Nr. 239 Lrste; Matt
177. Jahrgang
Mittwoch, 12. GNober (927
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Reichskanzler besucht Rheinhessen.
Empfang in Mainz. - Die Desatzungsnot der rheinhessischen Städte.
DSM. Mainz, 11. Oft Reichskanzler Dr. Mar? ist heute nachmittag 5 Uhr, von Koblenz tommenb, in Mainz eingetroffen. Etwa 15 Wagen de« Mainzer Automobilklub« waren ihm bi« Burg Rheinstein entgegengefahren, die den XeichSkanzler über Eltville nach Mainz geleiteten. Die Straßen der durchfahrenen Ort- 'chaften und besonder« die in Ma,nz waren von einer zahlreichen Menschenmenge umsäumt, die den Reichskanzler lebhaft begrüßte. Hm 5.30 Uhr versammelten sich hier die Spitzen der weltlichen und geistlichen Behörden und die Vertreter von Wirtschast, Handel und Industrie im Weihen Saal de« Kurfürstlichen Schlöffe« zu einer Besprech u n g über die Röte de« befetten Hesfen- landeS. AL a. waren anwesend: Die hessische SiaatSregierung unter Führung de« Staatspräsidenten Ulrich, Re chskornrniffar Frhr. La na Werth v. Simmern, LandtagSpräsi- tent Adeluna, Drvvinzialdireftor Geh. Rat »finget, B.scl)os Dr. Hugo von Mainz. Oberkirchenrat Zehnt graf, Kommerzienrat Dr. Jung von der Industrie- und Handelskammer Mainz.
Staaspräsident Ulrich begrüßte namen« der hessischen Staatsregierung ten Reichskanzler Der StaatSpräfident wie« besonder« auf die Frage der Herabsetzung tter •?cfanung«ftarte hin. e* fei zu befürchten, daß die Verminderung der Truppen sich nicht genügend da auSwirken werde, wo sie . m nötigsten fei. Die Fürsorge de« Reiche« auf kulturellem Gebiet müsse eine Verstärkung erfahren. Insbesondere aber sei e« notwendig, daß dem Wirtschaftsleben in großzügiger lfeii werde Helsen liege mit seiner Wirtschaft besonder« schwer danieder. Am 1. Septenrber d. 3. kamen auf tausend Einwohner in Hessen 9,ti HauprunterftüyungSempfänger, gegenüber einem RelchSdura-schnitt von 6,5. Gchliehiia- fei e« erforderlich weitere Erleichterung de« BefeyungSregimes. in«beftmi*ei'« de« Ordonnanzenstzstems zu erzielen. Hier fei des Drucke besonder« gedacht, der durch die Militärgerichtsbarkeit noch immer auf Ter Bevölkerung laste.
Oberbürgermeister Dr. Külb überbrachte den Willkommengruh der Stadt Mainz und fühl >e dann u.a. aus: dem Retchshausbalt
f ir 1927 ist von einer Gesamtsumme von 30 Mil- l onen zur Beseitigung der Rhein-Ruhr jiampf- fdjaöcn des besetzten und geräumten Gebiets f ü r feine Gemeinden und Gemeindeverba n d e ein Betrag von 10,2 Millionen bestimmt morden, der durchaus unzulänglich ist. Die finan- ?clle Belastung allein durch Rhein- und Ruhr- höben beliefen sich auf etwa 40 Millionen. Auch nach der Verteilung der 10,2 Millionen bleibe immer noch eine nicht gedeckte Schaden- s u m in e v o n etwa 30 Millionen. Es müsse deshalb verlangt werden, daß das Reich noch weitere Mittel ZU diesem Zweck zur Der- jigung stelle. Außerordentlich beunruhigt sind die Ltadte auch des besetzten Geb etes durch die Be- Finblung der Frage der Auslandanleihen, die sie durch die Beratungsstelle und den Reichs- Lank Präsidenten erfahren haben. Wenn zur Seit aus Lufzenpol'tischen Gründen eine Beseitigung der Be- »itungsstslle nickst möglich sein sollte, so muffen wir stoch eine vorsichtige und den berechtigten Schürf- »jssen entgegenkommende Handhabung in her Praxis verlangen. Man werde im Ernste doch licht bezweifeln können, daß die Beseitigung der krassesten Wohnungsnot, die noch lange nicht ich ob en ist, eine höchst wirtschaftliche Maßnatzme ist. sollte die Beratungsstelle zu einer Ablehnung oder tarfen Reduzierung der Auslandanleihe, die die hessische kommunale Landesbank für uns aufnimmt, kommen, so wären wir genötigt, alle begonnenen Arbeiten zu sistieren.
Vie Stadt Main; ist durch die schweren Lasten der Besetzung in aan; besonderem Matze bedrückt und CS bestehl auch, soweit wir unfer- rlchtet sind, wenig Aussicht, datz die Lage eine nennenswerte Erleichterung erfahren wird. Gegenüber einer Ariedensgarnison von ungefähr 10 000 Mann hat Main; mit Vororten heute eine Belegung von rund 15 000 Mann. Auherdem hat die hiesige Besatzung einen unverhältnismäßig hohen Ofsiziersstand. IDir haben die weitaus größte Zahl der beschlagnahmten Mahnungen. Insgesamt sind in Mainz zur Zeit beschlagnahmt 2159 selbständige und Testwoh- nungen; Dorms hat mit 47 000 Einwohnern eine französische Garnison von 4000 Mann gegenüber einer vorkrtegsbelegung von 2157 Mann. 3n Darms waren am 1. Mai 1927 insgesamt 222 Wohnungen beschlagnahm!. Bingen hatte im Frieden überhaupt keine Garnison. heute liegen dort fast 500 Mann englischer Besahungslruppen. 3m preußischen besetzten Gebiet entfallen auf 10 000 Einwohner 181, in der Pfalz 169, im hessischen befehlen Gebiet dagegen 420 Besatzungsongchörige.
8s muß dankbar anerkannt werden, daß das Ministerium für die besetzten Gebiete der Stadt bisher durch Gewährung von Wohnung«- baudarlehen fördernd zur Seite gestanden
hat. Wir haben alle da« Vertrauen, datz uns diese« Entgegenkommen weiter erhalten bleibt, da von einer Linderung der Wohnungsiwt noch kaum etwa« zu merken und die Stadt nicht imstande ist, au« eigenen Kräften die nötigen Bau- kapital.en au beschallen. Da« gleiche gilt auch für die Zuschüsse zur Aufrechterhaltung der Äultur- beftrebungen und Kulturinstitute de« be'etzten Gebiet«. Da« Reich hat eine stark einschneidende Besoldungsreform beschlossen, die nach
der bisherigen Hebung auch in den Gemeinden zur Durchführung kommen mutz. Dabei ist e« zur Zeil noch völlig unklar, woher namentlich die Städte unsere« engeren Te trf« dieDeckunad» mIttel nehmen sol en
große Defizit« in ihren (StatA au wei en. C« w.rd den Städten un'crer Umgebung nicht« andere» übrig bleiben, al« die Besoldungsreform au« Anleihen zu bestreiten. S« ergeht deshalb unsere dringende "Bitte an den Herrn Reich«-
Grohindustrie und Anhenpolilil.
Die politische Bedeutung des Festbanketts der Arbeitgeberverbände
Berlin. 12. Oft. Bei dem Bankett, da« die deutfä-en Arbeitgeberverbände anläßlich der hiesigen Tagung des Verwaltungörale« de« Internationalen Arbeitsamtes gaben, s.nd eine Anzahl beachtlicher Reden ausgetauscht worden. Reden, die sachlich weit über den übllchen Wechsel von Höflichkeiten zwischen Gastgebern und Gästen hinauSg-.ngen. Darunter s.nd d.e Erklärungen, die der Vo.fitzende der Arbe.tgeber» Vereinigung, Dr.-Ing. h. c Smit v. Borfig, mit dem Reichsminister Dr. Stresemann auStauschte, wohl die bedeutungsvollsten
Man weiß, datz in den Streifen der Großindustrie, denen f)err v. Borfig angehart und die in den von ihm geführten Organisationen auch ein mächtiges Instrument wirtschafts- und weltpolitischen Wollens besitzen, die deutsche Locarnopolitik nur sehr teilweise gebilligt wurde, daß man zwar die wirtschaftlichen Konsequenzen einer Verständigung gerne bereit war, zu ziehen, aber politisch sich start hinter die Politik einer inneren und häufig auch, äußeren Ablehnung stellte. Gerade Herr von Borfig hat für seine Person und ihm nahestehende Gruppen bei verschiedenen Gelegenheiten in der Vergangenheit diesen Standpunkt zu erkennen gegeben. Wenn er deshalb nun bei einer an sich un- politischen Gelegenheit in wohlbedachten und vorher schriftlich festgelegten Worten sich zu dem Gedanken bekannte, daß die Gegensätze in bezug auf Weg und Formen des Tageskampfes zu einem Element des Fortschrittes gemacht werden müßten, um das Verbindende zu suchen und aus den Trümmern, allmählich eine neue fortgeschrittene Welt zu gestalten, und roe.m er dann wörtlich ausführte: ,/vieser Leitgedanke liegt, wie mir scheint, unserer deutschen Außenpolitik zugrunde, die, wie wir hoffen, unter der bewährten Führung un- seres verehrten Herrn Autzenministers sich in den
von mir berührten Zielen immer weiter durchsetzen wird", so bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als ein förmliches Bekenntnis der deutschen Großindustrie zu der Stresemannschen Außenpolitik. Dr. Stresemann hat taktvoll und zurückhaltend, aber doch deutlich genug, diese Erklärung zur Kenntnis genommen und unterstrichen, und es ist damit fast unbemerkt ein lnnerpolitischer Frie- densschlutz vollzogen worden, dessen Bebcuiung für die nächste Entwicklung kaum hoch genug veran- schlagt werden kann. Gestärkt durch diele Ausdehnung seiner politischen Front vermochte der Reichs- außenminister um so deutlicher den ausländischen Gästen gegenüber Gerechtigkeit der Auffassung gegenüber den Erscheinungen in Deutschland zu fordern, die immer wieder böswillig oder aus Unkenntnis al» aggrefsio au »gelegt werden, während sie nur dem nationalen Ehrgefühl und Lebensbedürfnis ent- ^"Hluch in anderen Reden, so in denjenigen de« Verwaltungsratspräsidenten de« Internatio- nalen Arbeitsamt«, Fontaine und de« Direktors, Albert Thoma«. schwang ein Politischer Unterton mit. Entsprechend dem Milieu galt c« hier, die Rotwendigkeit de« Zusammenwirkens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer heraus zuarbeiten, deren vorbildliche Entwicklung in der Periode der Reichsarbeitsgemeinschaft DhomaSzmn Anlaß nahm, um den deutschen Organisation«- geist zu preisen und die Wiederherstellung dieses Zustandes und seine Verbreiterung als im Grunde allgemein angestrebteS Ziel zu bezeichnen. So ist dieser Abend, der ursprünglich ein rein gesellschaftliche« Ereignis zu fein schien, eine Veranstaltung von nicht unerheblicher politischer Bedeutung geworden.
Parlamentsbeginn in Preußen.
(Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".
Berlin. 12. Oft. Der Preußische Landtag hat am Dienstag feine Beratungen wieder auf genommen und damit die eigentliche parlamentariiche Winterfefsion eröffnet, die in der fommeixben Woche, wenn der Reichstag mit der Besprechung des Schulgesetze« beginnt, gleich ihrem ersten Höhepunkt zustrebt. Der Landtag hat es verstanden, durch die Art. wie der feine Geschäfte sühn und eigentlich nur kralle Parteipvlitik 1 reibt, sich stark an die Peripherie des Interesses drängen zu lassen. Er tagt eigentlich meist unter Ausschluß der Oesfentlichkeit. nur hin und wieder, wenn eS persönlich oder politisch hart auf hart geht, begegnen seine Beratungen ?iröferer Teilnahme. Das wird auch in Zukunst au-n anders werden, die MehrheitSverhälrnille find so gelagert, daß das Kabinett Braun, hinter dem die alte Weimarer Koalition steht, sich gerade ausbalanciert und überhaupt nur halten kann, weil die Kommunisten im entscheidenden Augenbli^ au« der Opposition auSbrechen. ’o daß sie durch ihre Stimmenthaltung in den ler.ten Jahren die Regierung gerettet haben. Eine Mehrheit von im besten Falle einer Stimme ist aber viel -u gering, als datz sich mit ihr arbeiten liehe, das Kabinett kann höchsten- verwalten, es farm aber nicht regieren.
So hat denn auch Preußen im Laufe der letzten Jahre im Zeichen einer bedauerlichen Stagnation gestanden. Die Koalition, die ja auch an sich nicht in ollen Fragen geschlossen ist. mußte alles, was irgendwie Unfrieden in ihre e benen Reihen bringen konnte, zurück stellen. Sie hat deshalb an Positivem so gut wie nichts geleistet. D.e Verwaltungsreform, die dr.ngend notwendig wäre, weil der Berwallungsavparat viel zu teuer ist. ist nicht einmal versucht worden. Herr raun lebt von der Hand in den Mund und erreicht euch das nur mit Methoden, die einer ernsten Kritik nicht standhaften: indem er unter wenZerrig:er 3n.ervretation der Berfa'fung wichtigere Fragen im Ständigen Ausf chuß des Landtages während der Vertagung erledigen läßt, weil h'.er durch eine Mufäilige Schlüllel- verteilung der Stimmen dte Koalition c ne sichere Mehrheit hinter sich hat. Dabei zeigte sich gerade in Sachen des ReichSfchulgeseyes. daß hinter den Kulissen doch das Zentrum die stärkste Partei in der Regierung ist und daß togar die Sozialdemokraten ihm in den preußi
schen Anträgen im Grunde weit über die Grenzen des für sie Tragbaren entgegenkommen muhten.
Der Landtag erledigte nur kleine Vorlagen, die nach unerheblicher Debatte den zuständigen Aus- schüssen üüerwiefen wurden. Nur bei der Beratung der Geschäftsberichte der st a a 11 i ch e n Bergwerke Recklinghausen und Hibernia entspann sich eine lebhaftere Debatte über die Unzulänglichkeit ber Bergarbeiterlöhne. Es werden dann noch einige Anträge des Verkchrsausfchusfe» angenommen, die eine Nachweisung der Arbeiterentlasfun- gen und Werk st ä t t e n s ch l t e ß u ng e n der Reichsbahngesellschaft sowie Abstellung dieser Maßnahmen verlangen und Anträge, die sich für Durchiührung kleinerer Eifenbahnbauten in West- und Norddeutschland einfetzen.
Die Not der Landwirtschaft in Hessen-Nassau.
Sine Notstandöaktion grforbert
Berlin. 12 Oft. (Xil.) 3m preuß i chen Landtag ist folgender A n t r a g der Deu 11 ch - nationalen eingegangen: Die Landwirt chaft der Provinz Hecken-Rafsau ist in diesem Jahre wiederum von WitterungSIchäocn bei der Getreideernte betroffen worden, die für die gesamten Belange der Landwirtschril für das nächste Wirtschaftsjahr von einschneidender Bedeutung llnd. Die Landwirtschaft de« Bezirks ist nicht in der Lage, den im Herbst fällig werdenden Verbindlichkeiten gerecht _zu werden. Die gesamten, bereit« im Herb st zurück- zuzahlenden Kredite betragen für den Regierungsbezirk Kassel nach der Aufteilung der Genossenschaften 7.5 Millionen, für da« ganze Wirtschaftsjahr 12 Millionen Reichsmark. Die fristgemäße Rückzahlung de« Rotstandskre- öit« 1924, die Abwicklung«- sowie die fällig werdenden Düngemittelkretfte würden der Land- wirt'chaft die Mittel zur Beschassung von Saatgetreide rauben. In Anbetracht der dort herrschenden Rot wolle der Landtag beschließen, daS Staatsministerium zu er» tuchen: 1. den weniger Geschädigten die Steuern zu stunden, für die hart betrogenen sie niederzufchlagen: 2. den schwer betrof'enen Betrieben verbilligte langt r i sti g e Kredite zur Beschaffung von Saatgelreibe zu gewähren.
kanzler, den am stärksten notleidenden Gemeinden de« betetzten Geb ets für« erste Wenigsten« d.e zur Durchsührung der BefoldungSte orm artigen M.ttel vorn Reich zur Verfügung zu stellen. Zum Schluß verwies Oberburgennet' er Dr. Külb noch auf den Herzen >wun'ch bet Rhem- I.nder bin. da« Reichsehrenmal auf en Dotcnin'eln bei Lorch a. Rh. errichtet au leben. Damit würde sich der Reichskanzler gleichzeitig cm Denkmal im Herzen der Rheinlan er errichten.
Reichskanzler Dr. Marx
erwiderte dann u. a. folgenbc«: ES ist mir eino besendere Freude, im besetzten Hessenlande au weilen. Ich bin hier in der dritten 'Besatzung - zane, in der alles, was die Besetzung Drücker- kv« an sich hat. sich verstärkt auSwirft. Verechtigtermaßen erhebt die Beoölierung dieser dritten Vesatzun--n.'zone deshalb auch Anipruch auf besondere Berücksichtigung Es ist u-s in Berlin wohl bekannt, wie sehr ba« besetzt« hessische Gebiet unter der hier befonv>er6 intensiven Besetzung leidet Auch der hessische Staat selbst wird durch die Besetzung mehr mitgenommen, al« irgendein anderes von der Befchung betroffene« Land. Wa« vom besetzten hessischen Gebiet im ganzen mit. da« ailt für die Stadt Mainz ganz besonk^r«. 6te weist eine Besatzung auf. die weit über da« Maß ker deutsche <yrieben«gavnifon hinau^eht und daher no.toen' igertnei'e überall drückt unb brä. gt. Gerade bei den starken wirtschaftlichen -'Bewegungen und Bestrebungen, die die Rachkr ns- zert mit ihren häufigen wirtschaftlichen 11m- fchichtuirgen zur Folge hatte, sah Rkainz sich gegenüber den mit ihm im Wettbewerb stehenden Städten zurückgedrängt und gehemmt. Ich möchte hier nicht im einzelnen bezeichnen, wie wir die Fürsorgetätigkeit für da« besetzte hessische Gebiet, und besonders für Mainz, fort (eh en wollen. Ich möchte schließen in der lleber- zeugung, daß. wie bisher, so auch in der Zukunft durch tx*rtrauen«nolle Zuscunmenarbei t von Land und Reich fort gefahren werde, die schweven Wunden und Gebrechen, die die Besetzhier gc- fchlagen hat. nach Kräften Au heilen, bi« die Sonne der Freiheft wieder über dem goldenen Mainz erglänzt.
Im kleinen Kreis nahm sodann Reichskanzler Dr ’?'l a r $ noch Ausführungen und Wänscl züglich des Mainzer Unioerfitätsfonds entgcgen. Daran schloß sich ein Abendessen, do-.' bie hessifche Regierung au Ehren de» Gaste» gob. Morgen vormittag R Uhr begibt sich der Reichskanzler mit seiner Begleitung im Auto nach Speyer. 5)eute abend überbrachte ein höherer Offizier des Stabes des Generals Guillaumot dem Reichskonz- . (er im Hotel die K a r t e des General». Hierauf ließ Reichskanzler Dr. M a r y: durch einen höheren Beamten des Reichskommiifariats für die besetzten Gebiete ebenfalls feine Karte überbringen.
Neue Lasten für die Pfalz.
Tie Räumung von Tiez.
Diez, 11. Oft. (TU.) Wie schm kurz gemeldet. werden die bislang in Diez a. d. Lahn station erten französischen Besayungsttuppen nach ten pfälzischen Städten Landau und Reust a d i a d H. verlegt werden. Der Abzug der Besatzung soll nach Mitteilung gut informierter Kreise auf die Einwirkung der niederländischen Regierung zurückzufüftven fein. Die Kknigin der Bie^ertanbe uifterhält auch heute noch alS Prinzessin von Ocanien-QIa 'au engste Beziehungen zu Diez unb lern Schl,sse Oranienstetn, um desftn Freigabe die holländische D.plomatie sich in Paris namentlich bemüht Halen soll. So lehr e« nun zu begrüßen ist. daß die Stadt Diez nun endlich auf Einwirkung ter niederländifchen Königin hin von ihren drückenden Befahungülaften befreit ist. fo bitter wird man e« mit den Pfälzern empfinden, daß die französischen Truppen statt in ihre Heimat zurückzukehren, nun in die ohnehin hart be?rängtc Pfalz verlegt werden. Die Mißstimmung hierüber kommi auch in den Kommentaren der Pfäl^r Presse zum Ausdruck. So ,a)reibt der .Landauer Anzeiger : Träfe die Meldung von der Verlegung der Truppen zu. so genügte das. euch den letzten, weiß Gott sehr geringen Rest von .Vertrauen in der Pfalz auf alle Verivrechungen und internationalen -^prechungen «lnichte zu machen. Auf frinen Fall darf die BesatzungS- oerminderung wie einst nach Locarno eine Mehrbelastung de r Pfal» um 330 Mann bringen Wird man auch in Koblenz und Berlin den nötigen Rachdruck auf tnefe bedeutende Frage legen? — D.e .Pfälzer Zeitung" weist auf die >urch diese Meldung wachlende Bedeutung der B c • < e des Reichökanzlers Dr R rn die Pfalz hin und bemerkt, daß der Bb.rifter wohl darüber Klarheit bekommen wird, daß man in der Pfalz für die behutsame Art der Behandlung der Räumungsfrage in Berlin kein Verständnis mehr aufzubringen ver- mag — Der . RhriTw' ‘ bemerkt, man dürfe
wohl ter (Sttoartung Ausdruck geben, daß m dieser Angelegenheit noch nicht das letzte Wort g-7'prvchen worden ist, e« sei denn, daß der Bevölkerung der P'alz mit allen Mitteln das Bertrouen zur Locarnopolilik genommen werden soll.


