Nr. 215 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwoch, H- September 1921
Aus dem Reiche der Frau
Revolutton der Herbstmode.
Don Sophie Kramsthk, Paris.
In einer reizenden Skizze sagt die neuerdings in Paris sehr gefeierte Schriftstellerin Prinzes. sin Aibesco, es gebe kein schrecklicheres Monstrum, nichts, was das Auge mehr ermüdet als „Das' schon Dagewesene", und die Aufgabe einer mobemeu Frau bei Jahres- und Saisonwechsel sei nicht das Forschen nach dem, was getragen werden wird, fonbern wie man es anstellen soll, aus dem bereits Getragenen, Bekannten, kurzum schon Dagewesenen herauszukommen, um wiederum und noch einmal die neue Frau zu sein.
Es ist keine kleine Forderung, die diese la- chelnde Künstlerin an die Phantasie der Durch- scfMittsdame stellt. Sie scheint uns aber berechtigt. Allzu blind hat man sich der Königin Mode und ihren Pariser Priestern unterworfen. Die Mode sollte ein weiter Rahmen sein, eine Richtschnur und nichts als das. Und gerade die neue Tendenz der Pariser Mode ermöglicht diese Selbständigkeit, da sie der Phantasie freien Spielraum läßt. Vorbei ist es mit der Strenge der Linie, mit ihrer geradezu klösterlichen Geradheit. Ja, die große Sensation der kommenden Herbstmode, die längst geahnte, erwartete ober befürchtete Sensation, ist die Glocke. Und diese glockenartige Linie, die Paris lanciert, ist unbe- ftimrnt, wechselnd. Manche der groben Pariser Schneider wählen einen einseitiger Glockenschnitt, bei anderen ist die Glocke voll ausgearbeitet: die meisten drapieren sie. und wir wissen, dah zugleich mit der Möglichkeit des Drapierens eine große Freiheit eintritt.
Die gleiche Freiheit herrscht auch in bezug auf die Länge der Kleider: es ist nicht wahr, vaß das kurze Kleid nicht mehr getragen wird, jedoch sieht man hin und wieder in den Kollektionen Kleider, die, besonders hinten, ganz bis zum Boden reichen und deren Vorderteil auch länger geworden ist. Dies sieht man zwar Haupt sächlich bei Abendkleidern, aber wenn sich das Auge erst wieder daran gewöhnt hat, so hat die Dame, die es für sich als günstiger erachtet, wieder die Möglichkeit, ihre gesamte Garderobe etwas länger zuschneiden zu lassen.
Mas nun die Herb st mäntel betrifft, die, wenn der Herbst naht, den Mittelpunkt des Interesses bilden, so ist dieses Jahr auch hier der Phantasie der Dame die volle Freiheit gegeben, eine originelle und persönliche Rote in das Herbstbild hineinzutragen. Der Herbstmantel ist nämlich im allgemeinen sehr einfach, weicht im wesentlichen nicht von der vorjährigen Linie ab. und die neue Rote liegt in seinem eigenartigen, in der Wahl und in der Verarbeitung etwas gesuchten Pelzbesatz. Es ist wenig mit der Behauptung gesagt, daß große Pelzkragen getragen werden, deren Klappen, der Länge des Mantels folgend, ihn bis unten verzieren. Die ganz breiten, fast bis zum Ellenbogen reichenden Manschetten wurden schon im vorigen Jahr getragen: sie sind sehr schön und werden Wohl auch beibe» halten, aber es gibt sehr viele andere Möglichkeiten. den Aermel mit Pelz zu garnieren, und jede dieser Möglichkeiten ist zulässig, wenn sie vom Geschmackvollen ausgeht. Dasselbe gilt dann auch für die vielen Arten, den Mantel mit allerhand spitz auslaufenden, geometrischen Siguten zu verzieren, wobei zu beachten ist, daß der Mantel einhüllender als der vorjährige ist, und die Garnitur so gelegt werden muh, wie es der Mantel der seitlich und nicht vorne geschlossen wird, beansprucht. Die Farbe der Herbsttnänlel soll sich der Herbstftinnnung anpassen, man hat also die Wahl zwischen schwarz, braun und grau, wobei diese Farben ins unendliche nuanciert werden dürfen und durch den Pelzbesatz allerhand stärkende und schwächende Effekte erzielt werden können.
Sehr neu und eigenartig, aber kaum für lange Dauer bestimmt, ist die Tendenz, die Abendmäntel aus ihren phantastischen Formen und Linien zu einer großen Strenge der Form zurückzuführen, zu der Form eines Re-
DieBeschWgungdesAIeinkindes
Von H. Fischer, Berlin*).
Wir sehen vom Säugling, dem nur abwaschbare -Zelluloid- und Gummisachen in die Hand gegeben tcerben dürfen, ab, und beginnen mit dem Kleinkinde: es fängt an zu laufen, im Ställchen wird es ihm zu eng, es steht der Mutter überall zwischen den Deinen und geht auf Entdeckungsreisen. Bald landet es fröhlich beim Rotenständer, reißt einige Bände heraus, hat sie im Augenblick zerfetzt und sich den Mund voll Papier gesteckt. Die entsetzte Mutter jammert: . „Ich kann doch nicht dauernd neben dem Kinde stehen, muß in der Küche hantieren, muß räumen und flicken — was mache ich nur ?"
Sie stelle beispielsweise einen Kasten mit etlichen Wäscheklammern aus den zuerst zu erreichenden Stuhl dein Kinde bereit und wird sehen, daß die kleinen Händchen sich ebenso gerne mit Holz wie mit Büchern beschäftigen, toeim es nur beweglich ist und gar noch Geräusche verursachen kann, Roch lieber spielt das Kind mit einem Emaille- ober Aluminiumschälchen, wenn die Mutter einen Löffel zum Rühren dazu gibt. Viele Spielsachen sind weder nötig noch emp- fehlenswert: aber eins, das für Monate und Jahre hinaus dem Kinde in unvergleichlicher Weise ebensowohl -Zeitvertreib wie Anregung zum Sel- berschaffen bietet, ist der Baukasten. Man wähle zuerst die Legewürfel. Kann das Kind auch noch nicht die Bilder zusammenstellen, so entsprechen doch die Würfel am besten seinen noch ungeschickten Händchen. Später lernt es auch den Holzbaukasten zu meistern. Die Steinbaukasten kommen erst zuletzt, da sie kleine Steinchen enthalten, die leicht vom Kinde verschluckt werden können. Gönnt die Mutter täglich dem Kinde einige Minuten, um ihm einen Turm, eine Brücke vorzubauen, so erlebt sie Wunder, wie schnell das Kind nicht nur nachbaut, sondern selbständige Entwürfe bildet.
ilm die Wende des zweiten Jahres kommen zwei weitere sehr wichtige Spiele hinzu: das
•) Der Aufsatz ist der vom Kaiserin-Auguste- Viktoria-Haus herausgegebenen Zeitschrift „M u t- ter und Kind" entnommen: Verlag: Elwin Staude, Komm.-Ges., Osterwieck (Har^).
dingote- oder eines Regenmantels, wobei die unbeschreibliche Pracht der Stoffe an ihren wahren Zweck erinnern soll. Manche dieser Mäntel haben eine üppige Glockenform von dec Taille ab. Dies ist also, um wieder von der Richtschnur zu sprechen, zulässig, jedoch nicht ratsam, weil es allem Anschein nach eine Laune der Pariser Mode ober eigentlich ihrer Wortführer ist, die auf gar keiner Forderung, weder der des tatsächlichen Lebens nodj der unserer Augen, beruht. Sollte man da nicht an einen englischen Einfluß glauben? Es ist heute unmöglich, über die neue Pariser Mode zu sprechen, ohne diesen englischen Einfluß zu betonen. Die Hegemonie der Pariser Schneider bleibt zwar bestehen, aber sie haben es immer verstanden, sich dem Geschmack des Publikums anzupassen, imb, schon ganz abgesehen davon, dah ein großer Dell ihrer Kundschast aus den Engländerinnen der oornefymen Kreis« besteht, die nach Paris ihrer Einkäufe halber herüberfahren, (im Luftschiff find es nur zwei Stunden), so ist die Distanz zwischen England und Fraickreich durch die große englische Invasion an der Riviera im Winter, in den Strandbädern im Sommer und in Paris in der sogenannten „englischen Season" so groß, daß der englische Geschmack die Französinnen langsam bceinflussen »ruh. Wir betonen dies besonders in bezug auf die Herbstmode, welche in ihrer größeren Rüchternheit und dem Verlangen. sich ie. Witterung anzupassen, dem praktischen Sv. . . von drüben zugänglicher ist als die nach me.'rr Duftigkeit verlangende Sommermode Bi- veilen äußert sich dieser Einfluß in sehr pra' chep Gedanken, so bei dem neuen
Wie verbessern
Don Dr. med. '
Beim Uebergang vom Kindesalter in die sogenannte Reifezeit, das h:iht in das Alter von 12 bis 14 Jahren, beobachte! man häufig, daß die Haut, besonders von Gesicht und Rücken, wenig erwünschte Veränderungen erfährt. Die während der Kinderjahre vorhandene zarte, glatte Ge- sichtshaut wird uneben und fleckig. Schwarz punktierte Mitesser treten auf, rote und gelbe Pickel geben der Haut ein unästhetisches Aussehen. Diese Verschlechterung des Teints bleibt oft jahrelang bestehen. Manchmal verschwindet sie von selbst, unter einer Behandlung läßt sie sich sicher beseitigen.
Don der Umgestaltung des Gesamtkörpers während der Reifeperiode wirb auch die Haut betroffen. Die treibenden Kräfte zu dem Umbau des Organismus gehen von den Keimdrüsen aus. Wir beobachten während dieser Zeit, daß unter dem Einfluß jener Organe die Talgdrüsen der Haut stark an Größe zunehmen, und in vermehrtem Maße Hauttalg absondern. An den- jenigen Stellen des Körpers, wo die Drüsen normalerweise zahlreich vorhanden sind — im Gesicht, auf der behaarten Kopfhaut und auf dem Rücken — wird infolgedessen besonders reichlich Hautfett produziert. Daher kommt es, daß das ©efidjt der Heranwachsenden jungen Mädchen und Knaben häufig fettglänzend ausfieht, daß sich auf der Kopfhaut eine fettige Schuppenbildung entwickelt und daß das Haar von dem abgesonderten Fett ölig-glänzend erscheint.
Wie wickelt sich dieser Vorgang nun weiter ab? Durch Staub usw. werden die Ausführungsgänge der Talgdrüsen im Gesicht und im Racken verstopft. Das trotzdem ständig weiter abgesonderte Hautfett kann nicht abfliehen, es staut sich hinter den schwarzen Rußpunkten und wölbt die Haut an diesen Stellen etwas vor. Aus diese Art entstehen die f»genannten „Mitesser". Run finden sich auf jeder Haut Bakterien, die an Zahl in die Milliarden gehen. Durch jedes mechanische Reiben mit Fingern ober auch Tüchern, durch den Druck von Kleidung usw. werden diese kleinsten Lebewesen in die Poren, das heißt in die Ausführungsgänge der Talgdrüsen einmassiert. Dort
Bilderbuch und die Puppe. Das Bilderbuch überlasse die Mutter anfangs ihrem Kinde nicht allein, beim nach kurzem Besehen wird es zerrissen. Rimmt die Mutter dagegen ihren Liebling etwa im Dämmerstündchen auf den Schoß, läßt den Hahn im Dilderchuch die Flügel schlagen und „ilh—üh— üh" krähen, läßt das Miesekätzchen leise leise schleichen, mit weichen Pfötchen „eia“ machen, sich anschmiegen und leise maunzen, läßt sie das „Hoppe-Reiter-Pferdchen" über den Tisch galoppieren ober das Kindchen auf dem Schoße reiten — so werden die Bilder lebendig und dem Kinde so lieb, daß es schon mit den ersten Büchern schonend umgehen lernt. Außerdem wird es die gewonnenen Dorstellungen ohne weiteres bei Gelegenheit in der Ratur wiedereickemien. Man achte bei der Wahl des Bilderbuches überhaupt darauf, daß es möglichst solche Gegenstände enthält, die dem Kinde auch in der Wirklichkeit gezeigt werden können: dann hat es wirklich „bildende", das ist fördernde Wirkung.
Für die Puppe zeigt sich schon sehr früh das größte Interesse, noch mehr für den Puppenwagen, an welchem manches Kind laufen lernt Hat das Kind zudem ein kleines Gefchwisterchen und beobachtet täglich die Mutter beim Baden, Wickeln und Rühren, so ist es wirklich unvermeidlich. dah man ihm seinen Puppenkram verschafft. Also geht die liebende Mutter in bas erste Spielwarengeschäft und ersteht eine entzückende Puppe mit Echlafaugen und Spihenkleid, einen prächtigen Puppenwagen mit Riemenfeberung und von einer Gröhe, daß man im Zweifel ist. ob ein Menschen- ober ein Puppenkind darin Ausnahme finden soll, und zu alledem das feinste Bett- und Kleiderzeug. Armes Kind! Wenn du solche törichte Mutter hast! Wie viel glücklicher wärest du über eine nackte Badepuppe, die du täglich „waschen" kanpst, die ein aus- und anziehbares Hemdchen hat und ein Kleidchen, bas auch deinen ungeschickten Händen eine Zeitlang standhaft. Wie zufrieden bist du, wenn dein Puppenwagen deiner eigenen Gröhe entspricht, wenn du getrost daran deine Kräfte üben kannst, ohne des ewigen Mahnens gewärtig zu sein: „Schone bloß den guten Puppenwagen!" Ach, das ärmere Kind, dem die Mutter den Wagen versagen muß, ist das glücklichere: Seine Puppe liegt in der umgekehrten Fußbank: ein einziges Tuch, bald
Herbstenfemble der Pariser Kollektionen, das aus einem Kleid und zwei dazu passenden Mänteln besteht Der Grundgedanke dieser Kombi., nativn ist nämlich der, dah das Herbstwetter so unbestimmt ist, dah man einen leichteren und einen wärmeren Wetterschutz braucht, daß das Kleid aber, das man nur im geschlossenen Raume trägt, das gleiche bleiben kann. Dieser Gedanke ist also richtig und praktisch, besonders weil man hier auch die noch gut erhaltenen Sommerkleider verwenden kann.
Die W o l l st o f s e sind für die Herbstmobr eigentlich das Ausschlaggebende. Die verschiedenen Kashaarten. ob sie Kasha .vclour ober Kasha douvetine oder anders heilen mögen, zeigen eine unendliche Mannigfaltigkeit der Gewebe, sind sehr oft verschieden von beiden Seiten, wobei die Außenseite meistens dunller ist als die Innenseite, und ermöglichen die Zusammenstellung zweier Stosse, eines gemusterten und eines glatten. Dabei kommen auch abgestufte Stoffe vor, so daß es nicht schwer fallen sollte, gerade bei dem Ensemble seinen Geschmack zu betätigen.
Auch im Bereich bet Seidenstoffe haben die Fabrikanten Außerordentliches geleistet. Brv- tatftoffe aus dünnstem Gewebe, doppelseitige Lamsstoffe sieht man für die Balltoiletten verwendet, Aber die Herbstkollektionen sind noch nicht die eigentliche Zeit der Balltoiletten, man schenkt ihnen weniger Aufmerksamkeit als dem Strahenkleid, dem Rachmittagskleid, dem Mantel, dem Sjut
Der H u t hat sich emanzipiert. Wenn die diesjährige Modo ganz allgemein ein Abweichen von der Strenge der früheren Jahre zeigt, so gilt
wir den Teint?
D. Perlstein
führen sie zu Hautreizungen, so daß um die bisher reaktionslossn Mitesser Entzündungserscheinungen entstehen und schliehlich sich eiterige Pusteln bilden. Allmählich bietet die Haut durch diese Deränderung einen recht unschönen Anblick. Schwarz punktierte Erhabenheiten, die „Mitesser , wechseln mit rot und gelb aussehenden „Blütchen" und „Pickeln" ab; dazu kommt, daß der auf der Haut abgelagerte Hauttalg durch Zersetzung seinerseits Hautrötungen und Entzündungen hervorruft.
Wenn man nach dem Gesagten eine Dorstellung davon hat, wie jene Unreinheiten des Teints zustande kommen, wird man ohne weiteres den einzuschlagendcn Weg voraussehen, der diesem Hebel abhilft. Daö Fett muß von der Haut entfernt werden. Bekanntlich kann man durch heißes Wasser und Seife, ebenso durch Benzin und Spiritus (Alkohol) Fett beseitigen. So geht man auch hier vor. Heiße Waschungen mit milder, reiner Seife, ferner mehrmals täglich vorgenommene Abreibungen mit Benzin, verdünntem Alkohol ober Kölnisch Wasser sind angebracht und zweckdienlich. Jegliches Drücken mit Fingernägeln, Taschentüchern usw. ist unbedingt zu vermeiden.
Kommt man durch Waschungen und Abreibungen nicht zum Ziel, so stehen Arzneien zur Verfügung, durch deren Anwendung bestimmt ein Erfolg zu erreichen ist. Besonders gut bewähren sich Salben, Waschwässer usw., die Schwefel enthalten, da dieser Arzneistoff die Absonderung der Talgdrüse n herabsetzt. In Fällen, die besonders hartnäckig sind, empfiehlt es sich, den Arzt in Anspruch zu nehmen, der durch richtig angewandte Schälkuren, oder durch Behandlung mit Höhensonne, Röntgen usw. dem Siebet zu steuern weiß.
Wer also immer nur mit Unzufriedenheit und Mißmut in den Spiegel zu blicken wagt, braucht nicht zu verzagen. Cs gibt genügend sicher wirkende Behandlungsmethoden, die einem häßlichen Teint ein zer'rosiges glattes Aussehen wiederzugeben v.rmögen.
Vorhang, bald Kissen oder Decke, bald Kleidchen, bald Windel, gehorcht allen Einfällen seiner regen Phantasie, das Fußbankbettchen ist im Augenblick ein Stuhl, ein Tisch, ein Haus, ein Pferd, ein Schiff, zehn und hundert Möglichkeiten in einem.
Im Sommer wird der Sandspielplatz nut Cimerchen. Form und Schaufel, ferner der Ball und womöglich das 'Passerplantschen den größten Raum einnehmen. Womit aber beschäftigt die Mutter ihr immer regeres Kind an Regentagen ober im Winter? Das kleine Mädchen will nun schon „Helsen". Es wischt Staub, es hängt Wäsche auf, — wohl der Mutter, die schon frühe das fahrige Spiel zu fröhlicher Arbeit hinlenkt. Schon das Dreijährige kann ganz ordentlich Löffel abtrocknen. kann dem Vater die Hausschuhe holen, der Mutter Topf und Schüssel reichen.
Dennoch gibt es Stunden, wo das Stinb unleidlich und ungezogen wird. Der häufigste Grund ist nicht Unwohlsein, sondern Deschäfttgungslosig- keit. Der reifende Geist will neue Rahrung. Da hilft es nichts, wenn der Weihnachtstisch mit reichstem und vollendetstem Spielzeug überflutet wird — je gefüllter der Epielschrank, desto schneller zeigt sich der Sleberdruß — nein, die Mutter muß zur gegebenen Zeit einen Rat wissen. Ist das Kind geschickt, so wage es die Mutter in Anwesenheit ruhig, dem Dreijährigen eine vorne abgerundete Schere und einen Bogen Zeitungspapier zum Zerschneiden zu geben. Hält sie strenge daraus, daß alle Schnippsel entweder in eine dazu bestimmte Schachtel gelangen ober nachher sorgfältig aufgesammelt werden, so fördert sie gleichzeitig Geschicklichkeit und Ordnungssinn. — Mit Bleisttft und Papier „schreiben" wohl, alle Kinder gerne. Man kann ihre Freude daran sehr pflegen, wenn man ihnen allmählich ausgeschnittene Pappftückchen gibt, — von den einfachsten Formen angefangen — die sie umzeichnen können: einen Ball, ein Ei, einen Apfel, bann auch mit geraden Strichen ein Haus, einen Hut, ein Rechteck. Tintenstift darf Kindern unter keinen Slmftänben gegeben werden, er ist den Augen sehr gefährlich. Jetzt hat das Kind häufig auch schon Geschick, Perlen aufzuziehen. Doch gebe man diese nur solchen Kindern, die nichts mehr in den Mund nehmen und in dieser Beziehung gehorchen können. Bald lernt das Kind auch,
dies besonders von dem Hut, bei dessen Schaffung man es sich als Ziel gesetzt zu haben scheint, in die Phantastik der früheren Jahre zurückzufallen. Rur muh man hier gerade große Vorsicht empfehlen, da das Auge noch allzusehr an die strenge Einfachheit der Kopsbedeckung gewöhnt ist. Mahhalten ist also ratsam und erforderlich Was man in Paris beim Bennen ober sonstigen großen Gelegenheiten sieht, ist Ausnahme. Die geschmackvolle Pariserin wirb trotz des Hanges zu dem noch nicht Dagewcsenen vor einer zu großen und zu rapiden Exzentrizität zurück- schrecken. Wenn also auch ganz außerordentlich hohe Hüte in Form von Tiaren, von Kapuzen aus glänzender Seide, aus Federn oder aus Mgeln zu sehen sind, wenn sich venetianifcher und spanischer Einfluß in der Sjutmobe geltend macht, so werden doch die Heinen Filzhüte noch sehr viel getragen werden, und nur ihre Form und Garnierung wird sich individueller gestalten.
Wiener Spezialrezepte.
Von Gisela Urban. .
Die berühmten Wiener Schnitzel werden bereitet, indem man von einem schönen Stück Kalbsschlegel nach dem Faden des Fleisches ziemlich gleichmäßige, fingerdicke (ötiide schneidet, die man länglich llopst, mit etwas Salz bestreut und dann in Mehl wälzt, das man auf einem Teller vorbereitet hat. Auf einem zweiten Teller gibt man zersprudeltes Ei, auf einem dritten fein- gesiebte Brösel. Sobald die Schnitzel ganz dicht mit Mehl bedeckt sind, taucht man sie in die Ciermasse, wobei man achten muh, dah das Fleisch vollständig von dieser Eiermasse gedeckt wird. Erst bann legt man die Schnitzel auf die Brösel und wälzt sie auch hier, so dah die Brösel das Fleisch ganz einhüllen. Run gibt man Fett in eine Pfanne, läßt es recht heiß werden und legt die Schnitzel, eines neben dem andern, in das siedende Fett, um sie, sobald sie, auf ?iner Seite gebacken sind, umzudrehen. Diese Bereitung ist sicherlich nicht kompliziert, man muß nur da» Herz haben, recht viel Feit in die Pfanne zu geben und beim Backen mehrerer Schnitzel vor dem Einlegen des Fleisches immer wieder Fett nachgeben. Das Feuer muh beim Backen der Schnitzel recht kräftig sein. In gleicher Weise werden junge Backhühner gebacken, die man in Viertel schneidet und vor dem Eintauchen in Mehl trocken wischt.
Eine der berühmtesten Suppeneinlagen sind die L^b er kn öd e l. Diese werden bereitet, indem man 150 Gramm Rindsleber abhäutet und ganz fein schabt und mit 60 Gramm Weißbrot, das man in Milch oder Wasser erweicht und ausgedrückt hat, durch ein Sieb passiert. Run läßt man etwas seingeschnittene Zwiebel und Petersilie in ein wenig Fett anlaufen und bann überkühlen, mengt ein ganzes Ci, etwas Salz, gestohenen Psesser, die passierte Leber und Semmel dazu, verrührt diese Masse gut und läßt sie ein wenig stehen. Dann gibt man so viel feine Brösel dazu, daß der Teig die genügende Festigkeit bekommt. Run formt man daraus nuhgroße Knödel, indem man mit einem Löffel immer ein Stückchen Teig herausnimmt und zwischen den Handflächen rollt.
Hier das Rezept zur Bereitung eines A p s e l st r u d e l s. Man gibt 250 Gramm Mehl auf ein Rudelbrett und macht in der _ Mitte eine Grube. Ein ganzes Ei, einen halben Eßlöffel Butter oder feines Oel, eine Prise Salz werden mit etwa einem Achtel Liter lauwarmen Wasser mit dem Messer verrührt und nach und nach in die Grube gegossen, wobei mit dem Messer immer das umliegende Mehl verrührt wird. Man verrührt den Teig mit dem Messer, bis das ganze Mehl aufgelöst ist, dann arbeitet man ihn mit reinen Händen, die mit Mehl bestaubt werben, so lange auf dem Brett ab, bis er ganz glatt geworden ist. Run stellt man den Teig abseits auf das Brett auf eine mit Mehl gut bestreute Stelle und bedeckt ihn mit einer erwärmten Schüssel, um ihn mindestens eine halbe Stunde rasten zu Ur^zupsenUb liebt diese Beschäftigung sehr, wenn es den „Kniff" heraus hat. Man gebe ihm zuerst recht kleine Stoffstückchen mit losem Gewebe, erzähle ihm, daß aus dem Gezupften ein Kissen für die Puppen oder ein Sammettier- chen gefüllt werden soll — dann wird Lust und Eifer bald geweckt.
Je weiter das Kiird heranwächst, desto zahlreicher werden die Spielarten. Doch werden Bausteine, Bilderbücher, Puppen u. a. immer im Vordergrund ftef)en. Gerade auf Ausbildung der Geschicklichkeit, auf Weckung der Selbsthilfe und Selbstbetätigung kommt es an. Man braucht keine Fröblerin zu sein und kann doch fein Kind lehren, einen Knopfstreifen zu knöpfen, eine punktierte Zeichnung auf Pappe auszusticken, aus buntem Papier ein Buchzeichen zu pslechten oder zu falten, aus der leicht käuflichen Knetpaste ein Körbchen, ein Vogelnestchen zu formen, auf der Schiefertafel Linien zu ziehen. Hat das Kind nur Anregung bekommen, so findet es selber hundert Beschäftigungsweifen. Die Mutter sei auch nicht gar zu ängstlich, wenn das Kind an der Waschschüssel seine Puppentassen abwäscht oder mit dem Besen hantiert, doch mache sie das Kind auf die nasse Schürze, den nassen Fußboden aufmerksam oder auf die „arme Türe", die es gestoßen hat, damit es aufpassen lernt und geschickter wird. Ganz von selbst wird es den Lappen holen, um den Schaden wieder gut zu machen.
Ein ganz anderes Gebiet für die Beschäftigung kleiner Kinder ist das Singen mit Bewegungen der Finger und Händchen. Es findet — neben dem Märchenerzählen und den einfachen Ratespielen (ich sehe etwas, was du nicht siehst und das ist — grün) — besonders da Anklang, wo ohne Spielsachen lange gewartet werden muß. Freilich muh die Mutter einen Schatz solcher Spiel lieber auswendig wissen.
Als oberster Grundsatz bei der Beschäftigung kleiner Kinder aber gelte: Gewöhne dein Kind nicht an dein Mitspielen, sondern an Selbsttätigkeit und Selbständigkeit. Gib ihm nur Anregung und überwache es. So wird es später auch seine Schularbeiten selbständig vollenden, w'.rd anspruchlos und glücklich heranwachsen, ein fröhliches Kind, das überall im Leben sich zurecht finden wird.


