumen.) Sie außerhalb des Personenbahnhofs, wenn auch auf bahneigenem Gelände, gelegenen Verkaufsstellen sind ausnahmslos den siir offene Verkaufsstellen geltenden Bestimmungen unterworfen.
Sie Geschästsstunden der Friseur Kuben werden nach den Bedürfnissen des Reiseverkehrs nach den gleichen Grundsätzen wie bei den Bahnverkaufsstellen geregelt
Bei der Beschä f tigung ihres Personals sind die Pächter der Wirtschaften usw. gehalten, die Arbeitnehmerschuhbestimmungen zu beachten.
Buntes Merket
Feste im abessinischen Urwald.
Zwei englische Entomologen. Sr. Hugh Scott und Omer-Cooper, sind nach längerem Aufenthalt in dem schwer zugänglichen abessinischen Urtoälöern nach Addis-Äbeba zurückgekehrt und erzählen interessante Einzelheiten von demTier- leven, das sie studiert haben, und von den seltsamen Festen der Gallastämme, die diese Urwälder bewohnen. Omer-Cooper studierte die Tierwelt eines sumpfigen Sees in einem Wuram- bulschi genannten Walde und hörte von den Eingeborenen,' daß eine Schlange in dem See lebe, die ihn sicherlich auffressen werde, wenn er in ihre Rähe komme. Als er. aber seine Untersuchungen im See glücklich beendet hatte, da erklärten die Gallas, die Opfer für sein Leben dargevrachi hatten, sie würden der Schlange nun feine Geschenke mehr machen. Ein nicht im- gefährliches Erlebnis hatte Sr. Scott mit einem großen Rudel von Pavianen, die ihm eines Tages plötzlich den Weg versperrten. Als alle Mittel, sie zu verscheuchen, versagten, mußte der Gelehrte als der Klügere nachgeben und sich zu- rüdrieben. In der Zeit, die sie im Hrwald verbrachten, wurde das Mascal-Feft begangen. Dies ist in der abessinischen Kirche die Feier der Abnahme Christi vom Kreuz: bei den Bewohnern des Djem Djem-Waldes aber ist es eine Zeremonie, in der sich uralte heidnische Züge mit christlichen merkwürdig vermischen. Am Abend vor dem Mascal-Feft waren alle Dörfer und einzelnen Hütten bald nach Sonnenuntergang bis gegen 11 Hhr hell erleuchtet. ileberaÜ brannten Feuer, und Tänzer rannten von Feuer zu Feuer mit Fackeln in den Händen. Diese Tänzer führten miteinander Kriegsspiele von großer Raturtreue auf. Am folgenden Tag wurde dann das Haupt- fest gefeiert. Ein großer Baum steht am Ufer eines Flusses und die Menge versammelt sich am gegenüberliegenden Ufer. Dann überqueren sie in kleinen Gesellschaften.den Fluß. Blumensträuße in den Händen, die sie in das Wasser tauchen, und nachdem sie sich selbst mit den nassen Blumen besprengt haben, legen sie sie am Fuß des heiligen Baumes nieder. Dem Baum werden nicht nur Blumenopfer dargebracht, sondern er wird mit Butter eingerieben und von den Frauen geküßt. Dann vergeht der Tag mit Kriegsspielen und Taris en. Bald jagen sich zwei Parteien zu Pferde und führen kriegerische Hebungen aus: dann wieder vereinen sich etwa 25 zu einem Kreis. Sie Tänze werden beaufsichtigt von einem Führer, der einen Stab trägt und ;eden auf die Füße schlägt, der nicht den richtigen Rhythmus einhalt: sie springen auf und nieder und beiucgen nur den unteren Teil des Körpers, während der obere ganz steif bleibt. Auch die Frauen haben ihre Tänze, sind aber nicht bewaffnet, sondern springen zu Paaren herum, singend und in die Hände klatschend. Bisweilen verbergen die Gefährtinnen eine Fran mit ihrem Schal, um dadurch dem Tanz ein größeres Geheimnis zu verleihen. Je weiter das Fest fortschritt, desto aufgeregter wurden die Tänze, die Scheintänze arteten in richtige aus, ein Gallahäuptling wurde getötet, ein anderer schwer verwundet.
Die Unsterblichen und die Tierseele.
Die 40 Hnsterblichen der französischen Akademie, die ihre langen Sitzungen zumeist mit den Verhandlungen über die Aufnahme der einzelnen Worte in das französische Standard-Wörterbuch verbringen, haben wieder einmal von sich reden gemacht, indem sie so nebenbei ein Problem gelöst haben, über das sich in früheren Jahrhunderten die Kirchenväter und in neuerer Zeit die Gelehrten viel den Kopf darüber zerbrochen haben. Haben die Tiere eine Seele? Aus diese Frage kamen die Hnsterblichen, als sie das Wort „M6moire" behandelten. Sie beschäftigten sich dabei auch mit dem Gedächtnis der Tiere, und da es unter ihnen so manchen Tierfreund gibt, wollten sie nicht unterlassen, den vierfüßigen Freunden des Menschen einiges Schmeichelhafte zu sagen. In der Sitzung, an der u. a. die Marschälle Ioffre und Foch und der Kirchenfürst Mgr. Baudrillcirt teilnahmen, wurde angeregt, in das Wörterbuch einen Paragraphen aufzunehmen, der in ebenso schlichter wie sicherer Weife folgendes feststem: „Sie Tiere haben sicherlich eine Seele, aber eine Seele gleichsam zweiter Güte."
Mas an einem IBod hängt.
Bei manchen Gerichtsverhandlungen und anderen wichtigen Entscheidungen spielt ein einziges Wort ein? entscheidende Rolle. So handell es sich z. B. bei dem großen Prozeß um den Besitz Labradors zwischen Reufundland unb Quebec hauptsächlich uni die Auslegung des Wortes „Küste" in einem alten Dokument. Reufundland behauptet, daß man darunter auch eine In- landgrenze verstehen konnte, während der Gegner diese Bezeichnung nur für eine Linie am Meer gelten lassen will. Am häufigsten sind solche Kämpfe um einzelne Worte bei der Auslegung strittiger Testamente. Llls vor einiger Zeit in London ein gewisser Harry McCalmont starb, vermachte et seiner Frau fein Haus „mit allem Mobiliar darin". Run fand man aber in dem Haus bedeutende Geldmengen, wertvolle Schmucksachen, Kästen mit Medaillen usw. Sie Frage erhob sich nun ob diese Singe zum „Mobiliar" gerechnet werden könnten. Rach langen Verhandlungen wurde dies von dem Gericht verneint. Hm das Wort „Gouvernante" drehte sich ein Gesellschaftsskandal, der sich kürzlich an der amerikanischen Marineschule zu Annavolis ereignete. Ein Kadett hatte hier eine junge Same
zu einem Ball begleitet, bk als Gouvernante kn der Familie eines Seeoffiziers diente. Sa die Etikette sehr streng gehandhabt wird, so nahm man daran Anstoß, daß der Kadett auf dem Fest mit einer „Hausangestellten" erschienen sei. Er wurde deswegen von seinem Vorgesetzten zur Rede gestellt. Sie junge Same aber, die die. Tochter eines Professors an der Pale-Hniver ; fität war. lieh diese „Schande" nicht auf sich'. sitzen. Ihr Vater wandte sich an einige Ab' . geordnete, die bei dem Staatssekretär der Ma < rine vorstellig wurden. Alles hing von der Fragc ab, ob eine Gouvernante eine Hausangestellte ist V Hochnotpeinliche Verhöre zogen sich eine Zeit- lang hin, aber die junge Same rriumphiertc, schließlich, und die Leiter der Marineschule muh- ten sich bei ihr entschuldigen. Ein falsches Wort in einem Telegramm kann schwerwiegende Fol- * gen haben. Sas zeigt eine Schadenersatzklage . die vor einiger Zeit ein Reuyorker gegen eine Telegraphen-Gesellschaft einbrackte. Er hatte ein Telegramm an seine Braut auf gegebenem! den Worten: „Ich liebe Dich für immer". Durch rin Versehen wurde aber daraus: „Ich lasse Sid: für immer". Sic junge Same schickte darauf den: Mann seinen Ring und seine Briefe zurück uni • weigerte sich, ihn wiederzusehen. Eie vermählte sich mit einem anderen Mann, und der eritc Bräutigam hatte das Rachsehen.
Jazz und Radio im „Othello".
Die von England ausgehende „Modernisierung" der Shakespeare-Aufführungen macht-, rasche Fortschritte. Nachdem wir bereits „Ham-.. let im Frack" und „Romeo im Smoking" erlebt haben, muß jetzt auch der „Mohr von Venedig" in moderner Uniform auf treten und sich inc neuesten Errungenschaften zunutze machen. Eine Othello-Aufführung der Dramatischen Gesellschaft des King's College in London leistete in dieser Hinsicht Erstaunliches. Der eifersüchtige General selbst und seine Offiziere erschienen in Uniformen, die der des heutigen französischen Heeres ähnelten: die Samen waren nach der neuesten Mode gekleidet, und Desdemona legte sich in einen verführerischen Pyjama auf das Lager, von dem sie nicht mehr aufstehen sollte. Der Schauplatz der entscheidenden Szenen war „die Empfangshalle im Regierungsgebäude zu Zypern", wo eine Jazzband die stimmungsvolle Begleitung durch die neuesten Foxtrotts und Charlestons schuf und wo Whisky getrunken wurde. Der „Rats-Saal", in dem Othello feine berühmte Stählung vorträgt, war durch „einen Raum im Kriegsministerium au Venedig" ersetzt. Sen Höhepunkt der Modernisierung aber bot die zweite Szene im zweiten Akt, die im „Senderaum der Rundfunkgesellschaft von Zypern" spielte und in der der Herold durch das Radio ersetzt wurde.
Rundfunk-Programm
deS Frankfurter Senders.
(Aus der .Radio-Hmschau".)
Sonntag, 16. Januar.
8.30 bis 9.30: Morgenfeier. 11.30 bis 12: Elternstunde. 12 bis 1: Mittagsständchen, veranstaltet vom Harmonieorchester des Frankfurter Orchestervereins. 4 bis 5: Sie Stunde der Jugend. 5 bis 6: Konzert des Hanauer Wandv- linenorchesters. 6 bis 7: „Kultur und Dichtung in Luxemburg", Vortrag und Vorlesung aus eigenen Dichtungen von Pros. Sr. Rikolaus Welzer-Luxemburg. 7 bis 7.30: Sie Bücher- stunde. 8.30 bis 9.30: Volkslieder des Ostens. 9.30 bis 10.30: Konzert des Dessoffschen Frauenchores. Anschließend bis 12.30: Heber tragung von Berlin: Tanzmusik.
Montag, 17. Januar.
3.30 bis 4: Die Stunde der Jugend. 4.30 biS 5.45: Konzert des Hausorchesters: Die Opcr der Woche. 5.45 bis 6.05: Die Leseftunde. 6.40 bis 7: Kienzls Oper „Der Evangelimann", einführender Vortrag von Klaus Rettstraeter, Erster Kapellmeister des Frankfurter Opernhauses. 7: Hebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Scr Evangelimann". Musikalisches Schauspiel in zwei Auszügen, Dichtung und Musik von Wilhelm Kienzl.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 16. Januar. 2. nach Epiphanias.
Gießen. Stadttirche. 9'/,: Pfr. Mahr. 11: Kinderkkrche für die Matthausgemeinde. Pfr. Mahr. 5: Pfr. Becker. - JohanneSkirche. 9Pfr.Bech- tolsheimer. 11: Kinderkirche für die Lükasgm. Pfr. Dechtolsheimer. 5: Pfarrassist. Schultheis. Beichte u. hl. Abendmahl f. Lukas- u. Zohannesgemeinde. — Reue Aula. HniverfttälS-Gottesdienst vorm. II1/«. Predigt: Lic theol. Dr. Adolph. — Ltch. Kollekte für die Heidenmission. 10: Stiftsdechant Lenz. %!: Kindergottesdtenft. 2: Stiftspfarrer Schorlemmer. Mittwoch 8: Bibelslunde. - Kirchberg. Vorm. 10, nachm 1 ’/,: Mainzlar, nachm. 4: Kirchberg: Kirchenkonzert. — Wieseck. '/JO; 11: Kinderkirche.—Watzenborn-Garbenteich. Watzenborn-Steinberg : 1. Garbenteich: 10.
Katholische Gemeinden.
Gießen. Samstag, den 15. Januar. 4'/,u. 7 Beichte. Sonntag, den 16. Januar. 2. Sonntag n. Epiphan.
6*;, Beichte, 7 Messe, Korn, der Jungfrauen u. Hausangestellten, 8 Korn., 9 Hochamt m. Pred.. 11 Messe m. Pred., 51/, fakramentaiifche Bruderschaftsandacht. — Grünberg. 91/, Meße m. Pred. — Hungen. 8 Messe mit Predigt. — Laubach. 10 Meße mit Pedigt. — Sich 10 Hochamt mit Pred.
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