Nr. 266 Erster Blatt
in. Jahrgang
Samstag, 12. November (92Z
Seniaq» «I jtiffi*}»
Bettofci:
•te^rxrt [raeÜKsbllttn f>ct*ai te VU»
THt Scholl«.
2 Rrtd)**arb -n» X 9krich*p1«»»»g ftr Ir&gro le^r auch b<i Jlidjut» eunn «R|«lirr
fely HL Hörer <B*c-aU. 3ern|»f«*a*l*lllle:
51, M ■*» 112
ȟr Droh mach, nch'r" l*)eiflfi OietzNl.
grewflirte* Bleie UCM.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
t>rr(f mb Derlof: VrLhl'sche Untverfilütr vich' nb Stetnönderti B. fange In Gießen. Sdfriftletttiig md 6ddf5ft$WtBr ZchnlRraße 7.
llMllt Hl ll)f«MI ftr tu Ixgr«RB**ct bi» p* Nuchmmu- i.rh«-
Prtli fer | ■■ btht ftr lw)«ia«e »oi 27 mm Brrtt« örtlich 8, aettpärts 10 Krt*»pfrn*ig, ftr He» küimrae.irigfn pon 70 n m Brette 35 Keith tp'rewig, Vtottwtorlfi »•. mehr
Lhrfrrdakir»k
Dt. $}mbr. Dich Cengt. vrromwonlich ftr Poldi! Dr. St. TDilb käme«, ftr Semifton Df h Ibpnot; ttr ben übrigen letl Ernst Bl»»lchein, für bei Sw Aart AtDuaen, ssmUlch 11
Landtagswahl.
Das hessische Doll ist auf gerufen. am nrorgi- gm C-onntag nncii neuen L'anbtag zu Wühlen. Das parlamrn:, t>ie ün Drze nber 1924 in fein 2mt berufen nur hat dir Srision voll durch- gehalten, da es der Optrofl.um mcht gelang, auf dem l^ege bc» Dollsenfchridc» eine vor- getilgt Auflösung des CanbtOfll bcrL^.jJubrcn. 4>et Aufmarsch der Parteien ist bereite vor Doch n er'.la' Denn man irotzbem txm einem Wahlkampf kaum ctnxi» verspür! hat und erst In Md er Docht lich die Dahlveriamm- lunarn hüusien ’o mbaen dafür verschiedene Grunde mahgrdend fein. ctoetfrilo» ist tne 11 n- intertlflertbcit. t>te die breitesten Schichten des deutschen Dolle» Pol'l'p-n Kragen überhaupt. im bei anderen i edoch i r j ndux lchen Wahlkümpfen von scher cnlocfl.-nbrad>:en, In be- üngfiigTndem IKaf-e grivach Getolst nicht zum letzten lieg- dies an eln.m Wahlsystem, bas zwar in mlnuhMrr (Pcnauiglei! den D llen j.be» einzelnen Wä.'.ler- btrücflW)ilg'. durch die Listen- toabl icbod> den groben ethischen An rieb zur drlununa bee l och".en flaat»burger’td>en Rech'» be'e tig . der IN den engen m „schlichen Beziehungen und in der durch die Stimmabgabe ge- forbetten Einstellung des Wühler» zur Periön- llchkrii des Ranbiba e.x. zu feinem Abgeordneten. lag Die tpcnig’tm Wühler find in der Lage und gewillt. sich mit allen Programm- punkten einer Partei, deren Liste ihnen empfohlen to-.rb. einverstanden zu erklär m. an bereit patzt iHdrt oder jener Ham? auf b?r Liste nid)t. Gründe genug, um da» ungeheure Heer der 3n- biffrrr-iten tm Wadl.'ampf, der Richtwühler am Wahltage von Wahl zu Dahl bedauerlich an- schwellen zu lassen.
3n unserem be'onbcrtn Falle wurde diese allgemein zu beobachtende Tmdenz offenbar verstärkt durch den diesem Wahlgang i>or knapp einem 3ahoc twangegangen -n Bolk » eNische i d Dir txnnal» in aller Au»führllchkrit er- ör'crten und heilig umstrittenen Problemc sind im wesentlichen bie gleichen g blieben. Dar- über darf auch nicht der Versuch hinweg üuschen. durch neue Wahlparolen die Dinge auf ein anderes (?l<i4 ju schieben. Damals wie heute handelt es 'ich um die Dean'Wortung der Fruae. ob die von der Sosialdem kratle mastgebend ve> einflufjle Regierung der Weimarer Koalition in den nun neun 3ahren ihre» Wirken» da» ibr anfcrtrau e ®ut wie ein rechter $>a JÄixiter verwalte! und in unparteilf4xr und uneigennütz gster Weise für üanb und Voll au» einer anerkannt schwierigen Lage das denkbar Möglichste heraus- geholt hat. S-lbst innerhalb der bt»bcria?n Äoa- htion ist man in dieser Rarbtnallrage sehr geteilter Meinung Da» beweist treff.-nb ein Wahlausiav detz .Mainzer Anzeiger»", des grötzten demokrsi'chen Organ» in Hessen. l\-r Aufsatz findet es vrrstünblich. dast das Volk au» einem Widerwillen gegen den ü berichte-en padamenlan»mu». gcg?n hie parlamentansche Äliquento'.rfibaft. da» Bonzentum und die Par: rigtfchüfi siche Posten- ficbervi nich: weiter mit lener Stimme die egoisti'chrn Geschälte und 3nterr1'en des politischen Streber- und SchiebcriumS besorgen will. .Das zu verstehen", so meint da» Blatt, .füllt nicht schwer. In der 3ei'. in der d e Tüchtigkeit eines Menschen, feine Br.uchdark it und An- ständigk.ni nach dem Parteibuch beurteilt w.rd. tn der es genügt, die rich ige M tgliebilarte vor- ■uvigen. um sofort Tor und Tür zu den fettesten Stellen gcMfnet zu bJpmm m, wie es der Kall he» sozlalM-mvkratischen Regierung» tut» Fuchs "tm Augenblick wieder deutlich beweist." Die pvsi- tische Tetlnahmloflgkrit des Dolles, schreibt schllestltch das demokratische Orpan. könne die unumkchrünkfe Parteiherrschaft über den Willen des Dolles mit allen ihren bb’en Folgen herbei- führen und die Gdahr der Parieiknute, wie sie nn roten Dien harr’dx. auch für S>af1cn bringen. Solange der ParteiNüngel die Defüficke eines Dolles bestimme, fei eine Besserung unterer frdamtlage unmöglich So und nicht anders urteilt etn früherer stoalltrnrrfgenofle. der es ja auf ®nmb feiner in neunjährger 3ufammcn- arbeil gewist oezchllch ge'amni l en (Mahrungen Wilsen must was er von dem gegenwärtigen Aegime zu halten hat. Dir dürfen uns nufct anmasten, dieses Aegime. um dellen tristenz es am Ich Aovember geht. Heller charakterifterrn zu können, als es hier von einst befreundeter Seite geschehen Ist.
Um die Dunst der Wühler werben im Orient- Fuben bi? gleichen Parteien, die schon im alten Lanhtag verirr en waren. Bünbntlle früherer Zeit sind gelöst. Aller Bindungen ledig treten die einzelnen Parteien sowohl d?r früh-ren Koalition, wie ber OpvMit'.on «ribstündig vor bie Wähler Srsrrulich ist. dast her AadkalisnTus unter den veränderten 3d'läuft en auch bei un» in Hellen an Boden verloren hat. Die Aativnalsvzia- listen, deren einziger Abgrordn-ter schon tm abgetretenen Pariam-nt Anfchluh bei den Deutlch- nahonalcn griucht batte, haben auf die Aufstellung einer eigenen Liste verzichtet. 3hr bisheriger Aatidid^t figuriert an bevorzugter Stelle auf ber Liste der Deutschnationalen. Mit der erhofften Verminderung der Listenzahl ist es aber trotzdem nicht» obwohl ein vom alten Landtag beschlossenes Ergänzungswahlaried die Listenausstellung von Splitterparteien erhedllch erschwert hat. Der -Dvllsrechtpartei" des durch seinen Kampf gegen die Aufwertungsge' etzqebung bekannten früberm Tarm'iädter Oberiandesgerichts- Präsidenten Best ist c» gelungen, genüg-nd Stimmen für die 3uhUujy einer Karrdidatenllste zu bekommen Die .Evangelische Dvlksge-
Die Mittet für die Besoldungsreform.
Die Länder fordern erhöhte Eteuerübenveisungen. — Deutschnationale und Dolkspartei für den Regierungsentwurf. — Abwartende Haltung des Zentrums.
Berlin. 12. Tloe. (BD3) Der ftaushalliau^ ichuh hat gestern da» eigmthd>c vrioldung^esetz In iig erledigt, wobei jedoch zu beachten Ist. dafz mehrere wichtige Paragraphen für die zweite Lesung zurückgestelll wurden. 6t Handri l sich bei diesen zu rückgestellten Barographen, über die keine öinlgung erzielt werden konnte, u. a. an die Jrage der Penflonüre und Hinterbliebenen. um die 3rage der Amtsbezeichnungen und um den finanziell wichligslen Paragraph 39«. der aus einstimmigen veschlofz des Heid)erat» io die BefolbangWortage hinangefom- men ilt und zur Abdeckung der durch die Besol- bungioorlage entstehenden Mehrausgaben der Länder und Gemeinden, den vom Brich zu leistenden Aeberwelfungsanteil von dem Auskommen an Einkommensteuer und Körprrscha Itslruer ans 80 o. Bekanntlich halle die Reichs-
reqirrunq sich diesem Beschluß de» Beichsrats nicht angeschlosstn und dem Rcichtlag eine besondere Bor- liiar juachim ialscn Heber birf.- Jragcn konnte unter den Parteien noch keine Einigung erzielt werden, do bk Reld)»regierung nach rok vor einer Erhöhung der Cänberanidle aus 80 Prozent stärksten widerstand entgegensetzt. Der Ausschusz hat sich daher heute nach einer längeren, teilweise recht stürmischen Seschöiti>ordnungedebatte dahin enlschlofsen, zunächst bk einzelnen Gehaltssätze zu beraten. Inzwischen soll versucht werden, unter den Parteien und mit der Regierung eine Einigung über die strittigen Jragen zu erzielen. Diele finanzielle Kernfrage wird jedoch nicht so schnell zu einem befriedigenden Abschlusz kommen, do innerhalb der Parteien g r o f) ein elnongsunteefchlede zu überwinden sind und fich andererseits die Regie- runq einer geschlossenen Front der Länder gegenüber befindet.
Die Vertreter der Koaiitionspa rieten traten gestern nachmittag 5 Uhr Im Reichstag zu einer interfraktionellen Besprechung zusammen, In der bk Vertreter der Regierungsparteien über die Haltung ihrer JlaMonen berichteiea, wobei von den Vertretern der Deutschnatio- nölen und bet Deutschen volksparteI bie bestimmte Erklärung abgegeben werden konnte, bafj Ihre Jraftlonen für die Brsoldungsvorlagt der Regierung eintreten. Der Zentrnmsvertre- I e r erklärte, dafz seine Jroktion bisher noch keinen endgültigen Beschfuh gesaszt habe, sondern erst anfangs der nächsten Woche dazu kommen werde. Man wird, wie die ~lägl. Rundschau" schreib!, annehmen dürfen, dafz auch da» Zentrum sich enlschliefzen wird, für den Besoldungsentwurf der Regierung rinjutreten. fo dafz eine einheitliche Front der Regierungsparteien in biefer Jrnge als sicher angenommen werden kann. Die „DAZ." weih sogar mitzutrilen. bah bie gestrigen IntersraMonellen verhanblongen insofern zu einem lellergebnl» geführt haben, bah bie Ausschuhberalungen auf ber Gtunblage be» Köhlerfchen Entwurfes fortgeseht werden sollen. Soweit sich eine Uebereinffimmung in einzelnen Jragen noch nicht erzielen lüht. sollen dk entsprechenden Gesrstcslrile einstweilen z u - rürf geft eilt werden Heber bie Einstufung der Martrstandsbeamtrn wurde eine Einlaong erzielt. An ber veradschledungber Briotbnng»rriorm an sich besteht, rok da» Bin ft erklärt, nach ro le o o r fein Zweifel. Für da» Schulgesetz gilt das gleiche wie für die Briolbungsoorfage. Auch hier wird man auf der Grundlage dt» Reaierunq»- cntwurfes weiter verhandeln, und, wenn sich keine Ueberrinflimmani er zielen läfjt. die entsprechenden Paragraphen einstweilen verlogen.
3m Haushalisausschuß.
•Berlin. 11. Avv. IDD3.) 3m Haushalts- aussthuh des Aeichsiages wurden die monatlichen Dvrauszahlungen an die De- amlen beraten. Der Entwurf will den fitnan*- mmister ermücheigen. unter gewissen Dorausfetzungen Diertelja hres zahlungen zuzulassen. — Adg. Schul dt (Dem.) erblickte In der Dorlage eine DerfallungSä.iderung. da bie DieNelfahrszahlung ein wodlerworbe.Ls Accht ber Brannen feL Ministe
Lotholz erklärte, bie gegenwärtige Finanzlage zwinge zur Zurückhaiiung. Um ein wohlerworbenes Recht handeie es sich nicht, ba die Dierteliahreszahlung ge etzlich abgeschafft worden fei. — Aach ttxilcrer Aussprache amrbe die Monatszahlung und die Ermächtigung des Mnanzministcrs genehmigt.
Der Aus schuh beriet bann bie Bestimmungen Übet bie Pensionen, Wartender ulw. Adg. Aohmann (Soz.) erftalt et Bericht, öi ist ber Meinung, bah bie Regierung Soor läge bie Pensionäre zugunsten ber aktiven Beamten benachteilige.
Beratung und Abstimmung über diesen Abschnitt mürben zurückgestellt.
Bei der Beratung der Schluhvorschristen beantragten bie Regierungsparteien AeiaiSregierung mit Zustimmung des Reichs- ra ea und be» Haushalt-auoschuh des Reichstages neue Beamtenkategorien In bie Befoldungsordnung bet einer ber vorhanbenen Gruppen cinrei en dürfe. Dieser Antrag wurde angenommen. Gestrichen wurde nach längerer Erörterung die Bestimmung, bafj bie z u viel erhobenen Dienstbezüge. Pensionen usw. zurückzuzahlen seien. Bei der Beratung über 3n- (raft treten be» Gesche» behie.t sich Abg. Lucke (Dlrtfchs. P.) für da» Plenum einen Antrag vor. der tm ötat für 1929 Ersparnisse von 10 Prozent gegenüber 1927 herbeiführen soll.
Ein Sparprogramm der Dolkspariei.
vkrssssunstü- «nb Bcrwalkungdrksorm. — Lenkung der Lleuern und sozialen Lasten, -lusgabenbeschränkutig tm Ltaaiohaushalk.
Berlin. 11. Roo. (Wolff.) Der parleloorflanb und ber Rrichsausschuh der Deutschen Volkspartei haben nach Entgegennahme ber Berichte ber TTLnlfler Dr. Stresemann und Dr. Lurtius zur gegenwärtigen, insbefonbere burch ben 2Rrinung»au»tau|d) be» Re paration»agenlen mit ber Reichsregierung beelnfluft- trn Lage, eine Lntfchliehung gesaht, in ber es heiht: Lin Einspruch be» ReparaUootagen- len gegen bk zur Zeil von ber Reichsregierung vorgelegten grohen Gesetze mit finanzieller Auswlr fang, Insbefonbere bie Besolbungsvor'age und bas Lntschäbignngsschluhgrsch. liegt nicht vor. Seine Bercchtigung könnte auch io Zukunft nicht an- erkannt werden. Die Deutsche Volkspartei hält daran fest, bah bie beiben genannten Vorlagen schleunigst zu verabschieben sind Dagegen verlangt sie mit allem Flachdruck die 3 n a n g r I f | - nohmeelner durchgreifenden Verwol- tnngereform, die unter Umftäaben auch vor einer Menberung ber Verfassung, soweit ba» Verhältnis be» Reiches in ben Ländern in Jrage kommt, nicht halt machen darf- Die Wirt
schaft Deutschlands bedarf bet brlngrnben Milderung ber auf Ihr ruhenben Lasten. Die f>au»balt»gebarung be» Reich» muh so gestaltet werden. bah ber künftige Rrichshau»halt nickst nur ohne Slcuererhöhung abgeglichen, säubern bah auch eine Senkung ber Realftrnern tatsächlich b u r d) q e f ü h r I werben kann. Dse Arbeitgeber unb «rbritnrhmer leiben gleichermassen unter der hohe der sozialen Losten, denen noch immer nicht entsprechende Leistungen gegen überstehen. Zur Erreichung dieser Ziele mü kn die Reichsregierung und der Reich»taq zusammen- wirken. E» wird ein weg zu suchen sein, der geeignet ist, öle hemmungslose Bereinigung von Mehrausgaben durch das Parlament ein zuschränken Die dlnrok- kunq be» Reich» aus die LänderundGerneln- ben Im Sinne sparsamster kj a u » h a l I » - f ü h r u n q ist beshalb unbedingt nolroenblg. 3n erster Linie gehört dazu eine starke EInschrän - kungderAnleiheausnahme.bienur unter stontrolle be» Reichs In Zukunft möglich sein bars.
Dr. Luiker über die politische Lage.
Der ehematige iReicktokanzler spricht im hessischen Wahlkampf.
Mainz, 12. Rod. (XU ) 3n einer Dähler- veriammlung der Deutschen Dolkspartel schilderte der früherer Reichskanzler Dr. Luther die politische und wirischaftllche Lage des Deut'chrö Reiche». Sr tote» darauf hin. haft Deutschland unter den herrschenden Der- hältnilsen nicht mehr genügend Ää uf er für seine Brodukte im Ruälanbe f.nde und andererseits durch den Derluft tolcht ger Gebietsteile n dX mehr In der 2a je sri. s Ich selbst zu emäDren. Dir mühten deshalb Darlehen auf nehmen. Mn denen wir aber auf die Dauer nicht leben könnten. Daher sei e* er'or'vrlicfx, bah wir unle^e Ausgaben nach Möglichkeit e nlchrän'ten. den Gffpoct fte.ger- ten und die Landwirtschaft duh.n zu führen versuchten, dah sie Ihre ganze Äraft für eine Grhöhung der Produktion ein# setze. Da» Deutschland In der Dell wieder Achtung und Werl'chätzung eingetragen habe, sri nicht der Bert rag von Locarno an sich, sondern bie Erkenntnis der Tatsache gewesen, dah da» deutsche Doll unmittelbar nach dem Zusammenbruch und all ben Leiden, bie es durchgemacht habe, so schnell wieder die Straft gesunden habe, sich mitten hinein in bie praktische Politik zu stellen. Da» habe er auch aus seinen Auslan-rrilen immer wieder erfahren. Der Redner ft reifte sodann die Fragen der Abrüstung, der Striegö>chuld'.üge unb ber Tannenbergrede Hindenburg», wobei er darauf hinwies. dah Deutschland Friedenspolitik treiben müsse, ohne sich etwa« zu vergeben und ohne die $rabitonen zu verleugnen. Durch alle Welt laufe gegenwärtig eine starke Welke nationalen Gmpf Inden». D e 'Völker seien sich wo')', bewuht. dah sie sich von den E‘ n internationalen Tendenzen nur dann ein versprechen könrten. wenn da» gro -e Geber 3nlernationalität getragen würde von den starken Pfeilern de» Rationalgefühls. Da» gelte ror allen Dingen für uns Deuts che. wenn wir nicht zermalmt werden wollten.
m e i n s ch a f t" des ehemals demokratischen Pfarrers Weidner hat dagegen die oorflrid)r.cbene Stimmenzahl nickst für sich gewinnen können, unb die Wirtschaftspartei, von der man ebenfalls bie Aufteilung von eigenen Äanbibaien zur Landtagswahi annahm, hat angesichts der erschwerten Zulassung neuer Parteien, darauf verzichtet. Es ist nicht sehr beglückend, dah es nncder einmal der in ferner pol.trlchen €>:rhfraft
’o lehr grichwüchte deutsche W" teilt and ist. der bei grionbertem Auftreten dies er Splitterparteien der einzig Lell>tragende fein wird. Man tollte ’ich doch endlich auch in den Greifen des Bürgertum» darüber klar werden, bah in der Prans rinjifl und allein bie großen politl- tchen Parteien bie Kraft zu polltifchem Wollen aufbringen und den ihnen anvertrauten Jnterri’ni im Rahmen eine» umfassenden politischer. Programms Geltung verschaffen können, während die Zraktiönchen irgendwelcher pofiH- lcher ,-verggruppen. die sich zur Durch’echtung er q begrenzter 3nterellen id hoc zusammen finden keinerlei Mdglichkeit haben, ihr Dollen in die Tat umzufetzen. Derrn die parlamentaniche Regierung» form Sinn bekommen, wenn sie nicht em händige» Hemmnis für die eindeutige politische Wiliensblldung des deutschen Dolles bleiben soll, müllen wir enrichlollen auf eine Derrn Inde- tun g der politischen Parteien, auf eine klarere Gliederung ut.'ctc» Parteiensystems binarbr.ten, statt immer wieder dem Äaniönfigrift Dorichub zu triften, der am liebsten jedem Deutschen feine eigene Partei bescheren Mächte.
Dir sagten schon, der Wahlkampf ist lau gewesen, überaus lau, aber wir müssen auch h.nzufügen. dah eine tncht alltägliche Sachlich-
keit ihn aus^ichnete. Da» ist gut so. denn es wird ba» notwendige Zueinanderfindrn nach ber Wahsfchlacht wesentlich erleichtern, wenn Leute, die wieder auf gemeinsame Arbeit ang-wiesen sind, sich nicht vorher übersiüllige Grobheiten an den Stopf werfen und damit Dege vorzeitig verschütten. bie sie später einmal notwendig gehen müssen. Wir sprachen auch schon davon, bah man im grohen unb ganzen- darauf vernichtet hat. bie Fragen der hrisischen Finanz- unb W rtfchafts- pvlink. bie uns allen heute genau fo sehr auf den Rägtln brennen wie in ben Tagen be» Dvlk»en?ch<nb». erneut zur Diskussion zu stellen, 'tmbern es vorzog durch eine Reihe nichche" scher Politiker von Ruf die politische Gesamt läge beleuchten zu lasten.
3m Dor der gründ der Erörterung standen dabet namentlich ber Entwurf zum Reichs- volksschulgefetz und ba» Problem des Einheitsstaat» Auf bie besondere Bedeutung be» eben im Bildungsaus'chuh be» Reichstags behandelten Reudellschen Gesetzentwurf» für He"en :ft hier 'chon mehrfach hingewirien worden. Er bedroht den Fortbestand ber in Hessen feil vielen Jahrzehnten al» segensreich empfundenen S i - multanschule. rür deren Erhaltung neben den liberalen Parteien auch die Deut^hnationalen und ber Bauernbund kämpfen. Sie alle wollen auch den christlichen Grundcharaktcr der hessischen Bolksfchule gewahr: willen Da» Zentrum dagegen wün'cht die Ronfrstionslchule. d.e Sozialdemokratie lieht in der westlichen Schule ihr 3beaL Der Ausfall ber Landtagswahl tft für das Schick al bet christlrchen Simultan'chule nun in’ofem von Bedeutung als es durchaus benkbar wäre — die Dorgrichichte be» Weimarer Schul
kompromilles au» dem 3ahor 1919 zeigt bie» bafj bie Sozialdemokratie, sobald sie auf ge- schwächte bürgerliche Parteien ber Mitte unb Der Rechten keine Rücksicht mehr xu nehmen braucht, über sie hinweg mit dem Zentrum zu einer Einigung kommen könnte, die dem Zentrum die Ronfrisiortsschule. chr selbst jedoch bie westliche Schule brächte, denn an ber Erhaltung der bestehenden christlichen Gemrinschaftsschuk hat sie natürlich kein 3nteresse.
Der öinheitlftaat ist etn Problem, ba» düng mit ber Dlekrörterien und seit dem Gilbert-Memorandum besonders aktuell ge- wvrdetien Frage einer Rertoc.tungfreform cuf- gerollt worden ist. 3hn zur Wahlparole einer Parn. zu machen erscheint uns solange gewagt, al» nicht flar umrJIen festfteht, w>e Ich beim bie Gegenseite zu einem solchen Gedanken stellt. Da» bislang darüber verlautet. Dingt ncht fo. al» ob rr.cn auch schon auf hessischer Seite einen festen Plan habe. Gine Frage, bie sich jedoch erst im Anfangsstadium bet Erörterung befindet, zum Gegenstand eines Wahl'amp'es zu machen, heiht nicht, chr den Weg bereiten. 3m übrigen teilen ja auch Millionen politisch anders- Drientierter Dvlksgenoslen mit bet bürgerlichen Linken schon feit langem den Wunsch nach einer Umfl heb erung deS Reiches sie wollen darin jedoch da» Trgebni» einer historischen Entwicklung sehen bie man durch Verhandlungen auf prak- ti'cher Grundlage wohl Vorwärtstreiben kann, nicht aber durch einse.nge Beschlüsse von He^en aus förder:. lieber bk'en auf weite Sicht gestellten Plänen darf man nicht bie Aus gaben des TnAeS aus dem Rüge lassen, um die es sich in Wahrheit in diesem Wahlkampf und in dem


